‘Fußball’

Ein gutes Geschäft

. . . oder warum der Firmino-Transfer ein Glücksfall für alle Beteiligten und Unbeteiligten ist

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Mitte Dezember 2014, fünfzehnter Spieltag der deutschen Bundesliga. Die TSG Hoffenheim gewinnt in einem spektakulären Spiel 3:2 zuhause gegen Eintracht Frankfurt. Notiert habe ich mir damals Folgendes im Brennerpass: „Hoffenheim dribbelt und doppelpasst unter der Leitung Firminos wie die brasilianische Nationalmannschaft von 1982.“ Ich erinnere mich auch jetzt noch an dieses Spiel, an Firmino, wie er Spielerwelle um Spielerwelle in den Frankfurter Strafraum schickt, dann wieder selbst durch die Abwehrreihen der Frankfurter pflügt und trotzdem die Übersicht über die Offensivbemühungen der Mannschaftskameraden behält. Den knappen Siegtreffer erzielt ebenfalls der blutjunge Brasilianer, nachdem Szalai mit der Hacke vorbereitet.

Ein Spiel, an das ich denken muss, wenn ich jetzt von den angeblichen 41 Millionen lese, die der FC Liverpool dafür hinblättert, dass Firmino nächstes Jahr an der Anfield Road torgeil über den Rasen schwebt. Der übliche Reflex auf Twitter lautet natürlich „größter Witz der Sommerpause“ (@broedchen), „diese Scheiße bricht dem Fußball das Genick“ (@sasch_1) und „krankes Geschäft“ (@nedfuller). Doch dieses kranke Geschäft nutzt doch der gesamten Bundesliga und vor allem einem Bundesliga-Verein, der – auch wenn manche es nicht hören wollen – dank Roberto Firmino die letzten Jahre äußerst attraktiven Fußball aufgetischt hat. Er nutzt nicht nur The Sensational HOFF™, er nutzt dem Prestige der gesamten Liga.

Er nutzt aber vor allem einem Spieler, der lange genug und scheinbar auch nicht ganz ohne Spaß an der Freud kleinere Brötchen gebacken hat und jetzt ein bisschen weitere Welt als Sinsheim und an ein paar Euronoten mehr schnuppern darf. Natürlich kommt jetzt der Vergleich auf: „Wotsefak, ein Firmino soll mehr wert sein als ein Götze?“ Im Fall Götze trifft das im Moment ja auch zu, also no biggie, außerdem sollte doch mittlerweile jeder kapiert haben, dass Transfersummen nur partiell Spielstärke oder Talent widerspiegeln – es handelt sich in der Regel um Kontextsummen oder glaubt wirklich jemand, dass Bale beinahe 100 Millionen Euro wert war. Spielen tut er zumindest nicht so.

Firminos Marktwert lag übrigens schon vor einem Jahr bei über 25 Millionen, ein klares Zeichen, dass es ihm nicht an Angeboten gemangelt hat, als er sich zunächst entschloss, bis 2017 in Hoffenheim zu verlängern. „Der Anfang war sehr schwierig, ich bin in der Kälte angekommen“, erzählt dieser eher schüchterne Mensch über seine Anfänge bei Hoffenheim. Ein Mensch, der mittlerweile Hoffnungsträger der immer noch leicht angebeutelten Seleçao ist. Dass er sich vier Jahre durchgebissen hat, ist doch ein exzellenter Grund, um ihm die Gehaltserhöhung und den Aufstieg in den internationalen Spitzenfußball zu gönnen, auch wenn sich an der Kälte leider nichts ändern wird, da muss ich dich enttäuschen, lieber Roberto.

Und wer weiß, wohlmöglich kauft sich die TSG jetzt Mario Götze. Geld ist ja jetzt da. Vielleicht ist der Fußball wirklich ein krankes Geschäft, aber Roberto Firminos Transfer zum FC Liverpool scheint mir ein recht harmloses Symptom davon zu sein.

Brennerpass Podcast: 1/6/15 mit Markus Kavka

Ooops, I did it at last. Ich hab’s einfach mal probiert, wie das wäre, nach einem Spieltag – in dem Fall das Pokalfinale – zu podcasten statt zu schreiben. Als Gast hab ich mir meinen guten alten Freund und Kollegen Markus Kavka eingeladen, dessen Sachverstand ich blind vertraue und das nicht, weil er Bayernfan ist. Es musste schnell gehen, weil ich ab morgen eine Woche woanders weile, deshalb noch nicht mit den teuren Mikros und sowas wie Rubriken gibt’s auch noch nicht. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Es ist ein Anfang. Oder ein Ende. Hoffe, ihr habt soviel Spaß beim Hören, wie wir beim Aufnehmen. Ich hatte einen griechischen Obstler, Markus nur Wasser.

Die Themen:

DFB – Pokalfinale, das Hohelied auf die Wölfe und King Hecking
In dubio pro Pep
Sepp Blatter, Rotzlöffel
Bayernsaison im Rückblick
Mögliche Bayerntransfers
Ausblick auf den HSV-Abstieg
Khedira in Italien
Tristesse auf Schalke, oder eben nicht
Trainer und Spieler der Saison

Vorerst zum Testen auf Soundcloud, explizit zum Download empfohlen. Hörbar in der Badewanne, beim Autofahren und beim Gerätetraining.

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (34)

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SPIELTAG 34: SCHULD UND SÜHNE

In eigener Sache: das war die bisher anstrengendste Brennerpass-Saison. Im Nachhinein weiß ich eigentlich selber nicht mehr, wie ich nach Geburt des zweiten Kindes und diversen Deadlines für Übersetzungen etc. noch die Kurve bekommen habe, jeden Sonntag Abend die Kolumne mehr oder weniger (oft weniger) fertig ins Netz zu stellen. Es war ein Ritt auf der Rasierklinge, aber er war es wert. Jetzt breche ich gerne erschöpft zusammen und danke allen Lesern, Tippern und Kommentatoren, die mir schon so lange die Treue halten, vor allem denen, die keine Bayernfans sind. Jetzt aber genug vor der Südtribüne rumgehangen, let’s get down to business.

Hamburg – Schalke 2:0 (0:0)
Der große Abstiegsbossfight. Ich war wirklich heiß, ich war bereit, aber ich war am Abend vorher aus. Drei Stunden Schlaf, Treffen mit der Verwandtschaft, Kindergeburtstag, auf die Couch gekrochen, halbes Kilo Florida-Eis Pistazie und ein paar Pfirsiche eingenommen… und eingeschlafen. Verschlafen. Entschlafen. Dem gesamten Abstiegskampf. Was hier hier schreibe, habe ich Halbschlafmomenten während der Konferenz, der Sportschau und meiner puren Fantasie entnommen. Zunächst: FUCK THE CLOCK. Reisst diese beschissene Uhr ab, denn erstens ist es Overkill, wie oft sie in der Berichterstattung bemüht wird – ich wette, jeder von uns sieht diese Uhr öfter als seine eigene Mutter. Zweitens erzeugt sie so einen psychischen Druck, dass selbst Nicht-HSV’ler jedes Spiel mit flauem Magen schauen. Und nein das liegt nicht am Pistazieneis. Insgesamt hat der HSV seit der Verpflichtung Labbadias zwar nicht sein ganzes Potenzial abgerufen, aber zumindest angerufen. Die Relegation geht in Ordnung, mich hat es sehr für Olic gefreut, sein Tor war entscheidend, auch dafür, dass sein Wechsel nach HH nicht zum völligen Ofenschuss geriet. Zu Schalke möchte ich eigentlich nicht mehr viel sagen. Platz sechs ist nicht das Problem. Das Problem waren schon immer diese plötzlichen Abstürze in die Unlust, die unter Di Matteo immens zugenommen haben. Wenn man jemand der Wettbewerbsverzerrung bezichtigen kann (und das kann man eigentlich nur, wenn man gerne mal einen hebt und Ehren-Methusalem-Scout bei Hannover 96 ist), dann Schalke. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (33)

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SPIELTAG 33: FLUCHT VOM PLANET DER AFFEN

Stuttgart – Hamburg 2:1 (2:1)
Als Kacar trifft, denke ich schon, dem meisseln sie in Hamburg in der Hafenkurve ein Denkmal gleich neben Bismarck, aber den VfB hat dieser Rückstand erst richtig fuchsig gemacht. Großartige Unterstützung der Fans, tolles Spiel der Stuttgarter, aber auch der HSV hat sich nicht unteuer verkauft. Highlight des Spiels: Die geradezu komödiantische Gelassenheit von Stevens auf der Bank. Damit hat er sicher auch den Affenjubel seiner Spieler provoziert. Überhaupt sollten Trainer ihre Spieler öfter beleidigen, vor allem wenn sie so wie Harnik mimosig vor der Kamera von einem „sprachlosen Moment ihrer Karriere“ sprechen. Du Affe, Harnik. Love me some Huub. Es ist eine späte, aber starke Liebe. Und Robin Dutt wird doch nicht das erste Mal im Leben einem Verein Glück bringen? (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (32)

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SPIELTAG 32: DAS LASSEN WIR UNS NICHT MEHR BIETEN

Bayern – Augsburg 0:1 (0:0)
Die Niederlage im Camp Nou war abzusehen. Die Mannschaft ist grade nicht gut genug, um Barca zu schlagen. Schade nur, wie’s passiert ist. Schon wieder trauriger Clown nach puppenlustigem Gegentor. Ansonsten nix Neues aufm Bayern-Bau: Verletzte, Spieler außer Form, ein Trainer, der sich ein bisschen zu sehr in seine Ideen verbissen hat und ein zünftiger Negativlauf. Passiert den Besten. Irgendwann muss aber auch wieder Schluss sein mit der Verunsicherung und der mentalen Maladie und vor allem und gottverdammt noch mal muss man mal wieder Tore schießen. Alle reden von Dreierkette, Konteranfälligfkeit und individuellen Fehlern, aber wenn die Edeloffensive (selbst ohne Robbery) Tore schösse, wäre das alles kein Thema. Kann aber schon zu spät sein, um den Karren aus dem Dreck zu ziehen.

Darauf deutet zumindest das Spiel gegen Augsburg hin. Thiago spielt wie schon gegen Barcelona unbeholfen. Bernats Dauergerenne an der Außenlinie ist schon auch toll, weil der Mann so seinen eigenen Ökostrom erzeugt und vielleicht einer Doppelhaushälfte den Geschirrspüler für einen Tag powert, aber ansonsten fehlt sowohl im Abschluss wie auch im letzten Pass jeglicher Saft. Lahm ist grade wie das kleine Gespenst, das sich in seiner schwarzen Negativform vom Spukschloss ins Dorfleben verirrt hat und dem großen Luchador Mil Oportunidades Lewandowski fehlt vermutlich aufgrund der martialischen Maskierung jeglicher Sinn für die Peripherie. Pepe Reina fehlt dagegen das Feingefühl eines Manuel Neuers. Statt Liberorolle hat er die Rolle eines Axtmörders angenommen. Bobadilla hat’s den Bayern invers mit dem Flügelschlag eines Absatzkicks heimgezahlt. Schweinsteiger wirkt so depressiv, als hätte jemand seinen Sportwagen gegen Erdnussflips eingetauscht, aber einer, von dem mans schon nicht mehr erwartete, hat sich am Riemen gerissen. Tatsächlich leitet Götze das bayerische Offensivspiel beinahe alleine, aber ihm fehlt natürlich dennoch die körperliche Präsenz gegen die kantigen Augsburger. In Dortmund war er noch wilder, das kann man jetzt nicht mehr leugnen, aber abschreiben, geschweige denn abschieben, würde ich ihn auf keinen Fall. Der wird schon. Eins noch: die Auswechslungen von Müller in der letzten Zeit fand ich nicht so problematisch wie er selbst oder die Presse. Sein verqueres Spiel kann schon mal helfen, aber warum nicht einen frischen Spieler wie Götze für die abgekämpften Weilheimer Wirrhaxen einwechseln? Dennoch schließ ich mich folgendem Müller-Zitat in Hinblick auf das Barca-Rückspiel an: „Falls also jemand denkt, es sei vorbei, sollte er uns den Gefallen tun und sich auf die Bank setzen.“ Alles in allem war Augsburg natürlich auch ein wadenbissiger Gegner, den man nicht so einfach heimschickt. Heimschicken kann man getrost die Gerüchte über Pep und Man City und Lothar Matthäus, der immer noch nicht „Guardiola“ sagen kann (sondern „Guuurdiola“). Hat eigentlich Didi Hamann heute schon irgendwo eine Kolumne veröffentlicht? (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (31)

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SPIELTAG 31: MEANWHILE IN CORDOBA

Leverkusen – Bayern 2:0 (0:0)
Zwei Herzen in meiner Brust. Eins möchte sagen: Church in the village. War nur Full Force Leverkusen gegen Setzkasten Bayern, hat keine Bedeutung. Das andere: man macht sich unnötig klein vor Barcelona. Dass hinter der resignativen Auf- und Vorstellung mehr als nur Taktik steckt, offenbart ein Blick auf die vorangehende Pressekonferenz. Pep kontert mit bösartigem Witz den Spruch von Kehl nach dem Pokalhalbfinale. So hab ich ihn noch nicht gesehen, seit er hier trainiert. Das Spiel hat dem Münchner Selbstverständnis weh getan, aber die resultierenden Verletzungen und die bundesweite Häme danach noch viel mehr. Dabei steckt kein schwerwiegenderes Problem dahinter als die seit Wochen debattierten Verletzungen. Und im Pokal verliert man halt gelegentlich gegen unterklassige Mannschaften. Nein, sorry, bevor ich wieder Herzen breche: Der BVB-Sieg war nicht unverdient, weil zum Spielegewinnen eben auch Tore und Elfmeter schießen gehört.

Zum Spiel am Samstag: Leverkusen (die angeblich einen Lauf haben nach einem Unentschieden gegen Köln) haben richtig erkannt, dass hier was zu holen ist und folgerichtig was geholt. Die Kombi aus einem irrlichternden Belarabi und dem goldigen Brandt (der ist zum Knutschen) hat alleine drei Punkte verdient, aber dann hat ja noch Heckenschütze Çalhanoğlu sein Tagwerk verrichtet. Immerhin konnten die Bayern mal ein paar Nachwuchsspieler wie Strieder zum Lactate-Anheizen schicken, bevor sie wieder in die vierte Liga müssen. Leider erneut zu begutachten: wie tief Götzes Lampe gerade hängt. Der Bub wuselt sich einen ab, ist aber jeder Chance Tod. Aber wer weiß, vielleicht macht er sich gegen Barcelona auch in den Bayern-Annalen unsterblich, dieses Mal kann er ja wieder besser als Messi sein – siehe WM-Finale. Martinez, mein Ex-Lieblingsspieler, ist wieder da und war gar nicht so übel für 255 Krankentage. Lahm ist schon länger wieder im Team, hat aber eine deutlich traurigere Figur abgegeben, das Elferdebakel vom Dienstag ist wohl nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Letztlich tut die Niederlage tatsächlich nicht gut und vielleicht ist die Fuck-Bundesliga-Einstellung von Guardiola auch nicht der Königsweg. Das Gelaber vom plötzlich omnipräsenten Didi Haamann, dass Pep mit seinen variablen Aufstellungen die Saison vercoacht, braucht trotzdem kein Mensch. Pep will meiner überflüssigen Meinung nach seinen Bauern beibringen, dass ein jeder auch ein König sein kann und dazu gehört so viel Spielintelligenz, um sich vom Positionsspiel zu verabschieden. Es mag ein bisschen zu visionär für den FC Bayern sein, aber mir ist es lieber, als ein System zu konservieren und eines Morgens aufzuwachen und festzustellen, dass es seit 17 Spieltag nicht mehr mit diesen Spielern funktioniert, siehe BVB. Dass Pep dabei öfter übers Ziel hinausschießt und keine Geduld mit verletzten Spielern und Schiedsrichtern hat, muss man nicht schönreden – aber Genie + Wahnsinn = free hugs. Meanwhile in Cordoba: 0:8. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (30)

SPIELTAG 30: MEISTER DER HERTHZEN

Foto am 26.04.15 um 20.49

Bayern – Hertha 1:0 (0:0)
Ich habe mich ja im Lauf der letzten Jahre in dieser Kolumne immer wieder mal eher verätzend über Sky-Kommentatoren geäußert, aber entweder ich bin schmerzunempfindlicher geworden oder die Kommentatoren besser. Reif polarisiert eher mit Meinung als mit Gehässigkeit, Fritz von Thurn und Taxis ist zumindest in Talkshows weit mehr als nur der Plauderonkel, Kai Dittmann steckt mich mit seiner Begeisterung tatsächlich hin und wieder an und Wolff-Christoph Fuss sagt nicht mehr in jedem dritten Satz „Rock’n’Roll“, sondern denkt sich Bilder aus, auf die ich sogar neidisch bin. So wie dieses: „Früher hat Mario Götze Luftballons verschenkt, wenn er durch die Gegner gedribbelt ist, jetzt hat das Ganze etwas Melancholisches.“ Es ist wirklich so, als wäre der derzeitige Götze nur seine eigene körperlose Ghost-Whisperer-Variante, jemand der noch so spielt, wie seine reale Version, aber als Geist nur noch begrenzten Einfluss auf die physische Welt hat.

Ansonsten kann man den Bayern nach der Porto-Party das fantasielose Zaudern in der Offensive als Katerfrühstück vor den Gelagen mit Dortmund und Barcelona durchgehen lassen. Die Mannschaft ist mehr denn je auf Impulsgeber wie Alonso oder in diesem Fall Boateng angewiesen – letzter kraftpaketet sich immer mehr zum eigentlichen Motor des Bayernspiels, eine Rolle, die eigentlich Schweinsteiger zusteht, aber der übt sich lieber als Bonvivant mit lässig erzielten Gusto-Toren. Lahm ist endlich fast wieder auf der Höhe (no pun intended) seiner Kunst, Gaudino spielt wie Thiago (zumindest bis der Echte kommt und man den Vergleich hat) und Mitch Weiser hat mit seiner sensationell herausgespielten Vorlage zum Siegtor, bei der er vier Herthaner ins Licht führt, wahrscheinlich innerhalb von vier Sekunden als Spieler mit auslaufendem Vertrag vierzig neue Angebote auf den Tisch seines Beraters gezaubert. Was war noch? Ach so, Deutsche Meisterschaft, numero 25. Und wieder Mal via Hertha. Im Ernst: Hertha mit Dardai und Preetz mit Bart kann man sich derzeit anschauen, Meistermacher oder nicht. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (29)

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SPIELTAG 29: ..of our elaborate plans, the End.

Hoffenheim – Bayern 0:2 (0:1)
Wie permeabel doch die Trutzwalle unserer Existenz sind. Morgens geht die Waschmaschine kaputt und der Orangensaft wird verschüttet, am Abend ist schon der Job weg und jemand in der Nachbarschaft gestorben. Was ich sagen will: die Menschheit und ein Fußballverein sind fragile Gebilde. Beim FC Bayern verletzt sich ein Arjen Robben und plötzlich haben wir die größte menschliche Ausfallrate seit der Pest im Verein. Dazu kommen ein paar Lapsus (korrekter Plural) der Sorte dumm und dümmmahr, eine herbe Niederlage gegen einen von sich selbst berauschten portugiesischen Proletenhaufen und die Nerven liegen so blank, dass der Medicus seine Kräuter einpackt und so dermaßen davon braust, dass es den erfolgsverwöhnten spanischen Chefinquisitor Cheftrainer nur so schüttelt. In nur drei Wochen ist aus dem Ligariesen und Ohrenpokal-Aspiranten ein Krisenverein geworden. Es ist herrlich und schrecklich zugleich, es ist eine Storyline, die selbst mich als Bayernfan mitreisst. Zumindest so lange bis die Bayern das Heimspiel gegen Porto nicht 2:0 gewinnen und von Dortmund aus dem Pokal geslamdunkt werden. Dann haben wir ein Staffelfinale, wie es sich George R. Martin nicht brachialer ausdenken könnte.

Aber es gab ja auch noch ein Spiel, dazu folgende Anmerkungen: Bernats Engagement in allen Ehren, aber es muss schon ein bisschen mehr passieren als das substanzlose Rumgewetze auf der Linie. Irgendwer muss auch von seinem Aufwand profitieren können. Und überhaupt – wenn die Trainer der gegnerischen Mannschaft immer sagen, es stünde auch nach den Ausfällen immer noch nur Weltklasse auf dem Platz, haben sie wohl vergessen, dass Weiser und Gaudino spielen. Das sind ganz liebe, talentierte Jungs, aber der eine (Weiser) ist jetzt schon drei Jahre Talent und der andere ungefähr 13. Wie Rudy Bernat abgeräumt hat, war unappetitlich. Wenn andere Mannschaften jetzt wirklich noch beherzter in die Bayern hineintreten, weil man das grade so macht, dann sei denen gesagt: Ihr seid Schwachköpfe, Bayern wird eh nächstes Wochenende Meister, egal was ihr da noch rumamputiert. Fazit des Spiels muss natürlich heißen: In Rode we trust. Dieser rustikale aber technisch hervorragende Chuzpeur hält das Bayernspiel am Leben und diesmal war auch kein Phillip Lahm dabei, der ihm dasselbe wieder aussaugt – im langen Schatten seiner selbst. Hoffenheim finde ich zur Zeit eher mies, das Europageschäft spart man sich in dem Zustand lieber, wird nur blamabel. Dass Dante immer noch spielen darf verdankt er mittlerweile nur noch Sternenkonstellationen und wenn Pep von seinen Helden spricht, meint er in Wirklichkeit nur Thiago, Rafinha und Neuer. Ich habe ja diese Theorie, dass Götze an allem schuld ist. Bayern hat sich in eine Abhängigkeit von Ribery und Robben begeben, die nicht mehr gesund ist, aber sie haben sich immer genug Ballkunst von Götze versprochen, um das zu kompensieren. Leider spielt Götze wie sein eigener talentfreier Golem. Und eins noch: Das mit den kurzen Ecken lassen wir lieber wieder bleiben.

PLUGTIME: Mein Artikel für Vice Sports über das Robbery Dilemma

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Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (28)

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SPIELTAG 28: Game Of Bones

Bayern – Frankfurt 3:0 (1:0)
Ah, die Knochen, die Knochen. Passt doch jemand auf die teuren Knochen auf. Aber langsam. Erstmal Rührung, als Reina seinen kleinen süßen Sohn mit in die Allianz-Arena führt. Damit ist der Fratzi halb so oft aufgelaufen wie sein Papa. Dann Angst, als Aigner zur Eröffnung Bernat wegaxt ohne sich zu entschuldigen und Dante umgehend Valdez entstellt. Angst, dass das Match die Bayern wieder ein paar Spieler mehr kostet und man gegen Porto mit der Viertliga-Auswahl antritt. Ja, ja, ich weiß, wir Bayernfans und unser Lamentieren auf internationalem Spitzenniveau. Es ist ja legitim, wenn man uns in der Liga ein wenig die Federn stutzt, aber wir sind immerhin das letzte verbleibende deutsche Team in der Champions League …ein bisschen Lokalpatriotismus bitte. Aber letztlich gabs eh nur noch eine wüste Sense von Madlung und dann hat sich Frankfurt mehr oder minder ergeben. Zum Spiel: Für Schaafs Scharmützelfußball hat Pep dann auch mit Freuden wieder auf die Offensive gesetzt und kann sich jetzt endlich wieder im Spiegel anschauen. Ich mag den Flow im Frankfurter Spiel, aber der zieht die Spieler halt auch ziemlich auseinander und eröffnet Räume für Thiagos Trickball-Performance. Nur Götze verliert trotzdem jeden Zweikampf. Angesichts der Verletzungen von Robben und Ribery war ja die Frage, wer sich jetzt besonders hervortut – und das ist eindeutig Lewandowksi, dessen erstes (Abseits)Tor wie eine Intro-Animation fürs nächste FIFA auf der PS4 wirkt. Die zweite Halbzeit besteht dann überwiegend aus dem Duell Lewandowski vs. Trapp und….*trommelwirbel*…. The Man who Physics forgot – Thomas Müller. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (27)

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SPIELTAG 27: Josep im Wunderland

(Anmerkung: Es ist Ostern, das Kind sucht Transformers im Garten und außer dem Bayernspiel hab ich mich nur oberflächlich über die Liga informiert, crucify me, um’s mit Tori Amos und Jesus H. Christ zu sagen)

Dortmund – Bayern 0:1 (0:1)
Auf den Tag habe ich gewartet. Pep hat die Schnauze voll von den ganzen Konteropportunisten in der Bundesliga und dreht den Spieß einfach um. Mit acht Vasallen hinten rein und wer nicht mit einem hohen Pass die Mittellinie überbrückt, wird zur Persona non Grata erklärt. Es ist Bizarro-Pep in einer Bizarro-Welt, alles steht auf dem Kopf, Lewis Carroll hat die Mannschaft aufgestellt, der Gegner hat stellenweise mehr Ballbesitz als der motherfukkin FC Bayern, es ist wie eine Cosplay-Convention unter Fußballstrategen. Aber es haut hin.

Schon wieder, zum zweiten Mal nach dem letztjährigen Pokalfinale, schlägt Guardiola die Dortmunder mit der Feder statt dem Schwert. Wobei zugegebenermaßen auch etwas Glück (nicht gegebener Elfer) im Spiel war und ein BVB, der vorne a) keinen Plan B hatte und b) einen mediokren Plan A. Aubameyang verwelkt in der Mitte förmlich und Reus ist zwar engagiert, aber bei Dante und Bernat in guten Händen. Apropos Dante, für den war das Spiel die Chance, sich als Säule der Innenverteidigung zu rehabilitieren und – oh boy – hat der sich rehabilitiert, oder? Pep hat den Sieg ihm gewidmet und gesagt, er hätte gerne 1000 Dantes in der Mannschaft, ein derart verstiegener Superlativ, wie ihn nur Pep bringen kann (und der fast schon wie ein Trostpflaster klingt, bevor er ihn im Sommer rausschmeißt). Ich liebe beide – den Haarigen und den Haarlosen.

Was gabs sonst noch? Der Rasen war offenbar mit Seife gewässert, so oft wie die Bayern ausgerutscht sind. Auch sonst fielen viele bzw. wurden viele gefällt, es war ein hartes, aber nicht sonderlich derbes Spiel. Schweinsteiger wird noch zum John McClane des deutschen Fußballs, wenn das so weiter geht und er sieht auch zu Beginn eines Spiels schon so aus, als hätte er Kopfweh. Ich habe ja Leute gehört, die das Spiel langweilig fanden, aber für mich wars ein Gaumenschnalz-Taktik-Thriller, wie ich ihn bei anderen Vereinen und Trainern (looking at you, Lucien) saulangweilig fände.

Benatia und Boateng waren atemberaubend gut, so gut wie Hummel gern gewesen wäre, in diesem Schaukastenspiel vor seinen potenziellen nächsten Arbeitgebern aus England, und Neuer hat einen Reusstoß gehalten, als wäre er Reed Richards höchstpersönlich. Gestört hat mich nur das Fehlpassinferno der Bayern Mitte der zweiten Halbzeit und dass wie immer niemand Lewandowski geholfen hat, der sein absolut bestes Spiel bei den Bayern abgeliefert hat.

Fazit: Robben und Ribery müssen erst beide weg sein, bevor sich Bayern mal was Neues einfallen lässt, aber irgendwann muss man den kalten Entzug von diesen Adrenalin-Junkeys an der Außenlinie ja mal beginnen. Schön, dass Thiago wieder da ist, ich hatte tatsächlich ein bisschen taubtrüben Ginst in den Augen.

Lieblingsstatistiken: 1. Torschuss BVB in der 51. Minute, erste Torchance BVB in der 61. Minute, 1. Eckball im Spiel in der 74. Minute, 1. Bayernchance = einzige Bayernchance = Siegtor. (mehr …)

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