Kurzkritik zu Guardians Of The Galaxy

Der Film macht eigentlich dasselbe falsch wie die meisten Marvel-Filme. Er unterbesetzt seinen Erzbösewicht, er fokussiert sich auf einen albernen, alles bestimmenden MacGuffin (die Infinity-Steine) und sein Plot ist überraschungsärmer als ein Michael-Bay-Film. ABER – und das macht ihn zum bisher besten Marvel-Film – er hat Soul. Und wie. Das liegt nicht nur an den unpeinlichen Ohrwürmern des Soundtracks und den Tanzszenen (man könnte auch sagen, das ist der erste Sci-Fi-Tanzfilm, wenn man den Ewoks-Film nicht mitrechnet), sondern vor allem an dem warmen Humor, der niemals zynisch, hässlich, pennälerhaft oder anbiedernd anal ist. Er ensteht aus purer Liebe zu den Figuren und dem Umstand, dass die Protagonisten sauschräge Vögel sind, die im Grunde über lange Strecken an sich selbst scheitern. Der Film ist eine Komödie – keine Frage – und trotzdem nimmt er sich selbst ernster als alle anderen Marvel-Filme bisher, weil er seine Figuren ernst nimmt. Ein sprechender Waschbär und sein bester Freund der Baum (saving the entire grace of speaking trees in movies, ich schau euch an, Ents) sind menschlicher als das komplette Ensemble im letzten Thor-Film. Und seine Message ist in harschen Zeiten wie diesen die wichtigste der Welt: Tanzt mehr und löst eure Konflikte mit Dance-Offs statt mit Waffen.

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (2)

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SPIELTAG 2

Schalke - Bayern 1:1 (0:1)
Zur Personalie Alonso kann ich allen Zweiflern leider nur mit uneingeschränkter Begeisterung dienen. Dieser Spielertyp, der lieber auf der Terasse einen leichten Roten trinkt statt mit dem weißen Lamborghini durch die Innenstadt zu brausen, liegt mir enorm. Der lieber andächtig passt, statt sinnlos Kalorien verwepsend über das Spielbrett saust. Der den Ball abgibt und nicht versucht den Gegenspieler tausend Mal aussteigen zu lassen, nur um ihm dann ans Schienbein zu schießen (I’m looking at you, Mario Götze) ist mir eine Wohltat. Pirlo ist so einer, Alonso auch und Messi wird auch noch irgendwann vernünftig. So war es dann auch Alonso, der dem Spiel in den ersten 25 Minuten die Impulse gegeben hat, während der Rest der Mannschaft scheinbar aus Respekt vorm neuen General mitgemacht hat. Von Eigeninitiative war aber da schon wenig zu spüren. Götzes Schönspielerei geht mir schon an Spieltag zwei auf die Nerven, Alabas Wille zum besonderen Pass, der nie gelingt, bringt uns auch nicht weiter, die Däumchendrehende Doppelspitze Müllandowski hat auch keine Löcher gerissen (bis auf das Tor), nur Shaqiri hat sich reingehauen, das aber ohne jeden Sinn und Verstand. Gefallen hat mir neben (im wahrsten Sinne) Alsonso die Rauhaar-Dogge Rode, der Rackerer Badstuber und der ewige Turm Boateng. Die eingewechselten Højbjerg und Bernat haben nur den Status Quo bewahrt und der hieß zu dem Zeitpunkt schon: Schalke schaltet und waltet. Das war schon beeindruckend mitanzuschauen. Vom Survival zum Revival. Die auch nicht grade in Bestbesetzung auftretenden und vor allem ohne Sturm spielenden Knappen hatten die Bayern erstmals seit Jahren wieder unter Kontrolle. Kontrolle dank übergebührlicher Opferbereitschaft. Allein Drax(ler) the Destroyer hat eigenhändig drei Rote gefällt, Höwedes hat die Hand Gottes bemüht, weil der Haarsansatz noch brennt, Ex-Bayer Jan Kirchhoff hat in seinem dritten Spiel für Schalke (in 9 Monaten!) erneut vorzeitig die Saison beendet, Santana riss sich ein Bündel Muskeln, Fährmann ließ sich ein Ohr abschießen und Ayhan hat auch irgendwas. Maximaler Einsatz für einen Punkt, Schalke. War’s das wirklich wert?

Hamburg - Paderborn 0:3 (0:1)
Der HSV ist schon am zweiten Spieltag wieder der Sandsack der Medien. Slomka sieht an der Linie verlorener aus als Pep Guardiola auf der Wiesn. Entweder ist Paderborn wirklich so gut, um einem gestandenen Erstligisten auf jeden Angriffsversuch sofort die bittere Gegenmedizin zu verabreichen, oder die Verunsicherung der letzten Saison steckt den Hamburgern noch tief in den Schamhaaren. Armer Adler. Die Karriereentscheidung, zum HSV zu gehen, erweist sich zusehends als Karrierekiller. Mal sehen, was Julian Green bringt.

Augsburg - Dortmund 2:3 (0:2)
Geht voll in Ordnung der Sieg und wenn jetzt noch Kagawa kommt und die Abwehr wieder ihren Dienst aufnimmt, dann ensteht Leverkusen ein ernsthafter Konkurrent um die Meisterschaft.

Leverkusen - Hertha 4:2 (0:1)
Oh ja, Kusentime. Wer hätte gedacht, dass ich mich mal für Leverkusen-Spiele begeistern kann. Nicht dass ich was gegen den Verein an sich hätte, aber denen sind ja vor lauter Talent und Vorsicht die Füße eingeschlafen in der letzten Rückrunde. Und jetzt so was: Ein Spektakel ohne einen Gedanken an den nächsten Morgen. Sogar in Rückstand wollen sie aus eigener Kraft geraten (siehe Eigentor). Ich hoffe, der Wahnsinn der die Jungs beseelt, rächt sich nicht bald in Verletzungen. Ich mag diesen Bruce-Lee-Fußball: frech, weise und brutal. Wie Bellarabi eben. Dabei war Hertha eigentlich so gut, wie ich sie die ganze Rückrunde nicht gesehen habe, inklusive dem wiedererstanden Julian Schieber. Solche Siege zählen.

Freiburg - Gladbach 0:0 (0:0)
Der Sonntag war nix für zartbesaitete Gemüter. Eine Wahl in Sachsen, in der AfD und NPD auf insgesamt 15% kommen und ebenfalls zwei Nullnummern in der Bundesliga, da muss man schon Guardians Of The Galaxy im Kino sehen, um den mentalen Schaden wieder gutzumachen. Für Streich ist dieses Gelauer ja ein probates Mittel, er hat ja sonst (noch) keins, aber für Gladbach war das einfach dösig bis feige. Klar, dass in so einem Spiel auch noch ein Elfmeter vergondelt wird.

Mainz - Hannover 0:0 (0:0)
Duelle der zwei mir am wurschtesten Mannschaften der Liga. Und dann gewinnt noch nicht einmal eine davon. Mainz fängt sich langsam, aber wozu.

Wolfsburg - Frankfurt 2:2 (1:1)
Saudumm von Wolfsburg, das Spiel nicht heimzufahren. Wenn man nicht jetzt schon punktet, wo der BVB und Bayern noch ihre Motivation suchen, schon wieder gegen dieselben Champions-League-Gegner wie in den letzten 5 Jahren zu spielen, muss man punkten, oder man kann sich besagte CL erneut abschminken. Schaaf hingegen hat Frankfurt gut im Griff, aufgrund diverser Schussligkeiten von Grün und Co hätten die Hessen auch mit den big points heimgehen können. Apropos Schussligkeiten: Malandas Ruf als Chancentod dürfte nach diesem Spiel nur noch mit der Torjägerkanone ins Wanken bringen zu sein.

Bremen - Hoffenheim 1:1 (0:1)
Uh japs, das Tor von Firminho – was für ein keckes Ei und was für ein Adam’s-Family-Flipperkönig-Pass von Rudy. Bremen hätte das Spiel dennoch gewinnen können, hätte man nicht erst in der zweiten Halbzeit den Umschalthebel von “zufällig auch auf dem Platz” zu “gekommen um zu bleiben” gefunden.

Stuttgart - Köln 0:2 (0:2)
Stoeger und die Kölner haben die Erstliga-Nervosität endgültig abgelegt und stoßen aus ihrer spielverderberischen Sachlichkeitsdefensive mittlerweile recht wepsig in den Strafraum der Schwaben hinein. Das ist scheiße zu spielen, aber in 90 Minuten ein Rezept zu entwickeln, erwarte ich mir von Armin Veh.

TIPPSPIEL
Gratuliere zum Tagessieg, davednb, das war ein biestiger Tipptag, finde ich als kläglicher 5-Punkte-Abstauber.

1. Heisenberg30
2. benchman27
3. ChrisKurbjuhn25
3. todt.beier25
5. kleinereins24

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

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Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (1)

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SPIELTAG 1

Bayern - Wolfsburg 2:1 (1:0)
Zugegeben, von beängstigender Frühform kann bei den Bayern keine Rede sein, aber bedenkt man, dass Pep Guardiola unter Ausrufung des Notstands aufgestellt hat, gibt es jede Menge Dinge zu entdecken, die optimistisch stimmen.
Allen voran freilich das Comeback von Holger Badstuber. Der hat in seiner Abwesenheit zwar ein paar Haare, aber keineswegs Federn gelassen, seine Zweikampfquote lag stellenweise über 90% und endlich kann ich auch wieder einen meiner Erfolgstweets von vor zwei Jahren rezitieren: “You know when you’ve been badstubered.”
Dann natürlich Babybel Gaudino, der sich vermutlich im Training noch Autogramme von den Weltmeistern geben hat lassen, bevor er sie aussteigen ließ wie bettwarme Prokuristen. Auch gut: Rode als Impulsjoker, auch wenn sein Tor nicht gezählt hat, weil man sich statt endlich den gottverdammten Videobeweis einzuführen, den Kopf darüber zerbricht, ob das Freistoßspray jetzt aus Sprühsahne oder Rasierschaum bestehen darf (Ich nehm das zurück: Freistoßspray ist der neue Hipster; easy target). Robben und Müller sind scheinbar ohnehin immer noch in der WM-Mauser, am besten steckt ihnen auch niemand, dass die vorbei ist. Nicht unerwähnt soll auch der Kollege Bernat bleiben, der in der Defensive zwar etwas zu sehr auf Distanz zum Gegner geht (als wäre er sich zu fein für ein physisches Habe-die-Ehre), aber dafür auf der Außenlinie herumderwischt und übersteigert als er wäre er der leibhaftige Monsieur.

Und was war negativ (von Rummenigges peinlichem und völlig sinnfreien Geschwätz über Dortmunder Wirtschaftskopisten mal abgesehen)? Ein paar sympathische (weil nicht gravierende) Schrägheiten von Neuer, etliche Plotlöcher und unnachvollziehbare Handlungssprünge im Spielaufbau, aber nichts, was die Zeit nicht richtet. Auch der BVB-Sturm ließ noch ein bisschen zu wünschen übrig, aber der eingesprunge Lewandowski-Rittberger nach Genießerzuspiel von Gaudino war ein netter Vorgeschmack und eine Torvorlage hat UNSER Lewi ja auch schon vorzuweisen. Götze hingegen ist alleiniger Weltmeister, der kann sich auf seinen Lorbeeren mindestens noch zwei Spiele ausschlafen. Wirklich unzufrieden bin ich nur mit zweien: 1. Shaqiri, der seine WM-Form pünktlich zu Saisonbeginn wieder abgelegt hat und 2. mit der neuen Harvey-Two-Face-Frisur von Højbjerg. Haben wir nicht aus dem Abgang von Contento gelernt, dass mit zunehmender haarstilistischer Exotik die Ballfertigkeit abhanden kommt, weil man vermutlich seine Prioritäten falsch setzt?

Wolfsburg war ein passabler Auftaktgegner. Wenn man bedenkt, wer da noch aller fehlt, aber sieht, wer jetzt schon spielt, kann man auch beinahe von einem Luxuskader sprechen. Einem, der Gala kann, aber auch rennt und beisst (Knoche, Arnold, Olic) und dem aber wie immer im Abschluss das nötige Quentchen Hirn fehlt, wie der Kollehe Malanda demonstriert hat (wobei der entgegen aller Unkenrufe wirklich bei dem Tempo kaum zu “nehmen” war). Die ballgewordene Lustbrumme von Olic zum Anschluss war die Ausnahme zur Regel. Insgesamt aber ein Saisonauftakt nach Maß, das Gestocher gegen Gladbach im letzten Jahr war sicher nicht besser. Auch Wolf-Christoph Fuss scheint guter Dinge zu sein, was man an der Begeisterung merkt, mit der er uns seine schlechten 90er-Jahre-Aphorismen aufs Brot schmiert. Aber wer bin ich, um zu beurteilen, was cool oder lustig ist. Geschmack ist demokratisch und Deutschlands Optimum an Zeitgeist und Humor sind Joko und Klaas. (mehr …)

Das falsche Tagebuch: 19. August 2014

Das Älterwerden ist mit das Großartigste, was mir je passiert ist. Das habe ich ja immer gehofft, aber nicht zu träumen gewagt, dass man als geborener Homo Hecticus nochmals so gelassen werden kann (für meine Verhältnisse versteht sich). Mein Problem war nie Indifferenz oder Wurschtigkeit, nie die Lethargie oder die Empathie. Ich war immer zuviel von allem. Emotional wepsig, weinerlich, weidwund. Geblieben ist davon überwiegend eine selbstgerechte Grantigkeit. Yes, ich kann endlich Schmerzen und unangenehme Dinge, Traumta und Herzlöcher verdrängen, wegschieben und unter den Teppich kehren wie andere Leute auch. Ich muss nicht mehr alles ausleben und Lieder darüber schreiben. Das macht mich glücklich. Die Melancholie ist eine dumme Sau.

Lesereise: Herbst

Es fehlen ja noch ein paar Termine von der großen Mandelreise in diesem Jahr. Die kann ich hiermit preisgeben. Freu mich, wenn’s wieder losgeht, hab auch extra ein paar ganz neue Lieder einstudiert. Auf deutsch sogar.

26.09.2014 Chemnitz – Weltecho
27.09.2014 Suhl – Provinzschrei
04.10.2014 Frankfurt, Feinstaub
05.10.2014 Karlsruhe – Kohi (Karlsruher Literaturtage)
22.11.2014 Berlin, Z-Bar, Krimimarathon

Und nicht zu vergessen das einzige und letzte Gebruder-Grim-Berlin-Konzert in diesem Jahr mit den geschätzten und wiedervereinigten Kollegen von HOT°.

17.10.2014 Gebruder Grim & HOT°, Grüner Salon, Berlin

Und so geht’s zu auf Lesereise:

Brennerpass: Supercup 2014

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Dortmund – Bayern 2:0 (1:0)

Ich bin mir sicher: wenn man nachts mit einem Ball in der Hand an Manuel Neuers Haus vorbeiläuft, stürmt er aus der Wohnungstür, schlägt einem den Ball aus der Hand und legt sich wieder hin, ohne je aufgewacht zu sein. Der Mann hat offiziell die Transformation zur Maschine vollzogen. Und das trifft sich gut, denn sonst hätte Bayern hier auch sein Brasilien erleben können.

Ich weiß nicht, was sich Pep von dem Spiel erwartet hat, aber wenn es etwas anderes als hochmotivierte und sich den Arsch abrennende Dortmunder waren, die den Bayern nach den hochgradig obsoleten Rummenigge-Sprüchen das Maul stopfen wollten, dann hat er sich wohl über den Sommer doch zuviel mit der katalanischen Unabhängigkeit (inkl. Demos in Berlin) beschäftigt. Vielleicht ist es ja wirklich die Sprachbarriere, vielleicht ist ihm nicht klar, dass der BVB born to kick Bayerns weary arses ist. Vor allem solange er mit einer obskuren und uneingespielten Dreierkette herumzündelt. Pep sagt, er braucht mehr Zeit, die er nicht hat. Klopp ist das wurscht, der spielt mit zwei Stürmern und der Raute aus dem Alten Testament, wenn es sein muss. Dass Klopp so ein Narzist und Ehrgeizling ist und gleichzeitig ein absoluter Pragmat, macht ihn zumindest kurzfristig immer zum besseren Trainer als Guardiola.

Obwohl ich schon die Befürchtung hege, dass die Bayern mit einem ziemlichen Kater in die Saison starten werden, weil es nach der WM endgültig nichts mehr gibt, was sie noch gewinnen können, hab ich gestern etliche Lichtblicke gesehen. Der hellste davon war Rode, aber auch Shaqiri hat eine neue Chance verdient, und dass ich Højbjerg-Fan bin, ist kein Geheimnis.

Fazit: diese kleine Demontage tut gerade den Weltmeistern ganz gut und bei den Dortmundern und ihrem erstaunlichen Fitnessgrad kann man nur hoffen, dass die sich nicht wieder bis zur Winterpause aufgerieben haben ob ihrer massiven Enthusiasmierung. “Hurensöhne”, singen wir auf jeden Fall so schnell nicht mehr und Marco Reus’ Austiegsklausel ist wohl auch eher ein Thema für Pérez als für Rummenigge. Man kann ja sicher auch mehr als 25 Mio zahlen, wenn man will, oder?

Zu Javi Martinez fällt mir nichts ein. Farce, traurige.

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Das falsche Tagebuch: 11. August 2014

Ich war dann doch nicht in El Dorado, Templin. Weil wenn das Kind ausgerechnet an einem moderat sonnigen Augustausflugssonntag kränkelt und sich in der Wohnung festgenörgelt hat, kannst du nur noch Scheiße schreien und dir ein Eis holen. Dafür hatten wir wenigstens den Supermond, den keiner sehen konnte und den Erdogan-Erdrutsch, der nicht zu übersehen war. Ja, schade, dass jetzt doch wieder ein autokratischer Gottestaat aus der Türkei geworden ist. Aber es war ein Anfang, da kann man nach der nächsten Revolution ja wieder ansetzen. Überhaupt lass ich mich nicht von der Aussichtslosigkeit der Dinge in eine Ebola-Stimmung versetzen. Ich bin vielleicht verrückt oder auch nur Positivist (und man fragt sich eh, ob das nicht nur Auslegungsunterschiede sind), aber je mehr wir uns in die archaische Brühe reiten, desto mehr stärken wir den Common Sense und die intellektuelle Evolution und schwächen den Kapitalismus. Nur das ist halt ein ganz langwieriger Prozess, dessen nächste Ausbaustufe wir vielleicht erst mit Rollator erleben, und in einer Zeit, in der keiner mehr die nächste Ampel-Phase abwarten mag, weil’s jedem mit der Durchsetzung seines Lebenskonzepts so wahnsinnig pressiert, will eh keiner mehr weiter als bis zum Abendessen denken. Ich glaube ans Erwachsenwerden, ich glaub an die Bildung und manchmal auch an das Faustrecht der Prärie (meine Western-Phase, wir erinnern uns) wenn so eine Arschgeige seine Leute behandelt wie Ameisen. Am 9. September kehrt übrigens der Supermond zurück. Ich für meinen Teil kann das abwarten. Morgen früh hingegen kommt schon die Putzfrau. Die verrichtet zweifellos eine tolle Arbeit, aber manchmal frage ich mich, ob die Zeit, die man dafür aufbraucht, die Wohnung in einen Zustand zu versetzen, damit die Putzfrau putzen kann, nicht kongruent ist mit der, die man bräuchte um selbst die ganze Wohnung zu putzen.

Kurzkritik zu Dawn Of The Planet Of The Apes, Noah, Oculus

DAWN OF THE PLANET OF THE APES
Soweit ist es schon gekommen. Beim kleinsten Anzeichen von Dystopie fürchte ich um Leib und Leben meiner Familie. Ernsthaft jetzt. Sofort geistig bei Ebola und zwar den ganzen Film lang. Wenn man jung ist (also unter 39), hat man nichts zu verlieren außer seine Katze, die Großeltern, die Ehre und etliche Beziehungsversuche. Da hat der Tod beinahe nicht selten etwas Kurioses, Interessantes, wie er einem permanent gedanklich auf den Fersen ist. Man schaut Splatterfilme und hört Black Metal, man schreibt Elegien und schwelgt in Agonie. Fünf Jahre später traut man sich keine Zigarette mehr anfassen, sieht den Straßenverkehr als größte Bedrohung für die Menschheit an und erwartet jeden Tag den dritten Weltkrieg oder wenigstens dass der Russe kommt. Jetzt wo ich das los geworden bin: Dieser Film ist ein pathetisches, vorhersehbares Rührstück, das man aufgrund des hohen moralischen Anspruchs und der sehr guten Rhythmik eigentlich kaum verreissen kann. Oder? Mir ätzt aber doch viel Moralin ins Action-Getriebe und die Baukasten-Dialoge sind mir eigentlich auch zu – Verzeihung! – affig. Vielleicht sagt das ja am meisten über den Film: Dass ich ihn nicht mochte, obwohl ich ihm die Story, die Andy-Serkis-Show und das Weltenende abgekauft habe. Ich quasi unangenehm gerührt.

NOAH
Passiert mir nur selten, dass ich mich nach einem Film frage, was das Genre gewesen ist. Er fängt an wie Herr der Ringe für Bibeltreue, was ja auch passt, denn anders als Fantasy kann man das Thema religiösen Mythos eh nicht behandeln (außer man ist Mel Gibson). Der Film ist gespickt mit CGI, die Andy Serkis die Tränen in die Augen treiben würde, darunter schwülstigere Sonnenuntergänge als in “Sturm der Liebe” (ARD) und einer Umeltschutz-Botschaft, die Russell Crowe mit einer übertriebenen Gravitas herüberbringt als wäre er der Erzengel Al Gore. Dann wird der Film vollkommen unerwartet spannend (und das bei einer Geschichte deren Ausgang man kennt) und in seinen zwischenmenschlichen Verflechtungen interessant. Danach wird er zappenduster. Menschlich düster, so Nolan-mäßig. Und bleibt fatalistisch bis zum Schluss, auch der Schluss kann das Kaputte nicht mehr kaputt machen. Ich muss also konstatieren: die erste Hälfte größter Bullshit des Jahres, die zweite aufregend.

OCULUS
Spiegelhorror ist immer Horror. Ich find Spiegel wirklich gruselig und damit meine ich nicht meinen 39-jährigen Anblick jeden Morgen. Aber weil Oculus es ganz besonders gut und haunted machen will, installiert er zwei Zeitebenen, die sich immer mehr vermengen und am Ende kaum mehr von einander zu unterscheiden sind. Das ist technisch elegant gelöst, inhaltlich aber völlig von der Rolle, es ist praktisch unmöglich sich auf die Handlung einzulassen, weil ständig in der Zeit herumgesprungen wird, als hätte der Fluxkompensator Hämorriden. Den ach so schockierenden Schluss bekommt man allerdings schon in der ersten Viertelstunde des Films zugefaxt, wenn man sich nicht nebenbei im iPhone die Haare schön macht. Zusammenhalten tut das scherbige Spiegelkabinett die tolle (und gelegentlich leicht übermotivierte) Karen Gillan.

Das falsche Tagebuch: 7. August 2014

Schon wieder und immer noch im Westernwahn. Muss wohl am Wochenende nach El Dorado Templin fahren und den ganzen Tag ungehindert den schwarzen Cowboyhut tragen. Beeindruckt haben mich nachhaltig die Peckinpah-Western “Pat Garrett & Billy Kid” mit dem Dylan-Soundtrack und der Sterbeszene am unbebauten Fluss, und vor allem der sterbensvollerdreckige “The Wild Bunch”. Über Pike Bishop habe ich ein Lied geschrieben. Die Sergio Leones samt Eastwood hab ich schon letzten Sommer durchgebrütet, dieses Jahr sind Ford, Hawks und der Duke dran. “The Searchers” hat mich regelrecht eingedunkelt mit seiner Weltverneinung im Monument Valley. Der Western, überhaupt ein düsteres Genre, selbst “High Noon” ist alles andere als eine happy-go-lucky Heldensaga. “The Sons of Katie Elder” und “Stage Coach” sind als Nächstes dran. Es ist das erste Mal im Leben, dass ich John Wayne etwas abgewinnen kann. Weil ich ihn jetzt erstmals im Original reden höre vermutlich und da wird auch deutlicher, was für ein guter Schauspieler er war, ob man den reaktionären Hund jetzt mag oder nicht.

Die Frau, die mich neulich für den Tagesspiegel interviewte, hat nicht ganz zu Unrecht gesagt, ich hänge in den Mandel-Büchern in so archemännlichen Genres wie Detektiv, Metal und Wrestling herum. Kommt auch noch der Western dazu? Plötzlich habe ich so ein Bild vor Augen, wie der Mandel in El Dorado Templin im Saloon sitzt und dort als Pianist sein Geld verdient und ich sehe meine Chance, einen eigenen Western zu kreiern, wenn auch in der Uckermark. Aber nein, die Mandel-Bücher sind vorbei. Bavarian Gothic ist mein neustes Genre.

Und was immer das auch über mich aussagt, dass ich die Machomilieus mag (ich sage, es bedeutet nur, dass ich ein Kindskopf bin), in jedem lässt sich ganz ausgezeichnet das finden, was ich finden will: alle sind fürchterliche Opportunisten und Kompetitionisten, deshalb gibt’s auch Krieg auf der Welt. Ich will die Frauen von der Weltsünde nicht komplett ausnehmen, aber die ihnen im Lauf der patriarchischen Jahrtausenden aufgezwungene Zurückhaltung hat sie einen feinsinnigeren und manchmal auch hinterfotzigeren Opportunismus gelehrt: die Manipulation ist ein süßes Gift, und die eine oder andere gelegentliche Vergiftung ist mir lieber als die männliche Ultima Ratio, alles in Schutt und Asche zu legen und dann zu überlegen, wie’s weitergeht.

Meine Frau sagt manchmal: “Gib’s zu, du magst keine Frauen.” Ich sag, das kann schon sein, aber ich mag Männer genauso wenig. Nur bei Männern hab ich das Gefühl ich könnt noch was zum Weltwohlergehen beitragen, weil ich unsere grauslichen Minderwertigkeitskomplexe besser kenne und verstehe. Und noch besser verstünde ich sie sicher nach einem Besuch in El Dorado Templin.

Brennerpass Bundesliga 2014/2015: Tippspiel

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Liebe Brennerpassanten, es ist wieder soweit. Zumindest fast. Eine neue Bundesliga-Saison droht allen Fußballdesinteressierten Familienmitgliedern und Freunden und damit auch ein neues Tippspiel. Zu gewinnen gibt es mindestens ein unglaubliches Bücherpaket wie vergangene Gewinner (Martin, Feinschmeckerle, Eikman) bezeugen können. Es darf jeder mitmachen, der nicht bei der kroatischen Wettmafia arbeitet, sogar Dortmund-Fans. Mit dem Tippspiel beginnt dann freilich auch eine neue Staffel Bundesliga-Bloggerei aus dem Storytelling-Blickwinkel. Wer ihn noch nicht kennt: Der Brennerpass ist nicht die Spielverlagerung (zu wenig kompetentes Personal), dafür schau ich mir die Liga an wie ein Drehbuchschreiber. Frage mich, wo sind die Pointen, wo die Unfassbarkeiten, wo der Spannungsbogen. Natürlich geschieht das immer auch ein bisschen durch die Bayernbrille, aber das ist a) volle Absicht und b) die Schuld meines Vaters. Ich versuche mich in meinen Schelten und Abwatschreden, genau wie in der blanken Euphorie immer in Ausgeglichenheit und so etwas wie Fairness zu üben. Das heißt: jeder kriegt irgendwann sein Fett (und sein Lob) weg, da mach ich bei meinen Roten keine Ausnahmen.

Aber genug gepredigt, jetzt wird gemediasrest. Hinein ins kalte Nass, wer noch nicht angemeldet ist, die anderen übernimmt das System. Wenn du keinen Bock mehr hast, melde dich doch fairerweise ab, oder ich schmeiße dich bei demonstrativer Inaktivität im Lauf der ersten Wochen hochkant hinaus. Und eins noch: Ich mach das nicht für Geld, ich mach das für euch und für mich. (PS: Wir spielen ohne Fragen und Relegation)

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