Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (12)

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SPIELTAG 12

Bayern – Hoffenheim 4:0 (2:0)
Wenn in einer Mannschaft Thiago, Martinez, Lahm, Pizarro, Badstuber, Alaba, Reina und Starke fehlen und die Mannschaft weiter so agiert, als spiele sie bereits sei drei Saisonen zusammen, dann geb auch ich zu: Bayerns Kader ist krisensicherer als der Euro. Zum Spiel: Hoff presst brutal, aber komischerweise nur von Manuel Neuer bis zu Alonso. Götze darf rumlaufen wie ein glücklicher Freilandstürmer und ein dementsprechend gesundes Ei legt er dem armen Baumann dann auch. Klar hätte auch die TSG ein Törchen machen können, aber dann wärs halt 4:1 ausgegangen. Ansonsten wieder alles sehr verzückend bis auf den einen oder anderen letzten Pass und diese Ecken, die seit Peps öffentilchem Attribut “katastrophal” noch unseeliger geworden sind (ab jetzt bitte nur noch kurz). Robben und Ribery legen eine Spielfreude an den Tag, das sie vom Gegenspieler schon gar nicht mehr gefoult werden, die wollen auch was für ihr Geld geboten bekommen und schauen fasziniert auf die Lustballer. Magnifique, dass der Monsieur wieder so zurück gekommen ist seit seinem Pofurunkel. Boateng ausnahmsweise mal wieder wild und wütend, aber dabei mit dem nötigen Maß an Knochigkeit, um nicht vom Platz zu fliegen, Elfer zu verursachen und den gelegentlichen Lothar-Matthäus-Gedächtnispass hoch in den Sturm (sagt man das noch?) zu spielen. Ausgewählte Highlights: Müllers Milimeterpass auf Robben vor Lewis (ich nenne ihn jetzt auch so, lieber Jürgen Klopp, nicht aus plumper Primus-inter-pares-Kumpelei, sondern weil ich tippfaul bin), 2:0 Robbens Houdini-Doppelpass mit Lewandowski vorm 3:0, Rodes Spaltung der Materie zum 4:0 (nach Pass von he who will now be named) und natürlich die Rückkehr des deutschen Nick Fury, Wasti Schweinsteiger, der Capitano der Herzen, der Weltmeister der Augenbrauen. Überhaupt hat erst Pep geschafft, was Klinsi der Liga damals angedroht hat: jeden Bayernspieler noch ein Stück besser zu machen. In der zweiten Hälfte hat Hoffheims Offensive aus Volland, Modeste und Firmino dann den Preis für ihr laufintensives Pressing in der ersten bezahlt, auch so etwas plant Pep Guardiola im Voraus. PS: Das Foul von Szalain an Dante sah auch eher nach Hunnenrugby als nach Fußball aus. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (11)

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SPIELTAG 11

Frankfurt – FC Bayern 0:4 (0:1)
Norbert Nachtweih sieht besser aus als früher, stelle ich grade auf Sky fest. Was gibt’s sonst Neues? Alaba ist verletzt, schade, aber kompensierbar. Will Bayern Sergio Ramos kaufen? Können Schweine fliegen? Zum Spiel: Frankfurt hat besser gespielt als die Roma neulich. Bissiger, interessanter, unberechenbarer und sogar mit besseren Einzelaktionen. Dieser Wiedwald ist auch ein ganz hervorragender Hinlanger im Frankfurter Tor. Der Zubeisser Zambrano hat allerdings gefehlt. Am Sieg der Bayern hab ich nicht gezweifelt, an einem Dreierpack von Müller schon. Ich war grade dabei, folgendes auf meinen Notizzettel zu schreiben: Müller auf der Genie- und Wahnsinn-Waage heute wieder mit schwerem Übergewicht auf der Gagaseite. Ja, so lustige Notizen mach ich mir. Aber vielleicht waren die Müllertore ja auch ein geschickter PR-Schachzug für diesen komischen WM-Film, der ins Kino kommt, der vermutlich denselben Effekt hat wie das “Sommermärchen”: die als glorifizierte Zeit abgeheftete Erfahrung wird noch mit einem Häubchen Fremdscham verziert. Der Hackentrick von Neuer war bei allem ästhetischen Mehrwert ein Schlag ins Gesicht zukünftiger Gegner. Demonstrativer kann man sein Desinteresse am laufenden Spieltag nicht darstellen. FCB-Ecken sind leider immer noch auf Bolzplatzniveau. Siehe bei mir am Ende der Straße neben dem Spielplatz. Da wo die alten Herren ständig “ruhiges Aufbauspiel!” schreien, obwohl der Platz ungefähr 15 Meter lang ist. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (10)

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SPIELTAG 10

FC Bayern – Dortmund 2:1 (0:1)
Hier ist meine Theorie, was bei Dortmund nicht stimmt. Die Spielweise von Klopp erfordert eine feine Balance der einzelnen Elemente, denn das BVB-Spiel ist Risikospiel. Es ist rasant und laufintensiv, es ist im Prinzip stoisch und monoton, es nutzt sich ab, wenn es nicht zum sofortigen Erfolg führt, oder nicht alle Spieler in derselben Intensität am selben Strang ziehen. Und das passiert vielleicht deswegen, weil Transfers wie Immobile, Ginter und Ramos nicht so richtig hinhauen (im Gegensatz zu den klugen Zugängen im letzten Jahr Mikidings, Abumeyang und der grimmige Grieche) und man anfangs eher beiläufig ein paar Punkte liegen lässt, die Bayern davonziehen und einen die Presse plötzlich abschreibt. Die anfänglich noch zaghaften Abstimmungsprobleme bekommen durch die Medien einen psychoaktiven Schub und so gerät langsam Sand ins Getriebe, nicht viel, aber es reicht eben nicht mehr zum Gewinnen. Das wird sich bald wieder ändern, aber der Schaden ist angerichtet. Spieler wie Reus (angeblich demnächst bei Unterhaching), Hummels (angeblich Angebot von Arsenal) suchen sich vielleicht bald schon Wohnungen in neuen Städten und ein Stern, der noch gar nicht richtig aufgegangen ist, könnte sich schon wieder im Sinken befinden. Wenn Dortmund wirklich nicht in die Championsleague kommt und dazu noch etliche Schlüsselspieler verliert, wird alles an den kommenden Transfers hängen. Das wird der Schlüssel zur Zukunft der zweiten Kraft in der Liga. An Klopp liegts nicht, auch wenn er mit seinem grünstichigen Deckhaar im Moment arg verloren vor den Interview-Kameras wirkt.

Das Spiel: Nichts für schwache Nerven. Bayern war zu ungenau in der ersten Hälfte und der BVB dafür umso exakter. Ergo Augenhöhe. In der zweiten Hälfte war die Münchner Chancenverwertung zwar immer noch so effektiv wie die Dobrindt-Maut, aber die spielerische Überlegenheit war erdrückend, da hat selbst der sonst “dahoam” so furchtlose BVB den Hut gezogen. Königseinwechslung war dann natürlich Subotic, erst der hat das Abwehrgeflecht der Schwarzgelben erfolgreich aufgelöst. Nach dem Foul an Ribery hat er sich natürlich wieder mörderungerecht behandelt gefühlt und ich hab schon befürchtet, dass er gleich wieder Robben ins Gesicht springt, wenn der seinen Elfer verschießt, aber diese Zeiten sind wohl vorbei -> Arjen Robben, BVB-Killer. Das wird so in die Annalen eingehen. Ansonsten hat mir Bernat wahnsinnig gut gefallen. Sein finaler Pass ist zwar meistens Grütze, aber was der Mann für Räume aufreisst, kann Spiele entscheiden. Mario Götze dagegen, not so much. Hut ab vor Lewandowski, der einfach nicht einsehen will, dass er Scheiße am Fuß hat und quasi gegen sein Karma trotzdem das wichtigste Tor des Tages geschossen hat. Und Boateng ist eh nicht mehr von dieser Welt. Es scheint, als schäle sich aus dem einstigen Teilzeit-Weddinger-Käfigkämpfer endlich der Bildungsbürger, den seine Mutter immer gerne gesehen hätte und in der Verflechtung von Hip-Hop-Hool und Feingeist entsteht einer der intelligentesten Verteidiger der Welt. Falls übrigens jemand von mir erwartet, dass ich die Reus-Wechselgerüch(t)e kommentiere, hier bitte: Ist mir vollkommen wurscht. Die Sportjournaille mit ihren fantasielosen Reflexpolemiken wie (“Schwächt der FCB absichtlich die Konkurrenz”) kann einen allerdings tatsächlich zu Ohrenschützern zwingen. Symbolbild des Tages: Sammer herzt Pep ganz ungemein, aber immer mit diesem “Liebt er mich auch zurück?”-Zweifeln im Blick. Und dann bei Sky 90 hundertdreissig Mal die Versicherung, wie wunderbar die beiden sich verstehen. Die Lex fori ist die Lex Pep. (mehr …)

Das falsche Tagebuch: 28. Oktober 2014

Ach, falsches Tagebuch, wie gerne würde ich dir von meinen gelegentlichen Panikanfällen und der grotesken Angst, dem verschütt’ gegangenen Urvertrauen und dem Unverstand, der sich in dieser Welt breit macht, erzählen. Aber du bist ja kein echtes Tagebuch und die grausliche Wahrheit hat nur in Extrakten und Sinnbildern hier etwas verloren.

Deshalb erzähle ich stattdessen von dem neuen Kaufhaus am Potsdamer Platz, der Mall Of Berlin. Und wie schön es hätte werden können, so an historischer Stelle, quasi in vermintem Grund und Boden. Wie schön kann so ein Kaufhaus sein, wenn aus den Lautsprechern Georg Friedrich Händel statt Ariana Grande blättert, wenn unten die Feinkost und das Kaffeehaus sitzt statt dem Schlüsseldienst und Aldi. Wenn oben sich die Himmel im Luxus lichten, wo nur die Betuchten noch kaufen, aber alle anderen dennoch wandern und verhandeln dürfen, statt durch Desigual, Berlin 54, Madonna und H&M zu hinken und nach reduzierten Angry-Birds-Mützen zu suchen.

Es könnten Schauspieler mit grellen Gesichtern aus Satyr-Spielen statt Saturn-Mitarbeiter auftreten, es könnten Liftboys statt Klofrauen das Kleingeld einsammeln. Wir könnten uns schwarz anziehen und durch lila-rote und nach Süßigkeiten duftende Arkaden (im mythologischen Sinn) lustwandeln statt von Camp-David-Proleten durch die Gänge geschubst zu werden von einem Smoothie-Stand zum nächsten von Nordsee über Subway bis zum Asia-Pavillion in Schwaden von Frittierfett.

So ein Kaufhaus kann doch ein Lichtblick in dunklen Zeiten wie diesen sein, eine Flucht nach Arkadien, ein Wellness-Aufenthalt im schönen Schein. Stattdessen ist es wie Berlin halt nun mal so ist. Kurzfristig, unsicher und visionslos. Ausnahme: der FC Bayern-Fanshop im Obergeschoss und der Hertha-Laden im Keller neben dem Schlüsseldienst. Da hatte jemand eine Vorstellung.

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (9)

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SPIELTAG 9

Gladbach – Bayern 0:0 (0:0)
Nach der ersten Halbzeit fiel mein Fazit noch ziemlich nüchtern aus. Typisches Bayernspiel gegen zugegeben defensiv extrem gut organisierte Underdogs, die sich außer Kontern nichts zutrauen. Das war vermutlich auch Favres Plan aber zum Wohlgefallen des deutschen Fußballästheten hat bei Gladbach noch während des Spiels eine Evolution stattgefunden, die diesem nominellen Spitzenspiel dann auch gerecht wurde. Auf deutsch: Die Gladbacher haben sich was getraut, sie haben gewerkelt und gewuchtet, aber nie den Kopf verloren. Sie haben ihr System im Spiel selbst verschärft und weiterentwickelt, und das hat sie zumindest für diesen Abend zu einer Bayern absolut ebenbürtigen Mannschaft gemacht. Und damit haben sie die Roten auch ab Hälfte zwei kolossal verunsichert, zu Schlurigkeiten und damit in die Abhängigkeit von “Wunderpranke” (J. Guardiola) Neuer und seiner Defensive gezwungen. Die aber bis auf zu verzeihende verlorene Laufduelle ohne Murks agiert hat und dank Xabi Alonso auch nie in Panik verfallen ist. Lediglich Benatias körperliches Spiel war eine tickende Zeitbombe und Rafinha musste man aus dem Spiel nehmen, sonst hätte er Hahn einen Arm abgebissen. In der Summe das bisher spannendste Unentschieden der Saison, lediglich den Ionesco um Xhaka hätte man sich sparen können, der Mann war ja praktisch schon ohne Fuß als er wieder auf den Platz zurückkam. Habt ihr übrigens gesehen, dass Kramer vor Wut das Richtmikro aus dem Stadion getreten hat? Ist das ein Vergehen? Und wenn ja, kann sich der Delinquent überhaupt daran erinnern? Und was patscht Pep Guardiola denn so ungehalten an Bibiana Steinhaus herum? Muss ja nicht gleich einen #Aufschrei geben, aber sowas ist zu unterbinden, wie überhaupt das dauernde Umarmen und Herzen von Schiedsrichtern (siehe Rafinha). Letztlich aus Bayernsicht nicht das beste Spiel der letzten Zeit aber dennoch alles easy und alle Ecken bitte auch weiterhin genau auf den Torwart schlagen, liebe Bayern, wenn ihr die Liga spannend halten wollt. (…und wie sehr immer wieder Robben fehlt) (mehr …)

Kurzkritiken zu Gone Girl und Edge Of Tomorrow

GONE GIRL
Fincher poliert und konstruiert an dem zu vernachlässigendem Thrilleranteil herum, bis man beinahe vergisst, dass der Film im einfachen aber auch im komplexen Sinne eine Metapher auf die Ehe ist – und keine lustige. Motto: Traue niemals dem jeweiligen Tag, alles kann sich geändert haben, wenn du zu lange geschlafen hast. Oder in anderen Worten: verliebt ist einfach, verheiratet sein nur, wenn man hellwach ist. Ausgefeilter Film, vielleicht ein bisschen zu ausgefeilt, aber zwanderthalt Stunden meine Aufmerksamkeit ab 11 Uhr nachts halten, ist auch eine Leistung. Rosamunde Pike liefert hier – für mich nicht besonders überraschend – ihr Meisterstück ab. Auch Batfleck macht das gut, seine selbstgefällige Schlurfigkeit provoziert an den richtigen Stellen. Was mich allerdings fertig macht: er hat dieselbe Stimme wie Pro-Wrestling-Gott Daniel Bryan. Wenn ich die Augen schließe, sehe ich Bryan in Spandex auf der Couch sitzen.

EDGE OF TOMORROW
Wahrscheinlich der beste Sci-Film in diesem Jahr, zumindest der amüsanteste. Starship Troopers und Groundhog Day sind zwei meiner Lieblingsfilme und so schlecht konnte ein Zwitter daraus eh nicht werden. Die Außerirdischen sind mir ein bisschen zu tricksig und das Ende ein bisschen zu wixig (im Sinne von vom Studio bestellten Happy Ending), aber an Punxsutawney Tom (Cruise) ist nichts auszusetzen. Sein selbstgefälliger Opportunismus provoziert an den richtigen Stellen. Was mich allerdings fertig macht: Wenn ich die Augen schließe, sehe ich immer Bill Murray vor mir, wie er völlig genervt ein ums andere Mal mit diesem Flugzeug abstürzt oder sanft aufseufzt bevor ihn ein Tentakel aufspießt.

Ein auf Tarantino

pulpfictioncover

Na ja, na ja, na ja. Natürlich ist das nicht der Versuch, eine geniale Story noch besser zu machen oder mich daran zu bereichern oder zu erhöhen. Die Wahrheit ist die: Der deutsche Rolling Stone (feiert grade sein 20jähriges) hat mich gefragt, ob ich gerne ein kurzes Comic schreiben würde, das zeigt, was die Pulp Fiction-Protagonisten, also Butch, Jules, Marsellus und Konsorten heute – 20 Jahre später – so treiben. Dann haben sie mir den überaus fantastischen Zeichner Rainer F. Engel zur Seite gestellt, der u.a. mit Jörg Buttgereit die Captain Berlin-Comics zeichnet. So ist am Ende aus einem kurzen biografischen Update ein Mini-Pulp-Fiction-Sequel geworden, das wir im Stile eines Schundhefts inszeniert haben. Pulp Fiction-Aficionados und Dialogauswendigkönner werden eine ganze Menge Details (heute sagt man Easter Eggs, oder?) entdecken, behaupte ich mal. Ab also jetzt im aktuellen Rolling Stone. Danke an Rainer und die Stoner, dass ich das machen durfte. Comic schreiben Kindheitstraum und so.

Pulp_Fiction_Seite_04

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (8)

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SPIELTAG 8

Bayern – Bremen 6:0 (4:0)
Zum Thema Thiago: Himmelherrgottfickscheißenochmal. Zurück zum Spieltag.
Ich hab ja neulich seit Jahren wieder mal eine Bundesliga-Saison auf der PS3 angespielt, leider auch meine letzte, da die Konsole vor zehn Minuten ihren zweiten YLOD (yellow light of death) verzeichnet hat. Auf jeden Fall hat diese Saison, in der ich die Allmacht meines Kaders in der PS3-Liga beklagt habe, den Sprung von der Virtualität in die Realität geschafft. Bayern spielt nicht in der Bundesliga, es spielt auf der Konsole und die KI ist ein Krüppel. Das mag sich mit den nächsten Update auch wieder ändern, aber momentan hat Pep Guardiola eine lackierte und geölte Spielmaschine auf dem Platz, der nicht beizukommen ist. Und wenn jetzt jemand meckert, weil ihm Bayern gelegentlich zu pragmatisch ist und zu wenig Barca, dann sei daran erinnert, wie sich letztes Jahr noch die Beschwerden über das Ballgeschiebe gehäuft haben. Jetzt geht es wieder steiler über die Außen und länger durch die Mitte. In der Bundesliga hat Pep Guardiola den Pragmatismus seinem Arsenal hinzugefügt und das sind doch schlechte Nachrichten für jeden zukünftigen Bayerngegner. Das Spiel ist allerdings immer noch “Jazz” verglichen mit dem Heavy Rock von Madrid, sagt Alonso am Wochenende im SZ-Interview und man mag sich gar nicht ausmalen, was passiert wenn zu Ballbesitz und Pragmatismus jetzt auch noch die kalte Wut eines Mourinho dazukäme. Das Spiel war durchaus amüsant, wenn man kein Bremen-Fan ist. Allein die lustige Freistoß-Gaudi war schon das Sky-Abo wert. Müllers Laufweg vor Alonsos Schuss hätte selbst den Minotaurus in die Irre geführt. Sonst noch verhaltensauffällig: Torjäger Lahm, der Schiedsrichter und eine Bremer Mannschaft, die statt Gegenwehr Verständnis für die Offensive der Bayern gezeigt hat. Ob Fans und das demnächst neue Präsidium (Ciao Willi Lemke) ebenso viel Verständnis für das bisherige Wirken von Dutt aufbringen, darf bezweifelt werden. Andererseits: welches Wirken? (mehr …)

Brennerpass Spezial: FIFA 15, eine Ehrenrunde

Oh, was habe ich die Konsole angeheizt in meinen “wilden” Jahren. Ich habe weniger geschlafen als mit Kleinkind, nächtelang bin ich Liberty City leer gefahren oder habe ganze Bundesligsaisonen in einer Nacht durchgespielt. Zu meinen geselligeren Zeiten (sprich: in Festanstellung) haben wir auch noch PSE gespielt, aber spätestens mit dem Ehestand bin ich vollständig auf FIFA umgestiegen und stand einmal sogar am Tag vor dem Erscheinungstag um 9.00 bei Media Markt. Vor drei Jahren habe ich aufgehört mir Videospielfußball. Warum? Zum einen, wegen dem Schlafentzug durch das Kind, denn der hätte sich mit einer aktuellen FIFA-Version verdoppelt und es wäre netto noch eine halbe Stunde übrig geblieben in der Babyzeit. Zum anderen, weil mir die Ladezeiten, die ewig gleichen Animationen und überhaupt die ganze Routine auf die Nerven ging. Die ganzen kleinen Details, die nicht stimmen, ob das Spieltage an Weihnachten, falsche Spielerwerte oder das generische Gesicht, das Pizarro darstellen soll, waren.

Jetzt, wo sich die Ära der PS3 ihrem Ende zuneigt, und ich ja erwiesenermaßen ein Fin-De-Siecle-Typ bin, habe ich doch wieder Lust bekommen, noch einmal die Steuerkeule zu schwingen und eine allerletzte Saison FIFA 15 durchzustehen, natürlich mit meinen Bayern. Neugierig, was sich in drei Jahren geändert hat oder eben nicht. Neugierig, was das Spielen nach der langen Abstinenz mit mir macht und ob ich immer noch vor Wut den Controller in die Fensterpflanzen feuere. Exemplarisch will ich deshalb ein Spiel so kommentieren, wie ich es im Brennerpass machen würde.

SPIELTAG 19

Bayern – Stuttgart 9:1 (6:0)

Wenn die Rückrunde auch so ein Spaziergang wird, dann kann Mayer eigentlich bis zur Meisterschaftsfeier am berechneten 23. Spieltag in Urlaub fahren, das Trainieren schaffen Hermann Gerland und der spanische Wasserballer auch alleine. Auch wenn es genau zwei Spieltage gab, an denen alle Mannschaftsteile fit waren, nimmt jeder Einspringer seine Einsatzzeit humorloser ernst als Drax The Destroyer. Jetzt wo Alaba wieder da ist, muss der Fetzer Bernat zwar wieder ins zweite Glied, dafür hat sich gegen Mainz im Pokal Boateng verletzt und ermöglicht so Holger Badstuber, jedem Stuttgarter, der sich nicht im Boden vergräbt, den Ball abzunehmen wie bei der Leibesvisitation. Und selbst wenn Schweinsteiger mit einem Knöchelbruch mindestens drei Monate fehlt, hat man noch Mittelfeldspieler zum Saufüttern (dachte ich noch). Martinez ist seit seiner Genesung im Dezember in Galaform und jetzt brilliert plötzlich auch der ehemalige Stolperkönig Rode.

Es ist gut vom Trainer Mayer, das er trotz der überragenden Form von Götze (11 Tore) und Lewandowksi (17 Tore) auch hin und wieder andere Leute den Gegner ins Unterholz schießen lässt, immerhin kann man so vielleicht die ersten drei Plätze in der Torjägerliste besetzen. Natürlich war es eine Farce, dass man für 20 Millionen und per Tausch mit Shaqiri Max Meyer von Schalke in der Winterpause geholt hat, immerhin war die Torausbeute das geringste der nichtexistenten Bayernprobleme, aber der Junge übt seinen Beruf mit einer Leichtigkeit aus, die weder der nachdenkliche Pole noch der wieslige Götze auf den Platz bringen. Bei denen hat alles eine leidende Gravitas oder eine Wunderkind-Attitüde. Aber alles nichts gegen Robben, der neuerdings lupenreine Quadrupel-Hattricks (gibt’s die?) schießt und auch gegen Stuttgart über den Platz donnert wie ein junger nordischer Gott ohne Haare. Warum die gegnerische Mannschaft die rechte Seite quasi verweisen lässt, sobald der Gott des linksfüßigen Donners auftritt, ist die andere Frage, es muss wohl Erfurcht sein. Was auch im Spiel gegen Stuttgart wieder aufgefallen ist (oder eher ausgefallen): Xabi Alonsos Fitness. Der Mann ist 33, läuft aber nach einer durchgezechten Halbzeit wie 83. Bisher war er völlig verletzungsfrei und damit ein medizinisches Wunder im aktuellen Kader, aber im Spiel, kurz nch dem 7:0 hat es ihn dann auch erwischt. Beim Steilpass von Harnik amputiert – Außenbandriss, acht Wochen Pause. Dann wiederum ist die Spielweise der Bayern unter Mayer tatsächlich nichts für zarte Mittelfeldgemüter. Ich beschreibe mal kurz die Strategie: in der Abwehr wird gestochert wie in einem Wurstsalat nach Käsewürfeln, solange bis der Ball da ist. Dann bekommt das Mittelfeld den Ball und es wird gesprintet, gedribbelt und tödlich durch die Gegend gepasst, dass man feuchte Augen bekommt. Das ist keine Kreativzentrale mehr, das ist schon das Louvre des deutschen Fußballs. Und wenn der Ball dann auf den Flügeln landet und Robben ist nicht verletzt, kann man eh einen Haken drunter setzen, andernfalls mäht Lewandowski durch die Stuttgarter Innenverteidiger, als müsste er dringend aufs Klo. Und natürlich kommt auch in diesem Spiel mal wieder ein Ball durch die löchrigen Gartenzäune von Stocherhausen (meistens an der Casa de Benatia), aber dann gibt es ja immer noch dieses Ungetüm namens Manuel Neuer, das schon am Rand vom Sechzehner steht, wenn der Stuttgarter nur unauffällig in Richtung Bayerntor guckt und verlegen hüstelt. Wenn dieses Ungetüm dann aber mal kurz neben den Ball prankt, gibt es dann halt das erste Gegentor in der Liga nach 12 Spielen. Der Vollständigkeit halber: Tore von Benatia, Robben, Lewandowski (3), Martinez, Götze und Meyer (2).

FAZIT: In drei Jahren hat sich gar nicht soviel getan im FIFA-Land. Zumindest auf der Altkonsole. Vielleicht hat man sich die großen Grafikhämmer und ein echtwirkendes und mitfühlendes Publikum, so wie Kampfspuren, Emotionen und sonstige Indizien für eine Personensimulation für die PS4 aufgehoben, dennoch ist das Spiel doch noch physischer und realer geworden. Im besten Sinne zeigt sich das an der quirligen Ballphysik, im schlechtesten daran, dass sich die eigenen Spieler ständig über den Haufen rennen. Einen wahnsinnigen Spaß macht das Spiel aber trotzdem, vor allem weil ich eines mag, was viele bekritteln: mit einem Robben läufst du nunmal in drei Sekunden den Platz runter und schießt ein Gustotor, mit Alex Meier (no offense) dann eben nicht. Und selbst wenn ich in der Spielstufe Semi-Pro durch die Konkurrenz gehe wie ein Buttermesser und wahrscheinlich auf der nächsten Stufe jedes Spiel verlöre ist auch im Videospieluniversum was dran an der furchterregenden Dominanz der Bayern, wenn sie auf allen Positionen gesund sind und jemand (!) trainert, der echt Ahnung von Fußball hat. Disclaimer: Der einzige Spielmodus, den ich ausprobiert habe, ist Karriere/Bundesliga/Bayern. Hat für Allmachtsphantasien voll ausgereicht.

Tabelle

(P steht für Spieltage, nicht für Punkte, falls jemand fragt. Der Abstand zu Dortmund beträgt 22 Punkte)

Das falsche Tagebuch: 8. Oktober 2014

Am Wochenende bin ich durch Deutschland gereist, es hat alles recht friedlich gewirkt. In Frankfurt, in Karlsruhe, sogar in Berlin. Am Montag früh in Karlsruhe wieder in den Zug gestiegen und auf Höhe Frankfurt sind dann Leute in Flammen aufgegangen. Im übertragenen Sinn freilich. Oma will an einer Frau vorbei, die ihre Tasche neben sich in den Gang gelegt hat. Oma stolpert minimal, Oma schreit Unverschämtheit, als hätte sie sich etwas gebrochen. Frau sagt genervt, andere hätten es doch wohl auch geschafft, über die Tasche zu steigen. Oma holt aus als wäre sie eine Tippkick-Figur und drischt mit dem Fuß gegen die Tasche der Frau wie am Ende aller Tage. Frau schlägt mit der Handtasche nach der Oma, Oma hat nur noch Weiß in den Augen und schreit elendiges Miststück. Dann kehrt Ruhe ein, alle wenden sich wieder ihren Zeitungen zu. Es ist neun Uhr morgens, kurz nach Frankfurt.

Ich sitze beim Kaffeetrinken, der Hauswart, der die Kühlschrankscharniere reparieren soll, ruft an, dass er vor der Tür steht und ich nicht da bin. Er sagt das so ruhig und ohne Wut in der Stimme, dass ich sofort losrenne wie ein Blöder. Ich renne, bin eine Minute später da. An sich ist dieser Hauswart tatsächlich ein seelenruhiger Typ, aber man merkt ihm an dass er am Ende ist. Wir haben keine Zeit mehr, begrüßt er mich. Es ist fast zu spät, sagt er kaum hörbar. Je höflicher ich zu ihm bin, desto ruhiger wird er. Es ist zum fürchten.

Das ist kein gutes Jahr bisher. Bisher.

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