…oder man kann’s auch übertreiben mit der Berichterstattung über einen der überbewertetsten Fußballer unserer Zeit.
Ballack Obama
1. September, 2010Brenners Bundesliga 2010/2011 (2)
30. August, 2010Spieltag 2: Herr, wirf Heimsiege vom Himmel
Der Himmel funkt wieder. Dank der richtigen Smart Card im dritten Anlauf und keine Sekunde zu früh schaltete sich der Receiver am Freitag ein, um einen furiosen zweiten Spieltag ins Brennersche Wohnzimmer zu senden. Und gut, dass ich mich von dem Bayernspiel nicht entmutigen lassen habe, den Samstag und den Sonntag mitzunehmen, es wäre ein Versäumnis höchst sträflicher Natur gewesen.
Aber von vorne: Bayern auf dem Betzenberg, wo man früher die Punkte am liebsten mit der Post hingeschickt hätte – man kann Paul Breitner nicht oft genug zitieren, nach diesem Freitag. Denn die roten Teufel hatten für die Bayern ein wahrhaft diabolisches Süppchen gekocht und in einem wahren Hexenkessel serviert. So, und nach der Fabulierkunst will ich einen Reportervertrag bei Sat 1 haben. Aber Höllenmetapher bei Seite: die Lauterer konnten irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit 2 Torschüsse verbuchen, die Bayern dagegen 18. Jetzt muss man aber dazu sagen, dass es zu diesem Zeitpunkt schon 2:0 für den FCK stand. Mehr Leidenschaft und Zielstrebigkeit im Abschluss haben in diesem Fall gereicht um eine an sich haushoch überlegene Bayernelf auszustechen. Das wird nicht immer funktionieren in dieser Saison, aber war nicht unverdient. Man merkt, dass die VG-Fußballer (nicht Verwertungsgesellschafft, sondern Van Gaal) zwar immer noch das Spielsystem verinnerlicht haben, aber sich nicht mehr erinnern konnten wozu es gut war. Kleiner Tipp: Spiele gewinnen.
Das große Spaßspiel am Samstag war natürlich Wolfsburg gegen Mainz. Diego (der X-Stecher von X-Factor-Transe Sarah Connor) ist zurück in Deutschland, aber nicht in Bremen, sondern bei den Wölfen. Grünes Trikot, langweilige Stadt, da kann man sich schon mal vertun. Der Pubprolo McClaren und sein dauerverängstigt dreinsehender Adlatuts Litti hatten die ihren auf Angriffsfußball für die Galerie eingestellt und das machte sich zunächst dank Dzeko und Diego so dermaßen bezahlt, dass eine Drei zu Null-Führung dabei herausdrückte. Puh, das waren einen Haufen “D”s. D(!)ummerweise hatten die meisten Wolfsburger verdrängt, dass Mainz so ziemlich die unbeugsamste Truppe unter den Oberliga-Underdogs ist und sich ganz und gar nicht von dem geifernden Wolfsrudel beeindrucken ließ. So drehte die Tuchel-Truppe kurzerhand den Rückstand in einen 4:3-Sieg und trotz einer guten Leistung der Wolfsburger, tut es jetzt sicher weh, dass Friedrich noch ein paar Wochen länger ausfällt und man Misimovic zu Galatasaray gehen lässt. Noch weher hat mir allerdings folgende Bemerkung auf Spiegel Online getan: “Tuchel sieht mit seinem strengen Seitenscheitel und dem Bartflaum zwar immer so aus wie einer aus dem Bohemien-Milieu in Berlin-Prenzlauer Berg, aber er fühlt sich wohl in der Rolle des Unterschätzten.”
Der größte Trost für die Bayernniederlage kam mal wieder aus Gelsenkirchen. Ausgerechnet gegen die Wurschtltruppe von Slomka (=Hannover) musste sich die Schalker Abwehr ergeben und das sogar noch vollkommen verdient. Jetzt rächen sich die erneut radikalen Umbaumaßnahmen Magaths und der Verkauf der gesamten Erfolgsabwehr der vergangenen Saison.
Die Hamburger bastelten anfangs ein bisschen herum an ihrem Spiel, aber die zweite Hälfte brachte die Wendung gegen solide spielende Frankfurter und zeigte ausgelassenen Fußball, der in der Theorie am Ende der Saison zu einem Titel führen könnte. Genauso war das leider auch letztes Jahr und etliche andere Jahre, in denen man beschloss, nach dem ersten Saisondrittel einfach nicht mehr so gut zu spielen, sonst hätte man ja am Ende auch nicht den Trainer feuern können und die bundesligainterne Rangliste an konstantestem Trainerverschleiß der letzten 7 Jahre anführen.
Die anderen Hamburger zeigten sich von ihrer besten Seite (wenn man von den Trikots mal absieht, ich muss es einfach nochmal sagen), aber Hoffenheim scheint seine Abgebrühtheit wiederzufinden, die ihnen die Bayern im Winter nach dem Aufstieg im letzten Spiel der Hinrunde mit Hilfe eines ihrer berühmten Last-Minute-Siege aus den Knochen geschossen hatten. Ende 2008. Ich erinnere mich noch an ein verbissenes Duell, nach dem die Hoffenheimer nie mehr sie selbst waren.
Am Sonntag dann noch ein Reisser von der Coleur Wolfsburg/Mainz und wieder eine spektakuläre und völlig unerwartete Heimniederlage für einen Spitzenverein. In Gladbach hatte wohl jemand unter der Woche ein Supersoldier-Serum erfunden und den Spielern dort verabreicht, allen voran Idrissou und Marco Reus. Wie die stellenweise das Star-Ensemble aus Leverkusen enthaupteten, war Comicbuch-reif. Leverkusen gab sich nicht auf, das musste man ihnen lassen und die Desorganisation war auch bei aller Liebe zur Häme nicht an Ballack festzumachen, aber der Gegner war an jenem Sonntag nicht nur Gladbach, sondern einfach übermächtig.
Auch Stuttgart 21 (wie der Verein sich jetzt nennt, um das Image des Tiefbahnhofs aufzupolieren) geriet am Sonntag unter die Abrissbirne des BVB und gehört mit Schalke jetzt zu den drei Vereinen, bei denen ich am dringensten noch Handlunsgbedarf auf dem Transfermarkt sehe. Da fehlt noch ein dritter Verein, ich weiß. Und zwar … (Spannungswirbel) ….der FC Bayern. Robben fällt die ganze Hinrunde aus, heisst es. Schlägt man jetzt mal nach, wie und ab wann in der letzten Saison am meisten Bewegung in das Offensivspiel der Bayern gekommen ist, war es nicht der Abgang von Luca Toni, sondern die stabilisierte Gesundheit von Robben nach der Hinrunde. Bayern braucht neben einem Demichelis-Ersatz auch noch einen offensiven Mittelfeldspieler, sag ich. Dafür kann dann auch Gomez gehen, dessen langes Elend ich bei aller grundsätzlichen Sympathie nicht mehr sehen kann.
Und ich kann viel sehen. Jetzt, wo ich das Bundesligapaket von Sky habe.
Heavy Metal ist Gesetz
26. August, 2010Bin schon wieder auf so einem Metaltrip. Dafür unterbreche ich auch kurz meinen Hip-Hop-Wahn. Auslöser: die neue Iron Maiden. Die ist jetzt gar nicht so fantastisch, aber okay genug, um mir mal wieder einen Haufen Sachen auf CD (historisch: Nachfolger der Schallplatte) nachzukaufen und das Rock Hard Spezial mit allen Reportagen und Reviews über Iron Maiden, die es je im Rock Hard gab. Und ausserdem eine DVD mit alten Konzerten und einer Doku, wo sich wieder herausstellt, was das eigentlich für eine super Unterschichten-Pubmusik ist, dieser Metal. Kurz und gut, ich bin restlos begeistert und will jetzt selbst Metal spielen und lange Haare haben (das bereite ich grade vor) und Monster sollen meine Cover zieren und in den Songtiteln muss “Slaughter”, “Kill” und “Evil” vorkommen. Und Gitarrensoli, bis es weh tut. Vielleicht sieht so meine Midlife-Crisis aus. Andere kaufen sich Sportwagen und jüngere Geliebte, ich spiele Heavy Metal. Mal sehen. Noch bin ich guter Dinge. Wer gute Ideen für Metal-Bandnamen hat, bitte in die Kommentare. Ich mag gerade: Black Santiago.
So wird das nie was…
24. August, 2010..mit dem Bezahlfernsehen in Deutschland. Weil, wenn ich euch nämlich jetzt erzähle, dass Sky mir schon zum zweiten Mal eine falsche Smartcard geschickt hat und ich voraussichtlich deswegen schon den zweiten Bundesligaspieltag verpasse, dann überlegt ihr es euch sicher auch zweimal ob ihr da ein Abonnement abschließt. Damit ist Sky automatisch auf Platz 2 in die Top 3 meiner Dienstleistungsdeppenliste eingestiegen. Aktuelles Ranking:
1. T-Mobile (1)
2. Sky (-)
3. Versatel (2)
Brenners Bundesliga 2010/2011
23. August, 2010Spieltag 1: HD = Hässliche Details
Angefangen hat am Freitag alles mit einer herben Enttäuschung. Ehrlich, ich war so enttäuscht, ich hätte mir beinahe das Bayern-Spiel nicht angeschaut und ich glaube, was Martin Demichelis am Freitag gefühlt hat, ist ein Scheissdreck gegen meine Enttäuschung. Ich habe mir nämlich ein Sky-Bundesliga-Abonnement eingehandelt und genau so getimet, dass ich zum Bundesligastart den Decoder erhalte. Mit großer Begeisterung habe ich am Freitag dann auch die Post entgegen und alles in Betrieb genommen, nur hat sich herausgestellt, dass man mir die falsche Smartcard geschickt hat und deshalb Pustekuchen mit Spieltag 1 live im Fernsehen.
Immerhin übertrug die ARD ja das Bayernspiel und ein Beckmann ständig übers Maul fahrender Mehmet Scholl tröstete mich ein wenig. Das Spiel eigentlich auch, selbst wenn man anfangs der zweiten Hälfte nicht genau wusste, ob die Van-Gaal-Boys das mit heiler Haut überstehen würden. Der Stellungsfehler an sich, eine ganz besonders ausgiebig eingeübte Situation in der Bayern-Abwehr, funktionierte auch ohne gegnerischen Stürmers bestem Freund Demichelis. Oder wie Marcel Reif sagen würde: DemiTSCHelis. Dass am Ende wieder der Bayern-Dusel herbeizitiert wurde, lag einfach nur an der späten Uhrzeit des Tores, denn verdient war der Sieg trorz aller Unebenheiten dennoch. Sebastian Schweinsteiger bemerkte in einem Interview nach dem Spiel, dass er bei einer ähnlichen Situation vorher nicht “ganz durchgelaufen” sei, aber dann bei dem Tor eben schon, was Mehmet Scholl zu tiefer Ehrfurcht hinriss: “Ein Spieler, der während eines Spiels dazulernt.” Und was die Causa DeMitschelis angeht: lasst den Verblendeten gehen und woanders denken, er bereichere eine Viererkette mit seiner bloßen Anwesenheit.
Am Samstag aufgrund der Skydepression dann nur Sportschau, aber immerhin in HD, weil ja der Decoder sich das digitale Signal von ARD HD holen kann. Und dank HD endlich mal einen näheren Blick auf die weit verbreitete Fußballer-Akne genommen. Kann gut sein, dass ich bei zukünftigen Spieltagen vom Balkon aus fernsehschaue, um nicht diesem Detailterror ausgesetzt zu sein. Die roten Flecken auf den Trainergesichtern (allen voran der Riesenfleck, der Ralf Rangnicks Gesicht war) sehen ja aus wie Lebensmittelvergiftungen.
Apropos Ralf Rangnick. Ich sage: das war ein Ausrutscher von Hoffenheim und passiert so schnell nicht wieder. Aber das ist halt Fußball, da kannst du noch so mit Tabellenmittelfeld planen und dann hast du einmal einen schlechten Tag und spielst Bremen an die Wand. Thomas Schaaf hat müde gewirkt, aber verzeihend. Ich glaube, er sieht ein, dass die Hoffenheimer das nicht so gemeint haben. Schließlich haben sie ja eigentlich – besonders nach Eduardos Abgang – auch nicht die Mannschaft dafür.
St. Paulis Ersatztorwart Pliquett wird sich auch gefragt haben, was jetzt los ist. Schließlich ist der Underdog St. Pauli und wenn hier jemand verprügelt wird, dann doch bitte ein paar dieser aufgeblasenen HSV-Fans. Aber da hat er die Rechnung ohne den vermummten Hooligan gemacht, der ihn auf dem Hamburger Hauptbahnhof aus der Saison stiefeln wollte, obwohl er doch nicht mal gespielt hatte. Dabei gibt es keinen Grund zum Frust für Hamburg-Fans nach dem hervorragenden Sieg gegen Schalke. Und der einzige Grund, jemand bei St. Pauli zu verprügeln, wäre wenn man den Designer der golden-braunen Trikots ausfindig machen würde. Und den müsste man dann auch besser erwürgen. Versteht ihr den Witz? Ich gebe einen Tipp: großer Hit von den Stranglers. Na?
Das Problem mit diesen ersten Spieltagen ist ja immer, dass sie soviel über die Saison vorhersagen wie der Wahrsager morgens auf dem Vierten. Ausser ein paar lieblosen Prognosen geht da nichts, man kennt ja die Zukunft nicht. Klar haben sich Leverkusen und Hamburg durchaus konkurrenzfähig zum FC Bayern erwiesen und Bremen und Stuttgart den Auftakt verschlafen und klar präsentierten sich die Aufsteiger in einer Form, in der man sich den Klassenerhalt locker erspielen kann, aber wenn man sich mal die letzte Saison anschaut, sieht man, dass die Eulen nicht das sind, was sie zu sein scheinen, um es mal mit Twin Peaks zu sagen. Ein paar Mal gab es da allzu dominerende Mannschaften: Am Anfang war es der HSV, dann schien Leverkusen nicht mehr von Platz 1 weichen zu wollen. Dann hörte Schalke nicht mehr auf zu gewinnen und plötzlich holten Bremen und Stuttgart jedes Spiel, Leverkusen ging die Luft aus und Bayern wurde Meister. Und wie auch die Sache mit meinem Sky-Decoder zeigt: Der Fußball lässt sich nicht planen, ausser du bestichst den Schiedsrichter.
fischi2007
19. August, 2010Das ist keine Unterschichtenhäme, sondern Internet-Comedy: Mein aktueller Lieblingsrezensent bei Amazon mit sage und schreibe 297 Kundenrezensionen. Herrlich, wie er hier zum Thema “Endstation Babystrich Boxset” abschweift.
Habe mir alle 5 Teile auf DVD bei Amazon zugelegt und auch angeschaut. Die Film Qualität geht so. Es befindet sich auch ein ca. 20 iges Minuten interview mit der Schauspielerin anne sophie briest darauf. DVD 1. Ich selber habe alle 5 Teile schon zig mal gesehen. Hatte mir mal ein paar Folgen auf VHS aufgenommen gehabt. Das kann ich jetzt für was anderes verwenden. Da ich meinen alten VHS Recorder sowieso nur alle 2 Jahre benütze. Seit es DVD Festplattenrecorder gibt, braucht man ja den alten VHS Recorder fast nicht mehr. Nun zur Serie selber, nach meiner Meinung geht sie so. Hätte mir etwas mehr erwartet aber naja. Bei Teil 1 als anne sophie briest eine 14 jährige spielt, war sie schon 20 Jahre alt. Im ganzen gebe ich für die Serie 3 Sterne ab für Film Qualität + Bonus Material.
Auch super: die Rezension zum PC-Spiel “Napoleon – Total War”. Liest sich im Mittelteil wie Edmund Stoiber spricht.
Man kann zum Beispiel andere Länder befreien, sofern sie von einer anderen Nation besetzt sind oder sie befreien kann.
Warum man Kroatien oder Serbien nicht befreien kann ist mir ein Rätsel. Wird woll am ehmaligen Kaiserreich Österreich-(Ungarn)liegen.
Ich spielte die Russland Mission, da kann man Ungarn, Rumänien, Griechenland usw. befreien. Italien nur Turin. Mailand Norditalien geht nicht, sowie Venedig. Rom (Kirchenstaat)und Königreich Neapel. Die kann man nur friedlich besetzen. Plündern tut man nicht, mann bekommt zwar mehr Geld, kann aber keine Armee(n) mehr verwenden usw.
Und mal philosophisch zu “Winnetous Rückkehr” auf DVD:
Nach 30 Jahren gibt es Winnetous Rückkehr und dann sollte man noch einmal 12 Jahre warten, bis es auf DVD erhältlich ist???
Pierre Brice ist ein sehr guter Schauspieler, über das gibt es nichts auszusetzen.
Aber ich kann die Handlung nicht verstehen zuletzt stirbt Winnetou von den Filmen in den 60 iger Jahren, die hauptsälich in Kroatien gedreht wurden, und nach 30 Jahren, lebt er wieder in einer Rückkehr??? Na ja, geht halt nur in einem Film.
Aber fischi2007 kann auch euphorisch, wie diese leidenschaftliche Review einer Hansi Hinterseer-Doppel-CD beweist, keine DVD wohlgemerkt:
Nun ich habe die Best of Album von ihm, und die neue Doppel CD, etc.
Wer nicht in Tirol ist, oder schon mall war, sollte ihn nicht so schlecht bewerten.
Hansi Hinterseer, spielt seine Rolle ganz gut auf DVD.
Da wo die Berge sind, Da wo die Heimat ist, Da wo die Liebe wohnt, Da wo die Herzen schlagen.
Momentan, wird gerade der 5 Teil in Kufstein gedreht.
Reiten, kann er nicht, aber singen kann er.
Jeder der ihn kennt, weis das.
Sanfte Manöverkritik: Breaking Bad
18. August, 2010*SPOILER FÜR BREAKING BAD, SOPRANOS UND MAD MEN IM ANMARSCH*
Ich will ja beileibe nichts alles schlecht reden auf der Welt. Im Gegenteil: wenn es um Bewegtbild geht, bin ich deutlich leichter zu unterhalten als jeder Filmkritiker. Jetzt liest man ja viel Lobrederei auf die US-Serie Breaking Bad, die bei AMC ausgestrahlt wird. Natürlich ist an der brillianten Leistung von Bryan Cranston, Aaron Paul und Dean Norris nichts zu rütteln und ich verfolge die Serie ja auch mit großem Vergnügen, aber in einem Punkt unterscheidet sie sich doch von ein paar deutlich besser geschriebenen Serien wie den Sopranos oder The Wire, mit denen sie hin und wieder verglichen wird. Bei Breaking Bad ist jede verrückte Kameraeinstellung und jeder Ach-du-Scheiße-Moment nicht Mittel zum Zweck, sondern Mittel zum Selbstzweck. Soll aus Produzentensicht heissen: damit uns die Leute geil finden, machen wir jetzt mal was Geiles. Auch wenn wir dabei die inhärente Geschichte oder die Logik vernachlässigen. Beispiele hierfür:
Erste Staffel: Wohnwagensequenz im Piloten. Crazy Kameraperspektiven beim Meth-Kochen.
Zweite Staffel: Jesse Pinkman bricht ins Dixie-Klo ein.
Zweite Staffel: Tortugas Kopf auf der Schildkrötenbombe
Dritte Staffel: Die Cousins des Todes und der Endkampf mit Onkel Hank
Dritte Staffel: die gesamte Folge mit der Fliege.
Bei dem Flugzeugabsturz in der zweiten Staffel schwanke ich noch zwischen toller Plotauflösung und zuviel Aufsehenerheischung. Bleibt aber anzumerken, dass die Serie eigentlich stimmig ist, betrachtet man sie als in sich geschlossene Satire und drückt bei dem Kameragemeier ein wenig die Augen zu (!). Und selbst ein eher kontemplativer Emmy-Gewinner wie Mad Men hatte ja in der dritten Staffel mit der Rasenmäherszene seinen Splatter-Anteil. Wobei der so unglaublich genre-fremd hineinplatzt, dass er einen Ehrenplatz in der US-Seriengeschichte verdient hat. Direkt neben Ralphie Cifarettos Zerstückelung in Staffel 4 der Sopranos.
WICHTIG: Wer Breaking Bad selbst schaut, bitte nicht in den Kommentaren über Staffel 3, Folge mit der Fliege (10) hinaus spoilern. Sonst muss ich leider die Silberaxt rausholen.
Kachelmann
17. August, 2010Sitz ich neulich so auf dem Pfaffenberger Volksfest bei einem Schweinebraten, einem gesalzenen Emmentaler und einer Maß Stöttner-Festbier, da sagt meine Mutter – hoffentlich schon angetrunken – Hey du siehst ja aus, wie der Kachelmann. Mir fällt quasi die Gabel aus der Hand und ich sage Frechheit. Mein Vater lacht herzlich mit und sagt was von Spaß verstehen. Ich verstünde in dieser Hinsicht keinen Spaß, sage ich, der sich mit längeren Haaren immer eher als der deutsche Johnny Depp sieht als der Kachelmann. Die Eltern lachen weiter, nur meine Frau versteht, dass ich da keinen Spaß verstehe. Ich sage zu meiner Mutter, sie wolle ja auch nicht, dass ich sage, sie sähe aus wie Inge Meysel. Jetzt ist meine Mutter auch gekränkt. Das wollte ich eigentlich gar nicht. Vielleicht liegt es daran, dass die Meysel schon tot ist. Der Kachelmann hat nur Unglück über meine Familie gebracht. Mehr Unglück könnte eigentlich jetzt nur noch Google-Streetview bringen und den Neidern im Dorf verraten, wieviel Solarzellen wir auf dem Dach der Werkstatt haben. Aber bis sich mal ein Streetcar nach Grafentraubach verirrt, hab ich wahrscheinlich wirklich das Alter und das Doppelkinn vom Kachelmann erreicht.
Tri-Anger
16. August, 2010Nur mal kurz die Durchsage, dass ich eine Myspace-Seite für meine ehemalige Band Tri-Anger (1996 – 1998) eingerichtet habe, weil sonst geht ja alles verloren. Wie man auf den Fotos sehen kann, waren wir ganz schön cool und wie man an der Musik hören kann, waren wir ganz schön hart. Ich hab damals noch “gesungen” wie Frankie W. Stubbs unehelicher Sohn, aber sonst war alles in Ordnung mit uns. Den Muckern waren wir zu punkig, den Punkern zu muckig, den Jungs zu oft mit nacktem Oberkörper auf der Bühne und den Mädels nicht oft genug. Studentencore halt. War eine schöne Zeit.

Fußball ohne Fußball (3)
12. August, 2010Dänemark – Deutschland 2:2
Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dieses Freundschaftsangebot von einem Freundschaftsspiel nicht zu schauen, aber dann waren wir mit dem Essen fertig, aber noch nicht mit dem Trinken und diese Kneipe mit der Live-Übertragung stand irgendwie im Weg. Was haben wir aus dem Spiel gelernt?
Der Joachim Löw hat den Wert der Kapitänsbinde in diesem Spiel so unfassbar verfallen lassen, dass sich jetzt der Ballack und der Lahm gar nicht mehr so arg darüber streiten werden. Ich meine, was ist eine Armbinde wert, die schon Thomas Hitzelsberger und Serdar Tasci getragen haben? Das hat der Joachim Löw sehr clever gemacht.
Dieser Christian Gentner hat sich dafür so ganz nebenbei als besserer Khedira empfohlen und da ist er ja jetzt beim VfB bestmöglichst aufgehoben. Ich weiß, dass jetzt wieder alle sagen, der Wiese habe gut gehalten, aber – hey – es ist Tim Wiese von dem wir hier reden. Der Torwart gewordene Schmalzlappen, das dauernölende Neonlätzchen des deutschen Fußballs.
Ansonsten gab es in dem Spiel noch ein paar echte WTF-Momente und damit meine ich nicht “What The Fuck”, sondern “Who The Fuck”. Sascha Riether und Christian Schulz zum Beispiel, der schon so lange nicht mehr für ein Länderspiel nominiert war, dass er sich selbst schon gar nicht mehr erinnern konnte.
Mario Gomez ist zurück. Und zwar da, wo er vor dem Spiel war. In seiner stets schwer verunsicherten Demütigkeitsrolle, in der er selbst nach dieser sehr guten Leistung irgendwas faselt von zweiter Reihe hinter Miro Klose. Grow some balls, man, der Burnster mag dich und vertraut dir. (Das hat doch jetzt sicher geholfen.)
