Der große Mandel

11. April, 2014

(oben haftender Beitrag, der aktuelle Brennerpass folgt darunter)

Folgende Sachlage: Am 14. April erscheint mein drittes Buch “Der große Mandel” bei Heyne Hardcore und damit der dröhnende und gleichzeitig auch still melancholische Abgang der Mandel-Trilogie. Man muss die anderen Bücher nicht gelesen haben, um den “großen Mandel” zu begreifen, aber es hilft, wenn man der Abwärts-Evolution der Freundschaft der beiden Protagonisten auf die Spur kommen will. Das Buch behandelt folgende Topoi: Heimat, die deutsche Provinz (vor allem die geistige), Showcatchen, Jazz, Frank Zander, Rock’n'Roll, Freundschaft und die Sinnlosigkeit dieser herrschaftszeiten-noch-einmal nie enden wollenden Sinnsuche im Leben eines Erwachsenen. Dabei sollte sich doch herumgesprochen haben, dass es keinen gibt.

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Die Inhaltsangabe liest sich so:

Die Freundschaft der ehemaligen Musikjournalisten Max Mandel und Sigi Singer wird auf die bisher härteste Probe gestellt: Wegen mieser Auftragslage muss ihr gemeinsames Detektivbüro schließen. Um zwischenmenschlich wieder auf Kurs zu kommen, bucht Singer bei dem legendären Catcher Big Walter Wylde einen Anfängerkurs – aber bevor beide Bodyslam sagen können, müssen sie wieder als Ermittler ran. Um der Erpressung eines bayerisch-türkischen Wrestlers nachzugehen, touren Mandel und Singer mit einer kleinen Wrestling-Liga durch Deutschlands schlimmste Provinzstädte. Herzinfarkte, Hetzkampagnen und wüste Intrigen treiben die beiden immer tiefer in die kriminalistische und menschliche Krise – und schließlich in den Ring.

Wie bereits an anderer Stelle vermerkt, habe ich mit meinem guten Freund, dem Schauspieler Rüdiger Rudolph, ein Musikvideo zum Roman gedreht. Es ist ein Song namens “Destroyer”, geschrieben aus der Sicht vom Erzähler Sigi Singer.

Am Montag den 14.04. und Dienstag den 15.04. finden die Buchpremieren in Hamburg und Berlin statt. In beiden Städten habe ich eine kleine Akustikband dabei, in Berlin ist Markus Kavka zu Gast und ein anmutiger Frauenchor singt Songs von Ultravox und Hulk Hogan. Den ersten Teil der Lesereise, sprich die weiteren Termine, könnt ihr hier nachlesen.

-> “Der große Mandel” beim Branchenriesen Amazon
-> “Der große Mandel” beim Branchenriesen Heyne

Erste Pressestimmen:

“Mayer erzählt seine humorvollen Hard-boiled Geschichten in lakonischem Ton, melancholische Selbst-und Lebensbetrachtungen [..] und kenntnisreiche Musik-Exkurse runden die Krimis zu späten Coming-of-Age-Panoramen ab. Die Charaktere geraten nie eindimensional, eine Stimmung des Uneigentlichen schwebt über der Handlung und der Reflexion der Figuren.”
- Mirco Drewes, Zitty 08/2014

“Es trägt sogar sehr gut. Weil es die grossen Wahrheiten ganz langsam erzählt und die billigen Klischees meidet.”
- Don Alphonso, Rebellmarkt-Blog, April 2014

“Er geht mit dem Business trotz seines humorvollen Erzählstils ehrlich und gerecht um, rückt es nicht in ein falsches Licht und schildert das Leben eines Wrestlers in Deutschland vermutlich ziemlich realitätsnah. [..] Von meiner Seite aus kann ich also durchaus dazu raten, sich Der große Mandel zuzulegen.”
- Genickbruch.com, April 2014

Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (31)

20. April, 2014

brennerpassLIGA1

Braunschweig – Bayern 0:2 (0:0)
Es gibt ja Fans, die sich aufregen, wenn Bayern mal nicht so gut spielt und gleich das Ende aller Dinge voraussagen. Noch anstrengender sind aber Fans, die sich unglaublich über die eingangs genannten Fans aufregen und sie als den undankbarsten Abschaum hinstellen. Und dann gibt es Leute wie mich, die sich darüber aufregen, wenn Fans sich darüber aufregen, dass Fans sich über den FC Bayern aufregen. Kann sich doch jeder aufregen worüber er will, nur weil wir Meister sind, sind wir nicht über jeden Zweifel erhaben. Ganz sicher gibt es nach diesen Zeilen auch Leute, die sich über mich aufregen. Sicher fände sich dann jemand, der mich in meiner Meinung verteidigt, das ergäbe dann jemanden, der sich über Fans aufregt, die sich über Fans aufregen, die sich über Fans aufregen, die sich über Fans aufregen, die sich über den FC Bayern aufregen. Wer jetzt noch folgen kann, hat Social Media verstanden. Zum Spiel: Ja, war dann tatsächlich wieder nicht so besonders gut, auch wenn Pille Lahm das auf den Braunschweiger Nutzacker schiebt. Wenn der am schwersten ausrechenbarste Spieler bei Bayern Arjen Robben heißt, weiß man was gespielt wird: Van Gaalscher Erlebnis Fußball = Querpass into Infinity and beyond. Und seit das eh nicht allzu schwer zu dechiffrierende Bayernsystem (= Ballbesitz 4EVA) von Augsburg geknackt wurde, muss man sich auch nicht darüber wundern, wenn man in jedem Spiel auf die selbe Art von Gegenpressing trifft. Was ich mich allerdings frage: Wenn jetzt neuerdings alle Mannschaften so hart pressen und hoch verteidigen, öffnet das nicht Tür und Tor für schnelle Konter? Aha, Schlüsselwort “schnell”. Ein Bayernkonter benötigt derzeit im Schnitt genausoviel Zeit wie eine Antwort Pep Guardiolas auf eine dieser bescheuert syntaktisch verschachtelten deutschen Journalistenfragen. Wie jede Woche frage ich mich zudem, warum Pep nichts daran liegt, eine Art von Viererkette in der Abwehr zu formieren, warum für Ribery schon mit dem Anpfiff Dienstschluss ist und warum Götze genau eine originelle Aktion pro Spiel gelingt und er ansonsten wurschtliger spielt als der King of Wurschtlfußball Thomas Müller. Gottseidank gibt es Mario Mandzukic und den Pizza-Express, die als Einzige nicht vergessen haben, dass es im Fußball auch einen EMA-Knopf gibt. Den “Einfach mal abziehen”-Knopf. Ich rechne Pep seine Bescheidenheit hoch an und seine Selbstkritik ist ja beinahe eine Selbstgeisselung, aber der Mannschaft kann man keine Konsequenz aus der Demutshaltung ansehen. Wenn gegen Madrid am Mittwoch groß aufgespielt wird und man mit dem vorliegenden Spiel wieder Geschmack am Gewinnen gegen Widerstand (nicht so wie gegen Lautern) gefunden hat, will ich nichts gesagt haben. Und andernfalls sag ich eh nichts mehr. Gesagt hat auch Herr Lieberknecht etwas bei der PK nach dem Spiel. Man vermutet, es war auf Spanisch und galt Pep Guardiola als Toi Toi Toi für das Spiel gegen Madrid. Mich hat das ernsthaft fast so gefreut, als hätte er mir selbst viel Glück gewünscht. Gerade in der Hinrunde war ich voll des Schmähs für den oft rhetorisch über die Stränge schlagenden Lieberknecht und seine mittelmäßig spielende Mannschaft. In der Rückrunde hat Braunschweig dann bewiesen, wofür der Löwen im Wappen steht (könnte vom Kicker formuliert sein) und Lieberknecht hat an den richtigen Stellen weniger gesagt und mehr getan. weiterlesen »

Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (30)

13. April, 2014

brennerpassLIGA1

Bayern - Dortmund 0:3 (0:1)
Blamage! Vor allem nach der Giftlerei vom Hopfner die Woche. Alles was der BVB nach dem ruhmvollen Madrid-Spiel noch brauchte, um wieder zu Deutschlands coolster Fußballmannschaft zu werden, war ein deutlicher Sieg gegen bräsige Bayern in Bestbesetzung in der Allianz-Arena. Point made, three points well taken, BVB. Klopp hat seine Mannschaft en detail auf das Spiel vorbereitet und so scharf gemacht, dass die Zündung exakt um 18:30 Münchner Fröttmaninger erfolgt ist. Pep wirkte dagegen so unvorbereitet, als hätte er nie zuvor einen deutschen Wetterbericht gelesen und stünde in der Designer-Badehose im Aprilregen. Sein System war nicht an Dortmund angepasst, oder was sollte Martinez schon wieder in der Innenverteidigung und warum haben Lahm und Rafinha größtenteils darauf verzichtet, die Defensive zu bestellen? Und warum ist seit Berlin jeglicher offensiver Ideenreichtum verloren gegangen? Irgendwo funkt der finale Pass in die Spitze SOS und keiner hört ihn. Die beiden letzten glasklaren und frühen Meisterschaften sind ohnehin nur ein Zerrbild der überhypten bayerischen Überlegenheit. Der FCB ist dem BVB nach wie vor spielerisch keinen Deut überlegen, “nur” der breite Kader macht den Unterschied. Ein Fußball-Nerd, aber vor allem auch Skeptiker, wie Guardiola muss das doch erkennen und nach den letzten Spielen folgern, dass sich mittlerweile herumgesprochen hat, wie man die Bayernnuss knackt. Im Zweifelsfall fragt man Augsburg, Hoffenheim, Mainz oder ManU. Dass unser Josep die Bundesliga bereits als abgefrühstückt deklariert hat, ist nicht die Crux, auch wenn er die Schuld sympathisch märtyrerisch auf sich nimmt. Es ist doch so: Wenn sich der FC Bayern nicht für ein Heimspiel gegen den Erzrivalen motivieren kann, gegen den er in den letzten Jahren nur selten gut aussah, dann liegt da eine dieser berüchtigten mentalen Krisen vor, auf die sich die Bildzeitung immer so kindlich freut. Es ist die erste in Peps Amtszeit und somit vielleicht die spannendste Bayernphase in diesem Spieljahr. Es ist noch alles drin: das Triple, aber auch ein Versagen auf höchster Ebene mit entsprechendem Heavy-Hangover, der die deutsche Nationalmannschaft dann wieder gegen Italien ausscheiden lässt. Das einzige was mich an dem Spiel amüsiert hat war Rafinha, der Mkhitaryan offensichtlich die Maske vom Gesicht reissen wollte, nach dem Motto: Du bist doch in Wirklichkeit Sofia Vergara. Am Ende nochmals ein ernst gemeintes Lob für Dortmund: Eure Leidenschaft kotzt mich an. weiterlesen »

Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (29)

6. April, 2014

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Augsburg - Bayern 1:0 (1:0)
Ist ja gut, ich weiß, wir sollen uns nicht beschweren, weil Meister seit Spieltag 8. Dennoch darf man doch wohl sagen, dass Pep scheiße aufgestellt hat und die Mannschaft scheiße gespielt. Einziger Spieler mit der Form aus der Meistersaison (haha) war Manuel Neuer. Von den Neuen war noch Højbjerg am besten, wenn auch auf der falschen Position. Alle andern (Weiser, Sallahi) bestenfalls vielversprechend, da deutet bislang nichts auf eine nachfolgende goldene Generation hin, sollte es mal zu einer Transfersperre kommen. Auch Shaqiri (hat sich leider verletzt) scheint mir durchs Raster zu fallen, irgendwie wirkt sein Spiel ein bisschen wie Abschiedstour. Letztlich spielen die Bayern schon seit ein paar Wochen eher mittelmäßig und das war jetzt hoffentlich die Talsohle, denn spätestens in der zweiten Hälfte konnte man auch nicht mehr von einer B-Mannschaft sprechen. Martinez ist in den letzten Spielen zu einem Rumpelfußballer alter Schule degeneriert, man kann kaum zuschauen. Dabei war er mal mein Lieblingsspieler. Fraglich, ob er in der Innenverteidigung wirklich so gut aufgehoben ist. Auch Schweinsteiger chefft mir ein bisschen zu sehr herum, dafür dass er ständig die Bälle verliert. Was an diesem Spiel gut war: Augsburg, Mölders, Esswein (wieso hat der Club den eigentlich im Winter weggegeben? Braucht man keine guten Spieler für den Abstiegskampf?) und die völlig uneitle Art, das Spiel gewinnen zu wollen, keine Sekunde Zeit zu schinden. Viva FCA, du bist der verdienteste Streak-Breaker. Wenn schon bei Wrestlemania heute Nacht wieder nicht die Siegesserie des Undertakers endet, dann immerhin die von den Überbayern. Und ja, Armin Veh und Hotte Heldt haben ein bisschen Recht, wenn sie sagen, dass man jetzt nicht einfach mit dem Schnittlauchbrett statt der Austernschale in der Liga daherkommen kann, nur weil der Hauptgang schon durch ist. weiterlesen »

Kurzkritiken zu Her, Captain America 2, Hunger Games: Catching Fire, Nebraska, Taken, Sinister, Hai-Alarm am Müggelsee, Insidious 2, In Fear

4. April, 2014

HER
Fällt mir immer erst im Kino auf, dass ich kein Spike Jonze-Fan bin. Auch hier: viel Gerede, viel Gejammer, aber keine Philosophie (wenn man die mit dem Holzhammer nicht mitzählt). Scarlett Johansson ist das nervigste Betriebssystem der Welt und Joaquin Phoenix wirkt wie jemand, der auch 1984 schon mit seinem Telefon gesprochen hat (oder wie die eine Frau im Film sagt: “You’re a creepy dude” oder so ähnlich).

CAPTAIN AMERCIA – THE WINTER SOLDIER
Zu pompös und viel zu marvlig für einen Agententhriller, aber man muss dem Film zugestehen, dass er nicht stur nach Genre-Rezeptur vorgeht. Chris Evans (der Kapitän) gewinnt enorm an Profil und Scarlett Johannsson ist auch nicht so anstrengend crazy sexy cool wie befürchtet – und als sichtbare Spionin deutlich unaufdringlicher denn als unsichtbares Betriebssystem, obwohl das Aufgabenfeld ja identisch ist.

HUNGER GAMES: CATCHING FIRE
Trifft den richtigen dystopischen Ton, wird aber auch irgendwann zu moll und slowburnish, selbst für meinen Weltverneinergeschmack. Wenn dann endlich die eigentlichen Hungerspiele anfangen, ist man eigentlich schon am ausgestreckten Story-Arm verhungert. Zwischen guten Schauspielern wie Jennifer Lawrence, Woody Harrelson und dem seligen Phil Seymour Hoffman, haben sich auch Leute wie Lenny Kravitz, Josh Hutcherson und Liam Hemsworth hineinverirrt.

NEBRASKA
Hat praktisch alle Zutaten zum Kritikerliebling: Schwarz-weiß, stammt von Alexander Payne, Bruce Dern und Will Forte (SNL) spielen mit, kauziger alter Mann auf Road Trip, Familienthematik, amerikanische Provinz. Ist leider langweilig statt lakonisch und für mich ein Rückschlag nach dem grandiosen “The Descendants”. Immerhin hab ich wieder mal Lust auf Lynchs “Straight Story” bekommen.

SINISTER
Horrorfilm, der unerhört krampfhaft und stereotyp versucht, eine neue und ikonische Schlachtermythologie ins Franchise-Geschäft zu werfen, dabei aber beinahe aus Versehen eine dermaßen beklemmende Stimmung erzeugt, dass man ihn sich anschauen sollte.

TAKEN (96 Hours)
Wurde mir in letzter Zeit öfter empfohlen, hab ich also mal nachgeholt. Fazit: Rotz. Liam Neeson – mit schlecht gefärbten Haaren und der Frisur meines Fahrlehrers à 1991 – kann sich von mir aus durch ganz Paris foltern, so lange ich da nicht wenigstens eine milde Ironie oder zumindest ein paar gute Dialoge erkennen kann, ist das reaktionäre Grütze, die man schon allein aus Bürgerpflicht und Anstand ab der Hälfte ausmachen sollte. Deshalb kann ich auch nix übers Finale sagen.

HAI-ALARM AM MÜGGELSEE
Auch hier hab ich die Hälfte verpasst, allerdings unfreiwillig, weil AppleTV inmitten des Streams seine Preise erhöht hat und mein Rechner wie vom wilden Hai gebissen abgesoffen ist. Was ich gesehen habe, war so albern, dass ich nicht wusste, ob ich weinen oder lachen soll. Man stelle sich eine Mischung aus nackter Kanone, Atze-Schröder und Kurt Krömer vor, das aber völlig ohne Druck und bewunderswert beiläufig. Was er am besten macht: einen ganz eigenen, beinahe mediterran wirkenden Müggelkosmos zu entwerfen, bei dem man sich wünscht, es wäre dort wirklich so. Dann wiederum hab ich mir bisher noch nicht die zweite Hälfte angesehen.

INSIDIOUS: CHAPTER 2
Nicht so unvorhersehbar wie Kapitel 1 und ein bisschen wie “Wissen macht Ah!” für Spukfilme, aber sobald in einem Film unerklärliche Phänomene nicht nur gezeigt, sondern auch von Fachleuten untersucht werden, bin ich dabei, weil Ghostbusters-Fan for Life. Ähnelt ein bisschen Wans zweiten Film vom letzten Jahr – The Conjuring, aber das ist ja um Himmels Willen nichts Schlechtes. “To few scares”, urteilte die Fachpresse und ich urteile: mir hamse gelangt, wo ich doch jedes Jahr schreckhafter werde.

IN FEAR
Nettes Horror-One-Trick-Pony übers Autofahren in der irischen Provinz, dem im letzten Drittel das Benzin ausgeht.

Das falsche Tagebuch: 31. März 2014

2. April, 2014

Letzte Woche habe ich noch zu meinen Schwestern gesagt, ich gebe ihnen nicht die Hand zum Gruß, weil ich keinen Virus mehr will. Noch ein einziger Virus, hab ich gesagt, und ich geh zugrunde. Ich habe aufgehört, die Grippefälle seit letzten Oktober zu zählen, aber auf der zweiten Hand sind wir fast durch. Ich habe also ohnehin schon das Gefühl im Ganzen zu zerfasern, da sichelt mich am Freitag ein Mordvirus auf die Matratze, dass ich denke: Jüngstes Gericht. Selbst Ibuprofen 400 hat sich gedacht, zu starker Tobak, da halt ich mich raus und ein anderes Schmerzmittel war nicht im Haus. Von Fieberfantasien vollkommen aufgeweicht und vom Kopfschmerz völlig zerrüttet, wäre ich durchaus bereit gewesen, noch in der Nacht zum Samstag in die Charité zu gehen, wenn noch gewusst hätte, wie ich heiße. Angefangen hat natürlich das Kind mit dem Mordvirus und die Frau hat gleich nachgezogen, was natürlich auch jeglich Anteilnahme an meinem Beinahe-Sterbefall verhindert hat. Aber die haben ja leicht reden. Motzen ein bisschen rum und schlafen dann jede Grippe in Grund und Boden, während der Virus bei mir einen Veitstanz in Festivalformat aufführt. Wer kann da schlafen?

Als dann zumindest der nackter-Stahl-durch-Schädelknochen-Schmerz weggeht, fällt das Kind aus zwei Metern Höhe vom Klettergerüst und bricht sich das Schlüsselbein. Das bedeutet nicht nur eine ganz beschissene Zeit für den eh noch grippal schwer angeschlagenen Junior, es bedeutet auch Sonntagabend einen Familienausflug in die untergehende warme Frühlingssonne zu unternehmen, um das gereizte Familienklima durch ein gemeinsames Abenteuer zu beruhigen, es bedeutet: vier Stunden Notaufnahme Kinderklinik Virchow.

Einen Tag später liegen der Junior und ich in der Matratzengruft – er, weil er Schmerzen hat und ich, weil das Fieber immer mal wieder vorbeischaut. Wir schauen den Film “Die Piraten!”, der sehr lustig ist. Ich denke: Die Welt wird jede Stunde um eine Stunde verrückter und man ist zur Untätigkeit verdammt, das ist ja immer das Schlimmste am Kranksein.

Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (28)

31. März, 2014

brennerpassLIGA1

FC Bayern - Hoffenheim 3:3 (3:2)
Mia san gnädig. Wenn ich wem die Tore gerne abgebe, dann The Sensational Hoff. Das war couragiert und vor allem mörderausdauernd, was die Sinsheimer da 90 Minuten betrieben haben. Ich hab noch keine Mannschaft vor ihnen gegen Bayern über die volle Spieldauer so viel laufen sehen. Bayern hat keineswegs mit der zweiten Garnitur gespielt, aber sie waren unpräzise, unkonzentriert und haben zuviel gehudelt (bairisch für “hetzen”, “unkoordiniert vorantreiben”). Es gab freilich auch ein paar sehr schöne unhudlige Momente mit Altmeister Pizarro und Jungflitzer Shaqiri, aber im Endeffekt war man nicht die bessere Mannschaft und die Unterbrechung der Siegesserie dürfte keinen Bayernfan auch nur im Ansatz so viel jucken wie der Ausfall Thiagos, dem in den kommenden internationalen Spielen eine ganz besondere Bedeutung zugefallen wäre. Ich bin – und ich weiß, es ist nur so ein Gefühl – besorgt, dass man seine Kreativität spätestens im Halbfinale arg vermissen wird. Apropos Kreativität: ist das auch nur ein Gefühl, oder wird Götze von Spiel zu Spiel schlechter? weiterlesen »

Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (27)

26. März, 2014

brennerpassLIGA1

Hertha BSC – Bayern 1:3 (0:2)
Immer wenn Bayern Meister wird und ich in meiner Wahlheimat Berlin sitze und einsam auf dem Balkon die Faust in den Hinterhof recke und “Stern des Südens” singe, dann bekomme ich Heimweh. Ich denk dann an die warmen Maitage in München, die Füße im Wasser beim Seehaus, die Autokorsos in der Leopold und überhaupt die Stimmung in der Stadt, als ob endlich der Krieg aus wäre. Gut, jetzt haben wir März und bis gestern Nacht war es arktisch in der Stadt, aber in letzter Sekunde habe ich verstanden, wie ich das Heimweh ins Positive drehen kann und mir den Nachbarn geschnappt, der nächste Woche nach Kiew zieht und bin mit ihm ins Stadion gefahren und dort DEUTSCHER MEISTER geworden. Stadionbier (oh Hölle, mein Schädel) statt Heimweh.

Und es war hochinteressant, mal im Panorama zu beobachten, wie Bayern eigentlich spielt. Da wird weniger gelaufen als man denkt. Im Prinzip alles kurze Laufwege – die weiten, die auszehrenden Strecken werden in der Regel nur mit Pässen überwunden. Unsere Abwehrspieler sind auch nicht die Schnellsten, aber die gesamte Raumaufteilung ist nothing short of spectacular. Dafür habe ich mich das ganze Spiel über gefragt, wer denn eigentlich Riberys Rolle übernommen hat, als er noch draußen saß. Götze spielte zu weit innen und Alaba blieb alleine auf dem Flügel. Selbst als Ribery reinkam, war er eher innen links zu finden. Ist das der Plan von Pep, macht das Mitte nicht zu eng? Die Hertha war auf jeden Fall ohne Matchplan und ohne die allergrößte Motivation ins Olympiastadion gekommen, dafür kam sie noch relativ ungeschoren davon, auch wenn man nach der Pause ahnte, dass Luhukay der Ha-Ho-He-rtha ein bisschen den Marsch geblasen hatte.

Auch wenn bei Abpfiff Sido und Apothekenwerbung lief und man nicht so genau erkennen konnte, was drüben in der Bayernkurve vor sich ging, war es ein erhebendes Gefühl. Ein bisschen merkwürdig und understatig wegen der herzlosen Kälte, dem frühen Zeitpunkt und der mangelnden Gegenwehr, aber ich hab mich verbunden mit Guardiola und den Spielern gefühlt. Für mich als melancholischen Exilbayern ein perfekter Abend in der fremden Heimat.

meister

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Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (26)

23. März, 2014

brennerpassLIGA1

Mainz - Bayern 0:2 (0:0)
Beeindruckend. Mainz war überall und vor allem im Abseits. Aber im Ernst, Mainz hat das Kunststück fertig gebracht, alle Mann hinten reinzustellen und gleichzeitig brandgefährliche Attacken nach vorne zu reiten. Mainzer, wo man hinschaute, fast hätte man meinen können, die benutzen eine Art Schnellreisesystem (Konsolenspieler werden mich verstehen). Allerdings blieben die Angriffe dann bis auf die Aktionen des hellwachen Choupo-Motings seltsam unvollendet, was auch an den konsequenten Kühltürmen (thx für Begriff, Sebi) der Abwehr lag, die ja bei Bayern mittlerweile nur noch aus der Innenverteidigung zu bestehen scheint. Aber die hat in Form von Boateng und Martinez ordentlich hingelangt. In der Hinsicht musste sich aber auch Mainz nicht verstecken: was Posbech (wer muss noch an die Bully-Parade denken?) und Noveski an Körperkraft und Frequenz in diese 90 Minuten gesteckt haben, findet man auf Berliner Baustellen in zwei Jahren Bauzeit nicht. Und dann war da noch der zweitbeste Rückrundentorwart (wofür es alles Statistiken gibt) namens Karius. Summa summarum also ein internationales Topspiel von Mainz, das in der zweiten Halbzeit dann allerdings von einem einzigen Mann an sich gerissen wurde. Ja, das Chefchen ist endgültig wieder da. Herr Schweinsteiger hat – und nichts macht mehr Mut in Sachen Champions League – beschlossen, dieses Spiel zu gewinnen, seine Mannschaft wie ein Galeerenschlagzeuger nach vorne getrommelt und als es ihm zu dumm wurde, dann selbst das Tor gemacht. Und als ich grade anfing zu monieren, dass weder Götze noch Ribery die großen Einfälle hatten, entschieden sie ein Spiel, bei dem ich seit langer Zeit mal wieder wie ein Kloppwisch um den Fernseher herumgesprungen bin. Danke für’s gut zurückficken, Mainz. Und danke für drei weitere wunderbare Jahre (eins davon vermutlich verletzt), Lieblingsspieler Arjen Robben (mein nächstes Heimtrikot trägt deinen Namen)! weiterlesen »

Ich bin ein Zerstörer!

20. März, 2014

Der Buchtrailer zum am 14.04. erscheinenden dritten Teil der Mandel-Reihe ist ein Musikvideo geworden. Mein Dank geht in überschäumendem Maße an Rüdiger Rudolph für sein grandioses Method-of-Madness-Acting, an David Jürgens, dafür, dass er aus einem kleinen verträumten Garagenpopsong einen Wiesenhit gezaubert hat, und Gregor Hüttner für die David-Hamilton-Hexerei an der Kamera. Das hier heißt “Destroyer (Sigi’s Song)” und geht so: