Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (16)

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SPIELTAG 16

Bayern – Freiburg 2:0 (1:0)
Zunächst Sturmlauf ins große Nichts. Heißt: viele Sahnekombis aber keine Kürsche obendrauf. Bleibt dann bis auf die zwei Tore auch so. Freiburg verweigert Teilnahme am Spiel, Bürki ausgenommen. Aber warum nicht, bringt ja auch nichts und aufs Torverhältnis muss man ja auch mal achten. Robben und Ribery spielen Doppelkopf. Lewandowski trifft gefühlt nie – man wundert sich, woher seine 8 Saisontore kommen. Dann sind plötzlich alle wichtigen Bayernspieler verletzt und gehen heim. Jetzt lasst den Bernat doch sein Tor machen zefix! Thomas Müller ist der Juggernaut.

Dortmund – Wolfsburg 2:2 (1:1)
Positiv: Immobile zeigt endlich seine Klasse. Negativ: es hilft nichts. Beim Sky-Interview hat Klopp leicht gelallt, aber wer will ihm den Absacker übelnehmen, haha. Naldo beim Standard nicht manndecken ist wie hoffen, dass CR7 kein Tor schießt, wenn man ihn ignoriert. Wann spielt Naldo für Jogi Löw? Mitch Langerak hält wirklich keinen Deut besser als Weidenfeller. Möchte wissen, was da los war zwischen Jürgen und Roman. Immerhin ist Klopp bei der Kaderplanung dieses Mal nicht aufgefallen, dass sich Kevin Großkreutz selbst in die erste Elf geschrieben hat. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (15)

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SPIELTAG 15

Augsburg – Bayern 0:4 (0:0)
Mein Mann des Spiels? Nein, heute mal weder Robben noch Rode (ja, ich bin Fanboy von beiden), sondern am liebsten hab ich Manninger im Augsburger Tor zugeschaut. Also entweder der ist Method Actor und hat sich jahrzehntelang auf die Rolle eines wild entschlossenen Bundesliga-Torwarts im Spitzenspiel gegen Bayern München vorbereitet, oder er ist ein bisher unbekannter direkter Nachfahre von Karl Valentin. In jedem Fall ist er ein echter Vollblut-Mime, sein Gesicht hat in jeder Phase die Geschichte dieses Spiels erzählt. Und das mit dieser Hausmeister-Physiognomie – göttlich. Anonsten wieder einmal ein Bayernspiel nach Schema “Take it easy, altes Haus und pass dich erstmal richtig aus”. Man hat wirklich das Gefühl, die Bayern spielen sich 30 Minuten warm und erkunden so ein bisschen die Lage, bis sie die Kriegsbemalung auftragen. Wobei die Eleganz und fluffigen Abläufe eher auf so postmodern trendiges und metrosexuelles Mexiko-Toten-Emo-Make-Up (google Video zu “Prayer in C”) schließen lassen. Wo war ich? Ach so, beim Warmspielen. Natürlich kann man in solchen Selbstfindungsphasen auch Konter finden und der FCB hat Glück gehabt, dass der FCA bei aller Willenstärke und taktischer Finesse keinen besonders bissigen Sturm sein Eigen nennt, dann wiederum haben die Bayern mittlerweile auch nachweislich die beste Defensive Europas und mit Benatia auch einen der besten Verteidiger. Beinahe müßig zu erwähnen, wie gut Robben und Rode in Form sind und was für ein Hochgenuss Lewandowksi-Tore sein könnten, wenn er sie auch tatsächlich mal macht. Und zu Schweinsteiger, Bastians Comeback in der Startelf lässt man eh besser Bilder sprechen. Zum Beispiel das wo Pep seinen Weltmeister küsst und drückt wie die eigene Tochter. Süß. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (14)

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SPIELTAG 14

Bayern – Leverkusen 1:0 (0:0)
Ein Hochgenuss. Leverkusen ruppig, taktisch, forsch und die Bayern ihr Spiel immer perfide dem Gegner anpassend wie der T-1000. Das Leverkusener Spiel letztlich terminierend: Rode. God, I love me some Rode. Der löst mit seiner Einwechslung alle Münchner Probleme und das sind nach der ersten Hälfte nicht wenige. Verlorene Zweikämpfe im Mittelfeld, Ratlosigkeit im Spielaufbau gegen die auf Neuer schon beim Ausgeben des Balls zubrausende Levko-Welle und die Vier-Mann-Formationsattacken auf Ribery, die schon früh das bayerische Angriffsspiel dauerhaft auf die rechte Seite verlagern.

Doch dann kommt Rode, gewinnt endlich Zweikämpfe und holt die Bälle, an die die großartig gestaffelten Leverkusener Xabi Alonso bisher nicht haben rankommen lassen. Es könnte sogar 0:1 stehen, kehrte der rote Blitz Bernat nicht in letzter Sekunde den Ball von der Hawkeye-Demarkationslinie. Letztlich ist es auch Rode, der eine Ecke (hört, hört) herausholt, nach der Bayern via Ribery das Siegtor erzielt. Nach einer Ecke wohlgemerkt. Neben Rode (der einen völlig sinnentleerten Götze ersetzt) Mann des Münschner Spiels: Benatia, der aufräumt wie einst Boateng, bevor der zum modernen Lothar Matthäus (spieltechnisch) geworden ist mit seinen formidablen Pässen und seiner unheimlichen Spielübersicht. Aber wo wir grade beim Loben von Defensivspielern sind: was Jedvaj, Wendell und der Schlachter Spahic dahinten wegschaffen, gleicht auch dem Tagwerk eines Minenarbeiters. Respekt. Nur das Allianz-Arena-Chainsaw-Massacre vom an sich sehr sympathischen Bellarabi gegen meinen Boy Rode hätte es nicht gebraucht.

Im Vorfeld des Spiels hat sich Pep ja so dermaßen für Roger Schmidt ausgesprochen, dass man meinen hätte können, der braucht einen neuen Assistenztrainer. Aber die Lorbeeren sind schon berechtigt, wenn man sieht was für eine exzellente Balance aus Kampf und Kunst der Mann den Seinen verordnet hat. Fragt sich nur (wie bei den meisten Bayerngegnern), warum die Mannschaft das nicht auch bei “herkömmlichen” Ligaspielen abruft.

Ein paar Anmerkungen noch zur Bayern-Offensive: nach wie vor geht eigentlich kein Match verloren, wenn Ribery und Robben gleichzeitig spielen. Statt jetzt wieder über die Abhängigkeit von den beiden Götterboten zu mosern, möchte ich nur mal kurz schriftlich folgendes fixieren: die zwei haben nicht nur eine Bayern-Ära mitgeprägt, sie sind selbst Eine und es ist schlichtweg ein Witz, dass Robben noch nie für den Ballon D’ingsda nominiert war. Und noch was: es mag ihn die Stärke Lewandowskis kosten (der immer noch nicht ganz auf Höhe des Münchner Spiels ist, aber immer besser wird, dennoch gern mal einen reinwurzen darf, wenn er möchte), aber Pep ist zu einem bekennenden Nutzer und Liebhaber von Angriffen über die Außen geworden. Das war bei Barca noch keineswegs so, da war die Außenbahn nur eine veritable Ablenkung von Messi, der dann innen das Fallbeil betätigt hat. Und auch wenn Pep Ribery (ohne Erfolg) und Robben (mit Erfolg) gerne nach innen schiebt, es bleibt doch auf ewig der Verdienst von Robbery, dass Bayern mit den beiden den besten Flügelangriff der Welt hat. (mehr …)

Kurzkritik zu Interstellar

Jeztz war ich dann auch mal drin und es ist ja eigentlich alles schon gesagt. Toller Prolog mit echten Menschen mit echten Problemen (abgesehen davon, dass Matthew McConaughey eigentlich hier beinahe nahtlos seinen True Detective-Charakter weiterspielt) in einer falschen Zukunft, eine hervorragende Prämisse für einen glaubwürdigen Sci-Fi-Film. Aber da hängt Nolan den Hammer zu hoch, denn was er uns danach als “grounded” bzw. “scientific” Science Ficition verkaufen will, gerät von einem mittleloriginellen Gedankenspiel zum Superschmonz mit Musik in Guantamono-Lautstärke, so als orgle sich Hans Zimmer im LSD-Rausch einen ab wie das Phantom der Oper oder Kapitän Nemo. Und wissenschaftliche Beratung mag Nolan sich ja geholt haben, gebracht hats nur leider wenig, das ist selbst Jules Vernes (weil wir grade dabei warn) Welt in sich schlüssiger, weil der sich garantiert nie so todernst genommen hat wie Nolan, bzw. sein Bruder, der das Drehbuch verbrochen hat. Fazit: in diesem Fall ist Pathos die im Film oft zitierte Schwerkraft und die holt Interstellar dermaßen hart auf den Boden der Tatsachen zurück, dass ein Riesenkrater in der Filmografie von Nolan entsteht. Und ohne zu spoilern: Filme, die aus reiner Bequemlichkeit ein Raum-Zeit-Pardadoxon hinterlassen, gehören verboten, da kann ich totalitär werden.

PS: Matt Damons Auftritt wirkt für mich wie ein überlanger Sketch, ich kann mir nicht helfen.

Das falsche Tagebuch: 4. Dezember 2014

Eine Weile nichts in das falsche Tagebuch geschrieben, weil alles zu echt war. Ich bin kürzlich das zweite Mal Vater und das erste Mal Vater einer Tochter geworden und die Monate davor waren wie ein schlechter Traum. Es hat sich neben der Schlaflosigkeit – die jeztige ist ein Scheißdreck dagegen – eine Unsicherheit bei uns breit gemacht wie ein heimatloser fetter Verwandter. Der Verwandte ist wieder ausgezogen und an seiner Stelle liegt jetzt so ein tolles menschlisches Mini-Gerät. Ein bisschen Zerissenheit ist geblieben, weil man das Gefühl nicht los wird, dass man seinen Kindern keinen Gefallen tut mit dieser weitgehend brotlosen Schreiberei. Das ist natürlich Paranoia und resignativer Schwachsinn, aber es stimmt auch.

Das nur als Vorgeschichte zu dem, was mir neulich auffiel, als ich (beruflich) an diesem autobiografischen Terry-Gilliam-Text herumübersetzt habe. Natürlich ist Gilliam fast 75 und damit überwiegend ein lebendes Relikt aus einem anderen Jahrhundert, und vielleicht mag man ihm deshalb nachsehen, dass er Züchtigung, Schlachthausbesuche und auch Frauen am Herd für nichts verwerfliches hält, die Frage ist eher, was für eine Einstellung vermittle ich im Jahr 2014 zu antiquierten Gesellschaftsmodellen und Frauenbildern.

Es kommt mir vor, als ob Männer – insbesonders solche, die sich autobiografisch artikulieren – ihr Bedauern über ihr ständiges Unterwegssein, also die klassische Absenz des Vaters inklusive gloriosen Comebacks gegen 21:00 Uhr oder auch nur am Wochenende, meist mit einem Schmunzeln überliefern. Also eigentlich damit kokettieren, dass sie die Erziehung – und damit meine ich die tägliche Scheiße – gerne den Frauen überlassen. Die großen Entscheidungen über Gut und Böse trifft dann freilich der Patriarch.

Ich kaufe nie im Biosupermarkt ein, weil er mir zu weit weg und zu teuer ist, ich habe mich gegenüber Frauen und Männern nicht immer politisch korrekt verhalten und ich scheiß auch meinen Sohn manchmal recht lautstark zusammen (was Gilliam gutheißen würde). Ich bin also weiß-Gott kein Vorzeigemensch, und verlange das ja auch von niemand. Was mir allerdings Rätsel aufgibt, ist die Selbstzufriedenheit der Menschheit als selbstsüchtiges und im Grunde bis auf die Knochen opportunes und von Angst in die Vorverurteilung getriebenes Gebilde, ein einziges anti-humanistisches Mia san mia. Aber wenn wir schon in einer absoluten und adhoc-geilen Optimierungsgesellschaft leben, warum dann nicht auch den eigenen Charakter optimieren?

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (13)

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SPIELTAG 13

Berlin – Bayern 0:1 (0:1)
Ach ja, die Hertha. Hat schon gut gespielt in der zweiten Halbzeit, aber von einem knappen Spiel kann man wirklich nicht sprechen. Hätte Lewando (klingt wie Zalando) eine seiner drei Großchancen reingemacht, hätte sich der Widerstand der zweiten Halbzeit eh erledigt. Zudem muss man sich fragen, warum sich die Berliner ausgerechnet gegen Bayern so reinhängen und dann auch erst in der zweiten Hälfte. Macht das doch gegen Mannschaften, wo es auch was zu holen gibt, Dortmund kommt demnächst. Oder wechselt öfter Ronny ein, ist doch scheißegal, ob dem die Luft ausgeht, dann soll er halt nicht so viel laufen – mehr zärtliche Unberechenbarkeit bringt auf jeden Fall sonst keiner auf den Platz, auch nicht Kalou. Die Bayern haben nach dem Arsenal-Geschussel am Dienstag auch nicht unbedingt ein Wiedergutmachungs-Feuerwerk abgeliefert, aber halt das getan, was sie immer tun: mit Götze, Müller und Robben zauberhafte Tore herauskombinieren. Der Monsieur ist da noch ein bisschen außen vor, vor allem weil sein Lieblingszubringer Alaba fehlt und das mit Roadrunner Bernat noch nicht ganz eingeübt ist. Lewandowksi hat die Laufwege der Kollegen mittlerweile verstanden und tut sein übriges dazu, sie unvorhersehbar zu machen, leider gilt das auch gelegentlich für seine Bewegungsabläufe vor dem Tor. Aber eigentlich keine Klage, der integriert sich super. Wo Robben spielt – Zentrum, rechts oder unter Tage – ist mir scheißegal, Hauptsache er spielt. Und so sieht das auch Pep, er hat nämlich die Positionsfaxen schon lange dicke. Ein Wort noch zu Fritz v. Thurn & Taxis, der uns vor dem Spiel mal wieder unbedingt wissen lassen muss, dass er sich mit Matthias Sammer duzt und während dem Spiel kommentiert wie bei Sprachaufnahmen für ein Konsolenspiel: Floskeln auf Trigger, leider nicht genug, um ein paar Spiele ohne Wiederholungen zu schaffen. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (12)

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SPIELTAG 12

Bayern – Hoffenheim 4:0 (2:0)
Wenn in einer Mannschaft Thiago, Martinez, Lahm, Pizarro, Badstuber, Alaba, Reina und Starke fehlen und die Mannschaft weiter so agiert, als spiele sie bereits sei drei Saisonen zusammen, dann geb auch ich zu: Bayerns Kader ist krisensicherer als der Euro. Zum Spiel: Hoff presst brutal, aber komischerweise nur von Manuel Neuer bis zu Alonso. Götze darf rumlaufen wie ein glücklicher Freilandstürmer und ein dementsprechend gesundes Ei legt er dem armen Baumann dann auch. Klar hätte auch die TSG ein Törchen machen können, aber dann wärs halt 4:1 ausgegangen. Ansonsten wieder alles sehr verzückend bis auf den einen oder anderen letzten Pass und diese Ecken, die seit Peps öffentilchem Attribut “katastrophal” noch unseeliger geworden sind (ab jetzt bitte nur noch kurz). Robben und Ribery legen eine Spielfreude an den Tag, das sie vom Gegenspieler schon gar nicht mehr gefoult werden, die wollen auch was für ihr Geld geboten bekommen und schauen fasziniert auf die Lustballer. Magnifique, dass der Monsieur wieder so zurück gekommen ist seit seinem Pofurunkel. Boateng ausnahmsweise mal wieder wild und wütend, aber dabei mit dem nötigen Maß an Knochigkeit, um nicht vom Platz zu fliegen, Elfer zu verursachen und den gelegentlichen Lothar-Matthäus-Gedächtnispass hoch in den Sturm (sagt man das noch?) zu spielen. Ausgewählte Highlights: Müllers Milimeterpass auf Robben vor Lewis (ich nenne ihn jetzt auch so, lieber Jürgen Klopp, nicht aus plumper Primus-inter-pares-Kumpelei, sondern weil ich tippfaul bin), 2:0 Robbens Houdini-Doppelpass mit Lewandowski vorm 3:0, Rodes Spaltung der Materie zum 4:0 (nach Pass von he who will now be named) und natürlich die Rückkehr des deutschen Nick Fury, Wasti Schweinsteiger, der Capitano der Herzen, der Weltmeister der Augenbrauen. Überhaupt hat erst Pep geschafft, was Klinsi der Liga damals angedroht hat: jeden Bayernspieler noch ein Stück besser zu machen. In der zweiten Hälfte hat Hoffheims Offensive aus Volland, Modeste und Firmino dann den Preis für ihr laufintensives Pressing in der ersten bezahlt, auch so etwas plant Pep Guardiola im Voraus. PS: Das Foul von Szalai an Dante sah auch eher nach Hunnenrugby als nach Fußball aus. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (11)

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SPIELTAG 11

Frankfurt – FC Bayern 0:4 (0:1)
Norbert Nachtweih sieht besser aus als früher, stelle ich grade auf Sky fest. Was gibt’s sonst Neues? Alaba ist verletzt, schade, aber kompensierbar. Will Bayern Sergio Ramos kaufen? Können Schweine fliegen? Zum Spiel: Frankfurt hat besser gespielt als die Roma neulich. Bissiger, interessanter, unberechenbarer und sogar mit besseren Einzelaktionen. Dieser Wiedwald ist auch ein ganz hervorragender Hinlanger im Frankfurter Tor. Der Zubeisser Zambrano hat allerdings gefehlt. Am Sieg der Bayern hab ich nicht gezweifelt, an einem Dreierpack von Müller schon. Ich war grade dabei, folgendes auf meinen Notizzettel zu schreiben: Müller auf der Genie- und Wahnsinn-Waage heute wieder mit schwerem Übergewicht auf der Gagaseite. Ja, so lustige Notizen mach ich mir. Aber vielleicht waren die Müllertore ja auch ein geschickter PR-Schachzug für diesen komischen WM-Film, der ins Kino kommt, der vermutlich denselben Effekt hat wie das “Sommermärchen”: die als glorifizierte Zeit abgeheftete Erfahrung wird noch mit einem Häubchen Fremdscham verziert. Der Hackentrick von Neuer war bei allem ästhetischen Mehrwert ein Schlag ins Gesicht zukünftiger Gegner. Demonstrativer kann man sein Desinteresse am laufenden Spieltag nicht darstellen. FCB-Ecken sind leider immer noch auf Bolzplatzniveau. Siehe bei mir am Ende der Straße neben dem Spielplatz. Da wo die alten Herren ständig “ruhiges Aufbauspiel!” schreien, obwohl der Platz ungefähr 15 Meter lang ist. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (10)

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SPIELTAG 10

FC Bayern – Dortmund 2:1 (0:1)
Hier ist meine Theorie, was bei Dortmund nicht stimmt. Die Spielweise von Klopp erfordert eine feine Balance der einzelnen Elemente, denn das BVB-Spiel ist Risikospiel. Es ist rasant und laufintensiv, es ist im Prinzip stoisch und monoton, es nutzt sich ab, wenn es nicht zum sofortigen Erfolg führt, oder nicht alle Spieler in derselben Intensität am selben Strang ziehen. Und das passiert vielleicht deswegen, weil Transfers wie Immobile, Ginter und Ramos nicht so richtig hinhauen (im Gegensatz zu den klugen Zugängen im letzten Jahr Mikidings, Abumeyang und der grimmige Grieche) und man anfangs eher beiläufig ein paar Punkte liegen lässt, die Bayern davonziehen und einen die Presse plötzlich abschreibt. Die anfänglich noch zaghaften Abstimmungsprobleme bekommen durch die Medien einen psychoaktiven Schub und so gerät langsam Sand ins Getriebe, nicht viel, aber es reicht eben nicht mehr zum Gewinnen. Das wird sich bald wieder ändern, aber der Schaden ist angerichtet. Spieler wie Reus (angeblich demnächst bei Unterhaching), Hummels (angeblich Angebot von Arsenal) suchen sich vielleicht bald schon Wohnungen in neuen Städten und ein Stern, der noch gar nicht richtig aufgegangen ist, könnte sich schon wieder im Sinken befinden. Wenn Dortmund wirklich nicht in die Championsleague kommt und dazu noch etliche Schlüsselspieler verliert, wird alles an den kommenden Transfers hängen. Das wird der Schlüssel zur Zukunft der zweiten Kraft in der Liga. An Klopp liegts nicht, auch wenn er mit seinem grünstichigen Deckhaar im Moment arg verloren vor den Interview-Kameras wirkt.

Das Spiel: Nichts für schwache Nerven. Bayern war zu ungenau in der ersten Hälfte und der BVB dafür umso exakter. Ergo Augenhöhe. In der zweiten Hälfte war die Münchner Chancenverwertung zwar immer noch so effektiv wie die Dobrindt-Maut, aber die spielerische Überlegenheit war erdrückend, da hat selbst der sonst “dahoam” so furchtlose BVB den Hut gezogen. Königseinwechslung war dann natürlich Subotic, erst der hat das Abwehrgeflecht der Schwarzgelben erfolgreich aufgelöst. Nach dem Foul an Ribery hat er sich natürlich wieder mörderungerecht behandelt gefühlt und ich hab schon befürchtet, dass er gleich wieder Robben ins Gesicht springt, wenn der seinen Elfer verschießt, aber diese Zeiten sind wohl vorbei -> Arjen Robben, BVB-Killer. Das wird so in die Annalen eingehen. Ansonsten hat mir Bernat wahnsinnig gut gefallen. Sein finaler Pass ist zwar meistens Grütze, aber was der Mann für Räume aufreisst, kann Spiele entscheiden. Mario Götze dagegen, not so much. Hut ab vor Lewandowski, der einfach nicht einsehen will, dass er Scheiße am Fuß hat und quasi gegen sein Karma trotzdem das wichtigste Tor des Tages geschossen hat. Und Boateng ist eh nicht mehr von dieser Welt. Es scheint, als schäle sich aus dem einstigen Teilzeit-Weddinger-Käfigkämpfer endlich der Bildungsbürger, den seine Mutter immer gerne gesehen hätte und in der Verflechtung von Hip-Hop-Hool und Feingeist entsteht einer der intelligentesten Verteidiger der Welt. Falls übrigens jemand von mir erwartet, dass ich die Reus-Wechselgerüch(t)e kommentiere, hier bitte: Ist mir vollkommen wurscht. Die Sportjournaille mit ihren fantasielosen Reflexpolemiken wie (“Schwächt der FCB absichtlich die Konkurrenz”) kann einen allerdings tatsächlich zu Ohrenschützern zwingen. Symbolbild des Tages: Sammer herzt Pep ganz ungemein, aber immer mit diesem “Liebt er mich auch zurück?”-Zweifeln im Blick. Und dann bei Sky 90 hundertdreissig Mal die Versicherung, wie wunderbar die beiden sich verstehen. Die Lex fori ist die Lex Pep. (mehr …)

Das falsche Tagebuch: 28. Oktober 2014

Ach, falsches Tagebuch, wie gerne würde ich dir von meinen gelegentlichen Panikanfällen und der grotesken Angst, dem verschütt’ gegangenen Urvertrauen und dem Unverstand, der sich in dieser Welt breit macht, erzählen. Aber du bist ja kein echtes Tagebuch und die grausliche Wahrheit hat nur in Extrakten und Sinnbildern hier etwas verloren.

Deshalb erzähle ich stattdessen von dem neuen Kaufhaus am Potsdamer Platz, der Mall Of Berlin. Und wie schön es hätte werden können, so an historischer Stelle, quasi in vermintem Grund und Boden. Wie schön kann so ein Kaufhaus sein, wenn aus den Lautsprechern Georg Friedrich Händel statt Ariana Grande blättert, wenn unten die Feinkost und das Kaffeehaus sitzt statt dem Schlüsseldienst und Aldi. Wenn oben sich die Himmel im Luxus lichten, wo nur die Betuchten noch kaufen, aber alle anderen dennoch wandern und verhandeln dürfen, statt durch Desigual, Berlin 54, Madonna und H&M zu hinken und nach reduzierten Angry-Birds-Mützen zu suchen.

Es könnten Schauspieler mit grellen Gesichtern aus Satyr-Spielen statt Saturn-Mitarbeiter auftreten, es könnten Liftboys statt Klofrauen das Kleingeld einsammeln. Wir könnten uns schwarz anziehen und durch lila-rote und nach Süßigkeiten duftende Arkaden (im mythologischen Sinn) lustwandeln statt von Camp-David-Proleten durch die Gänge geschubst zu werden von einem Smoothie-Stand zum nächsten von Nordsee über Subway bis zum Asia-Pavillion in Schwaden von Frittierfett.

So ein Kaufhaus kann doch ein Lichtblick in dunklen Zeiten wie diesen sein, eine Flucht nach Arkadien, ein Wellness-Aufenthalt im schönen Schein. Stattdessen ist es wie Berlin halt nun mal so ist. Kurzfristig, unsicher und visionslos. Ausnahme: der FC Bayern-Fanshop im Obergeschoss und der Hertha-Laden im Keller neben dem Schlüsseldienst. Da hatte jemand eine Vorstellung.

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