Auf der Straße nach Süden

24. Mai, 2013

Noch 31 Stunden dann hebt mein Flieger ab. Aber nicht nach London, sondern nach Italien. Weil ich mir das CL-Finale bei einem Stück toskanischer Hartwurst auf einem kleinen Fernseher am Meer anschaue. Und egal, wer gewinnt, ich gehe nach dem Spiel ins Wasser. Vielleicht wird dann endlich auch mein Trikot sauber, dass ich jetzt eine ganze Saison zu jedem Spiel getragen habe, ohne es zu waschen. Ich besitze zwar auch schon das neue Leiberl (mit Martinez-Flock), aber ich habe mir schon einmal zu einem CL-Finale das neue Trikot angezogen und es hat nur Jose Mourinho Glück gebracht.

Wobei wir dieses Mal kein Glück brauchen, die Dortmunder dürfen nur keins haben. So gut wie diese Saison habe ich den FC Bayern noch nie gesehen und in wenigen Tagen könnten wir alles das erreicht haben, wofür wir Pep Guardiola geholt haben. Und dass aus der kurzen Heynckes-Phase eine Heynckes-Ära wird, und dass der Don sich dann für die Demütigung, ihn noch nicht einmal gefragt zu haben, gerächt hat, könnte man dann auch sagen.

Dann könnte der Klopp auch weiterhin die Mär vom kleinen gallischen Dorfmund erzählen, das nichts anderes kann als sich gegen den gemeinen Imperialisten untem im Süden zur Wehr stellen. Denn wie sollte der BVB und Onkel Jürgen im Falle eines CL-Gewinns noch seine Rolle als ewiger Underdog aufrecht erhalten? Schlimm genug, dass man im letzten Geschäftsjahr 150 Mio und aus der Championsleague nochmals über 60 Mio verdient hat (von den Transfer-Einnahmen ganz zu schweigen), jetzt müsste man sich ja quasi dafür entschuldigen, nicht nur der Beste, sondern auch einer der solventeren Vereine Europas zu sein.

Nein, nein, nein, es ist für alle besser, wenn Bayern gewinnt. Götzes Fehlen wird den Unterschied gar nicht ausmachen, es sind ja noch Reus, Kuba und Lewandowski da, das reicht für drei weitere Finales. Es wird auf die Defensiven ankommen und da möchte ich statt eines Tipps einfach nur auf das Torverhältnis der beiden Kontrahenten in der gerade abgelaufenen Saison verweisen.

Und wieder sind ein paar Minuten in Richtung Wembley vergangen und ich zähle doch bloß die Minuten bis ich endlich wieder mediterrane Luft atmen darf.

Brennerpass: Bundesliga 2012 / 2013 (34)

19. Mai, 2013

Mönchengladbach - Bayern 3:4 (3:2)
Das Selbstverständnis der Bayern-Defensive inkl. das von Herrn Neuer dürfte anfangs ein bisschen gelitten haben. Vielleicht war das aber auch der notwendige Warnschuss gegen die Saturiertheit. Denn, ganz ehrlich, wenn Dante im CL-Finale auch so einen Bock schießt, dann kann er sein Geld in Zukunft als Jimi-Hendrix-Double verdienen (Stichwort: The wind cries Wembley). Aber dann ja wiederum auch ein Sieg für die Moral, oder wie man das halt nennt, wenn der Gegner Torgutscheine an so unscheinbare Angreifer wie Ribery und Robben verteilt. Das Tornadotor vor Ribery ist was für die ewige Bundesligarückschau, wenn man nochmals auf symptomatische Szenen aus der Triple-Saison blickt.

Dortmund - Hoffenheim 1:2 (1:0)
Drastischer, drastischer Spielverlauf. Dortmund eigentlich der sichere Gewinner. Dann verrräumt Hummels völlig unnötig Volland… und die Hölle bricht los. Kurz darauf kassiert Weidenfeller eine rote Karte, Großkreutz geht ins Tor und Salihovic verwandelt den Elfer. Kurz darauf stürmt Dortmund mit allem was es hat (inkl. Torwart Großkreutz) aufs Hoffenheimer Tor und der Hohlkopp Castels geht soweit raus, dass er den Schuss von Schmelzer nicht mal erahnen kann. Hoffenheim ist abgestiegt, das Spiel in Düsseldorf ist bereits aus, und die Düsseldorfer Spieler sind nur noch Sekunden davon entfernt, von dem alles rettenden Ausgleich der Dortmunder zu erfahren. Doch dazu kommt es nie, weil er Schiedsrichter das Tor nach kurzer Beratung zurecht wegen (korrektem) Abseits von Lewandowski aberkennt. Klopp dreht durch, Gisdol rennt in die Katakomben (vermutlich aus Angst vor Klopp) und Hoffenheim hat die Relegation geschafft. Düsseldorf ist abgestiegen. Ein Spiel wie ein Drehbuch von Damon Lindelof.

Stuttgart - Mainz 2:2 (2:2)
Ja, mehr als mithalten geht bei Mainz nicht mehr in dieser Saison. Schade, dass da so dermaßen die Luft aus dem Verein entwich ab Februar. Vielleicht muss Tuchel mal was anderes machen. Hut ab vor Stuttgart, die in ihrem über 50. Pflichtspiel immer noch gut in Schuss sind und das praktisch ohne zweite Mannschaft. Nerviger Trainer, gute Mannschaft, gute Saison.

Hannover - Düsseldorf 3:0 (1:0)
Ich weiß gar nicht was ich sagen soll. Ich wünsche niemanden einen Abstieg, noch nicht einmal Campino. Nein, anders, noch nicht einmal Fortuna Düsseldorf und ich hätte zur Winterpause wirklich nicht im Geringsten damit gerechnet. Der letzte Spieltag ist der erste, an dem die Fortuna auf einem Abstiegsplatz steht, wenn ich mich nicht irre. Was ist passiert – auch in diesem letzten Spiel – warum hat die Mannschaft sich nicht mehr in den Klassenkampf hineingebissen? Ich bin ratlos und kann nur “Kopf hoch” sagen. Das klappt mit dem Wiederaufstieg, da bin ich sicher. So sicher wie ich nach der Winterpause war, was den Klassenerhalt betraf.

Nürnberg - Bremen 3:2 (0:1)
Ja, ja, ja, das war ein gutes Spiel, auch wenn’s keiner gesehen hat. Gutes Saisonende für den Club und Wiesinger, der mit dem letzten Tor wahrscheinlich gleich seinen Folgevertrag auf die Bank gereicht bekommen hat. Die Sache mit Schaaf, nun ja, da ist halt an irgendeiner Naht die Wahrheit aus Eichin herausgeplatzt, dass er einen konkreten Neuanfang will. Schaaf wollte unter diesen Umständen (und weil er dann genau zum selben Datum bei Bremen aufhört, ab dem er angefangen hat) nicht mehr in Nürnberg auf die Bank und jetzt wirkt das ganze glanzlos und ein bisschen schäbig, obwohl der Vorgang ein vorhersehbarer war.

Freiburg - Schalke 1:2 (0:1)
Freiburg, du Perle, das war eine großartige Saison mit einem immensen Unterhaltungswert, nicht nur wegen dem fantastischen Fußball, auch wegen dem Trainer, der mir stellenweise wie ein Kabarettist vorkommt. “Wir haben gegen Schalke 04 gespielt und Schalke hat sich mit 10 Mann in die eigene Hälfte gestellt.” Und auch wenn das zu kokett ist, hat Schalke wirklich manches Mal so gespielt, als wären sie der Underdog. Aber nur sie hatten ja auch was zu verlieren. Tragisches, albernes Eigentor und nicht gegebener Elfer bei Freiburg, aber letztendlich ein europageprüfter und verdienter Sieger mit Schalke und seinem hoffentlich loyalen Maskottchen Draxler.

Augsburg - Fürth 3:1 (1:0)
Der eigentliche Gewinner der Rückrunde heißt freilich Augsburg. Hätte Fürth seinen wiederholten Elfer am Anfang reingemacht, Schiri Tobias Wels hätte sich wahrscheinlich nie wieder in Augsburg und Umland blicken lassen dürfen. Und Fürth hätte ja auch nicht so verbissen dagegen halten müssen, etwas mehr Kollegialität bitte. Dann setzte aber ohnehin so etwas wie ein Augsburger Furor ein und damit sind die großartigen Grünen unter Sympathicus (und Ex-Regensburger) Markus Weinzierl ohne Relegation in der ersten Liga verblieben. Wundervoll.

Hamburg - Leverkusen 0:1 (0:0)
Am Anfang des Spiels wusste ich noch nicht so genau, wem ich in Richtung Euroleague die Daumen drücken sollte: Frankfurt oder Hamburg. Aber nach dem bräsigen Hamburger Spiel und der deutlich erquicklicheren Frankfurter Aufholjagd in Wolfsburg, waren die Sympathien für diesen Spieltag verteilt. Dennoch finde ich, dass die Hamburger das Beste aus ihren Möglichkeiten in der Saison gemacht haben. Wenn man jetzt die Schlüsselspieler (Adler, van der Vaart, Son, Rudnevs, Jiracek, Aogo, Westermann) halten kann und Arnesen nicht wieder so willkürlich einkauft, klappt das demnächst mit Europa.

Frankfurt - Wolfsburg 2:2 (1:2) Spielbericht
Die Frankfurter kommen erst so gar nicht zum Zug gegen starke Wolfsburger, aber dann kommt eine Tugend ins Spiel, die Frankfurt während der Saison eigentlich bisher kaum gezeigt hat: sie wehren sich, wenn sie mit dem Rücken zur Wand stehen. Das wird eine gute nächste Saison für Frankfurt, wie man hört ist ja dank neuer Sponsoren auch wieder ein bisschen Geld da.

TIPPSPIEL:
Und hier die beinahe finalen Top 15, es kommen ja noch die beiden Relegationsspiele, die hätte ich beinahe schon wieder vergessen. Ich sag jetzt schon: Es war mir ein rauschendes Fest mit euch. So wie’s aussieht, kann man feinschmeckerle gratulieren, es sind ja nur noch maximal acht Punkte zu vergeben. Hatte im letzten Update noch eine alte Tabelle hier abgedruckt, aber jetzt ist es offiziell: Unser Tippchampion der Brennerpass-Bundesliga 2012/2013 heißt:

FEINSCHMECKERLE. Allerherzlichsten Glückwunsch und den Hut ganz tief gezogen vor Vorjahressieger Eikman, der es bis auf den dritten Platz geschafft hat.

(Letzter Tagessieger ist übrigens wuzzel1981, gratuliere!)

Unter der Tipptabelle die Preise für diese Saison, ein dickes Buchpaket von Heyne Hardcore mit den beiden fantastischen 11-Freunde-Büchern, der derzeit wichtigsten Punkbiografie des Landes, einem Einblick ins Lebenswerk von Kevin Smith und ein Buch über den Musiker Dave van Ronk, das die Vorlage zum kommenden Coen-Bros-Film bietet.

1. feinschmeckerle 408
2. Milan10 395
3. Eikman 392
3. mouchi392
5. Robert 390
6. dirksteins 390
7. abspann 388
8. martimi70 387
9. benchman 387
10. DoktorKatze 387
11. Toizone 386
12. Schwanzhund384
13. Klaus 383
14. oliisoaho 378
15. mek_wito 377

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

brennerpassGewinne

Kurzkritik zu Star Trek Into Darkness

17. Mai, 2013

Ich weiß nicht, ob ich ein Trekkie bin, aber ich kenne zumindest alle Filme, alle Originalfolgen, alle Next-Generation-Episoden und jede Schiebetür auf Deep Space Nine (Ich liebe es!). Ich habe mir noch während meines Studiums vorgestellt, meine Wohnung ist ein Raumschiff, mein Auto ein Shuttle und statt auf der Uni bin ich auf der Starfleet Academy.

Trekkie oder nicht, ich lasse mich nicht abspeisen von J.J. Abrams und dem Idioten Damon Lindelof. Nicht abspeisen mit wirren Handlungssträngen, brachialer Effektgewalt und lieblosen Anspielungen ans “alte” Universum, um auf billige Weise dem Vorwurf zu entschlüpfen, den Kanon nicht zu ehren. Und ehren du ihn nicht tust, J.J. Abrams, zukünftiger Star-Wars-Regisseur, denn auch wenn jetzt Justin-Bieber-Fans in Star Trek gehen können (und du vielleicht nicht ganz zu Unrecht denkst, der kommerzielle Erfolg gäbe dir recht), ist das nicht mehr mein Star Trek. Es fehlt die Wärme, die philosophische Grundlage, der Gene-Roddenberry-Funke springt nicht über, auch wenn ich nicht genau beschreiben kann, wie das aussieht. Vielleicht bin ich auch nur das alte romantische Eisen, dem man sich bei dem Reboot entledigen wollte.

Nach anfänglichem Verdruss: Ich sehe auch nicht gänzlich schwarz für Star Wars, denn es ist ja doch etwas gut an den neuen Star-Trek-Inkarnationen: Dialog und Charaktere sind kein lästiges Beiwerk, im Gegenteil, selbst die Nebencharaktere bekommen Platz und genügend Sätze, um ein Leben nach dem Spezialeffekt zu entwickeln. Dafür geht wie immer bei Filmen, an denen Lindelof mitschreibt, die inhärente Plausibilität (eigentlich das wichtigste bei Science Fiction) flöten. Zum Abschluss dazu ein Gedanke aus dem Forum von screenrant.com.

“The lazy hacks who wrote this thing thought they could lift moments from Wrath of Khan and everyone would give them a free ride because, you know, fan-service and nostalgia and such.”

Die Lesereise II – Erfurt, Chemnitz

15. Mai, 2013

Ich ging nach Haus und schlief, als ob
Die Engel gewiegt mich hätten.
Man ruht in deutschen Betten so weich,
Denn das sind Federbetten.

(Heinrich Heine, Deutschland – Ein Wintermärchen)

08.03.2013 Erfurt, Franz Mehlhose

Schon wieder Schnee. Und Schnee. Die Lesereise ist eine Winterreise, aber wir hören nicht Franz Schubert im Auto, sondern wieder die Allman Brothers und reden über Jimi Hendrix. Ich habe am Vorabend das Rainbow-Bridge-Konzert auf Youtube gesehen und fand es hinreissend, wie sich ein paar verstreute Zerstreute in dieser giftgrünen Vulkankulisse auf Hawaii bedröhnt beiläufig dem größten Gitarren-Schamanen ihres Jahrhunderts hingeben.

In Erfurt ist es bereits dunkel, als wir ankommen, das bedeutet, es ist kurz nach 16:00 Uhr. Beim Hineinfahren passieren wir eine elektronische Anzeigetafel, auf der steht: “Noch 666 freie Plätze im Parkleitsystem.” Ohne Witz. Der Erfurter Dom thront auf einem Hügel und sieht in der Dunkelheit deshalb aus wie ein Schloss in Siebenbürgen. Fehlen noch die Fledermäuse, die um die Spitzen kreisen. Alles passt, das weiß man spätestens seit der elektronischen Anzeigetafel. Das Franz Mehlhose ist die schönste Station auf der gesamten Lesereise. Wunderbare Gastgeber, ein eigenes Künstlerappartement (Ich werde sowieso für mein Leben gerne “Künstler” genannt), ein großartiges Publikum und eh mein bester Abend. Ich kann es eigentlich kaum erwarten, die Stadt im Spätsommer zu sehen.

Die Nacht nach dem Auftritt endet in einer kleinen Bar, in der eine Armada an VHS-Kassetten sauber beschriftet und aufgereiht hinter dem Tresen steht. Daraus entnimmt der Besitzer ausgewählte Videos und lässt sie über mehrere Röhrenfernseher laufen. Ich bin angetrunken genug, um nochmals von Jimi Hendrix anzufangen und frage in die Runde, ob Mitch Mitchell bei dem Rainbow-Bridge-Auftritt trommelt, weil ich mir fast sicher bin, und ob das die Band of Gypsies ist oder die Experience. Damit verstöre ich den Gastwirt, nicht nur weil er denkt, dass auf Hawaii Buddy Miles trommelt, sondern weil ich statt Rainbow Bridge ständig – in einer Art Sprachdefekt – Isle Of Wight sage. Es entsteht ein musikhistorisches Chaos, das nur dadurch zu entwirren ist, indem der Wirt zum einen ein Lexikon aus dem Regal neben den Obstlern holt, wo genau drinsteht, wer auf welcher Platte und bei welchem Konzert von Jimi Hendrix mitgespielt hat. Und wenn mich meine Erinnerung nicht trübt, legt er am Ende sogar die Rainbow-Bridge-VHS ein, womit sich endgültig bestätigt, was ich seit gestern vermute: Mitch Mitchell trommelt mit Hendrix auf Hawaii und Billy Cox vertritt Noel Redding am Bass, was das Line-Up zu einem Vorläufer der Band Of Gypsies macht, bei der besagter Buddy Miles am Schlagzeug hockt.

erfurt

09.03.2013 Chemnitz, Arthur

Es hätte alles so schön sein können. Wilder, schöner Osten, Allman Brothers, ich hundsverkatert und J. kutschiert uns rüber nach Karl-Marx-Stadt. Aber nein, ich muss ja quasi noch auf der Autofahrt sterbenskrank (sprich: grippal erkältet) werden und den gesamten Nachmittag im Chemnitzer Hof verbringen, wo ich unter anderem ein kurioses Fußballspiel zwischen Bayern und Düsseldorf sehe. Auf dem Weg nach Chemnitz ist mir das Navigationsgerät hinter das Handschuhfach gefallen und liegt jetzt wahrscheinlich im Motorblock.

Den Gedanken werde ich nicht los, als wir ins Kulturhaus Arthur fahren. Im Arthur sind eine viertel Stunde vor Lesebeginn nur drei Leute, zudem hat der defätistisch wirkende Kneipier Einstürzende Neubauten laufen, was nicht unbedingt die Stimmung hebt. Jetzt stelle ich auch noch fest, dass ich meine Brille im Hotel vergessen habe, was in der Folge bedeutet, dass ich das Buch einen halben Kilometer von mir strecken muss, um einzelne Buchstaben erkennen zu können. Um mich davon abzulenken, dass keine Leute kommen, nehme ich das halbe Auto im Dunkeln auf dem Parkplatz auseinander um das Navigationsgerät zu finden. Den Motorblock werde ich allerdings erst am nächsten Tag im Hellen untersuchen, beschließe ich.

Immerhin sind am Ende zehn Leute da und ich muss mehr schneuzen als lesen, aber ich entwickle mit dem Publikum eine Mitleidsroutine, die mich durch die doch ganz schöne Lesung trägt. Der sehr freundliche Veranstalter fasziniert mich. Er erinnert mich ein bisschen an eine Figur von Dieter Krebs. Er erzählt mir, dass hier auch manchmal Aktionskeramiker auftreten, oder ich habe mir das in meiner Krankheit zusammenfantasiert. Dann bringt mich J. wieder ins Hotel und im Fieberwahn schaue ich das Aktuelle Sportstudio und dreimal “Alle Spiele alle Tore”, bis ich eigentlich schon wieder vergessen habe, wer eigentlich gespielt hat. Ich denke, wenn ich Axl Rose wäre, würde ich mir jetzt drei Nutten in den Chemnitzer Hof kommen lassen, die mich von meiner schweren Erkältung ablenken. Fast bin ich versucht, bei der Rezeption anzurufen und zu fragen, wie sie es denn mit Prostituierten im Hotel halten. Dann bin ich natürlich zu feige. Ich kann ewig nicht einschlafen wegen dem Navi im Motorblock.

Brennerpass: Bundesliga 2012 / 2013 (33)

12. Mai, 2013

Bayern - Augsburg 3:0 (0:0)
Das sind die schönsten Bundesliga-Nachmittage des Jahres: Die Meisterschaft ist entschieden, der Abstiegskampf tobt wie entfesselt und alle Spiele passieren gleichzeitig. Zum Spiel der Bayern gegen Augsburg nur ein paar Randnotizen, denn ich habe auch nur Bayern 1 (Heute im Stadion) gehört und nachher Sportschau geschaut (weil Sky Go eine große Verarsche ist). Wenn auf jemand das Paradoxon des gemütlichen Sturmlaufs passt, dann auf Bayern an diesem Samstag. Man könnte es auch das kommode Anrennen oder die entspannte Offensive nennen. Reicht gegen durchaus gelegentlich auf Augenhöhe augierende (haha) Augsburger. Einen Elfer hätte man dem FCA geben können, den anderen (Van Beuytens Abschuss) definitiv nicht, denn sonst müssten wir wirklich alle mal reden wegen dieser Handspielauslegung. Der FCA bleibt trotzdem in der Liga, ich leg mich fest. Festgelegt hab ich mich auch auf die Flock-Nummer 8 auf meinem neuen Bayern-Trikot. Erstens, weil der Martinez so viel Geld gekostet hat, dass der so schnell nicht aus München weg geht, zweitens weil er für mich vieles verkörpert, was ich an der Mannschaft diese Saison mag. Hart arbeiten (was schreib ich da nur, das ist doch keine Tugend – oh Gott bin ich deutsch), keine Sprüche klopfen und aussehen, als mache der Job Spaß. Ansonsten jetzt noch einmal offiziell herzlichen Glückwunsch an Jupp Heynckes und Entschuldigung, dass ich je an Ihnen gezweifelt habe. Lass leuchten, Osram. Und Respekt an Manuel Neuer, weil er selbst die dekorativen Dirndlträgerinnen ganz emanzipiert mit Weißbier übergossen hat. Manu, auch du bist ein leuchtendes Vorbild.

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Die Lesereise II – Erlangen, München

8. Mai, 2013

The Road is life
(Jack Kerouac, On The Road)

27.02.2013 Erlangen, E-Werk

Nach Erlangen fahre ich im Zug, weil ich leider an einer Übersetzung arbeiten muss, statt unter dem Einfluss von Alkohol und Ibuprofen 600 Joe Danger auf dem iPad zu spielen. Unser Zug hat Verspätung, weil sich jemand mutmaßlich vor den Zug vor uns geworfen hat (was außer mir absolut niemand zu beunruhigen scheint), und wir stehen eine Runde Ewigkeit in einem fränkischen Kaff herum, dessen Name noch nicht einmal auf dem Bahnhof steht. Als ich im E-Werk ankomme, riecht es so dermaßen nach Schwefel, als hätte Luzifer persönlich einen Schors gelassen, und wenn das mal kein gutes Omen für eine Black Mandel/Die Beichte-Lesung ist (Insider wissen wovon ich schreibe), dann weiß ich es auch nicht.

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Kurzkritik zu Iron Man 3

8. Mai, 2013

(milde Spoiler am Horizont)

Robert Downey jr. ist ein Superheld. Ein Superheld bringt Übermenschliches zustande. In diesem Falle diese Strickliesl von einer Handlung zu einem abendfüllenden und in der ersten Hälfte sogar erfüllenden Spielfilm zu erheben. Warum sind eigentlich die meisten Superheldenfilme so zugeschissen mit Storylines, Gegnern und aufsehenerregenden “Das war noch nie da”-Momenten, dass sie ab der Hälfte in sich selbst zusammenbrechen?

Und wenn Tony Stark auf Knopfdruck (wahrscheinlich über Amazon Prime) eine ganze Armee von Iron Men bestellen kann, warum treibt er sich dann den ganzen Film über in Zivil auf der Suche nach Strom in Tennessee rum? Und was war mit dem Schluss los? Hat euch (Black/Pearce) der Studioboss einfach den Stift aus der Hand genommen und sein eigenes Ende reingeschrieben, um einen möglichen Anschluss an Avengers 2 oder Iron Man 4 (mit Joseph Gordon-Levitt in der Hauptrolle) zu garantieren?

Komischerweise regen sich die meisten Comicfans nicht über das grätzige Drehbuch, sondern über die Filmwerdung des Mandarin auf, dabei ist diese Wendung die einzig nicht zu vorhersehende im Film. Wer sich übrigens am Ende fragt, ob er wegen der langen Laufzeit die entscheidende Stelle verschlafen hat, in der Guy Pearce seine exakte Motivation erklärt, dem sei gesagt: nein. Fazit: Ein gut gelungener schlechter Superheldenfilm, über dessen gigantische Zuschauermengen sich man vor allem in Ingolstadt freuen dürfte.

ironman

Brennerpass: Bundesliga 2012 / 2013 (32)

5. Mai, 2013

Dortmund - Bayern 1:1 (1:1)
Ach, von wegen Fehde. Meine Theorie ist folgende: Die Bayern haben sich im Vorfeld des Götze-Transfers zum einen nicht beim BVB gemeldet, weil sie Schiss hatten, dass ihnen der BVB irgendwie Ärger macht bzw. eventuell versucht, den Spieler umzustimmen, zum anderen, weil der Watzke ein furchtbar ungenießbarer Typ ist, mit dem man einfach nicht reden will (Bei Sky hat Sammer gesagt, die hätten in der Kommunikation auch die Wünsche der Familie Götze berücksichtigt). Und weil der Krug eh schon so lange zum Brunnen gegangen und letztendlich gebrochen ist, macht man es bei Lewandowski genauso. Zum Spiel: der Einzige, der das Spiel ambitioniert angegangen ist, war Schiri Gagelmann, und der war dann auch schuld an seiner Entgleisung. Das lief in etwa so ab: Falsche Entscheidung, gefolgt von einem Konzessionspfiff, der dann aber meistens noch falscher war. Dass ein glasklarer Elfer gegen Pizarro übersehen wurde, dafür das dämliche (aber regelkonform gepfiffene) Handspiel vom Oberschussel Boateng gegeben wurde, war nur die Spitze des Eisbergs. Überspitzt gesagt war die erste richtige Schiedsrichterentscheidung im Spiel, Rafinha vom Platz zu stellen und genau die hat das Spiel dann in den Zirkus verwandelt, über den in der Folge geschrieben wurde. Bayern kann das Spiel dennoch aus folgenden Gründen als vollen Erfolg werten: Man hat keine Angst mehr. Beispiel: Thomas Müller hat einmal den Santana angeschrien, und ich hatte den Eindruck, dass der sofort einen Flatterer bekommen hat. Im Duell der ungleichen Haarausstattung hat sich Sammer hervorragend gegen Klopp geschlagen und auch Manuel Neuer hat sich von Schiebers Fuß in seinem Gesicht nicht beeindrucken lassen. Schieber ist überhaupt eine Null, spielt furchtbar unsicher und übermotiviert – ein Schatten seiner selbst. Bei Bayern hat mich neben dem groben Lackl Rafinha vor allem Contento genervt. Wer so eine schlimme Frisur trägt, muss doppelt so gut spielen, weil er ja jedem ins Auge sticht. Und was man dann so sieht, ist ungenau, langsam und ohne Timing. Und jetzt noch ein kleines Geständnis: Ich mag diese Gehässigkeiten eh nicht. Ich fands schön, dass die angeblich verfeindeten Spieler, und auch Klopp, am Ende noch kleine Zärtlichkeiten ausgetauscht haben. Mich rührt sowas, aber frag mich nicht, ob ich am 25.06. noch genauso rührselig bin.

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Hinter dir, ein dreiköpfiger Affe! (2013)

3. Mai, 2013

“Guybrush? Is that a French name?”
“No, actually it’s a fictional name.”

(Was jetzt gleich folgt, ist die Neuabmischung eines alten Blogeintrags vom 7. August 2006, wieder ausgegraben zu Ehren des jüngst verschiedenen Spielestudios LucasArts)

monkeyisland2

Mein Mitbewohner und ich waren uns nicht sonderlich ähnlich. Er war ein Bär, ich ein Hemd (zumindest vor meinem Ferienjob als Bierfahrer bei Thurn & Taxis). Er las Bukowski, ich Anne Rice. Er hörte Van Morrison, ich Rancid. Er ging ins Irish Harp, ich in die Alte Filmbühne. Er kam aus Oberbayern, ich aus Niederbayern. Trotz dieser entzweienden Unterschiede fanden wir unsere Gemeinsamkeiten. Da war zum einen das Saufen und zum anderen die Weiber. Da war unsere Liebe zum FC Bayern und zur Formel 1 und unser Wettbewerbsgeist, den wir in “Wer kommt später und besoffener nach Hause” auslebten und uns aber auch als Verlierer sportlich gaben, indem wir versöhnlich nachts im Vollrausch Darts spielten und/oder nackt durch die Wohnung tanzten. Im Grunde genommen hatte ich bei diesem Gesamtwettbewerb sowieso nie eine wirkliche Chance und kam über Etappensiege nicht hinaus. Wie soll man auch gegen jemand gewinnen, der drei Tage lang nicht vom Trinkengehen wiederkehrt, nachdem er sich an einem x-beliebigen Sonntag Nachmittag kurz mit “Ich geh schnell auf eine Halbe zum Kneitinger” verabschiedet?

Letztlich passten wir uns sowieso immer mehr aneinander an, so dass ich mit ins Irish Harp und er mit in die Filmbühne kam, ich Van Morrison und er die Mighty Mighty Bosstones hörte, und wir uns beide gleichzeitig die Haare abrasierten und Drehbücher für unseren Anrufbeantworter schrieben. Wir erfanden Rituale wie die feierliche Ventilatorprozession, an der wir jeweils am Sommeranfang und Ende unsere Ventilatoren vom Dachboden holten, bzw. zurückbrachten, und wir entdeckten eine gemeinsame Leidenschaft, die uns an manchen Tagen zu einer unkontaktierbaren Wohngemeinschaft machte und die ebenfalls unserem Faible für Wettbewerbe entsprach: Das simultane Lösen von Adventure Games aus dem Hause Lucas Arts.

Wir haben sie wirklich alle gespielt: The Dig, Indiana Jones, Sam & Max, Full Throttle, Day Of The Tentacle, Maniac Mansion, Zak McKracken etc. Doch am eindrucksvollsten war für uns immer die Monkey Island Reihe. Sie ging mit all ihren merkwürdigen Charakteren in unsere Alltagssprache und unseren Humor ein. Stan, der nervige (Schiff/Sarg/etc)Händler wurde beispielsweis zum Sinnbild für enervierende kaufmännische Angestellte im echten Leben.

Angefangen hat alles mit einem langweiligen Sonntagnachmittag, an dem ich meinen Mitbewohner fragte, ob er nicht ein Computerspiel für mich zum Zeitvertreib hätte. Er überreichte mir geradezu feierlich The Curse Of Monkey Island und als ich ein wenig die mangelnde Aktualität beklagte, wurde er leicht mürrisch und versprach mir nicht nur einen hochgradig humoristischen Spielverlauf sondern auch nervenzerfetzendes Verzweifeln an diversen Rätseln. Er behielt in beiden Aspekten Recht, wobei ich diesen Teil noch auf eigene Faust lösen konnte, und das war mir auch ein Anliegen wegen des Wettbewerbsgedanken. Schließlich wartete Teil zwei, Le Chuck’s Revenge, längst auf mich und hier wurde ich von meinem Mitbewohner gezwungen, die Variante mit den extrabrutalen Rätseln zu spielen. Er spielte parallel mit, um sich zu beweisen, wie intellektuell überlegen er mir war. Aber auch ich kam aufgrund von vermehrten Nachteinsätzen an seinem PC langsam aber sicher voran, vor allem wenn er mal wieder drei Tage nicht auftauchte.

Ich kam zwar voran aber eben nur bis zu einer gewissen vermaledeiten Stelle. So sehr ich mich mental abmühte und grübelte – und ich grübelte an der Uni, in den Kneipen und zwischen den Haxen meiner Liebschaft -, kam ich einfach nicht auf den entscheidenden Lösungsschritt, der den weiteren Handlungsverlauf von Monkey Island 2 auslöste. Wochenlang steckte ich fest, ich war kreuzunglücklich. Ein Internet kannten wir in jenen Tagen nur in Zeitlupe aus dem sogenannten ZIP-Pool an der Uni, Suchmaschinen nur vom Hörensagen und Lösungsbücher waren mit 16 DM eindeutig zu teuer. So gab es nur einen, der mir aus meiner Misere hätte helfen können. Aber ich wollte lieber von Le Chuck, dem Geisterpiraten aufgefressen werden, als meinen Mitbewohner um Hilfe zu bitten. Und das wusste er.

Und so legte er mir eines Tages einen kleinen Briefumschlag auf den Rechner, auf dem in blauer Tinte fein säuberlich geschrieben stand:

“Monkey Island Hint Letter. To open means to capitulate.”

Was für ein hinterlistiger und leider auch gewiefter Sportsmann. Ich trank ohnehin nicht gerade wenig zu der Zeit, aber ich begann, noch mehr zu trinken und zu kiffen und hoffte auf toxische Träume, in denen mir die Vision vom richtigen Handeln kam und ich am morgen das verschissene Spiel lösen konnte, ohne diesen verfickten Brief zu öffnen. Selbst der Sex war nicht mehr derselbe, so sehr lag all mein Streben und Denken in diesen düsteren Sommertagen auf der Lösung meines Monkey-Island-Problems. Doch egal, wie groß meine Pein auch war, ich schwor mir, den verschissenen Lösungsbrief meines Mitbewohners nie und nimmer zu öffnen.

Zwei Tage später öffnete ich den Brief. In derselben säuberlichen Schrift und der edelblauen Tinte stand in Gedichtform geschrieben, dass ich einfach das Guybrush-Wanted-Poster gegen das Flugblatt von Käpt’n Kate hätte austauschen müssen, ab da ergab sich der Rest quasi von selbst. Es war eine simple Frage von “Benutze X mit X” gewesen.

Mein Mitbewohner verkniff sich fairerweise die ganz große Häme, aber ich weiß, dass er bis zum heutigen Tag triumphierend in unserer ehemaligen Altstadtwohnung hoch oben über der Stadt thront und sich in die Freibeuterfaust lacht. Wir haben dann Teil drei und vier gleichzeitig gegeneinander gespielt und gewonnen haben wir abwechselnd, je nachdem wer am meisten Zeit hatte, nicht saufen zu gehen. Entsinne ich mich recht, haben wir uns sogar gegenseitig Dates zugeschanzt, damit der andere abgelenkt war und man wieder eine Nacht den PC und das Spiel für sich hatte.

0:3 / keine Angst mehr

2. Mai, 2013

Dass ich nach dem gestrigen Halbfinale im Camp Nou keine Angst mehr habe, ist natürlich gelogen. Denn jeder weiß, dass es nur Sekunden und marginalste Umstände braucht, um das Gefüge aus Raum, Zeit und Fußballgerechtigkeit aus den Angeln zu heben. Es kann daran liegen, dass Manuel Neuer im entscheidenden Moment an ein Magnum Mandel denkt, Jerome Boateng mit der Tochter des zuständigen Schiedsrichters geschlafen hat, eine Flitzerin im schwarzen BH das entscheidende Abseits aufhebt oder Uli Hoeneß noch einen letzten Elfmeter verwandeln will bevor er ins Gefängnis geht, kurz: es gibt jede Menge Wurst-Käs-Szenarien, in denen Bayern das Wembley-Spiel gegen den BVB verschaukelt und Dortmund damit für mindestens ein Jahr die größte und beste Mannschaft ist, die der deutsche Fußball je gesehen hat. In drei Monaten wird auch keiner mehr wissen, wer eigentlich Meister geworden ist, aber man wird wissen, wann der VfB das letzte Mal den DFB-Pokal gewonnen hat.

Und dennoch ist meine Angst weniger geworden, denn die Selbstsicherheit und Spielintelligenz “meiner” Roten lässt mich gerade vor Freude erschauern. Manchmal sitze ich vor dem Fernseher wie vor einem Bild im Museum und frage mich, wie der Künstler diese Harmonie erschaffen konnte. Sollte also wirklich alles mit rechten Dingen zugehen und die Bayern den Überhenkel nach München holen, muss man davon ausgehen, dass ein zukünftiger Trainer (und ich habe so eine leise Ahnung, wer das ab Juli sein könnte) sämtlichen Trainingseinheiten möglichst fern bleibt, damit die Mannschaft um Gottes Willen genau so weiterspielt wie bisher.