Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (31)

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SPIELTAG 31: MEANWHILE IN CORDOBA

Leverkusen – Bayern 2:0 (0:0)
Zwei Herzen in meiner Brust. Eins möchte sagen: Church in the village. War nur Full Force Leverkusen gegen Setzkasten Bayern, hat keine Bedeutung. Das andere: man macht sich unnötig klein vor Barcelona. Dass hinter der resignativen Auf- und Vorstellung mehr als nur Taktik steckt, offenbart ein Blick auf die vorangehende Pressekonferenz. Pep kontert mit bösartigem Witz den Spruch von Kehl nach dem Pokalhalbfinale. So hab ich ihn noch nicht gesehen, seit er hier trainiert. Das Spiel hat dem Münchner Selbstverständnis weh getan, aber die resultierenden Verletzungen und die bundesweite Häme danach noch viel mehr. Dabei steckt kein schwerwiegenderes Problem dahinter als die seit Wochen debattierten Verletzungen. Und im Pokal verliert man halt gelegentlich gegen unterklassige Mannschaften. Nein, sorry, bevor ich wieder Herzen breche: Der BVB-Sieg war nicht unverdient, weil zum Spielegewinnen eben auch Tore und Elfmeter schießen gehört.

Zum Spiel am Samstag: Leverkusen (die angeblich einen Lauf haben nach einem Unentschieden gegen Köln) haben richtig erkannt, dass hier was zu holen ist und folgerichtig was geholt. Die Kombi aus einem irrlichternden Belarabi und dem goldigen Brandt (der ist zum Knutschen) hat alleine drei Punkte verdient, aber dann hat ja noch Heckenschütze Çalhanoğlu sein Tagwerk verrichtet. Immerhin konnten die Bayern mal ein paar Nachwuchsspieler wie Strieder zum Lactate-Anheizen schicken, bevor sie wieder in die vierte Liga müssen. Leider erneut zu begutachten: wie tief Götzes Lampe gerade hängt. Der Bub wuselt sich einen ab, ist aber jeder Chance Tod. Aber wer weiß, vielleicht macht er sich gegen Barcelona auch in den Bayern-Annalen unsterblich, dieses Mal kann er ja wieder besser als Messi sein – siehe WM-Finale. Martinez, mein Ex-Lieblingsspieler, ist wieder da und war gar nicht so übel für 255 Krankentage. Lahm ist schon länger wieder im Team, hat aber eine deutlich traurigere Figur abgegeben, das Elferdebakel vom Dienstag ist wohl nicht spurlos an ihm vorübergegangen. Letztlich tut die Niederlage tatsächlich nicht gut und vielleicht ist die Fuck-Bundesliga-Einstellung von Guardiola auch nicht der Königsweg. Das Gelaber vom plötzlich omnipräsenten Didi Haamann, dass Pep mit seinen variablen Aufstellungen die Saison vercoacht, braucht trotzdem kein Mensch. Pep will meiner überflüssigen Meinung nach seinen Bauern beibringen, dass ein jeder auch ein König sein kann und dazu gehört so viel Spielintelligenz, um sich vom Positionsspiel zu verabschieden. Es mag ein bisschen zu visionär für den FC Bayern sein, aber mir ist es lieber, als ein System zu konservieren und eines Morgens aufzuwachen und festzustellen, dass es seit 17 Spieltag nicht mehr mit diesen Spielern funktioniert, siehe BVB. Dass Pep dabei öfter übers Ziel hinausschießt und keine Geduld mit verletzten Spielern und Schiedsrichtern hat, muss man nicht schönreden – aber Genie + Wahnsinn = free hugs. Meanwhile in Cordoba: 0:8. (mehr …)

Das falsche Tagebuch: 30. April 2015

Mich kränken nicht Niederlagen vom FC Bayern München, die ärgern mich nur einen Abend lang, dann geht das Leben – ja, tatsächlich – so weiter wie bisher. Aber ich finde diese Häme grauslich. Weil Häme so eine grausliche Angelegenheit per se ist. Ich hau im Brennerpass schon auch mal ein bisschen drauf, daber das ist humoristisch und fachlich motiviert, behaupte ich mal (eigentlich will ich auch nur Aufmerksamkeit). Ich mag im Grunde alle Vereine auf ihre Art, auch den BVB, und ich würde mich nie genüsslich öffentlich darüber ergehen, wenn ein Verein verliert. Dass man so fühlt – geschenkt – man ist ja ein Mensch. Aber genau wie zum Menschsein die niedersten und ekligsten Instinkte gehören, gehört auch dazu, dass man sie sich in der Regel verkneift. Das unterscheidet uns ja von dieser rasenden kriegstreiberischen Meute, die wir ohne Filter und Etikette wären. Und klar darf jetzt jeder sagen, der gestopfte Bayernfan, der verwöhnte fette Erfolgsgockel kann’s halt nicht verkraften, wenn er mal verliert – fair enough – say it to my face, aber sei Dir stets bewusst, dass es traurig wirkt, wenn Du es ins Netz schreibst.

Dann die BND-Affäre. Warum spioniert man überhaupt Frankreich aus? Redet man nicht ohnehin pausenlos miteinander? Und was gibt es in diesem Zeitalter aus Glas eigentlich noch herauszufinden? Okay, Wirtschaftsspionage, I give you that. Aber was außer Geld ist da an Vorteilen heraus zu ziehen? Und ist Geld in unserer Zeit nicht zu einem völlig profanen Wert verkommen, für den man schräg angeschaut wird? Nein, ich weiß, so weit ist es noch nicht, aber soweit kommt es. Ich bin mir sicher, diesen Spionen ist arschlangweilig. Stelle man sich mal vor: Jahrhunderte lang besteht dein Job draus, Kleinstwissen mit unmenschlichem Aufwand zu erzeugen und dann kommt das Internet, du hast plötzlich alle Instrumente, von denen du je geträumt hast, aber bist nur noch von Freunden umgeben. *goodgracious* Der Mensch braucht ein Ziel, welches ist immer erst sekundär. Und wenn der Spion nicht spionieren darf, dann ist er kein Spion mehr und ergo vielleicht auch kein Mensch, weil ein Mensch ohne Aufgabe ist ein Rasender, siehe Thema Häme oben.

Mein Sohn hat mich neulich gefragt, warum es uns gibt, da habe ich gesagt, das liegt an einer Konstellation. Das führte irgendwann zum Thema Aliens und er hat vermutet, Aliens leben schon längst unter uns, deshalb wüssten wir auch nicht wie sie aussehen. Außerdem hat er vermutet, dass Obi Wan Kenobi im ersten Star Wars längst tot ist, als er Luke hilft und gegen Darth Vader kämpft. Er war ohnehin nur ein Geist, sagt er, deshalb ist er auch einfach verschwunden statt gestorben, als ihn das rote Lichtschwert trifft. Weil ich mich im Beruf gerade mit der Schaubühne und Lars Eidinger beschäftige, habe ich viel über das Theater nachgedacht. Und eben die Actionfiguren und zugehörigen Mythologien meines Sohnes. Es ist alles ein Parnassus-Ort, ein Spiegelkabinett mit Moral, Resolutionen und abgeschlossenen Geschichten. Mit Aufgaben. Deshalb ist Eskapismus eigentlich immer auch nur die utopische Sehnsucht nach einem inhärenten Regelwerk für den ganzen Nonsens, den wir täglich verrichten. Ob das Richard III. oder Avengers II ist, es geht immer um einen Regelkreislauf, von dem wir sicher sein können, das ihn jemand steuert oder erstellt hat. Das unterscheidet die Fiktion von der Realität.

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (30)

SPIELTAG 30: MEISTER DER HERTHZEN

Foto am 26.04.15 um 20.49

Bayern – Hertha 1:0 (0:0)
Ich habe mich ja im Lauf der letzten Jahre in dieser Kolumne immer wieder mal eher verätzend über Sky-Kommentatoren geäußert, aber entweder ich bin schmerzunempfindlicher geworden oder die Kommentatoren besser. Reif polarisiert eher mit Meinung als mit Gehässigkeit, Fritz von Thurn und Taxis ist zumindest in Talkshows weit mehr als nur der Plauderonkel, Kai Dittmann steckt mich mit seiner Begeisterung tatsächlich hin und wieder an und Wolff-Christoph Fuss sagt nicht mehr in jedem dritten Satz “Rock’n’Roll”, sondern denkt sich Bilder aus, auf die ich sogar neidisch bin. So wie dieses: “Früher hat Mario Götze Luftballons verschenkt, wenn er durch die Gegner gedribbelt ist, jetzt hat das Ganze etwas Melancholisches.” Es ist wirklich so, als wäre der derzeitige Götze nur seine eigene körperlose Ghost-Whisperer-Variante, jemand der noch so spielt, wie seine reale Version, aber als Geist nur noch begrenzten Einfluss auf die physische Welt hat.

Ansonsten kann man den Bayern nach der Porto-Party das fantasielose Zaudern in der Offensive als Katerfrühstück vor den Gelagen mit Dortmund und Barcelona durchgehen lassen. Die Mannschaft ist mehr denn je auf Impulsgeber wie Alonso oder in diesem Fall Boateng angewiesen – letzter kraftpaketet sich immer mehr zum eigentlichen Motor des Bayernspiels, eine Rolle, die eigentlich Schweinsteiger zusteht, aber der übt sich lieber als Bonvivant mit lässig erzielten Gusto-Toren. Lahm ist endlich fast wieder auf der Höhe (no pun intended) seiner Kunst, Gaudino spielt wie Thiago (zumindest bis der Echte kommt und man den Vergleich hat) und Mitch Weiser hat mit seiner sensationell herausgespielten Vorlage zum Siegtor, bei der er vier Herthaner ins Licht führt, wahrscheinlich innerhalb von vier Sekunden als Spieler mit auslaufendem Vertrag vierzig neue Angebote auf den Tisch seines Beraters gezaubert. Was war noch? Ach so, Deutsche Meisterschaft, numero 25. Und wieder Mal via Hertha. Im Ernst: Hertha mit Dardai und Preetz mit Bart kann man sich derzeit anschauen, Meistermacher oder nicht. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (29)

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SPIELTAG 29: ..of our elaborate plans, the End.

Hoffenheim – Bayern 0:2 (0:1)
Wie permeabel doch die Trutzwalle unserer Existenz sind. Morgens geht die Waschmaschine kaputt und der Orangensaft wird verschüttet, am Abend ist schon der Job weg und jemand in der Nachbarschaft gestorben. Was ich sagen will: die Menschheit und ein Fußballverein sind fragile Gebilde. Beim FC Bayern verletzt sich ein Arjen Robben und plötzlich haben wir die größte menschliche Ausfallrate seit der Pest im Verein. Dazu kommen ein paar Lapsus (korrekter Plural) der Sorte dumm und dümmmahr, eine herbe Niederlage gegen einen von sich selbst berauschten portugiesischen Proletenhaufen und die Nerven liegen so blank, dass der Medicus seine Kräuter einpackt und so dermaßen davon braust, dass es den erfolgsverwöhnten spanischen Chefinquisitor Cheftrainer nur so schüttelt. In nur drei Wochen ist aus dem Ligariesen und Ohrenpokal-Aspiranten ein Krisenverein geworden. Es ist herrlich und schrecklich zugleich, es ist eine Storyline, die selbst mich als Bayernfan mitreisst. Zumindest so lange bis die Bayern das Heimspiel gegen Porto nicht 2:0 gewinnen und von Dortmund aus dem Pokal geslamdunkt werden. Dann haben wir ein Staffelfinale, wie es sich George R. Martin nicht brachialer ausdenken könnte.

Aber es gab ja auch noch ein Spiel, dazu folgende Anmerkungen: Bernats Engagement in allen Ehren, aber es muss schon ein bisschen mehr passieren als das substanzlose Rumgewetze auf der Linie. Irgendwer muss auch von seinem Aufwand profitieren können. Und überhaupt – wenn die Trainer der gegnerischen Mannschaft immer sagen, es stünde auch nach den Ausfällen immer noch nur Weltklasse auf dem Platz, haben sie wohl vergessen, dass Weiser und Gaudino spielen. Das sind ganz liebe, talentierte Jungs, aber der eine (Weiser) ist jetzt schon drei Jahre Talent und der andere ungefähr 13. Wie Rudy Bernat abgeräumt hat, war unappetitlich. Wenn andere Mannschaften jetzt wirklich noch beherzter in die Bayern hineintreten, weil man das grade so macht, dann sei denen gesagt: Ihr seid Schwachköpfe, Bayern wird eh nächstes Wochenende Meister, egal was ihr da noch rumamputiert. Fazit des Spiels muss natürlich heißen: In Rode we trust. Dieser rustikale aber technisch hervorragende Chuzpeur hält das Bayernspiel am Leben und diesmal war auch kein Phillip Lahm dabei, der ihm dasselbe wieder aussaugt – im langen Schatten seiner selbst. Hoffenheim finde ich zur Zeit eher mies, das Europageschäft spart man sich in dem Zustand lieber, wird nur blamabel. Dass Dante immer noch spielen darf verdankt er mittlerweile nur noch Sternenkonstellationen und wenn Pep von seinen Helden spricht, meint er in Wirklichkeit nur Thiago, Rafinha und Neuer. Ich habe ja diese Theorie, dass Götze an allem schuld ist. Bayern hat sich in eine Abhängigkeit von Ribery und Robben begeben, die nicht mehr gesund ist, aber sie haben sich immer genug Ballkunst von Götze versprochen, um das zu kompensieren. Leider spielt Götze wie sein eigener talentfreier Golem. Und eins noch: Das mit den kurzen Ecken lassen wir lieber wieder bleiben.

PLUGTIME: Mein Artikel für Vice Sports über das Robbery Dilemma

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Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (28)

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SPIELTAG 28: Game Of Bones

Bayern – Frankfurt 3:0 (1:0)
Ah, die Knochen, die Knochen. Passt doch jemand auf die teuren Knochen auf. Aber langsam. Erstmal Rührung, als Reina seinen kleinen süßen Sohn mit in die Allianz-Arena führt. Damit ist der Fratzi halb so oft aufgelaufen wie sein Papa. Dann Angst, als Aigner zur Eröffnung Bernat wegaxt ohne sich zu entschuldigen und Dante umgehend Valdez entstellt. Angst, dass das Match die Bayern wieder ein paar Spieler mehr kostet und man gegen Porto mit der Viertliga-Auswahl antritt. Ja, ja, ich weiß, wir Bayernfans und unser Lamentieren auf internationalem Spitzenniveau. Es ist ja legitim, wenn man uns in der Liga ein wenig die Federn stutzt, aber wir sind immerhin das letzte verbleibende deutsche Team in der Champions League …ein bisschen Lokalpatriotismus bitte. Aber letztlich gabs eh nur noch eine wüste Sense von Madlung und dann hat sich Frankfurt mehr oder minder ergeben. Zum Spiel: Für Schaafs Scharmützelfußball hat Pep dann auch mit Freuden wieder auf die Offensive gesetzt und kann sich jetzt endlich wieder im Spiegel anschauen. Ich mag den Flow im Frankfurter Spiel, aber der zieht die Spieler halt auch ziemlich auseinander und eröffnet Räume für Thiagos Trickball-Performance. Nur Götze verliert trotzdem jeden Zweikampf. Angesichts der Verletzungen von Robben und Ribery war ja die Frage, wer sich jetzt besonders hervortut – und das ist eindeutig Lewandowksi, dessen erstes (Abseits)Tor wie eine Intro-Animation fürs nächste FIFA auf der PS4 wirkt. Die zweite Halbzeit besteht dann überwiegend aus dem Duell Lewandowski vs. Trapp und….*trommelwirbel*…. The Man who Physics forgot – Thomas Müller. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (27)

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SPIELTAG 27: Josep im Wunderland

(Anmerkung: Es ist Ostern, das Kind sucht Transformers im Garten und außer dem Bayernspiel hab ich mich nur oberflächlich über die Liga informiert, crucify me, um’s mit Tori Amos und Jesus H. Christ zu sagen)

Dortmund – Bayern 0:1 (0:1)
Auf den Tag habe ich gewartet. Pep hat die Schnauze voll von den ganzen Konteropportunisten in der Bundesliga und dreht den Spieß einfach um. Mit acht Vasallen hinten rein und wer nicht mit einem hohen Pass die Mittellinie überbrückt, wird zur Persona non Grata erklärt. Es ist Bizarro-Pep in einer Bizarro-Welt, alles steht auf dem Kopf, Lewis Carroll hat die Mannschaft aufgestellt, der Gegner hat stellenweise mehr Ballbesitz als der motherfukkin FC Bayern, es ist wie eine Cosplay-Convention unter Fußballstrategen. Aber es haut hin.

Schon wieder, zum zweiten Mal nach dem letztjährigen Pokalfinale, schlägt Guardiola die Dortmunder mit der Feder statt dem Schwert. Wobei zugegebenermaßen auch etwas Glück (nicht gegebener Elfer) im Spiel war und ein BVB, der vorne a) keinen Plan B hatte und b) einen mediokren Plan A. Aubameyang verwelkt in der Mitte förmlich und Reus ist zwar engagiert, aber bei Dante und Bernat in guten Händen. Apropos Dante, für den war das Spiel die Chance, sich als Säule der Innenverteidigung zu rehabilitieren und – oh boy – hat der sich rehabilitiert, oder? Pep hat den Sieg ihm gewidmet und gesagt, er hätte gerne 1000 Dantes in der Mannschaft, ein derart verstiegener Superlativ, wie ihn nur Pep bringen kann (und der fast schon wie ein Trostpflaster klingt, bevor er ihn im Sommer rausschmeißt). Ich liebe beide – den Haarigen und den Haarlosen.

Was gabs sonst noch? Der Rasen war offenbar mit Seife gewässert, so oft wie die Bayern ausgerutscht sind. Auch sonst fielen viele bzw. wurden viele gefällt, es war ein hartes, aber nicht sonderlich derbes Spiel. Schweinsteiger wird noch zum John McClane des deutschen Fußballs, wenn das so weiter geht und er sieht auch zu Beginn eines Spiels schon so aus, als hätte er Kopfweh. Ich habe ja Leute gehört, die das Spiel langweilig fanden, aber für mich wars ein Gaumenschnalz-Taktik-Thriller, wie ich ihn bei anderen Vereinen und Trainern (looking at you, Lucien) saulangweilig fände.

Benatia und Boateng waren atemberaubend gut, so gut wie Hummel gern gewesen wäre, in diesem Schaukastenspiel vor seinen potenziellen nächsten Arbeitgebern aus England, und Neuer hat einen Reusstoß gehalten, als wäre er Reed Richards höchstpersönlich. Gestört hat mich nur das Fehlpassinferno der Bayern Mitte der zweiten Halbzeit und dass wie immer niemand Lewandowski geholfen hat, der sein absolut bestes Spiel bei den Bayern abgeliefert hat.

Fazit: Robben und Ribery müssen erst beide weg sein, bevor sich Bayern mal was Neues einfallen lässt, aber irgendwann muss man den kalten Entzug von diesen Adrenalin-Junkeys an der Außenlinie ja mal beginnen. Schön, dass Thiago wieder da ist, ich hatte tatsächlich ein bisschen taubtrüben Ginst in den Augen.

Lieblingsstatistiken: 1. Torschuss BVB in der 51. Minute, erste Torchance BVB in der 61. Minute, 1. Eckball im Spiel in der 74. Minute, 1. Bayernchance = einzige Bayernchance = Siegtor. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (26)

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SPIELTAG 26: Ein letztes Mal winken und raus

Bayern – Gladbach 0:2 (0:1)
“Der Matchplan ist nur fast aufgegangen”, sagt Stranzl im Interview nach dem Spiel und das ist noch nicht einmal arrogant. Denn im Prinzip musste Gladbach eigentlich nur zuschauen, wie Bayern sich am eigenen Ballgeschiebe delektiert und immer unkonzentrierter wird. Dann verletzt sich der essenzielle Robben, Manuel Neuer leistet sich seinen Quartalspatzer gegen Gladbach und schon wirkt die Spielweise der Bayern eher dümmlich als dominant. Ich will Favre nicht die Akribie oder den Feingeist absprechen, aber dieses Ei hat sich Bayern auch selbst gelegt. Schweinsteiger und Alonso können übrigens nicht nicht miteinander, sondern jeder für sich nicht. On the bright side: Notwendiger Dämpfer vor so Passivkonstrukten wie Porto in der Champions League, schon allein wegen der Erkenntnis, dass Torgefahr bei Bayern immer noch unter dem Kürzel Robbery firmiert, allen Götzes und Lewandowksis zum Spott. UPDATE: Robben fällt länger aus und so sehr ich Pep liebe, aber die Abhängigkeit von Robben und Ribery hat auch er dem FCB nicht austreiben können. Das könnten bittere Wochen in Pokal und Champions League werden oder eben die Chance sich von meinem Lieblingsholländer zu emanzipieren. PS: Schee, dass’d wieder do bist, Thiago. (mehr …)

Kurzkritik zu Das ewige Leben

Die erste halbe Stunde scheint direkt meiner Vorstellung eines großartigen Krimis entsprungen zu sein. Der Brenner irrlichtert durch ein hässlich verbautes Graz und haust in seinem sinnbildlich in sich zusammenfallenden Elternhaus. Hader lässt überbordenden Gewaltschauspielern wie Moretti und Düringer durch sein grandioses schauspielerisches Understatement Platz zum Wüten. Das unterstreichen die Sofa Surfers mit einer Art Western-Trip-Hop und der Dialekt ist so herb, dass selbst ich als grenznah aufgewachsener Bayer stellenweise den englischen (!) Untertiteln ganz dankbar bin. Sogar die Rückblenden aus Kroatien finde ich super gelöst, denn normalerweise zerteilt einen Kriminalfilm im Grunde nichts mehr wie Rückblenden. Auch die Freiheiten, die sich der Film gegenüber dem Buch herausnimmt, haben vor allem mimisch ihre volle Berechtigung, denn die Schrulligkeit aller Charaktere und Orte ist nun mal das eigentliche Thema der Brennerfilme, weniger die Kriminalhandlung.

Aber dann passiert Murnberger etwas, das der Film eigentlich nicht verdient. Zwei Dinge, um genau zu sein: Die Handlung wird selbst für Haas-Unbelesene unglaublich vorhersehbar und was noch schlimmer ist: vollkommen nebensächlich. Das ist so schade, denn wir waren nahe dran am perfekten Regionalkriminalfilm. Stattdessen ergötzt sich die Kamera an der leicht penetranten Nora von Waldstetten und dem wirklich grandios g’schleckten aber nicht gerade sparsam eingesetzten Tobias Moretti. Die Luft ist leider längst raus, wenn das Graz-Panorama einen eigentlich nochmal auf die nächste Zen-Ebene heben soll, aber vielleicht ist Zen ja genau der Zweck der Übung: dass einem irgendwann alles wurscht ist.

Wobei selbst der Brenner am Schluss plötzlich wieder einen gewissen Lebenswillen an sich entdeckt, der mit so etwas wie Familienzugehörigkeit zu tun hat. Es tut mir fast leid, da so rumzukritteln, weil es natürlich keine besseren deutschsprachigen Kriminalfilme als die von Murnberger, Haas und Hader gibt und die zurecht in Österreich den patscherten 50 Shades Of Dings von der Kinohitparadenspitze verdrängt haben, aber wenn eine Reihe schon mal so gut wie “Silentium” war, sind natürlich auch die Ansprüche ewig hoch. Also nix für ungut, Brenner, ich geh natürlich auch wieder in “Brenner und der liebe Gott”.

Das falsche Tagebuch: 16. März 2015

Auf der Buchmesse gewesen, kleiner gefühlt als notwendig. Alles wie immer eine Frage der Entourage. Und eigentlich nehme ich mir das schon lange vor: einmarschieren statt nur auftauchen. Aber heutzutage haben ja alle Freunde Jobs, Familie, Burnout, Tinder oder alles gleichzeitig. Da bekomm’ mal eine ordentlich Entourage zusammen. Das Wetter in Leipzig war eine einzige Feindseligkeit, Graupelschauer Euphemismus. Notiz an mich selbst: City Gyros beim nächsten Mal meiden, wenn der Magen vom Durcheinanderschnapseln noch angeschlagen ist. Und den Kaugummi nicht immer hinunterschlucken, denn Mama hatte doch recht: der Magen pappt zusammen. Heute gehe ich zu Richard III. in die Schaubühne und schau mir Lars Eidinger an, wie er sich dem Wahnsinn hingibt und dafür Geld bekommt. Traumjob eigentlich. Ich hätte Lust “Much Ado About Nothing” zu spielen, zwei Leute für alle Rollen und alle Kostüme. In einer 40minütigen “Previously on Much Ado”-Version. Irgendwie gefällt mir die Zeit grade. Alles ist angenehm unberechenbar aber man hält sich selbst irgendwie zusammen. Alt fühle ich mich nur, wenn ich überlege, was ich noch gerne alles machen würde bis ich fünfzig bin. Da wird dann die Zeit schon mit 40,4 knapp. Denk ich also lieber an Folgendes:

Salviathymol, Pappardelle, Salsiccia, Nofretete, Tsikoudia, Kimbo Gold, Epos Polluce, Ford Escort, James Taylor, Matala, Phineas & Ferb, Brandon Stroud, Frankfurt am Main, A Tribe Called Quest, Bryan Alvarez, Cheap Heat, Splitterbrötchen, Duke Ellington.

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (25)

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SPIELTAG 25: Die Akte Puckmuckl

Bremen – Bayern 0:4 (0:2)
Pepe Reina gefällt das. Ich bin ja immer skeptisch wenn Robbery fehlt (siehe Statistik unten), aber das hat Bayern wirklich handfest und überlegt revanchistisch (dazu gleich) heruntergespielt. Wenn die beiden Flügelanarchisten schon fehlen, ein bisschen mehr Vorsicht nach hinten walten lassen, aber gleichzeitig mehr Vertrauen in Müller und Lewandowski setzen – Pep und ich, great minds think alike oder so. Und meine Herren, haben Müllerowski dieses Vertrauen zurückgezahlt. Überhaupt wurde viel vertraut, umarmt und gelacht auf und außerhalb des Platzes, man hätte fast meinen können, Bayern habe sich grade mit einem knappen 0:1 aus der Abstiegszone befreit.

Auch für die UFO-Gläubigen war wieder eine Szene dabei, als Boateng Prödl am Trikot in ein Handspiel hineinzupft und so ein Tor verhindert, das nichts am Trend geändert, mir aber vier Punkte mehr im Tippspiel eingebracht hätte – verflucht sollst du sein, Schiri das Schnabeltier. Apropos Schiri – Eichin hatte sich ja mit seiner Aussage zur ewiglich leidigen Bayernbevorteilung eh schon einen Puck-Kalauer vom sonst eher weniger schlagfertigen Sammer abgeholt und dann kommen die Bayern unter Oberaufsicht der Gerechtigkeitsliga nach Bremen und was is…? Ein Loch ist im Tornetz, Karl-Thomas, ein Loch. Außerdem ist Lewandowski in der ersten Hälfte auch von Prödl beinahe bis auf die Unterhose ausgezogen worden und ist nicht ans Bundesverfassungsgericht gegangen.

Einen hab ich noch: Nicht erst als Freistoßruhmeshallenanwärter Alaba sein Ding ins Tor linealt, entfährt Kommentator Fritz von Thurn und Taxis zum wiederholten Mal ein David Aliba. Was ihm sein kolonialhumoristisches Unterbewusstsein da eingibt, ist nichts anderes als Alibaba und die vierzig Räuber – Sie wissen schon, der trickreiche Exot aus fernen Ländern (Österreich), der den Armen die Punkte klaut und sie an die Reichen verteilt. Oder so ähnlich ging das doch. Was ist mit den Ösis und Freistößen anyway los, siehe Junuzuvic? Haben die zuviel Platz da drüben, trainieren die Freistöße über ganze Landstriche? Jetzt aber zu meiner Lieblingsstatistik.

Der Punkteschnitt mit “Robbery” auf dem Feld liegt bei 2,7. Rechnet man dies auf eine ganze Saison hoch, wären das rund 92 Punkte. Der Bundesliga-Rekord liegt bei 91 Punkten. Quelle: spox.com

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