Das falsche Tagebuch: 17. März 2014

18. März, 2014

Vergiftet hab ich mich gefühlt in den letzten Tagen und Wochen. Vergiftet vom Internet, den Zeitungen und der Politik. Vergiftet von Häme und Kriegstreiberei. Deprimiert bin ich nach Leipzig gefahren, aber das mit Vorsatz, denn wenn einen eine Stadt wieder aufrichten kann, dann Leipzig. Man darf den Hype nicht glauben, so viel Kultur und tolle Leute gibt es da nicht. Aber selbst die gänzlich Seelenunverwandten sind freundlich. Es ist die Freundlichkeit, nicht die Subkultur, die einen aufrichtet. Wobei die Freundlichkeit in Berlin längst zur Subkultur verkommen ist. Dafür ist die Buchmesse grausam. Ein Geschubse, mental und körperlich. Eine Branche, der man zu Unrecht mehr Herz als dem Rest der Kulturindustrie unterstellt. Im Gehen höre ich noch, wie Thilo Sarrazin sich über Uli Hoeneß äußert.

Neulich war ich bei McDonald und ein deutsches Poplied lief. Mein Sohn hat sich gerade den Mund an einem brühend heißen Kakao verbrannt und geschrien und jemand hat in einem viel zu Tim-Bendzko-artigen Song etwas viel zu defätistisches für einen Tim-Bendzko-artigen Song gesungen. Die vollkommene und plötzliche Neuordnung der Dinge ist eine schöne, eine wildromantische und gefährliche Illusion. Doch ich brauche die Restrukturierung ohne Umwälzrage. Die schwerste Disziplin der Welt: sich deutlich weiterentwickeln und dabei in aller Ruhe der Alte zu bleiben.

Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (25)

16. März, 2014

brennerpassLIGA1

Bayern – Leverkusen 2:1 (1:0)
Zu Uli Hoeneß: ich bin kein Befürworter von einem Freispruch gewesen. Mir ist der Steuerbeschiss zwar egal, aber die Selbstgerechtigkeit, die Hybris, die Scheinheiligkeit verlangt eben auch nach einer gewissen Katharsis, so leid mir das insgesamt und im speziellen für Frau Hoeneß tut. Was mir noch viel mehr leid tut: unsere aus Prinzip nie vor der eigenen Haustür kehrende Kommunikationsgesellschaft, die sich in den letzten Tagen mit ihrer grausamen Häme und Besserwisserei ein Jahrhundertarmutszeugnis ausgestellt hat. Die beinahe panischen Pointenwettbewerbe auf Twitter und Facebook waren noch harmlos im Gegensatz zu dem, was in den Foren und Kommentaren der Websites der Tageszeitungen passiert ist. Auch die Politik – und hier besonders die linken Parteien – haben sich der Causa Hoeneß angenommen, um Werbung für die eigene Politik zu betreiben, pfui Teufel. Summa summarum, eine finstere, eine vergiftete Woche, und das nicht nur für Bayernfans. Dass am Ende ausgerechnet Christoph Daum – ob jetzt aus Berechnung oder ernster Anteilnahme – Hoeneß sein Mitleid und Verständnis ausspricht, sollte dem Gesamtschandmaul namens Internet zu denken geben.

Zum Spiel: Die stark veränderte Innenverteidigung hat einzig und allein Manuel Neuer gut getan, der durfte sich neben seiner Haupttätigkeit als Gigant wieder als vollwertiger Libero hervortun. Oft habe ich das Gefühl, dass Pep eh davon ausgeht, dass Manuel Neuer der letzte Feldspieler ist und er keine sture Vierkette da hinten mehr braucht. Contento sehe ich weiterhin als schwächsten Defensivmann bei Bayern. In der Vorwärtsbewegung ist er zwar nicht übel, aber die Kombination mit Götze ließ die linke Seite überwiegend verwaisen. Rafinha und Robben funktioniert weiterhin ausgezeichnet auf rechts, aber Schweinsteiger und Kroos haben das Aufbauspiel zusammen mit Boateng so dermaßen an sich gerissen, dass alle Macht vom Zentrum ausging und das hatte Leverkusen praktisch bei lebendigem Leibe eingemauert. Bis zum 1:0 von Manduzkic hatte Bayern keine einzige Torchance, Leverkusen mindestens schon drei beinahe narrensichere. Dennoch war der Bayernsieg am Ende nicht unverdient: Ein beinahe schurkisch erdachter Freistoß von Schweinsteiger besiegelt das Schicksal der wie immer etwas fad, aber immerhin klug spielenden Werkself. Aber auch das Bayernspiel glänzte nicht gerade durch Geistesblitze. Erst mit Ribery und Thiago kam Schwung in die Offensive, aber auch Schwund in die Defensive und so war Leverkusen dem Ausgleich am Ende näher als Bayern dem deutlichen Sieg. Fazit muss dennoch lauten: Wenn Bayern nicht verlieren will, verliert es nicht. Schweinsteiger ist wieder da und als Johnny Controlletti im Zentrum nicht ganz so ballsicher und vorausschauend wie Lahm, dafür mit mehr Verve und Witz. weiterlesen »

Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (24)

9. März, 2014

brennerpassLIGA1

Wolfsburg - Bayern 1:6 (1:1)
Tschuldigung, wenn ich grad mal ablach. Nicht aus Häme gegenüber Wolfsburg, auch wenn ich zugebe, dass mir die Häppchen auf der VW-Veranstaltung am alten Flughafen am Samstag Abend gleich noch besser geschmeckt haben. Nein, die Häme gilt Marcel Reif, der in geradezu kindlicher Schadenfreude krampfhaft versucht hat, hier eine Niederlage herbeizureden, ja herbeizuflehen. Bis Pep eingesehen hat, dass Shaqiri momentan nur ein A-Minus-Künstler ist, Lahm keinen guten Tag hatte und Müller eben doch nur trifft, wenn er sich unvermutet aus der Tiefe des Raums in den Sechszehner wurschtelbeamt statt von Haus aus drin zu stehen. Außerdem gibt es in der Bundesliga grade keine borgartigere Tormaschine als Mandzukic. Widerstand ist tatsächlich zwecklos. Und bis zu Peps Kurskorrektur gebe ich auch gerne und mit gezogenem Hut zu, dass die Wölfe besser waren und Leute wie Rodriguez, Knoche und Dost einen Riesenjob abgeliefert haben. Ein Wort noch zu Sammers etwas unbeholfenem Selbstlob und der tiefbeleidigten Kloppschen Retourkutsche (mit Pennäler-Ironie, seiner tatsächlich größten Stärke): Sammer war lediglich genervt von den Dominanz-Vorwürfen und ist rhetorisch weit übers Ziel hinausgeschossen. Klopp galt das sicher am allerwenigsten. Die Episode zeigt, wie wenig Klopp und Sammer sich tatsächlich riechen können. Die Befindlichkeiten beider Vereinen spalten mir allerdings momentan ein bisschen zu sehr die Fußballnation. Ich hab schon Freunde wegen dem Scheiß verloren. weiterlesen »

Das falsche Tourtagebuch: 2. März 2014

6. März, 2014

Ich fühle mich älter, jetzt wo ich wieder daheim bin. Im positiven Sinne älter. Und ja, DAHEIM. Ich sage das, weil ich es meine. Seit langem bin ich wieder mal auf den Westfunkturm zugefahren und habe gedacht: gleich daheim. Wo war ich? Ach ja, ich war auf Tour. Sagt sich cool, liest sich cool, ist aber wie das meiste in meinem Leben nur die halbe Wahrheit. Es waren nur drei Auftritte im Süden mit meiner Heavy-Metal-Band The Gebruder Grim. Der Begriff Heavy Metal kommt mir manchmal schwer über die Lippen, aber sobald ich anfange, etwas von Retro- und DIY-Metal zu erzählen, wirkt es wie eine Rechtfertigung. Wer die Band live sieht, versteht dann aber alles. Wo einst Ironie vermutet, regiert die Liebe für die Musik meiner Jugend und dasselbe gilt für die Bandmitglieder. Die Besetzung gibt es erst seit letztem Herbst, es war wichtig die menschlichen Grenzen auszuloten. Und wo geht das besser als auf einer Rock’n'Roll-Tour.

bernisalzburg

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Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (23)

2. März, 2014

brennerpassLIGA1

Disclaimer: Aufgrund einer mehrtägigen Tätigkeit im Heavy-Metal-Bereich dieses Mal nur eine Kurzversion. Und noch was: Jochen Coenen (Sport Bild) ist ein ganz eitler Thesenreißer.

FC Bayern - Schalke 5:1 (4:0)
Tatsächlich war ich am Samstag sogar in München, allerdings nicht im Stadion, sondern beim Soundcheck auf der Bühne der Glockenbachwerkstatt. Gottseidank leben wir im Zeitalter des Krieges und der digitalen Lösungen und so hat meine Frau das Spiel für mich per Receiver aufgenommen – nach Tourende konnte ich also den Sonntagabend mit diesem Kantersiegchen beschließen. Allerdings befinde ich mich während ich das schreibe in einer Wart Wachkoma und kann nur noch in Stichpunkten kommentieren. Mein erster Eindruck vom Spiel: Guardiola hat sich schon wieder etwas ausgedacht – er spielt jetzt mit zehn Stürmern. Schon früh im Spiel merkt man, wieviel Feuer dieser Robben schon wieder unterm Arsch hat – Zeit, dass ihm ein Torhüter das Knie aufschlitzt, denken sich die Neider. Für mich hat die erste Halbzeit bewiesen, dass Bayern auch mit zwanzig Punkten Vorsprung auf Knopfdruck von ihrem schamanistischen Ballbesitz Abstand nehmen kann und sich nach Lust und Laune in den Strafraum hineinzaubern. Das liegt natürlich auch am neuen Fatalismus von Schalke, denen jetzt in zwei Spielen so dermaßen über Gebühr der Arsch versohlt wurde, dass ein kollektiver Besuch beim Therapeuten eigentlich die ultima ratio sein dürfte. Das oder sich aktuelle Spiele von Leverkusen, Wolfsburg oder Gladbach anzuschauen. Regelmäßige Leser wissen um mein Schalke-Faible, aber wer so brav Männchen vor den Bayern macht, der hat nichts anderes als so einen deftigen Tritt verdient. Erstaunlich, wie die Mittelfeldstrategen Schweinsteiger, Kroos und Thiago sich die Ballkontakte wie herabregnendes Konfetti untereinander aufteilen. Leidträger dieses Massakers: Die Torhüter. Der eine kann nichts machen, der andere darf nicht. Erst nach den längsten 45 Minuten im Leben eines Schalke-Fans lässt Bayern zwischenzeitlich von seiner Beute ab. Die rote Karte für Papadopolous war ein Schmarrn. Dass der Schalker Fan an sich trotz 11 Gegentoren in vier Tagen so hartnäckig weiterfeiert, muss man ihm entweder hoch oder hochkarätig defätistisch anrechnen. Mit Farfan sollte man nicht so hart ins Gericht gehen, nur weil er am Spielende mit Pizarro geschäkert hat. Pizarros Witz war aber auch gut: “Hey Jefferson, was ist der Unterschied zwischen Schalke 04 und einem Bäckergesellen? Der Bäckergeselle kann irgendwann Meister werden.”
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Kurzkritik zu American Hustle, Monuments Men, Wolf Of Wall Street

26. Februar, 2014

AMERICAN HUSTLE
Mutig, einen charakterstudierenden Gangsterfilm so albern zu beginnen. Mit der Toupet-Szene deklassiert man Christian Bales Irving Rosenfeld gleich zu Anfang zur vollkommenen Witzfigur, aber er baut sich selbst innerhalb von nur zehn Minuten zum absoluten Leinwandgiganten wieder auf. Den Rest des Films ist er samt Comb-Over und Bierranzen die coolste Sau der 70er und hat mit Amy Adams eine unter Dauerclose-up-Beschuss stehende Edelschnake an seiner Seite (obwohl oder gerade weil sie mich an die junge Gisela Schneeberger erinnert), die sich noch dazu mit Jennifer Lawrence um ihn streitet. Die wiederum eine Abendessenszene hat, die alleine einen Oskar rechtfertigt und bei der ich mich gefragt habe, ob es eine natürlichere Inszenierung eines Restaurantbesuchs gibt als diese, und das in diesem zutiefst skurrilen Film. Die deutschen Filmemacher kriegen sowas nur hin, wenn (landestypisch) beim Abendessen geschwiegen wird. Aber vielleicht ist das ja der Grund, warum wir Deutschen keine guten Dialoge schreiben können, weil wir nicht viel und nicht gut reden. American Hustle ist auch dein Film, wenn du Bradley Cooper hasst, schließlich gibt er jede Minute Gelegenheit dazu, was man ihm in der Frequenz hoch anrechnen muss. Das und seine Miniaturkorkenzieherlocken. Hoch anrechnen muss man Louis CK nichts mehr, denn der Mann ist längst der weltbeste lakonische Darsteller. Wie er traurig, defensiv und unglaublich genervt unter einen Hut bringt, ist so vielschichtig wie stringent. Noch stringenter ist, dass er das tut, was genervte Filmcharaktere sonst nie machen – er geht einfach. Was bei David O. Russell bisher nie so ganz funktioniert hat, ist Story, Rhythmus und Figuren auf ein gleichhohes Niveau zu bringen und sie dort zu halten. Hier sieht das noch dazu ziemlich mühelos aus.

MONUMENTS MEN
Das hätte so gut sein können. Und ich meine Indiana-Jones-gut. Leider hat jemand den Spannungsbogen vergessen und das Ensemble spielt das Drehbuch entsprechend auf der linken (der abgesesseneren) Arschbacke herunter. Schade um die Kunst. Da hat man sich offensichtlich nicht zwischen pathosbejahendem Abenteuerfilm und der historischen Vorlage entscheiden können – und historische Vorlagen halten sich nun mal nicht an Spannungsbögen für Kinofilme.

WOLF OF WALL STREET
Die erste Stunde ist wie ein überlanger und äußerst gelungener Wall-Street-Sketch mit grässlich guten Mimen. Darunter mal wieder der allgegenwärtige und derzeit alles an die Wand spielende Matthew McConaughey. Dann (ohne McConaughey) verliert der Film seinen Rhythmus, findet ihn aber wieder und verliert ihn am Ende vollends. Sex, Drugs und Stock’n'Roll droht zur Endlosschleife zu werden, selbst die Ermittlungen gegen Jordan Belfort dümpeln vor sich hin. Am Ende schleicht sich sogar noch eine Art Ernsthaftigkeit ein. Dass der Film keine Moral und keinen Spannungsbogen hat, dass er quasi nur für Di Caprio existiert, will ich ihm nicht zum Vorwurf machen, im Gegenteil. Er ist nur einfach zu lang, es fehlt ein wenig die Präzision, aber vielleicht ist die in Raserei auswachsende sich ständig wiederholende Dekadenzdarstellung im Film auch das meditative Element. Der echte Jordan Belfort hat sich garantiert totgelacht, als er die Glorifizierung seines ekligen Lebenswandels im Kino gesehen hat (wobei er sicher auch bei jeder Tantiemenabrechnung für seine Autobiografie nicht wenig lachen muss), und während einige Kritiker Scorsese eine unkritische Haltung unterstellen, ist gerade die Nichtwertung von Belforts Biografie eine sehr moderne Herangehensweise. 2014 weiß der Mensch, was sich gehört und was nicht, bei allem Egoismus und Negativismus zeigt das der große Konsens zum Bankenwesen, Homosexualität, Gleichberechtigung und Markus Lanz. Bonuspunkte für Shea Wighams (auch in American Hustle, True Detective, Boardwalk Empire) kurzen Auftritt als subtilen Leugner einer sich abzeichnenden Seenot.

Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (22)

23. Februar, 2014

brennerpassLIGA1

Hamburg - Dortmund 3:0 (1:0)
Das ist jetzt schon das dritte Mal, dass der Brennerpass mit dem Hamburg- statt mit dem Bayernspiel beginnt. Aber wenn der Brennerpass eins über den FC Bayern stellt, dann ist das Situationskomik. Und anders kann ich dieses Spiel nicht beschreiben. Angefangen bei der ganz grundsätzlichen Tatsache, dass ein wiederaufgerüsteter BVB inklusive Reus gegen einen alles andere als rüstigen bzw. abgehalfterten HSV deutlich und sogar verdient verliert, ist dieses Spiel eigentlich nicht zu glauben. Ausgerechnet der zuletzt so von Vorstandsebenen genervte Slomka kommt auf die Titantic und umsurft lässig den Eisberg. Klar war Dortmund zunächst im kommoden “ach, der Absteiger kommt”-Modus, aber selbst mit Powerplay war der HSV nicht wieder einzusargen. Dafür sorgte vor allem auch der zuletzt so gerupfte Adler, aber auch die neu formierte Innenverteidigung, die beweist: je weniger Verantwortung Heiko Westermann trägt, desto besser spielt er. Dann natürlich ein Glanzspiel für den bereits ausrangierten Jiracek, ein handelsübliches Spiel für Lasogga (trifft krisenunabhängig und jubelt wie ein Wrestler) und ein im wahrsten Sinne des Wortes freidrehender Calhanoglu. Für solche Tore wurde die Torfabrik (der Ball, nicht die Fabrik) erfunden: einmal schief anschauen und schon ändert ein 40-Meter-Strich auf den letzten 5 Metern seine Richtung um 90 Grad. Selbst Klopp kann da nur noch schief lächeln und akzeptieren, dass der Fußball Kapriolen schreibt, denen selbst er keine Lakonie mehr hinzufügen kann. Für mich das Beste nach dem Spiel: Erklärbär Manuel Friedrich am Mikrofon, wie immer hochpathetisch, unbremsbar melancholisch, zutiefst schuldbewusst und irgendwas von “Leben und Tod” faselnd. weiterlesen »

2005 remastered

18. Februar, 2014

Jetzt hab ich endlich das komplette erste Jahr auf burnster.de überarbeitet, alte Links, überholte Veranstaltungstipps, peinliche Texte (weil ich es kann) und alberne Audience-Participation-Beiträge rausgeschmissen und das Dagebliebene teilweise orthographisch und syntaktisch grade gerückt. Aber keine Angst, ich war nicht allzu streng mit mir, es ergibt immer noch ein geschlossenes Bild meiner Blödheit vor 9 Jahren.

April 2005
Mai 2005
Juni 2005
Juli 2005
August 2005
September 2005
Oktober 2005
November 2005
Dezember 2005

Das falsche Tagebuch: 17. Februar 2014

17. Februar, 2014

Mich stört die Berlinale nicht. Abgesehen davon, dass ich zwei Wochen nicht ins Cinestar kann (wo die Filme im Original laufen), und sich kein Berliner Kinobetreiber des neuen Poltfilms erbarmt, stört mich die Berlinale nicht. Ich muss nicht hin, ich muss aber auch nicht weg. Ich warte, bis mich jemand auf eine Premiere oder eine Party einlädt, aber wenn das nicht passiert, sitz ich freiwillig weiter zuhause und spiele Mark-Knopfler-Licks der ersten Dire-Straits-Platte auf meiner weißen Fender Strat mit den Fingern nach (bester Song, bestes Riff: Down To The Waterline) oder lese in meiner Tommy-Iommi-Biografie, wie die Band einst ihren Schlagzeuger Bill Ward mit Goldfarbe eingesprüht und mit Klarlack fixiert hat. Offensichtlich hatte die Band bis dahin nie “Goldfinger” samt Shirley Eatons glänzender (!) Darstellung gesehen, sonst hätte sie gewusst, dass man so Leute umbringt. Auf jeden Fall wäre Bill Ward beinahe erstickt, denn der Mensch atmet nicht nur durch den Mund – was ich nur deshalb aufschreibe, weil es so malerisch klingt.

Zurück zur Berlinale: Manchmal warte ich jahrelang auf eine Einladung, dieses Jahr war ich bei einem Film und gleich zwei Parties. Die Höflichkeit verbietet es, über Festivitäten zu schimpfen, die einen umsonst mit Mousse Au Chocalat (mit Knusperteig im Innern) und Whiskey-Ginger-Ale ausstatten, aber wie so viele Veranstaltungen nach Veranstaltungen (sprich: Aftershow-Parties) ist das oft nur ein schwaches Nachglühen von Glamour, falls da vorher einer gewesen sein sollte. Schlechte Musik, alte Männer und geschmacklos gekleidete Frauen in schwarzlackierten Bars. Der Berliner Filmschick erinnert mich an eine Mischung aus Kunstpark Ost und den falschen Gourmet-Restaurants, in denen meine Eltern in den Neunzigern ihre Abende verbracht haben – die so Namen trugen wie La Mirage etc. Andererseits bin ich beinahe im Alter meiner Eltern in den Neunziger Jahren.

Ich schreibe ein Lied auf Deutsch, was mir sehr schwer fällt. Aber eine gute Zeile hab ich: “Ich werd die Hunde des Krieges ableinen.”

Brennerpass Bundesliga 2013/2014 (21)

16. Februar, 2014

brennerpassLIGA1

Braunschweig - Hamburg 4:2 (0:1)
Schon traurig, wie die Mannschaft jedes Mal in sich zusammenklappt, wenn es nicht läuft, wie es laufen soll. Dabei hat Lasogga sich noch so enthusiasmiert zum ersten Tor und danach raus zum holländischen Interimstrainer gewalzt. Übrigens eine (typisch deutsche) Frechheit der Journaille, ständig darüber zu schreiben und lästern, ob ein Trainer ein paar Stunden mit seiner Familie verbringt. Van Marwijk ist nicht der Richtige für den Job gewesen, weil Snob und Erfolgstrainer, was ich nicht als Vorwurf meine. Der HSV braucht jemand, der die Truppen versammelt, und ob Slomka das kann, wage ich zu bezweifeln, lasse mich aber gern eines Besseren belehren. Er hat seiner Zeit Hannover nach der Enke-Tragödie zwar bestens in die Spur gebracht, aber das hier ist ein entirely different beast wie man im Englischen sagt. Der HSV braucht eine mentale Schleifmaschine, keinen Gentleman-Coach. Dann wiederum kann es für den HSV eigentlich keinen richtigen Trainer mehr geben, den Moment haben wir spätestens mit dem 50. Gegentor in dieser Saison verpasst. Ziemlich eindrucksvoller Auftritt von Kumbela, der aus dem Doppelfehler Adlers gekonnt einen Triple-Score macht. Ziemlich eindrucksvoller Auftritt auch von Felix Magath, der aus der Raute im Herzen eine Peitsche an der Themse macht. Frei nach dem Motto: Hamburg oder Fulham, Hauptsache Abstiegskampf. weiterlesen »