Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (5)

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SPIELTAG 5

Dortmund – Stuttgart 2:2 (0:0)
Bis zum 0:2 war Dortmund völlig leblos, so als hätten sie jetzt schon abgeschlossen mit der Saison. Dass ihnen dann beim zweiten Gegentor doch noch der Schreck in die lädierten Glieder gefahren ist, hat ihnen auch nur einen Punkt gebracht. Und den auch nur, weil Aubameyang nicht aufhören kann zu laufen, wenn er mal den Ball hat und Ulreich beim Ausgleich im Sechzehner stand, als warte er darauf, dass der DHL-Bote endlich in seinem Stockwerk ankommt, nachdem er vor zehn Minuten schon geklingelt hat. Okay, jetzt red ich von mir selbst. Eindrucksvoll, wie Rüdiger da hinten aufräumt. Das ist gelegentlich Hit & Miss, aber die Hartnäckigkeit und die Technik sind da.

Nachtrag: …ach so ja, Bobic. Vielleicht ein guter Trend, nicht nur immer die Trainer zu feuern.

Gladbach – Hamburg 1:0 (1:0)
Es ist, wie ich letzte Woche schon gesagt habe. Herz gewinnt keine Spiele. Die Mannschaft hat die richtige Einstellung und gute Leute, aber sie spielt nicht aus einem Guss. Sie verhindert im Prinzip nur das Schlimmste, nämlich dass man sie neben den Niederlagen auch noch der Resignation beschuldigt. Ich mag das schon, wie Holtby das Spiel führen möchte und Diekmeier humorlos alles niedergrätscht, was sich ihm nähert, aber da ist einfach immer noch kein System dahinter und das braucht man gegen eine ausgekochte Truppe wie Gladbach. Alleine, was Hahn und Kruse veranstalten, wenn man sie lässt, ist eine andere Klasse, obwohl wir hier nicht von teuereren Spielern reden. Am Ende hat Gladbach sogar noch deutliche Chancen liegen lassen und das Herz vom HSV war wieder mal für’n Arsch. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (4)

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SPIELTAG 4

Hamburg – Bayern 0:0 (0:0)
Liebe Hamburg-Fans, es tut mir leid, Euch enttäuschen zu müssen, aber Eure Mannschaft spielt immer noch Grütze. Einen couragierten bis vollkommenen übermotivierten Auftritt vor aufgepeitschten Fans hinzubekommen ist noch lange kein Paradigmenwechsel und haut mich auch nicht zwingend aus dem Schlafanzug, zumal selbst dieses Herz- und Hackspiel erst mit dem dritten Trainerwechsel in einem Jahr möglich war (das skurrile 3:0 gegen den BVB damals ignoriert). Ich spare mir also das Lob, bis der Verein auch mal gegen einen echten Konkurrenten gewinnt, gegen Bayern kann sich ja jeder motivieren.

Gegen den HSV dagegen offensichtlich nicht jeder. Das war grausig, was der FCB da auf den Platz gestochert hat. Diese Woche hab ich mich noch über das illoyale Pep-Zersägen in der SZ aufgeregt, aber am Samstag um 15:30 habe ich mich dann auch gefragt, wie Pep das immer macht: eine Elf hinzuknobeln, die so garantiert noch nicht im Entferntesten zusammen gespielt hat. Nach dem sehr guten Auflauf gegen Manchester, in dem endlich einmal Mario Götze das getan hat, was in seinem Vertrag steht und Alonso und Lahm sich in Personalunion dem Aufbau aus dem Mittelfeld gewidmet haben wie einem Kleinkind, dem man das Gehen beibringen muss, war jetzt wieder robben angesagt (no Verletzen-beim-Aufwärmen-pun intended). Lediglich Boateng spielt auf einem Hoch, das schon gegen Manchester faustharten Doping-Verdacht erweckte, nicht umsonst hielt ihn die UEFA nach dem Spiel eine Stunde lang in dem Katakomben fest. Im Ernst, Boateng sollte sich analog zu seinem windigen Bruder Kevin Prince in Jerome BoaKING umbenennen, denn Zweikämpfe mit ihm sind derzeit so aussichtsreich wie das Überleben Deines Lieblingshelden bei Game Of Thrones. Sehr engagiert finde ich auch diesen Bernat, der am Ende seiner ergebnislosen Amoksprints immer so herrlich resigniert schaut, als wolle er sagen “leckts mich doch einfach am Arsch”, aber viel zu höflich dafür ist. Würde ihm irgendjemand auf das Gerenne hin seine Pässe und Flanken abnehmen, er wäre glatt eine große Stütze fürs Offensivspiel. Gleiches gälte für Alaba, hätte er neben seinem irrwitzigen Spieltempo nicht verlernt zu schießen. Der Mann holzt durch die Gegend, als hätte man ihm gestern erst ein bionisches Bein angeschraubt, an das er sich erst gewöhnen muss. Gewöhnen mag ich mich irgendwie nicht mehr an Shaqiri. Ich kann mich an KEIN einziges Spiel in den letzten 10 Monaten erinnern, indem er sich für größere Taten auf dem Flügel (sprich das mystische Erbe von Robbery anzutreten) empfohlen hätte. Megamedioker auch diesmal. Megaabwesend vor und nach seiner Einwechslung: Lewandowski. Vielleicht braucht der seinen hausinternen Lucas Barrios als Ansporn, Pizarro hat sich (am Samstag) nicht gerade als Konkurrent erwiesen.

Zurück zu Hamburg und dem neuen Wundertrainer Pep Zinnbauer, der mit markigen Sprüchen und verbalen Warnschildern seine Spieler zurück in die Realität, sprich auf das Niveau einer Bundesliga-Mannschaft holen will. Meine 5 Pfennig: das wird ein harter Ritt, denn was sind das für Profis, die sich zwar für ein grobschlächtig herausgewuzeltes Unentschieden gegen den Klassenprimus, nicht aber gegen Hannover 96 motivieren können? Stinktier-Frisur Berahmi hat Zinnbauer allerdings mit seiner Standpauke für Elbphilarmoniker erreicht. Vor drei Tagen aus dem Kader geflogen und jetzt neben Holtby der beste Mann auf dem Platz. (mehr …)

Das falsche Tagebuch: 17.09.2014

Was ich am Gitarrespielen mag: dass es nicht auf Anhieb klappt. So gut kannst du gar nicht sein, dass du auf Anhieb das Solo von “Flash Of The Blade” nachspielst. Egal wie gut du dich findest, einen anderen guten Gitarristen kopieren stutzt dich immer erstmal auf Demutsgröße. Dann kanns du dich wieder rekonstruieren, indem du auf Details achtest und übst, bis du das Solo einigermaßen in Muster und Automatismen unterteilen kannst und am Ende sogar nachspielst. Dann folgt großes Selbstbewusstsein, valide, verdient, erarbeitet. Mein Langzeitprojekt ist immer noch, Maidens “Powerslave” auf der Gitarre komplett nachspielen zu können, mit allen Gitarrenspuren, Riffs, Licks, Solos und überhaupt. Seit einem Jahr sitze ich jetzt dran und es ist kein Ende in Sicht. Und wie schön das ist, weil du so den Weg aufmerksam gehst. Wüsstest du, dass es nur noch zwei Wochen dauert, würdest du hudeln. Hudeln ist der Tod. Kurzfristigkeit ist der Tod, aber Kurzfristigkeit ist die dominierende mentale Bewegung unserer Zeit.

Apropos Bewegung – Schottland, Separatismus, Nationalismus, Patriotismus, bla bla bla. Mit 17 hab ich Schottland auch noch die Unabhängigkeit gewünscht und hab mit einer Schottin auf der Fähre herumgeknutscht und bin danach ein halbes Jahr in Karos rumgelaufen und vier Jahre später habe ich bei “Braveheart” im Kino in Dublin zusammen mit den Iren geklatscht. Und ja, ja, Denkzettel an Zentralregierungen und Lektion und Revanche und jetzt zeigen wir’s den Großkopferten mal. Das ist im Prinzip okay und es ist als soziale Momentaufnahme sogar wichtig, aber eigentlich ist es anachronistisch und ein kultureller Rückschritt. Revanchismus ist immer noch eins der größten Probleme der Menschheit, ein philosophischer Blackout, eine Barbarei des Verstands. Dass wir alle im selben Boot sitzen gegen Krieg, Armut, Zerstörung und Abschlachten sollte der allgegenwärtige Geisteszustand sein. “Alle zusammenhalten” ist doch das Credo, das auf der Hand liegt.

Nebenbei: Was diese U2-Sache an Kleingeist und Hybris hervorprovoziert hat, verwundert sogar mich. Ich hab mich gefreut, dass mir Bono eine Platte geschenkt hat. Ernsthaft jetzt.

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (3)

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SPIELTAG 3

Leverkusen – Bremen 3:3 (1:1)
Das Marquee-Match vom Wochenende. Eine Wildwasserfahrt von einem Fußballspiel mit Conaisseur-Momenten wie dem grandiosen Çalhanoğlu-Freistoß, aber auch jeder Menge Hack’n’Slay. Luxuriös, was die Levku-Offensive derzeit darbietet. Kießling ackert wie ein Grubenpferd, Bellarabi tanzt sich durch Gegnerreihen wie ein Buttermesser (ja, ich weiß, die Semantik), Son blitzt an einem vorbei wie ein Wetterleuchten und dann pumpen sich auch die Abwehrspieler wie Jedvaj nach vorne, als wär ihnen hinten zu wenig los. Dabei ist das ja grade nicht der Fall, wie die letzten Spiele und die Gegentore beweisen. Dieser sympathische Wille zur bedingungslosen Offensive kostet Kraft und defensive Konzentration. Das System Roger Schmitt funktioniert bei Mannschaften, die man mit schnellen Toren einschüchtern kann, ganz hervorragend, nicht aber bei Bremen, die derzeit (auch dank der Fans) über eine völlig unerschütterliche geradzu biestige Moral verfügen. Schmitt hat jedenfalls nach dem Spiel behauptet, der Fußball sei nicht gerecht, aber das Gegenteil ist der Fall: er ist unbestechlich und seine Regeln geben vor, dass Pfostenschüsse nicht als Tore zählen. Endgültigste Fußballweisheit: Im Fußball gewinnt nie das bessere Team, sondern das, das die meisten Tore schießt. Klasse Match und willkommen daheim Bender-Zwilling, der nicht bei Dortmund spielt. (mehr …)

Das falsche Tagebuch: 10. September 2014

Achtung, es kommen Fetzen. Ich fuhrwerke verbal vor mich hin. Ich nöle, ich ächze und will gut dabei aussehen. Aber ich bin nicht Botho Strauß mit seiner Gravitassyntax, bei dem sowas immer klingt, als hätte er eine große Idee und eine noch größere Ahnung, obwohl er auch nur fuhrwerkt. Ich sage wirklich nichts, ich sage nur:

Ich bin ein seltsames Gebräu aus sturem Positivist und Apokalyptiker dieser Tage. Einerseits spreche ich Großteilen der Menschheit ab, die nächste Stufe der geistigen Evolutionsleiter erklimmen zu können und auf Ewigkeit ein ungehalten revanchistisches Pack zu bleiben, andererseits glaube ich ungebrochen an die intellektuelle Evolution, nur nicht an ihre Geschwindigkeit. Die Apple Uhr ist da, aber mit der Post kam heute meine erste Taschenuhr. Jetzt steht ein Spagat bevor: Sich aus Genussgründen tief in der Analogie zu verschanzen, aber nur als Conaisseur. Als Entreprenuer technisch auf dem neusten Stand bleiben, um nicht so wie die Eltern zu werden, die SMS-schreiben gelernt haben wie in einem Kurs an der Volkshochschule. Geiz nicht, spreiz dich. Mach alles mit, wo was bei rumkommt, sagt man den jungen Leuten an jeder Lebensstation. Kompositionale Ambiguität ist das Rüstzeug für das moderne Leben, und wer geradewegs schizophren ist, ist der wetterfesteste Darwinist. Das hat uns ein ethisch und sozial rückständiges Land wie Amerika schon immer vorgelebt, das mit der Zerrissenheit leben. Doch diese situative Moral maskiert nichts anders als einen splitterfasernackten und menschenhassenden Egoismus. Krieg kann man wieder machen, hab ich gehört, dafür ist Kapitalismus out. Situativ halt. Widersprüchlich sind nur noch Leute, die an Widersprüchen scheitern.

Ich selbst bin ein dummer Sklave meiner eigenen Ansichten, ein Idiot der Neunziger, in denen wir unterinformiert wie Kindergartenkinder geglaubt haben, das Zeitalter der Kriege nähert sich zeitlich greifbar dem Ende. Und Bauklötze gestaunt haben, als sich Titos Kinder auf dem Balkan gegenseitig die Köpfe abgeschnitten haben. Aber den Positivismus haben sie mir damals eingeimpft. Mit Glasnost, alternativen Energien, den Grünen im Parlament und den ersten Klimaabkommen. Diesen Zahn kann man mir nicht mehr ziehen. Ich glaube an das Hirn wie ein Pannist an den ADAC.

Allerdings nicht immer an meins. Je älter ich werde, desto ängstlicher werde ich. Angstdemenz nenn ich das. Uns schuld sind Kinder. Kinder machen einen aufrechten Menschen bröslig und schwach. Die Liebe zu den Kindern macht einen angreifbar und weinerlich. Vorher hatte man wenig zu verlieren. Die Todesverachtung der Zwanziger kann ich mir gar nicht mehr retroaktiv ausmalen, aber sie steht schwarz auf weiß in meinen Liedern und Tagebucheinträgen (oh ja). Die Liebe ist die ungesündeste. Meine Schwester hat neulich gesagt, man muss loslassen bei den Kindern, und sie trotzdem genauso weiterlieben. Was banaleres und schlaueres hab ich die letzten fünf Jahre nicht gehört.

Zum Wetter: Dieses grausig langsame Sterben des Sommers ab Ende Juli, das ich sonst immer so schätze, setzt mir dieses Jahr irgendwie zu. Weil es im Schnellvorlauf die Geschichte menschlichen Siechtums ist und also Glück im Leben eines Erdbewohners immer ein resignatives sein muss, wenn er nicht eine glaubwürdige Religion findet, die ihm die Ewigkeit verspricht. Aber welche Religion ist schon glaubwürdig. Ab zwanzig ist der Mensch verkalkt und lebt nur noch aus der Einbildung, sagt Thomas Bernhard in seinen Weißweinseligen Mallorca-Monologen. Nur bei den Kindern sind die Venen noch frisch, die sind noch in der Wirklichkeit. Das bezieht er vermutlich nur auf die Wohlstandsgesellschaft, die sich tatsächlich neuerdings ein paar merkwürdige Maxime eingebildet hat: Persönliches Glück ist grade das Maß aller Dinge im Burnout-Zeitalter.

Kurzkritik zu How To Train Your Dragon 2 (Drachenzähmen leicht gemacht 2)

Ich gestehe: Ich bin ein schlechter Vater und ein Gesetzesbrecher. Ich habe meinen vierjährigen Sohn zum Geburtstag in einen Film ab sechs verschleppt. Zu meiner Verteidigung: Alternative wäre der lieblos wuslige Pseudolustig-an-alle-Lebensalter-angepasste “Planes” gewesen und da hatte der erste Teil schon keinen Vierteltakt lang so etwas wie Rhythmusgefühl bewiesen. HTTYD2 war eine Sinfonie dagegen. Außerdem stand im Foyer eine “lebensgroße” Skulptur vom Drachen Ohnezahn an dessen elastischen Flügeln man (unendlich lange) wackeln konnte. Fazit gleich vorweg: mindestens so gut wie Teil 1, vielleicht sogar besser.

Rührseligkeiten gehören natürlich in Zeichentrickfilme wie Huren in Western, aber sie fügen sich oft nicht organisch (sprich: herzlich) in die Handlung ein, überreizen sich, oder wirken “geschauspielert”. Im vorliegenden Drachenfilm wird das familiäre Verhältnis der Hauptfiguren in kürzester Zeit vollständig und unaufdringlich definiert und innerhalb dieser Parameter fließen dann selbst die rührseligsten Szenen wie von selbst den Handlungshang hinunter. Und selbst die Nebenfiguren nützen ihre wenigen Zeilen absolut charaktergetreu und sind keine reinen Pointenhäscher. Sowas ist heute sehr selten geworden, vor allem in der deutschen Synchro, wo es oft vor scheinbar juvenilen Kraftwörtern (ich bin 40 geworden, ich darf jetzt Jugendsprache anprangern) wie “oberkrass” (das “affengeil” dieser Zeit) nur so wimmelt. Insgesamt war der Film in seiner Philosophie eh sehr erwachsen, aber in seiner Fantasiesprudelei und seinem drakonisch konsequenten Erfindungsgeist sehr bunt und kindgerecht.

Und auch wenn ich mich wiederhole: ein Rhythmus (und damit v.a. der Schnitt) macht einen guten Kinderfilm, dem dann eben auch vierjährige Abkömmlinge von niederbayerischen FSK-Outlaws besser folgen können als diesen verquasselten daueraugenzwinkernden (you know, Zeitgeist) Pixar-Mobilisten-Filmen für Stopsel die alles cool finden, was Augen hat, egal ob Flugzeuge, Traktoren, Autos oder Gurkenhobel. Ach ja, die Grafik vom Drachenfilm war übrigens oberaffengeil.

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Kurzkritik zu Guardians Of The Galaxy

Der Film macht eigentlich dasselbe falsch wie die meisten Marvel-Filme. Er unterbesetzt seinen Erzbösewicht, er fokussiert sich auf einen albernen, alles bestimmenden MacGuffin (die Infinity-Steine) und sein Plot ist überraschungsärmer als ein Michael-Bay-Film. ABER – und das macht ihn zum bisher besten Marvel-Film – er hat Soul. Und wie. Das liegt nicht nur an den unpeinlichen Ohrwürmern des Soundtracks und den Tanzszenen (man könnte auch sagen, das ist der erste Sci-Fi-Tanzfilm, wenn man den Ewoks-Film nicht mitrechnet), sondern vor allem an dem warmen Humor, der niemals zynisch, hässlich, pennälerhaft oder anbiedernd anal ist. Er ensteht aus purer Liebe zu den Figuren und dem Umstand, dass die Protagonisten sauschräge Vögel sind, die im Grunde über lange Strecken an sich selbst scheitern. Der Film ist eine Komödie – keine Frage – und trotzdem nimmt er sich selbst ernster als alle anderen Marvel-Filme bisher, weil er seine Figuren ernst nimmt. Ein sprechender Waschbär und sein bester Freund der Baum (saving the entire grace of speaking trees in movies, ich schau euch an, Ents) sind menschlicher als das komplette Ensemble im letzten Thor-Film. Und seine Message ist in harschen Zeiten wie diesen die wichtigste der Welt: Tanzt mehr und löst eure Konflikte mit Dance-Offs statt mit Waffen.

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (2)

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SPIELTAG 2

Schalke – Bayern 1:1 (0:1)
Zur Personalie Alonso kann ich allen Zweiflern leider nur mit uneingeschränkter Begeisterung dienen. Dieser Spielertyp, der lieber auf der Terasse einen leichten Roten trinkt statt mit dem weißen Lamborghini durch die Innenstadt zu brausen, liegt mir enorm. Der lieber andächtig passt, statt sinnlos Kalorien verwepsend über das Spielbrett saust. Der den Ball abgibt und nicht versucht den Gegenspieler tausend Mal aussteigen zu lassen, nur um ihm dann ans Schienbein zu schießen (I’m looking at you, Mario Götze) ist mir eine Wohltat. Pirlo ist so einer, Alonso auch und Messi wird auch noch irgendwann vernünftig. So war es dann auch Alonso, der dem Spiel in den ersten 25 Minuten die Impulse gegeben hat, während der Rest der Mannschaft scheinbar aus Respekt vorm neuen General mitgemacht hat. Von Eigeninitiative war aber da schon wenig zu spüren. Götzes Schönspielerei geht mir schon an Spieltag zwei auf die Nerven, Alabas Wille zum besonderen Pass, der nie gelingt, bringt uns auch nicht weiter, die Däumchendrehende Doppelspitze Müllandowski hat auch keine Löcher gerissen (bis auf das Tor), nur Shaqiri hat sich reingehauen, das aber ohne jeden Sinn und Verstand. Gefallen hat mir neben (im wahrsten Sinne) Alsonso die Rauhaar-Dogge Rode, der Rackerer Badstuber und der ewige Turm Boateng. Die eingewechselten Højbjerg und Bernat haben nur den Status Quo bewahrt und der hieß zu dem Zeitpunkt schon: Schalke schaltet und waltet. Das war schon beeindruckend mitanzuschauen. Vom Survival zum Revival. Die auch nicht grade in Bestbesetzung auftretenden und vor allem ohne Sturm spielenden Knappen hatten die Bayern erstmals seit Jahren wieder unter Kontrolle. Kontrolle dank übergebührlicher Opferbereitschaft. Allein Drax(ler) the Destroyer hat eigenhändig drei Rote gefällt, Höwedes hat die Hand Gottes bemüht, weil der Haarsansatz noch brennt, Ex-Bayer Jan Kirchhoff hat in seinem dritten Spiel für Schalke (in 9 Monaten!) erneut vorzeitig die Saison beendet, Santana riss sich ein Bündel Muskeln, Fährmann ließ sich ein Ohr abschießen und Ayhan hat auch irgendwas. Maximaler Einsatz für einen Punkt, Schalke. War’s das wirklich wert?

Hamburg – Paderborn 0:3 (0:1)
Der HSV ist schon am zweiten Spieltag wieder der Sandsack der Medien. Slomka sieht an der Linie verlorener aus als Pep Guardiola auf der Wiesn. Entweder ist Paderborn wirklich so gut, um einem gestandenen Erstligisten auf jeden Angriffsversuch sofort die bittere Gegenmedizin zu verabreichen, oder die Verunsicherung der letzten Saison steckt den Hamburgern noch tief in den Schamhaaren. Armer Adler. Die Karriereentscheidung, zum HSV zu gehen, erweist sich zusehends als Karrierekiller. Mal sehen, was Julian Green bringt.

Augsburg – Dortmund 2:3 (0:2)
Geht voll in Ordnung der Sieg und wenn jetzt noch Kagawa kommt und die Abwehr wieder ihren Dienst aufnimmt, dann ensteht Leverkusen ein ernsthafter Konkurrent um die Meisterschaft.

Leverkusen – Hertha 4:2 (0:1)
Oh ja, Kusentime. Wer hätte gedacht, dass ich mich mal für Leverkusen-Spiele begeistern kann. Nicht dass ich was gegen den Verein an sich hätte, aber denen sind ja vor lauter Talent und Vorsicht die Füße eingeschlafen in der letzten Rückrunde. Und jetzt so was: Ein Spektakel ohne einen Gedanken an den nächsten Morgen. Sogar in Rückstand wollen sie aus eigener Kraft geraten (siehe Eigentor). Ich hoffe, der Wahnsinn der die Jungs beseelt, rächt sich nicht bald in Verletzungen. Ich mag diesen Bruce-Lee-Fußball: frech, weise und brutal. Wie Bellarabi eben. Dabei war Hertha eigentlich so gut, wie ich sie die ganze Rückrunde nicht gesehen habe, inklusive dem wiedererstanden Julian Schieber. Solche Siege zählen.

Freiburg – Gladbach 0:0 (0:0)
Der Sonntag war nix für zartbesaitete Gemüter. Eine Wahl in Sachsen, in der AfD und NPD auf insgesamt 15% kommen und ebenfalls zwei Nullnummern in der Bundesliga, da muss man schon Guardians Of The Galaxy im Kino sehen, um den mentalen Schaden wieder gutzumachen. Für Streich ist dieses Gelauer ja ein probates Mittel, er hat ja sonst (noch) keins, aber für Gladbach war das einfach dösig bis feige. Klar, dass in so einem Spiel auch noch ein Elfmeter vergondelt wird.

Mainz – Hannover 0:0 (0:0)
Duelle der zwei mir am wurschtesten Mannschaften der Liga. Und dann gewinnt noch nicht einmal eine davon. Mainz fängt sich langsam, aber wozu.

Wolfsburg – Frankfurt 2:2 (1:1)
Saudumm von Wolfsburg, das Spiel nicht heimzufahren. Wenn man nicht jetzt schon punktet, wo der BVB und Bayern noch ihre Motivation suchen, schon wieder gegen dieselben Champions-League-Gegner wie in den letzten 5 Jahren zu spielen, muss man punkten, oder man kann sich besagte CL erneut abschminken. Schaaf hingegen hat Frankfurt gut im Griff, aufgrund diverser Schussligkeiten von Grün und Co hätten die Hessen auch mit den big points heimgehen können. Apropos Schussligkeiten: Malandas Ruf als Chancentod dürfte nach diesem Spiel nur noch mit der Torjägerkanone ins Wanken bringen zu sein.

Bremen – Hoffenheim 1:1 (0:1)
Uh japs, das Tor von Firminho – was für ein keckes Ei und was für ein Adam’s-Family-Flipperkönig-Pass von Rudy. Bremen hätte das Spiel dennoch gewinnen können, hätte man nicht erst in der zweiten Halbzeit den Umschalthebel von “zufällig auch auf dem Platz” zu “gekommen um zu bleiben” gefunden.

Stuttgart – Köln 0:2 (0:2)
Stoeger und die Kölner haben die Erstliga-Nervosität endgültig abgelegt und stoßen aus ihrer spielverderberischen Sachlichkeitsdefensive mittlerweile recht wepsig in den Strafraum der Schwaben hinein. Das ist scheiße zu spielen, aber in 90 Minuten ein Rezept zu entwickeln, erwarte ich mir von Armin Veh.

TIPPSPIEL
Gratuliere zum Tagessieg, davednb, das war ein biestiger Tipptag, finde ich als kläglicher 5-Punkte-Abstauber.

1. Heisenberg30
2. benchman27
3. ChrisKurbjuhn25
3. todt.beier25
5. kleinereins24

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

>> BRENNERPASS TIPPSPIEL 2014/2015: HIER ENTLANG!

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (1)

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SPIELTAG 1

Bayern – Wolfsburg 2:1 (1:0)
Zugegeben, von beängstigender Frühform kann bei den Bayern keine Rede sein, aber bedenkt man, dass Pep Guardiola unter Ausrufung des Notstands aufgestellt hat, gibt es jede Menge Dinge zu entdecken, die optimistisch stimmen.
Allen voran freilich das Comeback von Holger Badstuber. Der hat in seiner Abwesenheit zwar ein paar Haare, aber keineswegs Federn gelassen, seine Zweikampfquote lag stellenweise über 90% und endlich kann ich auch wieder einen meiner Erfolgstweets von vor zwei Jahren rezitieren: “You know when you’ve been badstubered.”
Dann natürlich Babybel Gaudino, der sich vermutlich im Training noch Autogramme von den Weltmeistern geben hat lassen, bevor er sie aussteigen ließ wie bettwarme Prokuristen. Auch gut: Rode als Impulsjoker, auch wenn sein Tor nicht gezählt hat, weil man sich statt endlich den gottverdammten Videobeweis einzuführen, den Kopf darüber zerbricht, ob das Freistoßspray jetzt aus Sprühsahne oder Rasierschaum bestehen darf (Ich nehm das zurück: Freistoßspray ist der neue Hipster; easy target). Robben und Müller sind scheinbar ohnehin immer noch in der WM-Mauser, am besten steckt ihnen auch niemand, dass die vorbei ist. Nicht unerwähnt soll auch der Kollege Bernat bleiben, der in der Defensive zwar etwas zu sehr auf Distanz zum Gegner geht (als wäre er sich zu fein für ein physisches Habe-die-Ehre), aber dafür auf der Außenlinie herumderwischt und übersteigert als er wäre er der leibhaftige Monsieur.

Und was war negativ (von Rummenigges peinlichem und völlig sinnfreien Geschwätz über Dortmunder Wirtschaftskopisten mal abgesehen)? Ein paar sympathische (weil nicht gravierende) Schrägheiten von Neuer, etliche Plotlöcher und unnachvollziehbare Handlungssprünge im Spielaufbau, aber nichts, was die Zeit nicht richtet. Auch der BVB-Sturm ließ noch ein bisschen zu wünschen übrig, aber der eingesprunge Lewandowski-Rittberger nach Genießerzuspiel von Gaudino war ein netter Vorgeschmack und eine Torvorlage hat UNSER Lewi ja auch schon vorzuweisen. Götze hingegen ist alleiniger Weltmeister, der kann sich auf seinen Lorbeeren mindestens noch zwei Spiele ausschlafen. Wirklich unzufrieden bin ich nur mit zweien: 1. Shaqiri, der seine WM-Form pünktlich zu Saisonbeginn wieder abgelegt hat und 2. mit der neuen Harvey-Two-Face-Frisur von Højbjerg. Haben wir nicht aus dem Abgang von Contento gelernt, dass mit zunehmender haarstilistischer Exotik die Ballfertigkeit abhanden kommt, weil man vermutlich seine Prioritäten falsch setzt?

Wolfsburg war ein passabler Auftaktgegner. Wenn man bedenkt, wer da noch aller fehlt, aber sieht, wer jetzt schon spielt, kann man auch beinahe von einem Luxuskader sprechen. Einem, der Gala kann, aber auch rennt und beisst (Knoche, Arnold, Olic) und dem aber wie immer im Abschluss das nötige Quentchen Hirn fehlt, wie der Kollehe Malanda demonstriert hat (wobei der entgegen aller Unkenrufe wirklich bei dem Tempo kaum zu “nehmen” war). Die ballgewordene Lustbrumme von Olic zum Anschluss war die Ausnahme zur Regel. Insgesamt aber ein Saisonauftakt nach Maß, das Gestocher gegen Gladbach im letzten Jahr war sicher nicht besser. Auch Wolf-Christoph Fuss scheint guter Dinge zu sein, was man an der Begeisterung merkt, mit der er uns seine schlechten 90er-Jahre-Aphorismen aufs Brot schmiert. Aber wer bin ich, um zu beurteilen, was cool oder lustig ist. Geschmack ist demokratisch und Deutschlands Optimum an Zeitgeist und Humor sind Joko und Klaas. (mehr …)

Das falsche Tagebuch: 19. August 2014

Das Älterwerden ist mit das Großartigste, was mir je passiert ist. Das habe ich ja immer gehofft, aber nicht zu träumen gewagt, dass man als geborener Homo Hecticus nochmals so gelassen werden kann (für meine Verhältnisse versteht sich). Mein Problem war nie Indifferenz oder Wurschtigkeit, nie die Lethargie oder die Empathie. Ich war immer zuviel von allem. Emotional wepsig, weinerlich, weidwund. Geblieben ist davon überwiegend eine selbstgerechte Grantigkeit. Yes, ich kann endlich Schmerzen und unangenehme Dinge, Traumta und Herzlöcher verdrängen, wegschieben und unter den Teppich kehren wie andere Leute auch. Ich muss nicht mehr alles ausleben und Lieder darüber schreiben. Das macht mich glücklich. Die Melancholie ist eine dumme Sau.

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