Das falsche Tagebuch: 20. April 2016

(Ein Frühlingsgedicht)

Der Frühling steigt mir zu Kopf. Macht sich breit wie ein Tumor. Die Hand zittert schon gelegentlich. Ich verstecke sie in der Hosentasche. Was könnte ich alles sein. Was könnte ich alles machen. Aber ich kann nicht. Und ich will nicht. Und doch: das Wetter programmiert mich um. Das Wetter sagt: renn und ich: okay, aber wohin? Das Wetter: wurst.

Und so reiß ich an mir herum, in die eine Richtung, in die andere und da wundere ich mich, wenn ich mich zerrissen fühle. Im ersten Reflex schäme ich mich für die Emotionen, weil Emotionen sind so 2005. Emotionen sind ein Leben vor dem Leben als Eltern.

Fukk it, let’s bleed. Wunden heilen auch offen, Tage und Nächte bluten ineinander, man muss nicht immer vor Mitternacht ins Bett gehen und mit dem Wecker am nächsten Morgen aufwachen. Und ich entschuldige mich jetzt schon mal für mein irrationales Benehmen demnächst. Aber ich bin Künstler, ich tue ja niemanden absichtlich weh, ich kann ja immer sagen, ich bin halt so und wäre ich nicht so, wäre ich nicht der, der ich bin.

Jacken weg, Messer raus, Türen auf.

Brennerpass Podcast Bundesliga 2015/2016 (30)

SPIELTAG 30: Beowolfsburg & Grindel

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Themen heute: Rühanna, Verdauungs-Newsletter, Bernie Sanders, Axl/DC, Facebook-Sexismus, Champions League Nachwehen, Grindelwatch, Abstiegsprognosen, Breitenreiter, Augenbling, Eintrittspreise

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Wir empfehlen den Brennercast bei der altenglischen Gedichtinterpretation und beim Faceswap mit Sylvie Meis. Mein Co-Kommentator ist der Schauspieler, Comedian, Nachbar und Freund @RuedigerRudolph.

TIPPSPIEL
Tagessieg geht an …. RÜHANNA!

TOP 5
1. Blutgraetsche 351
2. martin 348
3. soulsaver 343
4. Vollpfosten 342
5. Papadopoulos 340

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Brennercast Bundesliga 2015/2016 (29)

SPIELTAG 29: DAS IST SATIRE

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Themen heute: Satire, Star Wars: Rogue One, Babymetal, Champions League, Max Lieberknecht, Darm- und Ingolstadt, Sad Breitenreiter, Bayern ohne Pep.

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Wir empfehlen den Brennercast bei der Mannschaftsbus-Reparatur. Mein Co-Kommentator ist der Schauspieler, Comedian, Nachbar und Freund @RuedigerRudolph.

TIPPSPIEL
Das war eine Ansage: Tagessieg (23 Punkte!!) und Platz 2 geht an Papadopolous.

TOP 5
1. Blutgraetsche 336
2. Papadopoulos 334
3. martin 332
3. Vollpfosten 332
5. laboum 331

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Kurzkritik zu Creed, Fury, Macbeth, Darling

CREED
Politisch korrekter Rocky. Einwanderer-Problematik der 70er muss endlich und selbstverständlich hinter „Black Lives Matter“ zurücktreten und das meine ich nicht im Geringsten ironisch. Stallone spielt super und Coogler inszeniert gut, für meinen Geschmack aber noch ein bisschen zu weiß. Bis auf die ziemlich übermotivierte Jogging/Moped-Gang-Szene ziemlich grounded ohne spaßfrei zu werden. Das Ringgeschehen kann noch so modern aussehen und auf ESPN-Sports Center machen, die Kämpfe bleiben ein Watschenfest alter Schule. Jeder Punch ein Treffer.

FURY
Slicker Kriegsfilm ohne neue Erkenntnisse. Trotzdem lei(n)wand, weil was soll man auch zum Krieg noch sagen, außer dass er brutal und überflüssig und vor allem überflüssig brutal ist.

MACBETH
Nach Polanksis Sharon-Tate-Aufarbeitung die erste nennenswerte Verfilmung. Fassbender gelingt der Übergang vom kriegsmüden Helden zum irrlichternden Tyrannen glaubwürdig und Cotillard ist eine schlangige Lady Macbeth, aber zuckrig genug, um auf sie reinfallen zu wollen. Wollen muß man schon. Bin trotz Studium der englischen Literatur kein Shakespeare-Kenner, kann also nichts zum Text sagen – würde behaupten stark gekürzt, aber überwiegend original. Insgesamt sehr modern. Fast wie ein Neo-Western inszeniert. Musik hätte auch von Cave/Ellis sein können, stammt aber von Jed Kurzel, Bruder vom Regisseur Justin Kurzel, der übrigens in der Besetzung Fassbender/Cortillard gerade die Verfilmung von Assassins Creed in Angriff nimmt. Bisschen manieristisch, aber das liegt wohl in der Natur der Vorlage. Hervorragend: Macbeths letzter Talk mit Banquo und seine fiebrige Ansprache bevor er im King-Stannis-Gedenkfeuer die Familie von Macduff anzündet.

DARLING
Junge Frau passt auf ein altes New Yorker Haus auf und dreht durch. That’s all, folks. Visuelle Anbiederei bei Polanskis frühen Werken wie The Tenant, Rosemarys Baby und vor allem Repulsion. Hab ich nicht nur abgeschrieben, ich hab auch alle drei Filme gesehen. Sieht trotzdem unfuckingfassbar gut aus und Lauren Ashley Carter knocks it out of the (Central) park. Crux: Fast schon provozierend derivatives und unorginelles Drehbuch.

Das falsche Tagebuch: 10. April 2016

Ich habe etwas gefunden. Einen falschen Tagebucheintrag vom 23. September 2014. Er handelt von meinem Wunsch nach Bekanntheit. Damals habe ich mich vielleicht ein bisschen geschämt, ihn online zu stellen, aber jetzt wo es mit dem neuen Buch auf die Zielgerade geht, finde ich ihn irgendwie wichtiger. Jan Böhmermann hat mich drauf gebracht. Weil immer alle denken (und vielleicht auch er), seine Selbstdarstellung hätte einen gerechten Hintergrund.

Doch selbstgerecht sind alle Künstler. Unsicher und selbstgerecht. Bedingt sich irgendwie, fürchte ich. Aber das darf nicht der alleinige Antrieb sein, denn zur Exzentrik und Arschlochzentrik muss auch eine Etikette kommen. Deshalb mag ich Böhmermann nicht, er ist mir zu unhöflich, zu gehässig, zu wenig altruistisch. Er hat keine Etikette. Er hat nur sich. Geht über Leichen für einen guten Witz.

Vor ein paar Tagen habe ich erstmals das Cover für mein im Oktober erscheinendes Buch gesehen. Und erstmals einen Vorschautext von meinem Verlag gelesen. Das hat mich alles sehr zuversichtlich gestimmt. Es hat aber natürlich auch wieder ausgelöst, dass ich über Geld, Erfolg und Bekanntsein nachdenke. Das ist kein schönes Thema, damit geht man nicht hausieren, aber es muss zumindest indirekt drüber geredet werden, deshalb hier der Eintrag vom September 2014.

Das falsche Tagebuch: 23. September 2014

Und doch tagträume ich beinahe täglich vom Bekanntsein, weil ich Geld verdienen will. Nicht viel, aber gerne Etliches. Klingt hässlich, weil es sich im Mutterland der hydraulischen Superopportunisten nicht schickt, als Künstler zu sagen, dass man aufs Geld scharf ist, aber hear me out, falsches Tagebuch: Ich bin in der dankbaren Meta-Situation, Sachen per Wort erfinden zu können und dafür (gelegentlich) bezahlt zu werden. Ich hatte schon als Kind keine konkrete Vorstellung, was ich mal werden soll (außer ein Gitarrenheld), aber das Schreiben kommt ihr am nächsten. Ich bin im Leben schon so oft gebauchpinselt und wieder vernichtend eingedampft worden, dass ich mir vage vorstellen kann, was es hieße, ständig beurteilt zu werden, und das ist ja genau die Bekanntheit. Damit könnte ich leben, weil ich es eh nie allen rechtmachen kann, was an meiner komischen Visage liegt, die schon meinen ersten Deutschlehrer so provoziert hat, dass er genau das meinen Eltern erzählt hat. Das Nonplusultra erscheint mir die Möglichkeit, mich hier hinter meinem Schreibtisch zu verschanzen, meine Freunde und Familie immer in greifbarer Nähe, und genug Geld zu verdienen, um nicht nachts mit kalten Waden vor lauter Existenzangst aufwachen zu müssen. Dafür nehme ich auch einen gewissen Bekanntheitsgrad in Kauf.

Brennercast Bundesliga 2015/2016 (28)

SPIELTAG 28: The Brennercast Papers

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Themen heute: Rosinen im Bircher, Better Call Batman, Women’s Wrestling, Fair-Play-Begräbnis, Wagnermania, das Restprogramm.

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Wir empfehlen den Brennercast beim Austauschen des Schildes auf dem Briefkasten und beim Frauenwrestling. Mein Co-Kommentator ist der Schauspieler, Comedian, Nachbar und Freund @RuedigerRudolph.

TIPPSPIEL
Tagessieg geht an meinen lieben Freund Sepp Meuser.

TOP 5
1. Blutgraetsche 329
1. martin 329
3. laboum 323
4. Schwanzhund 322
5. Vollpfosten 321

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Brennercast Länderspielpause (Folge 27,5)

Das falsche Tagebuch: 29. März 2016

Als ich neulich in den Flughafenbus einsteige, erreicht mich eine SMS von meiner Frau. „Attentat am Brüsseler Flughafen. Sei vorsichtig…“
Auf meinem zu dem Zeitpunkt noch funktionierenden Telefon lese ich nach, was passiert ist und frage mich, wie man eigentlich genau vorsichtig ist im Schatten von Terroranschlägen.

Ich kann meistens nicht die ganz große Empathie in Katastrophenfällen zeigen, aber nach meiner Ankunft in Köln, liege ich eine Weile stumpf im Hotel herum und überlege, was einem das jetzt alles abverlangt. Die AfD, der IS, der Trump, der humanitäre Abgrund namens Flüchtlingskatastrophe, das Näherkommen der Einschläge an allen Fronten. Alles Anzeichen einer noch viel größeren Eskalation, wenn man es nüchtern betrachtet? Aber wann betrachtet man überhaupt nüchtern? Ist man so wie ich alleine in Hotels gerne gefülsduselig, hofft man, dass die Werte und Demokratien jetzt endlich ihre Feuertaufe erleben, aus der sie dann gestärkt hervorgehen und sich dann endlich wieder der intellektuellen und moralischen Evolution der Menschheit widmen können. Ohne Asche kein Phönix, die Frage ist nur, wieviel Asche es braucht, wie stark es gebrannt haben muss. Aber wie gesagt: alleine im Hotel/gefühlsduselig.

In einer Mischung aus geistiger Ausgelaugtheit und Langeweile verlasse ich das Hotel in Köln und laufe ins Bahnhofsviertel, um dort meinen Akku austauschen zu lassen. Ergebnis: Akku ausgetauscht, Telefon kaputt. Kein Mucks mehr. Bis heute nicht. Zum Glück bin ich mit meinem Lektor fest verabredet und habe mir auf einem Stadtplan (old school, baby) angesehen, wo ich hinmuss. Exkurs: Mein neuer Verlag macht mich glücklich. An guten Tagen glaube ich, ich schreibe das deutsche Pendant zu Southern Gothic, eine neue Schwarze Romantik. Allerdings: an schlechten Tagen hoffe ich, dass mich keiner wegen Scharlatanerie einsperrt. Nach dem Verlagsessen probiere ich alle fünf Minuten das Telefon aus, aber es tut sich nichts. Das beunruhigt mich. Fühle mich ganz brüchig so ohne Telefon. Meine Frau hat ihrs auch irgendwo vergessen. Fast sind wir allein.

Den Karadžić haben sie verurteilt. Für mich immer das Übelste am Balkankrieg: wie nebenbei alles passiert. Massaker-rama, Komplettverlust der Menschlichkeit im Nachbarhaus quasi und hier keine Spur und niemand ein schlechtes Gewissen. Und der Revanchismus findet ja kein Ende. Geht immer weiter. Über-fuckin-all. Eine Zeit lang dachte man ja, man könnte wieder eine Deutschlandflagge auf seine Frühstückstasse drucken lassen, von wegen Nationalmannschaft und weil wir so gute Gastgeber waren bei der WM 2006. Jetzt ist die WM gekauft und 22 Prozent der Bevölkerung rechts. Ich mochte nie Deutschlandflaggen, ich hab meinem Land nie ganz über den Weg getraut und ätsch, wer hat jetzt Recht?

(Sogar der Nationalmannschaft misstraue ich, seit damals beim 4:4 im Olympiastadion gegen Schweden eine in Dur singende, alle Töne treffende schwedische Familie hinter mir gesessen ist und vor mir ein Riegel kettenrauchender Deutscher mit Adlern auf den Schals etwas in Stolz-Moll gegrölt hat.)

An Tagen wie heute, wenn die Kinder nicht in der KiTa sind, es regnet und alle schlecht geschlafen haben, die Frau kurz woanders ist, beschleicht mich das Gefühl, dass ich weder Haushalt noch Kinder jemals wieder in den Griff bekommen werde. Aber das Gefühl von Kontrolle ist eine einzige Illusion, das hat der Verlust vom Telefon gezeigt, das zeigen die Anschläge. Eine Luxusillusion, die man sich mal gönnen kann, auf die man aber nicht bauen sollte. Ich hab mir trotzdem sofort ein neues Smartphone gekauft. Die Illusion war mir fast 400 Euro wert. Ein Witz eigentlich.

Kritik zu Batman v Superman

Mein lieber Scholli, Zack Snyder. Das war ein Eigentor mit einem Kilometer Anlauf. So sehr ich diesen Film sehen wollte (und letztlich macht das Sehenwollen ja einen Blockbuster aus – viel, viel mehr als die Kritiken), so sehr ging er mir schon nach einer halben Stunde auf die Nerven und an die Nieren.

Selbstgefällig, humorlos und aufgeblasen liest man ja und ich behaupte: so tut der Film nicht, weil er sich selber so gefällt, sondern weil er weiß, dass er Schwachsinn ist. Das superdystopische Setting, der Blickwinkel auf den Bosskampf von Man Of Steel als Terrorakt und Batman als der verrohte Brandeisen-Vigilant, das mag alles ein bisschen dick aufgebrandet wirken, aber das war interessant, solange es das vorbereitet, was dann folgt.

Aber es führt zu rein gar nix. Plötzlich steht da Jesse Eisenberg herum und overacted so eklektisch, als könnte er sich nicht entscheiden, welche Art von Tick oder Psychose sein Luthor denn nun eigentlich hat – vielleicht in der vagen Hoffnung, es einem Heath Ledger gleichzutun. Doch statt ikonisch, wirkt er nur idiotisch und aus dem Plot gefallen. Und das will bei dem Plot was heißen.

Gal Gadot als Wonderwoman darf eigentlich nur vielsagend und allwissend schauen, bevor sie am Ende dem Kollegen Doomsday (meine Fresse) die Eier abschnürt (kein Spoiler), hat aber ansonsten keine Funktion in dem Film, was im Prinzip sogar auch auf die Hauptdarsteller Cavill und Affleck zutrifft. Cavill ist ein guter Mann, der bleibt tapfer all in, während ich bei Affleck (der ja auch ein guter Regisseur ist) den Verdacht hege, dass er das Ganze deshalb so unterspielt, weil er schon am Set ahnt, dass das Mumpitz wird. Aber es war nicht alles schlecht – das reguläre Batman-Kostüm (nicht die Rüstung) sah gut aus, besser als bei Nolan.

Brennercast Bundesliga 2015/2016 (27)

SPIELTAG 27: Sandro Hawke in Gattaca II

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Themen heute: Bayerns Torture Porn gegen Juve, International Kotzday, Max Kruses Birthday Bash, Kontaktlinsen-Revelations, Sandro Wagner Kickerlele-Fail

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Wir empfehlen den Brennercast auf der Auswechselbank und bei Magen-Darm-Infekt. Mein Co-Kommentator ist der Schauspieler, Comedian, Nachbar und Freund @RuedigerRudolph.

TIPPSPIEL
Tagessieg geht an Lattenknaller. Sehr enges Duell an der Spitze zwischen Ex-Meister Martin und dem Kollegen Blutgraetsche.

TOP 5
1. Blutgraetsche 319
2. martin 317
3. Schwanzhund 312
4. laboum 309
5. Vollpfosten 309

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