Brennerpass WM-Studio 2014 (19)

Argentinien - Schweiz 1:0 n.V.
Belgien - USA 2:1 n.V.

Uf widerluege, Ottmar! Du warst nie mein Lieblingsübungsleiter und hast die Hälfte deiner Zeit beim FC Bayern gewirkt, als stündest du kurz vor einem Nervenzusammenbruch mit deiner demonstrativen Teilnahmslosigkeit, aber du warst garantiert ein arschguter Trainer und das war ein würdiger Abschied, nicht unähnlich dem signifikantesten Moment in deiner Karriere: Das Champions-League-Finale gegen Manchester. Und das Beste: während ich hier noch einen Kalauer mache, sagt St. Gottmar (wie ihn die Nati nennt, was nicht die Kurzform von Renate ist) genau dasselbe: der bittere Schluss seines letzten Spiels als Trainers in dieser Version der Galaxie war eine (g)ottverdammte Farce. Wir erinnern uns an folgenden Satz aus meiner Montags-Kolumne:

“Offenbar lautet die FIFA-Regel fürs Achtelfinale: die pomadigen Favoriten schlagen die engagierten Underdogs. Schon wieder ein Spaßteam raus, und ein Kalkulierer weiter.”

There you go again. Während der interessierte Laie vergeblich 90 Minuten auf Shaqiri vs. Messi wartet (der eine schießt das erste Mal nach 30 Minuten aufs Tor, der andere nach 60), entspinnt sich ein Drama vor meinem Auge, das tatsächlich 1999-Ausmaße annähme, wäre ich Schweizer. Argentinien spielt erneut die Variante von Ballbesitzfußball, die nur darauf ausgelegt ist, dass Messi irgendwann die Schnauze von dem Geschiebe voll hat, oder sich ein Konter so dermaßen auf dem Silbertablett präsentiert, dass man sich flach auf den Rasen legen müsste, um ihn nicht anzunehmen. Argentinien ist das Hannover der WM und die Schweiz längst das entschieden bessere Team, goddammit. Dass Dzemaili am Ende aus einer Distanz, die der zwischen meinem Auge und meiner rechten Hand entspricht (und ich bin nur 1,76), nur den Pfosten trifft, macht die Nacht nicht einfacher.

Nächstes Spiel, nächstes finale furiose. Man ist bei dieser K.O.-Runde ja wirklich gut beraten, wenn man sich alle ersten Hälften einfach komplett schenkt und vielleicht sogar erst ab der 80. Minute einschaltet. Vorher fallen eh keine Tore. Und eigentlich ist es auch wurscht, wie das Spiel vorher gelaufen ist, denn erst ab der 80. Minute fallen auch die Masken. Belgien zeigt – nach zugegeben 134 Chancen -, was für ein kaltherziger Killer es doch sein kann, wenn die Laufwege erstmal sitzen und De Bruyne das erste Mal seit seiner Zeit in Bremen seinen inneren Prinz Harry und damit die Sau rauslässt. Plötzlich spielt bei den USA auch nicht mehr nur der ehrfurchtsgebietend alles wegwuchtende Howard eine gewuchtige Rolle, sondern die Klinsmänner leveln sich auf, als lösten sie endlich die ganzen XP ein, die sie bei dieser WM bisher gesammelt haben. Schnell entwickelt sich eine der besten Verlängerungen, die ich je gesehen habe, bei der die Last-Exit-Experimental-Joker Lukako auf der einen und Julian Green auf der anderen Seite echte Zuckertreffer erzielen. Oh leck, vor allem der von Green war gut. Der kommt ja von den Bayern Amateuren, die noch nicht einmal den Aufstieg in die dritte Liga geschafft haben (Relegation gegen Fortuna Köln, ja, ja). Mindestens viertschönstes Tor bei dieser WM. Am Ende verlieren Jermaine “Die Harder” Jones und seine Revolverhelden zurecht aber immerhin im Geiste blutverschmiert, wie man das im Land der Freien und Tapferen sehen will. Ich werde vermissen, dass ein Kommentator schreit: “Und Susie zieht ab!”, aber das sagte ich schon, oder?

In other news: Scolari hat jetzt auch öffentlich zugegeben, dass seine Mannschaft eine räudige Bande von frisurenverliebten, larmoyanten und autoerotischen Weicheiern ist. Zumindest so in der Art. “Weniger Herz und mehr Fußball!”, hat er das formuliert. Ex-Weltmeister Carlos Alberto ist da schon deutlicher geworden: “Es reicht mit dem Geheule”, hat er beinahe wörtlich so gesagt.

Brennerpass WM-Studio 2014 (18)

Deutschland - Algerien 2:1 n.V.
Frankreich - Nigeria 2:0 (0:0)

Sicherlich, gemähte Wiese Algerien. Und schlechtestes D-Spiel des Turniers. Das ist kein Paradoxon, das zeigt nur wie minderbemittelt Algerien eigentlich gespielt hat. Schon nach zwanzig Sekunden hat man gesehen, dass die zwar leidlich massiert im Zentrum herumstehen (was ja auch reicht, seit bei der WM per Löw-Duktus gefälligst nix mehr über die Flügel zu gehen hat), und von Zeit zu Zeit den einen oder anderen herzhaften Konter ins Feld stellen, aber das war spielerisch dem deutschen Potenzial himmelhoch unterlegen, so dass ich selbst bei 125 Minuten Sadomaso-Fußball nie auch nur den geringsten Zweifel hatte, dass die Deutschen weiterkommen.

Gelitten habe ich trotzdem wie ein Hund. Die beste Idee von Löw war es zweifelsohne, diesmal nicht Philipp Lahm auf der Sechs spielen zu lassen, sondern Manuel Neuer. Das wars aber schon mit den guten Ideen. Müllers Geracker in allen Ehren, aber der ist kein Robben, man lastet ihm zuviel auf, wenn man das ganze Angriffsspiel auf seine metaphsyischen Angriffe auslegt. Und was ist eigentlich mit Götze? Hat der nicht mal bei einer gewissen Mannschaft in Gelb-schwarz (heute: Borussia Evonik) mit seinen Kniffen von halblinks ganze Landstriche an Gegnern erlegt?

Und fang mir gar nicht erst mit Özil an. Er hat ja der SZ versichert, dass er sein Phlegma und die hängende Aura rechtzeitig zum Achtelfinale ablegt, aber genauso glaubwürdig könnte mir ein Hahn versichern, dass er morgens nicht mehr krähen will. Für Anti-Odonkor (danke, Stephan) Mustafi ist das WM-Aus natürlich ein Fluch, für die weiteren Spiele (Plural?) eher ein Segen, denn irgendwann muss Löw ja mal auf beseeltere Außen wie Durm oder Großkreutz setzen statt auf seinen unbefleckten Musterknaben Mustafi, den keiner anspielt, weil man sich nicht sicher ist, wer das überhaupt ist da draußen so allein auf dem Flügel. No offense, das ist kein schlechter Spieler, aber we’re talking K.O-Runde einer WM.

Überhaupt könnte diese Mannschaft mehr Dortmund vertragen, und das sag ausgerechnet ich. Das Schöne am Turnierfußball ist aber ja, dass der Hybris meist eine Katharsis folgt und man so anhand der eigenen Mangelhaftigkeit eine gewaltige spielerische Evolution innerhalb nur weniger Tage erfahren kann. “Turniermannschaft” nennt das der Boulevard. Ein Nachtrag noch: Ich hab ja neulich schon gesagt, dass die Freistoßvariante, wo drei über den Ball steigen und einer schießt, albern aussieht und man sich selbst mehr verwirrt als den Gegner. Quod erat the fuck demonstrandum.

Halt, es gab ja noch ein Spiel. Hier meine Notizen dazu. Nigeria forsch, aber ungenau. Bahren für Verletzte sehen aus wie Särge. Lieber Pogba als Drogba. Mehr Zitronenkuchen kaufen.

In other news: Marc Wilmots bereitet sich laut eigener Aussage gegen die USA “auf einen Krieg vor”. Das ist sicher mit Klinsmann so abgesprochen, um den Sport in den Staaten populärer zu machen. Für Soccer interessiert man sich ja nicht so, mit Krieg kriegst du jeden. Statt einer Pressekonferenz mit Klinsi wird hoffentlich auch Obama heute um 15.00 Uhr vor die Presse in einer Rede zur Lage der Nation treten. Oder Hulk Hogan.

Brennerpass WM-Studio 2014 (17)

Offenbar lautet die FIFA-Regel fürs Achtelfinale: die pomadigen Favoriten schlagen die engagierten Underdogs. Schon wieder ein Spaßteam raus, und ein Kalkulierer weiter. Obwohl man Van Gaals Verweigerungstaktik der ersten Halbzeit freilich nachsehen muss, dass man bei diesem ScHEISSwetter nicht unbedingt sein laufintensivstes Angriffsspiel zeigen möchte. Dennoch: anfangs konnte man Holland noch nicht einmal ein lauern auf Chancen unterstellen, dafür wurde Robben aber gleich zweimal am Stück gefoult ohne mindestens einen Elfer zu bekommen, was die Vorgeschichte zur spielentscheidenden Szene werden sollte. Ochoa ist aber wieder das eigentliche Highlight. Immer da wo der Ball ist, fast so als könne er die Zeit anhalten und in aller Ruhe zum Ort des Geschehens schreiten. Vielleicht kommt er auch aus der Zukunft oder er ist schneller als das Licht. Das Unrecht, das Robben am Anfang des Spiels ereilt, macht er durch eine Schwalbe am Ende wieder wett und dann ist der Schiedsrichter auch reif für den entscheidenden Elfmeter, zu dem ausgerechnet WM-Tourist Huntelaar antritt, weil Van Gaal die so phonetisch wie semantisch so reizvolle “Cooling Break” einfach zu einem Taktikwechsel nutzt, weil er ja laut Eigenauskunft nicht blöd ist. Das ist dann auch der Genickschuss für die Mannschaft ohne Angst mit dem Coach ohne Hals. Ein Jammer, aber nicht ganz zu Unrecht.

Dann wieder die unheimlichen Griechen. Die sich scheinbar an jeden Gegner anpassen können, immer ein Rezept finden. Beinahe geschmeidig zwischen Bollwerk und Sturmwalze umschalten können, Hauptsache rustikal. Und Herrgott noch einmal, denkt man sich, kann denn bei dieser WM keiner mehr eine Führung über die Zeit bringen? Ist die Nachspielzeit denn nur noch Anarchie? Dass Costa Rica trotz eines nicht gegegeben Elfers wegen griechischem Handspiel und einer gelbroten Karte als Gewinner vom Platz geht, ist ein schöner Moment dieser WM, bei allem Respekt vor den Griechen. Und apropos Respekt: Hey Chile, hey Brasilien, so schießt man Elfmeter!

In other news: Der mehrmals überführte Wettbetrüger Perumal, der die Hauptrolle in dem von mir mitübersetzen Buch “Schattenspiele” (Heyne) spielt, hat Kamerun via Spiegel Online vorgeworfen, seine drei Auftaktspiele manipuliert zu haben. Angesichts etlicher Pappnasen und der überzogenen Prämienforderungen in der Mannschaft möchte man die Theorie von den “faulen Äpfeln” nur allzugerne glauben, dann wiederum hat Kamerun auch jedes Mal unabsichtlich genug Mist gespielt, um den Verdacht zu entkräften. Volker Finke kann einem aber in jedem Fall noch mehr leid tun. Ab jetzt bitte alle Spiele nur noch von Howard Webb pfeifen lassen. (Und nie wieder diese ARD-Sendung vom Badeschiff zeigen)

Brennerpass WM-Studio 2014 (16)

Brasilien - Chile i.E. 3:2
Kolumbien - Uruguay 2:0 (1:0)

Klar, die Stimmung war endspielrassig, das fing schon beim Wettsingen der Nationalhymnen an. Und es war ein Kampf ohne Mundschutz und ein Herzschlag-Elfmeterschießen. Aber auch ein Spiel mit Stockfehlern bis der Tropenarzt kommt und der nur halbverdiente Sieger der Partie hat zerfahrener gespielt als der Tempelhofer Damm. Aber ganz ruhig, Burnster, und von ganz vorne:

Ich mag die Brasilianer bei dieser WM nicht. Sie sind ein blasierter Haufen von Haarextremisten und Egomanen, die sich tatsächlich nur von der Stimmung der Menge und der Selbstbegeisterung durchs Turnier tragen lassen. Ihr einziges in der regulären Spielzeit erzieltes Tor ist ein Eigentor, aber weil er so eine geile Frisur hat, verbucht Tingeltangel-Söldner Luiz den Treffer halt einfach mal auf sich. Dann der Hulk: Sein Engagement, seine unendliche Laufbereitschaft und sein Körpereinsatz (Hulk smash!) in allen Ehren, aber er verschuldet auch den Ausgleich und schwalbt kurze Zeit später einen auf, dass selbst es einem Fred die Schamesröte um den Latino-Cop-Schnörres getrieben hätte. Es ist schon gut, dass Brasilien diesen Hurra-Fußball spielt, denn allein mit Chiles Sparvariante wäre kein so manisches Spiel zustande gekommen, aber es ist auch anstrengend, sich 120 Minuten lang einen Ballverlust nach dem anderen anschauen zu müssen. Pep Guardiola hat sicher Cortison bekommen, um solche Spiele vor dem Fernseher durchzustehen.

Im Prinzip geben die beiden Teams in der ersten Halbzeit schon alles, danach verebbt das Spiel mit jeder Minute mehr, wird vom Wadenbiss zum Wadenkrampf, aber auch das ist faszinierend anzuschauen, ad exmemplum Medel. Hulk gibt weiterhin wirklich alles, aber der Chilenische Torwart Bravo noch ein bisschen mehr. Und das obwohl er kurz vor Schluss die Hacke von dem Bauer Jo in die Frontale bekommt. Als dann aber in buchstäblicher letzter Minute der regulären Spielzeit Pinillas den Ball an die Latte und damit ganz knapp neben den Sargnagel für Brasilien hämmert, ist mir klar, dass Chiles Karma aufgebraucht ist. Ich hab also ohnehin schwarz fürs Elfmeterschießen gesehen, allerdings nicht so schwarz, um zu ahnen, dass Chile beinahe jeden Elfer versiebt. For fuck’s sake, Chile, das Tor ist im Prinzip zu 80 Prozent leer, ihr müsst nur hineinschießen.

Fazit: bei Gott kein Spiel für Feingeister, eher ein Expendables als ein Snowpiercer. Brasiliens WM-Aus will ich gar nicht prognostizieren, auf so einer Dusel- und Willenswelle kann man weit reiten. Allerdings muss ich mich bei der Menge an fußballerischer Blackouts schon fragen, warum man nicht mal Dante eine Chance gibt. Selbst Rafinha wäre in diesem Kader eher positiv aufgefallen, man schaue sich nur den Elfmeter von Willian an.

Das zweite Achtelfinale war freilich weniger spektakulär, aber angenehm wohlerzogen, taktisch und filigran in den beiden Abschlüssen. Genau das Richtige zum Runterkommen nach so einem Nervenfetzer. Und genau das Richtige für ein klar definiertes Rausfliegen für Uruguay ohne Schiedsrichter-Fauxpas. Die Urus werden sich sicher dennoch eine Fortsetzung ihrer Verschwörungstheorien wegen der Suarez-Sperre daraus knüpfen und den Papst fragen, ob er Suarez nicht als St. Mordicus heilig sprechen kann, aber die wirklich gerechte Bestrafung war eben, mit dem drucklosen Rumpelfußball aus der ersten Hälfte gegen James, die Ordnung und den Teamgeist Kolumbiens unterzugehen.

Und natürlich hat Suarez gefehlt, sein Ersatz Forlan wirkte schon beim Einlaufen ziemlich forlorn (englisch für “aussichtslos”), standen seine Teamkollegen lustlos in der eigenen Hälfte herum, als spekulierten sie auf eine Entscheidung im Elfmeterschießen. Kolumbien hat sich genau darauf vorbereitet und immer wieder in die hellblaue Defensive gepiekst, ohne die eigene Ordnung zu vernachlässigen. Mit James Rodriguez’ 1:0, dem schönsten Tor des Turniers, ist das Konzept der Urus geplatzt und das supersahnig herausgespielte 2:0 war dann ein Gegentor zuviel, so dass ihr kopfloses Anrennen in der zweiten Halbzeit a) nicht mehr langte und b) am kolumbianischen Torhüter Ospina scheiterte. Wer hätte noch vor zwei Wochen gesagt, dass bei einem Viertelfinale Brasilien – Kolumbien kein Favorit auszumachen sei und Neymar nicht der begehrteste Spieler auf dem Platz?

In other news: Die FIFA zeigt keine Flitzer und hat damit schon manchem Spiel die rasanteste Szene auf dem Platz unterschlagen. Und dann tut es mir leid, euch das vor dem USA-Spiel vorenthalten zu haben, habs selbst grade erst gesehen.

Brennerpass WM-Studio 2014 (15)

USA - Deutschland 0:1 (0:0)
Portugal - Ghana 2:1 (1:0)
Algerien - Russland 1:1 (0:1)
Südkorea - Belgien 0:1 (0:0)

Weil ich ja gestern noch gejuxt habe, diese WM sei der Albtraum von Pep Guardiola mit ihren vogelwilden Kontern und Fernpässen, frage ich mich in der Folge, was für Lehren einer wie Pep wohl aus dem Turnier für sein eigenes System ziehen könnte. Antwort: keine. Es ist ihm scheißegal, wie hier gespielt wird. Die Nationalmannschaften sind nicht eingespielt, es geht oft nur über mentale und konditionelle Kraftakte, es sind Momentaufnahmen ohne taktische oder langfristig antrainierte systemische Substanz und wer den Ball nicht hat, wird auch weiterhin in keinem Fußballspiel der Welt ein Tor schießen können.

Das hat auch das sehr disziplinierte Spiel der Deutschen gegen die USA bewiesen. Mitten in der Sinflut von Recife hat die N11 sehr biegsam und reaktionsschnell die Defensivketten verschoben wie schon gegen Portugal und zwar nicht unbedingt rasant, aber orginell nach vorne gespielt. Schweinsteiger hat das gut gemacht, Podolski vielleicht weniger, aber es war auch schwer gegen überraschend defensiv und uneuphorisch handwerkelnde Amerikaner. Außerdem war man als Spieler ja ständig abgelenkt von der fantastischen nagelneuen Nasslook-Frisur vom eigenen Trainer. Beim nächsten Mal würde ich Özil bei all seinen Vorlagen endlich mal draussen lassen – man kann einen Spieler nicht bedenkenlos für immer aufstellen, nur weil er mit einer 6,78-prozentigen Wahrscheinlichkeit mal einen genialen Moment haben könnte. Man kann dem Konjunktivspieler Özil nicht Wirbler wie Götze oder Schürrle opfern. Insgesamt ein Spiel das Mut macht, nicht, weil die Deutschen so filigran waren, sondern weil sie sich Wind und Wetter anpassen können wie alte Hasen. So lässt man auch die Luft aus Algerien, ohne die wirklich sehr ansehnlichen Feghouli, Brahimi und Slimani zu unterschätzen. Capellos russischen Langweiler-Fußball braucht eh kein Mensch. Gut, dass uns die USA vorerst erhalten bleibt, ich würde den Kommentar “Und Susi zieht ab” vermissen. Ja, ich weiß, dass man ihn nicht so schreibt.

Obwohl Portugal und der an der Welt verzweifelnde CR7 die deutlich bessere Mannschaft waren, ging für Ghana der Spalt zum Achtelfinale nach dem Ausgleich nochmals kurz auf. Zugehauen haben sie die aber selbst gleich wieder, als Boye und Dauda einen Ball derart verluftikussen, dass Ronaldo ihn nur noch schief anschauen muss, um die erneute Führung zu erzielen. Zurück bleiben zwei unvollendete Mannschaften, die wie Ronaldo richtig erkannt hat, eben nicht gut genug für das Achtelfinale waren. Hätten Ghana auch wie angekündigt das Spiel bestreiken können, hätte auch nix geändert.

In other news nix Neues: Belgien ist immer noch Geheimfavorit, Kevin Prince Boateng ist suspendiert, Christian Streich ist gegen alles und den Videobeweis, und Suarez wird für seinen Biss gegen Chiellini zu neun Jahren Haft verurteilt, vielleicht auch zu neun Spielen Sperre.

Brennerpass WM-Studio 2014 (14)

Nigeria - Argentinien 2:3 (1:2)
Bosnien Herzegowina - Iran 3:1 (1:0)
Honduras - Schweiz 0:3 (0:2)
Ecuador - Frankreich 0:0 (0:0)

Oh Gott, Argentinien schon wieder. Es mag ja sein, dass man bei der relativ kurzen Vorbereitungszeit als Trainer kein valides System in seine Mannschaft einhämmern kann, aber was Argentinien spielt, ist ein Antisystem. Beziehungsweise auch keine Mannschaftsportart mehr. Würde man den Torwart, Angel Di Maria und Messi alleine spielen lassen und den Rest durch blau-weiß-gestreifte Spielerattrappen (wie bei FlipKick) ersetzen, käme man wahrscheinlich auf das gleiche Ergebnis. Es ist, als wäre Pep Guardiolas schlimmster Alptraum wahr geworden. Ein Spiel, das nur aus Kontern, Mauern und hohen Bällen besteht. Wo sind die Argentinier, die 2006 den One-Touch-Fußball quasi im Alleingang erfunden haben? Dass das Spiel trotz einer sehr tief stehenden nigerianischen Mannschaft trotzdem ein Torfestival geworden ist, spricht auch eher gegen die teilnehmenden Defensiv-Abteilungen.

In Nigeria ist schon wieder eine Autobombe explodiert und hat 21 Leute dahingerafft. Das ist der dritte schwere Anschlag in vier Wochen. Und zwischen April kamen bei Bombenanschlägen fast 100 Leute um. Dazu kommen die über 200 entführten jungen Mädchen. Seit 2009 ist in Nigeria die traurig sprichwörtliche Hölle los. Das soll hier nicht in Vergessenheit geraten.

Auf dem anderen Platz haben sich die Bosnier ein bisschen mehr Mühe als bei den leidvollen ersten beiden Spielen gegeben, andererseits war es vermutlich sogar statistisch unmöglich, dass Džeko wieder nicht trifft. An dem Spiel wurde auch deutlich, dass Irans Spiel gegen Argentinien eher eine Art übermenschliche Leistung war und das triste Mittelmaß aus der Bosnien-Partie die Norm. Immerhin haben sie ihr erstes Turniertor erzielt und auch allgemein einen positiven Eindruck hinterlassen. Im Grunde coole Hunde.

Shaqiri ist ja ein echter Zimmermann bei dieser WM. Ich hab mich in der letzten Bayern-Saison nicht gerade für seinen Verbleib ausgesprochen (und ich glaube sein Kameragruß an die Kritiker galt hauptsächlich mir), aber nach Leverkusen soll er doch bitte auch nicht gehen, denn da ist der Kollege Drmic neuerdings und die beiden Balkan-Schweizer sind seit gestern ein Sturmherz und eine Drangseele im Verbund. Jetzt geht es gegen den scheinbaren Favoriten Argentinien, aber eigentlich geht es ja nur gegen Messi. Mein Vorschlag also: Drmic und Shaqiri ihr Dingen machen lassen und acht Leute manndecken Messi.

Frankreich will ich nach der Schlachtplatte gegen die Schweiz jetzt keinen expliziten Vorwurf machen, weil sie es ein bisschen langsamer angegangen sind, aber bei Ecuador hatte man das Gefühl, dass sie erst beim Schlusspfiff kapiert haben, dass es um die Wurst gegangen wäre. Hoppala, rote Karte, hoppala, kein Tor, hoppala ausgeschieden. Hässlich, wie Sakho seinen Ellenbogen an Mindas Gesicht ausgeliehen hat.

In other news: Jogi Wan gegen Darth Klinsi. Jogi-Ritter gegen Klins-Trooper. Episch, hoffentlich. Auch episch: Holger Stanislawski arbeitet jetzt bei REWE. Gugl das!

Feststehende Achtelfinal-Partien:

Brasilien - Chile
Kolumbien - Uruguay
Niederlande - Mexiko
Costa Rica - Griechenland
Frankreich - Nigeria
Argentinien - Schweiz

Brennerpass WM-Studio 2014 (13)

Italien - Uruguay 0:1 (0:0)
Griechenland - Elfenbeinküste 2:1 (1:0)
Japan - Kolumbien 1:4 (1:1)
Costa Rica - England 0:0 (0:0)

This is, my friends, an outrage, ums mit Tony Harrison zu sagen.

Und das nicht nur, weil Suarez seinen italienischen Gegenspieler Chiellini als Knoppers missbraucht und damit die Italiener rechtzeitig zum fatalen Gegentor verstört hat, nicht nur weil die halt etwas rustikalere Spielart von Marchisio ihm eine unberechtigte rote Karte eingebracht und damit die Italiener entscheidend dezimiert hat, sondern weil dieses Skandalspiel nämlich über weite Strecken arschfad war. Letztlich sind die Italiener auch selbst schuld an ihrem Ausscheiden, wenn sie allen Ernstes auf Uentschieden spielen. Leid tut es mir um den scheidenden Ölhaar-Prinzen Prandelli und den alten Hool Buffon, den wir jetzt wohl in keinem großen Turnier mehr sehen werden, außer er kauft sich die Nationalmannschaft oder trainiert sie irgendwann. Bleibt die Tatsache, dass Suarez ein Arsch mit Ohren ist. Statt sich als Twilight-Fan zu outen wie ein Mann (!) behauptet er, es hätte sich bei seinem Foul um eine “normale Bewegung” gehandelt. Normal für jemand, der vom Arzt Ganztags-Beißringe verschrieben bekommen hat, hätte er dazu sagen sollen. Aber das Rezept reicht er sicher noch nach. Und erinnern wir und doch bitte mal alle an das Handspiel bei der letzten WM, das Ghana vielleicht das wichtigste Tor ihrer Turniergeschichte gekostet hat.

Bevor das alles passiert ist, hatte ich mir zu dem Spiel eigentlich nur notiert, dass Balotelli wohl der am wenigsten mannschaftsdienlichste und am meisten protegierte Spieler dieser WM ist und Italien vielleicht das Spiel kosten könnte. Außerdem, dass dieser Immobile seinem Namen bisher alle Ehre macht und ich gespannt bin, wie er nach dem Seminar “Lust auf Gewinnen statt Angst vorm Verlieren” von Prof. Dr. rer. pol. habil. Dr. phil. Jürgen Norbert Klopp spielen wird. Und dann fand ich noch Bela Rethy gut, der schon in den ersten Minuten absolut zweifelsfrei klargestellt hat: “Pirlo ist nicht hitzeresistent.”

Dass Griechenland ein unangenehmer Gegner ist, liegt nicht nur daran, dass die Mannschaft sonst in einem 9-0-1-System spielt, sondern dass sie sich reinbeissen (No Suarez pun intended) wenn es darauf ankommt, zur Not spielen sie sogar offensiv. Das unterscheidet sie von Italien. Da hilft auch kein Drogba von Anfang an, denn die Leidenschaft ist bei der hellenischen Fischernation (uh, war der schlecht) größer als bei den Ivorern, und so sehr ich mich neulich noch über die langen Nachspielzeiten aufgeregt habe, diese hier war nötig, um dem Spiel sein verdientes Ergebnis zu bescheren. Weltklasse Elfmeter-Harpune von Samaras.

Kolumbien ist auch wieder so eine Euphorie-Mannschaft, die aber genug gute Spieler hat, um diese Euphorie neunzig Minuten mit Fußball zu unterfüttern. Das Spiel hab ich nicht gesehen, nur die Tore von Jackson Martinez, und die lassen mich auf einen Sieg gegen Griechenland im Achtelfinale tippen. Und auf ein 9-0-1.

England gegen Costa Rica hab ich auch nicht gesehen, ich weiß nur, dass die Rooneys sich nicht auf den Amazonas herausreden können. Ausgerechnet im ungeliebten Manaus haben sie ja ihr bestes Spiel gegen Italien gezeigt. Armes Manaus, arme Arena da Amazônia und schade um die 206 Millionen Euro Baukosten. Damit hätte man mindestens einmal die Rolling Stones und zweimal Coldplay in die Stadt holen können. Nur wo hätten die dann gespielt?

In other news: Bei der kommenden Schande von Recife gilt es zu beachten, vor dem Spiel nicht noch ein erfrischendes Bad im Meer zu nehmen. Man könnte schnell einen Arm verlieren, und das liegt nicht daran, dass Suarez dort auch badet.

Brennerpass WM-Studio 2014 (12)

Niederlande - Chile 2:0 (0:0)
Kamerun - Brasilien 1:4 (1:2)
Kroatien - Mexiko 1:3 (0:0)
Australien - Spanien 0:3 (0:1)

Langsam werde ich ein bisschen fußballmüde. 36 Spiele in 12 Spieltagen gehen an die Substanz, zumal ich ja auch versuche, alles anzuschauen, um meiner kolumnistischen Verantwortung gerecht zu werden. Dass die späten Spiele jetzt um zehn anfangen, kommt zwar dem Familienmikroklima zugute, erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass ich einpenne, wieder um eine Stunde. Am Ende muss ich doch noch zum Public Viewing, aber wenigstens ist das unsägliche Mitternachtsspiel erst einmal von Tisch, das ich mir im Vorfeld noch so romantisch vorgestellt hatte. In der rauen Wirklichkeit hat es nur dazu geführt, dass ich um zwei Uhr früh in den absurdesten Verrenkungen auf der Couch aufgewacht bin und mich gefragt habe, wer ich bin und warum so spät noch ein Fußballspiel läuft.

Zum Spieltag: Es erscheint mir ganz folgerichtig, dass die Niederlande Chile niederjokert, denn das ist die bessere Mannschaft nicht zuletzt wegen dem Luxussturm, bei dem jemand wie Huntelaar eine Nummer ziehen muss, um überhaupt in den Kader zu kommen. Die Holländer werden es noch weit bringen mit ihrem Abwarten, den schlauen Kontern und den langen Bällen auf die Genies, vor allem wegen Robben, den ich noch nie so gelöst jubeln habe sehen. Chile hat eigentlich alles was man braucht: einen Tresor von einer Abwehr, einen wendigen Sturm ein Löwenherz und einen gut gekleideten Trainer ohne Hals. Und doch fehlt mir irgendetwas, das ich nicht benennen kann. Ich fürchte, das reicht alles nicht gegen den FC Neymar im Achtelfinale, und ich hoffe, ich täusche mich.

Ich weiß nicht so recht. Einerseits ist Neymar schon ein As und die WM braucht seine Show, andererseits ist mir das alles auch ein bisschen zu viel Kasperletheater. Es sind halt diese Spieler vom Schlag Ronaldo, die mir atmosphärisch nicht so liegen. Bei allem Respekt vor ihren Leistungen: Scheiß Frisur und mit den Armen immer beim lieben Gott. (Gute Frisur und Bart dagegen bei Fred) Summa summarum ein Erweckungserlebnis der Brasilianer allerdings gegen einen unausgeschlafenen Gegner. Wo Brasilien wirklich steht, wird sich wohl erst gegen Chile zeigen, ich bin allerdings fast sicher, dass die Selecao da eine Schippe drauf legen kann. Randnotiz: Es freut mich für Matip (Schalke), dass er dieser zerfaserten kamerunischen Mannschaft wenigstens den Ehrentreffer bescheren konnte.

Ich mag sie, aber die Kroaten sind Honks. Klar ist Mexiko ein starker Gegner, aber keinesfalls ein überlegener, weder auf Papier noch auf Rasen. Genau wie bei den bosnischen Kollegen war das ein zielloser, zerhackter Auftritt, bei dem man einfach so lange gewartet hat, bis es den Mexikanern zu dumm wurde. Die haben ja auch nicht ewig Geduld. Der Schiedsrichter hat den Mexikanern schon wieder ein Tor (einen Elfer) gestohlen, man muss sich ernsthaft wundern, dass die überhaupt noch im Turnier sind.

Spanien spielt erneut eher dröge, verewigt sich aber immerhin mit Villas Hacke in den Video-Highlights dieser WM. Australien hat sich in der Vorrunde gut verkauft, auch wenn die Ergebnisse nicht danach aussehen.

In other news: Das Rumgehacke auf den Kommentatoren geht mir auf die Nerven und ich halte es auch für unfair. Für mich ist das eher ein Twitterthema. Leider setzen sich Medien wie Spiegel Online jetzt auf jede sozialmediale Sau drauf und reiten mit ihr durchs Dorf. Ich kann zum Beispiel Tom Bartels ohne Probleme ertragen, sogar Bela Rethy stört mich längst nicht mehr. Ich hab in der Vergangenheit selbst oft massiv an den Sky-Kommentatoren herumgemotzt, aber mittlerweile alle persönlich kennengelernt. Nein, das war ein Scherz, ich habe einfach kapiert, wie schwer das ist, rhetorisch immer in Bewegung zu bleiben, dabei aber sowohl die in Deutschland immer so sehnsüchtig eingeforderte emoción als auch die Fachkenntnis im Gleichgewicht zu halten. Was ich nicht mag, ist die Selbstreferenz, die Hybris, die Automanie, und nichts davon kann man Bartels unterstellen.

Black Mandel Orchester: Sommerkonzert am Freitag, den 27. Juni

Am Freitag den 27.06. (SPIELFREI!) um 20:00 spielen wir, das Black Mandel Orchester, gegen FREIEN EINTRITT im Ramones Museum in Berlin. Das wird schön. Es gibt ein paar Coverversionen wie die untige, aber überwiegend eigenen und manchmal auch eigenartigen mehrstimmigen Folk und den ein oder anderen musikalischen Überraschungsgast. Kommt doch gerne vorbei, das ist quasi der Abschluss der Lesereise, nur ohne Lesung. Und wie ich schon sagte, es ist spielfrei.

Brennerpass WM-Studio 2014 (11)

Belgien - Russland 1:0 (0:0)
Südkorea - Algerien 2:4 (0:3)
USA - Portugal 2:2 (0:1)

Was für ein Schlafwandler-Kick. Am Ende wachen die Belgier dann aber offensichtlich auf und werden sich wie nach einem Eimer kalten Wassers plötzlich bewusst, dass sie hier klaren Favoriten sind. Erst dann können sie offenbar das Siegtor erzielen. Wo war eigentlich Eden Hazard, laut Mourinho Spieler des kommenden Jahrzehnts, in den ersten 140 Minuten dieser WM? Gut, dass das ehemalige Rekordstadion Estádio do Maracanã keine 200.000 Leute mehr fasst, sonst hätten sich 200.000 Leute zu Tode gelangweilt. Ach ja, und Jokertore, letzter Schrei im wahrsten Sinne. Ich muss mal Bela Rethy loben. Zum einen, weil er nicht mehr ganz so selbstgefällig kommentiert, zum anderen, weil er gesagt hat, die russische Abwehr sei ja wohl etwas “hüftsteif”. Well said.

Algerien hat mir gut gefallen. Algerien ist auch eine meine ersten Erinnerungen an Fußball überhaupt. 1982 war ich zwar erst sieben, aber die Niederlage beim WM-Auftakt flößte mir Respekt ein – ich sehe heute noch die grün-weißen Trikots vor mir. Respekt hat sicher auch Korea bekommen und zwar vor der eigenen Schnarchnasigkeit. Wie man im entscheidenden Gruppenspiel so dermaßen eine ganze Halbzeit verschlafen kann, wird ihnen auch einen Tag später noch ein Rätsel bleiben. Doch auch mit Gegenwehr wären die Herren Brahimi, Feghouli et al. langfristig nicht aufzuhalten gewesen. Die Koreaner hatten kein Rezept gegen die langen Bälle in die Spitzen und mal ehrlich, wer hat das bei dieser WM schon. Pass and Rush ist das Motto. Und ja, es wurde mal wieder ein klarer Elfmeter “übersehen” und vielleicht schickt man wieder so einen armen Linienrichterteufel dafür nach Hause. Etliche Fehlentscheidungen sind ja nachzuvollziehen, aber in der Summe kann man nach über 30 Spielen getrost sagen, dass die FIFA auch hier Mumpitz macht.

Mumpitz sind auch diese langen Nachspielzeiten, weil fünf Minuten im Gegensatz zu drei oder vier Minuten ein Signal an die Mannschaften ist, dass noch was geht. Ich weiß, dass die FIFA ihre Schiris gerade wegen dem Schlussspektakel dazu anweist, lang nachspielen zu lassen, aber berechtigt ist das in den seltensten Fällen. Oder drücken wir es vorsichtiger aus: Dem Habitus entspricht es keineswegs. Und nicht selten verfälscht es auch ein Spiel im Gesamteindruck wie das der USA gegen Portugal. Die Klinsmänner waren jetzt nicht die besseren, aber sie haben hundert Mal mehr aus ihren bescheidenen Möglichkeiten gemacht als die weiterhin völlig konzeptlos spielenden Portugiesen. Die USA zwingen einem ja gerne ein laufintensives Spiel auf, aber sollte eine Mannschaft wie Portugal nicht ein Rezept gegen sowas haben? Bento macht bei dieser WM bisher keine gute Figur. Die Amis sind auf jeden Fall ein Hingucker: Die Boden-Luft-Rakete von Jones war eine Genusswucht, die Parade von Howard kurz vor der Pause die bisher beste Torwart-Zeitlupe und was Dempsey und Bradley so aufs Tor ablassen, kann sich ebenfalls sehen lassen. Eher unansehnlich war der Ellenbogen von Beckerman ins Gesicht von Meireles, da hat sich der Vollbart als Airbag bewehrt.

In other news: Es fällt mir gerade zunehmend schwerer, so flapsig über Fußball zu bloggen, während die ISIS-Bewegung, ihre Ausläufer und auch ihre Gegner an allen Fronten eine Spirale der Hässligkeit entfesseln, die mal wieder zeigt, dass der Mensch immer noch ganz nahe am Primat steht, dass ihm neben dem Überleben der Wettkampf alles bedeutet. Das macht auch den Fußball zu einer zweifelhaften Metapher. Das ist natürlich stark vereinfacht und jeglicher Widerspruch oder Schelte wegen Oberflächlichkeit lasse ich präventiv gelten, aber was ich damit sagen will, ist einfach nur: ich hab ein komisches Gefühl.

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