Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (27)

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SPIELTAG 27: Josep im Wunderland

(Anmerkung: Es ist Ostern, das Kind sucht Transformers im Garten und außer dem Bayernspiel hab ich mich nur oberflächlich über die Liga informiert, crucify me, um’s mit Tori Amos und Jesus H. Christ zu sagen)

Dortmund – Bayern 0:1 (0:1)
Auf den Tag habe ich gewartet. Pep hat die Schnauze voll von den ganzen Konteropportunisten in der Bundesliga und dreht den Spieß einfach um. Mit acht Vasallen hinten rein und wer nicht mit einem hohen Pass die Mittellinie überbrückt, wird zur Persona non Grata erklärt. Es ist Bizarro-Pep in einer Bizarro-Welt, alles steht auf dem Kopf, Lewis Carroll hat die Mannschaft aufgestellt, der Gegner hat stellenweise mehr Ballbesitz als der motherfukkin FC Bayern, es ist wie eine Cosplay-Convention unter Fußballstrategen. Aber es haut hin.

Schon wieder, zum zweiten Mal nach dem letztjährigen Pokalfinale, schlägt Guardiola die Dortmunder mit der Feder statt dem Schwert. Wobei zugegebenermaßen auch etwas Glück (nicht gegebener Elfer) im Spiel war und ein BVB, der vorne a) keinen Plan B hatte und b) einen mediokren Plan A. Aubameyang verwelkt in der Mitte förmlich und Reus ist zwar engagiert, aber bei Dante und Bernat in guten Händen. Apropos Dante, für den war das Spiel die Chance, sich als Säule der Innenverteidigung zu rehabilitieren und – oh boy – hat der sich rehabilitiert, oder? Pep hat den Sieg ihm gewidmet und gesagt, er hätte gerne 1000 Dantes in der Mannschaft, ein derart verstiegener Superlativ, wie ihn nur Pep bringen kann (und der fast schon wie ein Trostpflaster klingt, bevor er ihn im Sommer rausschmeißt). Ich liebe beide – den Haarigen und den Haarlosen.

Was gabs sonst noch? Der Rasen war offenbar mit Seife gewässert, so oft wie die Bayern ausgerutscht sind. Auch sonst fielen viele bzw. wurden viele gefällt, es war ein hartes, aber nicht sonderlich derbes Spiel. Schweinsteiger wird noch zum John McClane des deutschen Fußballs, wenn das so weiter geht und er sieht auch zu Beginn eines Spiels schon so aus, als hätte er Kopfweh. Ich habe ja Leute gehört, die das Spiel langweilig fanden, aber für mich wars ein Gaumenschnalz-Taktik-Thriller, wie ich ihn bei anderen Vereinen und Trainern (looking at you, Lucien) saulangweilig fände.

Benatia und Boateng waren atemberaubend gut, so gut wie Hummel gern gewesen wäre, in diesem Schaukastenspiel vor seinen potenziellen nächsten Arbeitgebern aus England, und Neuer hat einen Reusstoß gehalten, als wäre er Reed Richards höchstpersönlich. Gestört hat mich nur das Fehlpassinferno der Bayern Mitte der zweiten Halbzeit und dass wie immer niemand Lewandowski geholfen hat, der sein absolut bestes Spiel bei den Bayern abgeliefert hat.

Fazit: Robben und Ribery müssen erst beide weg sein, bevor sich Bayern mal was Neues einfallen lässt, aber irgendwann muss man den kalten Entzug von diesen Adrenalin-Junkeys an der Außenlinie ja mal beginnen. Schön, dass Thiago wieder da ist, ich hatte tatsächlich ein bisschen taubtrüben Ginst in den Augen.

Lieblingsstatistiken: 1. Torschuss BVB in der 51. Minute, erste Torchance BVB in der 61. Minute, 1. Eckball im Spiel in der 74. Minute, 1. Bayernchance = einzige Bayernchance = Siegtor. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (26)

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SPIELTAG 26: Ein letztes Mal winken und raus

Bayern – Gladbach 0:2 (0:1)
“Der Matchplan ist nur fast aufgegangen”, sagt Stranzl im Interview nach dem Spiel und das ist noch nicht einmal arrogant. Denn im Prinzip musste Gladbach eigentlich nur zuschauen, wie Bayern sich am eigenen Ballgeschiebe delektiert und immer unkonzentrierter wird. Dann verletzt sich der essenzielle Robben, Manuel Neuer leistet sich seinen Quartalspatzer gegen Gladbach und schon wirkt die Spielweise der Bayern eher dümmlich als dominant. Ich will Favre nicht die Akribie oder den Feingeist absprechen, aber dieses Ei hat sich Bayern auch selbst gelegt. Schweinsteiger und Alonso können übrigens nicht nicht miteinander, sondern jeder für sich nicht. On the bright side: Notwendiger Dämpfer vor so Passivkonstrukten wie Porto in der Champions League, schon allein wegen der Erkenntnis, dass Torgefahr bei Bayern immer noch unter dem Kürzel Robbery firmiert, allen Götzes und Lewandowksis zum Spott. UPDATE: Robben fällt länger aus und so sehr ich Pep liebe, aber die Abhängigkeit von Robben und Ribery hat auch er dem FCB nicht austreiben können. Das könnten bittere Wochen in Pokal und Champions League werden oder eben die Chance sich von meinem Lieblingsholländer zu emanzipieren. PS: Schee, dass’d wieder do bist, Thiago. (mehr …)

Kurzkritik zu Das ewige Leben

Die erste halbe Stunde scheint direkt meiner Vorstellung eines großartigen Krimis entsprungen zu sein. Der Brenner irrlichtert durch ein hässlich verbautes Graz und haust in seinem sinnbildlich in sich zusammenfallenden Elternhaus. Hader lässt überbordenden Gewaltschauspielern wie Moretti und Düringer durch sein grandioses schauspielerisches Understatement Platz zum Wüten. Das unterstreichen die Sofa Surfers mit einer Art Western-Trip-Hop und der Dialekt ist so herb, dass selbst ich als grenznah aufgewachsener Bayer stellenweise den englischen (!) Untertiteln ganz dankbar bin. Sogar die Rückblenden aus Kroatien finde ich super gelöst, denn normalerweise zerteilt einen Kriminalfilm im Grunde nichts mehr wie Rückblenden. Auch die Freiheiten, die sich der Film gegenüber dem Buch herausnimmt, haben vor allem mimisch ihre volle Berechtigung, denn die Schrulligkeit aller Charaktere und Orte ist nun mal das eigentliche Thema der Brennerfilme, weniger die Kriminalhandlung.

Aber dann passiert Murnberger etwas, das der Film eigentlich nicht verdient. Zwei Dinge, um genau zu sein: Die Handlung wird selbst für Haas-Unbelesene unglaublich vorhersehbar und was noch schlimmer ist: vollkommen nebensächlich. Das ist so schade, denn wir waren nahe dran am perfekten Regionalkriminalfilm. Stattdessen ergötzt sich die Kamera an der leicht penetranten Nora von Waldstetten und dem wirklich grandios g’schleckten aber nicht gerade sparsam eingesetzten Tobias Moretti. Die Luft ist leider längst raus, wenn das Graz-Panorama einen eigentlich nochmal auf die nächste Zen-Ebene heben soll, aber vielleicht ist Zen ja genau der Zweck der Übung: dass einem irgendwann alles wurscht ist.

Wobei selbst der Brenner am Schluss plötzlich wieder einen gewissen Lebenswillen an sich entdeckt, der mit so etwas wie Familienzugehörigkeit zu tun hat. Es tut mir fast leid, da so rumzukritteln, weil es natürlich keine besseren deutschsprachigen Kriminalfilme als die von Murnberger, Haas und Hader gibt und die zurecht in Österreich den patscherten 50 Shades Of Dings von der Kinohitparadenspitze verdrängt haben, aber wenn eine Reihe schon mal so gut wie “Silentium” war, sind natürlich auch die Ansprüche ewig hoch. Also nix für ungut, Brenner, ich geh natürlich auch wieder in “Brenner und der liebe Gott”.

Das falsche Tagebuch: 16. März 2015

Auf der Buchmesse gewesen, kleiner gefühlt als notwendig. Alles wie immer eine Frage der Entourage. Und eigentlich nehme ich mir das schon lange vor: einmarschieren statt nur auftauchen. Aber heutzutage haben ja alle Freunde Jobs, Familie, Burnout, Tinder oder alles gleichzeitig. Da bekomm’ mal eine ordentlich Entourage zusammen. Das Wetter in Leipzig war eine einzige Feindseligkeit, Graupelschauer Euphemismus. Notiz an mich selbst: City Gyros beim nächsten Mal meiden, wenn der Magen vom Durcheinanderschnapseln noch angeschlagen ist. Und den Kaugummi nicht immer hinunterschlucken, denn Mama hatte doch recht: der Magen pappt zusammen. Heute gehe ich zu Richard III. in die Schaubühne und schau mir Lars Eidinger an, wie er sich dem Wahnsinn hingibt und dafür Geld bekommt. Traumjob eigentlich. Ich hätte Lust “Much Ado About Nothing” zu spielen, zwei Leute für alle Rollen und alle Kostüme. In einer 40minütigen “Previously on Much Ado”-Version. Irgendwie gefällt mir die Zeit grade. Alles ist angenehm unberechenbar aber man hält sich selbst irgendwie zusammen. Alt fühle ich mich nur, wenn ich überlege, was ich noch gerne alles machen würde bis ich fünfzig bin. Da wird dann die Zeit schon mit 40,4 knapp. Denk ich also lieber an Folgendes:

Salviathymol, Pappardelle, Salsiccia, Nofretete, Tsikoudia, Kimbo Gold, Epos Polluce, Ford Escort, James Taylor, Matala, Phineas & Ferb, Brandon Stroud, Frankfurt am Main, A Tribe Called Quest, Bryan Alvarez, Cheap Heat, Splitterbrötchen, Duke Ellington.

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (25)

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SPIELTAG 25: Die Akte Puckmuckl

Bremen – Bayern 0:4 (0:2)
Pepe Reina gefällt das. Ich bin ja immer skeptisch wenn Robbery fehlt (siehe Statistik unten), aber das hat Bayern wirklich handfest und überlegt revanchistisch (dazu gleich) heruntergespielt. Wenn die beiden Flügelanarchisten schon fehlen, ein bisschen mehr Vorsicht nach hinten walten lassen, aber gleichzeitig mehr Vertrauen in Müller und Lewandowski setzen – Pep und ich, great minds think alike oder so. Und meine Herren, haben Müllerowski dieses Vertrauen zurückgezahlt. Überhaupt wurde viel vertraut, umarmt und gelacht auf und außerhalb des Platzes, man hätte fast meinen können, Bayern habe sich grade mit einem knappen 0:1 aus der Abstiegszone befreit.

Auch für die UFO-Gläubigen war wieder eine Szene dabei, als Boateng Prödl am Trikot in ein Handspiel hineinzupft und so ein Tor verhindert, das nichts am Trend geändert, mir aber vier Punkte mehr im Tippspiel eingebracht hätte – verflucht sollst du sein, Schiri das Schnabeltier. Apropos Schiri – Eichin hatte sich ja mit seiner Aussage zur ewiglich leidigen Bayernbevorteilung eh schon einen Puck-Kalauer vom sonst eher weniger schlagfertigen Sammer abgeholt und dann kommen die Bayern unter Oberaufsicht der Gerechtigkeitsliga nach Bremen und was is…? Ein Loch ist im Tornetz, Karl-Thomas, ein Loch. Außerdem ist Lewandowski in der ersten Hälfte auch von Prödl beinahe bis auf die Unterhose ausgezogen worden und ist nicht ans Bundesverfassungsgericht gegangen.

Einen hab ich noch: Nicht erst als Freistoßruhmeshallenanwärter Alaba sein Ding ins Tor linealt, entfährt Kommentator Fritz von Thurn und Taxis zum wiederholten Mal ein David Aliba. Was ihm sein kolonialhumoristisches Unterbewusstsein da eingibt, ist nichts anderes als Alibaba und die vierzig Räuber – Sie wissen schon, der trickreiche Exot aus fernen Ländern (Österreich), der den Armen die Punkte klaut und sie an die Reichen verteilt. Oder so ähnlich ging das doch. Was ist mit den Ösis und Freistößen anyway los, siehe Junuzuvic? Haben die zuviel Platz da drüben, trainieren die Freistöße über ganze Landstriche? Jetzt aber zu meiner Lieblingsstatistik.

Der Punkteschnitt mit “Robbery” auf dem Feld liegt bei 2,7. Rechnet man dies auf eine ganze Saison hoch, wären das rund 92 Punkte. Der Bundesliga-Rekord liegt bei 91 Punkten. Quelle: spox.com

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Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (24)

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SPIELTAG 24: Wuschels Inferno

Hannover – Bayern 1:3 (1:1)
Das Spiel war natürlich ein gefundenes Fressen für alle Bayernhasser. Schiri gekauft, arroganter Trainer den armen Wuschel vergrätzt und am Ende unverdient gewonnen. Aber von vorne. Zunächst ist Martin Kind ein Arsch (hab ich mal jemand sagen hören), weil er seinen Trainer (Korkut) öffentlich anzählt. Das bringt dem Trainer nix, der ist ja nicht wie mein Junior, zu dem man sagt, ich zähl bis fünf und dann ist die Unterhose an, dafür aber Kind wie ein herrschsüchtiger Übervater ohne Vertrauen zu seinem Zögling. Ähem, andere Metapher, bitte.

Korkut lässt sich davon aber wenig und vielleicht doch ziemlich beeindrucken, denn seine Elf kratzt, beisst und zieht an den Haaren. Nicht falsch verstehen, Hannover hat toll gespielt und vermutlich alles gegeben, aber warum bitte nicht gegen Stuttgart oder Köln, wo es bedeutend einfacher wäre, diesen seit acht Spieltagen ersehnten Sieg einzufahren? Dieses Aufbäumen und alles-Abrufen ausgerechnet gegen Bayern, wo man in der Regel eh nichts holt – ist das nicht ex cathedra ein sysiphosisches Unterfangen oder zumindest eine Verschwendung von Resourcen? Wenn so Pappkameraden wie Bittencourt dann ausgerechnet gegen den großen Franck Ribery “ihren Mann” stehen, wirkt das auf mich irgendwie traurig.

That being said, gutes Spiel von H96 und als hätte Pep gewusst, was da auf die Seinen einhagelt, hat er mit drei Innenverteidigern begonnen, ein Experiment, das ihn nach einer halben Stunde direkt ins Dante-Gate führen sollte. Um ein paar Dinge klarzustellen: Beim 1:0 sieht Dante hölzern aus, aber er will einerseits Kiyotake (in dem hatte die Bayern-Def eh ihren Meister gefunden) den Ball nehmen, andererseits sicherstellen, dass der nicht zum Nebenmann abspielt. Das ergibt keine klare Abwehraxion (wie Steffen Effenberg sagen würde) und damit das Gegentor. War nicht annähernd so dumm, wie es aussah. Unglücklicher als seine Kollegen wirkt er dennoch in letzter Zeit, nicht zuletzt wegen der Rückkehr von Badstuber, der nach drei Spielen beinahe die alte Geschindigkeit aufweist und schon wieder ins Spiel eingebunden ist, als wäre er nur kurz in Bad Tölz auf Kur gewesen.

Dass sein Trainer ihn nach 30 Minuten auswechselt und ihn dabei keines Blickes würdigt, ist nochmal einen kurzen Exkurs wert. Pep ist keiner, der alle abklatscht (auch keinen Götze oder Alonso), Pep ist fanatisch, fahrig, nervös und in letzter Zeit auch genervt, wenn es nicht so geht, wie er gern hätte. Aber Pep ist auch ein Feingeist und als solcher hätte er seinem Spieler, den er hier fahrlässig bloßstellt ein wenig schützen können, zumal Dante ein Stimmungsträger im Mannschaftsgefüge ist. Frage des Fingerspitzengefühls, mehr aber erstmal nicht.

Dann der Alonso-Freistoß. Klar, war unberechtigt, aber zum einen ist Alaba eben keiner, der für Schwalben bekannt ist, zum anderen haben sich die Hannoveraner durch ihre giftige Art in dem Spiel schon früh generalverdächtig gemacht. Es bleibt eine Fehlentscheidung, aber eine nachvollziehbare. Zuckerl von Freistoß, aber vielleicht auch nur weil Xabi dabei auf den Arsch fällt und damit die Ballphysik entscheidend gen vollkommener Unberechenbarkeit verschiebt. Und man bedenke, dass Alonso auch schon einen Freistoß unter der Mauer hindurch geschossen hat. Dass die Hannoveraner Mauer aber länger steht als die Berliner, lässt sich dadurch allerdings nicht erklären.

Nächste Fehlentscheidung: Elfer nach Dekapitation Lewandowskis. Klar, der Kopf hat da unten nichts zu suchen, der Fuß aber auch nichts am Kopf des Gegenspielers. Fazit: kein Elfer, aber zumindest eine grobe Unhöflichkeit. Dass Bayern das Spiel gedreht hat, ist sicher bei der Faktenlage dem Schiri zuzuschreiben, aber auch so wäre es wohl kaum anders gekommen.

Beobachtungen: Lewandowski kann gar keine Tore schießen, so scheiße wie der immer bedient wird – kann also nix dafür. Wie Müller bei seinen Elfern nur den Towart fixiert ist total Hannibal Lecter/Clarice Starling. Das Duell um Leben und Tod von Bittencourt und Ribery war eine Augenweide – gelb für beide war okay, einer hätte ohne den anderen doch gar nicht mehr gewusst, was er auf dem Platz machen soll. Rafinha ist einer der beständigsten und wertvollsten Bayernspieler seit anderthalb Jahren – unterschätzter aber unerlässlicher Beitrag zu den beiden Pep-Meisterschaften. There, I said it. (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (23)

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SPIELTAG 23: Die Liga der Schatten
Dortmund – Schalke 31:3 (Torschüsse)

“Tönnies schlägt vor, dass alle 132 000 Vereinsmitglieder 1000 Euro zahlen, um die Schalker Finanzverbindlichkeiten von rund 178 Millionen Euro möglichst schnell abzubauen.” (WZ Online)

“Mayer schlägt vor, dass Tönnies allen 132 000 Vereinsmitgliedern 1000 Euro zahlt, um die Schalker Monumentalblamage von rund 90 in den Wind geschissenen Derbyminuten möglichst schnell vergessen zu machen.” (BP Online)

Meine Sympathie für Schalke hat sich ja eh ein wenig aufgebraucht, seit die Mannschaft den Fußball des zweitschlimmsten Spiel meines Lebens imitiert, aber am Samstag hab ich mich nochmal mit Schwarztee und Ritter Sport Trauben Nuss vor den Fernseher gesetzt, um den Royalblauen die Daumen zu drücken. Meine Abneigung gegen die allgegenwärtige Dortmunder Hybris namens “Echte Liebe” hat sich beim dummen Geschwätz von Wotan Wilke Möhring in der Sky-Konferenz eigentlich noch ganz gut angelassen. Dann stürmt Schalke sogar entgegen ihrer jüngsten Gewohnheiten die ersten fünf Minuten los, als hieße der Trainer nicht Gevatter Catenacio. Der Haken: nur zehn Minuten später habe ich angefangen, dem BVB die Daumen zu drücken. Okay, das Lazarett ist voll, okay, Wellenreuther ist erst seit drei Minuten Profitorwart und vom Spagat zwischen Derbyoffensive und Zerstörerfußball sind die Spieler offenbar dazeder und confuseder als John Bonham nach einer Magnumflasche Wodka, aber das rechtfertigt nicht diesen Sondermüll von Fußball. Das Zweikampf-Verhalten entsprach der Zivilcourage von Angorahasen und Alfred Prince Boateng kann sich von mir aus mit Ra’s al Matteo zusammen in die Liga der Schatten schleichen. Wie gesagt, beinahe wäre ich noch zum BVB-Anhänger geworden, aber dann haben Reus und Aubameyang sich als Cosplay-Fetischisten herausgestellt und ich mich gefragt: wo ist Bane wenn man ihn braucht? (mehr …)

Brennerpass Bundesliga 2014 /2015 (22)

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SPIELTAG 22: Danke für das tolle Zerlegnis

Paderborn – Bayern 0:6 (0:2)
A Backerl Sechserwatschn is gleich….ah, never mind. Auf jeden Fall macht Bayern da weiter, wo es letztes Wochenende und Gott sei Dank nicht da, wo es am Dienstag aufgehört hat. Die ersten fünfzehn Minuten haben die Paddys den besseren Matchplan, bzw. haben überhaupt einen. Bayern eher so gelangweilt angreifen und schauen was geht. Am interessantesten ist da noch der Kampf der Plosive: Boateng vs. Kachunga. Aber irgendwann lässt sich die Robbenmaschine nicht mehr aufhalten, spitzt den Ball durch zu Lewandowksi und der trifft betont so, als hätte er nie nicht getroffen. Weil er nämlich bis eben die Verschwörungspresse und altkluge Altfußballer mit Nervenleiden an der Backe hatte. Ich blinzel dich an, Didi Hamann, aka The Zwinkerer. Du sagst nämlich, dass Pep böse ist, weil er Lewi ein einziges Mal nicht von Anfang an spielen lässt und überhaupt wüsste Bayern nichts mit dem Polen anzufangen und die Premiere League-Muftis sollen schon mal die Schatulle plündern für nächsten Sommer. Ich gebe zu, ich habe kurz über das alles nachgedacht und es zudem mit der Akte Mandzukic verglichen, bin aber dann zu folgendem Schluss gekommen: Ja, Lewandowksi hat bei Bayern ein paar Großchancen versäbelt und stellenweise wie ein Fremdkörper gewirkt, er hat aber auch bewiesen, dass er sich ganz und gar in den Dienst eines neuen Spielsystems stellen kann und in der Hinrunde mit seinem Ausweichen auf den Flügel dafür gesorgt, dass die Bayernoffensive so flexibel, schnell und unberechenbar geworden ist. Und jetzt schießt er auch noch die Tore, die man von ihm will. Zwack off, Didi Hamannforden. Hut generell ab vor Pep, weil er gar nicht versucht, es irgendjemand Recht zu machen, das aber sehr elegant macht. Schweinsteigers Spiel gegen Donezk war wirr – er hat Alonso indirekt zu den Fouls genötigt. Kaum bekommt Schweinsteiger von Pep ein bisschen Zeit zum Nachdenken, ist Alonso wieder der Alte. Der Alte ist Robben natürlich nicht: Er übersteht Fouls, ohne in Einzelteile zu zersplittern, oder die Todesstrafe für seinen Gegenspieler zu reklamieren, er ist neuerdings auch Vorbereiter und muss sich keine Elfmeter mehr von den Teamkameraden ergaunern, man schenkt sie ihm einfach aus Liebe wie Thomas Müller. Und habt ihr Robben nach dem Spiel im Interview gesehen? Gelöst, geliebt, gelassen. Euphorie – Hilfsausdruck. Ein Upgrade hat auch Mitch Weiser erfahren, der nach einem Streberpass von Rode über die Gesamtlänge der Pader eingelocht hat wie Tiger Woods zu seinen promiskuitiven Zeiten. Dass Breitenreiter sich nach der 6-Tore-Pappklatsche für das “tolle Erlebnis” bedankt, ist entweder die Folge einer westfälischen Mutation des Influenza-Viruses oder die höfliche Form von Selbsterniedrigung. (mehr …)

Kurzkritiken zu Birdman, Nightcrawler, Big Hero 6, SpongeBob 3D, Nonstop, Predestination

BIRDMAN
Was ist mit Iñárritu los? Hat der Mann auf seine alten Tage den Humor gefunden? Oder hab ich ihn immer missverstanden? Endlich zwingt er einen mal nicht zu einer intendierten Interpretation. Birdman ist ein wunderbar lakonisch entspannter Film, gerade weil sich Iñárritu scheinbar über seinen eigenen Hang zur schweren Kost und zum sinnschweren Dialog amüsiert. Kommt dazu, dass ich eh grade einer Faszination für das Theater als physische Manifestation eines Gesellschaftszustandes (oder eben grade nicht) erliege. Am Ende einen Tick zu sehr auf der Ironiebremse, aber nicht zuletzt dank Edward Norton hochgradig unterhaltsames Meta-Theater.

NIGHTCRAWLER
Gyllenhall spielt den Manischen schon gut, aber die Figur selbst erschließt sich mir nicht im Geringsten. Wer ist das, wo kommt er her, warum spricht er so komisch? Man muss den Versuch wohlmöglich ehren, einen alternativen Action-Thriller zu drehen, aber nur weil er ein bisschen abgründelt ist, wird noch kein De Palma draus.

BIG HERO SIX (BAYMAX)
Putzig und modern, aber ohne Einsatz, ohne Risiko. Kurz ne Lanze für die deutsche Synchro bei Animationsfilmen. So grausig das oft bei Realfilmen ausfällt, so unpeinlich und hochmotiviert wird das für Kinder erledigt. Weil ich jetzt den Vierjährigen als neuen Kinokumpel habe, ist Schluss mit Originalversion.

SPONGEBOB SCHWAMMKOPF 3D
Auch mit dem Junior auf Deutsch gesehen, aber da sind die deutschen Stimmen in meinem Kopf eh etabliert. Als in Bikini Bottom mythologisch nicht Bewanderter für mich noch unerklärlich durchgeknallter als für SB-Fans, nehme ich an. Viel zu lang und viel zu wuschig, dann aber wiederum einfach auch ein herzliches Fuck-You an Pixar-Konventionen. Ich bin auf jeden Fall jetzt riesiger Plankton-Fan.

NONSTOP
Reaktionärer Bullshit. Langsam aber sicher ist Liam Neeson für mich erledigt.

PREDESTINATION
Sehr amüsanter Zeitreisekrimi, auch wenn er paradox und ausrechenbar zugleich ist.

Das falsche Tagebuch: 19. Februar 2015

Wenn man so wie ich die Autobiografie von einem Automanen wie Terry Gilliam übersetzt, lernt man eine Menge über die Art dieses Menschen zu denken. Man interessiert sich plötzlich nicht nur für seine Vorlieben (Lon Chaney, Harvey Kurtzman, George Harrison), sondern auch für die Denkmuster und moralischen Grundsätze und ertappt sich dabei, die eine oder andere Sentenz ungefiltert bei einem Glas Jameson an der Theke auszuspucken, und erst im Nachschreck zu begreifen, dass das eigentlich nicht die eigene Meinung war. Kurz: Gilliam macht mich wahnsinnig. Und er zwingt mich förmlich, zusammen mit ihm über den Tod nachdenken. Der Mann ist schließlich 74 und grade im letzten Kapitel schwingt ein Hauch von kalter Ewigkeit mit. Und zwar mit einer gewissen Indifferenz, das macht ihn mir auf den sprichwörtlich letzten Metern wieder sympathischer.

Neulich war ich in Rerik an der Ostsee und auf dem Weg hatte ich meine erste richtige Autopanne. Mitten in der Meck-Pomm-Pampa sagt der Motor leise Arrividerci und schon steht man mit Kind, Baby und Frau auf weiter Flur, das Auto lehnt am Straßengraben, lächerlich überbepackt für vier Tage Ostsee. Muss man auch erst lernen, das Packen als Herde. Auf jeden Fall kommt jemand von der Freiwilligen Feuerwehr Boltenhagen und schleppt uns ab und erspart uns so die kalte Stunde, bis der ADAC sich aus Rostock herunter bequemt hat. Einfach so von Wildfremden in den Arm genommen zu werden (im übertragenden Sinn) fühlt sich toll an, wie die Lösung aller Menschheitsprobleme. Was aber, hätte ich einen Turban aufgehabt oder ausgesehen wie Gerald Asamoah? Man will es gar nicht wissen. Der Ford Focus fährt wieder mittlerweile, da war ein Leck an der Kühlung vom Motor. Hätte ich gewartet, bis der Motor wieder angeht und wäre noch ein paar Kilometer gefahren – Exitus.

Das Leben mit zwei Kindern ist fantastisch, aber frisst die ganze verbleibende Zeit. Doch dann finde ich mich im Theater wieder, sehe Hamlet (bzw. Eidinger muss weg), den Prozess oder das Kalkwerk, oder sitzte nachts im Dunkeln und schaue hintereinander Better Call Saul, Justified und Walking Dead. Irgendwoher kommt doch immer Zeit, man nimmt sie sich einfach vom Schlaf weg. Ich kann kaum ausdrücken, wie glücklich (und müde) mich das macht. Dass es immer noch die Nacht gibt, die einem ganz gehört. Also fast ganz, weil die Kinder ja einem auch nachts hin und wieder an den Qualitätszeitkragen wollen.

Mir fehlt ein bisschen das Geld zum Urlaubmachen und ein bisschen das Geld zum Umziehen und ein bisschen das Geld, um nicht über Geld nachzudenken. Es wäre eine gute Zeit für ein wirklich erfolgreiches Buch, aber noch ist sicher, wo und wie und ob überhaupt das nächste erscheint. Ein Fünftel davon ist fertig, es ist eine Geschichte aus den 80ern. Über Liebe, radioaktiven Regen und das tiefe Misstrauen in die Zeit und den Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Denke ich an die Achtziger, kommt mir alles schwarz vor.

Es ist erstaunlich, wie verunsichert man schon mit vier Jahren sein kann, denke ich, wenn ich meinen Sohn anschaue. Warum beschäftigt er sich mit Traumfängern, denkt über Tod, Umzüge und Entfernungen nach, wo doch jetzt die beste Zeit ist, hirnlos mit Feuerwehr-Autos zu spielen. Ich wünsche ihm keine grüblerische Natur oder dass er Künstler wird, wirklich nicht, aber der Zug könnte auch schon abgefahren sein. Immerhin will er kein Instrument spielen und kennt mehr Superhelden beim Namen als ich.

Ich selbst bin verunsichert, was das alles soll mit den Lebensstationen. Kinder werden älter, das ist gut und schön, aber muss man denn selbst ständig gesellschaftliche Evolution betreiben? Muss man mehr Geld verdienen, öfter ins Theater gehen, elaboriertere Interessen haben, Proust zitieren oder einen Porsche kaufen? Reicht es nicht, ein bisscher netter zu sich und anderen zu sein? Vielleicht noch ein paar Western mehr gesehen zu haben? Nicht mehr so oft die Grippe zu haben?

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