Abendschule

Ausgehen bildet. Gestern habe ich gelernt, was „Scheiß der Hund drauf“ auf Isländisch heißt und es quasi umgehend wieder vergessen. Zudem habe ich gelernt, dass man sich am besten mit Dirk Nowitzki versteht, wenn man sich zwei Bierkästen unter die Füße schnallt. Schnallen ist wichtig, man will ja auch mit Herrn N. Schritt halten können. Ich habe Herrn Nowitzki gar nicht getroffen, nur jemand, der genauso groß war. Aber so funktioniert es, das habe ich gesehen. Weiterhin habe ich gelernt, dass es in Berlin ein Rabbitaxi gibt, gleichzeitig den Rekordhalter im wortkargen Navigieren. Den gegenteiligen Rekord wollen viele brechen, habe ich den Eindruck. Zu guter letzt habe ich nun hoffentlich endgültig gelernt, dass man nach einer Schnapsphase nicht mehr zu Bier zurückkehren sollte. Und ich habe heute Mittag seltsame Landschaftsaufnahmen von Oberbaum City in der Galerie meines Mobiltelefons gefunden. Den Lehrgehalt jener gilt es noch zu überprüfen!

Icelandic Road Warriors

Meine isländischen Freunde Thrandur und Ivar sind ein Magnet für Kuriositäten. So ist man stets gut beraten, sich mit ihnen zu verabreden. Wenn sie nicht gerade mit ihrem bezaubernd improvisierten (aber nicht schlechten) Deutsch jedem noch so grimmig drein blickenden Mädchen ein Lächeln und eine Zigarette abluchsen oder Iron-Man-Trinknächte initiieren, schleppen sie einen auf Konzerte von isländischen Bands und wir wissen ja nicht erst seit Björk und Sigur Ros, dass der gemeine Isländer auch musikalisch sehr speziell werden kann.

Jüngstes Beispiel dafür sah ich gestern im Duncker-Club: VONBRIGDI. Auf den ersten Blick mag das ganze etwas prollig gewirkt haben, doch schnell erschloss sich für mich ein echter David-Lynch-Zugang. Düsterer Metal, verkopft, und gleichzeitig vollkommen kopflos am Zeitgeist vorbei. Und irgendwie auch ziemlich Punk.

Der Schlagzeuger war exzellent und sein faltiges Gesicht spielte auf bizarre Weise mit dem Rotlicht zusammen, so dass er aussah, als trüge er eine Michael-Myers-Maske. Die beiden Gitarristen hatten einen Abschlag wie Pete Sampras einst einen Aufschlag, der Bassist war ein dicklicher Standmetaller mit Sonnenbrille und einem Bewegungsradius von 0,2 mm und dann gab es da noch den Sänger in Ballonjacke und Trainingshosen, der seinen Blick auch nicht einmal aufs Publikum richtete. Nicht einmal.

Emphasiert wurde die ästhetische Schräglage der Altherrenkapelle aber erst richtig durch die anwesenden Freunde und Helfer der Band. Ein hektisches Amateur Kamerateam mit Ausleuchtung und Mini-DV zirkelte 40 Minuten lang um die Bühne, während eine kreischende Anti-Björkmit neongrünen Strumpfhosen aus jeder Lage Fotos schoss oder wahlweise wie ein Derwisch über die Tanzfläche lichterte.

Kurzkritik zu Saw

Revealing mistakes: After he saws off his foot and squirms across the bathroom floor you can see the outline of his „missing“ foot in the bottom of his jeans. (Quelle: IMDb)

Das sollte in einem Fußabsägefilm natürlich nicht passieren und ist mir leider auch aufgefallen!

Going Underground

Fritte, Fritte, Fratze, bald gibt was auf die Glatze. Na, freust Dich schon Hoppelbärchen? Papa kommt wieda nach Berlin und hat ordentlich Durst.

..lautete einst ein vielversprechender, aber auch furchterregender Eintrag in unserem Online-Band-Gästebuch. Getätigt wurde er von Florian „Lobo“ Seiler und gerichtet war er an unseren netten Schlagzeughünen mit der Kurzhaarfrisur, besagten Ole. Anlass war ein Konzert im Friedrichshainer Frittiersalon, das sich quasi jetzt jährt! Damit gilt:

GRAND UNDERGROUND in der Öllaube
Going Down French Fries Style
21.05.2005
Frittiersalon, Boxhagenerstr. 104
Friedrichshain, Berlin, U5 Samariterstr.
Beginn 20:00, Eintritt: nüscht

Letztes Jahr habe ich ja noch im selben Haus wie der F-Salon gewohnt; das hatte was: vom Wohnzimmer direkt die Treppe runter auf die Bühne. Zudem war das der Abend, an dem Flo 21 (!!) Wodka Red Bull verdrückte und sich dann am nächsten Mittag auf den Rückweg nach München machte. Müdigkeit am Steuer war wohl nicht sein Hauptproblem. Was ich mit weniger WRB alles anstellte, sag ich lieber nicht. Überhaupt war das ein kurioser Abend in einer kuriosen Örtlichkeit, aber wer auf skurrile Menschen, gute Burger, laute Musik von Besoffenen, Isländer und hübsche Mädels steht, sollte dringend auch dieses Jahr vorbeischauen.

Royal Air Force Returns

Krieg

„You Germans are so obsessed with the Second World War.“

sagt die blonde Schwedin, als sie mein Spiegel-Weltkrieg-Hitler-Spezialheft auf dem Küchentisch liegen sieht. „I can’t stand it. All this Nazi shit“, fährt sie fort.

Was du heute kannst besorgen

Neue Weezer kaufen, Entzug vom Erkältungs-Nasenspray schaffen, keinen Ridley-Scott-Film mehr im Kino gucken, The Motorycycle Diaries nicht weiter empfehlen, mich bei irgendjemand für Schweden bedanken, das Wetter zur Hölle wünschen, meine Darth-Vader-Figur von Burger King auf Druckknopfmechanismen untersuchen, meinen Eltern die Fotos von ihrem parkähnlichen, wunderschönen Garten schicken, ein beeindruckendes Thai-Gericht aussuchen, das meine Kochkünste nicht übersteigt, jemand ganz entwaffend ehrlich anlügen, mich nicht von dem Bürowahnsinn in den Irrsinn treiben lassen, T.B. ignorieren oder wegkloppen, den Gig im Frittiersalon eintüten, mich bei irgendjemand für Berlin bedanken, schlafen, schlafen, schlafen.

Dear Munich

München ist synonymisch mit Sommerabenden für mich. Eingebrannt für Dekaden: Freitag Abend, nach einer Woche voller Workflow-Repressalien: Auf der Bierbank sitzend, die Beine im Wasser. Freunde, lauter laute, gemütliche Freunde. Zigaretten, Bier und Tätowierungen im Unterhemd. Die Jeans in Fetzen. Auf dem Weg zurück in die Stadt entfernen sich die Lichter des Sees. Der kurze, angetrunkene Weg zurück zur Münchner Freiheit. Vorbei an der toskanischen Villa, die es so nicht mehr gibt und eigentlich eh nur in meiner Vorstellung gab.

Dann einbiegen in die Wilhelmsstraße, wo schon ein blondes Mädchen vor meiner Haustür wartet, ebenfalls in Unterhemd und Jeans. Mit ausdruckslosen, aber großen Augen. Ich, willenlos und gleichgültig, hineinrumpelnd in die Münchner Nacht. Wo aufgeben noch ungefährlich war.

Jetzt ist es anders. Die pittoresken Verlockungen eines Stein gewordenen Stadttraums lassen mich kalt. Den Ostwind hab ich im Parka und den kriegt auch kein Fön mehr raus. Jetzt kann man sehen, wie es wirklich ist. Chancenlosigkeit und Pechsträhnen werden einem dort kaum verziehen. Die Eiscreme ist die beste, die Mädchen die gepflegtesten und die Italiener sind echt. Aber der Peer-Pressure in Sachen heiler Welt ist zu groß. Ich arbeite unter Hochdruck daran, einmal die Kriterien für eine Rückkehr zu erfüllen. Ob ich dann auch zurückkehre, steht auf einem anderen Blatt.

Inspiriert von Rebellen ohne Markt.

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