Standup Hangover Poetry

Wenn ich von Wirt zu Wirte reise
Um mich schimpflich zu betrinken
Ist auf die eine oder andre Weise
Mein Schiff meistens am sinken

Doch kein Malheur steht bitterlich
Am Ende solcher Nächte
Denn trink ich, bin ich ritterlich
Und von keinem Leid zu knechten.

Des Frohsinns fette Beute
Inmitten wahnsinniger Leute
Was lange gärt, wird endlich gut
Der Gerstensaft, er gibt mir Mut
Das Grauen zu ignorieren
Und zwar mit Manieren

So trink ich an und trink ich ab
Bleib ständig auf, doch manchmal knapp
Bei Kasse denn im Wein
Liegt nicht nur Wahrheit sondern Pein.
Gar Köstliches, das kostet
Wenn man damit prostet.

So much for playing live

Ausser Spesen nix gewesen, Herr Aström. Ich muss leider sagen, dass ich selten auf einem zäheren Konzert gewesen bin. Kristofer Aström mit Akustikgitarre kann ja schon langatmig geraten, aber mit Band driftet der Gute leider völlig in die Belanglosigkeit ab. Da hilft auch die kleine Britta Persson mit dem hübschen Stimmchen nicht, von der ich sagte:

„Süß, wie die so unbeholfen auf der Bühne steht.“

Darauf ein Freund: „Wir finden das süß, weil wir das so gewohnt sind in diesen Clubs. Eigentlich ist das Psycho.“

Zurück zu Krissy Aström. Der mag ja ein guter Songwriter sein, aber mit dem Charisma eines Bahnschaffners kann man das halt nicht so dolle vermitteln. Und auch das aktuelle Album „So much for staying alive“ ist seltsam emotionslos geblieben. Sogar das unglaubliche „The Wild“ vom Vorgängeralbum „Loupita“ hat man für die neue Platte vollkommen gefühlsbereinigt. Somit blieb an dem Abend ein akutisches „All Lover’s Hell“ als Zugabe mein einziger, schwacher Trost.

Und anschließend: Seid ihr wahnsinnig, ihr zwanzigjährigen Zombiemädchen? Mit Infrarotlampen im Magnet den Traumtyp suchen? Benehmt euch.

How happy you made me, oh Grandy

Anlässlich des am Samstag stattfindenden Konzerts im Frittiersalon, erinnere ich mich gerne an Anekdoten, die ich mit meiner alten Band Grand Underground. This one’s for you Ole & Flo (vor allem nachdem Ole mich gemahnt hat, ich solle mehr schreiben):

These boots are made for stalking

Es leben die Auftritte im Orange House, wo man sich vor Suff und Weibern nicht retten kann. Zumindest hat es sich immer so angefühlt. Besonders beim zweiten Mal waren wir rabendicht wie nie zuvor. Dann „Royal Air Force“ mit 5minütigem Feedback-Intro, braucht eigentlich niemand. Eine toxische Improvisation, die durch Oles Einstieg dann in alle Einzelteile zerbombt wurde. Mann, Mann, Mann, das war auch der Tag, an dem ich acht Paracetamol genommen hatte. Drei Tage vor meinem Umzug nach Berlin. Vielleicht der beste Auftritt.

Schön auch die Wochen in denen wir in Garching Rock City anfingen, auf den Proben zu saufen wie blöde. Plötzlich gab es Songs: Feel Flows, Royal Air Force und Lead The Way.

Ich sehe Flos abwesendes Gesicht, Schweißperlen auf seiner Stirn und ich merke: Der Typ spielt gerade einen anderen Song in einer anderen Band. Aber live immer ein Fels in der Ablaufbrandung. Obwohl, da war doch dieser Auftritt in Straubing. Weniger quatschen, besser spielen, sagte ich damals gemeinerweise nach dem Auftritt zu ihm, weil er schlimme Ansagen gemacht hatte. Flo verschwand in die Straubinger Nacht und kam lange, lange nicht zurück.

Gerne würde ich auch mal wieder für umsonst und ohne Publikum in der Hamburger Honigfabrik spielen und mein Bier selbst zahlen müssen. Aber nur mit Sub—Zero. Die Bindestrich-Band.

Es ist erwiesen, dass wir letztes Jahr im Rosi’s gespielt haben. Ich kann mich leider nur an kein einziges Detail erinnern.

Mann, was waren wir schon immer scheißpathetisch und besoffen bei den Schlußparts von „Day In The Waves“ und „Dear Munich“. Ich vor allem. Ich geb’s ja zu.

Die Gesangsaufnahmen zum ersten Demo fallen mir ein: Mayer off the hook. This guy is out of control, haben sie gesagt. Whiskey-Cola-aus-Dosen-Phase.

Mensch, Bandmitglieder, ultrasorr, aber ihr habt die gesamten Pam-Wars mitdurchleiden müssen. Nicht nur in meinem Gesabber, sondern auch noch in meinen/unseren Songs.

Ich würde auch gerne mal wieder mit dir, Ole, im 2-Stunden-Stau zwischen Garching und Ismaning (5 Kilometer) stehen.

Und so’n 60-Dezibel-Bürgerfest-Schrott machen wir auch nicht mehr. Laut und abgefuckt. Sonst nichts mehr.

Sommer 03, kurz vor meiner Abreise aus München: Schwitzen wie ein Schwein. Vier Gitarrenwände um jeden Song rum bauen und dann bei Ole auf’m Balkon Frühlingszwiebel und Wurst essen, right above Ali Khan and his Dünnschiss-Killertöle.

Und unvergessen: Flos und Oles erstes Bandwochenende in Berlin. Party in der Oderberger. Ich total neben die Spur geraucht, mit sich langsam ausbreitenden Ästen in meinem Körper. Ich unter’m Küchentisch. Die Süddeutsche Zeitung küssend. Ei, ich habe gebetet, ihr kommt so schnell nicht wieder nach Berlin.

Dieser Videodreh. Ich will kein Rockstar werden. Nein. Null Grad im T-Shirt und 180x die gleiche Einstellung. Nicht mein Ding. Resultat aber sehr gelungen.

Ich alter Choleriker. Was hab ich schon rumgemotzt, bis keiner mehr Lust hatte, auch nur einen weiteren Song zu proben. Mittlerweile taoistischer unterwegs.

Peinlich war mir damals ein wenig das mitreisende Kamerateam. Ich dachte, face it, wir sind ne Nullnummer. Wozu die Kameras? In Wirklichkeit waren das nur deine Groups, Flo! Stimmt’s?

Als wir anfingen, spielte Ole, in Kreisen auch bekannt als Australian Invader, seltsam tranquil Schlagzeug. Das hat uns gestört. Erst als er sein dämliches E-Drum verkaufte und sein Geld in Augustinerkästen steckte, wurde es wieder besser.

Im Endeffekt haben wir es ganz schön schleifen lassen. Und lassen es immer noch. Wir sind faul, monothematisch und uninspiriert und wohnen zu allem Überfluss in unterschiedlichen Städten. Aber wir sind eine Familie. Und wir haben den Rock. Und wir können mehr saufen als die anderen. Viel mehr. Beware. Grandy’s not dead.

A day in the waves a day in the sand. A day to make you mine. And one to let you go. I love it when you say no.

The Soundtrack After

Komme gerade aus Star Wars Episode III und muss berichten: Film ordentlich, Publikum handzahm. Auf dem längeren Fußweg nach Hause dann Ipod gehört und folgende After-Star-Wars-Top-5 ermittelt. War aber eher in friedlicher Obi-Wan-Laune. Also keine imperialistischen Industrialklänge.

1. Sun Kil Moon – Gentle Moon
Fließt so dahin. Trägt einen übers Trottoir wie ein Gleiter über Tatooine.

2. The Cardigans – You’re The Storm
Wenn Frau Persson singt, dass sie mit Pauken und Kanonen erobert werden will, wär man gerne der Klonkrieger der ihre Separatisten-Armee zerschlagen darf.

3. Ryan Adams – Do Miss America
Mit der Schönsten, aber Traumatisierendsten rummachen. Muss hin und wieder sein. Die dunkle Seite der Macht sollte man wenigstens mal gesehen haben. Sagt auch Darth Sidious.

4. Denison Witmer – 22
„You’re the talk of the town. When the talk is gone, I don’t know what to do.“ So long, Herr Vader. Nett war’s mit Ihnen all die Jahrzehnte.

5. Fountains Of Wayne – Leave The Biker
Immer passend, wenn du findest, dass die Senatorin mit einem sabbernden Idioten zusammen ist. Siehe Padme mit Anakin oder Leia mit Yabba The Hut.

Mein Karneval der Kulturen

Man musste mich nicht einmal breitschlagen, um dort hinzugehen. Ich war breit und willenlos genug aus der vorangehenden Nacht. Zunächst einmal transportierte die U1 mich und meine Reisegruppe statt zur Möckernbrücke einfach in die andere (meiner Ansicht nach falsche) Richtung, nämlich Warschauer Str. Nach einem windigen Fußmarsch zurück zum Kottbusser Tor nahmen wir dann die echte U-Bahn gen Südstern. Dort erlitt ich bereits meinen ersten Orientierungsverlust. Gestapelte Menschen lösen das bei mir aus.

Schließlich folgten wir dem Umzug und dabei offenbarte sich folgende Crux: Da wir einerseits überwiegend in Bewegung blieben, andererseits aber manchmal kurz innehielten, um ein Bierchen zu trinken, erreichten wir ziemlich präzise die Taktung derselben drei Wägen, die uns (oder wir sie) die nächste Stunde gnadenlos begleiteten. Dabei handelte es sich um einen „Jesus ist auferstanden“ Wagen mit singenden Sozialpädagoginnen, einen mit einer Tarantel dekorierten Truck mit keiner von mir decodierbaren Message und der dritte war so ein Gospel Ding. Noch bizarrer als den Umzug fand ich aber die Tatsache, dass mir ständig Bekannte über den Weg liefen. Und zwar zielgenau jene, die man weder beim Karneval noch im echten Leben treffen will.

Den fatalsten Fehler des Tages beging ich allerdings, als ich versuchte, meine kleine Reisegruppe über die Blücherstrasse gen Kirche aus der kulinarischen Straßenschlacht rund um den Blücherplatz hinauszulotsen. Vierzig Minuten dauerte der Kampfeinsatz und ohne eine Steakbrötchenpause hätte ich die Tour De Force wohl nicht durchgestanden. So lange für eine so kurze Strecke habe ich zuletzt beim aufs Klogehen am Oktoberfest gebraucht. Und die Analogie ist begründet.

Irgendwann standen wir vor dem für mich exotischsten Element des Tages: Der Kneipe von Pornoschauspielerin Molly Luft. Wusste nicht, dass es die gibt. Die Dame hat auch noch selbst bedient.

Tanzschule

Es dürfte schon halb sechs gewesen sein, als wir das Mädchen auf der Tanzfläche vom Bassy gesehen haben. Ich habe sie gefragt, wo sie hin will und sie hat uns mit ins Kaffee Burger genommen. Es muss wohl eine dieser unsäglichen Russendiskos gewesen sein. Das Publikum war verroht, die Musik Ethno für Halberfrorene und überhaupt war der Laden von Primaten besetzt, nur vereinzelt gesellten sich Gepielinnen dazu, die sich für einen „krassen“ Abend im Burger mal wieder zu ihrem ausgewaschenen mittelkleinen Schwarzen überreden hatten lassen.

Inmitten dieser tristen Boheme tanzte aber dieses Mädchen und ein dauerhaftes Lächeln hatte sich auf ihrem Gesicht niedergelassen. Keins dieser Happy-On-Drugs-Grinsen und auch kein Hasch-mich-ich-bin-die-Prinzessin Smiley. Es war der pure Spaß am Tanzen und am Ausgehen. Klar machte sie die Neandertaler verrückt, klar fanden wir sie auch nicht unattraktiv, aber darum ging es nicht. Es war einfach nur ein Vergnügen, sie den Laden aufmischen zu sehen.

Viel hat sie nicht geredet und viel wollten wir auch nicht wissen. Wenn mich mein alkholgelöchertes Gedächtnis nicht im Stich lässt, war sie Sozialpädagogin und gerade von einem missglückten Berufsstart in einem Schweizer Kaff zurück nach Berlin gekehrt. Entscheidend war ihr Tanz. Bescheiden, lächelnd, rhythmisch en point, präzise die Armschwünge und doch leicht und bekömmlich wie Actimel.

Abendschule

Ausgehen bildet. Gestern habe ich gelernt, was „Scheiß der Hund drauf“ auf Isländisch heißt und es quasi umgehend wieder vergessen. Zudem habe ich gelernt, dass man sich am besten mit Dirk Nowitzki versteht, wenn man sich zwei Bierkästen unter die Füße schnallt. Schnallen ist wichtig, man will ja auch mit Herrn N. Schritt halten können. Ich habe Herrn Nowitzki gar nicht getroffen, nur jemand, der genauso groß war. Aber so funktioniert es, das habe ich gesehen. Weiterhin habe ich gelernt, dass es in Berlin ein Rabbitaxi gibt, gleichzeitig den Rekordhalter im wortkargen Navigieren. Den gegenteiligen Rekord wollen viele brechen, habe ich den Eindruck. Zu guter letzt habe ich nun hoffentlich endgültig gelernt, dass man nach einer Schnapsphase nicht mehr zu Bier zurückkehren sollte. Und ich habe heute Mittag seltsame Landschaftsaufnahmen von Oberbaum City in der Galerie meines Mobiltelefons gefunden. Den Lehrgehalt jener gilt es noch zu überprüfen!

Icelandic Road Warriors

Meine isländischen Freunde Thrandur und Ivar sind ein Magnet für Kuriositäten. So ist man stets gut beraten, sich mit ihnen zu verabreden. Wenn sie nicht gerade mit ihrem bezaubernd improvisierten (aber nicht schlechten) Deutsch jedem noch so grimmig drein blickenden Mädchen ein Lächeln und eine Zigarette abluchsen oder Iron-Man-Trinknächte initiieren, schleppen sie einen auf Konzerte von isländischen Bands und wir wissen ja nicht erst seit Björk und Sigur Ros, dass der gemeine Isländer auch musikalisch sehr speziell werden kann.

Jüngstes Beispiel dafür sah ich gestern im Duncker-Club: VONBRIGDI. Auf den ersten Blick mag das ganze etwas prollig gewirkt haben, doch schnell erschloss sich für mich ein echter David-Lynch-Zugang. Düsterer Metal, verkopft, und gleichzeitig vollkommen kopflos am Zeitgeist vorbei. Und irgendwie auch ziemlich Punk.

Der Schlagzeuger war exzellent und sein faltiges Gesicht spielte auf bizarre Weise mit dem Rotlicht zusammen, so dass er aussah, als trüge er eine Michael-Myers-Maske. Die beiden Gitarristen hatten einen Abschlag wie Pete Sampras einst einen Aufschlag, der Bassist war ein dicklicher Standmetaller mit Sonnenbrille und einem Bewegungsradius von 0,2 mm und dann gab es da noch den Sänger in Ballonjacke und Trainingshosen, der seinen Blick auch nicht einmal aufs Publikum richtete. Nicht einmal.

Emphasiert wurde die ästhetische Schräglage der Altherrenkapelle aber erst richtig durch die anwesenden Freunde und Helfer der Band. Ein hektisches Amateur Kamerateam mit Ausleuchtung und Mini-DV zirkelte 40 Minuten lang um die Bühne, während eine kreischende Anti-Björkmit neongrünen Strumpfhosen aus jeder Lage Fotos schoss oder wahlweise wie ein Derwisch über die Tanzfläche lichterte.

Kurzkritik zu Saw

Revealing mistakes: After he saws off his foot and squirms across the bathroom floor you can see the outline of his „missing“ foot in the bottom of his jeans. (Quelle: IMDb)

Das sollte in einem Fußabsägefilm natürlich nicht passieren und ist mir leider auch aufgefallen!

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