‘Texte’

Redaktionskonferenz

Burnster: Also, los gehts. Wer ist anwesend? Guillaume, Burns, Berni und Lex. Sehr gut. Es wird Zeit, sich mal wieder zusammenzusetzen und ein wenig zu sinnieren, wohin uns unser redaktioneller Weg führen soll. In letzter Zeit benimmt sich unser kleines Online Magazine zu wenig teleologisch. Ich will eure Ideen, eure Visionen hören. Du fängst an, Guillaume. Schließlich bist du grade erst neu eingestellt worden. Da erwarte ich mehr Engagement als von alten Säcken wie Berni oder Lex.

Guillaume: Mir doch natsche, Chef. Es kann einfach nicht angehen, dass die Uhren in New York sich verstimmen, nur weil sie gerade Bolz drauf haben. Ich nehme einen Vollbart bei Lohnschein, also raus mit den Kosacken. Kopfgeld pro Meile, wenn du verstehst, Chef.

Burnster: Das gefällt mir in Ansätzen ganz hervorragend, Guillaume. Wie steht’s mit dir, Burns?

Burns: Da weiß ich doch schon wieder, woher der Wind weht. Guillaume hält sich für den Könner hier mit seinem Neusprech. Wenn der Kryptikkrüppel auch nur einen Cent mehr verdient als ich, bin ich raus!

Berni: Jetzt hört doch bitte auf, euch zu zerhacken. Ich habe einige interessante Beiträge in petto. Habe alte Tagebucheinträge rausgesucht und sie zu einer Art Kurzgeschichte zusammengeflochten. Es behandelt die Zeit, in der ich mit…

Burnster: Das kannst du dir abschminken, Kollege. Dein zimperlicher Poesialbum-Ansatz reiht uns doch nur in die endlose Liste weinerlicher Egoblogs ein. Denk dir was über Ficken aus, empirisch gibt’s ja nichts bei dir. Wir brauchen mehr Sex im Blatt. Bei den anderen sorgt das immer für massig Kommentare.

Lex: Entschuldigung wenn ich mich hier einmische, aber wir als Akademiker, Guillaume ausgenommen, sollten einen gewissen Bildungsauftrag wahren. Dieser leicht sarkastische Lokalkolorit inklusive der possierlichen Regionalismen jüngst – das hat mir gefallen. Lassen Sie uns eine Exkursion nach Bayern machen, Herr Burnster und wir sammeln linguistische Eindrücke und präsentieren sie dem nordisch unbedarften Publikum.

Burnster: Ausgezeichnet, Lex. Burns, besorg uns für das kommende Wochenende einen Flieger nach München. Business Class, bitte. Diese verhurten Economy-Sitze schneiden mir die Luft aus den Rippen und ich muss zudem ständig durchs ganze Flugzeug laufen, wenn ich biseln will. Sieh zu, dass es Bloody Mary an Bord gibt. Und mach doch bitte die Musik leiser.

Burns: Jawohl, Chef. (leise: Arschloch)

Burnster: Gucken wir uns doch mal die Konkurrenz an. Was machen die besser als wir? Was brennt bei denen? Bei wem gehen die Leser richtig steilo? Spreeblick lassen wir mal außen vor. Das ist Establishment. Da wollen wir erst in fünf Jahren sein.

Berni: Der Mac Winkel hat total viele Leser. Ich vergönn’s ihm. Hat was Revuehaftes, seine Berichterstattung.

Burnster: Gut, aber wir haben hier niemand mit einer derartig mannigfaltigen Persönlichkeit. Wie stehts mit Ole aus Absurdistan?

Lex: Also, der Bursche gefällt mir sehr gut. Ein Sprachjongleur, ein Belesener, ein Interessierter und im Grunde seines Herzens ein melancholischer Humorist der alten Schule. Der Mann kennt seinen von Bülow.

Burnster: Righty. Aber zu verkopft dürfen wir nicht rangehen. Burns, bring dich doch mal ein, du faules Ei!

Burns: Machen wir halt was mit Weibern wie Schröder!

Guillaume: Kaftan! Du nagelst den Tristan auf den Punkt.

Burnster: Pianissimo, Kollegen.

Lex: Ich weiß nicht, ob wir uns auf ein derartiges Niveau begeben sollten. Berni, sag doch was dazu.

Berni: Ich hab noch diese schönen Schwarzweißphotos als ich damals mit XXXX an der Isar entlang…

Burnster: Dich und die Alte will keiner sehen. Steck dir die Bilder ins Portemonnaie. Lex, Politik?

Lex: Hmmm…., warum nicht, es ist ja auch grade Wahlkampf. Und ich biete mich als Kolumnist und Essayist geradezu an.

Berni: Aber Politik ist so schrecklich unemotional. Ich würde gerne mehr über Musik schreiben. Aber leider werde ich nicht bemustert und es ist nie genug Handgeld zum CD-Kaufen im Haus.

Burnster: Kauf dir deine CDs gefälligst selbst, du Geizkragen. Mir ist das schon wieder zuviel Geblubber hier. Ich mach mal Nägel mit Köpfen: Weniger Tagebuch, weniger Heulen, weniger Metablogging. Mehr Photos, mehr Sex, mehr Lokalkolorit, mehr Weltabgewandtheit, und selbstverständlich mehr Guillaume.

Guillaume: Saprang! Ich memme dich, Chef!

Guillaume Burnaud vs. Geland Bärenfelder

„Du bist mir ja ein mächtiger Glückskekssprücheklopfer!“, feuerte mich Bärenfelder an.
„Geh schneien, oder ich hol dir die Grippe!“, spritzte ich zurück.
„Wenn du auf Dreck bist, bin ich dein Wahn“, muffte er mich an.
Jetzt war ich wieder an der Grundlinie: „Ich spitz dich ungerammt in den Hosenboden!“, gärte ich.
„Hummelfack, du mystischer. Ich geb dir Saures mit der Milchgabel“, retalierte er.
Jetzt stand ich mit den Krücken zur Bank und mir blieb nur noch ein ungezähmtes:
„Saufratz, windiger, dich blas ich zurück in den Kreidekreis.“
Bärenfelder war beeindruckt. „Zwei Korn drauf“, motzte er den Barpendler an.

Ich schneuzte in meinen Windbeutel und übergab ihn an Cha-Cha-Cha. „Hier, behalt mal“, wies ich sie drüsk an aber sie weidete sich nur gretzend an der Verzichtbarkeit meiner Anwesenheit. Wir hatten schon bessere Pleiten gesehen, ich und Judge Norris.

„Was ist jetzt mit dir, du Holzbandit?“, feuermeldete sich Bärenfelder.
„Ich trink den Popanz, aber als du noch ein Piefke ohne Punkt und Komma warst, haben wir uns echten Mumpitz eingefloskelt.“
„Rialto, rialto, Guillaume. Ich rekapituliere: du hast damit angefangen.“
Ein fairer Bug von Bärenfelder, einfach so Schwein beizugeben. Für heute hatte ich genug gekekst und mit mehligen Augen begab ich mich auf den Scheinweg.

Faust auf Faust, hart ganz hart

North Beach

Hier gibt es kein Wasser, hier gibt es kein Meer. Hier gibt es nicht einmal Sand. Hier gibt es nur Straßen und Häuser. Das hier ist der Nordstrand.

Hier liegen wir nicht in Liegestühlen, hier trinken wir keine tropikalen Getränke. Hier wird nur Bier und Wein gesoffen. Das hier ist der Nordstrand.

Hier ist das Trottoir unsere Promenade, hier kommt die Flut in den Straßen. Hier spült es die Leute an. Das hier ist der Nordstrand.

Hier schlagen wir hohe Wellen. Und hier holen wir uns einen Sonnenbrand. Hier sind wir Urlauber und Anwohner zugleich. Das ist hier ist der Nordstrand.

Hier herrscht ein ewiger Sommer und hier klingt „Caroline No“ bis lange in die Nacht hinein. Hier auf dem Asphalt promenieren wir, die strandaffinsten Menschen ohne Meer. Das hier ist der Nordstrand.

I wish they all could be macedonia girls.

I wish they all could be macedonia girls

Ein Gespenst geht um

„Wir haben nichts zu verlieren, ausser unsere Ketten. Aber eine Welt zu gewinnen.“ sagte Martha und sah Samuel dabei halb belustigt, halb auffordernd an. Samuel fuhr sich nervös durch die Haare. Wie konnte sie sich darüber lustig machen? Es stand doch außer Frage, dass sich etwas ändern musste. Sie hatten sich bekriegt und sich fast umgebracht, sie hatten sich totgeschwiegen und sich die Abwesenheit des Anderen schön geredet. All das hatte sie nur wieder an ihren Ausgangspunkt geführt. Den Punkt, an dem es kein Vorwärtskommen gab, aber den immerhin zu zweit. Martha boxte ihn auf den Arm, während er das Auto weiterhin durch die schwarzwerdenden Straßen lenkte.

Sie war wohl wegen ihm gekommen. Natürlich hatte er das gewollt. Natürlich hatte er das veranlasst. Doch jetzt fühlte er sich gelähmt von dem Gift ihrer Erwartung. Sie boxte ihn nochmal auf den Arm, mehr fordernd als spaßig. Er fühlte sich unsicher und das was er an ihr immer so bewundert hatte, ihre bedingungslose Hingabe an eine Aufgabe, war ihm jetzt unheimlich, wenn nicht sogar unsympathisch. Er verschmähte es, seine Ansichten und Absichten zu verheimlichen, aber ein erneuter Umsturz musste klamm und heimlich verlaufen. Sie durfte es kaum merken. Er würde sie erneut zurücklassen müssen mit ihren Plänen und ihrer organisierten Gewalt. Innerlich schrie er auf wie das Land und die Straßen, durch die er das Auto lenkte.

Even if we\'re just dancing in the dark

Die Abenteuer des Guillaume Burnaud

Wummsen. Konnte mir das Siechtum nicht verkneifen, als ich die höhensonnende Guernica Rodriguez in die feisten Bermudashorts kniff. Patschamp! Was hatte diesem Fass nur den Boden ausgeschlagen? War es der Wind in den Weiden oder der Hund von Baskerville, war es der Mann ohne Eigenschaften oder der Hauptmann von Köpenick? War es der Extraterrestrische oder das Bildnis des Dorian Gray? War es jemand aus Mickey’s Gym oder schon wieder Colonel Trautmann? Die Lösung spuckte mir schemenhaft in die Suppe als ich sträflich vernachlässigte Kreuzigungen aus dem Reader’s Digest erfahren musste und deshalb eine Viertelstunde zu spät zum Sickness-Training kam.

Roibusch! Der Sommer ließ zu fluchen übrig. Ich wünschte mir einen Schlauch voller Kadaver und eine Luftpumpe mit Erdbeerbrei. Natürlich wird Kryptik überbewertet aber unter solchen Urnständen blieb der Gang in die Gruft auch nur denen erspart, die ihr Girokonto bei Gott abgeschlossen hatten.

Detzelwetzel! Der Silberaffe zu meiner linken hatte mir den letzten freien Stuhl auf meiner Kondolenzreise nach Jerusalem weggeschnappt. Wie einst der Schwarzenbeck warf ich meine Warzen weg und der Affe war im Nu der Adlatus eines porentiefreinen Advocatus Diaboli. Apropos! Erst gestern bin ich nochmal diesen Vertrag mit Hephaistos durchgegangen und er meinte: Gute Arbeit, mein Junges, du musst noch viel lernen bevor der Hammer hängt. Das hat mich beruhigt und ich fühle mich gewappnet für die Zigeuner aus der Walachei, die mit ihren Stechsensen die Gegend einräuchern. Jedes Jahr die gleiche Nappelschau.

Schabb! Meine Freundin Cha-Cha-Cha Garbo ruft auf dem tellergroßen Telefon an und bezirzt mich bis ich gegen einen Greis laufe, der sich mit einer Kreislaufschwäche bedankt. Gern geschehen sind auch die letzten Tage in denen sich alles nur um das eine gedreht hat. Den verdammten Glospaccio-Regress-Plan. Die grüne Hölle von Brabang, wie könnte ich sie jeh vergessen?

Die gruene Hoelle von Brabang

Cortez The Killer

Im Traum ist sie mit mir die Küstenstraße hinuntergefahren.

Ich war noch nicht ganz bei Kräften und war zu müde um zu widersprechen. So nahm sie mich mit auf dem Gepäckträger meines Fahrrads. Es ging gen Abend und es hatte eben noch geregnet. Die Straße schimmerte feucht und die Scheibenwischer der entgegenkommenden Autos waren noch in Betrieb. Sie fuhr sehr schnell, zu schnell für meinen Geschmack und es schien mir unvermeidlich, dass wir aus einer der nächsten Kurven flogen. Doch ich war zu müde, um ihr nicht zu vertrauen.

Rechts lag ein verlassener, zertrampelter Strand, links thronten die alten Villen, eingekesselt vom triefenden Grün der nassen Bäume und Sträucher. Alles tropfte, alles verlor Wasser an diesem unerwartet kühlen Sommerabend.

Sie fuhr, raste unbeirrbar, ohne auf mich zu achten. Ich hielt mich am Gepäckträger fest und gab mir Mühe, nicht zu zweifeln oder wahlweise, nicht einzuschlafen. Irgendwann kam diese langgezogene Linkskurve und sie wurde ihrer nicht Herr. Ich fürchtete, wir würden einen dieser hölzernen Straßenpfeiler rammen, doch wir rollten geradeaus weiter, sanft aus, ins Gras, wo sie meinen vorwurfsvollen Blick nur mit einem spöttischen Lächeln quittierte. Wir stiegen wieder auf und ich wusste, dass es jetzt anfing.

And I know she’s living there
And she loves me to this day
I still can’t remember when
Or how I lost my way.

(„Cortez The Killer“, Neil Young)

On the shore lay Montezuma

.. e un mezzo litro di acqua minerale frizzante

„Hey Lyla“, ächzt der gute Liam aus den schwachbrüstigen Boxen des Strandcafes. Die zweite Cappuccino-Runde beginnt mit einem Fehlstart. Der Wind vertreut das Schokopulver, das ich auf dem sittsam in sich zusammenfallenden Schaum verstreuen will und bläst es mir auf meinen Arm, wo es sich mit Hawaiian Tropic Oil und Sandkörnern vermengt.

Im Grunde genommen unterhalten wir uns jetzt seit Tagen nur über Frauen und Fußball. Hin und wieder über die Cops am Strand und den Kollegen Schönfärber. „Hey Lyla“. Manchmal auch über Musik. Und wir imitieren Leute. Arbeitskollegen, den Beckenbauer, den Grönemeyer, den Grünwald, den Kahn etc. Und wir schimpfen und fluchen, was das Zeug hält, wenn uns danach ist. Und dazwischen immer wieder dieser unbedingte Wille zum Überleben. Nicht mehr ein zwanghaftes Übersichselbsthinauswachsen wie all die Jahre zuvor, sondern ein konzentrierter und logistisch ausgefeilter Überlebensplan, der auch Dolce Vita beinhaltet. Als ob wir die Gefahren des Alltags durch eine gute Strategie fernhalten könnten. Durch den einen guten Plan, den wir uns ausdenken.

Und mir fällt auf, dass ich keine Angst mehr habe, eine Schneise durch die Scheiße zu schlagen. Einen Weg durch die Irren mähen. Die Melancholie vergangener Tage verdampft zusehends mit jedem weiteren Monat. Wir werden nicht als gefühlsarme Menschen enden. Aber vielleicht hören wir auf emotionale Hypochonder zu sein und lassen noch andere in unsere Arche.

„She rings the bell for all the world to hear“, singt der Liam über eine Begegnung. Meine Metaphern werden noch viel ärmer ausfallen, wenn es mal soweit ist. Signora, il conto per favore. Wir stehen auf und gehen zurück ans Meer, wo wir nach kurzer Zeit anfangen, über Frauen und Fußball zu reden und über den Kollegen Schönfärber.

Die Hölle

Ein Penthouse in der Gleimstrasse. Eigener Aufzug. Schon ist man im Herz eines innenarchitektonischen Showcase. Die Gastgeberin wird vierzig. Ihr Vater hat die Intervalle der Power Point Präsentation bis ins Unerträgliche langgezogen. Jedes Kinderfoto drei Minuten. Viel zu viel Zeit für Schnippisches. Der DJ trägt einen türkisen Anzug und die Musik einen langen, langen Bart. Im Catering der Sohn des Hauses, zu seinen Diensten das Britpopmädchen aus Rostock, die mich aus dem Magnet kennt.

Überhaupt der Satz der Saison: „Ich kenn dich von irgendwoher.“ Eigentlich mein Text, wenn mir gar nichts mehr einfällt. Wer einen schon aller gesehen haben will. Und wo überall. Man sagt mir nach, ich tanze gern auf mehreren Hochzeiten, doch man überschätzt mein Makeltalent. Die Drinks sind gut. Die Badewannen zahlreich. Das Chemofeuer in mir lässt mich ziemlich unreflektiert über Sex erzählen. Man ist ja unter sich, denkt man fälschlicherweise unter Chemikalien. Man ist nie unter ich. Das geht rein technisch gar nicht. Das Licht wird gedimmt und die Leute sind betrunken genug zum engtanzen.

It’s raining men, halleluja, it’s raining men, every specimen.

Ich würde lieber „Raining Blood“ hören.

Man beginnt, sich zwangsweise für einander zu interessieren und hört: „Sie ist offen für alles. Und das ist übrigens ihr Verlobter.“ Als die Chemoflammen sich an meinen Beinen höher fressen, fängt es an, mir in der Ironiehölle zu gefallen. Gefährliche Aussöhnung mit dem Klassenfeind. Die Gastgeber sind plötzlich nette Leute. Das lässt sich selbst mit Gewalt nicht mehr leugnen. Und ich bin mittlerweile gerne hier und auch der Jüngste, vom Junior und dem Britpopmädchen mal abgesehen. Ich versuche einen unbemerkten Augenblick lang, an was Tristes zu denken, an etwas Unpassendes, an etwas, das mich von der guten Stimmung fernhält, aber es fällt mir nichts ein.

Kurz vor Feierabend

Die Sonne glitzert auf dem Trottoir, während Mütter ihre Babies in Kinderwägen darüber schieben. Es tummeln sich diverse Helicopter am Himmel und fast meint man, paradenhafte Reihungen zu erkennen. Erstaunlich viel Polizei fährt durch die Stadt und die türkischen Obst- und Gemüseverkäufer sind heute ausnehmend freundlich.

Er joggt aus der domestizierten und saftigen Einkaufsstraße hinaus in ein ausgetrocknetes Flussbett aus Industrie und zerklüfteten Straßenzügen. Selbst hier draussen ist die Spannung aus der Innenstadt noch zu spüren. Der Asphalt erwärmt sich langsam und eine kommende Überhitzung lässt sich bereits am frühen Vormittag prognostizieren. Es sind nicht mehr viele Tage bis zu seinem Urlaub. Eine Unterbrechung seiner Lebensroutine käme ihm nicht sonderlich gelegen.

Drinnen in der Stadt hisst man die Flaggen an den Regierungsgebäuden wie für hohen Besuch. Man muss kein Medium sein, um zu merken, dass heute ein besonderer Tag ist. Im Fernsehen laufen kurze Beiträge über Schimpansen und Giraffen.

Er beeilt sich, um wieder in seine Wohnung zurückzukehren. Es gibt noch so viel vorzubereiten, so viel aufzuräumen. Er sieht Nachrichten, aber unkonzentriert und fetzenhaft erfährt er von irgendeiner Parade. Es ist noch so unerträglich lange bis heute Abend und doch so wenig Zeit bis dahin. Sirenen tönen von draussen in sein Appartement.

Währenddessen sitzt sie schon im Auto und denkt an die eiskalte Nacht, in der er sie angesprochen hatte. Sie hat ihm erst gestern gesagt, dass sie kommt. Ob er wohl wieder versuchen wird, sie zu küssen? Wird sie wieder nachgeben? Sicher, aber erst kurz bevor er aufgibt. Ganz kurz vorher. Eine Sekunde.

(frei nach „Driving In The Dark“ von Saves The Day)

Was du heute kannst besorgen

Neue Weezer kaufen, Entzug vom Erkältungs-Nasenspray schaffen, keinen Ridley-Scott-Film mehr im Kino gucken, The Motorycycle Diaries nicht weiter empfehlen, mich bei irgendjemand für Schweden bedanken, das Wetter zur Hölle wünschen, meine Darth-Vader-Figur von Burger King auf Druckknopfmechanismen untersuchen, meinen Eltern die Fotos von ihrem parkähnlichen, wunderschönen Garten schicken, ein beeindruckendes Thai-Gericht aussuchen, das meine Kochkünste nicht übersteigt, jemand ganz entwaffend ehrlich anlügen, mich nicht von dem Bürowahnsinn in den Irrsinn treiben lassen, T.B. ignorieren oder wegkloppen, den Gig im Frittiersalon eintüten, mich bei irgendjemand für Berlin bedanken, schlafen, schlafen, schlafen.

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