‘Mandel-Trilogie’

Lesereise: Herbst

Es fehlen ja noch ein paar Termine von der großen Mandelreise in diesem Jahr. Die kann ich hiermit preisgeben. Freu mich, wenn’s wieder losgeht, hab auch extra ein paar ganz neue Lieder einstudiert. Auf deutsch sogar.

26.09.2014 Chemnitz – Weltecho
27.09.2014 Suhl – Provinzschrei
04.10.2014 Frankfurt, Feinstaub
05.10.2014 Karlsruhe – Kohi (Karlsruher Literaturtage)
22.11.2014 Berlin, Z-Bar, Krimimarathon

Und nicht zu vergessen das einzige und letzte Gebruder-Grim-Berlin-Konzert in diesem Jahr mit den geschätzten und wiedervereinigten Kollegen von HOT°.

17.10.2014 Gebruder Grim & HOT°, Grüner Salon, Berlin

Und so geht’s zu auf Lesereise:

Real American

Wer’s noch nicht gesehen hat und nicht auf der Berliner Lesung war – hier ist ein Ausschnitt aus dem musikalischen Rahmenprogramm. Das Black Mandel Orchester spielt für Sie: Real American, das Thema von Hulk Hogan.

Der große Mandel

Folgende Sachlage: Am 14. April erscheint mein drittes Buch “Der große Mandel” bei Heyne Hardcore und damit der dröhnende und gleichzeitig auch still melancholische Abgang der Mandel-Trilogie. Man muss die anderen Bücher nicht gelesen haben, um den “großen Mandel” zu begreifen, aber es hilft, wenn man der Abwärts-Evolution der Freundschaft der beiden Protagonisten auf die Spur kommen will. Das Buch behandelt folgende Topoi: Heimat, die deutsche Provinz (vor allem die geistige), Showcatchen, Jazz, Frank Zander, Rock’n’Roll, Freundschaft und die Sinnlosigkeit dieser herrschaftszeiten-noch-einmal nie enden wollenden Sinnsuche im Leben eines Erwachsenen. Dabei sollte sich doch herumgesprochen haben, dass es keinen gibt.

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Die Inhaltsangabe liest sich so:

Die Freundschaft der ehemaligen Musikjournalisten Max Mandel und Sigi Singer wird auf die bisher härteste Probe gestellt: Wegen mieser Auftragslage muss ihr gemeinsames Detektivbüro schließen. Um zwischenmenschlich wieder auf Kurs zu kommen, bucht Singer bei dem legendären Catcher Big Walter Wylde einen Anfängerkurs – aber bevor beide Bodyslam sagen können, müssen sie wieder als Ermittler ran. Um der Erpressung eines bayerisch-türkischen Wrestlers nachzugehen, touren Mandel und Singer mit einer kleinen Wrestling-Liga durch Deutschlands schlimmste Provinzstädte. Herzinfarkte, Hetzkampagnen und wüste Intrigen treiben die beiden immer tiefer in die kriminalistische und menschliche Krise – und schließlich in den Ring.

Wie bereits an anderer Stelle vermerkt, habe ich mit meinem guten Freund, dem Schauspieler Rüdiger Rudolph, ein Musikvideo zum Roman gedreht. Es ist ein Song namens “Destroyer”, geschrieben aus der Sicht vom Erzähler Sigi Singer.

Am Montag den 14.04. und Dienstag den 15.04. finden die Buchpremieren in Hamburg und Berlin statt. In beiden Städten habe ich eine kleine Akustikband dabei, in Berlin ist Markus Kavka zu Gast und ein anmutiger Frauenchor singt Songs von Ultravox und Hulk Hogan. Den ersten Teil der Lesereise, sprich die weiteren Termine, könnt ihr hier nachlesen.

-> “Der große Mandel” beim Branchenriesen Amazon
-> “Der große Mandel” beim Branchenriesen Heyne

Erste Pressestimmen:

“Mayer erzählt seine humorvollen Hard-boiled Geschichten in lakonischem Ton, melancholische Selbst-und Lebensbetrachtungen [..] und kenntnisreiche Musik-Exkurse runden die Krimis zu späten Coming-of-Age-Panoramen ab. Die Charaktere geraten nie eindimensional, eine Stimmung des Uneigentlichen schwebt über der Handlung und der Reflexion der Figuren.”
- Mirco Drewes, Zitty 08/2014

“…macht mächtig Spaß.”
- Mittelbayerische Zeitung, April 2014

“Krimis lesen, ohne von schwindsüchtigen skandinavischen Kommissaren belästigt zu werden? Es geht, dank Autor Berni Mayer und seiner genialen Mandel-Reihe. Im dritten Teil verschlägt es den Gefrierbrand-Detektiv ins Wrestling-Metier, durch und durch herrlich.”
- Business Punk, April 2014

“Einfach nur brüllend komisch. Ein wunderbarer Abschluss einer Trilogie von einem Autor, der es wirklich schafft, einen mit seiner Sprachkunst zu fesseln. Ein Buch, dass es wert wäre, als Hörbuch oder gar als Film zu erscheinen.”
- Dennis Kresse, Alternativmusik.de, Mai 2014

“Rampensau mit feinem Gespür fürs Publikum. [..] Ein Abend mit ihm hinterlässt fröhliche Kunden”.
- Buchmarkt.de, April 2014

“Es trägt sogar sehr gut. Weil es die grossen Wahrheiten ganz langsam erzählt und die billigen Klischees meidet.”
- Don Alphonso, Rebellmarkt-Blog, April 2014

“Er geht mit dem Business trotz seines humorvollen Erzählstils ehrlich und gerecht um, rückt es nicht in ein falsches Licht und schildert das Leben eines Wrestlers in Deutschland vermutlich ziemlich realitätsnah. [..] Von meiner Seite aus kann ich also durchaus dazu raten, sich Der große Mandel zuzulegen.”
- Wrestling-Online-Magazin Genickbruch.com, April 2014

“Sein größter Streich ist die wunderbare und irrsinnig komische Mandel“-Krimi-Trilogie…”
- Mit Vergnügen Hamburg, April 2014

“Davor zitiert Berni Mayer übrigens noch schnell ’The Great Gatsby’, Bret „Hitman“ Hart und Frank Zander. Anhand dieser Mischung lässt sich schon irgendwie ablesen, worauf es bei ’Der große Mandel’ hinausläuft: Großes Kino, Show-Time – und das alles „ohne Helm und ohne Gurt.”
- Popshot Blog, April 2014

Ich bin ein Zerstörer!

Der Buchtrailer zum am 14.04. erscheinenden dritten Teil der Mandel-Reihe ist ein Musikvideo geworden. Mein Dank geht in überschäumendem Maße an Rüdiger Rudolph für sein grandioses Method-of-Madness-Acting, an David Jürgens, dafür, dass er aus einem kleinen verträumten Garagenpopsong einen Wiesenhit gezaubert hat, und Gregor Hüttner für die David-Hamilton-Hexerei an der Kamera. Das hier heißt “Destroyer (Sigi’s Song)” und geht so:

Lesereise 2014

Tournee, Tournee wir fahren auf Tournee! Am 14. April erscheint der dritte und finale Band der Mandel-Trilogie “Der große Mandel” bei Heyne Hardcore und ab da geht’s immersiv rein in die Republik. Hier die ersten feststehenden Termine.

14.03.2014 Leipzig, Wärmehalle-Süd mit Linus Volkmann
14.04.2014 Hamburg, Superbude
15.04.2014 Berlin, Kaffee Burger, Buchpremiere
(mit Markus Kavka und Gästen)
22.04.2014 Nürnberg, Weinerei
23.04.2014 Regensburg, Alte Filmbühne
24.04.2014 München, Unter Deck
29.05.2014 Köln, King Georg
30.05.2014 Düsseldorf, Brause
31.05.2014 Mainz, Bukafski

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Metal Dayz und mehr

Normalerweise spiele ich ja bei jeder Lesung ein paar Lieder auf der Gitarre, am 28. August im Intersoup in Berlin gab es aber erstmals gar keine Texte. Überraschenderweise war das Akustikkonzert (mit Gregor Hüttner an Gesang und Cajon) mit ein paar intermezzierenden Anekdoten eine ziemlich runde Sache, so dass ich beschlossen habe, demnächst ein paar Konzerte folgen zu lassen (Hier gibt es ein Soundcloud-Profil zu meinen Popausbrüchen). Vorerst stehen aber noch ein paar andere sehr schöne Termine ins Haus.

metaldaz

Am 27.09. lese ich bei den Hamburg Metal Dayz, das ist ein dreitägiges Metal-Festival parallel zum Reeperbahnfest in Hamburg.

Am 20.10. bin ich bei der Veranstaltung “Rüdiger and Friends” beim Kumpel, Nachbarn, Schauspieler, Kabarettisten und “Selbstdarstellungsbestie” Rüdiger Rudolph zu Gast. Werde da leichtsinnigerweise ein bisschen Stand-Up praktizieren, aber vielleicht auch lesen.

Am 01.11. spiele ich mit meiner Lautstärkeband The Gebruder Grim im Schokoladen in Berlin das erste Konzert mit neuer EP (The Priestess) im Gepäck und in neuer Besetzung.

Am 15.11. lese ich im Rahmen der “Langen Nacht des Buches in Moabit” in der Plattform Moabit, einer schnuckligen Design-Werkstatt, wie man mir mitteilte.

Am 22.11. lese ich an der Ostsee im Rahmen des Rolling Stone Weekender, einem Musikfestival mit Suede, Thees Uhlmann, Travis, Dinosaur Jr. und anderen.

In Kürze sieht das so aus:

27.09. Lesung bei den Hamburg Metal Dayz, 18:00, Markthalle.
20.10. Gast bei “Rüdiger and Friends”, Scheinbar, Berlin
01.11. The Gebruder Grim, Schokoladen, Berlin
15.11. Lesung Plattform Moabit, 20:30 Uhr
22.11. Rolling Stone Weekender, Weissenhäuser Strand

Die Lesereise II – Hamburg

Es gibt eine Zeit für viele Worte, aber irgendwann musst du auch pennen gehen.
(frei nach Homer aus der “Odyssee”)

hh

26.03.2013 Hamburg, Molotow

Das Schöne an Lesungen in Hamburg ist, dass man mit dem Zug fast genau so schnell von Berlin aus da ist, als würde man mit der S-Bahn zum Flughafen SFX (ehemals BER) fahren. Nach einem Leberkäse (schauen Sie mich nicht so komisch an, das stand da auf der Karte) auf der Reeperbahn sitze ich auch schon das letzte Mal im Rahmen der Black-Mandel-Reise hinter meinem Pult und lese ein paar Stellen aus dem kommenden Mandel vor, der sich “Der große Mandel” nennt und sich unter anderem mit einem Wanderzirkus-Milieu namens “Wrestling” beschäftigt.

In der betreffenden Stelle geht es um Maria, die große unbekannte, oft erwähnte, aber nie auftauchende Freundin von Sigi Singer (deren Beziehung ist ja auch eine Art Ringkampf) und so erfährt Hamburg als erste Stadt der Welt, wie sich Sigi und Maria damals kennengelernt haben. Stichwort: Rundlauf.

Apropos Sigi Singer: Die Lesung in HH widme ich dem echten Sigi Singer, der in München gewohnt hat, und mir mal einen sehr humorigen Brief geschrieben hat, weil er es toll fand, dass jemand der so heißt wie er, der Protagonist eines Krimis ist. Das hat mich gerührt und ein bisschen mehr gerührt hat mich die Nachricht, dass der echte Sigi Singer vor kurzem gestorben ist.

Vom Sterben zum Heiraten: Als ich nach der Pause wieder zum Lesetisch zurückgehe, stolpere ich und lande ganz fürchterlich ungelenk auf den Knien zu Füßen einer jungen attraktiven und mir Gottseidank bekannten Dame. Lässig aus so einem Sturz heraus zu kommen, ist unmöglich. Moment mal, mir fällt was ein. “Willst du meine Frau werden?”, sage ich und sie sagt ja. Jetzt bin ich verlobt und hab mich gleichzeitig gut aus der Affäre gezogen. Was meine Frau dazu sagen wird, steht auf einem anderen Blatt.

Die weitere Lesung verläuft ohne Zwischenfälle sprich weiteren Heiratsschwindel, aber so ganz stimmt das auch nicht. Ein unfassbar betrunkener und überwiegend fremdsprachiger Mann namens Christof (echter Name der Redaktion entfallen) setzt sich in die zweite Reihe und kommentiert jeden zweiten meiner Sätze. Das “Sicherheitspersonal” vom Molotov würde ihn gerne entfernen, aber das Publikum und ich geben ihm eine faire Chance, wenn er die Schnauze hält. Und noch eine. Und noch eine. Und noch eine. Dann mache ich es wie bei meinem Sohn: Ich gehe direkt von verständnisvoll zu ungnädig über und schmeiße ihn gleich selbst hinaus. Christof ist das egal, analog zu meinem Sohn.

Nach der Lesung sitze ich im Molotov herum, weil ich noch nicht ins Bett will. Das ist das Schöne auf Lesereisen: das hinterbliebene Publikum hat mich anderthalb Stunden kennenlernen können, ich muss mich nicht mehr vorstellen, erklären oder krampfhaft Gesprächsstoff finden, wenn ich mich zu fremden Leuten setze und mit ihnen etwas trinke. Das ist meistens eine tolle Erfahrung und man fragt sich, warum man das in seiner eigenen Stadt nie macht. Irgendwann fordert der Jameson aber seinen Tribut und damit meine ich nicht nur den Jameson von Hamburg. Auf der nächsten Lesereise werde ich nicht mehr soviel Jameson trinken, sage ich mir, bevor ich ins Bett gehe. Bushmills ist ja auch nicht verkehrt.

PS: Wir sehen uns bald wieder HH, vielleicht schon zum Reeperbahnfestival. Den gesamten “Tourbericht” kann man unter diesem Link nachvollziehen.

Rolling Stone Weekender 2013

Eine Riesenfreude ist mir das. An der Ostsee lesen ist ja das Eine, aber im selben Rahmen wie große Bands meiner Jugend, das schlägt dem Zahn die Krone ab. Dinosaur Jr, They Might Be Giants und Suede. Zergeht auf der Zunge. Natürlich ist auch die indirekte Gesellschaft von Thees Uhlmann und den guten alten Travis nicht zu verachten. Without further ado(lf): Berni Mayer (das bin ich) liest beim Rolling Stone Weekender 2013 am 22/23. November im Ferienpark Weissenhäuser Strand/Ostsee.

Und weil wir grade bei renommierten deutschen Musikmagazinen sind: Hier ein aktuelles Interview von Musik Express Online.

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Die Lesereise II – Leipzig, Leipzig

Mein Leipzig lob ich mir!
Es ist ein Klein-Paris und bildet seine Leute

(Goethe)

14.03.2013 Leipzig, Wärmehalle Süd

Markus Kavka fährt eigentlich nicht Zug. Einen begeisterten Motoristen und unbegeisterten Öffentlichkeitsmenschen wie ihn neben mir im ICE vom Berlin nach Leipzig sitzen zu sehen, lässt mich an Wunder glauben. Immerhin können wir so die Lesung vorbereiten und uns ein bisschen zusammenmenscheln, denn man sieht sich ja selbst als Freunde und Einwohner derselben Stadt nur jedes siebzehnte Bayernspiel. Hinterm Hauptbahnhof in Leipzig streite ich mich kurz mit einer gepflegten Frau über vierzig über die Rangordnung im Taxianhalten – und ich würde das nie tun, wenn es nicht schon wieder Minusgrade hätte und ich immer noch krank wie ein Hund. Im Taxi verrät mir der Kollege Kavka, dass es sich bei der Frau um eine anerkannte Umweltexpertin und Campingplatzromanze seiner frühen Jugend gehandelt hat. Das hat sie sich aber nicht anmerken lassen, die Zwiderwurzn, weder die Umwelt, noch den Campingplatz, sage ich.

Die Lesung in der urgemütlichen und gottseidank ihren Namen gerecht werdenden Wärmehalle Süd ist natürlich wunderbar, aber sie findet ja auch in Leipzig statt, da gibt es keine schlechten Lesungen, weil es dort kein schlechtes Publikum gibt. In der zweiten Hälfte der Lesung wirkt der Jameson schon in mein Schaffen hinein, deshalb kann ich mich nicht mehr so richtig erinnern, was passiert ist. Sicher weiß ich nur noch, dass Markus Kavka, meine Ukulele und ich zusammen dieses Lied (ab 6:00) gespielt haben.

Nach dem Auftritt geht Herr Kavka kickern und ich trinken. Auf einem dieser Buchmessengelage treffe ich dann die Heyne-Hardcore Fraktion inklusive Nagel von Nagel und Dirk von Slime, deren Lesung ich leider ob meiner eigenen verpasst habe. Außerdem eine ehemalige Lieblingsbedienung von mir (aus Zeiten, in denen Bedienungen das Gros meiner sozialen Kontakte ausgemacht haben), die mittlerweile ein Buch über ihren Großvater, einen Diamantendieb geschrieben hat. Als sie mich zwingt, kurz ihr Sektglas zu halten und ich mich beschwere, warum das nicht der glatzköpfige Typ neben ihr tut (ich halte wirklich so ungern Dinge für andere Leute), sagt sie, weil ich nur ein Autor bin und der andere Mensch bei der ZEIT. Ich lasse das Glas daraufhin fallen. Nein, natürlich nicht.

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(Foto von M. Naegele. Mein Lektor hat gesagt, das sieht so aus, als nähme ich Nagel die Beichte ab. Der hingegen schläft sich offensichtlich von einer Lesung zur nächsten.)

15.03.2013 Leipzig, Platzhirsch

Den Folgetag verbringe ich wie immer zu neunzig Prozent damit, wieder nüchtern zu werden. Egal wie oft ich mir vornehme, nicht gleich am ersten Tag soviel Whisky zu trinken, immer behält der Rock’n’Roll-Instinkt die grässliche Oberhand. Und grässlich in der Tat, wie man stundenlang herumvegitiert mit dem einzigen Lebensinhalt, wieder einen Kicker lesen zu können, ohne dass die Buchstaben vor den Augen verschwimmen.

Am Abend lese ich dann mit dem reizenden Kollegen Dirk Bernemann im Platzhirsch, doch vorher schaue ich mir noch die Lesung von Funny van Money an, die über ihren ehemaligen Studentenjob als Tischtänzerin berichtet. Auf ihre Frage, wer schon mal in einer Table-Dance-Bar war, bin ich der Einzige, der sich meldet. Weshalb ich meine Meldung gleich feige wieder zurückziehe. Aber hochinteressant, das mal aus Dienstleisterperspektive zu hören. Es ist so schön dunkel und arktisch in dem ehemaligen zur Kneipe umfunktionierten Schleckermarkt, dass man sich mit seiner Jacke zudeckt und bis zum nächsten Morgen durchschlafen möchte, was keineswegs gegen den Unterhaltungswert der Lesung spricht.

Im Gegensatz zu Nagel, der ein kleines Nickerchen einlegt, muss ich zu meiner Lesung mit Dirk Bernemann. Ich lasse dem Kollegen im reinen Textbetrag gerne den Vorzug, weil mir gegen Jameson Glas 4 langsam die Stimme versagt, aber die semantische Chemie zwischen Dirk “dem Mann” (wie ich ihn nenne) Bernemann und mir stimmt auch so.

Auf dem Weg zur Party der jungen Verlage, geht der Reißverschluss meiner Winterjacke in die Binsen und ich habe Angst, sie für immer anbehalten zu müssen. Nacheinander (es gab eine kleine Schlange) versuchen sich verschiedene (manche mehr manche weniger) fingerfertige Personen an dem Reißverschluss, aber kapitulieren vor der stählernen Architektur eines Ben-Sherman-Reißverschlusses. Irgendwann kurz vor der Garderobe ziehen mir drei tatkräftige und tolle Mädchen mit aller Kraft die Jacke über den Kopf, so dass ich kurzzeitig keine Luft mehr bekomme und zudem oben ohne dastehe. Gut, dass ich auch im ewigen Winter 2013 noch diese Oberkörperübungen nach dem Aufstehen mache.

Auf der Party wird dann nur noch rumgestanden und abgewartet, ob der Wodka Red Bull wirkt, und irgendjemand weint noch ganz bitter, aber im Grunde ist die Literaturmesse für mich bereits seit dem Abpfiff im Platzhirsch vorbei. Ich schaffe es nicht mehr in meine Jacke hinein und trete im Jackett ins eisige Leipzig hinaus, wo ich noch einen Taxifahrer zum Lachen bringe, indem ich ihn bitte, mich in drei Stunden wieder genau da abzuholen, wo er mich gerade absetzt und ich mich mit “bis morgen” und er sich mit “bis gleich” verabschiedet.

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