‘Kurzkritiken’

Kurzkritik zu Get Out

Ich seh’s voll ein, dass man den unterschwelligen Rassismus bis hin zum downright schizophrenen Gehabe um den Wert der afroamerikanischen Kultur unbedingt auch mal in einem „halbseriösen“ Genre wie einem Horrorfilm unterbringen musste, aber ich habe ein bisschen Angst, dass er da zu ungestraft ins Drastische mündet. Ist ja dann doch nur ein Genremobil, das sich überwiegend an Spielregeln und Klischees hält, auch wenn seine Message die korrekte ist. Slippery slope here, I know. Was ich sagen will: ich hab mir mehr Erfindungsgeist über die Rassenproblematik hinaus gewünscht, bin aber trotzdem mit der richtigen Mischung aus unterhalten und unterminiert nach Hause gegangen. Weißen reichen Arschgeigen kann dieser Tage nicht genug eingeschenkt werden – hoffe, das ist auch im echten Leben das Endgame.

Kurzkritik zu Guardians of the Galaxy Vol. 2

Ich hab viel gelacht und am Ende trotz oder wegen der schönen Kitschtrauer eine Träne zerdrückt. Manchmal war mir die Handlung arg egal, könnte ich sagen, aber das wäre auch gelogen, denn die Figuren waren ja die Handlung, der Humor war die Handlung. So schreibe ich ja selbst oft, und ich behaupte, das muss man erst einmal können. Der Film war gespickt mit Zwischenmenschlichkeiten und kleinen Besonderheiten und nur weil der Film meint, damit einen auf Vol.1 draufsetzen zu müssen, ist das noch lange nichts verwerfliches. Noch geht alles noch einmal – mit ein paar mehr Explosionen und einem herzrausreissenden Baby Groot. Ich fand das alles sehr schön und lustig, nur über die Hasselhoff- und Stallone-Cameos kann man ein Ei drüber schlagen.

PS: Dave Bautista ist ein Timing-Gott ist, ob im Ring oder im Kino.

Die 25 besten klassischen Western

the-searchers-4

Dieser Beitrag geistert als Entwurf schon über zwei Jahre in meinem WordPress herum, und irgendwie hab ich ihn nicht veröffentlicht, weil sich meine Meinung zum Ranking ständig verändert. Zumindest hatte ich die Liste schon mal in einem arg Mezcal-geschwängerten 120-Minuten-Vortrag bei tschk!Talks gepreviewt. Jetzt hab ich eingesehen, dass es besser ist, ich veröffentliche den ursprünglichen Artikel mit den ursprünglichen Platzierungen, als wenn ich weiter mit mir und meiner Vergangenheit hadere so wie mein großer Freund Shane (see what I did there). Also direkt hinein in mein Vorwort von 2015.

***

Seit Juli 2014 habe ich zirka 50 klassische (also keine Avantgarde, kein Eastern, kein Underground) und hochgelobte Western gesehen und versucht, sie in eine Reihenfolge zu bringen. Habe Schemata erkannt, die mir noch nicht bewusst waren, habe die Alten wie Ford und Hawkes schätzen gelernt, bin auf meine alten Tage zum John Wayne-Fan geworden und werde eines Tages selbst einen Western drehen oder schreiben. Die Grundlage meiner Recherchen und Filmvorführungen war eine Liste von IGN’s besten Western, auf die ich zufällig gestoßen bin, weil ich etwas zu Peckinpah recherchiert habe. Besagte Liste ist immer noch eine der besten, die ich online gefunden habe, und man glaube mir, ich habe eine Menge Western-Bestenlisten gefunden. Angefangen habe ich dann eben im Juli im Dachgeschoss meiner Eltern. Es hatte nachts noch über dreissig Grad, ich konnte nicht schlafen, weil es so heiß war, und mein damals vierjähriger Sohn nicht, weil ihn die Mücken auffraßen. Wir waren beide irgendwie außer uns. Er hörte die ganze Nacht Hörspiele, ich schaute Filme auf dem Laptop. Und zu dieser Hitze passte nur ein Genre, wie ich fand, und so schwitzte ich mich zunächst mit „The Wild Bunch“ und „The Man Who Shot Liberty Valance“ in den Schlaf. Als ich wieder in Berlin war, fing ich an, mir jeden Film, den ich sehen wollte, auf DVD oder Blu Ray zu kaufen, auch die Western, die ich bereits kannte, und sie nach meinem Gusto zu ordnen und ranken. Bis heute steht hier ein ganzes Regal voller grandioser Westernfilme, und in meinem Kopf gibt es diese Erinnerung an einen dreckig heißen Sommer mit einem Westernmarathon, die mir keiner mehr nehmen kann. Es war wie ein Urlaub, ein wirklich langer Urlaub im alten Westen. Let’s saddle the horses.

(mehr …)

Kurzkritik zu Logan

Jetzt ist es passiert. Endlich hat auch ein Marvel-Titel (mit der starken Einschränkung der 20th Century Fox-Lizenz) seinen dystopiösen und noch dazu vor Brutalität sprudelnden Nachdenkfilm. Dass dafür die ewig hadernde und grantelnde Sauklaue Wolverine herhalten muss, lag ja schon immer in der Natur der Figur. Selbst wenn der Film entgegen aller Fanboy-Hoffnungen so gut wie gar nichts mit dem teils recht gehässigen, aber originellem „Old Man Logan“-Comic zu tun hat, nutzt er trotzdem eine ähnlich alternative Timeline (sprich: gibt einen Scheiß auf das Chronologie-Zinober der X-Men-Filme), um seinen Figuren jede Menge Gewalt anzutun und den Game-Of-Thrones-erprobten Zuschauer auf die Streckbank einer Welt zu schicken, in der Genozid und Gentechnologie ein und derselben Lust und Laune entspringen.

Mir persönlich ist das zu brutal und zu negativ, ich brauche nicht die ständigen Zerfetzungen und die Omnipräsenz von Weltuntergang. Das hab ich im echten Leben zur Genüge. Davon abgesehen hinkt Mangolds zweiter Wolverine-Film auch unabhängig von meinem Gusto dem Zeitgeist hinterher. Nolans Dark Knight war bahnbrechend in Sachen „grounded & gritty superheroes“, und selbst dem vorausgegangenen Japan-Wolverine hätte dieser Ansatz noch ganz gut getan, aber 2017 kommt mir die Grundstimmung des Films verspätet postapokalyptisch (see what I did there) vor.

Klar, Hugh Jackman ist die Sympathie für die Rolle immer noch anzumerken – sein immenser Bartwuchs spielt sich stärker denn je in den Vordergrund – und Patrick Stewarts siechend kreuzfideler Professor X ist die bisher stärkste Inkarnation der Figur, aber Logans verwilderte und tollwütende Teenager-Tochter, der handelsübliche fanatische Wissenschaftler (Typ Mengele) und Boyd Holbrook als immer leicht gelangweilt wirkender Cyborg-Söldner Donald Pierce sind zu stereotyp, um diese finstere Realität auch wirklich als real zu empfinden. Deshalb gibt es auch keinen glaubhaften Antagonist und Hugh Jackman muss Doppelschicht als sein eigener Bossgegner schieben.

Fazit: „Logan“ mag auf den ersten Blick aussehen wie der Autorenfilm unter den Superhelden-Flicks, bleibt aber dann doch nur ein gut getarnter Wolvie-Slasher. Er ist trotzdem der beste der drei Wolverine-Stand-Alone-Filme, das ist ja auch was wert.

Kurzkritiken zu The Autopsy of Jane Doe, Ghostbusters (2016)

The Autopsy of Jane Doe:
Käse with a twist. Aber trotzdem Käse. Guter Gore, aber die Dialoge sind der eigentliche Horror. Die guten Bewertungen liegen sicher auch an den Vorschusslorbeeren für Tollhunter-Regisseur André Øvredal, dessen moderner Found-Footage-Klassiker diesem Film etwas Gravierendes voraus hat: Humor.

Ghostbusters:
Auch Käse. Der weibliche Cast ist stereotyp und muss sich ziemlich blöde Chauvi-Sprüche vom Mackergeist gefallen lassen. Darf außerdem dem Assistenten anzüglich hinterher hecheln, als ob das eine positive Eigenschaft wäre, die man sich als Frau endlich auch mal gönnt. Kristen Wiig find ich großartig, die Gags dafür alles andere als geistreich, und ich kann auch keine Filme mehr sehen, die ständig und zwanghaft auf die Originale anspielen müssen, damit die „jetzige“ Generation auch wirklich kapiert, warum das früher so toll gewesen ist. Dabei lag das hauptsächlich an Bill Murrays Adlib-Exzessen.

Kurzkritik zu Wilde Maus (Berlinale-Vorführung)

Ich mag Josef Hader. Sehr. Als Kabarettist, als Comedian, als Schauspieler, als Autor. Ich bin nicht sicher, ob ich ihn als Regisseur mag. Er hat versucht, einen Film zu machen, der das Beste aus den Filmen vereint, in denen er bisher mitgespielt hat und damit meine ich nicht Nora von Waldstetten, die ich trotz ihres unabstreitbar großen Talents nicht ausstehen kann.

Es ist ein bisschen Schmäh (wie in Komm süßer Tod), ein bisschen Kriminalistik (wie beim Brenner), ein bisschen Buddy-Komödie (wie in Indien), ein starkes bisschen Verlierer-Drama (wie beim Aufschneider) und ein Häuferl Slapstick oben drauf, siehe die visuell hinreichend kolportierte Nacktszene im Schnee. Aber es hat überhaupt keine Richtung. Ausgerechnet Haders Figur des Musikkritikers Endl wirkt am unglaubwürdigsten, seine Reise ist eine viel zu oft in der Kulturgeschichte bemühte Sinnsuche des „schwierigen“ Mannes über vierzig. Es geht ums Älterwerden und um die damit verbundene Verunsicherung (dick aufgetragen durch die Radio- und Fernsehmeldungen von Flüchtlingen und Terrorgefahr), aber das ist mir im Falle Georg Endl alles zu naheliegend oder nicht subtil genug.

Haders andere Figuren sind dagegen dicht (in beiderlei Sinne), ihre Dialoge sind an sich gut, aber wirken oft zu sehr geschrieben. Die Schauspieler taugen mir enorm, allen voran Pia Hierzegger, aber auch Jörg Hartmann und der mir aus der Sendung mit dem Elefanten vertraute Dennis Moschitto legen ein irrwitziges komödiantisches Timing an den Tag und machen aus urst klischeebehafteten Rollen wie der frustrierten Ehefrau, dem schwulen Veganer und dem scheiß Chef, lebendigere Figuren als ihnen das Drehbuch vermutlich zugestanden hätte. Es gibt eine Szene, wo Endl mit seiner Frau im Auto sitzt und witzige Sätze sagt, die auch vom Bühnenmensch Hader stammen könnten und seine Frau lacht, weil er halt schon auch ein witziger Typ ist. Da fällt die Figur für mich dann endgültig auseinander, weil ich dann nur noch den Hader seh und der nicht der verbohrte Musikkritiker ist.

Am Ende ist der Film dann wirklich nur eine gute Nummernrevue geworden mit einer Menge mittlerer Gags aber auch ein paar wirklich guten stilleren lakonischen Brüllern (contradictio in se, is Absicht), die man aber natürlich vom Hader so erwartet. Weiter so, will man zum Regisseur Hader sagen, weil man ihn ja so sehr mag, und sich ja schon auch amüsiert hat, aber kann man irgendwie dann doch nicht. Weiter, aber anders. Der Hader kann sicher noch mehr, noch eigener. Fast habe ich den Eindruck als hätte ihm seine Filmemacherei mit Leuten wie Murnberger und Schalko die eigene Schrulligkeit ausgetrieben.

2016 (updated)

Mehr Notizzettel als Liste – wer bin ich auch, um anderen was zu empfehlen. Jahresgrenze ist mir an sich auch wurscht, denn es geht ja jederzeit ums Überleben. Aber irgendwo muss man ja den Strich machen. Generell hab ich lieber Lieder als Alben gehört und Serien als Filme geschaut. Jahresunabhängige Lieblingsplatte: Fucked Up – David Comes To Life. Meist konsumiertes Medium: Wrestling-Podcasts.

Platten:
Pusha T – King Push / Darkest Before Dawn (hab ich erst im Januar gekauft)
Kvelertak – Nattesferd
John K. Samson – Winter Wheat
Third Eye Blind – We Are Drugs EP
Childish Gambino – Awaken My Love
A Tribe Called Quest – We got it from here… Thank You 4 Your Service
Nick Cave & The Bad Seeds – Skeleton Tree
Beyonce – Lemonade
Solange – A Seat at the Table
Babymetal – Resistance
Metallica – Hardwired … To Self Destruct
Chance The Rapper – Coloring Book
Dawnbringer – XX EP
Anthrax – For All Kings
Blood Ceremony – Lord of Misrule
Against Me – Shape Shift with Me
Teenage Fanclub – Here
The Strokes – Future Present Past EP

Lieder:
Rihanna – Work
Leonard Cohen – You Want It Darker
Babymetal – Karate
Justin Bieber – What Do You Mean
CRX – Ways To Fake It
Weezer – California Kids
Third Eye Blind – Company Of Strangers
Kvelertak – Heksebrand
Beyoncé – Formation
Pusha T – Unbreakable, Untouchable
Bad Lip Reading – Bushes Of Love
John K. Samson – Requests
Ghost – Square Hammer
Daye Jack – Raw
A Tribe Called Quest – Whateva Will be
Madeline Juno – Stupid Girl
Tegan & Sara – Boyfriend
Avalanches – Frank Sinatra
Ariana Grande – Side to Side (feat. Nicki Minaj)
Prophets Of Rage – Prophets of Rage
Metallica – Atlas Rise
Bosse – Steine
Childish Gambino – Zombies
Against Me – ProVision L3
Desiigner – Panda
Mac Miller – Get Up
Elzhi – Two 16’s
Kristin Kontrol – Show Me
Zeal & Ardor – Devil is Fine
Bent Shapes – Realiziation Hits
Talisman – Skraeckoedlan
Cheap Girls – Gone All Summer
Crying – Premonitory Dream
Solange – Don’t Touch My Hair
YG – Finga Twista
Bob Mould – The End Of Things
Brand New – I Am A Nightmare
Zara Larsson – Lush Life
Uncle Acid And The Deadbeats – Waiting For Blood
Simmone Jones – Gravity
Rae Sremmurd ft. Gucci Mane – Black Beatles
Kate Tempest – Lion Mouth Doorknocker
Touché Amoré – New Halloween
Frank Ocean – Ivy

Alte Platten:
Fucked Up – David Comes To Life
Yes – 90125
Mos Def – Both Sides Of Black
Jets To Brazil – Four Cornered Night
Kate Bush – Hounds Of Love
Thin Lizzy – Johnny The Fox
Nachtmystium – The World We Left Behind
Metal Inquisitor – Doomsday For The Heretic
Into Another – Omens (2015)
Tom Waits – Rain Dogs

Alte Lieder:
Fucked Up – Turn The Season
Kate Bush – Waking The Witch
Van Halen – Panama
The National – Start A War
The Eagles – Desperado
Elton John – Madman Across The Water
Nachtmystium – Voyager
Thin Lizzy – Johnny The Fox
Hermann Dune – On A Saturday
Yes – Changes
Jets To Brazil – Midday Anonmymous
Mos Def – Simple Mathematics
Anthrax – Fight’Em Til You Can’t
Operation Ivy – Sound System
Souls Of Mischief – 93 Til Infinity
Tom Waits – Clap Hands
Tommy James & The Shondells – I Think We’re Alone Now
Seeed – Augenbling
Killing Joke – You’ll Never Get To Me
Katy Perry – Dark Horse
Psychadelic Furs – Into You Like A Train
Devo – Through Being Cool
Into Another – William
Little Feat – Willin‘

Filme:
Big Short
The Handmaiden
The Witch
The Duke Of Burgundy
The Nice Guys
Captain America: Civil War
Spotlight
Toni Erdmann
Deadpool
Darling
Midnight Special
The Conjuring 2
The Green Room
Team Foxcatcher
Amanda Knox

Alte Filme:
To Kill A Mockingbird
Jeremiah Johnson
Three Days Of Condor
MacBeth (Polanksi-Version)

Serien:
Atlanta S01
People vs. OJ Simpson S01
Game Of Thrones S06
The Night Of S01
Preacher S01
Veep S05
Better Call Saul S02
Daredevil S02
Lucha Underground S03
Stranger Things S01
Westworld S01

Spiele:
The Witcher III: Blood & Wíne (PS4)
Uncharted 4 (PS4)
Life Is Strange (PS4)
Rise Of The Tombraider (PS4)
Ratched & Clank (PS4)
Bioshock Remastered (PS4)
Reigns (iOS)
WWE2K17 (PS4)
Broken Age (iOs)

Podcasts:
The Lapsed Fan
The Masked Man Show
Cheap Heat
The Watch
Out West
Wrestling Observer Radio

Bücher:
Lawrence Wright – Going Clear
Mark Everett – Things the Grandchildren should know
Ernest Cline – Ready Player One
George R. R. Martin – Dunk & Egg

Kurzkritik zu Suicide Squad

Kurz vor knapp noch Suicide Squad gesehen und was für ein Scheiß. Fing noch sympathisch ramschig und überdreht mit den kurzen Origin-Stories zum Flegel-Kommando an und mündete nach einer halben Stunde in einen unnötig wirren Plot um ein apokalyptisches Szenario, das selbst Vigo der Geissel der Kaparten zu absurd gewesen wäre.

Margot Robbie alias Harley Quinn war mir ein bisschen zu dümmlich und Joker-devot, um wirklich als respektable Bad-Ass-assine durchzugehen, aber das ist auch der leider etwas sexistischen aber fantastischen Bruce-Timm-Comic-Vorlage „Mad Love“ geschuldet. Will Smith kann von mir aus einfach bei Scientology bleiben, der Feuer-Jesus war ganz okay und Jared Leto der mit Abstand mieseste, unglaubwürdigste, aufgesetzteste und unlustigste Joker der Batman-Historie. Dann lieber achthundertmal Mark Hamills Zeichentrick-Version. Richtig wütend im positiven Sinn hat mich nur Viola Davis als Amanda Waller gemacht.

Am Plot scheitert es oft bei solchen Filme gar nicht, der ist eh meist genre-bedingter Humbug. Es müsste halt alles nur ein bisschen mehr Zeit und Kohärenz bekommen, die Charaktere müssten ein bisschen normaler reden statt in ewigen One-Linern und die Action kann man sich sparen, wenn man vorher nicht einen Sinn für unmittelbare Gefahr etabliert hat. Ich rede mich natürlich leicht, mir quatschen ja auch keine tausend Leute in meine Blogposts.

Ayer ist eigentlich ein fähiger Regisseur, aber wie so viele zum Superheldenflick verführte „Kunstfilmer“ vor ihm ist er nur der Grüßaugust für einen angeblich so alternativen Ansatz bei Blockbustern, die im Endeffekt noch klischeehafter, lauter und dümmer sind als früher, aber das hinter greller Optik und dem Brand ehemals innovativer Regisseure verstecken. Wobei es auch solche gibt, die durch solche Filme ihren inneren Michael Bay entdeckt haben, looking at you, Zack Snyder.

Kurzkritik zu Rogue One

SPOILER-FREI

UPDATE: Hab in den letzen Tagen viel über den Film gehört und gelesen und auch sein Nachdruck hat sich verstärkt. Wohlmöglich sehe ich ihn jetzt (berechtigt oder nicht) positiver und würde den folgenden Satz vom „einzig denkwürdigen Moment“ auch so nicht mehr formulieren. Dennoch: hier meine Rezension vom selben Abend, an dem ich vormittags den Film gesehen habe.

***

Manche mögen die Anwesenheit Darth Vaders für einen Marketing-Gag gehalten haben, ich behaupte: ohne die Vader-Sequenz am Ende hinterließe dieser Film keinen einzigen denkwürdigen Moment.

Die Breitwand-Schlachten waren mir zu zermürbend, aber nicht weil sie die Gräuel interstellaren Konflikts zeigen, sondern weil sie einfach zu lange dauern. Die Geschichte von den gestohlenen Todesstern-Plänen ist zudem kein One-Trick-, sondern ein No-Trick-Pony. Es passiert einfach nichts Überraschendes. In der Regel hab ich ja was gegen Twists & Turns zum Selbstzweck oder eine übertriebende Rote-Heringskultur, aber das war mir hier dann doch zu linear und WTF-arm. Trotz massiver Längen und Story-Lineal blieb dann aber doch zu wenig Zeit, um mir wenigstens Felicity Jones´ Charakter näherzubringen, die ich gern näher kennengelernt hätte, statt sie nur trotzig schnuten zu sehen. Am besten lernt man noch den (tatsächlich sehr witzigen) Roboter kennen; weiß nicht, ob das im Sinne des Erfinders war. (hey, lange keinen Strichpunkt mehr gemacht)

Gefallen hat mir neben besagtem Roboter und der aparten Mon Mothma vor allem Ben Mendelsohn und sein imperialer Fashion Sense für optimistische Frühlingsfarben. Außerdem kam er mir zumindest im englischen Original vor, als könne er nur mühsam einen Sprachfehler unterdrücken. Super Typ, nur leider im wahrsten Sinne des Wortes verheizt.

Optisch war das Ganze natürlich die erwartete grandiose Schlachtplatte. Letztlich scheitert der Film aber an seinem Kompromiss aus Kriegsfilm – ein Genre das inhärent moralisch dubios sein muss – und der stromlinienförmigen Star-Wars-Moral. Ich hab bei den Establishing Shots von der Jedi-Stadt Jedha an Aleppo gedacht, aber ich denke nicht, dass das im Sinne von Disney war.

Wer ein Fazit braucht: Etwas zu forciert, aber auch kein Stuss. Muss man als Star-Wars-Fan GESEHEN haben, wird man aber nicht viel fühlen dabei. Was das hören betrifft: zumindest im IMAX hat der Soundtrack die Hälfte der Dialoge gefressen. Lauter ist der echte Krieg auch nicht.

Kurzkritiken zu Fantastic Creatures And Where To Find Them & Arrival

FCAWTFT
Wirklich zauberhafte realitätsverbiegende erste halbe Stunde mit dem Nostalgie-New-York der 20er-Jahre als perfekter Ort für verborgene Künste. Dann wirds wie so oft in modernen Blockbustern unnötig langwierig und verworren und damit unaustariert. Dreh doch mal wieder knackige Neunzigminüter, Hollywood. Eddie Redmayne, Katherine Waterston und Dan Vogler sind perfekt besetzt.

ARRIVAL
Villeneuves letzter Flick „Sicario“ gehört zu meinen Lieblingsfilmen der letzten Jahre, aber das hier war erzwungen humanistischer Kontemplations-Sci-Fi mit etlichen plotleeren Durststrecken. Außerirdische als Konundrum für eine nonlineare Betrachtungsweise von Leben und Tod war mir zu didaktisch. Und das mit dem toten Kind ging mir zu nahe.

1 2 3 16