‘Kurzkritiken’

Kurzkritik zu Baby Driver

Der Film hätte mir in den Neunzigern gefallen. Als wir alle noch mehr edgyness und Musik wollten. Von beidem hab ich genug dank mp3s und real life Scheiße. Also ist mein Interesse naturgemäß nicht hoch gewesen an Edgar Wrights neuem „Autorenfilm“. Man muss ihm lassen: gutes Tempo, super Rhythmus in der ersten Hälfte, nicht nur wegen der andauernden Musik. Originelle Audio-Prämisse, die leider nicht ganz über den ganzen Film herhält und mit diversen Flashbacks und einem tauben Mitbewohner am Leben gehalten werden muss, aber stören tut das nicht arg. Wenn das Geballer losgeht, werd ich aber schnell taub für die Emotionen und Figuren und der Film generisch, da kann John Hamms Undercut ihm noch so manisch in die Stirn fallen. Für einen Actionfilm dennoch ein guter Wurf, mal ganz ohne expanded universe und Sequel-Androhungen.

Kritik zu Dunkirk

Nolan hat einen Film über Raum und Zeit gemacht. Let’s get the Zeit-Shit out of the way: Als ich kapiert habe, dass da drei verschiedene Zeitebenen auf mich zu kommen, war ich erst mal abgeturnt. Am Ende musste ich aber zugegeben, dass Nolan dieses Mal kein Gimmick draus macht und auch keine Plottwists oder allzu unvorhersehbaren Begegnungen der Protagonisten vorbereitet, sondern sich einfach die Zeit(!) nimmt, um die Handlungsstränge chronologisch stimmig miteinander zu verheiraten.

Noch wichtiger ist der Raum. Dünkirchen liegt nur ca. 40 Km von England entfernt, deshalb kann man auch einfach mal schnell sein Boot in England losbinden und nach Frankreich in den Krieg schippern, um ein paar Soldaten zu retten. Andererseits kann ein Seeweg von 40 Kilometern so weit wie zwischen Himmel und Hölle sein, wenn einfach nicht genug scheiß Boote da sind, und die wenig vorhandenen in den Hades gebombt werden.

Was mich schon immer am meisten am Krieg erschreckt und fasziniert hat, ist der Alltag und das Leben zwischen den Schlachten, was ja letztlich am meisten Zeit(!) einnimmt. Exemplarisch: das stoische Warten und Anstellen in Aldi-Schlangen (wegen dem prämierten Gin) der englischen Soldaten. Sidenote: Hätten die Nazis nicht so viele Bomben im wahrsten Sinne des Wortes in den Sand gesetzt (Sand dämpft die Explosion), sondern mehr Boote versenkt, wäre die Evakuierung des Britischen Expeditionsheers nicht so glimpflich verlaufen.

Erfreulich, dass in dem Film weder viel erklärt noch gesprochen wird. Fionn Whitehead gehört die Zukunft. Tom Hardy spricht ein bisschen mehr als die anderen, aber dafür hat er mal wieder eine Maske auf und muss sich mit seltsamen Stimmlagen und Akzenten in den Vordergrund audio-method-acten. Die Spitfire-Szenen gehören dennoch zum eindrucksvollsten, was ich je an Flugoptik im Kino gesehen hab. Als ob man selbst drinsitzt und sich ärgert, dass man bei der letzten Tanke nicht rausgefahren ist.

Was der Film letztlich sein will, ist mir nicht ganz klar. Ein Lehrstück in Sachen enggeschnürter und intelligenter Actionfilm auf jeden Fall. Ein Lehrstück in Sachen menschliches Durchhaltevermögen vielleicht auch, obwohl ich grade das nicht so interessant finde, denn den meisten bleibt ja nichts übrig. Die Leistung der Zivilbevölkerung zu würdigen hat seinen Platz verdient, v.a. wenn sie durch so einen unfassbaren Charismatiker wie Mark Rylance repräsentiert wird.

So froh ich um die für Nolan fast abartig kurze Laufzeit von 100 Minuten (Interstellar war fast drei Stunden lang) und über die unblutige ab-12-Fassung bin – ein bisschen mehr Horror tut solchen Filmen gut, damit niemand vergisst was für ein load of bullshit Krieg dann doch ist – da kannst du noch so durchhalten wollen oder dich über Raum und Zeit hinwegsetzen.

PS: Bonuspunkte und Abzug gleichzeitig für Churchills legendäre Rede am Ende. Gibt dem Ganzen eine zu pathetische Note für meinen Geschmack, finde ich aber gleichzeitig toll, weil so die Live After Death von Iron Maiden losgeht, als Präambel für die Dogfight-Hymne „Aces High“

Kurzkritiken zu Spider-Man: Homecoming und John Wick 2

SPIDER-MAN: HOMECOMING
Endlich mal wieder einen Film in deutscher Synchro gesehen (wegen Junior-Anwesenheit) und sehr positiv überrascht. Auch sonst wirklich sehr netter Nachmittag mit einem ganz fidelen Tom Holland, der gute Witze reißt. Was für mich als Kind ja immer die Essenz von Spidey war, was ihn mir sympathischer als die meisten Helden gemach hat. Spidey ist ein Comedian mit selbst-kasteiendem Humor, ein bisschen zu viel Demut auf der einen und auf der anderen zu viel jugendlicher Selbstüberschätzung. Expanded Universe, Blaupausen-Villains geschenkt, das nimmt man einfach nur noch mit heutzutage.

JOHN WICK 2
Die Kategorie leichtsinniger aber schwerst brutaler Actionfilm ist irgendwie nichts mehr für mich, bin ich zu alt und schreckhaft für. Der Stand-alone-Charakter des ersten Teils und die Tatsache, dass der Plot sich nur um einen toten Hund drehte, fand ich charmant. Jetzt erfahren wir mehr und damit viel zu viel über das expanded Killerversum, den Kodex, die Player und schon wird der Plot verfahren und der Film nur noch halb so interessant. Deshalb hab ich ihn auch nur zu Hälfte gesehen. War mir zu viel Wickipedia.

Kurzkritik zu Wonder Woman

Ich hab gelesen, man müsse den Film mit Disney-Brille sehen, ihm seine Stereotypen verzeihen, das Leichtfüßige bemerken und den Umstand würdigen, dass eine Frau hier alles in Grund und Boden prügelt. Letzteres halte ich für selbstverständlich und behaupte sogar: für einen Film mit weiblicher Regisseurin, geht’s mir hier viel zu viel um den fröhlich swashbucklenden Alpha-Mann Chris Pine, der sich immer mit ein bisschen zu tiefhängendem Comic Relief aus der „Affäre“ ziehen darf. Ansonsten konnte ich den Film nicht wie „Die Eiskönigin“ schauen, denn dafür war er nicht lustig genug und hat sich auch selbst VIEL zu ernst genommen (ein Ewen Bremner ist halt kein Olaf). Man achte nur mal auf den wagneresken Soundtrack. Von der wirklich hanebüchenen WKI-Handlung aber mal ganz abgesehen. Wer weiß, wie viele Amerikaner jetzt denken, Ludendorff wäre Hitler 1.0 gewesen und die Deutschen schon vor 1933 Nazis (which is an entirely different discussion). Gal Gadot macht das gut, wirkt recht natürlich, wenn auch nicht immer so, als kontrolliere sie schauspielerisch alles, was sie da tut. Bock auf mehr Wonder Woman hab ich grade nicht. Was mich the most fuchsig an dem Film gemacht hat: Völlige Unentschlossenheit was Akzente und Sprachen betrifft. Beispiel: man unterhält sich als englischsprachiger Spion, der sich als Deutscher ausgibt, mit einem Deutschen auf Englisch mit fakem deutschen Akzent, spricht aber andererseits in einem mutmaßlich belgischem Dorf dann deutsch.

Kurzkritik zu Alien: Covenant

Lieblos geschriebene und übertrieben professionell gefilmte nihilistische Alien-Kacke mit ätzenden Plot-Twists, die vorhersehbarer sind als jede ALF-Folge. Prometheus war eigentlich ein guter Einstieg, aber dank Covenant hab ich gänzlich das Interesse an der Origins-Story verloren. Fassbenders penetrant sinsistres Elitisten-Gehabe ist die reinste Reissbrett-Schurkerie und die Crew schenkt sich nichts mit der langen Ahnenreihe aus saublöd handelnden Astronauten im Umgang mit fremden Kulturen. Ah, ein schleimiges Alien-Ei, da möchte ich mal hineingucken. Hmmm, was liegt da auf dem Boden, das fass ich doch am besten mal an. Wie froh bin ich jetzt doch, dass Ridley Scott sich beim Blade Runner-Sequel aufs Produzieren beschränkt und Denis Villeneuve den Vortritt lässt.

Kurzkritik zu Get Out

Ich seh’s voll ein, dass man den unterschwelligen Rassismus bis hin zum downright schizophrenen Gehabe um den Wert der afroamerikanischen Kultur unbedingt auch mal in einem „halbseriösen“ Genre wie einem Horrorfilm unterbringen musste, aber ich habe ein bisschen Angst, dass er da zu ungestraft ins Drastische mündet. Ist ja dann doch nur ein Genremobil, das sich überwiegend an Spielregeln und Klischees hält, auch wenn seine Message die korrekte ist. Slippery slope here, I know. Was ich sagen will: ich hab mir mehr Erfindungsgeist über die Rassenproblematik hinaus gewünscht, bin aber trotzdem mit der richtigen Mischung aus unterhalten und unterminiert nach Hause gegangen. Weißen reichen Arschgeigen kann dieser Tage nicht genug eingeschenkt werden – hoffe, das ist auch im echten Leben das Endgame.

Kurzkritik zu Guardians of the Galaxy Vol. 2

Ich hab viel gelacht und am Ende trotz oder wegen der schönen Kitschtrauer eine Träne zerdrückt. Manchmal war mir die Handlung arg egal, könnte ich sagen, aber das wäre auch gelogen, denn die Figuren waren ja die Handlung, der Humor war die Handlung. So schreibe ich ja selbst oft, und ich behaupte, das muss man erst einmal können. Der Film war gespickt mit Zwischenmenschlichkeiten und kleinen Besonderheiten und nur weil der Film meint, damit einen auf Vol.1 draufsetzen zu müssen, ist das noch lange nichts verwerfliches. Noch geht alles noch einmal – mit ein paar mehr Explosionen und einem herzrausreissenden Baby Groot. Ich fand das alles sehr schön und lustig, nur über die Hasselhoff- und Stallone-Cameos kann man ein Ei drüber schlagen.

PS: Dave Bautista ist ein Timing-Gott, ob im Ring oder im Kino.

Die 25 besten klassischen Western

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Dieser Beitrag geistert als Entwurf schon über zwei Jahre in meinem WordPress herum, und irgendwie hab ich ihn nicht veröffentlicht, weil sich meine Meinung zum Ranking ständig verändert. Zumindest hatte ich die Liste schon mal in einem arg Mezcal-geschwängerten 120-Minuten-Vortrag bei tschk!Talks gepreviewt. Jetzt hab ich eingesehen, dass es besser ist, ich veröffentliche den ursprünglichen Artikel mit den ursprünglichen Platzierungen, als wenn ich weiter mit mir und meiner Vergangenheit hadere so wie mein großer Freund Shane (see what I did there). Also direkt hinein in mein Vorwort von 2015.

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Seit Juli 2014 habe ich zirka 50 klassische (also keine Avantgarde, kein Eastern, kein Underground) und hochgelobte Western gesehen und versucht, sie in eine Reihenfolge zu bringen. Habe Schemata erkannt, die mir noch nicht bewusst waren, habe die Alten wie Ford und Hawkes schätzen gelernt, bin auf meine alten Tage zum John Wayne-Fan geworden und werde eines Tages selbst einen Western drehen oder schreiben. Die Grundlage meiner Recherchen und Filmvorführungen war eine Liste von IGN’s besten Western, auf die ich zufällig gestoßen bin, weil ich etwas zu Peckinpah recherchiert habe. Besagte Liste ist immer noch eine der besten, die ich online gefunden habe, und man glaube mir, ich habe eine Menge Western-Bestenlisten gefunden. Angefangen habe ich dann eben im Juli im Dachgeschoss meiner Eltern. Es hatte nachts noch über dreissig Grad, ich konnte nicht schlafen, weil es so heiß war, und mein damals vierjähriger Sohn nicht, weil ihn die Mücken auffraßen. Wir waren beide irgendwie außer uns. Er hörte die ganze Nacht Hörspiele, ich schaute Filme auf dem Laptop. Und zu dieser Hitze passte nur ein Genre, wie ich fand, und so schwitzte ich mich zunächst mit „The Wild Bunch“ und „The Man Who Shot Liberty Valance“ in den Schlaf. Als ich wieder in Berlin war, fing ich an, mir jeden Film, den ich sehen wollte, auf DVD oder Blu Ray zu kaufen, auch die Western, die ich bereits kannte, und sie nach meinem Gusto zu ordnen und ranken. Bis heute steht hier ein ganzes Regal voller grandioser Westernfilme, und in meinem Kopf gibt es diese Erinnerung an einen dreckig heißen Sommer mit einem Westernmarathon, die mir keiner mehr nehmen kann. Es war wie ein Urlaub, ein wirklich langer Urlaub im alten Westen. Let’s saddle the horses.

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Kurzkritik zu Logan

Jetzt ist es passiert. Endlich hat auch ein Marvel-Titel (mit der starken Einschränkung der 20th Century Fox-Lizenz) seinen dystopiösen und noch dazu vor Brutalität sprudelnden Nachdenkfilm. Dass dafür die ewig hadernde und grantelnde Sauklaue Wolverine herhalten muss, lag ja schon immer in der Natur der Figur. Selbst wenn der Film entgegen aller Fanboy-Hoffnungen so gut wie gar nichts mit dem teils recht gehässigen, aber originellem „Old Man Logan“-Comic zu tun hat, nutzt er trotzdem eine ähnlich alternative Timeline (sprich: gibt einen Scheiß auf das Chronologie-Zinober der X-Men-Filme), um seinen Figuren jede Menge Gewalt anzutun und den Game-Of-Thrones-erprobten Zuschauer auf die Streckbank einer Welt zu schicken, in der Genozid und Gentechnologie ein und derselben Lust und Laune entspringen.

Mir persönlich ist das zu brutal und zu negativ, ich brauche nicht die ständigen Zerfetzungen und die Omnipräsenz von Weltuntergang. Das hab ich im echten Leben zur Genüge. Davon abgesehen hinkt Mangolds zweiter Wolverine-Film auch unabhängig von meinem Gusto dem Zeitgeist hinterher. Nolans Dark Knight war bahnbrechend in Sachen „grounded & gritty superheroes“, und selbst dem vorausgegangenen Japan-Wolverine hätte dieser Ansatz noch ganz gut getan, aber 2017 kommt mir die Grundstimmung des Films verspätet postapokalyptisch (see what I did there) vor.

Klar, Hugh Jackman ist die Sympathie für die Rolle immer noch anzumerken – sein immenser Bartwuchs spielt sich stärker denn je in den Vordergrund – und Patrick Stewarts siechend kreuzfideler Professor X ist die bisher stärkste Inkarnation der Figur, aber Logans verwilderte und tollwütende Teenager-Tochter, der handelsübliche fanatische Wissenschaftler (Typ Mengele) und Boyd Holbrook als immer leicht gelangweilt wirkender Cyborg-Söldner Donald Pierce sind zu stereotyp, um diese finstere Realität auch wirklich als real zu empfinden. Deshalb gibt es auch keinen glaubhaften Antagonist und Hugh Jackman muss Doppelschicht als sein eigener Bossgegner schieben.

Fazit: „Logan“ mag auf den ersten Blick aussehen wie der Autorenfilm unter den Superhelden-Flicks, bleibt aber dann doch nur ein gut getarnter Wolvie-Slasher. Er ist trotzdem der beste der drei Wolverine-Stand-Alone-Filme, das ist ja auch was wert.

Kurzkritiken zu The Autopsy of Jane Doe, Ghostbusters (2016)

The Autopsy of Jane Doe:
Käse with a twist. Aber trotzdem Käse. Guter Gore, aber die Dialoge sind der eigentliche Horror. Die guten Bewertungen liegen sicher auch an den Vorschusslorbeeren für Tollhunter-Regisseur André Øvredal, dessen moderner Found-Footage-Klassiker diesem Film etwas Gravierendes voraus hat: Humor.

Ghostbusters:
Auch Käse. Der weibliche Cast ist stereotyp und muss sich ziemlich blöde Chauvi-Sprüche vom Mackergeist gefallen lassen. Darf außerdem dem Assistenten anzüglich hinterher hecheln, als ob das eine positive Eigenschaft wäre, die man sich als Frau endlich auch mal gönnt. Kristen Wiig find ich großartig, die Gags dafür alles andere als geistreich, und ich kann auch keine Filme mehr sehen, die ständig und zwanghaft auf die Originale anspielen müssen, damit die „jetzige“ Generation auch wirklich kapiert, warum das früher so toll gewesen ist. Dabei lag das hauptsächlich an Bill Murrays Adlib-Exzessen.

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