‘Gute Nachrichten’

Tanzschule

Es dürfte schon halb sechs gewesen sein, als wir das Mädchen auf der Tanzfläche vom Bassy gesehen haben. Ich habe sie gefragt, wo sie hin will und sie hat uns mit ins Kaffee Burger genommen. Es muss wohl eine dieser unsäglichen Russendiskos gewesen sein. Das Publikum war verroht, die Musik Ethno für Halberfrorene und überhaupt war der Laden von Primaten besetzt, nur vereinzelt gesellten sich Gepielinnen dazu, die sich für einen „krassen“ Abend im Burger mal wieder zu ihrem ausgewaschenen mittelkleinen Schwarzen überreden hatten lassen.

Inmitten dieser tristen Boheme tanzte aber dieses Mädchen und ein dauerhaftes Lächeln hatte sich auf ihrem Gesicht niedergelassen. Keins dieser Happy-On-Drugs-Grinsen und auch kein Hasch-mich-ich-bin-die-Prinzessin Smiley. Es war der pure Spaß am Tanzen und am Ausgehen. Klar machte sie die Neandertaler verrückt, klar fanden wir sie auch nicht unattraktiv, aber darum ging es nicht. Es war einfach nur ein Vergnügen, sie den Laden aufmischen zu sehen.

Viel hat sie nicht geredet und viel wollten wir auch nicht wissen. Wenn mich mein alkholgelöchertes Gedächtnis nicht im Stich lässt, war sie Sozialpädagogin und gerade von einem missglückten Berufsstart in einem Schweizer Kaff zurück nach Berlin gekehrt. Entscheidend war ihr Tanz. Bescheiden, lächelnd, rhythmisch en point, präzise die Armschwünge und doch leicht und bekömmlich wie Actimel.

Abendschule

Ausgehen bildet. Gestern habe ich gelernt, was „Scheiß der Hund drauf“ auf Isländisch heißt und es quasi umgehend wieder vergessen. Zudem habe ich gelernt, dass man sich am besten mit Dirk Nowitzki versteht, wenn man sich zwei Bierkästen unter die Füße schnallt. Schnallen ist wichtig, man will ja auch mit Herrn N. Schritt halten können. Ich habe Herrn Nowitzki gar nicht getroffen, nur jemand, der genauso groß war. Aber so funktioniert es, das habe ich gesehen. Weiterhin habe ich gelernt, dass es in Berlin ein Rabbitaxi gibt, gleichzeitig den Rekordhalter im wortkargen Navigieren. Den gegenteiligen Rekord wollen viele brechen, habe ich den Eindruck. Zu guter letzt habe ich nun hoffentlich endgültig gelernt, dass man nach einer Schnapsphase nicht mehr zu Bier zurückkehren sollte. Und ich habe heute Mittag seltsame Landschaftsaufnahmen von Oberbaum City in der Galerie meines Mobiltelefons gefunden. Den Lehrgehalt jener gilt es noch zu überprüfen!

Dear Munich

München ist synonymisch mit Sommerabenden für mich. Eingebrannt für Dekaden: Freitag Abend, nach einer Woche voller Workflow-Repressalien: Auf der Bierbank sitzend, die Beine im Wasser. Freunde, lauter laute, gemütliche Freunde. Zigaretten, Bier und Tätowierungen im Unterhemd. Die Jeans in Fetzen. Auf dem Weg zurück in die Stadt entfernen sich die Lichter des Sees. Der kurze, angetrunkene Weg zurück zur Münchner Freiheit. Vorbei an der toskanischen Villa, die es so nicht mehr gibt und eigentlich eh nur in meiner Vorstellung gab.

Dann einbiegen in die Wilhelmsstraße, wo schon ein blondes Mädchen vor meiner Haustür wartet, ebenfalls in Unterhemd und Jeans. Mit ausdruckslosen, aber großen Augen. Ich, willenlos und gleichgültig, hineinrumpelnd in die Münchner Nacht. Wo aufgeben noch ungefährlich war.

Jetzt ist es anders. Die pittoresken Verlockungen eines Stein gewordenen Stadttraums lassen mich kalt. Den Ostwind hab ich im Parka und den kriegt auch kein Fön mehr raus. Jetzt kann man sehen, wie es wirklich ist. Chancenlosigkeit und Pechsträhnen werden einem dort kaum verziehen. Die Eiscreme ist die beste, die Mädchen die gepflegtesten und die Italiener sind echt. Aber der Peer-Pressure in Sachen heiler Welt ist zu groß. Ich arbeite unter Hochdruck daran, einmal die Kriterien für eine Rückkehr zu erfüllen. Ob ich dann auch zurückkehre, steht auf einem anderen Blatt.

Inspiriert von Rebellen ohne Markt.

G.C.

Hier kocht der Chef!

Es war ein waghalsiges Unterfangen. Während eines Sommers wollte ich es schaffen, einen Drink in aller Volke Munde zu bringen, der Altvordere wie Wodka Lemon oder Gin Tonic nervös werden lassen sollte. Gin Cola (oder international Gin & Coke) , oder kurz G.C. war mein Kandidat, den ich ins Rennen um den Sommerdrink 2004 schickte. Und auch wenn die von mir vorgesehene Marketingzeitspanne zu kurz angesetzt war, der Promofeldzug nicht mit genügend Guerillahärte geführt wurde und der Drink auch nicht so super schmeckte, war sein Ende ein unrühmliches.

Angefangen hat alles mit einem Missverständnis auf einem Showcase der Berliner Band „Elke“. Miese Band, miese Leute, mieser Ort, miese Gesundheit und mieses Bier ließen mich an der Bar mit geschnorrten Getränkebongs Whiskey Cola bestellen. Ist gut für den Magen und verleiht miesen Abenden ein Mindestmaß an Freude. Zu der Whiskey Cola sollte ich einem Kollegen noch einen Gin Tonic besorgen und schon hatte ich den Salat. Der Barkeeper stammelte irgendetwas von Gin, Cola und ich war mitten drin in der Bebistik-Revolution. Spontan genehmigte mir meinen ersten Gin C. Er erinnerte mich im Aroma an Dr. Pepper und ich glaubte, eine bisher unentdeckte harmonische Synthese zweier klassischer Longdrinkzutaten entdeckt zu haben. Natürlich vertraute ich nicht nur meinem Instinkt, sondern auch meiner Fachkenntnis, schließlich hatte ich während meiner Studentenzeit in einer Spätkneipe mit strenger Cocktailbar nach Schumanns Art gerabeitet. Und mit Krawatte.

Nachdem ich mich also selbst vom zukunftsträchtigen Aroma überzeugt hatte, verbrachte ich die Folgemonate damit, in jeder denkbaren Berliner Bar GC zu bestellen und die fragenden bis abschätzigen Blicke des Thekenpersonals mit motivierenden Promohämmern wie „Is’n geiler Drink“ auszuhebeln. Die Erfolge blieben aus, selbst in meinem Freundeskreis ließen sich nur wenige auf das Experiment ein und die klagten am nächsten Tag über Kopfschmerzen, was ein unfairer Einwand war, denn das taten sie immer. Ein jähes Ende erfuhr die Kampagne, als der Barkeeper einer Kreuzberger Kneipe bei meiner Bestellung verächtlich auf den Boden spuckte. Ab da hatte ich nun wirklich keine Lust mehr.

Übrigens, ich bin nicht der einzige!

First Blood

Das erste Mal tut’s noch weh. Wer auch immer dieses Blog liest, sollte sich nicht allzu viele Gedanken über den Autor machen. Das wäre mir tatsächlich ein wenig unangenehm. Vermeiden kann man es nicht, aber um potenziellen Lesern gleich mal die Fantasieflügel zu stutzen: Der Autor gondelt so um die Dreissig herum, ist berufstätig, und zwar in der Medienbranche, und lebt in Berlin. Zudem hört er gerne Gitarrenmusik aus dem Independent-Sektor, interessiert sich für Film und Fernsehen und natürlich zu mancherlei Leser Entsetzen für Fußball. Genau um diese Dinge soll es auch in diesem Blog gehen. Vorher kann man viel erzählen, mal sehen was hinterher rauskommt, wozu es führt, und ob’s noch jemand anderen ausser mich selbst interessiert. Falls man mich direkter als über das Blog ansprechen möchte, biete ich die Gelegenheit über berni [at] burnster [punkt] de!

1 25 26 27