‘Gute Nachrichten’

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Genau, das mach ich jetzt für ein paar Tage. War ein schönes Jahr mit euch, den Brennerpass-Kunden, sowie den Conaisseurs einfühlsam defätistischer Weltbeobachtungen, den Mandel-Lesern, und natürlich den Überschneidungsrezipienten. Ich hab keine Vorsätze fürs neue Jahr, weil ich pralle Bombe an das glaube, was ich hier und andernorts tue. Und weil ich mittlerweile zu alt bin, um zu lügen, könnt ihr mir ruhig glauben, wenn ich Euch jetzt schöne Feiertage wünsche und einen guten Rutsch, wenn ich vorher nichts mehr von mir hören lasse.

Ich verbleibe mit Steve Miller:
Go On, Take The Money And Run,
Euer Burnstl

2012

Platten:
Baroness – Yellow & Green
Hot Water Music – Exister
Marsimoto – Grüner Samt
Grimes – Visions
Japandroids – Celebration Rock
The Jealous Sound – A Gentle Reminder
Azealia Banks – 1991 EP
Kreator – Phantom Antichrist
The Shins – Ports Of Morrow
Krallice – Diotima (2011)
Dirty Projectors – Swing Lo Magellan
Paul Simon – Graceland (Re-Release)
Sinkane – Mars

Songs:
Carly Rae Jepsen – Call Me Maybe
Baroness – Little Things
Hot Water Music – Mainline
Solange – Losing You
The Jealous Sound – This Is Where It Starts
Eels – Peach Blossom
Action Bronson – The Come Up
Graveyard – The Suits, The Law, The Uniform
Baroness – Stretchmaker
Japandroids – Fire’s Highway
Torche – Kickin
Grimes – Oblivion
Matt Skiba & The Sekrets – Voices
Dirty Projectors – Swing Lo Magellan
Beach House – Other People
Django Django – Default
The Sword – Cloak Of Feathers
Frank Ocean – Thinkin Bout You
Marsimoto – Indianer

Ältere Platten:
Led Zeppelin – Led Zeppelin 2
The Allman Brothers – At Fillmore East
Steely Dan – Can’t Buy A Thrill
Steely Dan – Pretzel Logic
Eagles – Eagles
Bob Dylan – The Times They Are A-Changing
Lynyrd Skynyrd – Gold (Collection)
Pink Floyd – Dark Side Of The Moon
Thin Lizzy – Live At The BBC
Idaho – Hearts Of Palm

Ältere Songs:
Lemonheads – The Outdoor Type
Serge Gainsbourg – Mambo Miam-Miam
Led Zeppelin – Nobody’s Fault But Mine
Deep Purple – Fireball
Audioslave – Show Me How To Live
Frankie W. Stubbs – Plebs (Acoustic)
Reinhard Fendrich – Strada Del Sole
Lynyrd Skynyrd – Saturday Night Special
Pink Floyd – High Hopes
Alkaline Trio – Dine Dine My Darling
Urban Dance Squad – Demagogue
Pennywise – Fuck Authority
Motörhead – Stay Clean
Steely Dan – Night By Night
Wu Tang Clan – Wu Tang Clan Ain’t Nothing Ta F’With
Tori Amos – Caught A Lite Sneeze
Neil Young – Cowgirl In The Sand
Jawbreaker – Sleep

Filme:
Tinker Tailor Soldier Spy
Dredd 3D
The Descendants
Safety Not Guaranteed
Moneyball
Warrior
Cabin In The Woods
The Innkeepers
Looper
Man In Black 3
Prometheus
Lawless
Led Zeppelin – Celebration Day

Serien:
The Walking Dead Season 3
Breaking Bad Season 5
Justified Season 3
Boardwalk Empire Season 3

Bücher (2012 gelesen):
Scott F. Fitzgerald – The Great Gatsby
Jock/Snyder – Batman:Black Mirror
Mick Foley – Mankind: Have A Nice Day
Jonathan Franzen – Freedom
Ian Kershaw – Das Ende
Lawrence Wright – Der Tod wird Euch finden

Spiele:
Sleeping Dogs (PS3)
WWE 13 (PS3)
The Walking Dead: Assault (iPad)
Grand Theft Auto: San Andreas (XBox360)

fußball am stock

Ich kann jetzt schon sagen, dass das nicht so ausführlich und biografisch bereichernd wie beim Supermek wird, aber ich danke der Lisa für diesen Stock, weil das ist ja wie Interviews geben und ich gebe ja nichts lieber als Interviews. Und dann noch zum Thema Fußball.

1) Erzähl mal – welcher Verein und warum?
Der Opa war Fan, der Papa war Fan und somit hab ich das nie hinterfragt. Ich hatte schon Bayerntrikots und Autogrammkarten von Dremmler, Breitner, Rummenigge und Co, da wusste ich noch nicht was Abseits ist. Zudem gab es in der Grundschule eine erbitterte Rivalität zwischen uns Bayernfans und den HSV-Fans, das hat die Einstellung gleich aufs brutalste zementiert. Ich hatte wegen einer Schubserei mit dem Littich Sepp (einem HSV-Fan) mal zwei Tage eine Augenklappe.

2) Was ist deine verhassteste Schweinephrase?
Dieser beschissene Tote-Hosen-Song. Von Sell-Outs aus Schnöseldorf müssen wir uns gar nix sagen lassen.

3) Was war dein bisher unangenehmster “Feindkontakt”?
Da ich so gut wie nie ins Stadion gehe, da ich erstens in Berlin wohne und zweitens keine Menschen in Massierung leiden kann, hält sich der Kontakt in Grenzen. Einmal sind wir nach dem DFB-Pokal-Spiel Union gegen Freiburg von betrunkenen Unionfans angegangen worden, dass wir schwule Schweine sind. Aber das war irgendwie auch süß von den heißen Union-Boys.

4) Lustigste Fußballanekdote
So lustig ist die gar nicht, aber schön. Als Bayern im Champions-League-Viertelfinale 2009/2010 schon in der ersten Halbzeit 3:0 zurücklag, verließ ich wortlos das Public Viewing, setzte mich auf einen einzelnen Stuhl auf dem menschenleeren Arkonaplatz und trank dort mein Bier aus. Ich hatte Tränen in den Augen und wollte gerade auf mein Fahrrad steigen, als mein Kumpel T. mir eine SMS aus der Kneipe schickt: 3:1 Olic, jetzt ist wieder alles drin oder so ähnlich. Ich bin dann reingegangen, hab mir noch ein Bier geholt und mit dem 3:2 von Robben sind wir dann weitergekommen.

5) Was ist für dich die Faszination am Fußball?
Dass es nie aufhört, dass es immer da ist, wie das Radio. Das ist ein Stück Beständigkeit in dieser von Paradigmawechseln geplagten Erwachsenenwelt.

Wenn der sehr geschätzte Kollege MQ den Stock annehmen will, würde ich mich freuen, kann aber auch mit einem Korb gut leben.

Empfehlungen

Thunfischfertigpizza. Die Feist-Platte „Metals“. Ich mag Feist nicht so gerne, aber vor Jahren hat sie mir mal die Wartezeit auf ein neues Leben versüßt. Deshalb Stein im Brett trotz grundsätzlicher Abneigung. Aber auch Stein im Brett wegen der tollen Kleider und der konsequenten Frisur. „Metals“, weil man der Platte den Aufenthalt in Big Sur anhört. Wer mal da war, kennt diese raue Zufriedenheit, die einen umspült wenn man an der Küste herumsteht und die Robben jaulen. Sehr gerne „L.A. Confidential“ auf DVD. Hard Boiled Noir geht in jedem Jahrzehnt und zu jeder Jahreszeit, das Genre hat eine beruhigende Allgemeingültigkeit. Mein erster Film mit Russell Crowe damals. In den Filmen, in denen er kurze Haare hat, ist er am besten. Gladiator, die Action-Melancholie schlechthin. Kiffen ist gut gegen Gelenkschmerzen. Besser als diese unfassbar teuren Muskelentspannertabletten, die einem den Magen ausbrennen. Einem wie mir zumindest. Einem sensiblen Magenmenschen. Kentucky Fried Chicken zwischendurch an einem Bahnhof. Hamburger Hauptbahnhof zum Beispiel. Großartig, wenn man auf einen Zug nach Hause wartet. Entenbrust gebacken beim Asiaten ist gut für Feiertage. Und Röhrenverstärker. Jahrelang verneint, eigentlich nur zu geizig gewesen. Jetzt aber kurz vorm Tod vom Marshall noch eine Pracht von Kombo gekauft. Das ist so warm und wärmend, dass aus der Metalband jetzt eine Retro-Rock-Band werden wird. Wegen dem Sound und dem staubig, angebrannten Geruch, den die Röhren machen. Und weil wir gerade bei Geruch sind: Kirschkernkissen. Der Nacken jubiliert. Man darf es nicht zu lange in die Mikrowelle halten, sonst verbrennt es. Rauchgestanksentwicklung, Frau und Kind werden evakuiert. John Keats zwischendurch, aber ein kürzeres Gedicht. Nicht verstehen, nur lesen. Leer bleiben. Und jemand Französisch sprechen hören. Eine Frau am besten. America, die Band. „Sandman“ ist gut. Wie krisp Bass und Schlagzeug in den 70er klingen, macht mich froh. Mal wieder GTA San Andreas spielen. Cruisen mit den Death-Row-Sachen aus L.A. in den Neunzigern. Snoops Art zu rappen hat alles auf den Kopf gestellt. Aber auch Tom Pettys „Running Down A Dream“ passt in das Spiel. „Full Moon Fever“, tolle Platte. Im Fernsehen läuft „Wissen macht Ah!“ mit Ralph und Shary. Die hätten mal WettenDings!? moderieren sollen. Alte Spiegelreflex raussuchen, Schwarzweißfilm rein und Häuser fotografieren. Instagram auslachen. Sich ins Bett legen und ein Buch über Wrestling von Mick Foley lesen. Gedankenlos durch „Storm Of Swords“ brausen und so lange alles überlesen, bis etwas passiert. Eine Postkarte drehen und wenden. Eine von Gehart Richter mit der Sonic-Youth-Kerze, ihr wisst schon. Auf Kunstportalen Bilder mit Pferden anschauen und sich vorstellen, wie das wäre 220 Euro für ein Poster auszugeben und es vielleicht gleich bestellen, weil die Vorstellung so schön ist. Aber vielleicht auch noch warten bis es dunkel wird. Pferde sind die neuen Eulen. Stadionkarten auf dem Schreibtisch für ein Spiel, das nicht weh tut. Die Angst vergessen und noch eine Runde Feist hören. Auf „Publizieren“ drücken, ohne nachzudenken.

Nachlese

Vielen Dank an alle, die am Dienstag in der Buchbox waren. Es hat Markus und mir einen Riesenspaß gemacht. Ich muss zugeben, dass viel abgeschweift und gealbert wurde, obwohl das Buch eigentlich gar nicht ausschließlich lustig gemeint ist, aber ich sehe eine Lesung nicht als werkgetreue Umsetzung eines Romans, sondern als eine unterhaltsame Veranstaltung. Und ich bin ja auch kein professioneller Vorleser, ich bin also gezwungen, auf den ein oder anderen Blödsinn auszuweichen. Lange Rede, kurzer Sinn: Danke, schön war’s mit Euch. Mein besonderer Dank gilt natürlich dem selbstlosen inhaltlichen und technischen Einsatz von Markus Kavka und ganz besonders Diane Weigmann, die eine fantastische Veronika Malleck dargeboten hat. Vielleicht befolge ich auch beim nächsten Mal Markus‘ Rat, nicht während der Lesung Bier zu trinken. Vielleicht auch nicht.

Kommende Unternehmungen:
20.01.2012 1Live Klubbing in Köln ab 23:00 Uhr
16.03.2012 Lesung mit Ingo Oschmann in Leipzig, Ilses Erika

Demnächst folgen noch Termine für Hamburg und München.

=

Ich resümiere ja gerne. Nicht nur am Jahresende. Ich glaube sogar, ich habe eine Art Resümiermanie. Ich mag es allerdings nicht, die Fakten zu reihen und auf ein Ergebnis zu bringen, ich bin kein Mathematiker, ich kann das gar nicht, weil ich mich nicht so lange konzentrieren kann. Ich trinke lieber ein Bier oder fange einen Blogeintrag an und rede drauf los, so komme ich zu meinem Gesamteindruck. Ich fang mal an.

Inflation droht, die Leute toben um das Materielle herum und kaufen wie blöd. Währenddessen verliert das Materielle ständig an Wert. Lustig, oder? Staaten drohen, Staaten marschieren, Bürger protestieren, Religionen triumphieren. Klingt alles furchtbar, aber höre nur ich leise aber anschwellend so etwas wie eine Stimme der Vernunft? Eine Stimme für vernünftige Tierhaltung, vernünftiges Essen, vernünftige Energie, vernünftige Behandlung von Mitmenschen, vernünftiges Unterdrücken unseres Vernichtungstriebs? Die Verschwörungstheoretiker laufen Amok dieser Tage, weil sie etwas ganz anderes hören. Sie hören den Neid und das Chaos, den Zusammenbruch und die Entgleisung. Und die aufkeimende Stimme der Vernunft sei nur ein Grund mehr, für die geheime Weltregierung g’scheit draufzuhauen, sagen sie.

Ich resümiere also: es wird noch schlimmer, bevor es besser wird, aber dann geht’s bergauf. Die Welt geht nächstes Jahr nicht unter, aber irgendwann ist natürlich Schluss, das ist ja im Menschsein schon so eingebaut.

Guten Rutsch allerseits!

2011

Platte:
Kvelertak – Kvelertak
Bon Iver – Bon Iver
Toxic Holocaust – Conjure And Command
The Strokes – Angles
K.I.Z. – Urlaub fürs Gehirn
Amon Amarth – Surtur Rising
Barnburner – Bangers II: Scum Of The Earth
Leatherface – Viva La Arthouse
Jay-Z & Kanye West – Watch The Throne

Song:
Kvelertak – Bloodtørst
Toxic Holocaust – Bitch
Wolves Like Us – Deathless
The Strokes – Macchu Picchu
K.I.Z. – Der Durch die Scheibeboxxxer
Jay-Z & Kanye West – Church In The Wild
Bon Iver – Towers
Beyoncé – Countdown
Beatsteaks – Automatic
Mr. Muthafuckin eXquire – Huzzah!
Locas In Love – An den falschen Orten
Boy – Little Numbers
Kvelertak – Sultans Of Satan
Barnburner – Scum Of The Earth

Evergreen (Songs):
The Kinks – Waterloo Sunset
Keimzeit – Amsterdam
Slayer – South Of Heaven
Iron Maiden – Murders In The Rue Morgue
Megadeth – Killing Is My Business
Weakerthans – Civil Twilight
Seaside Stars – My Generation
Running Wild – Port Royal
Dire Straits – Down To The Waterline
Motörhead – Overkill

Konzert:
Kvelertak (Festsaal Kreuzberg)
Liturgy (Bang Bang Club)
Iron Maiden (O2-Arena)
Wolves Like Us/Blood Command (Hulen, Bergen, Norwegen)

Film:
Ides Of March
Melancholia
Source Code
Black Swan
Black Death
Catfish
Insidious
Drive
Fright Night

Spiel:
Skyrim (XBox360)
Batman: Arkham City (PS3)
Assassin’s Creed: Revelations (PS3)
Uncharted 3: Drakes Deception (PS3)
Pirates! (iOs)

Serie:
Homeland
Game Of Thrones
Community
Boardwalk Empire
Justified
Curb Your Enthusiasm

Buch (2011 gelesen):
Robert Gerwarth – Reinhard Heydrich
Bernhard/Unseld – Briefwechsel
David Peace – The Damned United
Reynolds/Alvarez – The Death Of WCW

Es wird scho glei dumpa

Ja, es ist wahr, vor der senilen Bettflucht kommen die Nostalgie und die Heimatgefühle. Ich fand zwar Weihnachten in meinem Heimatort auch in den merkwürdigen Jahren nicht schlecht, aber es war eher eine Auszeit, eine Art Schlafmohn hinweg von den Gehässigkeiten des ostpreußischen Winters. Mittlerweile höre ich aber tatsächlich Weihnachtslieder und zwar nicht nur von den Pogues, den Beach Boys oder dem Sufjan Stevens – nein, ich höre bayerische Bergweihnachten mit Zither, Bläser und mehrstimmigen Chören. Und wenn dann mein Papa schon ab Mittag in der Küche steht und alle rausschmeisst, die ihn beim Kochen stören und abends die Nichten um einen herumrasen, dann ist das für mich das Heimatgefühl schlechthin, und da entschuldige ich mich auch nicht mehr dafür. Ausserdem gibt es ja mittlerweile auch noch meine hauseigene Familie, die zwar auch nicht in die Küche darf, aber immerhin können wir alle zusammen um einander herumrasen, sobald das Bescherungsfreizeichen ertönt ist. Lange Rede, kurzer Sinn, ich freu mich auf Weihnachten daheim. Ich hau mich jetzt auf die Autobahn und wünsche allen, die hier lesen, ein schönes Fest. Und wenn sich wer an Weihnachten mit der Verwandtschaft die Köpfe zusammenhauen will, dann soll er das unbedingt tun, sonst ist ja auch nie Zeit. Hauptsache danach einen Schnapps miteinander trinken.

Reisst’s Euch z’sam, Euer Burnstl.

Irgendwann muss ein jeder heim

HEUTE zeigen Markus Kavka und ich im Grünen Salon in Berlin die Serie „Irgendwie und Sowieso“ von Franz Xaver Bogner mit Elmar Wepper, Robert Giggenbach, Ottfried Fischer, Olivia Pascal, Hannelore Elsner, Bruno Jonas, Karl Merkatz, Barbara Rudnik, Michaela May, Sigfried Rauch u.a.

Warum machen wir das? Erstens, weil uns der Gernsehclub dazu eingeladen hat, zweitens weil wir uns bei aller Liebe zur preussischen Großstadt hin und wieder erinnern müssen, wo wir herkommen. Das ist wie ein Zwang.


(Bild vom Bayerischen Rundfunk)

Ich muss zugeben, dass ich mir zur Vorbereitung jüngst alle Folgen schnell noch mal hineingepfiffen habe. Auch wenn ich die Serie bereits dreimal gesehen habe, war zu meiner Studentenzeit das letzte Mal und das ist dann ja ein paar Monate her. Ich war immer ein aufrichtiger Bewunderer der Reihe, hab sie aber qualitativ stets unter den regionalistischen Dietl-Dauerbrennern wie Monaco Franze, Kir Royal oder Münchner Geschichten eingeordnet. Zu Unrecht, denn sie ist einfach nur weniger sardonisch und vielleicht ein klein wenig naiver, was den Blickwinkel angeht. Aber genau das macht sie aus.

Wie sich’s für eine Serie gehört, fing ich vor ein paar Wochen mit der ersten Folge an und auch wenn ich dem Autor und Regisseur Franz X. Bogner schon ab dem Pilot ein sagenhaftes Gespür für Timing und wahrhafte Dialoge bescheinige, hielt ich die erste Folge für ein bisschen zu aufgedreht, zu plakativ und auf zu lässig getrimmt, mit vielen One-Linern, über die ich heute nicht mehr in dem Maße lachen kann wie in meiner Gymnasialzeit. Doch schon ab Folge 2 begreift man Folge 1 lediglich als eine Präambel zur einer Geschichte übers Älterwerden und dem Aufflammen eines inhärenten Abschiedsschmerz, den Auftakt vom Ende der Jugend auf dem Dorf, scheißegal ob in den 68ern oder jetzt. Genau genommen hab ich der Serie die Hippie-Zeit auch in der Ausstattung nie so ganz abgenommen, andererseits ist das vielleicht die Crux, dass selbst 1968 dasselbe bornierte Treiben auf dem Dorf geherrscht hat wie in meiner Jugend zwanzig Jahre später und man das Jahrzehnt noch nicht einmal an der Mode wiedererkennt. Aber immerhin an den Autos.

Zurück zur Serie: Sobald sich die Aufregung um den Sir ab Folge 3 ein wenig gelegt hat, entwickelt die Serie einen fast furchterregenden emotionalen Sog um die Beziehungen seiner Hauptdarsteller, wie man ihn heutzutage in keiner deutschen Serie mehr findet. Dass neben der Beziehungsagonie der Darsteller der Humor, die Musik (u.a. die vom Haindling) und die Autos nicht zu kurz kommen, ist einem feinsinnigen Balanceakt von Bogners Drehbuch geschuldet. Und den hat er in der Perfektion höchstens noch in der „Freiheit“ hinbekommen.

Die oft zitierte und nie wieder erreichte schauspielerische Leistung von Ottfried Fischer als „Sir Quickly“ ist nicht die einzig bemerkenswerte. Auch Elmar Wepper (das ist der Unblöde von beiden Weppers), Robert Giggenbach und allen voran Toni Berger als Holzmagnat Binser geben hier Bestleistungen ab. Man merkt tatsächlich, dass jeder aus dem Nähkästchen spielt, sogar die gespreizte Hannelore Elsner bringt ab Mitte der Serie ein paar Brocken Bairisch heraus, denen man ihre Heimat, das oberbayerische Burghausen, noch anhört. Ich weiß nicht genau, wo ich Olivia Pascals Schaffen in diesem Kontext einordnen soll, denn sie spielt die größte Z’widerwurzn der bayerischen Fernsehgeschichte und schon allein vom Zuschauen treibt sie einen in den Wahnsinn, da kann einem der Sir wirklich nur leid tun. Zehrt sie nicht allzuviel von ihrer hauseigenen Z’widerkeit, muss man auch ihr ein Riesenkompliment machen. Aber vielleicht auch so.

Am Ende steht aber niemand so für das Ende einer Epoche, für die Fin-De-Siecle-Stimmung (inmitten des Jahrhunderts) wie der Binser und das Ende seines Holzimperiums. Ein Kriegsgewinnler, ein Vorläufer des bajuwarischen Homo Amigous, ein Alleinherrscher und bedingungsloser Machtmensch, wie man ihn selbst heute noch in freier Wildbahn hin und wieder sichtet, der in einer Art Spätpubertät erkennt, dass weder das viele Geld noch die Unterwürfigkeit eines halben Landkreises viel taugt, wenn man zu faustisch dafür gelebt hat. Auch wenn er noch in den alten Manierismen eines Großkopferten gefangen ist, ahnt der Binser als Erstes aus der Clique, dass am Ende von allem Entwicklungen nur die Freundschaften und die Erinnerungen daran übrig bleiben. Und so erinnert die Serie nicht nur den des Bairischen Mächtigen an eine Tatsache, die selbst der cleverste Geschäftsmann nicht hinweg wirtschaften kann: „Irgendwann muass a jeda moi hoamgeh – ganz egal wo des dann is.“

(hurensakramentsackelzefixnoamoi) – Vom Saulus zum Paulus

Äh, ja, was wollte ich sagen? Zuerst einmal dass mich mein Dauerschnupfen dermaßen aufregt, dass ich jemand umhauen könnte, am besten den Rösler, dessen Gesicht ich in den niederbayerischen Brockhaus als Prototyp für einen „Bledschaua“ (hochdeutsch: „Gesichtskrapfen“) eintragen würde, gäbe es einen niederbayerischen Brockhaus. Aber eigentlich wollte ich erklären, warum ich nicht mehr soviel motzen und maulen tu wie früher oder wie beispielsweise der Norbert. Das hat zwei Gründe. Der weniger wichtige Grund ist der, dass seit der Erfindung des Internets das Motzen quasi eine Hochkonjunktur hat, wie wir sie seit der Weimarer Republik nicht mehr erlebt haben und ich mit meiner einst erfrischend nörgligen Art jetzt leider kein Distinktionsgewinner mehr bin. Aber der Hauptgrund ist der, dass wenn ich mich wieder mal dermaßen über die Politik, Farcebook, irgendwelche dahergelaufenen und klugscheissenden Internet-Gfrieser, die scheissdrecks Baustellen in der Stadt oder meine gottverreckte kaputte Zentralverriegelung aufrege, ich so eine schlechte Laune bekomme, dass ich mich anschließend maßlos drüber aufregen muss, dass ich mich wieder so sinnlos aufgeregt habe. Und wie dieser Teufelskreis weiter geht, sagt ja schon der Begriff Teufelskreis. Am Ende kommt man aus dem Aufregen nicht mehr hinaus und das ist in meinem Alter nicht mehr gesund. Deshalb ist der Kurswechsel hin zu einem sublimen Positivismus eine rein medizinische Angelegenheit, keine ideelle, dass wir uns da richtig verstehen, ihr Arschgeigen.

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