‘Fußball’

Burnsters WM-Studio 2010 (16)

Ein Tag an der Küste und die Rückkehr der Komplementärfarben

Zurück von der Küste, rechtzeitig zur beinharten (sic!) Viertelfinal-Besprechung. Zuvor der Geheimtipp für Ostseefreunde: Wenn schon langweiliges Rentnerdasein mitten in der Midlife Crisis, dann in Rerik. Traumstrand, Traumlagune („Haff“ sagt man ja, sagte man mir) und passable Fischrestaurants. Bitte unbedingt vom Italiener das Softeis probieren und bei Sonnenuntergang eine Zigarette auf dem kleinen Fußweg über dem Strand rauchen. Abends noch in Hamburg gewesen und Stromausfall auf der Reeperbahn genossen. Burlesk-Bar mit Kerzenlicht und Goldies aus dem Ghettoblaster in familiärer Atmosphäre. Leider ohne Herrn Kid diesmal, weil zu spontan. Und ebenso spontan von einer Monstermücke in den Fuß gestochen worden, mitten auf dem Kiez. Aber jetzt zu den Spielen.

Deutschland – Argentinien 4:0
Bin mir nicht so ganz sicher, ob ich das geträumt habe und immer noch am Strand von Rerik liege. Kann echt nicht angehen, wie blauäugig Argentinien in das Spiel gegen unsere Vorfeldpöbler ging. Mir war die deutsche Brust zu breit und die miserablen Parabeln von der südamerikanischen Volksseele zu albern, aber so blöd hätten sich die Diegos nun auch nicht gegen die Jogis anstellen müssen. Schlecht vorbereitet, nullstens auf die deutsche Offensive eingestellt und ohne den Hauch einer Strategie musste der arme Maradonna schon beim 1:0 von Müller fast kotzen. Keine Schadenfreude, aber auch kein Mitleid. Dass jetzt mittlerweile auch wirklich jeder Volldepp mit unserer grauslich grellen Flagge das Straßenbild verschandelt, ist der Nachteil solch eines grandiosen verdienten Siegs der deutschen Mannschaft. Aber ich gehör auch zu der Generation, die es ein bisschen gruselig findet, wenn jemand laut deutschprachige Nationalhymnen mitsingt.

Spanien – Paraquay 1:0
Das war eine bemerkenswert merkwürdige Begegnung. Nicht das laueste Lüftchen von Spielgeist in der ersten Halbzeit und in der zweiten dafür das vorverlegte Elfmeterschießen. Letzlich ein verdienter Sieg von Spanien und für die Spielkultur ein besserer Gegner für die Deutschen als die Blockade-Elf um den erstaunlich bullig gewordenen Roque Santa Cruz und den unglückseligen Cardozo. Mal sehen, was Torjäger Arne Friedrich mit Torjäger David Villa anzufangen weiß.

Holland – Brasilien 2:1
Kennst du den schon? Treffen sich drei Holländer alleine vor dem brasilianischen Tor. Sagt der eine zum anderen: Schießt du? Nee, du? Ich auch nicht. Ach, komm dann lassen wir’s ganz sein. Großartiges Spiel und äußerst sympathische Holländer, die sich sowohl den Abholzungsversuchen als auch dem Bombardement der Brasiliner in der ersten halben Stunde zu widersetzen wussten und ihrerseits mit Stoßfußball der Sonderklasse antworten konnten.

Uruquay – Ghana 4.2 (n.E.)
Das war ein Drehbuch, kein Spiel. Welcher begnadete Autor hat sich das ausgedacht? Ich hab zu den Urus gehalten, was mir in Altona nicht unbedingt Sympathien eingebracht hat. Nix gegen Ghana, aber einiges gegen Kevin „*****“ Boateng. Guter Fußballer, aber Riesendepp.

Burnsters WM-Studio 2010 (15)

Achtelfinale Recap

Bevor wir heute den Wulff übergestülpt bekommen und morgen alle gesetzlichen Krankenkassen insolvent gehen, bevor die FDP endgültig unter die 1%-Marke sinkt und sich Guido Westerwelle aus dem Flugzeug stürzt, bevor der Walfang weltweit wieder legalisiert wird und Mezut Özil zum FC Barcelona geht, bevor Angela Merkel auch den letzten lebenden parteiinternen Konkurrenten zum Rücktritt gezwungen hat, bevor die sogenannten „jungen Eltern“ Berlin spießiger als München gemacht haben und bevor der Videobeweis im Fußball eingeführt wird – davor möchte ich kurz nochmals alle Achtelfinal-Partien kommentieren.

Spanien – Portugal 1:0
Eine Fußfessel von einem Fußballspiel. Die Spanier wollten ja, aber die Portugiesen haben dieses Spiel zerhackt, gespalten und gebremst. Villa feuerte aus allen Rohren und musste dann doch erst ins Abseits, damit er einschlägt. Ist natürlich unglücklich im Licht der jüngsten Fehlentscheidungen, aber war a) fast gleiche Höhe und b) verdient, weil das peinliche Possenspiel von Ronaldo eh sein Haltbarkeitsdatum überschritten hatte.

Paraguay – Japan 5:3
Unschönes Spiel und ein weiteres Anschauungsbeispiel dafür, dass Fußballer 2010 offensichtlich nicht mehr den Schuss aufs Tor aus mehr als 16 Metern trainieren. Gruselig, was man da in dieser WM schon alles gesehen hat. Das Elferschießen war spannend und fast jeder Elfer unhaltbar. Kann man nur froh sein, wenn man gegen Japan oder Paraquay nie ins Elferschießen muß. Da hätten unserem Trickbetrüger Manu Neuer auch keine Tricks mehr geholfen.

Brasilien – Chile 3:0
Brasilien spielt wie die Borg und Widerstand ist vermutlich auch zwecklos.

Niederlande – Slowakei 2:1
Die Holländer wissen offensichtlich nicht so recht, ob sie sich bei WM wohlfühlen oder nicht. Bis sie das entschieden haben, gewinnen sie einfach ein paar Spiele. Robben muss sich doch auch langsam wundern, wieso er in diesem Jahr schon 20x dasselbe Tor schießen konnte und keiner tut was dagegen.

Argentinien – Mexiko 3:1

Es ist wie 2006. Argentinien verprasst schon alle Glückshormone in der Vorrunde, gerät dann ins Stolpern gegen Mexiko und strauchelt im Viertelfinale gegen Deutschland. Tolle Mannschaft dennoch, die endgültig beweist, dass eine gute Mannschaft eigentlich gar keinen Trainer braucht.

Deutschland – England 4:1
In Neukölln (das ist Berlins neuer Vorzeige-Spaßbezirk) kriegt man ja selbst als Türke Ärger wenn man die Deutschland-Fahne zückt, denn unsere Antifa ist unerbittlich. Zum Spiel wurde ja alles gesagt, ausser dass Rooney sich nicht die Brust hätte rasieren müssen, um zu zeigen wie ein echter Fußballer-Ranzen aussieht im Gegensatz zu dem peinlichen Sixpack-Geprolle mancher seiner internationalen Kollegen.

USA – Ghana 1:2

Wenn man Ghana so sieht, muss man den Deutschen ihren leidlichen Auftritt gegen die Afrikaner eigentlich fast verzeihen. Jetzt, wo sie auch abschließen können, ist Ghana auf Augenhöhe mit den letzten Acht. KP Boateng ist ein Arschloch sondersgleichen und ein super Fußballer. Die Amis konnten sich bei dem Spiel ausnahmsweise nicht auf Donovan verlassen, denn der war mit dem Kopf schon ganz wo anders. In einer anderen Schlinge.

Uruguay – Südkorea 2:1

Mediokres Spiel, das ich in einem kleinen Biergarten gesehen habe, dem sie angeblich in der Nacht zuvor die immens große Leinwand gestohlen hatten. Schienen aber noch eine Zweite gehabt zu haben. Apropos stehlen: Eine Mini-Einbruchsserie im Haus eines Freundes fand während des letzten Deutschland-Spiels statt. Warum sollen auch immer nur die Gastronomen am Public Viewing verdienen?

Zuletzt ein Lob an die TV-Teams der Sender. Klopp und Jauch sind so ein bisschen die ungeskriptete Variante von Netzer und Delling, Netzer und Delling dagegen haben jetzt diesen rührenden Subtext, weil Netzer aufhört. Pointenkönig Mehmet versucht verzweifelt den in ewigem Pathos erstarrten Beckmann aus der Reserve zu locken und wie Katrin MH unsern Olli tiefgründig anblickt, erwärmt mir das Herz. Bei soviel Liebe im Raum versteh ich jetzt auch warum die beiden so langsam sprechen und reagieren.

Burnsters WM-Studio 2010 (14) (Klassiker-Ausgabe)

Der Klassiker: die Wasserrutsche / Der Klassiker: die Frauen und der Fußball / Der Klassiker: das Beckham-Bashing

Ich bin ja der Anweisung von Philipp Lahm gefolgt und war am Sonntag erst baden und dann beim Fußballschauen. Was ich am Wedding mag, und sogar an dem Freibad im Humboldthain, ist, dass da nicht so ein Theater um Kinder gemacht wird. Da sind hunderte von Kindern und viel zu oft lungern sie am Austrittsbereich der Wasserrutsche herum, wenn ich mit 50 km/h angeblitzt komme, weil ich die alte Hohlkreuztechnik noch voll drauf habe, aber sie sind halt Kinder. Niemand spricht die ganze Zeit mit ihnen als wären sie Erwachsene, niemand schickt sie mit drei in den Englischkurs oder zwingt sie, den ganzen Tag nur Biobrei zu fressen.

Beim Public Viewing war ich dann zurück in Mitte und war wie so oft in diesen Gruppierungen aus Schönwetterfans und desinformierten Frauen mit Deutschlandtrikots der Lauteste. „Ach, hat sich das Kind aber jetzt erschreckt.“, hat die Frau neben mir gesagt. Ich habe nichts gesagt, weil es wäre nicht schön gewesen. Deutschland hat England mit 4:1 geschlagen und das hat mich auch aus folgendem Grund gefreut: Ich muss jetzt nicht mehr die Beckham-Fresse im Designeranzug sehen, der sich dreist überstylt und unangenehm transsexuell zwischen hart arbeitende Teamkolllegen in Trainingsanzügen hineinwidert, während die echten Fußballer von uns aus der WM geledert werden. Football’s Going Home, It’s Going Home, habe ich gesungen, weil ja sonst auch keiner was gesagt hat nach dem Sieg. Es ist gar nicht so, dass ich schadenfroh bin, ich freu mich nur, dass die Engländer draussen sind, die Maulaffen, die greislichen.

(Einzelkritik der deutschen Spieler fällt aus, weil loben ja eigentlich nur der halbe Spaß ist. Ich bin ja hier mehr so für die negativen Schwingungen zuständig.)

Burnsters WM-Studio 2010 (13): Intermission

Tag der Gaudifußballer / Tag der iPhone-Irren / Tag des Sideboards / Tag des Iron Man Tennis

Nach dem geduldstrangulierenden Hackerspiel gegen Ghana neulich und vor dem „historischen“ Bumms mit England ist zwischenzeitlich irgendwie die Luft raus aus der WM. Und Italien.

(Kalauer wirken lassen, gleich gehts weiter.)

Schön, dass mit Japan und Südkorea zwei Mannschafen weiter gekommen sind, die zwar nichts können, aber aus diesem Nichts einen sehr erfreulichen Fußball erzeugen, was man jetzt nicht unmittelbar von der Slowakei behauptet hätte nach zwei Spielen, aber der 25.06.2010 wird wohl in der slowakischen Geschichte als Sankt Vitteks-Tag eingehen.

Und leider war das auch der Tag, an dem das verdammte iPhone Phier verkauft wurde und weshalb jetzt vor dem recht peinlich auf Galerie getrimmten Telekomladen in Mitte die Spastischlange überhaupt nicht mehr abreissen mag. Wen interessiert da noch, dass ich als wüst Geld verpulvender Diamant-Kunde mit bald schon prähistorisch datierter Vorbestellung keine Lust auf Kommunismus light bei 40 Grad Raumtemperatur habe.

Der 25.06.2010 war auch der Tag, wo ich sechs Stunden auf Knien und im Schweiße meines wütenden Angesichts gebraucht habe, um so ein Drecks-Sideboard aufzubauen. Ihr denkt, Ikea nervt? Bestellt mal was ohne Aufbauservice bei ****.

Und noch was aus der Zwischenzeit vor dem Achtelfinale: Hätte ich Karten für das Wimbledon-Match von Johns Isner gegen Nicolas Mahut besessen, ich hätte mich geärgert. Da ist man mal wieder in London und dann kommt man drei Tage aus dem blöden Tenniscenter nicht heraus.

Michael „Big Tasty“ Ballack kehrt vorraussichtlich zu Leverkusen zurück. Das klingt stimmig, war er doch zuletzt seinem Motto „Für immer zweiter Sieger“ beim FC Chelsea arg untreu geworden.

Burnsters WM-Studio 2010 (12)

Deutschland – Ghana

Jetzt hat’s ja doch noch geklappt, in unserer Nonstop Nonsens-Gruppe Erster zu werden und damit direkt den Engländern vor die Flinte zu laufen. Aber wer weiß schon noch, wer hier der Favorit ist, denn gerade die Deutschland-Gruppe hat ja bewiesen, dass jeder jeden schlagen kann, wenn er gut gefrühstückt hat. „It’s Germ Warfare“ titelt die SUN schon mal vorsorglich, um auch im Jahre 65 nach Hitler auf keinen Fall die Erinnerung an die gegenseitige Zerbombung zu zerstreuen. Ich würde ja gerne wissen, wie John Terry darüber denkt – nein, halt, wer ist John Terry? John Terry, halt die Klappe. Klappe. Klappe, klapperich, Klappe, Klappe, Klappstuhl, Klappe, John Terry. Ich hätte lieber gegen die Amerikaner gespielt, denn die deutsche Truppe scheint mir noch nicht zu Turnierbestform aufgelaufen zu sein und ausserdem nervöser als Guido Westerwelle vor Neuwahlen. Was uns zu den Schländern in der gefürchteten Einzelkritik bringt:

NEUER: Selbstbewusst, solide, aber vielleicht zu Unrecht auch nach der WM die Eins.

LAHM: Immerhin überall da, wo man ihn braucht. Von seiner Arbeitsauffassung könnten sich die im Netto in der Gartenstraße eine dicke Scheibe abschneiden.

MERTESACKER: Fairplay von ihm. Macht durch seine schlechte Leistung endlich Platz in der Innenverteidigung für Holger Badstubers Comeback gegen England.

FRIEDRICH: Puh. Zuverlässig, gut, wichtig. Kommt einem schwer über die Lippen nach ca. 24 Heimniederlagen mit der Hertha.

BOATENG: Bisschen hampelig für so ein wichtiges Spiel. Jetzt auch nicht besser als Badstuber und gut ersetzt durch Jansen.

KHEDIRA: Dafür, dass er defensiv ausgerichtet ist, erstaunlich offensiv ausgerichtet.

SCHWEINSTEIGER: Müde und wirr. Aber auch in dem Zustand noch lange kein Penner.

MÜLLER: Ohne ihn kein Özil-Tor. Verlässlich unberechenbar.

PODOLSKI: Hatte keinen Bock heute, aber sein alter Freund Jogi wollte ihn partout nicht auswechseln.

ÖZIL: Unsicher, fahrig und dann doch sein Geld wert, das er demnächst jenseits von Bremen verdienen wird.

CACAU: Ein putziges Wuslon und so leid es mir vielleicht noch tun wird, aber ich will wieder Klose auf der Position sehen.

TROCHOWSKI: Netter Kerl, aber kann nicht müllern.

JANSEN: Kann man machen auf der linken Seite. Kann man machen.

KROOS: War angeblich auch kurz auf dem Platz.

Burnsters WM-Studio 2010 (11)

Heut fällt mir keine Überschrift ein

Mein australischer Kollege vom Café nebenan wettet hin und wieder Kleinbeträge auf WM-Spiele und hat damit immerhin schon fast die Hälfte seiner Miete für Juni hereingespielt. Ich hingegen habe ohne Einsatz beim Radio1-Tippspiel mitgemacht und hätte ich die selben Kleinbeträge gesetzt, ich hätte locker schon zwei Monatsmieten verpulvert.

Ich gebe zu, das 4:0 Deutschlands beim Australier an der Ecke war ein schönes Patrick Ewing (=Public Viewing), aber gestern wurde es von Argentinien – Griechenland abgehängt. Und das ging so: Mit der Frau zum chronisch unterfüllten Italienier in der Torstraße gegangen, als Einzige ins Restaurant hineingesetzt, direkt vor den Riesenbeamer. Beim Chefkellner Matteo (Name stand auf der Rechnung) Ton, Wasser, Wein und Nudeln bestellt und fast 90 Minuten vor mich hingegessen und geschaut und geplaudert und getrunken. Wie in einem langen gemütlichen Traum über Fußball und Essen. Selbst die Frau konnte ihre Abneigung gegen Ballsport in dieser sanften Abgeschiedenheit vorübergehend abstellen. Und dann diese Nudelsauce. Ja, leck mich am Abend, war das ein Sahnestück. Aurora. Aurora. Aurora. Messi überlebensgroß über uns. Bewacht wie der Staatsfeind Nummer 1. Nein, im Ernst, wenn der Messi unter dem Spiel aufs Klo gemusst hätte, wären ihm noch vier Griechen hinterher und hätten ihn beim Bieseln zugeschaut.

Hab neulich bei mir selbst Nachlese betrieben und festgestellt, dass ich mich auch 2006 und 2008 schon über die verschärfte innere Sicherheit bei den Schiedsrichtern beklagt habe. Scheint also eine Turnierkrankheit zu sein, der Druck der FIFA wohl entsprechend groß. Die rote Karte gegen Gourcuff gestern war allerdings dann ein kleines Guantanomo Bay. Apropos Straflager: Mal sehen, welches Schicksal die Herren Anelka und Co zuhause erwartet, gilt ihr Spiel zusammen mit den Mechanismen eines Domenech in Frankreich spätestens seit gestern als schwer Moral- und damit quasi staatszersetzend. Immerhin droht ihnen kein zukünftiger Job im Bergwerk wie den Spielern von Nordkorea (schreibt die BILD).

Ich halte heute zu den Amis. Die spielen einen beherzten Fußball (Herz wie ein Bergwerk würde R. Fendrich sagen, was übrigens auch Phillip Lahms Lieblingslied ist) und haben mit Donovan einen echten Künstler in ihren Reihen, selbst wenn ich bei Bayern noch über ihn gelacht habe. Aber da war er auch der Zögling vom Jürgen Klinsmann. Und zu den Deutschen halte ich auch. Zu den Engländern nicht.

Burnsters WM-Studio 2010 (10)

Gerechter Zorn statt Fußball-News / Ein neuer Scharfrichter schreitet zur Tat / Jabulanis bester Freund / Podolski in guter Gesellschaft

Jeden Tag gehe ich auf die Homepage (sagt man das noch so?) der Süddeutschen Zeitung, überwiegend wegen der WM-Berichterstattung. Anfangs zu meiner Freude, aber mittlerweile fast zu meiner Bedrückung – begrüßt mich jeden Tag ein anderer Leitartikel, der ausschließlich dem erbarmungslosen Regierungsbashing dient. Am meisten bekommt natürlich die Merkel aufs Maul, aber heute ist mal wieder Freund Gliedo dran. Auf Spiegel.de, auf der FAZ-Website und den meisten Portalen der großen Zeitungen und Magazine sieht es kaum anders aus. Für einige der renommierten Journalisten wie Heribert Prantl (SZ) scheint dieser Aufstand geradezu erste Bürgerwehrpflicht zu sein, und ich glaube überhaupt bei der bundesdeutschen Presse endlich mal wieder eine Art Leidenschaft im Kampf gegen das systematisierte Chaos von Schwarz-Geld zu erkennen. In jedem anderen Sommer könnte man’s auf Sommerloch schieben, aber es ist WM und man muss lange scrollen bis man zu den Fußballergebnissen kommt. Ausser die Deutschen spielen.

Die werden ja leider am Mittwoch vom nächstbesten Judge Dredd namens Carlos Simon gepfiffen, der in seiner Heimat Brasilien dermaßen strittig entschied, dass man ihn 6 Wochen vom Spielgeschehen verbannte. Man kann nur hoffen, dass sich die Mannschaft diesmal wenigstens nicht nur auf den Gegner Ghana, sondern auch auf den Schiedsrichter vorbereitet hat. Wie man auch gestern wieder beim Spiel der Schweiz gegen Chile sehen konnte, ist so ein Ref oft spielentscheidender als die beiden konkurrierenden Fußball-Teams.

Da haben die Nordkoreaner ja Glück, dass ausser den eingekauften chinesischen Jubelpersern ihre staatszersetzende Niederlage gegen Portugal niemand mitbekommen hat. Man weiß ja bei Kollege Kim nie so genau, wofür man heutzutage erschossen wird. Das kann eine misslungene Währungsreform sein, aber auch eine desolate Abwehrleistung. Christiano Ronaldos Tor hat bei den gottesfürchtigen Portugiesen sicher dazu beigetragen, endgültig eine Verbindung zwischen ihrem Stürmerstar und dem Elysischen herzustellen. Wie anders wäre es zu erklären, dass ausgerechnet der bockige WM-Ball Jabulani dem Ronaldo über den Rücken auf den Fuß gleitet wie ein gewogenes Engelchen auf sanften Schwingen?

Und auch für Lukas Podolski hielt der gestrige Spieltag sanfte Linderung parat, kann man ihn doch jetzt während dieser WM endlich guten Gewissens in einem Atemzug mit Sturmgenie David Villa nennen. Denn auch der Trottel hat einen Elfer verschossen.

Burnsters WM-Studio 2010 (9)

Endlich is mal was los

Auch wenn der Fußball nicht gerade besser geworden ist, die Langeweile hat sich verzogen. Nimm zum Beispiel das Mixed-Martial-Arts-Spiel zwischen Brasilien und der Elfenbeinküste. Da lässt sich die mangelnde Ballmagie doch locker verkraften, wenn es ansonsten zugeht wie beim Eishockey oder wahlweise beim Volleyball.

Die englischen Fußballfans haben sich ja bei unserer Niederlage gegen die Serben in Südafrika zu Tausenden zum Schadenfrohlocken versammelt, aber lange hielt der Spaß nicht an, denn dann spielten die Engländer gegen Algerien. Ähnlich unberauschend natürlich auch wieder der Weltmeister aus Italien, aber das hat ja leider nichts zu heissen.

Aber sag mal, was ist los bei Frankreich? Anelka sagt zu Domenech: „Fick dich in den Arsch, du Hurensohn“? Das ist doch übertrieben. Hätte es da nicht ein simpler Kopfstoß getan?

Erstes Endspiel gegen Ghana liest man ja allerorten. In Gamer-Sprache: unser erster Bossgegner bei FIFA World Cup 2010 von Electronic Arts. Jetzt präsentierten sich die sogenannten Black Stars gegen Australien ja nicht gerade als unbewingbarer Unhold, insofern wird es wohl schwierig werden für die Deutschen. Denn was man aus dem deutschen Lager so hört, ist mir schon wieder ein bisschen zu brusttonal. Meine Einstellung ist eher: Demut heucheln, Unterhund markieren und dann schnell und unschön ein 1:0 heimfahren. Aber selbst wenn wir am Mittwoch heimfahren, kann man davon ausgehen, dass die Franzosen schon seit über 24 Stunden zuhause sind und die Engländer immerhin schon seit zwei Stunden.

Burnsters WM-Studio 2010 (8)

Deutschlund gegen Herbien

Wie man ein Spiel dreht, kann man bei diesem Turnier nicht von den Spaniern lernen, sondern von den Amerikanern. Wer hätte das gedacht. Dass die Unsrigen (bairisch für „unsere Jungs“) sich wieder mal den Jugoslawen zum Fraß vorgeworden haben, war vielleicht eine Genesung von der totalen Veinschlandung aller Lebensformen in diesem Land. Das nächste Spiel fangen wir wieder nüchtern an und haben erst am Ende einen gescheiten Siegesrausch. Ich will die Unsrigen jetzt nicht nur herunterputzen, sie haben sich ja Mühe gegeben, aber die bessere Mannschaft waren sie eindeutig nicht. Und die Schiedsrichterleistungen der ersten beiden Spiele heute muss man ja wohl nicht kommentieren. Jetzt Spieler-Kurzkritiken, wie man das aus den Sportressorts kennt:

Neuer: Im Prinzip okay, aber wie ein Alter (Hase) hat er sich nicht verhalten beim 0:1.

Friedrich: Schlafwandelnd beim serbischen Treffer, später beherzt nach vorne, was immer das auch heissen mag.

Khedira: Ordentlich und hätte fast die Querlatte in zwei Hälften zerschossen. Entschuldigt.

Schweinsteiger: War anwesend und nicht schuld.

Özil: Hatte ich doch glatt in meiner ersten Aufzählung vergessen. Spricht für sich.

Podolski: Einen verschossenen Elfer kann ich nicht entschuldigen, vor allem nicht wenn man so ein hautenges T-Shirt trägt, dass man von Google Earth aus noch das Sixpack erkennen kann.

Klose: Depp.

Müller: Geiler Typ, aber mit zuviel Wumms in den Flanken. Zu Unrecht ausgewechselt, vor allem wenn man danach Marins Ratlosigkeit gesehen hat.

Badstuber: Mit dem ganz falschen Fuß aufgestanden und mit dem noch Fälscheren gegen Krasic den Kürzeren gezogen.

Lahm: Schatten seiner selbst, was ihn immer noch besser macht als manch anderen Schattenwandler im deutschen Team.

Mertesacker: Solide.

Marin: Scheiß Frisur und auch kein gutes Spiel.

Cacau: Hat sich nichts erspielt und wurde auch nicht angespielt. Hatte quasi spielfrei.

Gomez: Hundert Jahre Einsamkeit.

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