‘Fußball’

Brenners Bundesliga 2010/2011 (3)

Spieltag 3: Schadenfreude schießt keine Tore

Bis Samstag 20.30 Uhr wollte ich mit der Feixerei warten. Genau dann wollte ich über etwas unken, worüber die letzten Jahrtausende bei jeder Bayernniederlage geunkt wurde: „Millionenkader, aber kein Sieg“ oder das leidige „Geld schießt keine Tore.“ Bis Samstag 20.30 Uhr sah es nämlich genau so aus. Die Mannschaften mit den teuersten bzw. prominentesten Transfers der Saison – Schalke, Wolfsburg, Leverkusen und Stuttgart – standen nach drei Spieltagen mit leeren Händen da und ganz unten in der Tabelle. Leider Gottes wurde um 20.30 Uhr das Spiel der Bayern gegen Bremen abgepfiffen und danach hatte ich keine Lust mehr auf Feixen und der rote Faden in meiner Kolumne war auch stiften gegangen. Denn Bayern hatte zwar niemanden eingekauft, pfiff aber dennoch (bzw. deswegen) zum Saisonstart aus dem letzten Loch. Bremen hingegen scheint mit Wesley und Silvestre zwei Glücksgriffe getan zu haben, die sich schon in diesem Spiel bezahlt machten.

Es waren an diesem Spieltag ohnehin eher die Schnäppchen, die ihr Geld um das Vielfache wert waren. Der Beinahe-Torwart-Trainer Butt holte den einen Punkt für die Bayern fast im Alleingang, Dortmund hätte die 350.000 Euro für Kagawa sicher auch als Tagespass für sein Tor gegen Wolfsburg bezahlt und Tuchels Tausendsassa aus Mainz haben ja alle nicht besonders viel gekostet. Lediglich ein Big-Budget-Team hat sich bisher bewährt, aber nicht aufgrund der Neuzugänge, sondern wegen Team- und Spielgeist. Hoffenheim regiert den dritten Spieltag, auch weil die Top Teams scheinbar Besseres zu tun haben, als gut in die Saison zu starten.

Wir müssen leider schon wieder über das Thema Michael Ballack reden. Und zwar darüber, dass wir uns das Gerede der letzten vier Wochen hätten sparen können, weil er jetzt ja sowieso wieder mindestens sechs Wochen ausfällt. Wenn danach wieder vier Wochen die K-Frage geklärt werden muss, dann schau ich nur noch die italienische Liga samt Nationalmannschaft. Der Witz ist nicht so der Knaller, aber inspiriert vom Kaiser, zu dessen 65. ich an eine tolldreiste Eskapade erinnern will, die ihn in meinen Augen noch unsterblicher gemacht hat und mir ist durchaus bewusst, dass es keine Steigerung zu unsterblich gibt, ausser du bist der Kaiser.

Zurück zu Schalke 0:4 (so nenn ich sie dann nächste Woche nach der vierten Saisonniederlage in Folge). Wenn es demnächst im hundertjährigen Krieg gegen den BVB wieder hinter Neuer klingelt, dann geht vielleicht der Wunsch einiger Dortmunder Fans in Erfüllung: DIe hatten nämlich bei Google Street View angefragt, ob man nicht die Veltins Arena verpixeln könnte, einfach weil sie für einen BVB-Fan zu hässlich sei. Bei einer Niederlage würden die Schalker auch sicher ganz gerne mal von der Bildfläche verschwinden.

Ballack Obama

…oder man kann’s auch übertreiben mit der Berichterstattung über einen der überbewertetsten Fußballer unserer Zeit.

Brenners Bundesliga 2010/2011 (2)

Spieltag 2: Herr, wirf Heimsiege vom Himmel

Der Himmel funkt wieder. Dank der richtigen Smart Card im dritten Anlauf und keine Sekunde zu früh schaltete sich der Receiver am Freitag ein, um einen furiosen zweiten Spieltag ins Brennersche Wohnzimmer zu senden. Und gut, dass ich mich von dem Bayernspiel nicht entmutigen lassen habe, den Samstag und den Sonntag mitzunehmen, es wäre ein Versäumnis höchst sträflicher Natur gewesen.

Aber von vorne: Bayern auf dem Betzenberg, wo man früher die Punkte am liebsten mit der Post hingeschickt hätte – man kann Paul Breitner nicht oft genug zitieren, nach diesem Freitag. Denn die roten Teufel hatten für die Bayern ein wahrhaft diabolisches Süppchen gekocht und in einem wahren Hexenkessel serviert. So, und nach der Fabulierkunst will ich einen Reportervertrag bei Sat 1 haben. Aber Höllenmetapher bei Seite: die Lauterer konnten irgendwann Mitte der zweiten Halbzeit 2 Torschüsse verbuchen, die Bayern dagegen 18. Jetzt muss man aber dazu sagen, dass es zu diesem Zeitpunkt schon 2:0 für den FCK stand. Mehr Leidenschaft und Zielstrebigkeit im Abschluss haben in diesem Fall gereicht um eine an sich haushoch überlegene Bayernelf auszustechen. Das wird nicht immer funktionieren in dieser Saison, aber war nicht unverdient. Man merkt, dass die VG-Fußballer (nicht Verwertungsgesellschafft, sondern Van Gaal) zwar immer noch das Spielsystem verinnerlicht haben, aber sich nicht mehr erinnern konnten wozu es gut war. Kleiner Tipp: Spiele gewinnen.

Das große Spaßspiel am Samstag war natürlich Wolfsburg gegen Mainz. Diego (der X-Stecher von X-Factor-Transe Sarah Connor) ist zurück in Deutschland, aber nicht in Bremen, sondern bei den Wölfen. Grünes Trikot, langweilige Stadt, da kann man sich schon mal vertun. Der Pubprolo McClaren und sein dauerverängstigt dreinsehender Adlatuts Litti hatten die ihren auf Angriffsfußball für die Galerie eingestellt und das machte sich zunächst dank Dzeko und Diego so dermaßen bezahlt, dass eine Drei zu Null-Führung dabei herausdrückte. Puh, das waren einen Haufen „D“s. D(!)ummerweise hatten die meisten Wolfsburger verdrängt, dass Mainz so ziemlich die unbeugsamste Truppe unter den Oberliga-Underdogs ist und sich ganz und gar nicht von dem geifernden Wolfsrudel beeindrucken ließ. So drehte die Tuchel-Truppe kurzerhand den Rückstand in einen 4:3-Sieg und trotz einer guten Leistung der Wolfsburger, tut es jetzt sicher weh, dass Friedrich noch ein paar Wochen länger ausfällt und man Misimovic zu Galatasaray gehen lässt. Noch weher hat mir allerdings folgende Bemerkung auf Spiegel Online getan: „Tuchel sieht mit seinem strengen Seitenscheitel und dem Bartflaum zwar immer so aus wie einer aus dem Bohemien-Milieu in Berlin-Prenzlauer Berg, aber er fühlt sich wohl in der Rolle des Unterschätzten.“

Der größte Trost für die Bayernniederlage kam mal wieder aus Gelsenkirchen. Ausgerechnet gegen die Wurschtltruppe von Slomka (=Hannover) musste sich die Schalker Abwehr ergeben und das sogar noch vollkommen verdient. Jetzt rächen sich die erneut radikalen Umbaumaßnahmen Magaths und der Verkauf der gesamten Erfolgsabwehr der vergangenen Saison.

Die Hamburger bastelten anfangs ein bisschen herum an ihrem Spiel, aber die zweite Hälfte brachte die Wendung gegen solide spielende Frankfurter und zeigte ausgelassenen Fußball, der in der Theorie am Ende der Saison zu einem Titel führen könnte. Genauso war das leider auch letztes Jahr und etliche andere Jahre, in denen man beschloss, nach dem ersten Saisondrittel einfach nicht mehr so gut zu spielen, sonst hätte man ja am Ende auch nicht den Trainer feuern können und die bundesligainterne Rangliste an konstantestem Trainerverschleiß der letzten 7 Jahre anführen.

Die anderen Hamburger zeigten sich von ihrer besten Seite (wenn man von den Trikots mal absieht, ich muss es einfach nochmal sagen), aber Hoffenheim scheint seine Abgebrühtheit wiederzufinden, die ihnen die Bayern im Winter nach dem Aufstieg im letzten Spiel der Hinrunde mit Hilfe eines ihrer berühmten Last-Minute-Siege aus den Knochen geschossen hatten. Ende 2008. Ich erinnere mich noch an ein verbissenes Duell, nach dem die Hoffenheimer nie mehr sie selbst waren.

Am Sonntag dann noch ein Reisser von der Coleur Wolfsburg/Mainz und wieder eine spektakuläre und völlig unerwartete Heimniederlage für einen Spitzenverein. In Gladbach hatte wohl jemand unter der Woche ein Supersoldier-Serum erfunden und den Spielern dort verabreicht, allen voran Idrissou und Marco Reus. Wie die stellenweise das Star-Ensemble aus Leverkusen enthaupteten, war Comicbuch-reif. Leverkusen gab sich nicht auf, das musste man ihnen lassen und die Desorganisation war auch bei aller Liebe zur Häme nicht an Ballack festzumachen, aber der Gegner war an jenem Sonntag nicht nur Gladbach, sondern einfach übermächtig.

Auch Stuttgart 21 (wie der Verein sich jetzt nennt, um das Image des Tiefbahnhofs aufzupolieren) geriet am Sonntag unter die Abrissbirne des BVB und gehört mit Schalke jetzt zu den drei Vereinen, bei denen ich am dringensten noch Handlunsgbedarf auf dem Transfermarkt sehe. Da fehlt noch ein dritter Verein, ich weiß. Und zwar … (Spannungswirbel) ….der FC Bayern. Robben fällt die ganze Hinrunde aus, heisst es. Schlägt man jetzt mal nach, wie und ab wann in der letzten Saison am meisten Bewegung in das Offensivspiel der Bayern gekommen ist, war es nicht der Abgang von Luca Toni, sondern die stabilisierte Gesundheit von Robben nach der Hinrunde. Bayern braucht neben einem Demichelis-Ersatz auch noch einen offensiven Mittelfeldspieler, sag ich. Dafür kann dann auch Gomez gehen, dessen langes Elend ich bei aller grundsätzlichen Sympathie nicht mehr sehen kann.

Und ich kann viel sehen. Jetzt, wo ich das Bundesligapaket von Sky habe.

Brenners Bundesliga 2010/2011 (1)

Spieltag 1: HD = Hässliche Details

Angefangen hat am Freitag alles mit einer herben Enttäuschung. Ehrlich, ich war so enttäuscht, ich hätte mir beinahe das Bayern-Spiel nicht angeschaut und ich glaube, was Martin Demichelis am Freitag gefühlt hat, ist ein Scheissdreck gegen meine Enttäuschung. Ich habe mir nämlich ein Sky-Bundesliga-Abonnement eingehandelt und genau so getimet, dass ich zum Bundesligastart den Decoder erhalte. Mit großer Begeisterung habe ich am Freitag dann auch die Post entgegen und alles in Betrieb genommen, nur hat sich herausgestellt, dass man mir die falsche Smartcard geschickt hat und deshalb Pustekuchen mit Spieltag 1 live im Fernsehen.

Immerhin übertrug die ARD ja das Bayernspiel und ein Beckmann ständig übers Maul fahrender Mehmet Scholl tröstete mich ein wenig. Das Spiel eigentlich auch, selbst wenn man anfangs der zweiten Hälfte nicht genau wusste, ob die Van-Gaal-Boys das mit heiler Haut überstehen würden. Der Stellungsfehler an sich, eine ganz besonders ausgiebig eingeübte Situation in der Bayern-Abwehr, funktionierte auch ohne gegnerischen Stürmers bestem Freund Demichelis. Oder wie Marcel Reif sagen würde: DemiTSCHelis. Dass am Ende wieder der Bayern-Dusel herbeizitiert wurde, lag einfach nur an der späten Uhrzeit des Tores, denn verdient war der Sieg trorz aller Unebenheiten dennoch. Sebastian Schweinsteiger bemerkte in einem Interview nach dem Spiel, dass er bei einer ähnlichen Situation vorher nicht „ganz durchgelaufen“ sei, aber dann bei dem Tor eben schon, was Mehmet Scholl zu tiefer Ehrfurcht hinriss: „Ein Spieler, der während eines Spiels dazulernt.“ Und was die Causa DeMitschelis angeht: lasst den Verblendeten gehen und woanders denken, er bereichere eine Viererkette mit seiner bloßen Anwesenheit.

Am Samstag aufgrund der Skydepression dann nur Sportschau, aber immerhin in HD, weil ja der Decoder sich das digitale Signal von ARD HD holen kann. Und dank HD endlich mal einen näheren Blick auf die weit verbreitete Fußballer-Akne genommen. Kann gut sein, dass ich bei zukünftigen Spieltagen vom Balkon aus fernsehschaue, um nicht diesem Detailterror ausgesetzt zu sein. Die roten Flecken auf den Trainergesichtern (allen voran der Riesenfleck, der Ralf Rangnicks Gesicht war) sehen ja aus wie Lebensmittelvergiftungen.

Apropos Ralf Rangnick. Ich sage: das war ein Ausrutscher von Hoffenheim und passiert so schnell nicht wieder. Aber das ist halt Fußball, da kannst du noch so mit Tabellenmittelfeld planen und dann hast du einmal einen schlechten Tag und spielst Bremen an die Wand. Thomas Schaaf hat müde gewirkt, aber verzeihend. Ich glaube, er sieht ein, dass die Hoffenheimer das nicht so gemeint haben. Schließlich haben sie ja eigentlich – besonders nach Eduardos Abgang – auch nicht die Mannschaft dafür.

St. Paulis Ersatztorwart Pliquett wird sich auch gefragt haben, was jetzt los ist. Schließlich ist der Underdog St. Pauli und wenn hier jemand verprügelt wird, dann doch bitte ein paar dieser aufgeblasenen HSV-Fans. Aber da hat er die Rechnung ohne den vermummten Hooligan gemacht, der ihn auf dem Hamburger Hauptbahnhof aus der Saison stiefeln wollte, obwohl er doch nicht mal gespielt hatte. Dabei gibt es keinen Grund zum Frust für Hamburg-Fans nach dem hervorragenden Sieg gegen Schalke. Und der einzige Grund, jemand bei St. Pauli zu verprügeln, wäre wenn man den Designer der golden-braunen Trikots ausfindig machen würde. Und den müsste man dann auch besser erwürgen. Versteht ihr den Witz? Ich gebe einen Tipp: großer Hit von den Stranglers. Na?

Das Problem mit diesen ersten Spieltagen ist ja immer, dass sie soviel über die Saison vorhersagen wie der Wahrsager morgens auf dem Vierten. Ausser ein paar lieblosen Prognosen geht da nichts, man kennt ja die Zukunft nicht. Klar haben sich Leverkusen und Hamburg durchaus konkurrenzfähig zum FC Bayern erwiesen und Bremen und Stuttgart den Auftakt verschlafen und klar präsentierten sich die Aufsteiger in einer Form, in der man sich den Klassenerhalt locker erspielen kann, aber wenn man sich mal die letzte Saison anschaut, sieht man, dass die Eulen nicht das sind, was sie zu sein scheinen, um es mal mit Twin Peaks zu sagen. Ein paar Mal gab es da allzu dominerende Mannschaften: Am Anfang war es der HSV, dann schien Leverkusen nicht mehr von Platz 1 weichen zu wollen. Dann hörte Schalke nicht mehr auf zu gewinnen und plötzlich holten Bremen und Stuttgart jedes Spiel, Leverkusen ging die Luft aus und Bayern wurde Meister. Und wie auch die Sache mit meinem Sky-Decoder zeigt: Der Fußball lässt sich nicht planen, ausser du bestichst den Schiedsrichter.

Fußball ohne Fußball (3)

Dänemark – Deutschland 2:2

Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, dieses Freundschaftsangebot von einem Freundschaftsspiel nicht zu schauen, aber dann waren wir mit dem Essen fertig, aber noch nicht mit dem Trinken und diese Kneipe mit der Live-Übertragung stand irgendwie im Weg. Was haben wir aus dem Spiel gelernt?

Der Joachim Löw hat den Wert der Kapitänsbinde in diesem Spiel so unfassbar verfallen lassen, dass sich jetzt der Ballack und der Lahm gar nicht mehr so arg darüber streiten werden. Ich meine, was ist eine Armbinde wert, die schon Thomas Hitzelsberger und Serdar Tasci getragen haben? Das hat der Joachim Löw sehr clever gemacht.

Dieser Christian Gentner hat sich dafür so ganz nebenbei als besserer Khedira empfohlen und da ist er ja jetzt beim VfB bestmöglichst aufgehoben. Ich weiß, dass jetzt wieder alle sagen, der Wiese habe gut gehalten, aber – hey – es ist Tim Wiese von dem wir hier reden. Der Torwart gewordene Schmalzlappen, das dauernölende Neonlätzchen des deutschen Fußballs.

Ansonsten gab es in dem Spiel noch ein paar echte WTF-Momente und damit meine ich nicht „What The Fuck“, sondern „Who The Fuck“. Sascha Riether und Christian Schulz zum Beispiel, der schon so lange nicht mehr für ein Länderspiel nominiert war, dass er sich selbst schon gar nicht mehr erinnern konnte.

Mario Gomez ist zurück. Und zwar da, wo er vor dem Spiel war. In seiner stets schwer verunsicherten Demütigkeitsrolle, in der er selbst nach dieser sehr guten Leistung irgendwas faselt von zweiter Reihe hinter Miro Klose. Grow some balls, man, der Burnster mag dich und vertraut dir. (Das hat doch jetzt sicher geholfen.)

Supercup Bayern – Schalke 2:0

Ich bin da Egoist, wenn es um den Supercup geht. Wie sonst könnte ich schon Anfang August zwei halbwegs motivierte und halbzuendetransferierte Spitzenmannschaften der Bundesliga in einem Livespiel im Freifernsehen sehen. Also her mit dem Supercup und bitte gerne auch mal in der ostdeutschen Provinz, wo ich nicht 7 Stunden mit dem Auto brauche.

Das war also der Test für das Raul-System und das Van-Gaal-System. Letzteres funktioniert auch ohne Stars mit „R“, bei Ersterem hapert’s noch, weil das Raul-System noch einen Stürmspezi braucht, der keine Robbe auf den Fuß tätowiert hat. Yes, I’m talkin‘ to you, Fafan. Schalke ist aber jetzt schon in Strategiefragen recht diszpliniert, steht hinten gut herum und die alte Metze stellt sich bereits der Herausforderung als Abwehrchef.

Neuer ist dank der WM tatsächlich jetzt der Souverän unter den deutschen Torhütern. Apropos Torhüter, Bayerns Thomas Kraft zeigt die besten Butt-Eigenschaften. Sicher, ruhig und mit einer Frisur, die ihn nahezu unsichtbar macht.

Philipp Lahm schien in dem Spiel demonstrieren zu wollen, dass ihm der neue Bundesligaball in jeder Situation auf dem Fuße folgt, selbst wenn er einem Gegner bei voller Fahrt von hinten in die Beine springt. Kein Foul, Ball gespielt. Unglaublich, aber wahr.

Thomas Müller spielt weiterhin dermaßen unbekümmert, dass man sich fragt, was wohl passieren würde, wenn ein Meteorit ins Stadion einschlägt oder Müller zum neuen Bundespräsidenten gewählt würde. Ich weiß es: er würde weiter in Richtung gegnerischen Strafraum laufen und die Frisur würde aussehen wie in einem japanischen Computerspiel. Hinanimiert, immer ein bisschen zu buschig.

Miro Klose tropften geradezu die Lefzen vor Torhunger. Seine Killermotivation lässt ihn vermutlich noch bis spät in die Nacht mit dem Schiedsrichter über die Abseitssituation kurz vor Schluss diskutieren.

Olic hat die WM-Pause nicht gut getan. Er hat in Abwesenheit seiner Mannschaft im Sommer aus Langeweile so viele Übersteiger trainiert, dass er nicht mehr normal laufen kann. Siehe das 2:0.

Tja, und am Ende war dann Raul doch nur dazu da, um zu beweisen, dass die Bayern doch ein Abwehrproblem haben, weil sie immer noch mit Martin Demichelis spielen. Dessen Desinteresse an den Laufwegen seiner Gegenspieler ist fast schon mit Coolness zu verwechseln. Aber eben nur fast. Hut ab vor Pranjic, der als einziger Spieler unter Van Gaal schon seit einem Jahr ungestraft auf Reservisten-Niveau spielen darf. Da muss noch eine Wette zwischen King Louis und ihm offen sein.

Am Ende kann man zufrieden sein, weil der Supercup eben in der fußballdürren Zeiten stattfindet, weil er zwei Mannschaften zu motvieren wusste, die eigentlich noch im Create-A-Team-Modus sind und weil die Bayern einen Titel gewinnen konnten. Da bin ich egoistisch. So aus Fansicht. Oder wie nennt man das dann? Bajuistisch?

Fußball ohne Fußball (2)

Schon wieder Bundesliga ohne Bundesliga hier auf das Blog. Aber da sind ja jetzt in der Zwischenzeit Dinge passiert, die man nicht einfach so unkommentiert hinnehmen kann. Und ich meine nicht den bärenstarken Liga-Total-Cup, bei dem Raul offensichtlich schon so toll gespielt haben muss, dass Felix Magath ihm sein Jahresgehalt direkt nach dem Schlusspfiff gegen die Bayern bar in die Hand gedrückt hat.

Viel bedenklicher ist, dass Louis Van Gaal freiwillig auf die bereits unterschriftsreifen Van der Wiel vom Ajax Amsterdam und Fábio Coentrão von Benfica Lissabon verzichtet, obwohl der Verein angeblich schon grünes Licht für die an sich erstklassigen Transfers gegeben habe. Gerade leidet ja Van Buyten unter einer Kurzzeitverletzung und Rückkehrer Breno liegt auch flach. Somit ist die Abwehr schon wieder in Rumpfbesetzung und muss sich auf solche Leute wie Demichelis verlassen, was einer Wertanlage bei den Lehmann-Brothers gleich kommt. Es nicht so, dass ich Nachwuchs-Aussenverteidiger Diego Contento nicht auch vertrauen würde, aber um in der Championsleague mit einem verletzungsresistenten Kader aufzulaufen, ist das alles noch zu schwammig und zu wenig da hinten. Da versteh ich den King Louis leider nicht.

Verstehen tue ich schon, dass er eventuell noch einen Stürmer loswerden will und es duellieren sich ja fast minütlich die Gerüchte, ob Gomez bleibt oder geht. Immer wieder fällt der Name Dzeko, aber – ehrlich gesagt – auf ein weiteres 30+Millionen-Integrations-Experiment wie mit Gomez will sich der FCB sicher nicht einlassen. Ich bin mir nicht sicher, wie Miroslav Kloses Pläne dieser Tage sind. Vielleicht ein, zwei Saisonen mal den Ball etwas flacher halten und dann bei der EM zehn Dinger einlegen? Aber mit Müller, Robben und Olic dürften nach wie vor die Stammkräfte in der Offensive bestehen bleiben. Da zieht man sich im Banksturm doch lieber so einen Joker heran, wie seinerzeit Alexander Zickler. Der konnte zwar gar nichts ausser in den letzten 10 Minuten ein Tor machen, aber kost auch nichts.

Es heisst ja, dass der VfB Stuttgart sich auch mit 10-12 Millionen für den Khedira-Transfer nach Madrid zufrieden geben würde. Das liegt wahrscheinlich an Freddie Bobic, der zu seiner Zeit für solche Summen bei der AH vom SV Grafentraubach aufgelaufen wäre, aber wenn ich mir anschaue, wie viel Geld die Realen letztes Jahr für Transfers verpulvert haben, hätte da schon etwas mehr drin sein können.

Das hat sich wahrscheinlich auch der Özil gedacht, der jetzt einfach bis 2011 bei Bremen bleibt, weil die Angebote nicht seinem Gusto entsprechen bisher. Das wird den Herrn Allofs gar nicht so erfreuen, wie man meinen könnte, müsste er nach Vertragserfüllung von Özil auf circa 30 Millionen Euro Ablöse verzichten. Aber ich denke, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Und hier auf burnster.de zum Thema Transfers auch nicht.

UPDATE: An dieser Stelle erwartet man wahrscheinlich auch einen Kommentar zum Ausfall von Robben. Ich sag nur: Samuel L. Jackson in „Unbreakable“.

Fußball ohne Fußball

Eigentlich wollte ich ja erst zum Bundesligastart wieder Fußballbloggen, aber ein paar Meldungen sind einfach zu absurd, um sie nicht zu kommentieren.

Diego Maradona ist als Coach der Argentinischen Nationalmannschaft entlassen worden. Aber das macht nichts, weil er jetzt ja Außenminister von Venezuela werden kann. Vorkenntnisse bringt er mit, stand er doch neulich strahlend wie ein Honigkuchenpferd neben Amigo Hugo, als der – ebenfalls strahlend – den Abbruch der Beziehungen zum Nachbarn Kolumbien öffentlich verkündete. „Diktator ist eh der geilere Job. Wenn ein anderes Land dich 4:0 drauf haut, kannst du jederzeit sofort die diplomatischen Beziehungen aufkündigen und selbst entspannt im Amt bleiben.“, hat sich Maradona wohl in dem Moment gedacht.

Vor der WM dachten sich die Bayern-Altvorderen wohl folgendes: Franck Ribery ist wieder topfit, bei der Sache mit der Minderjährigen ist auch der Deckel drauf und wenn Franck eine starke WM spielt, können wir die hohen Personalkosten damit rechtfertigen, dass wir ihn im nächsten Jahr dann doch für 80 Mille Ablöse an Real verkaufen, weil er ja jetzt Vertrag bis 2015 hat. Jetzt ist Riberys guter Ruf als Spieler erstmal dahin, er ist an beiden Leisten operiert worden, für die Nationalmannschaft gesperrt und wegen seiner Nuttenaffäre wird er in Frankreich gejagt wie eine Hexe. Das ist weder der Ribery, der mit breiter Brust demnächst zum Bundesliga-Auftakt Wolfsburg an die Wand spielen wird, noch der, den man gegen eine unmenschliche Ablöse nach Spanien abverkaufen kann. Ich bin mir nicht sicher, ob sich Uli Hoeneß auch unter diesen Umständen so stark für eine Vertragsverlängerung gemacht hätte, aber noch besitzt er nicht die Fähigkeit in die Zukunft zu sehen. Das kommt erst mit 60, sagt der Franz.

Lothar Matthäus ist ein Depp. Das muss man erst mal schaffen, vom wahrscheinlich besten deutschen Fußballer der letzten 50 Jahre zur männlichen Naddel abzusteigen. Und genauso wenig wie Naddel demnächst bei DSDS in der Jury sitzt, genauso wenig wird Lothar zukünftig auf der Trainerbank vom TSV 1860 sitzen. Aber selbst schuld, warum lässt er sich auch diesen Hitlerbart stehen. Oder geht da was mit Eva Herman?

Super auch der Raul. Flennt in Madrid noch schön in die Kameras, während seine Frau schon in Düsseldorf die Boutiquen leer kauft. Angeblich hat ihn Christoph Metzelder ja ein bisschen geködert mit den guten Schulen und der Lebensqualität im Pott. Und dass man dank der deutschen Technokultur und verantwortungsvollen Veranstaltern auch richtig gut einen drauf machen kann. Nicht so wie in Spanien, wo immer so viele Leute auf einem Fleck sind und alles drunter und drüber geht.

Sonst gibt der Transfermarkt noch nichts her. Bayern kauft gar nix ein, vor allem keinen Ersatz für Demichelis, den ich immer noch für den gefährlichsten Abwehrspieler der Welt halte, leider für die eigene Mannschaft. Dass Horst Heldt jetzt für Schalke den Rotstift schwingt und Fredi Bobic in Stuttgart endlich seinen Altersposten angetreten hat, ist grade das einzig transfertechnische Highlight. Aber man darf beruhigt sein. Sobald zum Saisonstart die ersten saublöden Niederlagen eintrudeln, geht es in die letzte und entscheidene Phase: die Paniktransfers. Aber auch das kann mal gutgehen: siehe Robben.

Burnsters WM-Studio 2010 (20): Finale

Spanien – Holland 1:0 (nach Eishockey-Regeln, siehe übertriebene Härte)

Bela Réthy hat sich ja am laufenden Band beschwert, wie langweilig dieses Spiel sei und hätte man Spanien so spielen lassen, wie sie halt spielen, wäre es das auch gewesen. Spanien – das muß man wissen – mag keine Überraschungen, keine Geschwindigkeit, keine offenen Schlagabtäusche. Die Spanier erinnern mich an diese neue Generation junger Leute, die alles unter Kontrolle haben. Einser-Abi, Jura-Studium, Acht Fremdsprachen, 30 Praktika und drei Kinder mit Anfang dreissig und dann den Neo-Schrebergarten in Reinickendorf. Hauptsache alles unter Kontrolle. Na gut, der Vergleich hinkt ein wenig und vielleicht geht da auch der innere Gaul gegen die Generation Vollplanung in mir durch. Zurück zum Spiel: Das Spiel war natürlich überhaupt nicht langweilig, lediglich unansehnlich für jene, die keine Horrorfilme mögen. Meine Freunde aus den Niederlanden haben dem Spiel nämlich gründlich ihren Stempel aufgedrückt: den PARENTAL GUIDANCE-Stempel. Den AB 18-Stempel. RATED R for Violence. Bei zehn hab ich aufgehört, die gelben Karten zu zählen, aber es müssen am Ende wohl mindestens dreimal soviele gewesen sein, wie Spanien bei dieser WM Tore geschossen hat. Am Ende hat Spanien natürlich verdient gewonnen, aber irgendwie bleibt ein schaler Nachgeschmack, war Spanien doch Garant für die unspektakulärsten Spiele bei dieser Weltmeisterschaft. Ein Extralob geht an Metalbiest Puyol, für eine Hammer-WM und eine Hammermatte.

Was bleibt übrig nach vier Wochen Fußball: Public Viewing in Berlin Mitte entlarvt nur noch deutlicher, dass die schönen und verdrogten Leute hier nicht mehr sind. An ihre Stelle sind eher schäbig aussehende Idioten mit geschmacklosen Designerbrillen und Wollmützen mitten im Hochsommer getreten, die durch ihre bedeutungslose Agentur-Existenz, ihre Eigentumswohnung und ihre plärrenden Kinder auf den Irrweg geleitet wurden, sie wären jetzt die Coolen.

Zum Fußball sei am Ende bei allem Ärger wegen langweiliger Spiele, aufdringlicher Schlandlöcher und dem Ausscheiden der Deutschen gesagt: Es war super. Weil Fußball super ist. Auch ohne die deutsche Nationalhymne. Ich kanns kaum erwarten bis die Bundesliga wieder losgeht und überlege ernsthaft, ob ich nicht weiter über Fußball bloggen soll.

Burnsters WM-Studio 2010 (19)

Spiel um den dritten Platz

Aha. Dann geht’s ja plötzlich doch wieder mit Angriffsfußball, auch wenn die Hälfte der Mannschaft urplötzlich an der Spiel-um-den-dritten-Platz-Grippe erkrankt ist. Das war ein höchst unterhaltsames Spiel, was auch den großartigen Urus zu verdanken ist, die im Gegensatz zu Spanien durchaus auch den Eindruck vermittelten, sie hätten Spaß an der Sportart an sich. Irgendwann fing es an zu regnen, wie in diesem Western mit Clint Eastwood, den ich neulich gesehen habe: unvermittelt, aus der Regenkanone, infernalisch. Und nichts hätte man sich sehnlicher gewünscht an diesem Samstag, wo die Berliner clevererweise meinen Lieblingsrasensprenger vor dem Kanzleramt abgedreht haben, als da unten in dem Infernalregen auf dem Rasen zu stehen. Dafür hätte ich mich sogar freiwillig gegen einen Forlan-Freistoß ins Tor gestellt.

Am Ende muß ich noch die eigene Schulter streicheln, weil ich ja vor der WM gesagt habe, dass Müller in Südafrika die Hölle loslassen wird. Und jetzt ist er Torschützenkönig. Auf der Gewinnerseite natürlich auch „Herr Schweinsteiger“ (O-Ton Bundespräsident), der mir aber langsam ein bisschen zu „leadig“ wird und bitte auch nicht gleich nach jedem Abpfiff das Sixpack für die Fotografen auspacken muß. Denn, bei aller Liebe zu seinem Spiel: Herr Schweinsteiger ist und bleibt ein Bauernbub, wenn auch ein Bauernbub mit einer scharfen Alten und 99% Ball(s)besitz. Auch das Getue um die Genialität Özils ist übertrieben. Der Jung ist noch zu launisch am Ball, um in Barcelona und Umgebung wirklich was zu reissen, aber im Blut hat er’s. Zurück zum Bundespräsident: Hey Wulff, weil du mit meinen Steuergeldern unbedingt zum Spiel um den lütten Platz reisen musstest, muß ich jetzt auf den Ventilator verzichten, den ich mir bei Strauß-Innovationen kaufen wollte. Meine Frau ist auch ziemlich sauer deswegen.

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