‘Fußball’

Neunzehn

Ich wär gerne im Seehaus gewesen, hätte am Fuß der Statue mit einer Maß Bier gesessen, die Bayern Spieler eintrudeln sehen, sie die Meisterschaft feiern hören und dann das Münchner Mädchen geküsst, das ich dabei gehabt hätte. Das wäre meine Meisterfeier gewesen, wohnte ich noch in München.

Da ich seit längerem in Berlin wohne und damit auch mehr als im Einklang bin, sah meine Meisterschaftsfeier so aus: in der Fußballkneipe Staunen, dass keine Buhrufe zum FCB-Sieg kamen, dafür aber reichlich und im Akkord für Schalke. Meinen Pa angerufen, der sagte: „Erst sind wir Papst geworden, jetzt auch noch Meister.“ Danach ein klassisches Allnighter Vier-Bezirke-Saufen und am Ende eine rotz- und ich sage nochmal ROTZbesoffene Neofolkore Band irgendwo am Rosenthaler Platz. Zufällig versteht sich. Sonnenaufgang im Bergstüberl. Anything can happen anytime. Als 19facher Meister weiß ich das.

Doppelpasswatch

Meine sonntägliche Leib- und Magensendung „Doppelpass“ (Der Krombacher Fußball Stammtisch) enthielt diesmal folgende Erkenntnisse:

1. Gladbachs Peter Pander, der ja Herrn Hochstätter beerbt, erschien sichtlich nervös (zudem unsympathisch), als ihm aus den Internetumfragen das Fanvotum für Horst Köppel als dauerhafter Trainer entgegen wehte. Will man da etwa den nächsten großen Namen zum Kleintreten des Vereins benutzen? Und ist Erik Gerets eigentlich ein großer Name?

2. Hans Meyer wird/ist senil. Der Mann ergeifert sich bei jeder Frage in gedanklichen Abwegen, wirkt hysterisch und kommt nicht auf den Punkt. Zudem sprach er in seinen pointenlos besserwisserischen Brandreden mehrere Parteien der Gesprächsrunde mit: „Was du vielleicht noch nicht wusstest..“ an. Bitte nächstes Mal wieder Supertrainer Udo Lattek. Der spuckt wenigstens nicht.

3. Toll fand ich diesen freien Journalisten, den verhältnismäßig jungen zwischen all den Knackern, der sich nach nullachtfünfzehn Wortbeiträgen immer nach Zustimmung umgeguckt hat, die anderen Kollegen aber eher betreten weggeschaut haben.

4. Im Allgemein mag ich die Bierseligkeit einer Sonntag-Morgen-Runde. Sie erinnert mich an den Internationalen Frühschoppen der ARD unter Werner Höfer damals, als die superarrivierten Auslandsjournalisten schmauchend ihre reaktionären Weltbilder anhand des aktuellen Weltgeschehens erklärten. Ich hab das mit meinem Opa häufig geguckt. Der Wontorra (und in der Regel auch der Lattek) ist übrigens auf dem besten Weg zur gekünstelten Superarriviertheit. Aber gerade das mag ich. Solche Leute braucht ein Stammtisch.

Und jährlich grüßt das Murmeltier

Jetzt müssen wir (der FCB) also wieder Meister werden. Nahezu jedes Jahr die selbe Bürde. Und immer aus den gleichen Gründen. Wir verpennen die Championsleague, die Anderen verpennen die Deutsche Meisterschaft und ich verpenne es, mit meinem Ex-Mitbewohner auf die Meisterschaft zu wetten. Denn dann würden wir sie nicht gewinnen. Ganz sicher nicht. Was gibt es sonst Altbekanntes? Gladbach feuert einen Trainer, nämlich Dick Advocaat, und der wird sich bedanken: erst der Prestigeabfall vom Bondscoach zum Schmonzcoach, dann auch noch von den Krauts auf die Straße gesetzt werden. Na ja, selbst schuld wenn man als Holländer in Deutschland arbeitet. Da darf man nicht mit Almosen rechnen. Apropos Almosen, nicht genug, dass man Dortmund seit geraumer Zeit Geld in den unergründbaren, alles verschlingenden Schlund wirft, auch noch Punkte tragen die neuerdings davon. Man möchte fast glauben, der Hoyzer pfeift wieder. Und einer noch für Rudi Assauer: wer in der eigenen Veltins Arena absäuft, darf am Saisonende leider nicht zu tief ins Glas schauen.

Seelsorge

Lag um ein paar Sekunden daneben mit meinem 2:2 Tipp für das Bayern-Chelsea Spiel. Möchte nur folgendes anmerken: Chelsea hat aus einer Chance zwei Tore gemacht, Bayern aus fünfzehn auch zwei. Gezaubert haben weder Siegfrid noch Roy Makaay. Und hat Felix Magath denn nun wirklich seine Seele verkauft, oder warum sitzt er so seelenentleert in seinem Trainerhäuschen? Und wenn ja, an wen? An den ausgebrannten Ottmar Hitzfeld, der aus dem Off wahrscheinlich immer noch das Doppelte von Magath verdient und vor lauter Langweile gegen José Mourinho wettert? Für die Meisterschaft? Die gibt’s doch eh von Schalke als Trost für’s Ausscheiden aus der Championsleague geschenkt. Und wie soll der Magath jetzt ohne Seele überhaupt irgendwas gewinnen? Ich weiss keinen Rat , aber klar, der Kaiser hat einen:

Erfolg ist ein scheues Reh. Der Wind muss stimmen, die Witterung, die Sterne und der Mond.

Fortune für Felix & Friends

Gleich zu Anfang meiner Bloggerexistenz begeb ich mich in Antipathiegefahr und sage mit Stolz: Ich bin ein ausgemachter Fan des FC Bayern München. Allerdings mach ich mir nicht viel daraus, mit den Emotionen von Fans anderer deutscher Vereine zu zündeln (ausser ich zähle sie zu meinem engeren Freundeskreis) und somit will ich lediglich eine Prognose für das Championsleague Rückspiel heute abend gegen Chelsea abgeben.

Das wird nichts, Herrschaften, weil sich vermutlich Herr Ze Roberto wieder selbst ausspielt, Herr Scholl sich verletzt, Herr Deisler traurig ist, Herr Magath neuerdings valiumartig am Seitenaus dämmert, die Herren Lampard und Drogba Spass am Fussball haben und die Allianzarena noch nicht geöffnet hat. Ich wünsch es den Jungs ja wirklich, aber wenn der Rheuma Kai nicht in Topscore Form ist, wer soll den Zweitorevorsprung dann einrichten? Oder wie der Herr Kaiser sagt: „Es gibt nur eine Möglichkeit: Sieg, Unentschieden oder Niederlage!“

Nachtrag: Mein Tipp lautet 2:2

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