Star Wars: The Last Jedi

UPDATE/VORWORT

Ich hab jetzt lange überlegt, ob ich den Film verrissen habe, weil da der enttäuschte Fanboy aus mir sprach oder ich den Film eh nicht mögen wollte. Aber ich bin gar kein Fanboy und ich hatte sogar die besten Erwartungen an Rian Johnsons Take. Ich saß einfach nur drin und fand, dass nichts in einander passte, empfand den Film als riesiges Stückwerk. Bin ein bisschen verwirrt, dass der Film überall so hochjubiliert wird. Ich hab schon kapiert, dass Johnson dem Mythos ein wenig an den Karren fahren wollte, dass „kill the past“ durchaus als Credo zu verstehen war. Ich weiß das zu schätzen, ich würdige jeden, der sich mit einem etablierten Franchise etwas Chuzpiges traut. Aber so groundbreaking und revolutionär war das nicht, wenn man ehrlich ist. Snokes Schicksal, Reys Eltern, Lukes Grumpiness, das sind auch alles ziemlich transparent gewählte plot devices und im Einzelfall smartass Provokationen. Das kommt mir nicht organisch vor. Ich hatte in dem Film nie das Gefühl, das hier eine Geschichte passiert, sondern vielmehr, dass sie vor meinen Augen passiert wird. Ich hab den Film ein zweites Mal auf Deutsch mit meinem Sohn gesehen und die Synchro war grotesk umständlich und unidiomatisch, doch ich kann zumindest attestieren, dass der 7-jährige sich einigermaßen unterhalten gefühlt hat, auch wenn er allen Protagonisten bescheinigen musste, dass sie sich doof verhalten. Ich denke trotzdem, dass das nicht sein Lieblingsfilm ist. Ich habe ihn bei den Prequels mehr Spaß haben sehen, von der originalen Trilogie ganz abgesehen. Nun bin ich bei Gott aber kein Nostalgiker und nichts läge mir ferner, als neuen Star-Wars-Filmen keine Chance zu geben. Deshalb mein unbedeutender Appell noch vor dem Schmähgesang: Klar, gebt der neuen Inkarnation eine Chance, auf jeden Fall, tut ihr ja sicher eh. Ich bin ja auch kein Filmkritiker. Und ja: Adam Driver ist auf „Planet Daniel Day-Lewis“, wie ich im Podcast The Watch gehört hab.

ORIGINALE KRITIK

Die Weltraumschlacht zu Beginn ist noch eine gute Entscheidung. Oscar Isaac als Poe Dameron darf zwar erneut eine schauspielerische Bandbreite von 1 bis 1,1 zeigen, aber… to blow shit up for the sake of blowing shit up… hey, warum nicht, denke ich. Da kann ich ja noch nicht ahnen, dass das den ganzen Film so weitergeht.

Danach drängt sich dann sowas wie eine Handlung auf und die ist mit hanebüchen euphemistisch beschrieben. Habe selten so oft Deus Ex Machina in einem Film gesehen. Wirklich immer wenn du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Raumschiff oder ein Droide her.

Neben den zu vielen langen und überbordenden Schlachtengemälden muss ich dann quälend langen 152 Minuten beiwohnen, in denen Rey sich von einem leider ziemlich durchschnittlich spielenden Mark Hamill die Leviten lesen lässt und so dermaßen lieblos die Dagobah-Paradigmen von Gut und Böse, Jedi oder doch lieber Busfahrer durchläuft, dass man bei Yoda petzen möchte.

Es ist schade um Daisy Ridley, denn ihre Rey kommt plötzlich nicht mehr empowered sondern naiv rüber in der ständigen Bemühung, den Sänger von My Chemical Romance zum Guten zu bekehren. Zwischen Driver und Ridley gibt es generell viel zu viele vorhersehbare Plottwist-Mätzchen, zu viel allegorisches Rumgenudel, zu viel Geheule von Kylo Ren, zu wenig Druck von den inneren Dämonen von Rey.

Insofern befindet sich auch im zweiten Film kein Badass Villain: General Hux ist ein ulkiger Fatzke, Kylo ein larmoyanter Teenager ohne einen Funken Spaß an der Arbeit und Snoke ein offensichtlich naiver Prekariats-Palpatine mit CGI-Aussetzern. Der Aufbau von Ren zum tatsächlich angsteinflößenden Tyrann mag sich ja im 3. Teil auszahlen, aber dafür hatten wir jetzt zwei Teile lang einen Pupertäts-Vader mit Fear Factor 0,1.

Dann gab’s leider auch viel zu viel sich gegenseitiges Zugezwinker und tongue-in-cheek-Momente der Protagonisten und die mittlerweile eklige Sucht, jeden Helden-Blockbuster mit erzwungenen und vollkommen unorganischen One-Linern auszustatten.

Speaking of which: Benicio Del Toro und Laura Dern hätten sich zudem gern gehackt legen können. Hätte uns allen ein paar sinnlose Handlungsstränge, half-assed Schauspielerleistungen und das Öko-Märchen vom befreiten Pferd beim Großen Preis von Monaco erspart.

Bin übrigens eingenickt und das in der Mittagsvorstellung und habe eigentlich auch keine Lust auf die jetzt schon präpotent angekündigte neue Trilogie von Rian Johnson – der übrigens (danke an Stefan Kauertz) die einzige Breaking-Bad-Folge inszeniert hat, die ich je doof fand: die mit der Fliege.

UPDATE/NACHTRAG/MÖGLICHER SPOILER
Hier ein Zitat von Rian Johnson aus einem Interview mit der L.A.-Times über sein Handling von Snoke. Ich glaube, das finde ich cool. Ich glaube, ich hatte mir mehr von Snoke versprochen, weil er so scheiße aussieht, das wollte ich nicht so stehen lassen. Aber fair enough, Mr. Johnson:

LATIMES: Fans have been obsessed with Snoke’s origins since “The Force Awakens,” and while we get to know him much more in “The Last Jedi,” you don’t necessarily give that answer. Does it matter who he was?

JOHNSON: Not in this story it doesn’t, which is not to say it wouldn’t be interesting — they might explore it in the next movie or elsewhere. I wrote this script before “The Force Awakens” came out, so when I wrote it, the “Who is Snoke?” mania hadn’t arisen with the fans yet. Even if it had, my perspective is it’s similar to how the Emperor was handled. The first three movies you know nothing about the Emperor because you don’t have to, because that’s not the story. You know exactly what you need to know. Whereas in the prequels, you know everything about him because that is the story.

In this movie, Rey doesn’t really care where he comes from, so if in any of their scenes he had stopped and done a 30-second monologue about how he is [Darth] Plagueis or whoever, Rey would have blinked and looked confused and the scene would have gone on … and we would have ended up cutting it in the editing room because it doesn’t matter to the story right now.

5 Kommentare zu Star Wars: The Last Jedi

  1. Magenta
    21. Dezember 2017 at 10:50

    Hm, ja. Ich bin ein Fangirl, seit ich zum ersten Mal die beiden Sonnen über Tatooine habe aufgehen sehen – heißt: Ich wollte diesen Film ganz entschieden mögen. Hat aber nicht geklappt. Falls Rian Johnson tatsächlich die Intention hatte, mit Erwartungen zu spielen und die ganze Saga gegen den Strich zu bürsten, war ich zu doof, um das zu kapieren. Ich mochte „The Force Awakens“ sehr, und der hier kam meiner Ansicht nach nicht mal annähernd da ran. Konventioneller Plot, zu dick aufgetragener Pathos, falsch platzierte Witzchen. Gefreut habe ich mich allerdings, Rey, Finn und Poe wiederzusehen, die mag ich alle sehr. Die vielen, vielen guten (teils ja sogar überschwänglichen) Kritiken haben mich ziemlich überrascht, aber was weiß ich schon, ich bin nur Kinogeher, und kann dir nur sagen, was ich am Ende des Films gefühlt habe: nämlich nichts. Und genau das ist das Problem.
    (Ach ja: Die Porgs waren süß, und wenn ich nicht ein Porgplüschie zu Weihnachten bekomme, bin ich sauer.

  2. St. Burnster
    21. Dezember 2017 at 11:51

    Nichts gegen die Porgs, aber ich hatte auch nie was gegen die Ewoks. Aber ja, ich bin da gleichen Gedankens, ich blieb den ganzen Film über ziemlich emotionsleer und das wollte ich als allerletztes bei einem neuen SW sein.

  3. Magenta
    21. Dezember 2017 at 12:17

    Ist das eigentlich normal, dass man sich so viel Gedanken über einen Film macht? Das alles schwirrt unablässig in meinen Kopf rum, seit ich aus dem Kino kam.
    (off topic: Dir und allen, die dir wichtig sind, schon mal ein frohes Fest.)

  4. St. Burnster
    22. Dezember 2017 at 10:32

    Das geb ich gerne so zurück. Habt es schön. Was den Film betrifft: es ist halt Star Wars, da hängt so viel Historie, Mythologie und Kindheit mit dran. Ist ja auch im Grunde toll, dass es das noch gibt und man sich so lange damit beschäftigen kann. Der Film ist ja auf jeden Fall in vieler Hinsicht modern und relevant, das hat Johnson schon gut hinbekommen, aber ich komm eben nicht über die irrsinnigen Plotholes und billigen Tricks hinweg, die zu fixen. Das ist sicher auch das Alter – mit sechs bis vierzehn hat mans so angenommen, wie’s abgebildet wurde.

  5. Su
    29. Dezember 2017 at 20:17

    Also ich war jetzt als Fangirl dann endlich auch und bin trotz (oder vielleicht sogar wegen) der vorausgehenden Diskussion über voreingenommenen Senf oder nicht recht „erfüllt“ wieder rausgegangen. Vielleicht hab ich einfach auch nur ein Faible für „liaisons dangereuses“, denn die Reylo-Sache hatte für mich was entlarvend Enttäuschendes im Abgang…
    Kurzum: Chance bekommen, Chance erklommen.

    Und natürlich auch von mir hier: much love for/in 2018, lieber B!

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