Die 25 besten klassischen Western

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Dieser Beitrag geistert als Entwurf schon über zwei Jahre in meinem WordPress herum, und irgendwie hab ich ihn nicht veröffentlicht, weil sich meine Meinung zum Ranking ständig verändert. Zumindest hatte ich die Liste schon mal in einem arg Mezcal-geschwängerten 120-Minuten-Vortrag bei tschk!Talks gepreviewt. Jetzt hab ich eingesehen, dass es besser ist, ich veröffentliche den ursprünglichen Artikel mit den ursprünglichen Platzierungen, als wenn ich weiter mit mir und meiner Vergangenheit hadere so wie mein großer Freund Shane (see what I did there). Also direkt hinein in mein Vorwort von 2015.

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Seit Juli 2014 habe ich zirka 50 klassische (also keine Avantgarde, kein Eastern, kein Underground) und hochgelobte Western gesehen und versucht, sie in eine Reihenfolge zu bringen. Habe Schemata erkannt, die mir noch nicht bewusst waren, habe die Alten wie Ford und Hawkes schätzen gelernt, bin auf meine alten Tage zum John Wayne-Fan geworden und werde eines Tages selbst einen Western drehen oder schreiben. Die Grundlage meiner Recherchen und Filmvorführungen war eine Liste von IGN’s besten Western, auf die ich zufällig gestoßen bin, weil ich etwas zu Peckinpah recherchiert habe. Besagte Liste ist immer noch eine der besten, die ich online gefunden habe, und man glaube mir, ich habe eine Menge Western-Bestenlisten gefunden. Angefangen habe ich dann eben im Juli im Dachgeschoss meiner Eltern. Es hatte nachts noch über dreissig Grad, ich konnte nicht schlafen, weil es so heiß war, und mein damals vierjähriger Sohn nicht, weil ihn die Mücken auffraßen. Wir waren beide irgendwie außer uns. Er hörte die ganze Nacht Hörspiele, ich schaute Filme auf dem Laptop. Und zu dieser Hitze passte nur ein Genre, wie ich fand, und so schwitzte ich mich zunächst mit „The Wild Bunch“ und „The Man Who Shot Liberty Valance“ in den Schlaf. Als ich wieder in Berlin war, fing ich an, mir jeden Film, den ich sehen wollte, auf DVD oder Blu Ray zu kaufen, auch die Western, die ich bereits kannte, und sie nach meinem Gusto zu ordnen und ranken. Bis heute steht hier ein ganzes Regal voller grandioser Westernfilme, und in meinem Kopf gibt es diese Erinnerung an einen dreckig heißen Sommer mit einem Westernmarathon, die mir keiner mehr nehmen kann. Es war wie ein Urlaub, ein wirklich langer Urlaub im alten Westen. Let’s saddle the horses.

In der Diskussion:

Johnny Guitar (Ehrenloge für Innovation und great overall weirdness)
Jeremiah Johnson
Slow West
She Wore A Yellow Ribbon
Duck, You Sucker
Bone Tomahawk
The Horse Soldiers
Silverado
The Naked Spur
Hang ‚em high
Little Big Man
The Sons Of Katie Elder
True Grit (Original)

Die Ehrenplätze:

30. The Gunfighter
Besser kann man den selbstauferlegten Gewaltverzicht inklusive Cold Turkey deswegen nicht spielen. Cowboys sind auch Killer aus Leidenschaft – das Thema wird nie alt, wie uns sechs Staffeln Justified über fünfzig Jahre später erneut bewiesen haben. Und das bleibt nicht der letzte Western, in dem der Protagonist Ringo heißt.

29. The Proposition
Ein seelenverschlingendes Loch von einem Western. Was man nicht genug loben kann: den Soundtrack von Cave und Ellis und das Drehbuch von Nick Cave. Ein defätistisches Rad greift ins andere.

28. Rio Bravo
Nicht ganz zu Unrecht ein Klassiker, allerdings eher im Sinne einer launigen Zusammenkunft aus John Wayne, Dean Martin (glaubwürdig schnapsnasig) und Ricky Nelson. Letztere croonen sich in einer berühmten Szene einen solchen Wolf, dass man zwischen Begeisterung und Cringeworthyness nicht mehr unterscheiden kann.

27. Shane
Vielleicht hätte er besser abgeschnitten, wenn das Fransenhemd von Alan Ladd nicht so grässlich wäre. Das hier ist ein Klassiker des puritanischen Westerns, aber der selbstauferlegte Gewaltverzicht ist bei The Gunfighter viel glaubwürdiger und dank des Endes von größerer Fallhöhe. Mein Highlight war ohnehin eher Jack Palance als schwarzherziger Auftragspistolero. Und den kleinen blonden Jungen mit dem HJ-Haaransatz möchte ich nie wieder sehen.

26. 3:10 Yuma (2007)
Ich liebe diesen Film, das ist Russell Crowes beste Rolle nach Gladiator. Eigentlich kommt er mir mit Platz 28 viel zu unterbewertet vor, aber ein Blick auf die Konkurrenz sagt alles.

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7 Kommentare zu Die 25 besten klassischen Western

  1. Nicolai Wanczek
    7. April 2017 at 14:54

    Gute Idee !

    Sehr traditionelle Liste und etwas zu John Wayne-lastig. Klar, das passen Avantgarde- und Neo-Western wie „Deadlock“ von R. Klick und „El Topo“ von Jodorowsy nicht so richtig rein. Aber „The Great Silence“ (1968) mit Kinski möchte ich trotzdem noch in den Raum werfen als Tipp!

  2. St. Burnster
    7. April 2017 at 14:58

    Die Avantgarde und die nicht-US-Western (Leone ausgenommen) hab ich weggelassen, weil es mir zu umfangreich geworden wäre. Das wird eine Liste für die Zukunft. „The Great Silence“ hab ich nicht gesehen, aber ich nehm natürlich jeden Tipp gerne an. Danke!

  3. Magenta
    8. April 2017 at 12:19

    Das war ja mal ’ne interessante Samstagsmorgensfrühstückslektüre, merci! Und zwei Lieblinge in den Top Ten, sehr schön.

  4. Hennes IX.
    8. April 2017 at 17:47

    Western ist ein Genre von dem ich wirklich gar nichts verstehe. Vielleicht werde ich das jetzt ändern.

    Gleichzeitiges Hören der Geisterstadt-EP sollte übrigens verbindliche Voraussetzung für das Lesen des Textes sein.

  5. St. Burnster
    9. April 2017 at 17:22

    hennes iX: Ich wollt’s nicht direkt so sagen, aber die hab ich auch etwa in der Zeit geschrieben.

  6. mq
    24. April 2017 at 22:08

    Was ich noch kommentieren wollte, was mir aber zunächst angesichts dieses hervorragenden Beitrags unangemessen erschien, und was nun, nach der Lektüre des Falschen Tagebuchs vom 24 April 2017 doch irgendwie passt: Eine an MS erkrankte Bekannte hatte sich den Traum einer USA-Reise erfüllt und mir ein Foto von sich auf dem selben Felsvorsprung gesendet, wo die beiden Reiter in klassischer Westernmanier auf ihren Pferden sitzen und in die Ferne blicken. Sie saß dort einsam in ihrem Rollstuhl.

    Das hat mich tief berührt, Helden gibt es in vielerlei Gestalt.

  7. St. Burnster
    25. April 2017 at 14:22

    Das ist ein schöner und einsamer Gedanke. Was sich natürlich nie ausschließt.

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