Kurzkritik zu Rogue One

SPOILER-FREI

UPDATE: Hab in den letzen Tagen viel über den Film gehört und gelesen und auch sein Nachdruck hat sich verstärkt. Wohlmöglich sehe ich ihn jetzt (berechtigt oder nicht) positiver und würde den folgenden Satz vom „einzig denkwürdigen Moment“ auch so nicht mehr formulieren. Dennoch: hier meine Rezension vom selben Abend, an dem ich vormittags den Film gesehen habe.

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Manche mögen die Anwesenheit Darth Vaders für einen Marketing-Gag gehalten haben, ich behaupte: ohne die Vader-Sequenz am Ende hinterließe dieser Film keinen einzigen denkwürdigen Moment.

Die Breitwand-Schlachten waren mir zu zermürbend, aber nicht weil sie die Gräuel interstellaren Konflikts zeigen, sondern weil sie einfach zu lange dauern. Die Geschichte von den gestohlenen Todesstern-Plänen ist zudem kein One-Trick-, sondern ein No-Trick-Pony. Es passiert einfach nichts Überraschendes. In der Regel hab ich ja was gegen Twists & Turns zum Selbstzweck oder eine übertriebende Rote-Heringskultur, aber das war mir hier dann doch zu linear und WTF-arm. Trotz massiver Längen und Story-Lineal blieb dann aber doch zu wenig Zeit, um mir wenigstens Felicity Jones´ Charakter näherzubringen, die ich gern näher kennengelernt hätte, statt sie nur trotzig schnuten zu sehen. Am besten lernt man noch den (tatsächlich sehr witzigen) Roboter kennen; weiß nicht, ob das im Sinne des Erfinders war. (hey, lange keinen Strichpunkt mehr gemacht)

Gefallen hat mir neben besagtem Roboter und der aparten Mon Mothma vor allem Ben Mendelsohn und sein imperialer Fashion Sense für optimistische Frühlingsfarben. Außerdem kam er mir zumindest im englischen Original vor, als könne er nur mühsam einen Sprachfehler unterdrücken. Super Typ, nur leider im wahrsten Sinne des Wortes verheizt.

Optisch war das Ganze natürlich die erwartete grandiose Schlachtplatte. Letztlich scheitert der Film aber an seinem Kompromiss aus Kriegsfilm – ein Genre das inhärent moralisch dubios sein muss – und der stromlinienförmigen Star-Wars-Moral. Ich hab bei den Establishing Shots von der Jedi-Stadt Jedha an Aleppo gedacht, aber ich denke nicht, dass das im Sinne von Disney war.

Wer ein Fazit braucht: Etwas zu forciert, aber auch kein Stuss. Muss man als Star-Wars-Fan GESEHEN haben, wird man aber nicht viel fühlen dabei. Was das hören betrifft: zumindest im IMAX hat der Soundtrack die Hälfte der Dialoge gefressen. Lauter ist der echte Krieg auch nicht.

2 Kommentare zu Kurzkritik zu Rogue One

  1. Magenta
    31. Dezember 2016 at 14:27

    Ich habe es dann gestern Abend auch endlich mal ins Kino geschafft und fand ihn merkwürdig seelenlos. Nicht langweilig, aber irgendwie … kalt. Gefallen hat mir, dass die Geschichte konsequent beendet wurde.
    Und ganz, ganz am Ende musste ich weinen – ich weiß natürlich nicht, wie das für einen CGI-Native ist, aber für mich war Star Wars damals als 14-Jährige im Kino in vielerlei Hinsicht ein Erlebnis – and she will always be my princess.
    Komm gut ins neue Jahr und danke fürs Nachdenken über Musik, Filme und überhaupt.

  2. St. Burnster
    8. Januar 2017 at 17:36

    Kalt unterschreib ich sofort. Als es am Schluss wärmer wurde, war es eigentlich fast zu spät. Allerdings hab ich mich auch noch nie so über Heldentode gefreut wie bei dem Film. Anschauen tu ich ihn natürlich trotzdem ein zweites und drittes Mal. Aber vielleicht nicht mehr im Kino.

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