Brennerpass: Das Leben der Anderen (1)

Um die Winterpause zu überbrücken, lasse ich hier Fans „anderer“ (also anders als FC Bayern) Vereine zu Wort kommen, die ihrer Leidenschaft, Sorge oder Rage freien Lauf lassen. Den Anfang macht einer meiner Lieblingsblogger und Internet-Poeten. Markus Quint wohnt in Frankfurt und ist Eintracht-Fan, und auch wenn er mir verspricht, dass unsere beiden Vereine nie eine Fanfreundschaft verbinden wird, so kann er sich doch sicher sein, dass ich die Leistung seiner Eintracht in der bisherigen Saison bewundere und diese Kolumne nur allzu gerne mit seiner grandiosen Space-Poetry eröffne.

Schwarzweiß wie Schnee
von Markus Quint

Am Anfang lag vor mir die Schwärze des Alls. Auf einer Distanz von rund dreieinviertel Milliarden weißen Jahren musste ich zunächst jedes Hindernis auf der Strecke dematerialisieren. Bereits bei halber Reisegeschwindigkeit hätte ein Meteorit von der Größe eines Staubkorns mein Raumschiff, das den stolzen Namen Grabowski trug, in Atome zerlegt. Die Räumung kostete auch ein paar Planeten, die zu allem Überfluss mit intelligentem Leben bevölkert waren, ihre Existenz. Aber kleine Opfergaben bereiteten den Weg zu Gott, den ich auf einem blauen Planeten inmitten einer kargen und ansonsten nutzlosen Galaxie gefunden hatte.

Durch ein Wunder hatte ich von diesem Gott erfahren. Empfänger in einer Außenstation hatten strukturierte Signale von Sendern namens Sky und St. Burnster weitergeleitet, die sich zu Fließ- und Textbildern entschlüsseln ließen. Nie zuvor waren in meiner Welt Bewegungen von einer solchen Eleganz zu sehen gewesen. Elf Priester jener fremden Spezies bildeten Traumformationen und beförderten Gott mittels perfekten Zusammenspiels in den Tabernakel am Ende des Platzes, vorbei an elf anderen Exemplaren der zweibeinigen Lebensform.

Die Faszination hielt mich in ihrem Bann. Ich fing die Funksignale gezielt ab und fand heraus, dass dieser magische Tanz in neuen Variationen wiederholt wurde, nachdem sich der blaue Planet einige Male gedreht hatte.

Es gab also einen Gott. Ich wollte jede Distanz überwinden und alle Entbehrungen auf mich nehmen, um in seine Welt zu gelangen.

mq
(Bild von Markus Quint)

Und nun lag der Tempel wie ein leuchtendes Raumschiff unter mir. Der runde Gott, aus toten Häuten genäht und zum Leben erweckt von einem Team aus Zeremonienmeistern, die heilige Namen wie Meier, Schwegler, Oczipka, Jung, Rode und Inui trugen und sich in der Sprache des blauen Planeten klangvoll ‚Eintracht‘ nannten, würde mich empfangen. Und ich würde als Anhänger dieser Religion zu Gott beten, mich sämtlichen Prüfungen stellen, meine Seele aus der Hoffnung auf die nächste Begegnung nähren und ewigen Trost empfangen. Um mich erschallten die spirituellen Gesänge der Gemeinde. Sanft, nahezu lautlos landete ich mitten auf der Spitze einer Eckfahne.

>> Soundtrack zur Weltraumdepesche

10 Kommentare

  1. Dass die Geburt einer Religion ausgerechnet in Frankfurt vonstatten gehen würde …

    Groußarrrtig dokumentiertes Logbuch der Grabowski!

  2. kf: Ach wie schade, jetzt funktioniert noch nicht einmal mehr der Link. Für Hinweise dieser Art bin ich übrigens immer zu haben. Danke.

    mkh: Jetzt muss sich aber erstmal noch zeigen, wie vehleidig der Heribert werden kann, wenn’s in der Rückrunde mal nicht so gut laufen sollte. Bisher waren das ja nur Niederlagen auf einem sehr hohen Tabellenniveau.

  3. @burnster
    Um ehrlich zu sein, verstehe ich in deiner Antwort nur außerirdisch und kenne weder das Tabellenniveau noch Heribert – und Letzteres ist wahrscheinlich wirklich unglaublich dramatisch, aber das gibt`s.

  4. mkh: Ich wollte ja nur sagen, bisher lief ja so dermaßen alles nach Maß, dass man die Krisenfestigkeit der Kombination Veh/Bruchhagen noch nicht beurteilen kann.

    kf: Super Sache. Ich mag den siamesischen Zwilling aus Klose und Podolski.

  5. Außerirdisch gut. Hätte ich mein Herzblut nicht schon an der Weser vergossen, würde ich sofort zu glauben beginnen!

    Und bei Heribert… was macht eigentlich der „Tor! Ach nee, doch nicht!“ Faßbender inzwischen so?

  6. „Onkel Heribert, die prähistorische Plaudertüte mit der Heißluft-Hoheit über das öffentlich-rechtliche Schnarchsacksportfernsehen?“ (Stern)
    Weizenbier trinken mit Waldemar Hartmann.

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