Brennerpass: Bundesliga 2011/2012 (12)

Spieltag 12: Der Zirkus ist in der Stadt

Augsburg - FC Bayern 1:2 (0:2)
Ich hatte ja neulich zusammen mit den Lesern an dieser Stelle orakelt, wie sich die Aufstellung ändert, wenn das Chefchen schlüsselbeintechnisch verhindert ist. Auf Alaba auf der Sechs ist aber keiner von uns gekommen. Und nach dem Spiel gegen Augsburg wissen wir auch warum. In der ersten Hälfte konnte Bayern den fehlenden Taktstock im Zentrum noch durch geschickte Positionswechsel wett machen, aber nach dem Gegentor ging jegliche Ordnung den Weg aller Fußgängerzonen-Indios (Das gesuchte Wort ist “flöten”). Am Ende auch dank der Roten für Tymoshchuk nur noch der reinste Affenzirkus und schlechtestes Bayernspiel der Saison. Zusammen mit der bräsigen zweiten Halbzeit gegen Neapel hoffentlich kein Vorbote des kommenden Dortmund-Spiels. Kompliment an die auch noch stark dezimierten Augsburger und ihren Saboteur, Manuel Neuer.

Leverkusen - HSV 2:2 (2:1)
Esoterik-Coach Thorsten Fink kann erneut auf die Bayerngen-gestählte Moral seiner Truppe zählen, nur die drei Punkte, die kann er nicht herbeimotivieren. Leverkusen macht das, was es am besten kann, nämlich seine nominelle Überlegenheit zunichte. Jansen, ein Abwehrspieler, lässt die gegnerische Abwehr tanzen, und sich auch durch das nichtgegebene Tor nicht beirren. Letzteres war angeblich ein Aufstützen von Guerrero, bei dem der Schiedsrichter durch einen gezielten Spock-Nervengriff jeglichen Protest sofort unterband. Bonmot von meinem Lieblings-Ko-Kommentator Effenberg: “Bei Leverkusen gab es heute zuviel Licht und zuviel Schatten”. Und wen hat Ballack mit der Maske noch an den Wrestler Mankind (aka Mick Foley) erinnert?

Bremen - 1. FC Köln 3:2 (0:2)
Das Spiel fing mit der Verabschiedung von Torsten “Stinkstiefel” Frings an, der sich gleich als zukünftiger Jugendtrainer empfohlen hat und somit haben wir uns wieder alle zu früh gefreut. Muss ja schön sein in Toronto. Im Spiel öffnete sich nach wenigen Minuten die Kölner Wundertüte und erst Pizarro hat sie wieder zumachen können. Das schönste Tor war allerdings der Fallrückzieher von Hunt, der wegen einer falschen Abseitsentscheidung nicht gegeben wurde. Ich behaupte aber mal, das Spiel wäre gänzlich anders ausgegangen, wenn es die völlig absurde Elfmeterentscheidung (feat. die noch viel absurdere rote Karte) gegen Köln nicht gegeben hätte. Im Gegenteil, es hätte sogar noch ein Elfmeter für Köln sein müssen, als Naldo ein ziemlich offensichtliches Handspiel beging. Letztlich darf sich jetzt auch Bremen “Bayernjäger” schimpfen, dabei gebührt dieser Titel an der Weser einzig allein Claudio Pizarro.

Dortmund - Wolfsburg 5:1 (2:0)
Ich zitiere einen Journalisten: “Der Zirkus ist wieder in der Stadt.” Ach, du gelbe Neune. Jetzt sind die Dortmunder voll auf Betriebstemperatur, ausgerechnet vor dem Spiel gegen Bayern. Wenigstens hat Kyriakos noch schnell den Subotic per technischem K.O. frühzeitig in die Winterpause geschickt. Im Ernst, es hat mich am meisten beeindruckt, wie der Klopp gegen Piräus die Spieler auf effektiv getrimmt hat, nur um in der Liga wieder den Zauberkasten auszupacken. Kagawa, Götze und Lewandowski werden der Bayern-Defensive ein paar gepfefferte Denkaufgaben stellen. Apropos Götze, der hat ja letzte Woche angedeutet, dass er sich auch vorstellen könnte, bei einem Club zu spielen, der nicht nur eine magere Mille pro Jahr zahlt. Jetzt hat Dortmund auch endlich einen guten Grund, sich in der Champions-League anzustrengen.

Hertha - Gladbach 1:2 (1:1)
Super Spiel und überhaupt nicht so systematisch, wie man das von den beiden Favre-Mannschaften erwarten konnte. Scherz beiseite, alle reden davon, wie Favre seiner Zeit Raffael und Ramos nach Berlin geholt hat – viel interessanter ist doch, dass er damals den Reus nicht in Berlin haben wollte. Der ging nach Gladbach und der Rest ist Geschichte und ein Doppelpack gegen Berlin. Und das ist vielleicht der einzige Vorwurf, den man der Hertha machen muss, dass sie den Reus nicht in Rudelhaft genommen haben.

Hoffenheim - Kaiserslautern 1:1 (1:0)
Wenn die Wut vom Tuchel eine feurige ist, dann ist die von Stanislawski eine zutiefst frostige. Sein sinistres Fazit “Alles falsch gemacht” beim Interview nach dem Spiel ließ einem fast das Blut in den Adern gefrieren. Klar hat Hoffenheim nicht herausragend gespielt, aber Lautern war am Samstag ein sehr starker Gegner. Es mag sein, dass das der schwächste Saisonstart von Hoffenheim in der 1. Liga ist, andererseits hat man sich vielleicht auch ein bisschen zuviel vorgenommen, jetzt, wo der Hoff den Geldspeicher nicht mehr jedes halbe Jahr aufsperrt. Das Tor von Kouemaha (besser zu merken unter “Cujamara”) war im wörtlichsten Sinn der Knaller.

Nürnberg - Freiburg 1:2 (1:1)
Der Glubb will scheinbar nicht mehr gewinnen. Der Pekhart hätte locker drei statt ein Tor schießen können. Das Spiel war schwerer zu ertragen als die Friedensbotschaften von Jana Pallaske, auch wenn die Freiburger spielerisch wieder ein bisschen besser in die Spur zu kommen scheinen.

Hannover - Schalke 2:2 (1:1)
Meine neue zweite Lieblingsmannschaft macht es mir nicht leicht. Erst das todtraurige Spiel gegen Larnaca, dann beinahe gegen die Pennäler-Truppe vom Slomka verloren. Hätte der Deppadopoulos nicht dieses beherzte Eigentor verbrochen, wären die ‘Noveraner nicht so gut ins Spiel zurückgekommen. Gottseidank gibt es den engelsgleichen Finnen Pukki, der in der zweiten Halbzeit spiegelverkehrt sein Tor aus der Ersten wiederholte. Raul war nur auf dem Spielerbogen anwesend.

Mainz - Stuttgart 3:1 (0:0)
Im Vorfeld haben die Medien den Tuchel jüngst als Misanthropen und Choleriker gebrandmarkt und selbst ich hab aus besser informierten Kreisen schon gehört, dass er ein kaum zu bändigender Fußballwahnsinniger ist. Gestern gab er sich aber nicht nur aufgrund der auf ihn gerichteten Kameras etwas ziviler, sondern auch, weil das übliche Bullseye seines Zorns, der Schiedsrichter, den Mainzern einen entscheidenden Elfmeter schenkte. Trotzdem kein völlig unverdienter Sieg, wenn auch die Stuttgarter deutlich mehr Spielkultur besitzen. Bei Mainz waltet trotz der zwei Ujah-Tore weiterhin eher die rohe Gewalt der Selbstfindung und Wutbürger Tuchel wird auch in den folgenden Spielen nicht zum Gaudifußball der letzten Saison zurückkehren können. Aber, ohne jetzt allzu altväterlich wirken zu wollen, der muss das Krisen- und Grantmanagement erst lernen, der junge, wilde Racker. Gelacht hab ich übrigens bei der Auswechslung des Mainzers Mali, der vier Minuten vorher erst ins Spiel gekommen war. Wahrscheinlich aus Versehen.

BRENNERPASS-TIPPSPIEL:
Endlich auch mal ein guter Tag für mich, auch wenn die konstante Tipp-Form von meinem persönlichen Konkurrenten (aus Liebe) Mequito mich schön brav auf Distanz hält. Vorne erfolgreich angegriffen haben mq und Manitsch, aber benchman hat mit einer mittelmäßigen Tippleistung den zweiten Platz verteidigt, während stt mit dem besten Tippverhältnis des Spieltags seinen Expertenthron quasi schon im Wohnzimmer stehen hat. Bei julio_cesar und dem geschätzten Fuxbeck werde ich das Gefühl nicht los, dass sie schon aufgegeben haben.

Die Tipptabelle für den aktuellen Spieltag
Die Tipptabelle in der Gesamtübersicht

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6 Kommentare zu Brennerpass: Bundesliga 2011/2012 (12)

  1. MC Winkel
    7. November 2011 at 21:21

    Nächste Woche, Alter.
    Endlich wieder 3 Punkte!

  2. blogspargel
    7. November 2011 at 21:42

    Also, nicht der Glubb will nicht mehr gewinnen, sondern der Hecking denkt, die 12 Punkte reichen schon zum Klassenerhalt. Deshalb werden auch die Jungen verheizt, wie letzte Woche in München durch eine indiskutable Taktik und diese Woche dann durch die alten Säcke wie Schäfer, Pinola, Eigler & Co. auf die Bank strafversetzt.
    Bei Oenning haben die Spielerfrauen durch persönlichen Einsatz die Aufstellung mitgestaltet, Hecking hat hier offensichtlich sein eigenes Geheimnis. Schade drum!

  3. burnster
    8. November 2011 at 00:50

    mcwinkel: an mir solls nicht scheitern.

    bs: der Eigler ist doch kein alter Sack. Ist man mit 27 jetzt schon ein alter Sack in der Liga?

  4. stt
    9. November 2011 at 15:55

    Wenn ich auf mein Bauchgefühl gehört hätte und nicht auf den fränkischen Lokalpatriotismus wären es sogar noch 3 Punkte mehr geworden. (Wenn der Hund ned g’schissn häd..)
    Bleibt nur die Frage für nächsten Spieltag.
    Bayernsieg oder doch nur schnöde Punkte im Tippspiel ?

  5. St. Burnster
    9. November 2011 at 16:03

    Noch sagt der Bauch, dass die Bayern verlieren oder Unentschieden spielen. Aber richtig aktiv wird die Intuition erst, wenn ich die Gfrieser kurz vorm Anstoß einlaufen sehe. Da täusch ich mich selten, hab aber zu dem Zeitpunkt immer schon meine Tipps abgegeben. Zudem haben wir ja noch etliche Tage zum Sinnieren Zeit.

  6. stt
    19. November 2011 at 15:01

    endlich geht es weiter. Wo sind eigentlich die quoten her?

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