September 2011 archive

Brennerpass: Champions League 2011/2012 (2)

Ich halte das Gerede von Bayern als Mitfavorit auf den diesjährigen Titel für eine Ejaculatio praecox. Es gibt mit Barcelona, Manchester und Real Madrid auf dem Papier drei deutlich stärkere Mannschaften. Allerdings spielt Bayern derzeit auf seinem höchsten Niveau seit dem Ende der ersten Van-Gaal-Saison und durch die schwere Gruppe (Neapel hat gestern aufgedreht, du lieber Harry!) bleibt die Mannschaft herausgefordert und kann sich verbessern. Erst zum Zeitpunkt des Achtel- oder Viertelfinales könnte sie dann tatsächlich der erhoffte Mitfavorit auf den Ohrenpokal in der heimischen Arena sein, so die Formkurve ansteigt. Gegen ManCity haben die Bayern in der ersten halben Stunde erkennen müssen, dass ihre Bundesliga-Dominanz kein Gütesiegel in der Champions-League ist. Da es sich um Fußballspieler und keine Schnellspanner handelt, hat es eine halbe Stunde gedauert, bis die Erkenntnis angekommen ist, aber dann fand eine Evolution in Spiel- und Selbstbewusstsein statt. Und diese Fähigkeit zur Evolution innerhalb ein und desselben Spiels ist die Stärke der Mannschaft und ihres superrüstigen Trainers, der auf seine alten Tage den Fußball einheitlicher interpretiert als je zuvor. Fuck Konzeptfußball, übrigens.

Die Idioten des Spieltags sind natürlich Manchester City. Wenn man ein Ensemble mit 11 überteuerten Sonderbehandelten auf dem Platz hat, ist man als Trainer natürlich ein besserer Kindergärtner. Aber den Spielen in der Premier League und der ersten Halbzeit gestern nach, hatte Roberto Mancini scheinbar einen Weg gefunden, den Wust an Einzeltalenten in ein System hinein zu entwirren. Dass er am Ende auswechselt wie ein Betrunkener und ihm sein Lieblingsspieler Tevez die Gefolgschaft verweigert, ist eine tragische Selbstdemontage des Vereins, wie ich sie selten gesehen habe. Helden des Tages sind übrigens Torsten Finks Basel-Boys, die ManU aufgegeigt haben, als gäbe es kein Morgen.

Brennerpass: Bundesliga 2011/2012 (7)

Spieltag 7: Ausgebrannt

Ich will im Zuge des Rücktritts von Rangnick nicht so tun, als hätte ich jemals besonders viel für ihn und seine Art übrig gehabt. Ich halte ihn nach wie vor für einen unentspannten und humorlosen Fußballirren, aber wenn jemand einem Druck erliegt, dann hat er in der Regel mein Verständnis, selbst wenn er sonst ein Arsch ist. Leid tat mir in dieser Wochen aber fast noch mehr der Breno, denn was immer der für Probleme hat und egal, ob er sein Haus angezündet hat oder nicht, ihn sofort in den Knast zu stecken und was von Verdunklungsgefahr zu faseln, deutet auch auf einen Burnout bei der Münchner Staatsanwaltschaft hin. Und überhaupt: das ist ein freies Land, man wird doch noch seine eigene Villa anzünden dürfen, oder?

Bremen - Hertha BSC 2:1 (1:1)
Der Fußballgott ist ein Arschloch. Man verstehe mich nicht falsch, ich bin froh, dass die Bremer sich wieder eingekriegt haben und dass sie wieder oben mitspielen, obwohl der derzeitige zweite Platz eine unerhörte Schmeichelei für die Chaostheoretiker von der Weser ist. Und ich bin nicht im geringsten der Hertha zugetan, aber dieses Spiel war eine größere Farce als die nach hinten verlegte Tagesschau wegen des Papstbesuchs (Fick dich ARD!). Von vorne bis hinten verpfiffen, meist zu Ungunsten der Berliner. Gravierendste und einschneidendste Fehlentscheidung war die Gelb-Rote von Ramos (die Rote von Lell ging voll okay), und überhaupt hab ich eine solche Kartenschlacht zuletzt beim WM-Endspiel zwischen Spanien und Holland gesehen, wenn man vom letzten Zweierwatt (“Watten” = bayr. Kartenspiel) mal absieht. Die Hertha hat vor den Platzverweisen schon guten Fußball gespielt, wenn man von Krafts Patzer und der verwirrten Abwehr beim Gegentor mal absieht, aber erst zu neunt sind sie über sich hinausgewachsen. Zerstreute Bremer mussten Raffael teilweise zu fünft hinterherlaufen und selbst dann half nur noch ein nicht gegebenes Foul. Unglaublich aber wahr: die Berliner hatten zu neunt sogar noch eindeutige Torchancen. Und dann im letzten Zipfel der Nachspielzeit doch noch der unverdiente Treffer für Werder. Ich wiederhole mich, die zwei Punkte hinter Bayern werden nicht lange halten, bald geht’s wieder zurück ins Mittelmaß, denn die Mannschaft gibt so eine hohe Platzierung überhaupt nicht her.

FC Bayern - Leverkusen 3:0 (2:0)
“Mia san Mia”, das auf dem Trikot eingestickte und auf dem Platz wiederbelebte Selbstbewusstseins-Dogma des FC Bayern, klingt in dieser Saison noch nicht einmal mehr für den gemeinen Preussen fremdsprachig. Mit fremder Zunge sprach bei diesem Spiel sowieso nur Robin Dutt und damit meine ich nicht sein Schwäbisch. Die Mannschaft versteht ihren Trainer offenbar nicht, denn das Chaos, das die Leverkusener vom Mittelfeld abwärts entfesseln, kann so nicht von Dutt verordnet worden sein. Ich bleibe dabei, Dutt ist überfordert und die individiuelle Klasse der Spieler verpufft wie ein Fluch von Kiesling einsam in der gegnerischen Hälfte an einem lauwarmen Septemberabend in der Allianz Arena. Bei Bayern haben sich auf diesem hohen Niveau trotzdem ein paar Fehlpässe eingeschlichen und auch im Abschluss wird mehr gedümpelt als gedübelt, dennoch fällt auf, dass die Raumaufteilung in der Abwehr nahezu perfekt ist und dass man im defensiven Mittelfeld extrem nah am Mann steht und die Zweikämpfe gewinnt, und das macht einen Dimensionssprung zu der laxen Van-Gaal-Abwehr aus. Das Lebkuchenherz des Tages geht natürlich an Robben für sein Comeback-Tor und an Schweinsteiger für den besten tödlichen Pass der bisherigen Saison. Im Interview nach dem Spiel lobt Dutt dann noch seine bräsige Truppe für ihre Standhaftigkeit und prophezeit baldige Siege und selbst wenn man durch den schwäbischen Sprachvorhang blickt, versteht man nicht, wovon der Mann spricht.

Gladbach - Nürnberg 1:0 (0:0)
Der Club hält hinten dagegen, bringt aber vorne nix zustande trotz der Rückkehr von Pekhart (den ich auch jedes Mal anders schreibe). Alexander Stephan im Nürnberger Tor ist ein weiteres Beispiel für den ewigen Torwart-Frühling der über die Bundesliga hereingebrochen ist. Guter Mann, aber Gladbach spielt robotisch sein Spiel zuende und erneut reicht es zum Favre Classique, alias 1:0. Gute anderthalb Stunden lang war Gladbach Tabellenführer und ist nach Bayern die momentan beste Mannschaft in der Liga. Nicht Werder.

Köln - Hoffenheim 2:0 (1:0)
Podolski spielt alles in Grund und Boden und Solbakken hat eingesehen, dass in Köln Spielkultur niemals über den Instinktfußball obsiegen kann und ein System in Köln immer nur so gut ist, wie ein Podolski es findet.

Mainz - Dortmund 1:2 (1:0)
Der Tuchel hat einfach nicht mehr das Personal, um da oben mitzuhalten. Dortmund musste seine erste Krise seit der Meisterschaft bewältigen und sich mit Gewalt dagegen zu stemmen, war das richtige Mittel und deshalb das späte Tor vom vorher patzenden Piszczek hoch verdient.

Schalke - Freiburg 4:2 (1:1)
Super Spiel von Schalke zu Ehren des ausgebrannten Ralf Rangnicks inklusive einer Raul-Gala. Dank Interimstrainer (Kandidat zum Unwort des Jahres) Seppo Eichkorn darf auch Jurado wieder ran und tut der neulich noch einfallslosen Schalker Offensive gut. Verdienter Sieg und der erste Nagel im Sarg von Freiburg.

Wolfsburg - K’lautern 1:0 (0:0)
Langweiliges Spiel und beschämend, dass die Lauterner Überzahl wegen roter Karte für Kyrgiakos lediglich dazu führte, dass der FCK noch langweiliger spielte und letztlich zurecht verlor.

Augsburg - Hannover 0:0 (0:0)
Wenn es am Ende der Saison einen Sonderpreis für die meisten Unentschieden gibt, dann ist Augsburg auf einem guten Weg. Andernfalls nicht. Furchtbar langweiliges Spiel und noch Glück für Augsburger.

Stuttgart - HSV 1:2 (1:0)
Auch wenn sein Name so klingt und er aussieht wie ein schmieriger Magier aus den zwanziger Jahren, hat Rodolfo Cardoso dennoch ein Kunststück hinbekommen, das man in Hamburg beinahe für schwarze Magie gehalten hätte. Er hat mit dem HSV ein Spiel gewonnen und das sogar noch verdient. Ich hab mich in der Woche mit einem sehr netten Kollegen von der 11Freunde unterhalten und unsereins tut sich ja immer leicht mit den populistischen Gehässigkeiten, und da war es gut, dass ich jetzt weiß, dass der Oenning eigentlich ein prima Typ ist, was natürlich nichts daran ändert, dass er mit der Mannschaft nichts Halbes und nichts Ganzes hinbekommen hat. Wer kommt jetzt? Huub Stevens? Are you serious, Bro? Soviel zum Thema Umbruch in der Spielkultur. UPDATE: Huub zu Schalke, denn in Geilsenkirchen wurde zuletzt auch ein bisschen zu schöner Offensiv-Fußball gespielt, oder?

Stell dir vor es ist Papst und keiner geht hin

Ja, schön wärs. Am Ende gehen doch wieder ein paar zigtausend Volldeppen hin und wenn’s nur aus Neugierde ist. So ein Diktator von einem kleinen Land ist aber auch was Interessantes, so jemand will man schon mal aus der Nähe sehen, schon allein wegen der Atmosphäre. Ich kenne Leute, die da hingehen und gehe gerade mit mir selbst in Klausur, ob ich die Leute morgen auch noch kennen soll. Religion ist die Oberblödheit, da braucht man von mir keine Toleranz erwarten. Schon mit zwanzig hab ich mich mit meiner damaligen Freundin vom katholischen Mädchengymnasium auf dem Weihnachtsmarkt lautstark gestritten, weil ich gesagt habe, der Papst ist ein Riesenarsch und ich bin der Tritt ans Schienbein der Gesellschaft. Für den letzten Teil des Satzes schäme ich mich heute noch, für den ersten nicht. Zur Feier des Tages erhebe ich nun folgenden meiner Artikel in den Stand “Seine größten Erfolge”, weil er super zum Papstthema passt und weil er echt total super ist, ich habe ihn grade nochmal gelesen. Wahnsinn, ich und die Weiber damals, echt Wahnsinn.

LIES MICH JETZT: Der Austritt
(und auch die Kommentare haben’s in sich. High Class Ketzerei!)

Und jetzt noch was zum Rangnick-Rücktritt. Ich mag den nicht, aber mit einer beruflichen Ausbrennung ist nicht zu spaßen. Ergo wünsche ich ernsthaft gute Besserung. Der Spaß fängt dann wieder an, wenn uns Schalke den nächsten großen Trainer-Coup präsentiert. Auf einen Fehlgriff ist nämlich soviel Verlass wie auf das Amen vom Papst im Olympiastadion.

Brennerpass: Bundesliga 2011/2012 (6)

Spieltag 6: Eine Liga wählt rot

Passend zum Sieg des roten Wowi und dem überfälligen Dahinscheiden der FDP hat sich die Liga an diesem Wochenende auch ganz klar für die Farbe Rot entschieden. 5 Platzverweise an einem Spieltag im Gegensatz zu 8 Platzverweisen an den 5 restlichen Spieltagen sprechen eine deutliche Sprache. Die spricht auch das Torverhältnis des FC Bayern – es lautet 18:1.

Schalke 04 - FC Bayern 0:2 (0:1)
Endlich konnte man mal sehen, was der Ersatzbank-Gomez Nils Petersen wirklich taugt und fast hätte ich gesagt, der Gomez ist gegen den Ball ein bisschen besser, aber ehrlich gesagt weiß ich bis heute nicht so genau, was mit dieser Phrase gemeint ist. Ansonsten war es das neue Same Old bei den Bayern: hinten dicht, in der Mitte kontrolliert und ballansichreissend, vorne kreativ und ganz vorne Chancentod. Einen Torwart benötigt dieses System nicht mehr und angesichts der Gehässigkeiten der Schalker Fans hätte der Neuer auch lieber zuhause bleiben sollen, es hätte eh keinen Unterschied gemacht. Da vorne wirbeln Dribblery, Kroos und Müller soviel Staub auf, dass einem der Name Robben selbst im Zusammenhang mit einer Schambein-Entzündung (was immer das sein mag) derzeit leicht über die Lippen geht. Lahm hat Farfan super neutralisiert und ausser zwei Patzern von Scheröm Boateng verhielt sich die Innenverteidigung unnachgiebig wie ihr Ex-Trainer. Und das gibt mir zu denken, dass es so einfach hätte sein können mit der Defensive und dass es schon eine Leistung von Van Gaal war, die Mannschaft davon zu überzeugen, die Abwehrarbeit zugunsten eines selbstgefälligen Querpassspiels zu vernachlässigen.

FCK - Mainz 3:1 (1:1)
Den Mainzern fehlen diese Saison die Knipser und Flitzer a la Schürrle und Holtby. In punkto Nahkampf und Aufbäumen ist der Tuchelfußball eh zu ästhetisch angelegt, da waren die Lauterer stets eine gebrochene Nasenlänge voraus. Tuchel sagt, seine Defensive lässt im Grunde keine Großchancen zu, versteht also selbst nicht, wie man in den letzten drei Spielen 11 Gegentore kassieren konnte. Tiffert ist der Motor der Lauterer, der Abgang des letzte Saison etwas überbewerteten Ilicevic zum HSV könnte zu verkraften sein, wenn die Mannschaft jetzt schon den Abstiegskampf annimmt.

Leverkusen - Köln 1:4 (0:1)
Meine Meinung über Leverkusen hat sich bestätigt. Die Mannschaft hat eine Menge Potenzial, belegbar anhand des Spiels gegen Chelsea am Dienstag, aber es fehlt der letzte Schliff, die Automatismen, das Selbstbewusstsein. Und das liegt am Trainer, da leg ich mich fest. Dutt kann eine Überraschungsmannschaft wie Freiburg zusammenhalten und sogar weiterbilden, aber im Oberhaus geht er mit seiner Provinzmentalität unter. Davon abgesehen hat der 1. FC Kalauer die Vizekusener mit seinem Angriffsspiel eiskalt erwischt, allen voran Comeback-Kid Podolski. Seit Solbakken von seinem Systemfußball ein wenig abgerückt ist, klappt es wieder besser bei Köln. Seine Flexibilität danken ihm Podolski und Novakovic. Die Stimmen, die für Podolskis Foul am Nationalkonkurrenten Schürrle Rot gefordert haben, sollten ein paar Aspirin zur Beruhigung nehmen. Allerdings war die rote Karte für Schürrle am Ende des Spiel ein vollkommener Humbug, wenn man bedenkt, dass Podolski noch nicht einmal Gelb gesehen hat.

Hamburger SV - M’gladbach 0:1 (0:0)
Tja. Was soll man da noch sagen? Wenn man das Trauerklopsgesicht vom Oenning im Training gesehen hat, wusste man doch da schon, dass er das Karma einer brennenden Bohrinsel mit ins Spiel bringen wird. Und da half dann auch kein Anrennen gegen eine mittlerweile gewohnt gut organisierte Gladbacher Defensive, das Unglück war vorprogrammiert bei soviel Pech. Der falsche Twitter-Account von Oenning, den er übrigens rechtlich zur Raison zwingen will, legte ihm noch am Samstag nach dem Spiel in den Mund: “Kompliment an meine Jungs, trotz kräftezehrender DFB-Pokal Doppelbelastung heute beachtlich was für unser Torverhältnis getan.” Im Sinne des Humors bin ich ja auch für eine Weiterbeschäftigung Oennings, aber ob es für den Verein das Beste ist, bezweifle ich seit seiner Beförderung zur Chefcouch. UPDATE: Ach ja, erst Treue schwören, dann doch raussemmeln. Mensch, HSV, lies mal Brennerpass, Digga, dann hättste den Oenning vielleicht gar nicht erst auf den Kutschbock gelassen. Immer vorausgesetzt, du traust mir mehr Fußballkompetenz als deinem Vorstand zu.

Freiburg - Stuttgart 1:2 (0:1)
Nach der 7:0-Niederlage gegen die Bayern neulich sieht’s bei Freiburg auch eher schlecht im Karma-Departement aus. Das machte sich bemerkbar, als die Stuttgarter trotz besserer Chancen der Freiburger die wichtigen Tore schossen. Aber Abgeklärtheit ist eben auch eine Tugend. Der Windel-Torjubel von Harnik ist es nicht.

Hertha BSC - Augsburg 2:2 (0:1)
Die Hertha spielt die ersten Hälften meistens so grausig unspektakulär, dass ich sie am liebsten aus der Konferenz ausklammern würde, aber das geht ja bei Sky nicht. Insofern war das erste Tor durch die Augsburger nur eine gerechte Strafe. Dass die Berliner dann doch noch aufdrehen und Augsburg fröhlich mitdreht, war ein Versöhnungsangebot an die bereits pfeifenden Leute im Stadion. Gäbe es wie früher nur zwei Punkte für Siege, stünde Augsburg mit seinen Dauerunentschieden gar nicht so schlecht da. Als Kind hatte ich mal die Theorie, dass wenn man ständig Unentschieden spielt, immer Tabellenzweiter wird. Die Theorie hat sich als falsch heraus gestellt.

Hoffenheim - Wolfsburg 3:1 (2:0)
Jede Magath-Niederlage ist ein Highlight des Fußball-Boulevards. Magaths Allwissens- und Allherrschaftsanspruch in Kombination mit seiner Transferwut erzeugen eine riesige Fallhöhe und dementsprechend amüsant ist es wenn’s dem wiefen Kontrolletti die Süffisanz verschlägt. Es wäre im Prinzip nur fair, würde sich Magath auch selbst Vertragsstrafen auferlegen, denn warum verändert er die tüchtige Elf des Siegs gegen Schalke gleich auf drei wichtigen Positionen und nimmt den archetypischen Kampffußballer Ochs aus der Mannschaft? Der letzte Woche noch so glänzend parierende Benaglio-Ersatz Hitz konnte lediglich in der Hitparade der Torwartfehler und Schiedsrichterbeleidigungen ganz oben landen. Das 2:0 durch den nachher im Ententanz samt Hühnerbrust wackelnden Firmino war eigentlich schon die Vorentscheidung, aber nach dem Platzverweis von Hitz war dann die Musik für die Wölfe endgültig zu Ende. Immerhin haben wir mal wieder mit Hasebe einen Feldspieler im Tor sehen dürfen. Immer die ärmste Sau.

Nürnberg - Bremen 1:1 (0:1)
Noahs Arche hätte am Samstag ohne Probleme in Nürnberg ablegen können. Platzregen reicht nicht als Ausdruck. Ansonsten sind die Nürnberger Spieler Deppen und müssen nicht vor den Fluten bewahrt werden. Denn selbst vor dem Platzverweis vom narrisch gewordenen Wiese (vielleicht wegen der narrischen Wiesn-Zeit, hohoho) hätten sie schon führen müssen und nachher in Überzahl sowieso, aber das war zuviel Gefuchtel in der Offensive. Ausgerechnet der Ex-Glubbara Ekici haut ihnen dann das 0:1 rein und das ganze Angerenne gegen die nicht für ihre Standfestigkeit bekannte Bremer Abwehr führte leider maximal zu einem salomonischen Unentschieden. Wie lang ist eigentlich der Peckhart noch gesperrt?

Hannover - Dortmund 3:1 (0:1)
Hannover spielt das Spiel zuende, nur Dortmund hat schon in der 80. die geistigen Koffer gepackt. Insofern selber schuld. Die Rückkehr von Götze nächste Woche wird dem BVB gut tun. Natürlich konnte auch dieses Spiel nicht ohne rote Karte zuende gebracht werden. Sobiech hieß der letzte Delinquent des Wochenendes in einer Platzverweisparade die ihresgleichen sucht.

(hurensakramentsackelzefixnoamoi) – Vom Saulus zum Paulus

Äh, ja, was wollte ich sagen? Zuerst einmal dass mich mein Dauerschnupfen dermaßen aufregt, dass ich jemand umhauen könnte, am besten den Rösler, dessen Gesicht ich in den niederbayerischen Brockhaus als Prototyp für einen “Bledschaua” (hochdeutsch: “Gesichtskrapfen”) eintragen würde, gäbe es einen niederbayerischen Brockhaus. Aber eigentlich wollte ich erklären, warum ich nicht mehr soviel motzen und maulen tu wie früher oder wie beispielsweise der Norbert. Das hat zwei Gründe. Der weniger wichtige Grund ist der, dass seit der Erfindung des Internets das Motzen quasi eine Hochkonjunktur hat, wie wir sie seit der Weimarer Republik nicht mehr erlebt haben und ich mit meiner einst erfrischend nörgligen Art jetzt leider kein Distinktionsgewinner mehr bin. Aber der Hauptgrund ist der, dass wenn ich mich wieder mal dermaßen über die Politik, Farcebook, irgendwelche dahergelaufenen und klugscheissenden Internet-Gfrieser, die scheissdrecks Baustellen in der Stadt oder meine gottverreckte kaputte Zentralverriegelung aufrege, ich so eine schlechte Laune bekomme, dass ich mich anschließend maßlos drüber aufregen muss, dass ich mich wieder so sinnlos aufgeregt habe. Und wie dieser Teufelskreis weiter geht, sagt ja schon der Begriff Teufelskreis. Am Ende kommt man aus dem Aufregen nicht mehr hinaus und das ist in meinem Alter nicht mehr gesund. Deshalb ist der Kurswechsel hin zu einem sublimen Positivismus eine rein medizinische Angelegenheit, keine ideelle, dass wir uns da richtig verstehen, ihr Arschgeigen.

Brennerpass: Bundesliga 2011/2012 (5)

Spieltag 5: Neuerdings wieder Alles beim Alten

Bremen - HSV 2:0 (0:0)
Ich glaube nicht unbedingt, dass Bremen um die Meisterschaft mitspielen wird, aber ihre Krise haben sie bewältigt. Pizarro ist alive and kicking und selbst der bereits für eine Erzählung aus grauer Vorzeit gehaltene Naldo kehrt zurück. Die Mannschaft hat zum Glück Marin behalten und gottseidank den Uraltvorderen Frings verloren und auch der in den letzten Monaten zunehmend unzuverlässig gewordene Mertesacker ist kein großer Verlust. Ein guter Neuzugang war auf jeden Fall der Grieche mit dem längsten Namen der Welt, der sich deshalb jetzt nur noch Sokratis nennen lässt – eine weise Entscheidung. Beim HSV konnte man erneut den Willen sehen, aber keine Konstanz und keinen konkreten Plan für einen Sieg. Bremen hatte den auch nicht, aber Bremen weiß wie man ohne Plan, aber mit purer Offensivwut gewinnt, das tun die seit Jahren. Fazit: Bremen ist wieder im Geschäft und kann es sich sogar leisten, einen klasse Spieler wie Ekici erst kurz vor Schluss zu bringen, und Hamburg kann die Vorrunde schon mal abhaken und vielleicht mal mit Bernd Schuster reden, der im Sport1-Doppelpass sein Interesse an Oennings Job bekundet hat. Ansonsten hat Huub Stevens mal wieder grade nichts zu tun.

Dortmund - Hertha BSC 1:2 (0:0)
Das ist eine gute Idee vom Uli Hoeneß gewesen, dass er seine Ex-Schäfchen hinaus ins Land schickt, damit sie andere Vereine trainieren, die dann den jeweiligen Konkurrenten um die Meisterschaft in die Suppe spucken. Der Babbel hat seine individuell heillos unterlegene Truppe dermaßen gut eingestellt, dass die sich gerade in der Kreativpause befindenden Dortmunder tatsächlich verdient klein beigeben mussten. Raffael hat ein grandioses Spiel hingelegt, ihm ist dieser Berliner Sieg zu einem großen Teil zuzuschreiben. Die erste Heimniederlage seit gefühlt 1913 tut Dortmund weh, auch wenn Klopp das nicht zugeben will. Klar, es mag nur ein schlechter Tag gewesen sein, aber mit dem Kopfgespenst Champions League im Hintergrund wird es davon noch ein paar mehr geben. Götzes gute Ideen haben tatsächlich gefehlt, aber auch ein Barrios – den die Presse offensichtlich vergessen hat – bringt der Dortmunder Offensive die nötige Unberechenbarkeit.

FC Bayern - Freiburg 7:0 (3:0)
Kleiner Wortwitz zum Einstieg: Wenn das so weiter geht, kann Freiburg balt viel Sorgloser aufspielen. Haha. Gelacht haben an diesem Nachmittag allerdings ausschließlich die Bayern, allen voran der Tausenfüßlée Ribery und seine Exekutive Mario Gomez. Der hat nach dem fünften Spieltag jetzt schon mehr Tore als Ribery in der gesamten letzten Saison. Und immer noch kein einziger gravierender Abwehrfehler, sieht man vom Neuer-Ausfall gegen Gladbach mal ab. Aber was die Abwehr wirklich taugt, das wird sich ab Mittwoch gegen Villareal zeigen, die allerdings selbst nicht das Defensivpulver erfunden haben.

Stuttgart - Hannover 3:0 (1:0)
Taktisch klug vom VfB, dem Cherundolo schon am Anfang des Spiels das Gesicht aufzuschlitzen. Danach ging nicht mehr viel bei Hannover und bei Cherundolo schon gar nicht mehr. Das Tor von Kusmanovic zum 2:0 war eine äußerst windschnittige Angelegenheit und auf die Verrenkung beim 3:0 von Tasci wäre selbst Mr. Miyagi stolz gewesen.

M’gladbach - K’lautern 1:0 (0:0)
Hätte ich für dieses Spiel Eintritt bezahlt, der Fallrückzieher von Tiffert und die Parade von Super-Torwart Ter Stegen wären ihn wert gewesen. Ansonsten bleibt die Erkenntnis, dass Gladbach selbst unangenehme Spiele geordnet herunterspielen und gewinnen kann und Marco Reus offensichtlich eine Allergie gegen Jogi Löw hat – anders sind seine termingerechten Ausfälle zu Länderspielen nicht mehr zu erklären.

Mainz 05 - Hoffenheim 0:4 (0:2)
Im Interview nach dem Spiel sagt der Tuchel noch, dass er auch mal ein Spiel 4:0 gewinnen will, ohne einen Finger krumm zu machen. Was er meint, ist gewinnen, ohne gut zu spielen und das war ein Seitenhieb auf Hoffenheim. Danach interviewen sie den Stanislawski und der haut noch fester zu und bekräftigt, dass Hoffenheim scheiße gespielt hat. Ich fand sie gar nicht so schlecht und würde ihnen ob des Ergebnisses empfehlen, weiter so scheiße zu spielen.

1. FC Köln - Nürnberg 1:2 (1:2)
Ich habe nie verstanden, was das Problem zwischen Finke und Frank Schäfer war und warum Schäfer letztendlich seinen Hut genommen hat. Vielleicht dachte man im Vorstand bei zwei, drei Kölsch, der FC wäre nach der Konsolidierung unter Schäfer reif für den nächsten Schritt. Für den nächsten Rückschritt vielleicht. Die Gelb-Rote gegen Peckhart war eine Frechheit, vor allem weil Peckhart bei der zweiten Karte nur beinahe das getan hat, was sich jeder FC-Fan gewünscht hat: Geromel für die Verschuldung von gleich zwei Elfern eins auf den dämlichen Latz zu geben. Diesem eingelaufenen Hemd von einem Kapitän. Und dabei haben die Nürnberger ja schon vor dem Spiel einen wichtigen Mann verloren, nämlich ihren äußerst talentierten Ersatztorwart Rakovky, für den der Ersatz vom Ersatz, Alexander Stephan im Tor stand. In der zweiten Halbzeit agierte der Schiedsrichter weiter wie ein Black Jack Dealer und schmeisst Brecko wegen einer Nichtigkeit vom Platz, die man noch nicht einmal hätte pfeifen müssen. Insgesamt ein erneut gutes Spiel der Nürnberger und erneut eine kopflose Angelegenheit vom FC, die Solbakken am Ende des Spiels seine Wasserflasche den Fans in der ersten Reihe auf den Kopf kicken ließ. Aber da hat es sicher eh nicht die falschen getroffen.

Wolfsburg - Schalke 04 1:1 (2:1)
Es ist ja diese Woche viel geredet worden über Magaths drakonische Geldstrafen und man kann jetzt unken, dass Mandzukic sich nur deshalb so reingehauen hat, damit sein Girokonto nicht gesperrt wird, aber es hat in Wirklichkeit einen überragenden Schalker Spielbeginn und die fantastische Kombination zum 0:1 von Farfan und Raul gebraucht, um die Wolfsburger aus ihrem Schönheitsschlaf zu reissen. Der Rest der ersten Halbzeit war hochgradig unterhaltsam, die zweite Hälfte dümpelte dann bis zum entscheidenden Tor. Benaglios Ersatz Hitz ist ein guter Mann und langsam frage ich mich, ob es eigentlich noch durchschnittliche Torhüter in der Bundesliga gibt. Ach, stimmt, Drobny. Das Geld, das Magath durch die Disziplinstrafen verdient, kann er übrigens gleich dem Ochs als Kilometergeld wieder auszahlen.

Augsburg - Leverkusen 1:4 (1:2)
Der Fußballgott war am Freitag kein Augsburger, obwohl das ja eigentlich klar ist, denn er kommt aus Giesing. Egal, die Augsburger zeigen Löwenherz und Abschlussschwäche und werden durch vier beiläufige Leverkusener Tore gedemütigt. Dass der Kiesling durch sein Tor seinen Kritikern gegenüber den Mittelfinger noch länger machen kann, als er das neulich in dem Interview zum Thema Chancentod eh schon getan hat, täuscht nicht darüber hinweg, was für eine durchschnittliche Mannschaftsleistung da von der Werkself erbracht wurde. Es gibt massenweise individuell hervorragender Spieler bei Bayer, aber noch kein System. Dutt kann sich jetzt schon getrost auf den zweiten Platz konzentrieren, wenn überhaupt. Den Deppen Schwaab hätte ich vom Platz gestellt, so wie der den Mölders in Jenseits säbeln wollte.