Supercup Bayern – Schalke 2:0
Ich bin da Egoist, wenn es um den Supercup geht. Wie sonst könnte ich schon Anfang August zwei halbwegs motivierte und halbzuendetransferierte Spitzenmannschaften der Bundesliga in einem Livespiel im Freifernsehen sehen. Also her mit dem Supercup und bitte gerne auch mal in der ostdeutschen Provinz, wo ich nicht 7 Stunden mit dem Auto brauche.
Das war also der Test für das Raul-System und das Van-Gaal-System. Letzteres funktioniert auch ohne Stars mit “R”, bei Ersterem hapert’s noch, weil das Raul-System noch einen Stürmspezi braucht, der keine Robbe auf den Fuß tätowiert hat. Yes, I’m talkin’ to you, Fafan. Schalke ist aber jetzt schon in Strategiefragen recht diszpliniert, steht hinten gut herum und die alte Metze stellt sich bereits der Herausforderung als Abwehrchef.
Neuer ist dank der WM tatsächlich jetzt der Souverän unter den deutschen Torhütern. Apropos Torhüter, Bayerns Thomas Kraft zeigt die besten Butt-Eigenschaften. Sicher, ruhig und mit einer Frisur, die ihn nahezu unsichtbar macht.
Philipp Lahm schien in dem Spiel demonstrieren zu wollen, dass ihm der neue Bundesligaball in jeder Situation auf dem Fuße folgt, selbst wenn er einem Gegner bei voller Fahrt von hinten in die Beine springt. Kein Foul, Ball gespielt. Unglaublich, aber wahr.
Thomas Müller spielt weiterhin dermaßen unbekümmert, dass man sich fragt, was wohl passieren würde, wenn ein Meteorit ins Stadion einschlägt oder Müller zum neuen Bundespräsidenten gewählt würde. Ich weiß es: er würde weiter in Richtung gegnerischen Strafraum laufen und die Frisur würde aussehen wie in einem japanischen Computerspiel. Hinanimiert, immer ein bisschen zu buschig.
Miro Klose tropften geradezu die Lefzen vor Torhunger. Seine Killermotivation lässt ihn vermutlich noch bis spät in die Nacht mit dem Schiedsrichter über die Abseitssituation kurz vor Schluss diskutieren.
Olic hat die WM-Pause nicht gut getan. Er hat in Abwesenheit seiner Mannschaft im Sommer aus Langeweile so viele Übersteiger trainiert, dass er nicht mehr normal laufen kann. Siehe das 2:0.
Tja, und am Ende war dann Raul doch nur dazu da, um zu beweisen, dass die Bayern doch ein Abwehrproblem haben, weil sie immer noch mit Martin Demichelis spielen. Dessen Desinteresse an den Laufwegen seiner Gegenspieler ist fast schon mit Coolness zu verwechseln. Aber eben nur fast. Hut ab vor Pranjic, der als einziger Spieler unter Van Gaal schon seit einem Jahr ungestraft auf Reservisten-Niveau spielen darf. Da muss noch eine Wette zwischen King Louis und ihm offen sein.
Am Ende kann man zufrieden sein, weil der Supercup eben in der fußballdürren Zeiten stattfindet, weil er zwei Mannschaften zu motvieren wusste, die eigentlich noch im Create-A-Team-Modus sind und weil die Bayern einen Titel gewinnen konnten. Da bin ich egoistisch. So aus Fansicht. Oder wie nennt man das dann? Bajuistisch?