Burnsters WM-Studio 2010 (20): Finale
Spanien – Holland 1:0 (nach Eishockey-Regeln, siehe übertriebene Härte)
Bela Réthy hat sich ja am laufenden Band beschwert, wie langweilig dieses Spiel sei und hätte man Spanien so spielen lassen, wie sie halt spielen, wäre es das auch gewesen. Spanien – das muß man wissen – mag keine Überraschungen, keine Geschwindigkeit, keine offenen Schlagabtäusche. Die Spanier erinnern mich an diese neue Generation junger Leute, die alles unter Kontrolle haben. Einser-Abi, Jura-Studium, Acht Fremdsprachen, 30 Praktika und drei Kinder mit Anfang dreissig und dann den Neo-Schrebergarten in Reinickendorf. Hauptsache alles unter Kontrolle. Na gut, der Vergleich hinkt ein wenig und vielleicht geht da auch der innere Gaul gegen die Generation Vollplanung in mir durch. Zurück zum Spiel: Das Spiel war natürlich überhaupt nicht langweilig, lediglich unansehnlich für jene, die keine Horrorfilme mögen. Meine Freunde aus den Niederlanden haben dem Spiel nämlich gründlich ihren Stempel aufgedrückt: den PARENTAL GUIDANCE-Stempel. Den AB 18-Stempel. RATED R for Violence. Bei zehn hab ich aufgehört, die gelben Karten zu zählen, aber es müssen am Ende wohl mindestens dreimal soviele gewesen sein, wie Spanien bei dieser WM Tore geschossen hat. Am Ende hat Spanien natürlich verdient gewonnen, aber irgendwie bleibt ein schaler Nachgeschmack, war Spanien doch Garant für die unspektakulärsten Spiele bei dieser Weltmeisterschaft. Ein Extralob geht an Metalbiest Puyol, für eine Hammer-WM und eine Hammermatte.
Was bleibt übrig nach vier Wochen Fußball: Public Viewing in Berlin Mitte entlarvt nur noch deutlicher, dass die schönen und verdrogten Leute hier nicht mehr sind. An ihre Stelle sind eher schäbig aussehende Idioten mit geschmacklosen Designerbrillen und Wollmützen mitten im Hochsommer getreten, die durch ihre bedeutungslose Agentur-Existenz, ihre Eigentumswohnung und ihre plärrenden Kinder auf den Irrweg geleitet wurden, sie wären jetzt die Coolen.
Zum Fußball sei am Ende bei allem Ärger wegen langweiliger Spiele, aufdringlicher Schlandlöcher und dem Ausscheiden der Deutschen gesagt: Es war super. Weil Fußball super ist. Auch ohne die deutsche Nationalhymne. Ich kanns kaum erwarten bis die Bundesliga wieder losgeht und überlege ernsthaft, ob ich nicht weiter über Fußball bloggen soll.
12. Juli, 2010 um 13:06
“und überlege ernsthaft, ob ich nicht weiter über Fußball bloggen soll. ”
Aber da bitte ich doch drum! Das schlimmste am Ende der WM ist, dass es hier jetzt keine täglichen Fußballtexte mehr gibt! :(
12. Juli, 2010 um 16:36
Aber vielleicht auch weiterhin Texte über “bedeutungslose Agentur-Existenzen mit Eigentumswohnung und ihre plärrenden Kindern” — hahaha!
12. Juli, 2010 um 17:56
Der Hellseher: Weltmeisterschaft 2010 – Ergebnis Finalspiele…
War das Samstagsspiel um Rang 3 noch halbwegs erträglich und auf Grund der vielen Tore sogar etwas unterhaltsam, war das Finale der Weltmeisterschaft eine kleine Zumutung. Und wer beim ZDF den Ton mithören durfte, der wurde auch noch von Béla Réthy geq…
12. Juli, 2010 um 20:29
Vorsatz: mehr bloggen, auch über Fußball und Arschlöcher. Zufrieden? ;)
13. Juli, 2010 um 02:51
Ich wär auch für Fussballblogging… Kenn Burnster schließlich nur so :O
13. Juli, 2010 um 08:25
Generation Vollplanung! :D
13. Juli, 2010 um 08:50
Danke an dieser Stelle an das WM-Studio – immer gern gelesen.
13. Juli, 2010 um 12:07
über arschlöcher bloggen unterstütze ich voll und ganz, der vorteil (und nachteil) ist, da gibts halt kein finale – die tauchen immer wieder auf ;)
13. Juli, 2010 um 14:20
Sehr geil! Nicht nur inhaltlich wertvoll (unterstütze hiermit meine Vorkommentatoren) sondern auch sprachlich mehr als lesenswert! ;-)
13. Juli, 2010 um 14:45
Bela Réthy über Puyol: “… der Königspudel aus Barcelona …”
13. Juli, 2010 um 15:10
An den Leser an sich: Danke für die Nettigkeiten:)
Juri: Bela Réthys Humor ähnelt immer mehr dem von Kalle Pohl.
14. Juli, 2010 um 09:02
Meine Meinung kennst du – und die entsprechende Kategorie ist doch auch schon angelegt. Ich freue mich auf den 20.8.
14. Juli, 2010 um 12:35
Du Fuchs, MQ, du hast gleich die Kategorie-Lunte gerochen. Aber selbst wenn du der einzige Fußball-interessierte Leser wärst, das ist es mit wert!
17. Juli, 2010 um 17:15
Public Viewing in Berlin Mitte entlarvt nur noch deutlicher, dass die schönen und verdrogten Leute hier nicht mehr sind. An ihre Stelle sind eher schäbig aussehende Idioten mit geschmacklosen Designerbrillen und Wollmützen mitten im Hochsommer getreten, die durch ihre bedeutungslose Agentur-Existenz, ihre Eigentumswohnung und ihre plärrenden Kinder auf den Irrweg geleitet wurden, sie wären jetzt die Coolen.
Hm, ich hab mich nur paar Tage lang in Mitte aufgehalten, aber kann es nicht sein, dass die schönen und verdrogten Leute alles gemieden haben, was auch nur entfernt in der Nähe öffentlicher Guckung lag?
Die Dichte an Designerbrillenkaspern (ganz schlimm: die Sonnenbrillen!) und vor lauter eingebildeter Coolness fast erfrierenden Fixie-Rad-Rumschiebern ist aber in der Tat enorm. Man möchte diesen Tüpen im Vorbeigehen eine schallern, nur um zu gucken, ob die noch was merken.
20. Juli, 2010 um 16:41
Hmm, vielleicht. Aber 2006 war das Public-V-Publikum noch deutlicher attraktiver, was ich fordere, wenn ich schon den Ungemach auf mich nehme, überhaupt in Gegenwart von fremden Menschen Fußball zu schauen. Aber wir werden ja alle nicht jünger. Und viele auch nicht hübscher.