Burnsters WM-Studio 2010 (11)
Heut fällt mir keine Überschrift ein
Mein australischer Kollege vom Café nebenan wettet hin und wieder Kleinbeträge auf WM-Spiele und hat damit immerhin schon fast die Hälfte seiner Miete für Juni hereingespielt. Ich hingegen habe ohne Einsatz beim Radio1-Tippspiel mitgemacht und hätte ich die selben Kleinbeträge gesetzt, ich hätte locker schon zwei Monatsmieten verpulvert.
Ich gebe zu, das 4:0 Deutschlands beim Australier an der Ecke war ein schönes Patrick Ewing (=Public Viewing), aber gestern wurde es von Argentinien – Griechenland abgehängt. Und das ging so: Mit der Frau zum chronisch unterfüllten Italienier in der Torstraße gegangen, als Einzige ins Restaurant hineingesetzt, direkt vor den Riesenbeamer. Beim Chefkellner Matteo (Name stand auf der Rechnung) Ton, Wasser, Wein und Nudeln bestellt und fast 90 Minuten vor mich hingegessen und geschaut und geplaudert und getrunken. Wie in einem langen gemütlichen Traum über Fußball und Essen. Selbst die Frau konnte ihre Abneigung gegen Ballsport in dieser sanften Abgeschiedenheit vorübergehend abstellen. Und dann diese Nudelsauce. Ja, leck mich am Abend, war das ein Sahnestück. Aurora. Aurora. Aurora. Messi überlebensgroß über uns. Bewacht wie der Staatsfeind Nummer 1. Nein, im Ernst, wenn der Messi unter dem Spiel aufs Klo gemusst hätte, wären ihm noch vier Griechen hinterher und hätten ihn beim Bieseln zugeschaut.
Hab neulich bei mir selbst Nachlese betrieben und festgestellt, dass ich mich auch 2006 und 2008 schon über die verschärfte innere Sicherheit bei den Schiedsrichtern beklagt habe. Scheint also eine Turnierkrankheit zu sein, der Druck der FIFA wohl entsprechend groß. Die rote Karte gegen Gourcuff gestern war allerdings dann ein kleines Guantanomo Bay. Apropos Straflager: Mal sehen, welches Schicksal die Herren Anelka und Co zuhause erwartet, gilt ihr Spiel zusammen mit den Mechanismen eines Domenech in Frankreich spätestens seit gestern als schwer Moral- und damit quasi staatszersetzend. Immerhin droht ihnen kein zukünftiger Job im Bergwerk wie den Spielern von Nordkorea (schreibt die BILD).
Ich halte heute zu den Amis. Die spielen einen beherzten Fußball (Herz wie ein Bergwerk würde R. Fendrich sagen, was übrigens auch Phillip Lahms Lieblingslied ist) und haben mit Donovan einen echten Künstler in ihren Reihen, selbst wenn ich bei Bayern noch über ihn gelacht habe. Aber da war er auch der Zögling vom Jürgen Klinsmann. Und zu den Deutschen halte ich auch. Zu den Engländern nicht.
23. Juni, 2010 um 17:26
Dass hat mir gut gefallen, die Italienerszene!
24. Juni, 2010 um 00:10
Und mir hats gut geschmeckt.