Burnsters WM-Studio 2010 (7)
Demichelis endlich warmgespielt / Oli Kahn wider dem erhitzten Gemüt / Vuvuzelas kaltgestellt / Frankreich out cold
Als der Reporter heute nachmittags fragte: “Was ist denn mit Martin Demichelis los?”, hab ich ihm geantwortet: “Nix, der spielt sein Spiel.” Und zu einem typischen MDM-Spiel gehört nun mal ein ordentlicher Patzer in der Abwehr, da hast du als Bayernfan keine Fragen, nimmst es ihm noch nicht einmal mehr übel. Gut, der Patzer ist dann im Endergebnis nicht weiter unangenehm aufgefallen, wie auch so oft in dieser Bundesliga-Saison. Und das ist auch gut so, denn der argentinische Zuckerschlecker-Fußball soll auch mit Erfolg gekrönt sein, denn sonst spielen sie am Ende noch so wie Brasilien oder feuern ihren balltändelnden Spaßcoach.
Der Spaß hat immer dann ein Ende, wenn Oliver Kahn ans Mikro gelangt. Katrin Müller-Hohenstein versucht’s ja hin und wieder mit einer Pointe (siehe “innerer Reichsparteitag”), aber der mittlerweile tiefsonore, sprachtrainierte King Kahn torpediert jeglichen Launeansatz mit destruktiver Ernsthaftigkeit. Selbst sein berühmtes In-sich-Hineinlachen weicht einer grundunlustigen Kontrolliertheit. Umso lustiger fand ich dann doch, dass gerade er sich über die Unbeherrschtheit eines Nigerianers echauffierte, der sich per Fußtritt gegen den griechischen Kollegen sicher weniger weit aus dem Fenster gelehnt hatte, als der alte Oli mit diversen Bissen, Kung-Fu-Tritten und Kopfstößen.
Man hat jetzt auch den besten Vuvuzela-Filter gefunden, weit besser als der von Sky oder der Zweikanalton der ARD. Man muss einer afrikanischen Mannschaft einfach nur genug Tore in die Buxe hämmern und schon hat sich’s ausgetrötet. Hätten wir das mal vorher gewusst.
Vorher wissen können hätte man aber, dass Domenech ein unfassbarer Depp ist und mit Frankreich genau wie Italien 2006 völlig zufällig ins Finale der Weltmeisterschaft gekommen ist. Dass seine Bleus jetzt – in guter Tradition – vielleicht ohne ein einziges Tor aus dem Wettbewerb geledert werden, verschafft ihm immerhin genau den Platz in der französischen Nationaltrainerhistorie, den er verdient hat. Viva La Mexico, wie einst Klaus & Klaus sungen.
17. Juni, 2010 um 23:41
So gesehen … #domenech
*mansiehtmichwürgenvorfrust*
18. Juni, 2010 um 02:57
Wiedermal sehr geile Zusammenfassung. Wenn das so weitergeht hast du nen neuen Stammleser :D
18. Juni, 2010 um 09:12
jahaha, erstens kommt immer anders, und zweitens wie man´s lenkt. Eine WM wie eine Wundertüte, immer für eine Überraschung gut.
18. Juni, 2010 um 10:47
Was mir an Domenech bei der Frankreich-Demütigung am besten gefallen hat (beim Spiel gegen Mexiko), war sein Gesicht zwischendurch mal. Leider bin ich kein hiesiger Kameramann, aber wäre ich einer, ich würde nur drauf halten. Auf sein Gesicht. Nicht weil er so ein süßes Schweinemaul hat, sondern wegen der ironischen Resignation.
Dieses Kopfschütteln, Mann, ich könnte mich stundenlang daran laben.
Der arme Kerl.
Wiedermal ein sehr netter Bericht, Herr Burnster.
18. Juni, 2010 um 11:29
Creezy: bist du heute am Eiffelturm im Wedding, einen Kranz niederlegen?
Sumit:Dann mach ich mal so weiter, ne?
Texto: somutdatsein
Bisaz: Diese stoische Lakonie und die bis ins Brutale gehende Resistenz gegen Beratung finde ich sympathisch. Leider verkehren sich solche Eigenschaften ins unbeliebte Gegenteil, wenn man aus Runde 1 fliegt.
18. Juni, 2010 um 16:49
Gut Gut!
Was mir bei Kahn immer auf den Sack geht, sind seine Formulierungen mit “Du” – die haben sie ihm leider noch nicht weggeschliffen. “Wenn Du da stehst”, “da konzentrierst Du Dich nur noch aufs Spiel”, etc. pp. Mannnnn, das heißt “man” und nicht “Du”, denn mich meint er nicht, sondern generell eine Person!
18. Juni, 2010 um 20:08
Arno: Wahrscheinlich liest er einfach gerne Wolf Haas. Da wirst du das Du nicht mehr los.