Berlin, I Love You But You’re Bringing Me Down
Ich fass mich kurz: Langsam nervt mich die Stadt. Vielleicht war ich zu lange nicht mehr im Urlaub, vielleicht ist es auch gar nicht die Schuld von dem was man Berlin nennt, aber das erste Mal seit drei Jahren geht mir die Stadt wieder auf den Sack.
Das liegt zum einen an dem Wohnungsmarkt. Wir sind jetzt keine Hungerleider, aber wenn man hier nicht zu den Powerfamilien mit doppeltem Medienbranchengehalt und zweimal Kindergeld gehört, zu den Ellenbogentaktikern und in Bionade ersaufenden schwäbischen Sparhanseln und Sprösslingen wohlhabender Westler, dann hat man keine Chance auf eine schöne Wohnung in einem schönen Gebiet zu einem schönen Preis. Und die eigene wird jedes Jahr teurer. Viel fehlt da nicht mehr bis zum München-Niveau.
Dann sind da diese Horden von zugezogenen Powerschwaben und Lebenslauf-Berechnern, die jedes Café und jede Freifläche mit ihren unerzogenen Abkömmlingen besetzen und einem mit Vorsatz das Gefühl geben, man versaue sich das eigene Leben mit einer Verantwortungsverweigerung sondergleichen, nur weil man mit 35 noch keine fünf Kinder und keine Eigentumswohnung hat. Ich frag mich ernsthaft, was die alle arbeiten. Angeblich gibt es ja hier keine Jobs.
Dann ist es dieser unvorstellbare Dreck hier. Du kannst dich auf keine Wiese setzen, keinen Schritt auf der Straße machen, ohne dass du nicht in Scheiße oder Urin watest. Und es sind noch nicht mal die Hunde, die den größten Dreck machen.
Dann scheint hier eine positive Grundstimmung ein gefährlicher Zustand zu sein, anders kann ich mir die furchtbare Nöligkeit der meisten Leute nicht erklären.
Dann die Gastro. Friss oder stirb, am besten zu Münchner Preisen. Kahlschlag oder eine Überdosis Design. Keine Sau gibt sich Mühe mit der Gastronomie. Langweilige Kneipen, tumbe Elektroclubs und die Indiedisko für die unter 17-Jährigen. Lediglich die Vielfalt an Konzerten tröstet einen. Aber das ist auch kein Vergleich zu London oder New York wo ständig an jeder Ecke eine unbekannte und gute Band spielt. Aber woher nehmen, wenn nicht stehlen.
Und Berlin, das Billigheimer-Terrain. Nirgendwo kann man für eine anständige Dienstleistung im Film- und Medienbereich so wenig verdienen wie hier.
Und kein Mensch kann hier Autofahren. Und der Verkehr wird auch immer schlimmer.
So, wer mich hin und wieder liest, weiß wie gern ich Berlin mag und wie sehr Momentaufnahme so eine Niederschrift ist. Aber ich mach mir dennoch ein bisschen Sorgen: es wird zunehmend spießiger in meinem Umfeld und das liegt nicht ausschließlich daran, dass ich dieses Jahr die 35 überschreite. Also, Berlin, tu mir einen Gefallen: Wenn du schon so eine Dreckschleuder bist, dann schmeiss deinen Dreck auch auf die ganze Yuppie-Brut. Auf dass die sich nicht auf Dauer hier niederlassen und Generationen von verwöhnten Energiesaugern hier absetzen.
28. April, 2010 um 00:07
>Made my day<
28. April, 2010 um 08:48
>Made my day< [2]
28. April, 2010 um 09:42
>Made my day< [3]
Recht hat er: "schmeiss deinen Dreck auch auf die ganze Yuppie-Brut" und dann ab nach Neukölln, Wedding oder gleich nach Lichtenberg/Köpenick!
28. April, 2010 um 09:49
Es ist doch beinah überall die gleiche Brut. Wenn die scheiss Gehälter wenigstens im selben Verhältnis steigen würden wie die Preise… Und dann kommen noch Makler dazu. Und das nicht nur bei 1A Wohnungen/Immos, sondernauch beim letzten Lock! Ja lecks mich am Oasch, die Saubrut mecht i glei erwürgn!
28. April, 2010 um 11:40
agreed!
aber warte erst mal bis du die 37 überschreitest: da wird alles noch viel schlimmer und deutlich spiessiger im Umfeld!
2 Jahre hast du ja noch…
28. April, 2010 um 14:30
Ich sach’s Euch. Ihr solltet mal Kiel sehen! :))
28. April, 2010 um 14:59
wortschnittchen & caro: und ihr teil meines.
juri: reinickendorf. der norden ist der neue süden.
texto: falls mal was vorfällt zwischen dir und einem dieser powermieter, lösche ich lieber deinen kommentar. nicht dass er zum belastungsmaterial wird.
mac: dann zieh ich lieber schnell zu meinen eltern zurück. das böse auf dem niederbayerischen land ist eine bekannte und feste größe.
mc: vielleicht komm ich da mal hin. ich meld mich aber dann nicht bei dir;)
29. April, 2010 um 10:57
Da sage ich schon mal Danke ;-)
29. April, 2010 um 13:57
Titel: LCD Soundsystem
29. April, 2010 um 14:16
äh ja, abgewandelt. wieso?
29. April, 2010 um 16:03
Pah! Ich war die geilste Autofahrerin ever. Ich kann das, stell mir ‘nen Testwagen hin mit Freesprit und ich zeige Dir das. ,-)
Ansonsten selbst schuld, was die Wohung & Lage anbelangt. Ziehe nach Neukölln! Hier gibt es noch kernige Migranten-Yupies, die sind viel lustiger!
29. April, 2010 um 18:38
Creezy: Ich zieh nach Reinickendorf. Und ich kann ja mal bei Opel fragen. Mensch, den hat schon lange keine mehr gebracht, wa.
29. April, 2010 um 21:32
und ich les grad so:
Sprösslingen wohlhabender Wrestler
das schau ich mir an! gleich nächstes wochenende!
29. April, 2010 um 21:43
Für Opel reicht meine Körbchengröße nicht … ,-(
Abe rmal im Ernst: ich weiß, da brennt noch nicht so richtig die Luft. Aber Tempelhof hat gerade relativ hohen Wohnungsleerstand, große Altbauwohnungen …
29. April, 2010 um 22:11
vert: würd mich auch interessieren. ich komm mit.
creezy: aber tempelhof…, da kommt meine eheliche her und da will sie nicht wieder hin, glaub ich. friedenau wäre eine lösung, aber das entdecken grade die alt-78er:)
30. April, 2010 um 09:54
Alt-78er? Die gibts auch schon? Kinder, wie die Zeit vergeht.
30. April, 2010 um 15:17
irgendwoher müssen die neuen spießer ja kommen. unsere eltern laufen ja mittlerweile ausser konkurrenz.
1. Mai, 2010 um 20:20
yeah, dieses jahr wern wa 36!
1. Mai, 2010 um 20:51
psssst, diana.
3. Mai, 2010 um 09:51
boah, und ganz schlimm: die neuen Ökospießer. Die sind eine Plage.
3. Mai, 2010 um 12:47
Bei solch schwierigen Beziehungen hilft manchmal eine Paartherapie. Hamburg und ich z.B. schmusen bereits wieder.
3. Mai, 2010 um 14:25
Kid37: Vorstellbar. Aber es geht ja schon beim Termin los. Nie haben wir Zeit für einander.
4. Mai, 2010 um 10:01
Mayer empfiehlt Oldenburg #duck
4. Mai, 2010 um 16:07
Du duckst dich zurecht, Michael;)
Nein, im Ernst, egal welche Stadt, Hassliebe gehört dazu. Ich wette, da ist Oldenburg keine Ausnahme. Guter Name eigentlich für so eine Stadt: Oldenburg. Jetzt wo ich so darüber nachdenke.
4. Mai, 2010 um 18:08
Tja, die Burg der Alten… hat’s mir irgendwie angetan und das hat viele Gründe, bis hin zu den so nahen Inseln wie Spiekeroog. Vielleicht bin ich mittlerweile auch einfach alt genug dafür :-) Andererseits gibt’s natürlich auch Sachen, de mich auf die Palme bringen. Die ruhige Gelassenheit der Menschen hier ist im Alltag wirklich sehr sympathisch, aber wenn es um was geht, wenn man mal das Maul aufmachen müsste, oder sogar wenn man dazu eingeladen ist das Maul aufzumachen, dann herrscht hier doch meist komatöses Schweigen. Des kennst ois Münchner hoit gar ned. I setz’ dann zum Ausgleich a staatstragendes Grantlerg’fries auf :-)
7. Mai, 2010 um 14:54
Seufz. Danke. Du sprichst mir aus dem Herzen. Genau diese Kacke-Wohnungs-Yuppie-Bionade-Litanei betete ich gestern abend auf dem Heimweg still vor mich hin. Mit passend sauertöpfischem Gesichtsausdruck.
Und dabei wohne ich schon in Neukölln. Tja.
8. Mai, 2010 um 14:41
Michael: Meine Frau findets da ja sehr hübsch. Und ich Banause war noch nie da.
Lizzz: In 5 Jahren sind das deine neuen Nachbarn;)
16. Mai, 2010 um 20:17
Hm, komisch. Ich habe 15 Jahre in Berlin gelebt und hatte überhaupt kein Problem, dem Yuppietum auszuweichen. Ich mußte auch nicht einmal in ein überdesigntes Lokal gehen und zu überhöhten Preisen essen gehen. Das geht nämlich auch außerhalb des Mainstream. Wohnen kann man auch in Süd-Schöneberg hervorragend und im Grünen, geht dann z.B. im Lindenhof, nebenbei ein architektonisches Kleinod und bewohnt von Unmengen normaler Berliner, in eine nette Pizzeria und kann dort für 20 Euro super-satt werden inkl. Nachtisch und vielleicht 1/4 Wein und hat dabei noch richtig gut gegessen.
120m² Altbau mit 4m hohen Stuckdecken in Charlottenburg kosten eben, hippe Fabriketagen auch, logo. Wer’s braucht, muß eben zahlen und mal nebenbei auf die Mietpreise in München oder Frankfurt schauen, um sich schlußendlich doch noch zu freuen. Und zum Sparen mit dem 204er in den Lindenhof fahren und Pizza oder Pasta essen.
1. November, 2011 um 15:38
a) Die Nischen zwischen Yuppie und Abgefuckt sind aber weniger geworden.
b) In Süd-Schöneberg findet man so leicht keine Wohnung.
c) Im Grunde hast du aber Recht.