Bloody Cunts
Warum ich diesen Artikel mit einem englischen Beleidigungsidiom übertitle. wird sich in wenigen Zeilen herausstellen. Wenn ich aber vorher eins sagen darf: Die Deutschen sind die Dümmsten von allen Bezirksämtern. In der Kultur und in der Politik. Man muss ja nur die Zeitung aufschlagen oder den Browser einschalten: Die SPD zerlegt sich weiter in alle Einzelteile, auch wenn man dachte, die Summe der einzelnen Brösel wär schon groß genug. Die Eigenurin-Partei (aka Die Gelben) und ihre Freunde von der Onion (aka die Zwiebelhaften) sind sogar noch besser: die Großverarschung des Bürgers beginnt bei denen noch vor der eigentlichen Regierungsverantwortung. Rekord. Dabei ist es gar nicht so schwer, die Leute zu belügen. Die Leute wollen ja sogar belogen werden, aber sie wollen elegant belogen werden. Nicht so direkt, dass es gleich wieder am nächsten Tag auffliegt, sondern eher höflich hintenrum, so dass man nach der Legislaturperiode mal kurz aufseufzen kann, bevor man sein Kreuz wieder unter dieselben Hackfressen setzt. Dabei gibt es doch ein Werkzeug fürs gute Belügen, nämlich die PR. Das Problem bei Politikern ist nicht nur, dass ihre PR-Agenten nichts können oder sie keine haben, sondern dass sie in den meisten Fällen ihre eigene PR betreiben müssen, da sie als Politiker ja für den direkten Bürgerkontakt nominiert sind. So kommt es in den meisten Demokratien auf der Welt auch dazu, dass charismatische Menschen den Regierungen voranstehen, was natürlich auch hin und wieder mal Parodien wie Berlusconi oder den Kleinwüchsigen aus Frankreich nach sich zieht. Zumindest kann man selbst in Zeiten düstersten Politverdrusses über die noch lachen. Dann wieder der Blick nach Deutschland, wo Gliedo und das Ferkel die Ringelschwänze kreuzen, worüber sich schon lange keiner mehr kringeln kann.
Für den Witz sind in Deutschland eben längst andere zuständig, seit unser ehemaliger Chefkomiker nur noch bei Jahreshauptversammlungen der Gazprom oder in gebrochenem Chinesisch die Schenkelklopfer bringen darf . Mittlerweile im Amt: die sogenannten Comedians. Typen wie Mario Barth oder Guido (!) Cantz. Typen, die im Gegensatz zu unseren Freunden aus der Politik offensichtlich ganz genau den Nerv der Deutschen treffen. Man kann heilfroh sein, dass diese Leute Comedians und nicht Politiker geworden sind. Besonders Guido Cantz (jetzt nochmal die Überschrift lesen). Den hab ich neulich im Fernsehen gesehen, als er ein sogenanntes Stand-Up-Segment abgeliefert hat. Dass das nicht lustig war, hat mich nicht so überrascht wie das, was nicht lustig war. Cantz berichtete über einen Besuch bei Subway und sparte dabei nicht an agitativen Parolen und biestigen Pointen gegen die amerikanische Servicekultur und der typisch deutschen hilflosen Häme gegenüber der Fremdsprache und der Fremdkultur. Ganz ehrlich, ich war entsetzt. Das war Arierhumor finsterster Coleur und ich wunderte mich, dass das in Farbe ausgestrahlt wurde. Von Eigen-PR versteht unser neuer “Verstehen Sie Spaß”-Moderator (sic!) also deutlich mehr als z.B. der Rüttgers, weil er sie in sogenannte Comedy verpackt. Und wenn ich jetzt so recht überlege, ist die eitelkeitsgetriebene Selbstzersetzung unserer Politiker wohl doch eine gute Sache, weil sie von Haus aus gleich die charakterliche Hässlichkeit der Protagonisten in den Vordergrund kehrt, statt so versteckt lustig hetzerisch im Hintergrund zu nesteln wie der Widerling Cantz.
Ich möchte an dieser Stelle nur Günther Grünwald ausserhalb jeglichen Kontextes zitieren und es trotzdem Herrn Cantz widmen: “Ich glaub du brauchst a Bockfotzn, du Hanswurscht.” Darüber kann ich dann auch wieder lachen.
19. Oktober, 2009 um 12:20
Schwert und Flamme und Eingeweide rausreissen und draufscheissn –
ich bin mehr so a bissl für die Ecke.
Onion nebenbei gesagt tät hier auch gar niemand verstehen, hier rinnt Herrn Sonnleitner die Solidaritätsmilch aus der Goschn damit die Bauern nicht mehr heulen. Hier gibts Taten und es wird so grennt, dass das 13. Jahrhundert eine Einhol Chance hat.
Das Paradies oder wie der Rotz sich nennt ist also hier, das kann man ja auch bei den Zugereisten nachlesen. Schon rein landschaftlich.
Du Zornbinkerl.
19. Oktober, 2009 um 16:57
“Verstehen Sie Spaß?” heisst das steinalte, laue Geplätscher, das vor dem GC schon eine lange Ahnenreihe von Langweilern gleichen Kalibers aufweist. Wer das moderiert ist eben so. Kotzen, Schulterzucken, Vergessen. Mehr Wert hat das Alles nicht. Der andere Spaßguido bringt mein Blut schon eher in Wallung, so zu 100 Prozent bockfotzntechnisch. Des mächat i gern so zwischn Kotzn und Schuiterzuckn neibau’n…
19. Oktober, 2009 um 18:08
La Gitana: Das mit der Einholchance vom 13. Jh find ich einen sehr gelungenen Spaß, auch wenns nur halblustig gemeint ist. Und das Zornbinkerl bapp ich mir aufs Hirn und blink damit.
Michael: Neibau’n ist ganz im Duktus und Sinne meiner Wutreden und wird von mir viel zu selten in eben solche eingebaut. Danke für die Anreicherung, Michael.
19. Oktober, 2009 um 22:35
Ganz ehrlich: Ich kenn diesen Guido Schwanz net amal. Aber bei einer Bockfotzn kann ich gar net anders, als aufzuhorchen und von Grund auf zufrieden vor mich hinzugrinsen über so einen sauberen Grant.
20. Oktober, 2009 um 14:31
CORPUS DELICTI: http://www.youtube.com/watch?v=poBZocdU6v8
21. Oktober, 2009 um 09:12
Muhhackl dreckada.
21. Oktober, 2009 um 10:36
Ich hab’ mir die Scheiße jetzt echt mal angesehen (bringt das wenigstens was fürs Karma oder so?), und ach, der Watschenbaum. Fast schon wieder lustig in der ganzen Tristesse ist ja am Schluß, als er meint “…(Aufzählung diverser Nationalitäten), Luxemburger – mir scheißegal, ich mach solang weiter, bis ihr klatscht…” und der Applaus folgt sofort. Diese Unmittelbarkeit ist ja strenggenommen eigentlich der Beweis, daß das Publikum ihn nicht lustig findet, allerdings ist das offensichtlich keinem von beiden klar. Aber darüber wiederum freuen sich dann nur so kleinkarierte Halbintellektuelle wie ich. Ein bißchen.
Und zu der anderen Guido-Riege: ach, ach, ach. In vier oder acht oder sechzehn Jahren wählen wir einfach mal was Fähiges an die Regierung, dann klappt’s auch wieder mit dem Friedensnobelpreis für Einsicht.
21. Oktober, 2009 um 12:08
Grias de, Stilhäschen.
Aber ist das nicht grundsätzlich so bei diesen TV-Stand-Ups? Keiner im Publikum findet es wirklich lustig, alle klatschen nur, weil’s der Aufnahmeleiter so gesagt hat. Ich frag mich ernsthaft, wer dann solchen Leuten wie Guido C. eine solch breite Öffentlichkeit ermöglicht. Ich weiß es wirklich nicht. Aber da ist es ja dann nicht mehr weit zu Mario Barth und seinem ausverkauften Olympiastadion, was man nicht allein den Berlinern in die Schuhe schieben kann. Und ich verstehs einfach nicht, weil selbst in einem Jerry-Springer erprobten Land wie Amerika der massenkompatibelste Komiker noch geradezu geistreich gegen die Atzes und Marios unserer Coleur ist. Und Jerry Springer selbst ist eigentlich noch ein akzeptabler Spaßmacher.
10. November, 2009 um 12:41
Da gibt es jemanden, der sich mit so etwas auskennt.
10. November, 2009 um 16:41
großartig auf den Punk(t) gebracht.