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Der Solarforscher

Ich wollte ja noch die Anekdote vom Scharmützelsee nachtragen. Ja, da war ich vor kurzem samt Angeheirateter in einem Hotel direkt am See. Überteuert und neureichprollig, aber dann doch recht erholsam so mit Balkon überm See und großem Aussenpool. Genau an jenem Pool beobachtete ich auch die folgende mich extrem befremdende Szenerie:

Neben mir liegt ein ca. 14-jähriges Mädchen in der Sonne auf dem Liegestuhl und ihren beiden jüngeren Schwestern spielen um sie herum. Die Sonne scheint auf auf unsere Plätze, aber nicht vollrohr, weil ein paar Bäume im Licht stehen. Auftritt Rest der Familie, sprich Vater und Mutter. Er extremgebräunt und sie extremblondiert, aber beide der betuchteren Etage zuzuordnen.

Mutter: “Ach, da seid ihr ja. Na dann legen wir uns mal zu euch.”
Vater: “Stop! Ich glaube, die Sonne verändert sich gerade. Das wird nicht mehr lange reichen für da, wo Sophie grade liegt.”
Tochter (Sophie): “Doch, doch, hier ist super.”
Vater: “Nein, wenn du dir die Bäume ansiehst und den Winkel der Sonnenstrahlen, dann merkst du, dass das Licht hier nicht optimal ist.”

Vater stellt sich an den Rand vom Pool und blickt gen See, wo die Sonne steht. Er misst mit den Fingern irgendwelche Abstände am Horizont und zählt offensichtlich die Bäume an der Seefront.

Vater: “Seht ihr die Bäume? Ja, genau, die beiden da. Da wird sich das Licht gleich drin verfangen und dann ist da, wo Sophie liegt, keine Sonne mehr. Wir müssen uns einen besseren Platz suchen.”
Tochter: “Ach quatsch, ich bleib hier liegen.”

Vater beginnt nervös am Pool auf- und abzuschreiten. Er geht die Liegstühle ab und hält bei jedem dritten kurz inne uns lässt seinen Blick erst aufs Ufer dann ins Unendliche schweifen, so als sei er einem großen Rätsel der menschlichen Kultur auf der Spur. Schließlich marschiert er entschlossenen Schrittes zurück zu seiner Familie, die ob der unsicheren Liegestuhllage wie aufgescheucht um den Liegestuhl der in aller Seelenruhe lesenden Tochter herumschwirrt.

Vater: “Das geht so nicht. Wir nehmen jetzt diese Liegestühle und tragen sie auf die kleine Anhöhe. Dann können wir sie so ausrichten, dass sie auf den See schauen. Aus der Lage kommen uns keine Bäume in die Quere wenn die Sonne wandert. Und sieh mal, jetzt verdeckt dieser eine Baum schon den Strahl. Sophie, komm mit, du kriegst sonst keine Sonne mehr.”
Tochter:”Hier ist doch sonnig, ich bleib hier.”

Der Vater wirft einen abfälligen Blick auf mich: “Nein du kommst jetzt mit, wir tragen uns da oben ein paar Liegestühle zusammen.”

Jetzt wird die Famillie noch hektischer, doch alle folgen ihrem Patriarchen zum Gipfel des Außenbereichs und helfen dort beim Erbauen einer Liegestuhllandschaft. Die Tochter freilich erst auf mehrmaligen Zuruf.

Während ich die mittlerweile 20 Minuten andauernde Prozedur aufmerksam verfolge, merke ich wie die Sonne sich langsam von meinem Liegestuhl entfernt. Ich bin dann aufgestanden und hab mich auf den Hotelzimmerbalkon gesetzt. Da war die Sonne wieder, aber keine Expeditionen mehr.

10 haben herzlich gelacht bei “Der Solarforscher”

  1. textorama sagt an:

    sehr schöne Geschichte. Ja, der kluge Mann bräunt vor. Als treusorgendes Familienoberhaupt weiss der Herr des Hauses auch naturgegebenes optimal der Familie zu zuführen.

  2. creezy sagt an:

    Dieser abfällige Blick auf Dich … Du bist also der böse Schattenmann?

  3. textorama sagt an:

    Solaris wenn man trotzdem bräunt.

  4. MC Winkel sagt an:

    Was ich jetzt nur noch wissen möchte: warst Du trotzdem baden?

  5. burnster sagt an:

    textorama: den hätt ich mal gerne getwittert gesehen.
    creezy: die betonung lag wohl eher auf “mann”.
    mc: ich war ja vorher schon. bevor diese ganzen liegestuhllinspektoren eintrafen.

  6. Rationalstümer sagt an:

    Ich versteh schon mal gar nicht, warum so ein Hotel auch noch einen Pool braucht, wenn doch eh schon ein See da ist. Aber ich komm ja auch vom Land.

  7. Frei sagt an:

    :D wirklich toll die Geschickte – ein Haus-Patriach wie der leibt und lebt :D

  8. mark793 sagt an:

    Tja, recht hat der Mann, Bad Saarow ist schließlich nicht Australien, da muss man an Sonneneinstrahlung mitnehmen, was man kriegen kann. Es ist freilich auch immer darauf zu achten, dass die Sonnenstrahlen möglichst rechtwinklig auf die Haut auftreffen, sonst bringt das nicht den maximalen Pigmentierungseffekt. Die Mädels werden es ihrem Vater zu danken wissen, wenn sie spätestens Mitte 30 eine Haut haben wie altes Fensterleder.

  9. burnster sagt an:

    mein nächtliches lachgrunzen über den letzten satz hätte fast meine frau aufgeweckt, die übrigens die pralle sonne meidet wie der teufel das weihwasser.

  10. textorama sagt an:

    @mark793
    hahaha, ich stells mir vor: Frau, geh die Fenster putzen..

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