Wo doofe Kräfte sinnlos walten
In letzter Zeit und eigentlich schon immer werden in unserer schönen Stadt Autos angezündet. Ob da der gesellschaftskritische Autonome am Werk ist oder der Freizeitpyromane, ist mir eigentlich wurscht. Ich hab ja wirklich nichts gegen ein bisschen Chaos einzuwenden und wenn dafür mal ein hochversicherter Porsche Cayenne abraucht, kann ich damit leben. Dass man aber neuerdings auch 10-Jahre alte Familienkarren zu Schmorklumpen verarbeitet, erschließt sich mir jetzt nicht direkt. Einem sehr guten Freund ist das am vergangenen Wochenende passiert. Den alles andere als neuen Audi mit Berliner Kennzeichen auf der Linienstraße abgestellt und am nächsten Tag ein glühendes Wrack besichtigt. Seinen Hintermann hatte man auch nicht verschont, war ja schließlich auch ein alter Volvo Kombi, offensichtlich der Inbegriff von schmierigem Berliner Establishment. Ich stell mir grade die Brandstifter unter ihres sozialen Gleichen vor:
“Na, was haste abgefackelt am Wochenende?”
“Alten Audi, alten Volvo.”
“Echt, das ist aber nicht so cool. Gabs da nix besseres?”
“Ach, ich weiß nicht, mein iPhone hat geklingelt und da hab ich einfach das nächstbeste genommen.”
Vermutlich leiden Berlins Randalierer auch längst an einer Art Burnout-Syndrom. Mal sehen, was der 1. Mai bringt.
21. April, 2009 um 16:06
Vielleicht hat denen irgendein Spaßvogel gesagt, dass es dafür noch 2.500 Euro Abwrackprämie gibt? Blöde gibt’s genug…
21. April, 2009 um 17:13
mehr als genug
21. April, 2009 um 17:32
oi. mein beileid zu volvo wie audi, hatte auch mal ollen audi, fahre nun ollen volvo – wie sich´s so trifft.
auch wenn ich es definitiv nicht gut heiße anderer leute volvos oder audis zu verzündeln, stelle ich fest, dass die herren und damen feuerteufel den terror vorurteilslos angehen. und eine alte möhre ist ja nicht zwingend ein zeichen dafür, dass einer nicht zum establishment gehört. es wird rigoros terrorisiert. die “unschuldige” breite masse soll instrumentalisiert werden um druck von unten her aufzubauen. das machen die knalltüten in strasbourg (siehe frongraisch) alle nase lang. da reicht schon parken um dem grillanzünder zur speise zu gereichen.
aber wahrscheinlich waren es wirklich nur ein paar hohlbirnen. man möchte kotzen.
21. April, 2009 um 18:25
Mir ist klar, da wird Versäumtes aus der Kindheit kompensiert. Dass ist diese Generation Halbwüchsiger, die nie „Laterne, Laternre“ singen durften und den bittersüßen Schmerz nicht kennen, wenn die eigene selbstgebastelte Laterne gerade vor einem abfackelt – weil deren Kindergärten seit Erfindung der Leuchtdioden nur noch batteriebetriebene Fackeln erlauben, wie ich letztes Jahr lernen musste.
Kein Wunder, dass die irgendwann mit ihrem ersten eigenen Zippo ‘nen bisschen abdrehen.
21. April, 2009 um 19:33
Diesen Quatsch habe ich zum ersten Mal an Sylvester 1986 in Berlin erlebt. Ich verbrachte einen vergnügten Abend im SO36, aber als ich kurz an die frische Luft wollte, war der Mob am toben. Und dann hat das Auto des Dönerladen-Besitzers gebrannt, bei dem sich zuvor noch alle die Wänste vollgeschlagen haben. War halt ein dicker Mercy.
Meine Wahrnehmungs- und Reaktionsgeschwindigkeit waren aufgrund des fortgeschritten vergnügten Abends leicht eingetrübt, also setzte mich auf den Mauervorsprung unter ein zerschmissenes Schaufenster und versuchte, dem Geschehen zu folgen.
Um das Gesamtbild abzurunden, kam ein Polizist auf mich zu und wies mich trotz meiner Frisur und der schwarzen Kleidung freundlich darauf hin, dass mir ein Rest des Schaufensters, der noch im oberen Rand des Rahmens hing, ins Genick fallen könnte. Vielleicht habe ich es diesem Bullen zu verdanken, dass ich heute nicht gelähmt oder skalpiert vor diesem Beitrag sitze, denn nachdem ich aufgestanden war, fiel das Glasstück auf den Mauervorsprung und zerbrach.
21. April, 2009 um 23:46
lieber mq, das klingt wie ein six feet under vorspann. oder eine szene aus final destination. scary shit.
creezy: kann sein. kann aber auch sein, dass da jemand ganz furchtbar langweilig ist.
texto: von frankreich lernen, hieß ja bekanntlich noch nie siegen lernen. mag schon sein, dass man auch unparteiisch autos anflammen kann, aber macht es das aussagekräftiger?
ich könnte auch gern mal dem ein oder anderen brezelberg-spießer auf die familienkarre hämmern (womit wir vermutlich beim volvo wären), aber am ende würde ich einen wie meinen freund p. erwischen, der ein musterbeispiel an unangepasster freundlichkeit ist. und das wärs dann nicht wert.
ansonsten gib mir einen sack voller deppen und ich hau drauf. muss ja nicht gleich immer abfacklprämie sein.
22. April, 2009 um 08:28
cher burnster.
Sie haben absolut recht. Ich verstehe Sie voll. Gut heißen is nich. Auch mir geht es jeden Tag so, dass ich dem ein oder anderen SUV Befahrer (das heißt wohl Sehr-Unflätige Verkehrsärsche) das Blechkleid gerne mit Steigeisen besteigen würde. Oder im Hechtsprung mit zwei Dosenlochern bewaffnet (wer sich daran noch erinnert) das Zeichen des Rächers in die Haube stanzen. Ich hoffe Ihr Freund war wenigstens gut versichert. Oder ist das höhere Gewalt, oder Terror, und der wird ja bekanntermaßen nicht versichert.
22. April, 2009 um 08:50
vandalismus. auch nicht versichert. es gibt wohl ausnahmen bei totalschaden. aber noch weiß er nix genaues, weil er auf einen gutachter wartet. all der ärger, für den man nix kann.
22. April, 2009 um 09:39
rrrrrichtig. Vandalismus. Ds ist immer so ein schöne Klausel bei Hausratsversicherungen. Drecksäcke. Sowohl Versicherungen als auch Vandalen.
22. April, 2009 um 10:45
Drecksäu dreckerte.
22. April, 2009 um 21:33
Nicht dass ich für eine Bürgerwehr wär, aber da denk ich an einen Filnm aus meiner Jugend, der “Christine” hiess – fackel Du mein Auto ab, und ich fackel Dir die Hoden ab.
22. April, 2009 um 22:05
Na, deine Karre würd ich nicht länger als 5 Min am Boxi stehen lassen;)
23. April, 2009 um 13:09
Komisch, oder? Wenn’s einem selbst passiert ist es dann doch immer was anderes.