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Hohe Standards

Dass es dem feinen Herrn Eichinger eher um Einspielergebnisse als um filmische Botschaften geht, hätte man schon beim Untergang bemerken können. Da hitlert sich Bruno Ganz einen Wolf während die arme Traudl Maria Lara schaut wie ein Schwalberl wenns blitzkriegt, ganz Berlin fällt in sich zusammen und irgendwie fällt bei dem ganzen Gewumms der Holocaust unter den Tisch. Dennoch glaube ich, dass der feine Herr Eichinger sich zumindest selbst vorgaukelte, er hätte da eine Art Statement für die Völkeraussöhnung gemacht, indem er eine – Zitat – “Massenverrücktheit” an Einzelpersonen aufzeigen wollte.

Eine weitere kassenträchtige Actionhistorie fand er mit Austs Baader-Meinhof-Komplex vor und da lagen er und Uli Edel gar nicht so arg neben der Spur. Ähnlich wie Aust versuchten sie, beide Seiten der Medaille zu betrachten und abgesehen von einigen überinszenierten Szenen und der üblichen Pathospatschigkeit deutscher Jungsschauspieler fand ich dieses Ansinnen nicht völlig ungelungen. Auch hier trieb Eichinger eine Aufarbeitungswut deutscher Geschichte und sicher sah er sich auch hier als filmischer Aufklärer, eine Art Steven Knoppberg.

Er wäre immer gegen Autoritäten gewesen, sagte er neulich mal in einem Interview. Das hat er mit seinem neusten Schwarm Bushido vielleicht sogar gemeinsam. Aber bei allem was der feine Herr Eichinger bisher so angepackt hat, gab es neben dem Geldverdienen zumindest im Ansatz einen Nimbus von politischer Korrektheit, auch wenn der Schuss beim Untergang einer in die finsteren Regionen des Ofens war. Warum man sich jetzt kreuzritterartig voran wirft und jedem erzählt, die neue Priorität im Leben sei die Verfilmung der saudummen Bushido-Autobiografie (die sein entwaffnend doofer Autor und Begleiter Lars Amend verfasst hat), weiß nur der Wind. Ist das für Eichinger die Geschichte eines Rebellen mit Migrationshintergrund? Einem, der es aus dem Ghetto bis zu Kerner geschafft hat und deshalb gesellschaftliche Beachtung verdient? Ist das gar das Martyrium eines Künstlers?

Denn für mich ist die unberechtigte Ins-Rampenlicht-Rückung einer Perversion unserer an sich begrüßenswert durchmischten Gesellschaft. Aus schlechtem Gewissen gegenüber den mutmaßlich in ärmlichen Verhältnissen lebenden Immigrantengenerationen nimmt sich der deutsche Intellektuelle ausgerechnet den miesesten aller deutschen Rapper und macht aus ihm eine Galleonsfigur des Aufbegehrens gegen die herrschende Sozialethik. Ich weiß nicht, inwiefern der Film belegen wird, was für ein übellauniger Prolet und Hassprediger Bushido ist, aber da er selbst die Hauptrolle spielt, hält sich die Kritik an seiner Person sicher in Grenzen. Und eigentlich völlig egal, wie der Film ausfällt, alleine die Tatsache dass Deutschlands bekanntester und geldigster Produzent Deutschlands zweitdümmsten (nach Horst Mahler) Demagogen so ein Denkmal setzt, ist nichts weniger als skandalös. Das kriminelle Umfeld, dem man hier genauso seinen Tribut zahlt, wird sich geschmeichelt fühlen. Aber vermutlich will’s der feine Herr Eichinger genau so kontrovers haben, weil er genau wie der feine Herr Bushido “sehr hohe Standards an sich selbst” hat. Oder er wird erpresst.

Wie sagte eine ehemalige Arbeitskollegin, die beruflich öfter mit dem Thema Bushido zu tun hatte: “Der wird Kanzler irgendwann und dann emigriere ich aber.”

16 haben herzlich gelacht bei “Hohe Standards”

  1. stt sagt an:

    Ja, dann isses ja nimmer weit bis “Der Untergang 2.0″. Irgendwie widerstrebt es mir, so viel über so einen Typen nachzudenken.

  2. Burnster sagt an:

    völlig korrekt, das war auch mein letztes wort dazu.

  3. chilldogg sagt an:

    Es ist mir aus der Seele gesprochen. Und es scheint, als ob ein Herr Eichinger aufgrund seiner bisherigen Erolge meint, aus Scheiße Gold machen zu können.

  4. Burnster sagt an:

    Ich fürchte aber, dass er aus Gold (und damit ist Bushidl mehrfach ausgezeichnet) ziemliche Scheiße machen wird.

  5. creezy sagt an:

    Manchmal wünschte ich mir 9live würde Bushido als Quiz-Pussi einkaufen, da träfe sich dann (hüstel) Niveau auf gleicher Ebene und endlich würde mal wieder im deutschen TV die Quote stimmen. Zweieinhalb Stunden Film gucken? Besitzen Bushido-Jünger überhaupt noch die Fähigkeit sich so lange zu konzentrieren?

  6. Burnster sagt an:

    konzentrieren sie sich überhaupt?

  7. textorama sagt an:

    Nicht mehr weit bis Untergang 2.0? Wenn´s scho soweit is, dann simmer scho drunten.
    Diese Unternull von vermeintlichem Rapper, diese fleischgewordene Peinlichkeit, derer wegen man sich schämen muss zur Spezies Mensch zu gehören.
    Auf der anderen Seite: man muss die Erzeugnisse von B. und Herrn E. ja nicht konsumieren. Auch nicht um sagen zu können man wisse um was es ginge. Man muss nicht alles getan und gesehen haben um zu wissen wie ungut das ist.

  8. Rationalstürmer sagt an:

    Sowas passiert eben, wenn einem sein Bayerntum zu nix weiter als einem massiven Minderwertigkeitskomplex verhilft. Da dreht dann Eichinger mit einem Arschloch wie Bushido und findet das BRD 2.0. Oder die Bayern holen den Bäcker Klinsmann und lassen ihn Buddhafiguren aufstellen. Früher waren solche überall nur die Dorfdeppen und sind am Sonntag nach der Mess sauber verdroschen worden.

  9. burnster sagt an:

    textorama: ja, ich werds ganz sicher nicht am objekt überprüfen wie der film geworden ist.

    ratio: erst bin ich erschrocken über deine argumentation mit dem bayerntum, dann hab ich erschreckt feststellen müssen, dass es stimmt. der stachel, dass wir da unten nix mitbekommen davon, wie deutschland und seine kultur und seine kulturgeschichte funktioniert, sitzt tief.

  10. Remington sagt an:

    Galionsfigur. Ich bin kein Krümelkacker, aber wer an die Öffentlichkeit geht, sollte wissen, was er schreibt. Oder er wird nicht besonders ernst genommen.

    Wäre schade in deinem Fall.

    Gruß R.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Galionsfigur

  11. burnster sagt an:

    Hey Krümlkacker, net so frech. Lies lieber mal deinen eigenhändig empfohlenen Wiki-Artikel genauer:

    Es existieren auch die Schreibweisen „Galeonsfigur“ und „Galleonsfigur“, deren Ableitung von dem reich verzierten Segelschiffstyp Galeone herrührt.

  12. Remington sagt an:

    Kein Grund, grob zu werden.

  13. textorama sagt an:

    oioioi, gemach die Herren und eventuellen Damen. Blogs mögen meinet wegen rechtschreibliberale Medien sein. Müsste ich mir ständig Gedanlen machen wie man Guerilla, äh, Guerllia, ne, Gorillia, auch nicht schreibt, dann käme nicht zustande.
    Im Blog zu schreiben hat was von Mundart. Der Herr Oberlehrer mit dem Namen eines Gesichtshaarentferners mag sich das in den Badezimmerspiegel kerben.

  14. textorama sagt an:

    oh ich habe “Gedanlen” geschrieben, und dabei Gedanken gemeint: wer die originellste Zurechtweisung schreibt, hat einen Egoschub gewonnen.

  15. Burnster sagt an:

    textorama: raus hier, du analphabett!
    (hier könnte ihr emoticon, früher auch als “smiley” bekannt, stehen)

  16. textorama sagt an:

    Naja, was soll ich sagen: Ameisen in den Fingern. Meinereiner gelobt Besserung.

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