kurze unbedeutende wutrede zwischendurch
Ach, was haben wir gelacht auf dieser Beerdigung. Eine Firma in die Knie geritten, ein paar Millionen zerstäubt und auf zum nächsten Deppen, der dumm genug, uns anzustellen. Hauptsache Director, VP oder Chefredakteur auf der Visitenkarte.
Ich kann diese Web 2.0-Anbiederer und Schwätzer nicht mehr sehen. Entweder diese ganze Gschaftlhuberbewegung geht jetzt dann sang- und klanglos unter und versucht, sich ehrlicher Arbeit zu widmen oder sie übernimmt endgültig das Ruder in Sachen Multimedia. Letzteres ist die wahrscheinlichere Option. Dass sich die Spreu vom Weizen trennt und die Guten übrig bleiben, hab ich mir schon abgeschminkt. Diese stinkfaulen Maulaufreisser haben sich in den letzten Jahren langfristig bewährt. Während meiner Jahre als Onliner bei einem Fernsehsender hab ich so manche TV-Leute belächelt. Wegen ihrer Unbeweglichkeit, ihrem Unwillen sich den Bedürfnissen von Netzusern anzupassen. Mittlerweile bin ich da sehr milde gestimmt, denn viele von diesen Profilneurotikern sind sympathische Haudegen im Vergleich zu der Generation von Arschlöchern, die da nachgewachsen ist. Und ich rede noch nicht einmal von den Lobos und Sixtusen dieser Welt. Da gibt’s ganz andere Kaliber, die sich von Festanstellung zu Festanstellung saugen und als Internetpioniere ihre kleinen Eier aufblasen und einen auf Larry Page mit Weihnachtsgratifikation machen.
Dann wiederum sind ja – wie wir wissen – 80% der Leute eh Idioten und obiger Gefühlsausbruch wieder mal völlig branchenunabhängig und obsolet. Aber hat gut getan.
Apropos Weihnachtsgratifikation..
3. Februar, 2009 um 17:35
Do samma dabei: ein dreifaches sick of it all!
3. Februar, 2009 um 19:19
genau so wars gemeint:)
4. Februar, 2009 um 22:08
Nä wat schön formuliert. Und endlich haben heute die peripheren Mundwinkelmuskeln mal was zu tun gehabt. Dankeschön!
5. Februar, 2009 um 00:51
wie werden diese leute so und wie lauten die namen?
5. Februar, 2009 um 10:39
die sind schon immer so und die namen lauten:
hans fuchs
hans müller
hans meier
hans dampf
hans aplast
hans harz
aber nicht weiter sagen.
5. Februar, 2009 um 18:19
+ hans worst
5. Februar, 2009 um 23:13
das gefühl kommt mir bekannt vor! man kann da regelmäßig noch verschärftere wutausbrüche… wenn ich erstmal in fahrt komme: halleluja!
soeben kehre ich von einem bewerbungsgespräch mit einem dieser inzwischen etwas patinierten 2.0-entrepreneure zurück. durchaus keine unsympathische figur, aber auch jemand, der sich zurzeit, weil ein komplettausstieg nur noch mit erheblichen persönlichen einbußen ginge, von start-up zu start-up und von geschäftsführerposten zu geschäftsführerposten hangelt. dabei ganz sicher noch einer, der nicht zu sehr das maul aufgerissen hat, der einem aber heute in seinem zarten alter von 36 (wobei er aussieht wie mitte vierzig – kein wunder) irgendwie leid tun muss, wenn er jetzt auf tv- und filmproduktion ausweicht und dabei mit der altlast verona p**th rumhantieren muss. aber hier: bemerkenswert ist doch, dass einem die natur des unternehmens erst etwa 20 stunden vor dem gespräch vom headhunter offenbart wird – ganz sicher nicht ohne absicht! man schämt sich nämlich inzwischen. das gesamte business ist vulgär, es ist albern, es hat den nimbus der luftnummer und des inzwischen auch des naiven scheiterns ohne die gratifikation der lerninhalte oder expertise, die das scheitern auf einem bestimmten geschäftsgebiet ja auch haben könnte, auf diesem gebiet allerdings definitiv nicht hat und wahrscheinlich auch nie haben wird. ich sage nur: wohl dem, der vor dem altern (und das dürfte in diesem bereich noch vor vierzig beginnen) den absprung aus dieser szene schafft.
das alles hat natürlich auch mit deutschland zu tun und damit, dass es hier sehr schwer ist, in bereich web 3D und digitalcontent funktionierende geschäftsmodelle umzusetzen. auch darüber haben wir gesprochen, aber es ist nun einmal so und lässt sich auf anhieb nicht verändern. schlagworte, die ich in diesem zusammenhang nicht mehr hören kann, sind “strategy consultant”, ” kommunikationsplattform” und “interactive”.
mir hat es jedenfalls richtiggehend gefallen, zunächst vorsichtige bedenken zu äußern, als diese verstärktes werben und schönschildern zur folge hatten, mit einem verweis auf die eigene erfahrung und das alter expliziter zu werden und schließlich, weil es anscheinend nur mit der holzhammermethode ging, das jobangebot mit einer kleinen spitze auf meine fehlende indentifikation mit “kultur” wie verona p**th höflich abzulehnen:)
der headhunter hat sich dabei köstlich amüsiert. der wird mich in den tagen mit sicherheit wieder anrufen. dem anderen wünsche ich von herzen viel glück. die arme sau. der muss heute abend noch auf die berlinale, die ganzen anderen verzweifelten nutzlosen loser treffen.
6. Februar, 2009 um 15:01
das war eigentlich der bessere beitrag. besser, weil direkt aus der erfahrung geschildert und nicht wie ich in die hohle hand hineingeschimpft. ich hab mich ja selbst von posten zu posten hochgehangelt und wenn ich als freiberufler scheitere und eine familie ernähren muss, dann kriech ich vielleicht selber wieder bei der luftindustrie zu kreuze. aber ich hab mich auch nie für was besseres gehalten und die klappe aufgerissen statt zu arbeiten. meine loyalität ist käuflich, das gebe ich gerne zu, aber ich nehm auch nicht von jedem geld.
ein wichtiger punkt deines kommentars ist sicher der mangelnde lerninhalt von gescheiterten startups. wird beim nächsten projekt/arbeitgeber halt einfach weiter die leute schwindlig geredet und mit anglizismen aufs digitale glatteis geführt. sich mal zu fragen, was der konsument will, nicht was das gegenüber hören will, das ist doch der weg. letztlich kommt nämlich dann erst der werbetreibende und somit einzige geldhahn auf seine kosten. eine andere sache, über die ich extra nochmals schreiben muss, ist die völlig überbordende meeting- und präsentationskultur. und das verantwortungslose verwalten von fantasiebudgets und blinde vertrauten in page impressions. aber das ist a) ein fass ohne boden, b) ein 8-schneidiges schwert und c) ein buch wert, das ich nie schreiben werde, weil ich ja auch nicht gern über schlechtes wetter schreibe.
6. Februar, 2009 um 15:02
mq: wie konnt ich hans w. nur vergessen? das ist doch der größte scharlatan von allen.