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Da lacht der Kulturpessimist

Kurz was zur Medienschelte von Grand Stunk Railroad Marcel RR. Ich find’s schön, wenn die Leute sich öffentlich auf die Fresse hauen. Deshalb les ich Don Alphonso, guck Wrestling, Boxen, Fußball oder die Jerry Springer Show. Nein ehrlich, ich guck sehr gerne TV. Ich hab soviele Sender, dass ich mir schon seit Jahren die eingespeicherte Reihenfolge nicht mehr merken kann. Früher war das Erste auf eins, das Zweite auf zwei, das Dritte auf drei und der Österreicher auf vier. Jetzt komm ich noch nicht einmal dazu, bis 50 hochzuschalten, weil ich immer was finde, was mich interessiert und meistens auch noch was, was sich deutlich über dem Niveau der Niels-Ruf-Show abspielt.

Das ganze Geschrei um die Qualität von Fernsehen ist ja nichts grundlegend Verkehrtes, wen stört es schon, wenn etwas besser gemacht wird. Überflüssig ist es dennoch: wenn man sich die Leute ansieht, die täglich am Straßenverkehr teilnehmen, im Hallenbad ihre Bahnen ziehen oder neben mir im Café sitzen, dann bekommt doch nun wirklich im Fernsehen genau jeder das, was er will und sogar noch verdient. Ist das nicht gerecht, sozial, demokratisch und überdies auch noch poetisch?

Und ganz ehrlich: so verachtenswert ich die Medienbranche teilweise kennengelernt habe, so wenig möchte ich ein Fernsehprogramm von sich selbst saugeil-schreibend findenden, pseudosarkastischen Kulturästhetikern z.B. der bloggenden Zunft sehen. Weil in den Händen von Idioten ist es ja eh schon. Sowie der Rest der Welt.

6 haben herzlich gelacht bei “Da lacht der Kulturpessimist”

  1. mq sagt an:

    Jeder Medien-Konsument bekommt genau das, was er will, verdient – und kauft. Nichts gegen gesellschaftlichen Gossip und Verblödung in Maßen, z.B. im Wartezimmer meines Zahnarzts kann ich ausschließlich veraltete Galas lesen, und sollte er diesen Lesezirkel jemals kündigen, werde ich den Zahnarzt wechseln. Angesichts des unstillbaren Boulevardbedarfs darf man sich allerdings fragen, ob der Durchschnittskonsument generell zu blöd oder einfach nur zu faul ist, sich mit Inhalten auseinanderzusetzen, die den Anspruch medialer Sedativa übersteigen.

  2. Juri sagt an:

    Hm, klingt ein wenig nach der “Free Rainer”-Thematik. Ich hab meine Glotze vor sieben Jahren abgeschafft und lebe ganz gut damit.
    Muss aber zugeben, dass ich meine Anteile bei Diskussionen über DSDS, Perfektes Promi-Dinner, Popstars, Schlag den Raab und wie diese ganzen Sendungen alle heißen gleich null sind. Das kann hin und wieder einsam machen, aber mein Verlangen nach Fernsehen ist einfach zu schwach, um wieder einzusteigen.

  3. Rationalstürmer sagt an:

    Naja, a bisserl dreinschlagen muss man ja schon. Ansonsten verweise ich auf meine wunderbare Kollegin Nina und ihren intellektuellen Freund: Wenn die sich einen richtig gemütlichen Fernsehabend machen wollen, schaut er sich irgendwas auf 3sat an, und sie lässt im Videotext den Promi-Ticker dazu durchlaufen.

  4. Burnster sagt an:

    Also dreinschlagen um des Dreinschlagens Willen geht natürlich immer klar. Aber an deiner Kollegin Nina sieht man doch, wie sich der Markt quasi von selbst regelt.

    Ich finde die Verblödungsdiskussion einseitig und manchmal auch einfältig, denn obwohl es ganz unten durchaus immer unterirdischer wird, gibt es oben olympische Spitzen, siehe den ganzen HBO Serienkram und die ganze gute Satire aus den USA. Hierzulande fehlt sicher ein bisschen das Gegengewicht zur verrohten Masse, das mag sein.

    Ärzte ohne die Gala sind fast schon ein Vertrauensbruch am Patienten und der Boulevardsog erfasst mich auch gelegentlich, deshalb werd ich ja kein Blöder. Man bedenke, ich guck auch Wrestling im Fernsehen.

    Dass du Juri hin & wieder einsam bist, liegt an deiner Masterarbeit. Und dass du keinen Fernseher hast, liegt daran, dass du zu geizig bist dir einen zu kaufen;) Und wart mal bis du wieder in routiniert festen Händen bist. So ein Fernsehabend kann Leben retten.

    So gesehen, eigentlich alles bestens, oder?

  5. creezy sagt an:

    Ich kann nichts Schlechtes zur Qualtiät der Fernsehwettervorhersagen sagen.

  6. Sven E. sagt an:

    Und ich dachte immer, die Galas beim Arzt gehörten zur Deko.

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