St. Burnster – Blog von Berni Mayer » » Fiesi-Jet und die ruhigen Wasser des Tiber

Fiesi-Jet und die ruhigen Wasser des Tiber

Seit das Zeitalter von Easyjet angebrochen ist, mutet Fliegen wie BVG-fahren an. Arschlöcher und Assis auf engem Raum mit inkompetentem Personal. Fehlt nur noch, dass ein paar McFit-Vollzeitabonennten und Ex-Knackis während des Flugs die Flugscheine kontrollieren und an der nächsten Haltestelle den Strafzettel für zuviel Handgepäck ausfüllen. Fliegen sollte einfach nichts für die blöde Masse sein und ich glaube, ich verzichte demnächst lieber auf den ein oder anderen Langstreckentrip, als dass ich mich nochmals arglos unter solch unsäglichen Pöbel begebe. Gibt ja auch schöne Flecken in Brandenburg.

Bei Easyjet und ähnlichen Billigbombern kämpft man ja gerne mal um einen Sitzplatz. Vordrängeln, der 100m-Lauf des kleinen Mannes, den er zu guten alten Platzkartenzeiten nicht ausüben konnte und er zudem auch auf keiner Passagierliste stand, bestreitet er unter Einsatz seiner gesamten Körperfülle und Gehässigkeit. Der picklige Nachwuchsbanker mit Thaifrau genauso wie die sauer dauerbewellten Backpacker-Bumskübel (weiblich) aus Reinickendorf, die mich für meine Verwünschungen am liebsten gleich noch angezeigt hätten. Und da gab es noch so einige Kandidaten die man gut und gerne in einen großen orangefarbenen Sack hätte stecken können und bei einem 20-Tonnen Gewicht aus 1000 Meter Flughöhe auf eben jenen Sack hätte es niemand Falschen getroffen.

Eigentlich war der Kurztrip nach Rom auch sonst eher von Horrorszenarien geprägt. Das fing bei einem Zweieurostück zu wenig für den Parkautomaten an, das mich letztlich 30 Euro zu viel gekostet hatte, und hörte beim Warten auf einen um Stunden verspäteten Flug in einer kirmesartigen Wartehalle ohne Sitzplätze in Rom Ciampino auf. Ein Traum für Bandscheiben geschädigte. Was dazwischen geschah…, fragen Sie nicht nach Sonnenschein. Ich sag nur heiliger Stuhlgang. Hätte mich das touristenbereinigte Rom Ende August nicht so bezirzt, ich hätte mich glatt aus lauter Wut selbst entlang der Via Appia gekreuzigt und mit mir die restlichen Easyjet-Mitflieger. Meine Frau ausgenommen. So aber saß ich an den schönsten Piazzettas und labte mich an erlesenen Croissants con crema und vernünftigem Kaffee, verlief mich in den Ruinen vom antiken Ostia, prollte am Strand vom heutigen Ostia herum oder durchschlich träge das riesige Areal der Villa Borghese. Der beste Urlaub wär eben der, bei dem man schon da ist. Von wegen Weg ist das Ziel. Bullshit.

11 haben herzlich gelacht bei “Fiesi-Jet und die ruhigen Wasser des Tiber”

  1. gailleton sagt an:

    Oha! Ich hatte vorletztes Wochenende genau das gleiche Erlebnis
    von Berlin nach Pisa… Da muss man ganz schnell weg, in einen
    klapprigen Zug steigen, nach Siena fahren und mit alten Italienern
    erstmal einen Espresso an der Bar trinken, zum wirklich Ankommen…

    Cordialement de Genève

  2. Don Alphonso sagt an:

    Jede Fahrt nach Italien, die man nicht im Roadster antritt, ohne in Sterzing bei Häusler einzukehren, den Jaufenpass zu fahren, bei Siena zu übernachten und dann am nächsten Morgen über Via Cassia hineinzufahren, ist, hm, ein klein wenig verloren. UJnd im Gegensatz zur Legende ist der Stadtverkehr in Rom auch nicht schlimmer als München, mittlerer Ring.

  3. creezy sagt an:

    Aber schön, dass wir mit dabei sein durften. Bei «vernüftigem Kaffee» konnte ich mich auch endlich entspannen. Vielleicht sollte ich mir das Vergnügen auch mal gönnen mit EasyJet und Mallorca. Ich kann ja ‘ne Thermoskanne mitnehmen.

    Frage zu dem Strandfoto: Die messen die Abstände doch mit ‘nem Zollstock aus, oder?

  4. Burnster sagt an:

    Gailleton: quod erat demonstrandum

    don: absolut, der verkehr ist geradezu altruistisch verglichen mit münchen oder auch london. was die anreise betrifft: mei, übers wochenende von berlin in die ewige is halt a bissal stressig. ansonsten liebend gern irgendwann mal so wie beschrieben anreisen. leihst mir dann dei barchettal, gell?

    creezy: in sachen freizeit verstehen die italiener eben keinen spaß.

  5. Neobazi sagt an:

    Diese Art des Reisevergnügens kenne ich gar nicht mehr, du machst mir richtig wieder Flugangst.

  6. Don Alphonso sagt an:

    Stimmt. Hast recht. Von mit aus ist es zum Alexanderplatz genauso weit wie bis zum Campo in Siena, und das zieht gscheit rein. Allerdings hättest Du heute hier auf der Schanz halten können, weil do is nämlich in Oberstimm der Bartlmarkt gwesen. Und nach dem Bartlmarkt is eh ois zua.

  7. Padre sagt an:

    zu schön beschrieben. diese beobachtungen teile ich und werden nur noch von einem flug bei wizz air von frankfurt hahn nach bukarest. bei der maschine war die verkleidung für die atemmasken über den sitzen mit paketklebeband fixiert und auf dem sitz neben mir hatte anscheinend ein kleines kind oder ein besoffener rumäne vom vorherigen flug entweder einen geschmolzenen schokoriegel oder rückstände von bierschiss hinterlassen. immerhin, die rumänische stewardess hatte eine tolle uniform an.

  8. Padre sagt an:

    getoppt ist übrigens das fehlende wort.

  9. Juri sagt an:

    Spreewald: Das „Venedig Brandenburgs“

  10. Juri sagt an:

    Ich hoffe morgen kommt was zum Abschied vom Titan – “Wir brüllen beide so laut, dass wir uns über’s Spielfeld unterhalten können.”

  11. Burnster sagt an:

    Neobazi: Als Seebär hat man ja auch seine Ruhe vor diesen Saubären.

    Don: Reibs ma nua nei.

    Padre: in punkto stewardessen hab ich noch nichts berichtenswertes entdecken können in all meinen easyjet-jahren.

    juri: zweimal thema verfehlt. zur strafe einen ganzen tag lang easyjet fliegen.

Dein Servus hier:

(Wenn du mir schon unbedingt einen Link hineinposten musst, unterstreich ihn doch bittschön, damit ihn ein jeder sieht. Dankschön.)