Tegel
Over and out of it
for one more plane ride out.
I’m not sure and I never was
if this would all head south.
(Alkaline Trio – Smoke)
Das war eine blöde Idee, nachts nach Tegel rauszufahren und sich dem Flugverkehr hinzugeben. Es war eine dumme Idee, sich alleine in das Restaurant zu setzen und auf die Landebahn zu starren. Wie sie die Majestät von einer Maschine langsam wie in Zeitlupe beladen haben, während links dahinter die Anderen über den Asphalt rasten und abhoben in die Berliner Nacht, die sie in wenigen Sekunden schon wieder hinter sich hatten. Ganz im Gegensatz zu mir, der die Berliner Nacht noch hunderte Minuten vor sich hatte. Wenn nicht Hunderte von Tagen.
Ich muss an Jonas denken, der einmal gesagt hat: “Wir haben alle ein Bett in einem Aufwachzimmer, das auf uns wartet. Jeder von uns wacht irgendwann auf.” Das ist ein Satz, an den ich mich nur zu gerne erinnere, jetzt wo ich in meinem Zimmer liege und in den Fernseher starre, wo irgendeine großartige FreeTV-Premiere läuft. Vor einer Stunde war ich noch in Tegel und hab auf die Landebahn gestarrt und an dich gedacht. Wie die Jahre an uns vorbei gerannt sind und wir ihnen selbstgefällig hinterher gelächelt haben. Und wir haben uns jedes Mal verpasst. Und wie ich das letzte Mal deinen warmen, feuchten Mund an meiner kalten Wange gespürt habe, wusste ich, dass es dir auch leid tut, dass du zu spät gekommen bist. Immer zu spät gekommen. Du wohnst nur ein paar Blocks entfernt, wir hätten jederzeit zusammen nach Tegel fahren können und für ein paar Tage verreisen. Ich hab geträumt, dass du mich suchst und ich immer da zurücksuche, wo du bis vor ein paar Minuten gewesen bist. Maria, du lächelst in jede Kamera, du füllst jedes Foto aus, aber du hast vergessen, wo du herkommst und ich wo ich hinwollte.
Das war eine blöde Idee, nach Tegel zu fahren und durch die Fensterscheibe auf die Landebahn zu starren. Wäre ich nicht alleine in dieser Stadt, ich hätte alle meine Freunde mitgenommen, wir hätten Wodka bestellt und den Flugzeugen zugewunken. Es wäre nicht so ein finsterer Winter gewesen und die Terrasse über der Landebahn wäre zugänglich gewesen. Ich werde heute nacht wieder dunkel träumen. Im Berliner Dunkel, das die Flugzeuge in wenigen Sekunden hinter sich lassen können. In dem Dunkel, das mir vorbestimmt ist. Und mag es auch noch so fürchterlich klingen, es tröstet mich ungemein, dass du in dem selben Dunkel träumst wie ich.