Der Platzverweis
Man wartet immer, bis etwas zu Ende geht. Man wartet immer, bis etwas beginnt. Man erwartet die ganze Zeit. Man wartet, bis man zur Ruhe kommt und wenn man es tut, wartet man, bis endlich wieder was passiert. Der Buddhist sagt, Leiden bedingt sich durch Wollen. Man könnte auch sagen, Leiden bedingt sich durch Warten.

Ich selbst in meiner grenzenlosen Ungedult muss einsehen, dass die Warteschlange an der Kuchentheke nichts anderes ist, als der Verlust von ein paar gehaltlosen Sekunden. Dass das scheinbar ewige Verweilen an der Kreuzung jeden Morgen nur davon ablenkt, dass die neue Rooney im CD-Player meines Autos besser ist als das Feuilleton uns glauben lassen will. Dass jeder verlorene Moment, dem ich hinterher fluche, nur deshalb verloren ist, weil ich nix besseres mit ihm anzufangen weiß, als das was ich eigentlich mit ihm vorhatte. Wer weiß, ob nicht Hermann Flick ähnlich ungeduldig seinen Platz ihm Diesseits räumen musste, bevor er die Unendlichkeit des Augenblicks begriffen hatte. Und am Ende ist er sogar im Tod noch vom Platz geflogen vor lauter Jähzorn, weil er es nicht erwarten konnte, endlich umgetopft zu werden.

5. November, 2007 um 01:54
Das ist jetzt völlig indiskutabel am Text vorbei, aber – und das sage ich jetzt nur, um einen hier eventuell sich ergebenden und tatsächlich textimmanent genannt zu werden es verdient habenden Dischkurs in eine nicht gar so novembrige Eywartenisdochscheißealta-Richtung zu lenken – wenn ich also, um die Sach abzukürzen, zum Beispiel am Sonntagmittag in der Wirtschaft auf einen gscheidn Schweinsbraten mit zwei Semmelknödel wart, dann ist doch dieses Warten keineswegs ein Leiden, sondern fühlt sich für mich armen ausgetretenen Sünder, der bisweilen sich doch noch nach der warmen Brust von Mutter Kirche sehnt, vielmehr wie die freudige Erwartung an, die wir in der bald anbrechenden staden Zeit (de i a so mog) tiefinnerlich verspüren, da wir des Heilands bald´ge Ankunft herbeifrohlocken. Oda net?
5. November, 2007 um 08:33
Manche mögen’s heiß. Also ihren Glühwein. Und brauchen dafür die sogenannte “stade Zeit”, wo uns nicht nur – durch den Genuß desselben – angeheiterte Mitmenschen zu früher Stunde begegnen, sondern auch in den Konsumtempeln rund um die Uhr eine Mischung aus “Best of Xmas” runtergeleiert wird. Unterbrochen nur von so wichtigen Mittelungen, daß Herr Müller unbedingt die 12 soll.
Nein, da ist mir so ein Friedhof schon lieber. So völlig ohne Kommerz. Oder was kostet der m²/Jahr in Berlin? Und gibt’s keine gebrauchten Grabsteine? Wie schaut’s mit der Friedhofsblumenbeschaffungskriminalitätsrate aus. Und wie hoch ist die Dunkelziffer?
So gehen dann auch die seltenen Besuche auf dem Friedhof vorbei.
5. November, 2007 um 12:51
Ratiopharm: Gar nicht am Kontext vorbei sondern ein guter Beitrag zum Thema “Ausnahmen bestätigen in manchem Fall die Regel.” Allerdings möchte ich einwenden, dass das Warten auf das Schweinerne nur dann ein freudiges ist, wenn man nicht all seinen Appetit auf den einen Haxen ausrichtet und dann kommt er eine halbe Stunde zu spät. Und jetzt sag mir nicht, dass du dann nicht gstingad wärst und leiden tätest.
Stefan: Ach, unterschätze nie die Kommerzpower von so einem Friedhof. Was sich da an Allerheiligen in Bayern oft in Sachen Eigenwerbung rumtreibt, man glaubt es kaum. Da werden Geschäfte gemacht wie aufm Viehmarkt.
5. November, 2007 um 13:28
[...] Der Platzverweis Man wartet immer, bis etwas zu Ende geht. Man wartet immer, bis etwas beginnt. Man erwartet die ganze Zeit. Man wartet, bis man zur Ruhe kommt und wenn man es tut, wartet man, bis endlich wieder was passiert. Der Buddhist sagt, Leiden bedingt sich durch Wollen. Man könnte auch sagen, Leiden bedingt sich durch Warten. [...]
5. November, 2007 um 15:29
Ich war ja witzigerweise auch am Wochenend auf dem Friedhof. Hab da aber niemanden zu liegen. Was den Kommerz auf’m Totenacker angeht, kann ich nichts zu sagen, aber dieser Dornröschenschlaf, der über dem riesigen Gelände des Hamburger Hauptfriedhofs zu liegen scheint, der wirkt so furchtbar unkommerziell, wie ich es am Hamburger Tierpark Hagenbeck auch so schätze (obwohl ich da ewig nicht mehr war, schließlich ist der größte Rest SEHR kommerziell in Hagenbeck) …
Ist wie Zeitreise. So überhaupt nicht Hamburg auch. Und Jahrhundertwende. Die vor der letzten. Und Fahrt mit der Märchenbahn. Nur zu Fuß. Aber eben genauso künstlich. So ist es in Ohlsdorf für mich…
Was komplett anderes: Wieviel Sekunden Musik darf ich zitieren, ohne eine Urheberrechtsverletzung zu begehen? Und wenn ich diese (vielleicht 10-15 Sekunden) nahtlos aneinanderhänge, zu einem Stück von, sagen wir, etwa 8 Minuten … ist das dann auch legal? *hrhr*
5. November, 2007 um 16:02
Ich mag euren Amusement-Grave-Park da oben saugerne. Allerdings ist er mir zu Fuß zu stressig. Nächstes Mal komm ich mit Skateboard.
Hängt vom Medium ab, ob du GEMA zahlst und was der Verlag dazu sagt. Sorry, das ist eine Wissenschaft für sich.
5. November, 2007 um 16:09
20€ in die Mannschaftskasse.
6. November, 2007 um 06:08
warten wird esrt dann existent,wenn zeit normiert wahrgenommen wird.
sitzen um des sitzens willen.
kraftvolles tun wenn handeln angesagt.
alles fliesst.
nath
p.s:die ampel mag dich.sie fordert dich.
6. November, 2007 um 10:50
Nath: Die Sympathie beruht nicht auf Gegenseitigkeit.
MC: Man muss auch mal durchgreifen.
6. November, 2007 um 19:09
Immerhin hören Sie wieder Musik!