Pfui Deifi: Die bayerische Popkomm

Kruzefix, da bist du stinksauer gewesen gestern. Da gehst du auf den bayerischen Popkomm-Empfang in Berlin und dann ist es schon mal in dem fürchterlichen BMW-Pavillion am Ku’damm statt in der zu renovierenden Bayerischen Vertretung. Aber das ist ja das geringste Übel. Statt einem bayerischen Buffet, über das man dir in den Vorgängerjahren nur in frohlockendsten Zungen kolportierte, erwartet dich der übelste Häppchenfraß vom Eventcatering Schlagmichtot, den du seit den grauslichen EMI-Company-Tagen in Köln erleben musstest. Statt Brotzeit gibt’s nur diese schäbige sogenannte internationale Cuisine in Portionen, die einem Silberfisch zu wenig gewesen wären. Garnelensüppchen statt Leberkassemmel. Wo samma denn!? Und das Versorgungsintervall, meine Herren. Auf die nächste Häppchenrunde musst du länger warten als auf den nächsten Vesuvausbruch. Wenigstens ein Hacker-Pschorr gibt es, wenn auch von einem falschen Lederhosenträger mit Waden-Tribal serviert, der des Bayerischen mit keiner Silbe mächtig ist.

Und dann ist nicht einmal ein CSU-Politiker vor Ort, den du anstarren könntest. Stattdessen nur Branchenkasperl und ein paar Bands spielen auf. Unter anderem diese bräsigen Fertig Los, die Silbermond wie Pink Floyd aussehen lassen. Irgendein saublöder Typ von Bayern 3 maßt sich an, Preise zu verleihen und der Band Mia ist es sichtlich unangenehm in einem solchen Rahmen gewürdigt zu werden, was du voll verstehen kannst. Der depperte Skycs-Sänger nutzt die Laudatio für Mia gleich mal, um den eigenen Karriereknick zu rechtfertigen (“..damals haben wir Mia nicht mit auf Tour genommen.”), regt sich über Schwätzen im Publikum auf und schafft es so tatsächlich, die gesamte Mia-Band grußlos von der Bühne zu graulen, was jetzt per se nichts ganz Schlechtes ist. Dass am Ende der dicke Nevio, der nach Berlin getopfte Italofranke, wieder mal seinen Redefluss nicht zu stoppen vermag und radiergummiartige Schokolade von pickligen Mäderln im Weinköniginnen-Outfit verteilt wird, gehört zu den Kollateralschäden. Vielleicht ist es ein Segen für den Leser, dass du deine Kamera vergessen hast.

25 haben herzlich gelacht bei “Pfui Deifi: Die bayerische Popkomm”

  1. diaet sagt an:

    VIELLEICHT???

    (Ich bin mir da eigentlich sehr sicher. Klingt alles nach x-beliebiger, austauschbarer, “Ihr-wart-ja-so-toll-dieses-Jahr, deswegen-laden-wir-euch-ein” Promo-Kacke.)

  2. burnster sagt an:

    Ja, und grade höre ich, dass Gotthelf Fischer zum krönenden Abschluss wie schon letztes Jahr “Hoch auf dem gelben Wagen” (oder wie das heißt) dirigiert hat. Aber da war ich gottseidank schon längst wieder im Bett.

  3. Wolfgang sagt an:

    Muss Dir leider in allen Punkten zustimmen, aber das eigentliche Highlight war erreicht, als eine Dame, ich glaube es war die Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten Müller, den No Angels zu deren ersten großen Hit, wer kennt ihn nicht, “Download in your eyes” gratulierte.

  4. Burnster sagt an:

    Dieses Downlight hab ich leider verpasst! Aber wundern tut einen ja nix mehr.

  5. creezy sagt an:

    Manchmal muss man einfach nur gucken und direkt wieder abdrehen …

  6. Tim sagt an:

    die tante hatte eine stimme wie ein eunuch. und zum schluss die besoffenen kilians fand ich auch irgendwie typisch für die veranstaltung. ein hype um ein paar jungs, die zwar gas geben, aber keine hits haben.

  7. Ole sagt an:

    Manchmal fragt man sich schon. Ich frage mich gerade, was. Ich habe keine Ahnung. Es rennen definitiv mehr fragwürdige Gestalten auf der Welt und in bestimmten Metiers rum als gut tut. Hilfe! Und danke! Großer Text, Mutiger!

  8. KleinesF sagt an:

    Kommen Sie auf die Wies´n, da ist´s ehrlicher.

  9. Burnster sagt an:

    Creezy: Ach, wissen Sie…

    Tim: Die Kilians hab ich ja auch nicht mehr miterlebt. Aber die halte ich sowieso für grotesk überbewertet. Spielen könnste wenigstens.

    Ole: Danke. Soviel Mut gehörte jetzt aber auch nicht dazu. War ja alles für umme.

    F: Soweit kommt’s noch, dass ich mich von Norddeutschen in den Süden tratzen lassen muß:)

  10. MC Winkel sagt an:

    Hätt’s trotzdem gern bebildert gewusst. Was das Abendbrot betrifft: hatten wir gestern wohl ein Ähnliches! Hast Du Nilz getroffen?

  11. r0ssi sagt an:

    ach du scheiße. ich kenn ja fast niemanden davon (skycs??) aber es hört sich auch so gruslig an.

  12. Dr.Sno* sagt an:

    Was ist denn bitte eine bayerische Popkomm??

  13. Burnster sagt an:

    Des fragst am besten die Frau Müller:

    Berlin, 21.09.2007

    „Die Welt trifft sich in Bayern“:
    Popkomm-Empfang der Bayerischen
    Staatsministerin Emilia Müller
    Newcomerbands rockten die BMW-Repräsentanz in Berlin

    Berlin / Bayern

    Eine strahlende und gelöste Staatsministerin, Prominenz aus Musik, Film, Show, Politik und Medien, zahlreiche Fränkische Weinprinzessinnen und dazwischen Rocker, HippHopper und natürlich die Gewinner des Bayerischen Musiklöwen. Alle wippten im Rhythmus der röhrenden Gitar-rensounds als am vergangenen Donnerstag, 20. September 2007, die Bayerische Staatsministerin für Bundes- und Europaangelegenheiten, Emilia Müller, wieder im Rahmen der Musikmesse Popkomm zum Empfang „Die Welt trifft sich in Bayern“ lud. Und alles, was Rang und Namen hatte, folgte der Einladung.

    Wenn sich in der Bundeshauptstadt Berlin Musiker, Produzenten, Journa-listen und Prominente aus Politik, Gesellschaft und Kultur zur Musikmesse Popkomm treffen, lädt der Freistaat zu einem offiziellen Side Event ein. Wegen der Renovierungsmaßnahmen in der Bayerischen Vertretung fand der Empfang diesmal bei BMW am Kurfürstendamm statt. Ein überaus gelungener Ersatz – über 1000 Gäste, darunter rund 100 Journalisten, gaben sich in dem etwas anderen Ambiente dem mitreißenden Rock und Pop hin.

    Das spannendste bei diesem Event war sicherlich der Mix aus unter-schiedlichsten Leuten: Indie-Musiker in ausgewaschenen Jeans, 70er-Jahre-Trainingsjacken und abgelatschten Turnschuhen, langhaarige Ro-cker, fränkische Symbolfiguren in traditioneller Tracht – daneben Politiker in Anzug und Krawatte, prominente Gesichter im Abendkleid im Blitzlicht-gewitter.

    Kein Wunder also, dass die Veranstaltung erneut auf solch positive und große Resonanz bei allen Beteiligten stieß – zu den Gästen zählten u.a. die Wolfgang Maria Bauer, Matthias Dietrich und Andreas Maria Schwaiger, Staatssekretäre und Minister, Produzenten, Kulturschaffende und Musiker, wie beispielsweise Leslie Mandoki, Jan Delay, „No Angels“, Nevio, Silber-mond, Juli, Mia., Nevada Tan, Lexington Bridge, Jasmin Wagner oder Gotthilf Fischer.

    Im Mittelpunkt des abendlichen Empfangs, der auch heuer wieder bis in die frühen Morgenstunden dauerte, standen aber die Ehrungen bayerischer Newcomerbands und erfolgreicher Musikschaffender aus ganz Deutsch-land.

    Und so überreichten Staatsministerin Emilia Müller und Prof. Dr. Gabriele Goderbauer-Marchner vom MedienCampus Bayern e.V. den Förderpreis des Freistaats in Form des Bayerischen Musiklöwen aus Nymphenburger Porzellan an „Anajo“ aus Augsburg als „Beste Indieband Bayerns 2007“ sowie an „fertig los!“ aus München und „Atomic“ aus Furth im Wald als „Newcomerband Bayerns 2007“. Für die Bands aus dem Freistaat gab es außerdem Gutscheine für Musikausrüstungen vom MedienCampus Bayern in vierstelliger Höhe. Die drei Bands zeigten dann, was sie können und rockten auf der Bühne, was die PA-Boxen hergaben, verzerrte Gitar-rensounds und melodiöse Refrains inklusive. Das Live-Programm rundeten Diane Weigmann, Meri Voskanian und die „Kilians“ aus Dinslaken ab.

    Für „ihren Erfolg mit deutschsprachiger Musik“ erhielten „Mia.“ aus den Händen von Stephan Michme und „Silbermond“ von Gotthilf Fischer den Bayerischen Popkomm Musiklöwen 2007. Ulla Meinecke ehrte Nevio als „Newcomer national“ und die Parlamentarische Staatssekretärin Dagmar Wöhrl zeichnete die Band „No Angels“ für ihre „Beständigkeit und ihr Comeback 2007″ aus.

    Erneut erhielt auch ein Radiosender den begehrten Musiklöwen: Bayern3 wurde für seine Newcomershow um die Moderatorin Dagmar Golle geehrt. Laudator war der Schweinfurter Landrat Harald Leitherer, der auch Mitglied im bayerischen Rundfunkrat und selbst (heimlicher) E-Gitarrist ist.

    Erstmals erhielt auch ein bayerischer Regierungsbezirk diese begehrte Auszeichnung: Dr. Ralf Kleinhenz, Geschäftsführer der Popkomm, wür-digte den Bezirk Unterfranken, denn mit seiner Popularmusikförderung MainPop hat der Bezirk bereits vor vielen Jahren eine Schaltzentrale für Kulturschaffende und Musiker in dem Nördlichsten der bayerischen Bezirke eingerichtet. Den Preis nahmen der stellvertretende Bezirkstagspräsident Peter Heusinger und der Popularmusikbeauftragte Peter Näder entgegen.

    Für eine rundum gelungene Atmosphäre sorgten internationale und bayeri-sche Spezialitäten aus Küche, Hof und Keller sowie Symbolfiguren in traditioneller fränkischer Tracht: Der „Hofrat aus Kitzingen“, Walter Vier-rether, begrüßte gemeinsam mit zahlreichen Weinprinzessinnen aus Un-terfranken die Gäste mit Franken-Wein, Secco und viel Charme.

    Gespannt warten alle auf das Jahr 2008, wenn es wieder heißt: „Die Welt trifft sich Bayern“.

  14. Rationalstürmer sagt an:

    Das ist schon wirklich schlimm, da stimm ich voll und ganz zu, aber ich find, dass das noch lang noch kein Grund dafür ist, dass man deswegen diese peinliche Plastefunzel Mia so gut wegkommen lässt. Was isn los mit dir?

  15. kosmonautin. sagt an:

    na das hört sich doch nach spaß an!
    großartige ehrliche zeilen, die Sie da fabriziert haben.

  16. burnster sagt an:

    Ratzlfinger: Find die nicht so übel und die entsprechende Mieze dazu auch ganz adrett, auch wenns etz gleich wieder eine Schelle von dir gibt.

  17. kid37 sagt an:

    Der abendliche Empfang, der bis in die frühen Morgenstunden dauerte… das ist schon ein bißchen Rock’n'Roll. (Und die hat wirklich “Download” gesagt?)

  18. Opa sagt an:

    Heimweh nach Pauli.

  19. Da Godfather sagt an:

    gab’s denn nix zum die kehle-feucht-und-das-gemüt-besänftigen-werden lassen? scheint nicht so gewesen zu sein…

  20. Ole sagt an:

    Achtung! Ehrlich! Achtung! Ehrlich! Was Mia betrifft, irgs. Für Mieze würde ich nicht eine Kachel aus meinem Ofen herschenken. Finde sie nicht besonders schnittig und auch sonst nicht irgend bezaubernd. Ein, zwei Nummern der Band finde ich ganz okay, der Rest darf gern bleiben wo er ist – irgendwo jenseits meiner Lauscher. Es gibt zu viele famose Bands und Künstler auf Erden, die ich weitaus spannender finde als Mia. So ergibt es sich meist schon aus diesem Umstand, dass ich sie beinahe nie höre. Ihr erster Gig in Münster, wo ich war, ich glaube 2002 oder 2003, gehört für mich zu den miesesten Auftritten professioneller Bands, die ich je gesehen habe. Aber das ist Schnee von gestern. Und es ist ja gut, wenn sie Leute haben, die sie mögen. Dann haben sie ein besseres Auskommen und ich kein schlechtes Gewissen, weil ich sie eher so maximal mittelprächtig finde, seltenst höre und nie selbst auflege.

  21. Fuxbeck sagt an:

    Gotthilf Fischer! Da hat ja nur noch,sein Pendant in schwarz, Roberto Blanco, gefehlt und das Kraut wär fett gewesen. Gotthilfo Negro wär doch auch ein Künstlername.

  22. burnster sagt an:

    Helfdagott Hatschi fänd ich persönlich sehr lustig.

  23. burnster sagt an:

    Ach ja, Ole: Im Grunde meines Herzens bin ich ein Popper und im Idealfall noch ein Metaller. Ich hör gerne KISS und Kelly Clarkson, amüsiere mich bei Iron Maiden und Mia-Konzerten und musste schon mal bei der Instrumentalversion von “My Heart will go on” weinen. Setz keine allzugroßen Hoffnungen auf meinen Musikgeschmack.

  24. Ole sagt an:

    Ach, Quark. Das Letzte, was ich tue, ist, mit meiner eigenen Geschmacksbrille rumzurennen und zu schauen, um normativ abzuschätzen und zu bewerten, wie der Geschmack anderer Leute in dem Licht ausfällt. Ich halte nix von Scheuklappen, und wenn jemand gern DJ Ötzi hört, wird er seine Gründe haben. Ich schaue dann, wo’s Überschneidungen gibt, freue mich darüber, wenn sie auftauchen und Punkt. Ich war früher großer Toto-Fan, habe mich für Dream Theater begeistert und die Chick Corea Electric Band. Meine erste CD war von den Scorpions, ich habe irgendwann auch eine Vaya Con Dios-CD gekauft… Je nach Laune, macht es mir auch Spaß zu Justin Timberlake meinen Körper über die Tanzfläche zu schwingen und den Refrain (nicht das Arrangement) von “Blue (daba dee)” von Eiffel 65 halte ich immer noch für eine große Pop-Nummer. Mit KISS konnte ich nie viel anfangen, bin aber auch nicht mit ihnen groß geworden, Kelly Clarkson finde ich ganz schnuckelig und “My heart will go on” ist sicher nicht der schlimmste Schmachtfetzen. Und selbst wenn ich der Meinung wäre, würde das an meiner Wertschätzung für Dich und Deinen Geschmack ungefähr nichts ändern. Wenn ich eins nicht leiden kann, dann das “Wenn Du A magst, musst Du auch B mögen” oder “Wie kannst Du nur X mögen? Du hörst doch sonst Y und Z und hast doch sowas wie Geschmack”-Gedöns. Grausig! Ich mag, was mir gefällt. und ich nehme mir heraus, das mögen zu dürfen, was mir gefällt, und ich habe Gründe dafür, warum ich mag, was mir gefällt. Und ebenso wird es Dir und zig anderen doch auch gehen. Also. Fertig. :)

  25. burnster sagt an:

    Dann bin ich ja beruhigt. Der Kollege Sturm ist da sicher nicht solchen Kulanzwallungen wie wir beide ausgesetzt. Und bei Bluedabada fällt der Watschenbaum wahrscheinlich gleich mit um. Mit KISS bin ich allerdings auch nicht aufgewachsen. Dafür bin dann selbst ich noch zu jung, mein Bester.

Dein Servus hier:

(Wenn du mir schon unbedingt einen Link hineinposten musst, unterstreich ihn doch bittschön, damit ihn ein jeder sieht. Dankschön.)