Streifzüge durch die Nekropole
Es ist fast wie auf den Fotos. Der Himmel ist weiß und man könnte meinen, ein lauwarmer Nachmittagsnebel ziehe hängend durch den Südwestkirchhof. Zwischendurch kommt heftiger Wind auf, dann ist es wieder still und die Sonne brennt. Weil Speers Germania eine Unmenge Platz zwischen Lebenden und Toten benötigt hätte, sind viele Toten hinaus in die Sümpfe Brandenburgs gezogen. In die eine neue große Nekropole.
Beim Erbbegräbnis ist ein Name bereits vorgraviert. Es fehlt nur noch das Sterbedatum. “Du bist herzlich eingeladen.”, sagt meine Begleiterin und ich fühle mich geehrt. In Grafentraubach bei den fiesen überpflegten Katholikenbeeten sollen die mich nicht eingraben. Dann lieber im wilden Südwestkirchhof. Es ist wieder still geworden und ich betrete eine leere Gruft. Da vorne ist die Totenfestung vom Siemens. Es hat seltsames Wetter heute. Mein Kopf schmerzt und auch so manches Mausoleum gibt langsam der Witterung nach. Die schönen Toten. Die toten Schönen. Anmutig verfault stellt man sich die Bewohnerschaft vor bei all der Veredlung. Doch Verwesung ist eine sehr demokratische Angelegenheit. Der Ruck geht durch die Klassen und zieht einen jeden mit hinab. Ich bin also herzlich eingeladen. Und ich könnte mir gut vorstellen, zuzusagen.

So ruht Herr Murnau, ein notorischer Melancholiker, ein Ästhet und ein Getriebener.

Die Holzkapelle, dahinter Wildwuchs. Ein bisschen Nebel und man wäre mitten in “The Fog”.

Von wegen Weißabgleich. So wird man mit links zur Spukgestalt.

Versponnen: den Tod unter einer Arkadenkonstruktion finden. Mit Julius Wissinger.

Verkommen, versehen, versiegt.

Heinrich Zille, Zeitschriftengründer. Aber nicht der von der Zillo.

Notorischer Slasher und Grabschänder aus Berlin. Name ist der Redaktion bekannt.
Einen Videoeindruck gibt’s hier und danke an Creezy für den Tipp zum Trip.
27. August, 2007 um 23:04
Sachdienlicher Hinweis: Diesen Strolch habe ich schon mal in der Nähe vom Krematorium Wedding gesehen.
27. August, 2007 um 23:51
Ach, Brandenburg. Manchmal kann ich mich wirklich kaum beherrschen.
Aber ein sehr guter Beitrag, alles darin, auch wenn ich befangen bin, weil du mich zum richtigen Zeitpunkt auf dem falschen Fuß erwischt hast. So stell ich mir einen Ort vor, von dem es heißen könnt, dass er streng genommen gar keiner mehr ist. Sehr viel Nichts, sehr viel Vieles, sehr viel Platz nach oben und nach unten. Wirklich ein guter Tipp von der Creezy. Vielleicht schaff ichs ja (19. – 22. Oktober)
27. August, 2007 um 23:55
Vielleicht magst dich ja noch zu uns dazulegen eines Tages, Ratzlfinger. In der Stadt, die es nicht gibt. Die Totenstadt. Da herrscht tagein tagaus Ausgangssperre. Da kann also kaum etwas schiefgehen. Die Bahn bleibt gerade, der Mehdorn kann uns nicht mehr ärgern.
Und komm du mir nach Hause, Bürger. Dann setzt es einen Satz heiße Ohren.
28. August, 2007 um 07:32
Auja. Ratzl im Ritzl. Da kenn ich mich schon aus, als Mittendrinner bin ich sozusagen Spezialist.
28. August, 2007 um 11:44
Aber siehste? Friedhofscontent zieht heute nicht mehr … kaum noch Kommentare. ;-) Das mit dem Namen im Erbbegräbnis, meine Güte, sooo ernst?
28. August, 2007 um 12:15
Ja, mag sein mit dem Grabelcontent. Aber Friedhöfe bleiben mir trotzdem eine Herzensangelegenheit. Und die betreffende Oma ist halt eine sehr organisiert und vorausschauende Person. Damit die Verwandtschaft nicht mehr deie Gravierung für den ganzen Namen kaufen muss.
28. August, 2007 um 16:03
Wenn Frauen verblühen, verduften die Männer.
Heinrich Zille
28. August, 2007 um 21:46
Wunderbar. Erinnert mich an Köln, Melatenfriedhof. Da gibt’s einen Sensenmann. Spooky.
5. September, 2007 um 17:42
Hey, die Bilder stammen ja alle von Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdwestkirchhof_Stahnsdorf
5. September, 2007 um 18:01
Vorsicht, Freundchen. Das ist Verleumdung. Copyright bei Bildern hier liegt immer zu hundert Prozent bei St. Burnster.