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Die sagen ‘Spring’!

You see I’ve got this soul it’s all fired up
(Interpol)

..und du fragst noch “Wie hoch?”. Denn du bist ein ernsthafter Zeitgenosse geworden. Ein ernsthafter Abteilungsleiter, ein ernsthafter Partner, ein ernsthafter Blogger und bald bist du allen Ernstes ein Mittdreißiger mit Restfeuer in der Seele, das du nicht mehr in allen Bereichen, in denen du es gerne willst, entfachen darfst. Das hat etwas mit Verantwortung zu tun, sagen sie und das klingt immer großherzig und rittertümlich.

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Aber damit machst du es dir zu leicht, denn eigentlich machst du es dir ja nur leichter. Dieses Wandeln in vorgefertigten Bahnen von Verantwortung bewahrt dich auch ganz opportun vorm großen schwarzen Abgrund der Perspektivenlosigkeit. Und ab hier riecht das Ganze dann doch streng schweflig nach faustischem Herumgepakte um eine perverse Art von Eskapismus. Weg mit der Freiheit, weg mit dem Exzess, aber her mit der Verantwortung und als Belohung für die Mühen das Seelenheil? Der Witz an der Geschichte: es funktioniert in den meisten Fällen. Ein Auflodern, ein Flackern und später dann im schlimmsten Fall ein paar mittelmäßig verheerende Flächenbrände. Die Seele bleibt ein Brandherd, aber die Feuer sind schneller und besser unter Kontrolle zu bringen. Mit Ernsthaftigkeit, mit Verantwortung und mit Ehrgeiz als Öl ins Fegefeuer der Eitelkeiten.

Doch bevor du dir an mediokren Feuermetaphern die Finger verbrennst, zurück zu dir: St. Burnster, der Brenner, der Leidenschafter, der Knochenbrecher, der Ehemalige. Der Alumni der Uni der Marginalrebellen. Was passiert mit dir und wie gefällt es dir? Du bist in einem Job, der dir mehr Aufmerksamkeit abverlangt als die Jobs mit 27. Du trägst Personalverantwortung und du trägst sie gerne. Mit einem Leckmichamarsch-Spirit morgens verkatert ins Großraumbüro, das könntest du dir mal leisten, aber als Lebemann vom Dienst bist du nicht eingestellt worden. Du schließt Kompromisse mit anderen Abteilungen und deinen Vorgesetzten, die du früher nicht geschlossen hättest, weil es deiner Sache, deinen Projekten dient.

Dann gibt es da eine Beziehung, die sich in rasanter Zeit als großes Ding herausgestellt hat und der du sehr gerne deine Zeit und nahezu volle Aufmerksamkeit neben dem Job widmest. Es spricht nix gegen ein paar Bierchen mit den Freunden und dem einen oder anderen Konzert, aber weiter ungerührt um die Häuser ziehen, dem ewigen Suff zu frönen und den Birds schöne Augen zu machen, erschiene dir derzeit nicht nur kontraproduktiv, sondern auch als infam gegenüber deiner Freundin. Also muss dieser Spaß einem Anderen weichen. Und das tut er gerne. Dein Körper dankt dir den Verlust von Rauschmitteln zwar noch nicht proaktiv, aber ich bin guter Dinge, dass ich auch passiv von den Ausschweifungen der letzten Jahre genesen kann.

So und dann sitzt du manchmal nachts vor deinem Notebook und fragst dich, wovon du denn den geschätzten Lesern berichten sollst. Wenn Berlin nicht mehr hässlich zu dir ist und du überwiegend nüchtern Texte verfasst und keine Bösartigkeiten mehr begehst, mit denen du dich gerne schmückst, wovon sollst du dann schreiben? Von den tausenden inneren Konflikten, den Selbstzweifeln, der Angst vorm guten Leben? Das kannst du nicht, das geht den Leser bei aller Liebe nichts an. Das kann er eh zwischen den Zeilen lesen.

Und so kommt es, dass du zwar auschschließlich deinem Instinkt, den besten Gefühlen und deinen Impulsen gefolgt bist und am Ende dennoch wie ein langweiliger Durchschnitts-Prenzlberger dastehst. Und da willst und brauchst du auch keine Absolution, denn es fühlt sich alles immer noch goldrichtig an, aber vielleicht interessiert es deine Leserschaft, wie ihr Chef dieser Tage leibt und lebt und wie hoch er springt.

Apropos, weiß jemand eine 3-4 Zimmer Wohnung für mich in Mitte?

20 haben herzlich gelacht bei “Die sagen ‘Spring’!”

  1. creezy sagt an:

    Hey,aber du hast Dir immerhin alle Mühe dieser Welt gegeben es ordentlich zu verkacken! Gut, dass Du in absehbarer Zeit aus dem Eigenheim am Wansee und zwischendurch hier und da von der Entbindungsstation bloggen wirst, kann man nicht ändern. Aber verdammt, Du haste es immerhin versucht … wie Bolle! ,-)

  2. Don Alphonso sagt an:

    Jo, bassd scho, om achdazwanzigstn Sebdemba bin i eh do und bring an Gastn Kneitinga.

    Af dem Buidl schaugst aus wia da aafghengte Eli Wallach im Leone seim Goad, Bäd änd Agli. Brachst oan, de di oweschiasst?

  3. frank sagt an:

    der exzess braucht ja wenigstens eine absicht. solang die noch da ist, ist nichts verloren.

    (“euphorie-ie-ie, ist eine strategie.”, schreit dirk von l. aus dem hintergrund. — oder so ähnlich.)

  4. Nerdcore — … sagt an:

    [...] Burnie. Brennt immer noch. [...]

  5. Rationalstürmer sagt an:

    “Ich wollte nie ein leidender Künstler sein” hat der Reyle mal der Süddeutschen erzählt, das ist mir grad eingefallen. Und außerdem macht sowas eh einen viel schlankeren Fuß, wenn man erst einmal in Grau melliert.

    Aber bittschön versprich, dassd die Bankertn nicht in einen Waldorfkindergarten steckst. Weil jeden Scheißdreck muss man dann auch wieder net mitmachen.

  6. max sagt an:

    nice, das graue foto im schwarz-weiß gemalten text…

  7. westernworld sagt an:

    [...] time is the fire in which we burn   [...]

  8. westernworld sagt an:

    Apropos, weiß jemand eine 3-4 Zimmer Wohnung für mich in Mitte?

    parkett schon aufgearbeitet, bedingung?

  9. Malcolm sagt an:

    Komisch… Einen Schritt vor dieser Stufe, bin ich umgedreht und in die andere Richtung gelaufen. Aber ich hatte viel zu lange diese ruhige Zeit. Diese Trägheit machte mich fertig, weil sie nicht freiwillig war. Das ist schon gut, was du da schreibst.

    Ich hoffe, dass wir uns in Berlin treffen und wir uns gegenseitig anstecken.
    Übrigens weiß ich einen guten, ruhigen Spieleabend mehr zu schätzen, denn je. Es muss noch nicht einmal Wein mit im Spiel sein..!

  10. St. Burnster sagt an:

    Creezy: Fürwahr, an meinen Engagement hats nicht gelegen.

    Don A.: Aber nimma den Bock, bitte. Der schießt mich weder afi no owi, sondern weg:)

    Frank: Dirk von Lowdown schreit so einiges wenn der Tag lang ist. Dem glaub ich schon lang nix mehr. Der will mir doch nur erzählen…

    Ratz: Spinnst etz? Solide Berliner Erziehung. Freidenkertum wird ex cathedra verboten. Am Ende werden die Schrazen noch solche Hardcore-Melancholiker wie der Papa.

    Westerworld: Nicht unbedingt.

    Malcolm: Ich bin ja kein Fan von Spieleabenden. Können wir nicht einfach einen saufen gehen;)? Die Trägheit ist die Gefahr, das mag sein. Aber soweit bin ich längst noch nicht hineingeschritten in die Chronologie der Etablierten. Für mich ist die Stille noch aufregend. Anyway, freu mich auf dich/euch.

  11. silka sagt an:

    ich weiss gar nicht wo ich gerade bin. ;)

  12. Malcolm sagt an:

    Saufen? Geht klar! Das kann ich noch!

    Und wer macht jetzt mit mir einen Spieleabend?!?

  13. MC Winkel sagt an:

    SCHAUT HER!
    Das ist er, der Butze! Mein Mann; man, kann der Mann schreiben, Mann!

    xoxo

  14. Opa sagt an:

    MC hat recht.

  15. kosmonautin. sagt an:

    schreiben kann er, der herr b. wie wahr, wie wahr.
    und springen muss er ja nich unbedingt.
    darf er aber ruhig.
    weil sein umfeld doch eigentlich – seitdem ich ihm das erste mal die hand reichen durfte – eine bunte hüpfeburg is.

    oder sollte ich mich irren?

  16. nath sagt an:

    - fallhoehe nimmt zu.
    nath

  17. Opa sagt an:

    Aber die freie Fallgeschwindigkeit ist eine Konstante. Empfehle Paragliding.

  18. Burnster sagt an:

    Silka: Dann schau dich noch ein wenig um.

    Malcolm: That’s my boy.

    Emme: Blut in meinen Wangen. Massig.

    Kosmo: Keineswegs. Wohlfeil gesprochen, Madame.

    Nath: Das perfekte Resümé, Nath.

    Opi: Ich versuchs.

  19. kid37 sagt an:

    Notebook ist noch viel zu mobil. Sie müssen jetzt Big Tower stapeln. Die wärmen auch im Winter, wenn man das Feuer braucht, das lange brennt.

  20. St. Burnster sagt an:

    Da ist was dran. Und Handy kommt auch gleich weg. Schnurvolles oranges Telefon mit Spiralkabel und Wählscheibe will ich.

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