Es gibt kein Happy End
“Aber was soll denn schiefgehen?” Sie sieht ihn mit großen Augen an. “Ich mag ihn doch und er mich und dieses Mal fühlt es sich realer an als je zuvor.”

“Ihr könnt euch auf den Kopf stellen, aber das hier wird nicht gut ausgehen. Ihr werdet eine Weile zusammen sein, dann werdet ihr euch trennen. Vielleicht, weil euch langweilig geworden ist, vielleicht auch, weil er dir zu schwach ist, vielleicht auch, weil du dich schon zu weit von der Wirklichkeit entfernt hat und er das nicht ertragen will. Mal sehen, wer schneller ist. Klar, jetzt sieht alles gut aus, aber wir alle stecken ja noch in den ersten Jahren. Früher oder später trennen wir uns alle. Welche Freundschaft, welche Beziehung, die ihr kennt und nachvollziehen könt, hat denn schon die Dekaden durchgestanden? Für Langzeitvertrauen gibt es die Verwandschaft und selbst auf die ist meist kein Verlass. Nein, nein, nein, am besten man stellt sich jederzeit und immer in Bereitschaft darauf ein, alleine zu sein. Denn das ist die Regel, alles andere sind Ausnahmen, mögen sie auch noch so lange dauern. Es gibt kein Happy End. Nichts geht gut aus, denn selbst wenn es gut ausgeht, dann senst irgendwann Gevatter Tod dazwischen und nimmt mindestens einen von beiden weg. Das als glückliches Ende zu bezeichnen, wäre doch mehr als zynisch. Drum lasst los, haltet euch an niemanden fest, denn ein Happy End gibt es nicht. Aber das sagte ich ja bereits.”
“Ach so.” konstatiert sie traurig. “Dann sollten wir’s also besser lassen.”
“Unsinn, nur weil das Happy End fehlt, muss der Film ja noch lange nicht schlecht sein. Kopf hoch. Das ist nur ein bisschen Liebe. Das geht vorbei.” sagt er und streicht ihr sanft über den Kopf.
12. Juni, 2007 um 10:24
Es … ist … nur … ein … bisschen … Liebe?
*schluck*
12. Juni, 2007 um 11:14
TAG will never die.
Dekaden, auch wenn man nicht täglich kommuniziert.
One!
12. Juni, 2007 um 12:29
One!
12. Juni, 2007 um 18:17
Endlich hat man jemand das nervige Happy End als lausiges Paradoxon entlarvt!
12. Juni, 2007 um 19:31
das ist doch auch eine art happy end. irgendwie. mich hat die “kein happy end”-aussicht auf jeden fall beruhigt und entspannt.
12. Juni, 2007 um 20:13
Selbsterfüllende Prophezeiung?
12. Juni, 2007 um 21:31
Na, na, Frau Rabe, da machen Sie es sich zu einfach. Ich gehe da eher mit der Entspannungsvariante.
12. Juni, 2007 um 21:40
Frustrierend gut getroffen ist die verfluchte Absehbarkeit der Ereignisse. In welchen Winkeln der Realität verstecken sich eigentlich die Überraschungen, die man mit seinem schweren Herzen aufwiegen möchte?
12. Juni, 2007 um 22:07
In den entlegenen möchte man vermuten. Ich sag: in den naheliegenden. So ein Schokocroissant am Morgen….hmmmm. Schmeckt manchmal überraschend lecker. Appetit beiseite. Die Überraschungen auf dem Weg zum tragischen Ende sind doch das, was das Happy End überflüssig macht, Weg = Ziel usw. Aber jetzt nur nicht zu Ethik-Slackern werden und frustriert auf die netten Überraschungen entlang des steinigen Wegs warten ohne, verehrtes Publikum.
13. Juni, 2007 um 00:03
So gut wie Hemingway (“Es kann keine glücklichen Lieben geben, denn selbst wenn, wird einer von beiden sterben und den anderen allein zurücklassen”), aber viel besser gemacht!
(p.s. Wie hält man es mit Wachshänden bei den Temperaturen derzeit? Lagern die Teile im Humidor?)
13. Juni, 2007 um 09:15
Nein, aber in den Kunstwerken im Untergeschoss. Da ist es recht kühl. Siehe mein Artikel über Joe Coleman. Bin zu faul für Hyperlink grade;)
13. Juni, 2007 um 11:26
Ernüchterte Sichtweise! Auf das immer absehbare Ende wurde ich vor nicht allzu langer Zeit auch aufmerksam gemacht. Ich kann dieser Sichtweise rundum zustimmen, aber mein Herz kann das (noch) nicht. Mein Herz glaubt immer noch an die unendliche Liebe (auch über den Tod hinaus). Dummes Herz!
13. Juni, 2007 um 13:57
Wenns einem die Wahrheiten zu brutal werden, gibt’s immer noch den guten alten Burndini und seinen besten Trick.
http://burnster.de/the-great-burndini/
13. Juni, 2007 um 14:24
Peng?
13. Juni, 2007 um 14:25
Falls Holger wieder im Keller ballern sollte, spring ich eigenmächtig runter und tret’ ihm die Wumme aus den Pranken!
13. Juni, 2007 um 16:32
Nee, nix Peng. Dem Autor geht’s wunderprächtig. Aber das will das Publikum ja nie hören. Und Holger, na ja, der ballert aus den selben ewigen Jagdgründen weiter, wenn du verstehst.
13. Juni, 2007 um 18:51
Bien sûr. Das freut mich jedenfalls.