Im Bett mit Don Alphonso

St. Burnster interviewt seine Leser

Unsereins ist ja immer glücklich wenn’s ein wenig scheppert. Das kann der Kollege Rationalstürmer sicher abnicken. Wir Bayern sind halt geborene Rumpler. Umso mehr freue ich mich, dass ich heute mein Bett mit dem deutschen Meister im Hineinbetonieren teilen darf. Er mag eine kontroverse Figur sein und manchen gegen den Strich gehen, aber wenn’s ihn nicht gäb, müsst ich am Ende noch hinlangen und ich hab doch genug hier mit meiner Großstadtprosa zu tun. Eines vergisst man gerne bei ihm: Er ist nicht nur ein big pimpin Watschenbaum und Krawall-Seppl, er ist auch ein ein begnadeter Entertainer. Das zeigt er uns im Folgenden und dass wir Bayern halt auch irgendwie alle miteinander können, is eh klar. Bühne frei für Herrn Don Alphonso im Bett mit St. Burnster, ein Tête-à-tête, das sich prima mit seiner jüngsten humanitären Mission in Berlin verbinden ließ, wie man auf dem Foto sehen kann.

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Seit wann liest du St. Burnster?
Ziemlich genau seitdem ich aus Berlin weg bin, Mitte 2005

Wie bist du auf mich und meine Seite gekommen?
Über die Blogroll von Modeste und auf ihre persönliche Empfehlung hin.

Was ist deine Lieblingsgeschichte?
Das ist fast alles, was Du über München und Grafentraubach schreibst. Weil es nah dran ist an meiner eigenen Geschichte.

Was magst du an St. Burnster?

Den Gegensatz, der auch der Meinige ist: Der Bayer, der weiss, wie grausam die Provinz und wie nichtig München sein kann, dann in Berlin landet und sich an dieser Stadt abarbeitet, die ihn ums Verrecken nicht haben will, weil er immer ein Bayer sein wird. Sie wird ihn in manches Bett und mitunter einen guten Tag haben lassen, aber am End spuckt sie einen aus wie eine Fliege im Bier, und dann hat sie einen sofort vergessen, weil wieder andere Bayern kommen und diese Erfahrung machen. Kurz: Die Seelenverwandtschaft.

Warum bist du so ein Raufbold?

Ich bin manchmal ein Raufbold. Weil mich die gschleckte Art mancher Leute ankotzt. Die nie irgendwas direkt sagen und immer hintrücks kommen. Diese bloggenden Schwaben und vorbalkanischen Ösis samma zwieda. Und wenn man hinlangt, soll man hinlangen. Dass ich deshalb der deutsche Meister im Hineinbetonieren bin – mei, irgendwo muss Bayern eben vorne sein. Wenn schon der FCB den Freischwimmer in der Brennsuppn macht.

Was sagst du zu dem Vorwurf, du würdest nur im Netz den Knüppel auspacken? Wie sieht’s mal mit privaten Prügeleien aus?
Geh weida, i kum von da Schanz. Was in Berlin zur Folge hatte, dass sämtliche Zeitungen über den Irrsinn an den Schulen berichteten, war bei uns damals selbst im Gymnasium ziemlich normal. Dass wir uns mit den Geodreiecken blutig gestochen haben, war keine Erfindung, sondern ernst. Wir hatten Rabauken aus den Dörfern an der Schule, ich war DIE ethnisch-religiöse Ein-Personen-Minderheit, und aufgehört hat es erst, als ich intensiv Sport betrieben habe und dann als Windsurfer und Rennradler paroli bieten konnte. Und auch heute würde ich mir nicht blöd kommen, wenn ich in der Reichweite meiner Beine wäre.

Bekommst du Drohmails?
Klar. Aber keine mit Adresse. Sonst würde ich nämlich vorbei kommen. Allerdings nicht allzu viele. Mein Clan wehrt sich traditionell nicht nur mit Flinte, Gewehr und Messer wie mein Opa, sondern mittlerweile auch durch einen Haufen selbstgezüchteter Juristen.

Was würdest Du tun, wenn ich auf St. Burnster plötzlich Toyota testfahren würde? Ich habe übrigens früher einen Tercel Kombi gefahren.
Und ich einen Subaru Libero 4WD. Das war ein Spaß in der Kiesgrube vom alten Donaubauer. Ich würde Dir eine Mail schreiben und sagen, dass es nicht zu Dir passt. Zefix, Du kommst aus Grafentraubach, dann mach Dich gefälligst mit einem 3er Blechdach-Cabrio zum Gschpött.

Du gibst ja schon gerne mit Stadtpalast, Cabrio und Weibern an. Ist das der Südländer in dir oder warum zeigst du uns dauernd wo der Bartler den Most holt?
Wer ko, der ko. Im Ernst, warum sollte ich mich marktgängig lügen? Wir haben einen Stadtpalast aus dem Jahr 1600 mit 53 Zimmern. Jetzt schon seit 150 Jahren. Und ich habe einen Roadster. Weil meine kleine Schwester den ihren nicht mehr wollte und mir der Punto auseinader gefallen ist. Und meine Liebste kommt im Blog nicht vor. Es is hoid aso.

Ich bin ja schon gerne schadenfroh, wenn wieder ein Arschloch von dir aufs Maul bekommt, aber irgendwie fürchte ich den Tag, wo’s auch mal mich erwischen wird. Führst du eine Abschussliste?
Ja. Für Österreicher, Schwaben, Preussen und PRler. Na, aufs Maul haben vielleicht 20, 30 Blogger was bekommen, von ein paar hunderttausend, und das auch nur, weil sich immer keiner traut, dem Arschloch was aufs Maul zu geben. Und irgendwann bin ich dann so geladen, dass sie eben beim Scheissen der Blitz trifft.

Den MC Winkel magst du ja nicht. Ich bin ja mit dem schon nicht undicke. Wirft das ein schlechtes Licht auf mich?
Der Winkel ist mir privat wurscht, und er wird Dich auch nicht beim Becks vollsülzen, wie geil er Opel, Coke und Videospiele findet, und wofür er sich sonst noch linienmässig hergibt. Aber wenn er den Werbeclown unter den Blogs gibt, dann sag ich halt, was für ein Werbeclown er ist.

Was für Kapriolen haben wir Bayern von einer fränkischen Führung unter Beckstein demnächst zu erwarten?

Ich hätt nie geglaubt, dass einer von denen mal Ministerpräsident wird und schon gar nicht der eine da. Er wird dafür sorgen, dass Bayern so bigott, rückständig, korrupt, wirtschaftlich erfolgreich und bierdimpflig bleibt, wie es nun mal ist. Aber er ist als Franke schwach und wird es nicht lang machen. Mehr Spass erwarte ich mir vom Huber Erwin, das ist ein Komödiant, der es sicher noch weit bringen wird, mit all seinen Freunden und Amigos. Die Staatspartei ist ein unausrottbares Übel, aber diese beiden Apparatschiks im Gespann werden es schaffen, das Ungetüm weiter zu ruinieren. Denn auch Bayern ist nicht mehr so wie früher, die jungen Leute sind anders, sie ficken durch den Tennisclub, lassen sich scheiden und waren sogar mal in München, und den Spagat kriegt die CSU nicht mehr hin.

Findest du es in Ordnung, dass Blogger gegenseitig miteinander schlafen? Hast du schon mal mit einer Bloggerin den Lattenrost überprüft?
Und den Fussboden und den Perserteppich und die Badewanne. Aber das ist eh unvermeidlich. Die Blogosphäre ist so fickfreudig wie dasTanzhaus A9 in Lenting nach der Betonmass-Time. Es redet kaum einer drüber, aber wer länger dabei ist, weiss, wie es läuft. Weniger da, wo ich jetzt bein, weil hier gibt es kaum Blogger ausser den Elitessen von der Wirtschaftsuni, aber in den größeren Städten und besonders Berlin ist das längst normal. Und bislang läuft das alles auch bemerkenswert diskret ab. Ich warte ja nur darauf, bis sich mal Eine durch die männliche Blogosphäre nascht und dann darüber ein Blog führt.

Du hast mir in einer spektakulären Mission unter Einsatz deines Lebens einen Kneitingerbock von Regensburg nach Berlin überführt. Selber trinkst du aber kein Bier. Wie verträgt sich das mit deinem Bayernbewusstsein?
Es is a so: Ich hab halt nie damit angefangen. Hat nicht zum Sport gepasst, weder zu den Brettern noch zum Radeln. Und ich habe auch ein paar wüste Parties in Austraghäusern im Donaumoos erlebt und wie sich dann ein paar Deppen in die Bäume gefahren haben. Oder wie sich meine Freunde während der Bundeswehr um den Verstand gesoffen haben. Da, wo ich herkomme, ist Saufen vollkommen normal, in der Audi gab es Leute, die haben am Tag einen halben Kasten gesoffen und sind dann hinterm Steuer heimgefahren. Da hab ich mir gedacht: Nein, das ist nichts für mich.

Du hast immer einen rechten Appetit, stimmt’s?
Ja. Sowieso. Ich komme aus einer Familie, für die das Essen stets im Zentrum der Bemühungen stand. Meine Oma hat nie gesagt, dass die Familie reich war, sie hat es so ausgedrückt: Bei uns war immer wos Fleischads am Tisch. Jeden Tag Fleisch war Luxus zu der Zeit, als sie jung war. Ich bin zwar Vegetarier, aber wie viele in der Region definiere ich mich dennoch durch den Genuss. Zweimal Wochenmarkt gehört einfach dazu, und man kann in Bayern immer über’s Essen reden. Am Montag war ich im Altmühltal auf einem Berg, da kam mir einee Frau mit Hund entgegen. Ich hab ihn gestreichelt und gesagt, dass ich leider nichts dabei hab, dann hat sie gesagt, dass er schon beim Frühstück was abbekommen hat, und dann stehen zwei wildfremde Bayern auf dem Berg und reden über einen kugelrunden Hund hinweg eine halbe Stunde über das Essen. Für einen Bayern ist das ganz normal, es macht einen auch nicht fett, aber woanders hat man das nicht so. Daher wirkt mein Blog verfressen, ohne dass ich es wäre. Neben diesem Interview habe ich nur einen Feldsalat gegessen. Mit gedünsteten Austernpilzen und gebratenem Haloumi, dazu Rucola, Bärlauch, Balsamessig und Olivenöl vom Gardasee, sowie Kümmelkuppeln, die um 11 aus dem Backofen kamen und noch warm waren.

Was ist das Schönste an Ingolstadt?

Die Autobahnauffahrt nach München. Nein, im Ernst, die Stadt ist wirklich schön, voller Geschichten und Geschichte, was ich erst in Berlin begriffen habe. Erst dachte ich, ich könnte hier nichts berichten, denn ich habe mein Blog eigentlich aufgemacht, um aus der Fremde zu berichten. Inzwischen aber weiss ich gar nicht mehr, wohin mit all den Geschichten aus der Provinz – und die Leute lesen es. Die Menschen hier sind sehr, sehr freundlich. Mitunter Rassisten und braune Kackbratzen und völlig akulturelle Idioten, aber dennoch, die Stadt ist wirklich lebenswert. Das Schönste? Meine Dachterasse mit Blick auf ein Hauptwerk der Brüder Asam, wo ich gerade sitze (16 Grad), den Salat esse und das hier schreibe. Es ist in der Stadt, aber gleichzeitig drüber. Ohne Internet wäre es natürlich unerträglich.

Berlin gefällt dir ja nicht so dolle, hab ich den Eindruck. Was kannst du Berlin dennoch abgewinnen?
Der unfasbare frühere Reichtum, der bei den Antikhändlern zum Vorschein kommt. Berlin war vor den Nazis tatsächlich die einzige Stadt neben München, die den Namen verdiente. Wer was konnte – Brecht, Fleisser, Feuchtwanger – ging nach Berlin. Und das merkt man bis heute an dem, was die Berliner wegwerfen. Ich esse meinen Salat von einem in Berlin gekauften Geschirr von Arzberg, klassische Neue Sachlichkeit, mit Berndorfer Tafelsilber aus Berlin, daneben steht eine Art Deco Tänzerin, und all das will Berlin nicht mehr haben. Was bleibt, hasse und verachte ich – den Müll, das Kaputte, die Chancen, die zertrümmert werden. Der Westen ist Landowsky, der Osten Mielke, und dazwischen ein Spielplatz für junge Leute, die eine Weile dort sind und dann wieder verschwinden. Weil der Müll, die Armut, die Lüge und die falschen Versprechungen auf Dauer unerträglich sind.

Wie beurteilst du aus der Ferne meine Heimat Grafentraubach? Können wir den Ort bitte noch etwas berühmter machen?

So weit ist das ja nicht. Grafentraubach liegt ja bei Straubing, was ein Vorort von Regensburg ist, was als Perle der Oberpfalz wiederum seine alten Kadaver nach Bad Abbach zum Kuren schickt, was bei Neustadt liegt, wovon es gerade mal stinkende 12 Kuhkäffer nach Ingolstadt sind… man sieht also, wir sind eigentlich Nachbarn. Ich glaube, dass Du Grafentraubach unterschätzt. So, wie ich Ingolstadt lange Zeit unterschätzt habe. Man kann da schon sein, wenn man mobil ist und ein- zweimal im Monat rauskommt. Es ist nicht schlimm, wenn ein Dorf sauber ist. es ist in Ordnung, wenn der Bäcker weiss, wer man ist. Natürlich hat Grafentraubach eine Website, bei der man glauben würde, das ist eine kranke Parodie, besonders mit dem Panzermuseum, aber man kann sich das Beste raussuchen. So wie der Mitte-Berliner nie nach Neukölln oder Mahrzan kommt. muss man in Grafentraubach auch nicht in den Reservistenverein. Ich bin alles andere als ein Christ, aber wenn man durch die sanften Hügel am Donau- und Labertal entlang fährt, dann muss man ab und zu zugeben, dass es ein gesegnetes Land ist, trotz Allem.

Was willst du den Lesern von St. Burnster sagen?
Irgendwann machen wir mit Mek eine Bayerisch-Tirolerische Exillesung im Berliner Bergstüberl, und wer dann nicht kommt, wird bis ins dritte Glied Opel Astra fahren müssen.

***
Bunster war bereits im Bett mit:
St. Burnster
Barbara Blender
MC Winkel
Markus Kavka

Ältere Kommentare

62 Kommentare zu Im Bett mit Don Alphonso

  1. dieJulia
    5. April 2007 at 15:54

    Wenn der oder die Presswurst sagt, alle Blogger sind deppert, dann ist das genauso, wie wenn einer sich hinstellt und sagt: ich hab einen Haß auf die Türken. Oder die Italiener. Oder die Österreicher. Oder die Schwaben… (Liste beliebig erweiterbar), weil die sind ja vom Charakter her eh alle gleich und Arschlöcher, zumindest de mehran. Und mir san mir und sowieso super.

    Es kommt nur immer drauf an, auf welcher Seite man steht.

    Tschuldigung, aber da konnte ich jetzt nicht widerstehen. ;)

  2. Rationalstürmer
    5. April 2007 at 17:19

    @ Burnstl: Hihi.

    @ Julie: Das ist jetzt wiederum nicht ganz richtig. Völlig d´accord bin ich mit dir, was die Würschtl angeht, da wärs schon eine Extrempauschale, wenn man hergehn tät und sagen, dass das eh ollezaum Oaschlecha san. Bei die Schwaben hingegen (i söba aa, notabene) trifft das durchaus zu.

  3. Marc | Wissenswerkstatt
    23. Juni 2007 at 14:20

    Mann, Mann, Mann… stoße erst heute auf diese nette Gespräch der beiden Herrschaften. Und man lernt so einiges über den sinnlich, genußfreudigen Herrn Alphonso. Sehr informativ also. Neu ist mir allerdings, daß bloggende Schwaben eines der Hauptübel der Blogsphäre sind. Mir sind noch keine begegnet, muß mich in Zukunft mal umschauen.

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  5. […] eine Zeit in Berlin verbracht. Richtig glücklich wurde er da nach eigenem Bekunden aber nicht. Bei St.Burnster hat er das Gefühl beschrieben, wie es ist, ein Bayer in Berlin zu sein. “Der Bayer, der […]

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