Breaking News: Burnster beichtet

Die von Thomas von Aquin empfohlene Laienbeichte erscheint mir dieser Tage das einzig probate Mittel, um mich von der tonnenschweren Schuld zu erleichtern, die sich im Laufe meiner anderthalbjährigen Bloggerexistenz auf meinen Schultern angesammelt hat. Ja, ich hab euch belogen, ich hab euch beschissen und ich hab es genossen. Ich hab wild durch die Gegend kommentiert und den Leuten ihr Vertrauen aus der Tasche gezogen, kurz: Ich war ein ganz böser Junge. Doch eine Zeit der Veränderung steht ins Haus und das ist immer auch eine wahrhaft gute Gelegenheit zur Läuterung. Deshalb bin ich gemäß meiner streng katholischen Erziehung zurück in die Arme der Kirche geeilt, habe in der St. Emmerans-Kirche in Regensburg einen Beichtvater und den dazugehörigen Stuhl aufgesucht und alles rausgelassen. Die Mütze habe ich aufgelassen wegen Bad Hair Day und so. Hier ist das erschütternde Protokoll meiner ersten und brutal ehrlichen Blogbeichte. Das Beichtgeheimnis betrifft doch nur den Priester, oder? Here’s to Absolution:

Ich bereue, daß ich Böses getan und Gutes unterlassen habe. Erbarme dich meiner, o Herr. Und jetzt halt Dich fest:

Ich habe zahlreichen Lesern ein RSS Abo für 10,99€ im Monat verkauft, obwohl auf meinem Werbeflyer 8,99€ als Sonderpreis angegeben war.

Ich hatte mal El Commandante auf meiner Blogroll.

Ich unterhielt sexuelle Zusammenkünfte mit Bloggerinnen.

Ich maile heimlich mit Don Alphonso.

Ich wusste nicht was Blogs sind, bis Jamba-Johnny kam.

Ich habe Fons Tensfelder nur erfunden.

Der Rationalstürmer ist in Wirklichkeit gar nicht so stürmisch.

Liz war zwar wirklich meine Praktikantin, hat aber nie einen Lebenslauf geschickt. Dafür ein Ganzkörperfoto.

Ich besaß die Telefonnummer von Lisas bester Freundin vor ihrer.

Kid 37 ist mein Idol.

Edi Neo-Bazi ist nur mein Leihopa.

Ich habe Burnster.de nur ins Leben gerufen, weil mir in meinem alten Job so saulangweilig war.

Ich bin bei Open-BC.

Ich wäre gerne in den Top Ten der deutschen Blogcharts.

Ich habe verstohlen bei Bloggerlesungen auf die Uhr geguckt.

..fand’s aber trotzdem super, anderen meinen Rotz vorlesen zu dürfen!

Ich lese immer noch Poodlepop.net.

Ich dachte lange, Sebas wäre eine Frau.

Ich hab das mit dem RSS-Feed heute noch nicht so richtig verstanden.

Ich finde die Frisur von Felix Schwenzel total lässig.

Und ich hätte gerne so lange Haare wie Sascha Lobo.

Ich stöbere bei Myspace in den Profilen junger Mädchen herum.

Ich beneide Naughty James immer um alle seine Freundinnen.

MC Winkel und ich glauben wirklich, dass wir die Allergeilsten sind.

Ich hab mich nur deshalb aus der Opel-Diskussion herausgehalten, weil ich an dem Tag in Köln war.

Ohne das kleineF wäre mein Bloggerleben ein Stückchen langweiliger gewesen.

Ich pöble gerne in den Kommentaren, lese aber nicht weiter nach was dann passiert, damit ich mich nicht aufregen muss.

Ich habe entgegen landläufiger Meinung nicht mit Miss Glitter geschlafen.

Ich habe schon das ein oder andere Bloggertreffen mit fadenscheinigen Ausreden geschwänzt.

Am Nordstrand gibt es weder Sand noch Meer.

Ich lese bei jeder Tageszeitung nur den Sportteil.

Ich bin FC Bayern- und Wrestling-Fan.

Auch ich schreibe an einem Roman.

Ich habe schon einmal bei einem Herbert Grönemeyer Song geweint.

Ich jogge.

Ich blogge.

Ich kommentiere am liebsten volltrunken.

Ich finde Jens Scholz total langweilig.

Ich hab schon wieder die aktuelle Telefonnummer von Ole aus Absurdistan verlegt.

Ich finde Bloggen manchmal total peinlich und schäme mich nachts.

Ich finde mich attraktiver als 90% aller Blogger.

Viele Artikel befreundeter Blogger lese ich nicht zuende und greife bei meinen Kommentaren Stellen aus der Mitte heraus, um den Eindruck zu vermitteln, ich hätte den Post aufmerksam durchgelesen.

Manchmal könnte ich die ganze Welt umarmen.

In manchem meiner Beiträge aus den B-Files geht es um meine Ex-Freundin. Ja genau, dich meine ich.

In vielen anderen allerdings nicht.

Manchmal lüge ich wie gedruckt hier.

Ich bin gar nicht katholisch, sondern längst aus der Kirche ausgetreten. Ultrasorry, Herr Pfarrer. Ja, ich geh ja trotzdem hin und tue Buße.

Und weil’s so schön weh, aber auch gut getan hat, will ich jetzt auch euer Beichtvater sein. Her mit euren Sünden!

(Foto von Florian Seiler)

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56 Kommentare zu Breaking News: Burnster beichtet

  1. Jens
    9. Dezember 2006 at 15:11

    Das ich langweilig bin ist doch nix neues.

5Pingbacks & Trackbacks on Breaking News: Burnster beichtet

  1. […] Da haben ganz andere schon vorgelegt und das Wasser reichen kann ich denen nicht, aber ich muss einfach beichten, denn ich habe gesündigt. Und ich tu es immer noch, und gern obendrein, da werden ein paar Gebete nicht reichen. Und dabei beschränke ich mich noch – auf das, was ich bei anderen (Batikblunzen! Liegeradfahrer! Altbauwohnungseigentümerlehrerpaare! Gnaaaa!) besonders gerne kritisiere: Stillosig- und Spießigkeiten. […]

  2. […] Lisa Neun beichtet. Einige andere auch. Find ich gut! Jeder sollte das tun. Gerade in der Weihnachtszeit. […]

  3. […] Es gibt Dinge, über die rede ich in der Regel nicht. Das sind keine gesellschaftlichen Tabus oder Geheimnisse, das sind Dinge, die ich mir nicht vor Augen führen will, damit die Unvollkommenheit meiner Lebenssituation nicht über mich herein bricht. Man nennt das Verdrängung. Für burnster.de will ich aber heute mal eine kleine Ausnahme machen und die Dinge beim Namen nennen, die zwar wahr, aber eigentlich zu schlimm, um wahr zu sein sind. Ihr könnt es auch als eine Art Fortführung meiner ersten Beichte betrachten. […]

  4. […] Die Idee zur ersten deutschen Blogbeichte kam mir auf meinen Kreuzfahrten durch die Kirchenschiffe meiner Heimat, aber meine Beichte war ein schlechter Witz gegen dieses Stück Literatur eines guten Freundes. Und vom Hoch- ging es dann auch gleich ins Tiefamt, wo man extra für mich zwei Amtsschimmel auf einander losließ, wie sie gegensätzlicher und im Grunde genommen ähnlicher nicht sein können. Angesichts drohender Ortsveränderung in Richtung Spanien, musste ich dann doch noch was über Heimat im Allgemeinen und Besonderen loswerden. […]

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