Out On The Weekend

Think I’ll pack it in and buy a pick-up.
Take it down to L.A.
Find a place to call my own and try to fix up.
Start a brand new day.

(Neil Young – Out On The Weekend)

Nach einem sportlich und spirituell höchst erfüllenden Freitagnachmittag, dachte ich am Abend: Wenn am Samstag schon die 12 Blogger lesen, dann kann ich am Freitag auch zu den 85 DJs im Privatklub in Kreuzberg gehen. Gesagt, getan, getanzt, getrunken, gefeiert, versunken. Das böse Erwachen folgt am Samstag nach gefühlten 5 Minuten Schlaf: “Hallo, hier ist Philipp. Hast du Hundeallergie?”
Ich knurre was von “Kein Bock auf Hunde, wer zur Hölle bist du?” in den Hörer, höre mir noch die Antwort an und bleibe dann mörderisch verkatert im Bett liegen, alle Viere von mir gestreckt aber leider hellwach. Später fährt mich meine Schwester zum abgewracktesten Plusmarkt ganz Ostberlins, wo ich in einen VW Kombi mit Comic-Kondomen auf der Schiebetür steige, der mich mit ein paar kleinen Umwegen wegen hirntoter Hippiemitfahrer in läppischen 3,5 Stunden nach Hamburg bringt und das mit geschlossenen Fenstern bei gefühlten 50 Grad Innentemperatur.

Haut mir aufs Maul oder probiert es zumindest, aber die Blogger die an dem Abend im Fool’s Garden gelesen haben, gehören zur Creme De La Creme dieser zweifelhaften Jugendbewegung. Nicht nur wegen ihrer Texte, sondern weil sie Auren, Stimmen und Pointen zum Juhuschreien besitzen. Dass wir Blogger notorische Schulterklopfer sind und uns dabei auch manchmal selbst blaue Flecken zufügen, ist ja hinlänglich bekannt, aber diese Veranstaltung hat mich persönlich davon überzeugt, dass diese Szene genug literarische (ja, ich sage literarische, das böse Wort, ich habs gesagt) und/oder humoristische Substanz bietet, um einen ganzen Abend lang jegliches Publikum zu unterhalten. Jegliches and this is my fucking Ernst, Fritz! Ich selbst kann mir da von manchen noch eine gehörige Scheibe Vorlesetalent abschneiden, soviel ist sicher. Zudem war der tolle Zirkus superlativ moderiert von einem gewissen Herrn Paulsen und brilliant ausgetüftelt von Emma Winkel und Chicita Mequita.

Auch wenn der exzessive Aftershowglow ausblieb, nüchtern war ich am Ende dann doch wieder nicht mehr und so schleiche ich am Sonntagmittag erneut mittelschwer verkatert (Ja, Lu, ich trinke zuviel, ich weiß) zu meiner Mitfahrgelegenheit, die mich schon mit einem dauernölenden Kreuzberger Gothikpunker und seinem fetten weißen Köter namens Lauriette erwartet. Warum habe ich nur nicht behauptet, ich hätte Hundeallergie? Gerne hätte ich neben dem hübschen Mädchen aus Heidelberg auf dem Rücksitz Platz genommen, doch der Preis ist mir zu hoch, denn dann hätte das weniger hübsche Hundemädchen aus Kreuzberg es sich auf meinem Schoß bequem gemacht. Da ich seit frühester Kindheit und spätestens seit Lu’s Walter sowieso keinem Hund über 0,80 cm mehr über den Weg traue, lasse ich das Menschenmädchen Menschenmädchen sein, setze mich auf den Vordersitz und diskutiere mit dem Fahrer über die Glanzzeiten von Stewart Copeland und Wayne Krantz. Der Gothikpunker spielt mir auf seinem Handy zwischenzeitlich das Intro zu seinem aktuellen Horrorhörspiel mit viel Hexen und Eingeweiden vor, dann schläft er gottseidank ein, während Lauriette alleine hinter mir vor sich hin haart und stinkt. 50 km vor Berlin erwacht mein neuer Punkerfreund und verfällt in einen erbarmungslosen Icke-wa Redefluss, der selbst durch gezielte Lautstärkenachregelungen der Stermann & Grissemann Sendung auf Radio 1 nicht eingedämmt werden kann.

Nach Einlaufen in den Heimathafen genehmige ich mir erstmal einen Eiskaffee, drei Stücke Focaccia und ein paar Wodson Apples und denke so ganz still und leise bei mir: Jetzt war’s eh schon so ein tolles Wochenende und dann biste auch noch das 20. Mal Meister geworden.

18 haben herzlich gelacht bei “Out On The Weekend”

  1. Juri sagt an:

    20x schon, wa?! Gratulation FCB!
    Jetzt steigt Wolfsburg noch ab, Cottbus auf und alles ist gut in Fußballdeutschland!

  2. Malcolm sagt an:

    Burnster, schneid dir mal keine Scheibe nirgends ab! Die Kleine war hellauf von dir begeistert und das hatte ausnahmsweise nichts damit zu tun, dass da ein Musiker auf der Bühne war!

  3. Lu sagt an:

    die soll sich mal schön hinten anstellen, ich hab ihn zuerst vollgeschwitzt.

  4. sabbeljan sagt an:

    den letzten satz kann ich irgendwie nicht deutlich lesen….(eMC, so geht das doch nicht, oder? naja, meister der herzen ist ja auch was)

  5. frl.fuchs sagt an:

    eine ganz feine lesung: gelacht, getrunken, geschwitzt, geguckt, gejohlt, gefreut. kompliemnte an alle lesenden und organisatoren – spitzenjob gemacht!

  6. MC Winkel sagt an:

    Wie was Meister?

  7. Ole sagt an:

    Über Wayne Krantz (ich liebe immer noch “Long to be loose”) und Copeland hab ich schon verdammicht lange nicht mehr diskutiert. Das wär eigentlich mal was, jetzt, im Frühling…

  8. Burnster sagt an:

    Ich kann dir ja die Nummer geben, Ole. Dann kannste da auch mal mitfahren und mitdiskutieren. Oder du gründest gleich selbst eine Mitdiskutierzentrale.

  9. Ole sagt an:

    Ei je… mal schauen. So dringend notwendig ist es dann auch nicht wieder derzeit. :)

  10. Julia sagt an:

    Jetzt habe ich schon so viele verschiedene Beiträge zur Bloggerlesung gelesen! Und jedes Mal habe ich gedacht: Ich wäre gern dabei gewesen!

  11. DonnaVivace sagt an:

    Nun haste es ja hinter dir, Burnster. :-) Außerdem haben die Bayern sich angestrengt und den Titel mal wieder eher eingefahren. Wenn das kein Grund zum Feiern ist. ;-)

  12. Ole sagt an:

    Die Bayern haben ihn ja verdient gewonnen, den Titel. Nun hoffe ich, dass meine favorisierten Bremer immerhin noch die direkte CL-Quali herausschießen am nächsten Wochenende.

  13. Burnster sagt an:

    Da werden einige Hamburger Fans was dagegen haben.

  14. Rationalstürmer sagt an:

    Die Meisterschaft stellt unser junges Glück aber echt auf die Probe, Burnse.

  15. Burnster sagt an:

    Gar net, immerhin habts es drinadbleibm dürfen. Da samma quit, dad i song.

  16. mek sagt an:

    Meister Burnster, vonwegen kein Vorlesetalent. Die Cowboys haben richtig gerockt und nach Staub gerochen.

  17. Ole sagt an:

    Wie hier und an anderen Stellen ja schon gesagt wurde: “Fußball ist ein Spiel, das erst durch die Anwesenheit einer gegnerischen Mannschaft kompliziert wird.” Klar haben Hamburger Fans was dagegen, aber irgendwer hat immer was irgendwogegen. Und ich als Werderaner habe zwar keine der sonst üblichen HSV-Abneigungen und mag die Truppe ebenfalls, aber im Zweifel für den Liebling, da sehe ich dann auch mal großzügig darüber hinweg, dass es anderen womöglich nicht passt…

  18. St. Burnster » Blog Archive » Do Look Back In Anger (5) sagt an:

    [...] Nach einem Ausflug in die Heimatlyrik meiner Studentenzeit, ging es nach Hamburg auf die “Blogger lesen in den Frühling”-Veranstaltung und dort bekam ich saftig die Grenzen meiner bloggenden Selbstherrlichkeit aufgezeigt. Es war eine großartige Veranstaltung mit Entertainmenttalenten wie M-Raw Winkel, dem unglaublichen Herrn Paulsen und meinem Lieblingsgruftie Kid 37. Aber selbst diese Lektion in Sachen Demut hab ich bestens verkraftet, wie man hier nachlesen kann. [...]

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