Die Burns Verschwörung (7)

Folge 7, in der ein scheinbar glückliches Ende ohne Schrecken einem Schrecken ohne Ende Platz machen muss.

Heike Makatsch nimmt die Pfanne mit den gerösteten Kartoffeln vom Herd und stellt sie auf einen Teller. Dann schneidet sie das Fleisch in dünne Scheiben während ich ein wenig Honig auf den bereits angemachten Salat träufel. Dann zünde ich die Kerzen auf dem Tisch an und lösche das Deckenlicht, während Heike das Fleisch und die Röstkartoffeln auf den Tisch stellt.

„Heute ist also unser Einjähriges.“ Sie schaut sie mich heraursfordernd an. Ich liebe ihre heisere Stimme.

„Ja, ich hab dich so oft im Prenzlauer Berg herumlaufen sehen, aber ich hätte nie gedacht, einmal mit dir hier am Nordstrand zu sitzen. Bei Monsieur Vuong, im Schwarzsauer, im Haliflor, im Schokoladen. In jeder beschissenen Szenebar hab ich dich gesehen und jetzt sitzt du mit mir hier am Nordstrand in meiner Küche, das Fenster zur Berliner Nacht steht weit offen und die warme Luft einer duftenden späten Mainacht weht um unsere Gläser Chardonnay. Heike, du bist ein Feuerwerk für mich.“

„Netter Versuch, du Schleimer“, sagt sie, aber lächelt dabei über beide ihrer tollen Ohren. „Aber du hast den unromantischen Teil unterschlagen. Den mit diesem irren Tensfelder, den mit der Autobombe, den mit der Verschwörung, den mit deinem toten Freund Rationalstürmer.“

„Ich habe auch keine Lust mehr, daran zu denken, süßes Makatschki. Es zählt das Hier und das Jetzt. Den Typen, der sich Tensfelder nannte haben sie in eine Anstalt verfrachtet und ich habe Ole aus Absurdistan gebeten, mich aus der Sache rauszuhalten. Auch Neo-Bazi hat sich bei mir in einem langen Brief für meine Verluste entschuldigt und es sieht so aus, als wäre dieser ganze Verschwörungskram zumindest an mir spurlos vorüber gegangen.“

„Nicht ganz spurlos, mein lieber Brennhase. Schließlich bin ich dir geblieben, nachdem du mich gegen diesen Tensfelder verteidigt hast.“

„Na ja, ein Trauma bleibt immer zurück.“ Ich lächle breit, doch sie tritt mir trotzdem unter dem Tisch gegen das Schienbein. Ich mag diese Frau. Ich mag sie wirklich gerne. Wenn sie nur nicht so viel unterwegs wäre.

Morgen muss sie schon wieder auf einen Dreh. Ich glaube, sie spielt Wortschnittchen in einem Film über Berliner Blogger. Don Dahlmann wird von Axel Prahl verkörpert, Modeste von Minh-Khai Phan-Thi und mich sollte Kai Wiesinger spielen, wogegen ich Sturm gelaufen bin, so dass mich jetzt Ken Dukem mit schwarzgefärbten Haaren spielt. An den Haaren herbeigezogen ist auch die Handlung, in der eine Berliner Bloglesung zu einer Orgie ausartet und die gesamte Blogszene erst im Bett und anschließend in einer psychologischen Hetzjagd im Netz über einander herfällt. Ach ja, Fritz Wepper spielt Don Alfonso und MC Winkel spielt sich selbst in einer Gastrolle. Das kann doch nix werden.

Heike und ich essen, dann legen wir uns auf mein Sofa, schauen die letzte Wrestlemania auf DVD an und knutschen dabei. Nach dem dritten Match gehen wir ins Schlafzimmer und schlafen miteinander.

Als wir schon längst friedlich schlummernd Kopf in Arm nebeneinander im Bett liegen, zersplittert das Schlafzimmerfenster und mit einem dumpfen Schlag landet eine Tüte auf dem Boden. Ich schrecke auf und springe aus dem Bett, hin zu der Tüte. Ich hoffe inbrünstig, mich zu täuschen, als ich ein Büschel graue Haare aus ihr hervorragt. Ich stoße die Tüte leicht mit dem Fuß an und ich wünschte ich würde nicht sehen wie der Kopf von Fons Tensfelder mit leeren Augen vor meine Füße rollt.

„Alles in Ordnung, Schatz?“ höre ich Heikes ängstliche Stimme hinter mir.

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19 Kommentare

  1. Bis auf das, dass du Hundsfott unterschlagen hast, dass in dem Film über die Blogger der Geist von Hamlet meinen Geist spielt (Sterben, schlafen. Nichts weiter! Und zu wissen, dass ein Schlaf das Herzweh und die tausend Stöße endet, die unsers Fleisches Erbteil. ’S ist ein Ziel, aufs innigste zu wünschen. Sterben, schlafen. Schlafen!), muss ich sagen, dass´d da wieder einmal ganz schön nübergruckt bist mit dera Gschicht. Schappoh!

  2. Ich hab auch unterschlagen, dass die schwedische DJane aus der Hotelbar, wo die Lesung natürlich stattfindet, von Jessica Schwarz gespielt wird und eine heiße Sexszene mit Ken Dukem hinlegt, für die ich ihm die nötigen Moves am lebenden Objekt gezeigt habe. Mehr zu dem Bloggerfilm eh ein ander Mal.

  3. Minh-Khai? Ich habe die Frau mal gegooglet, und bin durchaus unzufrieden mit dem Ergebnis. Hat Lucy Liu keine Zeit? Oder kann ich mich zur Abwechlung mal von einer Schwarzen darstellen lassen oder werden dann die Potsdamer Außendrehs gefährlich?

  4. Hehe, Fiete Wepper den Alfonso… Du hast vergessen, zu erwähnen, dass ich mich nur selbst spiele, weil mir Sascha Hehn nicht passte!

    Aber Frau Modeste, Minh-Khai ist viel heisser als Lucy Liu, das hat der Burns schon gut ausgesucht…

  5. Tja, ist ja ein deutscher Film. Da gibts keine internationalen Top Stars. Ich wäre ganz zufrieden an ihrer Stelle. Wie ich hörte, wollte man zuerst Franka Potente für die Rolle casten.

    Und Außendrehs (wie auch Innendrehs) sind immer gefährlich wenn man A-Blogger spielt. Fragen sie die Protagonisten der Burns Verschwörung.

  6. Wir gehen davon aus, daß sich Herr Prof. Tensfelder selbst enthauptet hat und sind uns darin mit dem bayrischen Innenministerium einig. Laut Aussage seiner Stundenten hat er bereits vor Jahren eindeutige Suizidabsichten öffentlich bekundet. „Das ist ja nicht mehr auszuhalten mit euch“ soll er wörtlich geäussert haben. Jedenfalls hat das mein Kollege Dr. Beckstein an der Uni in Regesburg herausgefunden.

  7. Wir geben hiermit bekannt, daß die Ermittlungen in Sachen Selbsttötung Prof. Tensfelder mit sofortiger Wirkung von uns übernommen wurden. Für die Reinigungskosten unseres Objekts Nordstrand (ggf. Erneuerung des Teppichbodens) hat in jedem Falle der Mieter aufzukommen.

  8. In Absurdistan weht momentan unfreiwilligerweise gar nix. Statt weht könnte man auch geht sagen. Ich kann nichts veröffentlichen. Seltsam. Deppert. Vielleicht doch Zeit für einen Umzug.

  9. Die Naivität! Könnte man hinter diesen nebulösen Begebenheiten nicht vielmehr einen Coup des durchtriebenen Tensfelder vermuten? Ich an Ihrer Stelle wäre auf der Hut, Herr Burnster.

  10. Ich weiß gar nicht mehr, was ich glauben soll. Neulich ist mir ja auch dieser Rationalstürmer über den Weg gelaufen. Dabei hab ich noch mit eigenen Augen gesehen, wie der erschossen wurde.

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