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Schweden

Der Doc sitzt auf dem Sofa, das mit einer weißen Decke verkleidet ist. Vermutlich verbirgt sich darunter ein studentischer Fehlkauf bei Hiendl, den man nicht gerne den Blicken seiner Besucher zumutet. Und schließlich ist auch Karneval, da darf man verkleidet sein, selbst als Sofa. Der Doc hört mir aufmerksam zu, wie ich von Abenden berichte, von denen man nichts erwartet und die mit einer Schwedin enden, die einen den Abend, von dem man nichts erwartet hat, ein Leben lang nicht vergessen lassen. Als ich zuende erzählt habe, wartet er kurz ab und fragt mich dann:

“Habe ich dir schon einmal meine Geschichte von den drei Schwedinnen erzählt?”

Ich verneine und der Doc beginnt:

“Es gab damals in München am Kurfürstenplatz diesen Aufreisserladen im übrig gebliebenen Siebziger-Flair, der sich Cosy nannte. Dort trafen die Boys und ich uns gerne am Wochenende zum Mädchen anquatschen und abstürzen. Eigentlich war das Cosy nicht besonders cool. Wer was auf sich hielt, ging ins Sugarshack, doch im Cosy waren die Leute ein bisschen älter und wir hofften, dass da mehr ging mit den Weibern. Weil die da auch älter waren.

An jenem Samstag war ich mit dem aufrührerischsten meiner Spezis, dem Flätsch, im Cosy und bei einem Pils beschlossen wir, uns noch jemand zum Herumschmusen zu suchen. So eine Wahl fiel im Cosy nicht immer leicht, aber an jenem Abend gab’s plötzlich Deus Ex Machina, oder wie man so sagt. Drei blonde Mädels betraten die Disco und ich schwör dir, Burnster, das waren echte Granaten. Also so richtige blonde Bilderbuchgeräter aus Schweden, wie man sie sich vorstellt. Der Flätsch war natürlich sofort Feuer und Flamme und hat gesagt:
“Doc, halt dich bereit. Ich kümmer mich jetzt um die drei Blondies da hinten.”

Der Flätsch ging dann auch vor und fragte die Schwedinnen, was sie trinken wollten. Er fragte auf deutsch, weil er ja da noch nicht wusste, dass es sich um Schwedinnen handelt. Dann bestellte er drei Pils, weil ein Weißbier oder ein Helles, das war zu prollig für die Schwedinnen. Danach stellte er mich vor und wir kamen so richtig ins Gespräch. Die Girls erzählten, dass sie Deutschstudentinnen aus Schweden waren und wir liefen von Minute zu Minute heisser. Nach einer knappen Stunde hatten wir es dann endlich geschafft. Sowohl Flätsch als auch ich hielten je eine schwedische Blondine zum Knutschen im Arm. Was jetzt genau mit der Dritten war, daran erinnere ich mich nicht mehr.

Der folgende Montag Morgen begann jede Woche mit einer Doppelstunde Grundkurs Deutsch. Und wir waren auch jedes Mal anwesend und saßen jedes Mal in der ersten Reihe. Das klingt jetzt nicht besonders cool, aber man muss wissen, dass unser Lehrer, der Herr Thaler ein Spitzentyp war. Ein Urbayer, der genauso redete und unterrichtete, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Und da war es keine Schande, sondern eher ein Privileg, in der ersten Reihe zu sitzen. Und Thaler eröffnete seinen Unterricht an jenem Montag Morgen mit folgenden Worten:

“Gut Moing, Leutl. Wir haben heut Besuch. Derf ich vorstelln: Das sind unsere drei Refendarinnen aus Schweden, die werden sich in nächster Zeit ein bisschen unseren Unterricht anschauen.”

Der Flätsch und ich drehten uns wie vom Donner gerührt um, und da saßen die drei Grazien und als sie uns sahen, wurde ihr deutschlandfreundliches Lächeln zu einem verschämten Grinsen, das nach und nach in sich zusammenfiel. Doch der Flätsch war begeistert.

“Die Schwedinnen, die schickt der Himmel. Und ich dachte schon, wir sehen die nie wieder.” raunzte er mir zu.

Ich fühlte einen unglaublichen Stolz in mir aufsteigen und gleichzeitig eine Hoffnung auf viele schöne Schultage und wann kann man das schon mal von sich behaupten, dass man sich auf Schultage freut? Doch nur wenn Weiber im Spiel sind. Während der Stunde drehten wir uns laufend um und winkten den schwedischen Schönheiten zu, doch ihre Resonanz hielt sich in Landesgrenzen. Freilich bemerkte auch der Thaler unsere Posiererei und zitierte uns nach der Stunde zu sich

“Was isn mit euch zwei Deppen los?” fragte er halb genervt, halb amüsiert.
“Wir hatten da so ein kleines Techtelmechtel am Wochenende.” kam es pfeilschnell aus dem Flätsch und cooler als nach diesem Satz sind wir uns in der ganzen Schulzeit nicht mehr vorgekommen, der Flätsch und ich.”

“Wow!”, ich blase ergriffen den Rauch meiner roten Gauloises aus und schaue den Doc wissbegierig an: “Und wie gings weiter mit Schweden?”

Der Doc lächelt und sagt: “Die wollten sich kein einziges Mal mehr mit uns treffen. Aber uns war’s egal, wir hatten unseren Triumph. Weil die Schwedinnen, die hat der Himmel geschickt.”

26 haben herzlich gelacht bei “Schweden”

  1. Ole sagt an:

    Ich habe grad erst “wie vom Döner gerührt” gelesen. Freud würde da jetzt sicher einiges dran zu deuteln haben. Und ich erinnere mich daran, wie ein guter Kumpel von mir damals im Studiwohnheim einen Brief ans Studentenwerk aufsetzte, um es zu bitten, endlich mal ein paar nymphomane Schwedinnen einziehen zu lassen. Erfolgreich war sein Gesuch nicht, meine Unterstützung hatte es aber. :)

  2. Malcolm sagt an:

    Ich habe grad erst “wie vom Döner gerührt� gelesen.

    Ich auch!
    Und dann dachte ich noch: “Das ist ja mal ein cooler Ausdruck. Ob ich den auch mal anwenden darf?”

    Notiert hab ich ihn mir schonmal. Hinter den Ohren, da ist es sicher.

  3. Ole sagt an:

    Zwei Doofe, eine Leseschwäche. :)

  4. Burnster sagt an:

    Für euch beide hätte es quasi gereicht, wenn ich nur “vom Donner gerührt” gepostet hätte. Was mach ich mir eigentlich die Mühe und schreib so lange Geschichten auf? Hihi.

  5. MC Winkel sagt an:

    Ich kannte mal ein Schwedin, die war sehr, sehr böse.

    Hatte mich einmal auf einer privaten Feier auf der einzigen Toilette mit einer damaligen Gespielin eingeschlossen. Plötzlich kam die Schwedin, die Ihre Freundin allein auf dem WC vermutete und wollte hinein. Meine Gespielin öffnete, ich versteckte mich in der Dusche.

    Was ich dann hörte, war böse. Die eine erzählte von Design, die andere von Glattrasur. Man vergleich und präsentierte gegenseitig. Hier wollte ich nie wieder weg.

    Hab´ mich mit 28 dann nochmal einschulen lassen. Aber nix da Referendarinnen.

  6. Neo-Opa sagt an:

    Da stand auch zuerst Döner, das ist mir als Legastheniker sogar aufgefallen, aber ich hab mich nicht getraut, was zu sagen. Außerdem wollte ich erst mal sehen, was der kleine Pfiffi dazu meint, aber der isja komischerweise noch gar nicht hier gewest.

    Ja, mit den Schwedinnen, da is was dran. Auf die müssen wir scheintsgar wirken, wie die Italjener auf unsere Dirndln. Da kannst auch ruhig breit sein, das sind die gewohnt von ihre Mannsleut. Und im Hafen kommen die an Bord, manchmal soger Mutter und Tochter.

    Die Norwegerinnen stehen übrigens auch auf uns, die Danskes weniger. Da sind dann in der Garderobe von der Disse jede Menge Gummistiefel aufgereiht (Fregatten, Bergen/Norway) weil die Schuh zum Tanzen hams in der Handtaschn oder sie tanzen barfuß oder in ihre Strümpf.
    Meine (eine junge Lehrerin) hat mir immer ins Ohr gsungen: “Schenk mir einen Talisman, den ich nicht verluuren kann.”

  7. Mario sagt an:

    *lach herrlich mit so einer Geschichte den Tag zu beginnen. da kann es doch nur ein guter Tag werden, wenn man schon kurz nach dem wachwerden sich vor lachen sich im Bett kringeld wie ein Bagel

  8. bittersweet choc sagt an:

    schade, ich weiss nichts zu schwedinnen, ausser dass das phänomen evolutionstechnische gründe hat. da hat sich seit neandertal nicht viel an euren vorlieben geändert.

    bei männlichen schweden fallen mir nur björn und benny von abba ein. denkbar unsexy. opa hat recht: uns machen die dunkelhaarigen (bis auf brad p.) mehr spass.

  9. Burnster sagt an:

    Dann guck dich mal unter den schwedischen Rockbands um. Da wirst du fündig, schwör ich dir.

  10. Dr.Sno* sagt an:

    Ich find ja ehrlich gesagt dass Schwedinnen maßlos überschätzt werden. Es sei denn man steht auf Pfannkuchengesichter und Pippi Longstrümp. Aber die Finninnen (abgesehen davon, dass schon das Wort an sich ganz geil ist), die sind der Kracher – ein Geheimtipp … noch.

  11. Burnster sagt an:

    Die Finninnen sind doch eher korpulent. Also, was ich in Malmö mal in der Disko gesehen habe, war Hell on Earth im diabolischen Sinn.

  12. Rationalstürmer sagt an:

    Trotzdem wärs ja vielleicht nicht gänzlich uninteressant, wie die Finn innen so sind.

  13. Dr.Sno* sagt an:

    Hab die 4 Monate von Helsinki bis Oulu keine einzige korpulente Finnin gesehen (korpulente Finnen jedoch massenweise). Vielleicht werden die nach Schweden transportiert und in Malmö endgelagert? Wer weiss…

    Ich jedenfalls bin alleine rumsitzend noch nie so oft von ECHT (und ich mein wirklich echt) gutaussehenden Frauen angesprochen worden wie dort.

    Spektakulär – ehrlich

  14. Burnster sagt an:

    Wenn Sie mit soviel Inbrunst argumentieren, Herr Sno, dann bin ich geneigt, Ihnen zu glauben. Ich würde Ihnen allerdings das mit dem Angesprochenwerden selbst in Finnland widerlegen. Der Höllenfürst macht keinen sympathischen Eindruck.

  15. Dr.Sno* sagt an:

    Keine Chance. Bei zwei Gelegenheiten hatte ich frisch ausgedrückte leichte Hautirritationen und eine, selbst für meine Verhältnisse, äußerst abscheuliche Frisur. Und ganz abgesehen davon schien mir die Freundin der einem, eine Luftbegleiterin bei Finnair, ein sehr deutliches Faible für Höllenfürsten zu haben.

  16. Neo-Opa sagt an:

    Die Finninnen hab ich nicht erwähnt, weil die nehmen alles, was kommt. Müssen sie auch, weil ihre Mannsbilder NUR saufen.

    Der einzige unförmige, von mir je bestiegene Venushügel: eine Finnin. Und das auch nur, weil mich meine feinen Kumpels mit ihr in die Zimmermannskammer eingesperrt hatten. Als ich durchs Bulleye die Achterspring runter wollte, hat die geschrien wie am Spieß und ich mußte zurück. Der in der Nachbarskammer residierende Koch denkt heute noch, ich wär ein Perversling.

    Aber man soll nie verallgemeinern, neiiin nein …

  17. Burnster sagt an:

    Notiz an mich selbst: Urlaub umbuchen. Finland statt Chile.

  18. Dr.Sno* sagt an:

    Also nachdem was man so hört machen Chilenen gezielt zum Wochenende rüber nach Argentinien um dort die Argentinierinnen abzuziehen. Finland-Style, versteht sich!

  19. bittersweet choc sagt an:

    wenn ich jetzt auch mal wieder was sagen darf: finninnen sind wirklich unförmig, burnie, das sehe ich genauso. jedenfalls aussen. innen werde ich nie erfahren. aber sie sind ziemlich schlau – in der regel. aber aufs köpfchen kommts hier ja nicht an, denke ich.

    schwedenjungenbands: names, please.

  20. vita sagt an:

    Meine Herrn, da ghört eine Ordnung her. Einfach hinten in den Filofax oder die Wand ihrer Wahl eine Stricherllistn (wahlweise mit einfach oder doppel l):
    A für F* mit Hirn, B für F* ohne Hirn und zu guter letzt die C-Spalte mit F*, nach Hirn nicht weiters erkundigt

  21. Dr.Sno* sagt an:

    ich steh ja mehr auf chilichoko aber extra für dich:

    Arvingarna
    Dupont
    Until

  22. Ole sagt an:

    Du kannst ja auch eine skandinavische Vergleichsreise mit empirischem Praxisteil machen und die Damenwelt gleich aller nordeuropäischen Länder vergleichen.

  23. Michael sagt an:

    Eine schöne Geschichte Burnse. Im Cosy war ich auch ab und zu. Mit Schwedinnen hab’ ich nichts erlebt, ausser auf der Fähre von Göteborg nach Kiel. Das standen im Duty free Laden zwei Schwestern vor mir, die mich um Haupteslänge überragten. Jetzt bin ich auch nicht gerade klein. Die waren mir irgendwie unheimlich….

  24. Neo-Opa sagt an:

    Nach Finnland solltest du im Sommer auf jeden Fall mal, wenn du noch nicht da warst. Aber nicht wegen der Damenwelt und am besten mit so einem Ganzkörper-Moslemschleier gegen die Stechmücken.

    Was den Tiefschnee-Rutscher betrifft, ich habe mich einmal ein bißchen umgesehen:
    In drei von fünf Fällen hat er recht. (Denver, Singapore, Dubai). Das habe ich seinerzeit auch so gesehen. Mit Köln und Kapstadt (bes. Hinterland) liegt er voll daneben.

    Der Vorschlag von Vita ist eine ausgezeichnete Idee.

  25. Burnster sagt an:

    Das war mal eine echte Lehrstunde.
    Den Schneebesen merk ich vor. Der scheint ja einiges auf dem Nähkasten zu haben.

    Deinen Finnland Rat befolge ich, Opa, ist als Reiseziel ohnehin ein erwünschtes.

    Und die Vita hat einen veritablen Vorschlag gemacht, den ich nicht befolgen kann, weil ich eh ein Hirnviech bin.

    Und du kannst gerne mitkommen, Ole, und den Linienrichter spielen. Oder mir die Richtlinien vorgeben. Einen guten März wünsch ich euch, Kameraden!

  26. Dr.Sno* sagt an:

    Mit dem Hinterland von Capetown meinte ich ja die (Township)-Flats und nicht die Vineyards wie Stellenbosch etc. … auch das Wasser an der Kap-Ostküste ist zum baden natürlich ok. Aber wenn man nunmal 7 bildhübsche und clevere nigerianischen Schokobohnen als Kusinen hat und im Restaurant in Camps Bay dann hören muss dass es an der Hautfarbe läge wenn Schwarze in SA nix erreichen so landet die Location bei mir straight in der Don’t-Go-There Kategorie. Basta. Ausserdem ist die AIDS-Rate für eine echte Burns-Studie in SA eh viel zu hoch…

    Meine unterschwellige latente leichte Aversion gegen das Rheinische an sich konnte ich besonders im Hinblick auf den Karneval dann einfach nicht zügeln…

    …auf 4 von 5 lass ich mich also gegebenenfalls noch ein.

Dein Servus hier:

(Wenn du mir schon unbedingt einen Link hineinposten musst, unterstreich ihn doch bittschön, damit ihn ein jeder sieht. Dankschön.)