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Die Burns Verschwörung (5)

Folge fünf, in der sich der Nebel lichtet, aber trotz eines unerwarteten Ortswechsels die Sonne nicht bei Tag und bei Nacht scheint. Unser Held erfährt zwar nun endlich, wer ihn vor den Karren spannen, aber keineswegs wer ihn aus dem Weg räumen will.

Ich erwache mit Kopfschmerzen, aber das ist bei Gott nichts ungewöhnliches für mich. Ungewöhnlich finde ich eher die Umgebung. Es handelt sich wohl um eine Art Hotelzimmer und die Vorhänge sind zugezogen. Ein Pflaster klebt auf meiner Stirn und schon bald merke ich, dass auch mein restlicher Körper nicht unbedingt in olympiareifer Form ist. Ich erinnere mich noch an die Explosion in der Lychener Straße, an irgendetwas nachher allerdings nicht.

Ich erhebe mich und gehe ins Bad. Dort findet sich genug Morgenkosmetik, um mich Mensch werden zu lassen. Lediglich den Bart, der wohl ein paar Tage ohne meine Aufsicht aufgewachsen ist, lasse ich unkorrigiert. Auf einem Stuhl neben dem Bett liegt frische Unteräsche und im Schrank findet sich ein schwarzer Anzug, der passt. Schuhe kann ich allerdings keine sichten. Also nehme ich die Turnschuhe, die am Bettrand stehen und die ich zuletzt getragen hatte. Dann gehe ich zu den Vorhängen und ziehe sie auf.

Der Placa Reial liegt zu meinen Füßen und trotz Dauerregens herrscht ein geschäftiges Treiben auf der rechteckigen Amüsierfläche. Unter Marquisen sitzen sogar Gäste der ansässigen Restaurants und genehmigen sich eine überteuerte Touristen Paella. Ich kenne dieses Hotel. Ich war hier schon einmal mit meiner Schwester, damals in meinem ersten von vielen Barcelona Aufenthalten. Ein wenig verstört über den doch einigermaßen unerwarteten Ortswechsel und etwas wackelig auf den Beinen, verlasse ich das Hotel und überquere die Ramblas in Richtung El Raval, wo ich mich ins Iposa begebe und das Mittagsmenü wahrnehme. Es wird zartes Hühnerfleisch in Streifen mit scharfer Chutney Sauce und rotem Reis serviert. Dazu nehme ich einen Cortado und ein Glas Wasser. Nach dem Essen gehe ich rüber zum MOCBA (Museum of Contemporary Art of Barcelona) und setze mich auf die Stufen vor das Museum. Es hat mittlerweile aufgehört zu regnen, doch mein Hintern wird trotzdem nass. Ich brauche jetzt die Regenluft. Ein paar Kids skaten trotz des schlechten Wetters und einer legt sich beim Grinden über ein Geländer ordentlich auf die Nase. Er ist eigentlich schon recht alt für ein Skaterkid. Nach einer Weile setzt sich jemand neben mich und sagt:

“Servus, Oider. Na, überrascht mich hier zu treffen?”

“Mich überrascht langsam gar nichts mehr. Doppelgänger und Autobomben sind sensationeller als ein Rationalstürmer in Barcelona.”

“Jetzt werd nicht sarkastisch, Burnse. Ich bin froh, dass wir uns treffen.” sagt der verlorene Sohn, Herr Rationalstürmer höchstpersönlich. Erholt sieht er aus.

“Wir treffen uns ja nicht zu gleichen Teilen mit Absicht, Ratze. Ihr – weil da stecken doch noch andere Pappenheimer dahinter – habt mich doch hierher verschleppt.”

“Na ja, meistens ist ja hier schönes Wetter und Spanisch kann man hier auch ganz gut lernen, wenn auch ein großer Teil der Bevölkerung auf Catalan statt Castellano besteht.” meint ein für meinen Geschmack etwas zu gut gelaunter Rationalstürmer.

“Dann hätten wir das ja geklärt. Darf ich jetzt eine Theorie ausformulieren und dann eine Frage stellen?” blaffe ich ihm Gesicht.

“Logo, Burny, hau los!” feixt der verschollene Rationalstürmer, während sich aus einem Café in der Nähe leise “Nite And Fog” von Mercury Rev zu uns herüber verirrt.

“Ich mach’s kurz. Meine Theorie war folgende und sie hat sich hiermit als falsch heraus gestellt: Ich dachte zunächst, du hättest mit deiner Lügengeschichte über die Nudelverbrühungen gegen eine Art Ehrenkodex einer Art geheimen Bloggerloge verstoßen und seist deshalb aus dem Verkehr oder zumindest zur Raison gezogen worden. Dass ich da mit hineingezogen werde, hat mit dem Tensfelder zu tun. Durch unserer beider Forschheit, den Tagebuchcharakter der Bloggerszene mit Flunkerei und fiktiven Charakteren zu durchziehen, haben wir uns Feinde gemacht. Dachte ich. Aber je mehr ich darüber sinniert habe, desto hirnrissiger erschien mir diese konspirative Kacke. Und dein – und auch mein – Auftauchen in Barcelona bringen mich auf einen ganz anderen Film.”

“Dann bin ich mal neugierig, welchen, alter Hundsbua.” grinst er noch immer, der Herr Rationalstürmer.

“Natürlich gibt es keine Freiblogger Loge und schon gar keine Wahrheitverschwörung. Eigentlich ist es jedem scheißegal was der Andere schreibt. Mein Unterbewusstsein hat mir mit einem Traum über die juristische Fakultät der Berliner Humboldt Universität einen wichtigen Hinweis gegeben. Die Uni hat eine Loge, eine elitäre Bloggervereidigung symbolisiert. Der Italiener der mich mit dem Klapprad aufspießen wollte, war die Mafia. Dass dieser aber den Kopf verlor, markierte die Haltlosigkeit sowohl meiner Mafia- als auch meiner Freimaurer Theorien. Ausgerechnet einer der Dons, in diesem Falle Alphonso, ließ mich mit seinem Ikarus Hinweis tatsächliches Blut lecken. Er sagte, der Rationalstürmer sei Ikarus. Und Ikarus hat Flügel, die ihm die Sonne sauber unterm Arsch wegbrennt, weil er ihr zu nahe gekommen ist. Jetzt ist mit der Sonne aber nicht die Wahrheit, sondern Spanien, das Land der Sonne gemeint. Und die verbrannten Flügel waren nur ein scherzhafter Hinweis auf die angeblich verbrannten Pratzen deines fingierten Pasta Unfalls. Und jetzt wo ich hier bin und du mich so ausgeschämt ausgrinst, bin ich mir sicher, es ging eigentlich immer nur um mich.”

“Sauber Burnse. Ganze Arbeit, Herr Poirot. Und die Frage, die du noch hattest? Willst du wissen wie es jetzt weitergeht?”

“Das wirst du mir ja sicher gleich erzählen, du fränkischer Großgauner. Mich würde eher interessieren, woher der falsche Tensfelder kommt. Habt ihr oder du dir den ausgedacht?”

“Nein, leider nicht. Da hat noch jemand seine Finger im Spiel. Das ist ja gerade das Perfide. Wir wollten dich ein bisschen im Bienennest herumstöbern lassen, damit du den Unruhe in den Stock bringst und wir das beobachten können. Doch dann kamen die Hornissen. Wir hätten wissen sollen, dass es immer Ärger gibt, dort wo du auftauchst. Dich hat ja sogar der Poodle von seiner Blogroll geschmissen. Wir wollten dir eigentlich auch schnell erklären worum es geht, aber dann überschlugen sich die Ereignisse und der Tensfelder Ghoul und die beiden Dons mischten plötzlich mit. Diese Autobomben Explosion galt dir und deinen Nachforschungen. Hast Glück gehabt, dass du nicht krepiert bist. Danach haben wir dich erst einmal ganz schnell aus der Schusslinie gezogen.”

“Wer ist denn nun eigentlich wir?” hake ich ungeduldig nach.

“Na, wer wohl. Opa Edi hat dich nicht umsonst da hineingezogen. Dann natürlich ich und jemand, den du nur unter dem Pseudonym Fellow Passenger kennst. Wir und ein paar einflussreiche Spezl mit Kontakten zum süddeutschen Multimedia Untergrund beobachten seit geraumer Zeit, wie sich in der Blogossphäre Zusammenrottungen nicht ausschließlich kultureller Natur ergeben.”

“Meinst du diese sogenannten Neocons?” frage ich unreflektiert.

“Nein, die bombt der Alphonso schon durch die Peripherie. Ich spreche von Kräften, die sich in Berlin akkumulieren. Es geht um Codeübermittelung durch Weblogs. Vielgelesene Blogger werden unter Androhung von Gewalt dazu gezwungen, bestimmte Wort- oder Buchstabenfolgen zu benutzen, durch die sich internationale Organisationen geheime Informationen zukommen lassen können. Genaueres wissen wir leider auch nicht, es kann sich um Kommentare, um Einträge oder Blogrolls handeln. Wir wissen es einfach noch nicht.”

“Und wie kommen du, Baz, und Fepax dazu, sich so einer Spionagescheiße anzunehmen? Ach, lass mich raten..Bazi.” Ich rolle mit den Augen.

“Richtig. Bazi und die Marine. Bazi und der BND. Und wir und die Kohle. Zahlen nicht schlecht an Freiberufler, die Kameraden. Und sogar steuerfrei. Auch an dich.” Er will es salopp und aufmunternd sagen, doch er sieht an mir vorbei und es klingt halbherzig.

“Aha, Ratze, du bist also Deutschland. Nee, lass stecken. Ich hab schon einen Beruf, wenn auch keinen Vernünftigen. Ich bin raus aus der Nummer.”

“Dazu ist es zu spät, fürchte ich. Deine süße Heike hat schon Besuch von dem Zombie Tensfelder bekommen und Don Dahlmann hat bei der Autobomben Explosion seine rechte Ferse verloren. Und wer weiß, was noch passiert wenn man diese Leute nicht aufhält. Du kannst ruhig gehen, du bist ein freier Mann. Aber wir werden dir jemand schicken, der auf dich aufpasst. Mal sehen, ob du noch eine weitere ruhige Minute in Berlin hast.”

“Na prima, ich kann doch nicht…” Vor allem kann ich meinen Satz nicht vollenden, weil plötzlich Ratzes Kopf in meinen Schoß sackt. Blut verteilt sich am Rücken über seine Jacke. Ein Skateboard Kid, das gar nicht mehr so jung aussieht, entfernt sich blitzschnell auf seinem Brett in Richtung der Gran Via während aus dem Cafe leise Brendan Benson mit “Good To Me” zu mir und dem toten Rationalstürmer herüber weht.

Fortsetzung folgt…
Folge 4 finden Sie hier
Folge 3 finden Sie hier
Folge 2 finden Sie hier
Folge 1 finden Sie hier

18 haben herzlich gelacht bei “Die Burns Verschwörung (5)”

  1. das dritte und sagt an:

    X/3651´*_HapTa /SanTO3
    –> fwd. BND/opa/HH/

    wenn sie diesen kommentar gelesen haben, bleibt er noch ein weilchen stehen.

  2. Rabe sagt an:

    Sauber, Mr. Burns! Ihre Verschwörung hat es in sich.

  3. Malcolm sagt an:

    Also erstmal: Wenn ständig so gute Musik in Barcelona gespielt wird, buche ich schon jetzt mal den Urlaub für nächstes Jahr richtung Spanien!

    Und weiterhin: Ob die Frau Kuttner und ich wohl…

    Ach, vergiss es!

  4. schroeder sagt an:

    ich dachte ja bisher, dass MOCBA die Hauptstadt der Gasprom-Loge ist… aber Skatern ist nicht zu trauen, eh klar!

  5. Michael sagt an:

    wunderBar. SchlIcht und ErgReifend.

  6. MC Winkel sagt an:

    Wie immer BIG TIME bei bei DBV!

    Aus diesem Part hättest Du auch locker 2 machen können. Weisst ja; die Meisten stehe auf kurze Texte. Und sollte mal wieder ein Blog-Buch released werden: DBV muss da mit bin*!

    Was mir missfällt: Zu wenig in MC-Content in den Parts 1, 4 u. 5. :)

    (*=pltdt. drin, rein)

  7. Fish sagt an:

    Armer Herr Ratze, DASS hat er nu wirklich nicht verdient. Scheiss Pseudo-Skater!

    Ich geh’ gleich mal ins MOCBA! und schaue mir ein paar Bilder an. Die sollen ja auch was vom Kippenberger haben.

  8. Burnster sagt an:

    Das Doppel-s aber auch nicht. Hihi.

  9. Ole sagt an:

    Que guay! Es ist nicht unmöglich, dass ich zeitgleich auf der Placa Catalunya von blöden Fußballfans ausgeraubt wurde, von der Sagrada Familia gespuckt habe, im Quinze Nits halbwegs günstig gespeist habe oder in dieser winzigen Seitengasse vom Placa Reial Cocktails geschlürft habe. Vielleicht hab ich auch in Raval Salsa zu tanzen versucht. VIeles ist möglich. Unmöglich allerdings auch ne Menge. Im Parc Guëll soll’s übrigens spuken. Hach, ich werd’s gleich nochmal lesen, weil ich’s so famos find’! Knackig, sackstark, atmosphärisch frisch und fesch!

  10. Ole sagt an:

    clearly off-topic: Isabo verkündet, heute sei Burns-Day. Nur dass sie Dich hier komplett ausgelassen hat. Irgendwas ist da faul.

  11. Burnster sagt an:

    Kümmer mich sofort drum!

  12. Jule sagt an:

    Ich bin übrigens auch tot.
    Hab aber nix mit der Burns-Verschwörung zu tun. Ich bin nämlich völlig hinterwäldlerisch und unfreiwillig tot. Quasi aus Versehen, oder weil ich nicht den richtigen Kontakt hatte.

    Lustig ist das da herüben nicht.
    Eher komisch. Oder absurd. Oder unvirtuell.

    Grüße von überm Jordan!
    Julia ohne ihr “die”.
    Quasi das Trost-Los gezogen. Und kopflos. Und überhaupt.

    Kacke.

  13. bittersweet choc sagt an:

    danke für den ausflug nach barcelona und zum blendend weissen museum! das tut gut bei diesem wetter. ich muss da dringend wieder hin. wollen wir nicht mal eine bloggerfahrt nach barcelona machen?

    der herr rationalstürmer ist ja wirklich in aller munde, er lässt keine verschwörung aus. und tot ist er auch nicht. ich habe gestern noch mit ihm gedealt.

  14. Burnster sagt an:

    Jule, du armes Ding. Wie konnte das nur passieren. Vielleicht bekommt der “dieJulia-Inzident” einen Ehrenplatz in der Burns Verschwörung. Jetzt aber ab auf die Baustelle zum Wiederaufbau.

    Bittersweet: Bloggerfahrt statt Butterfahrt. Im Gruppentarif nach Guapa Barca. Da müsste man mich nicht zweimal fragen. Sondern dreimal. Dann würd ich aber zusagen.

  15. sabbeljan sagt an:

    “wir fahr’n im blogg nach barcelona” – ach du scheisse, diese verschwoerungen machen mich ganz kirre. auch nicht schoen, dass die leiche bei bsc ihr unwesen treibt!

  16. Ole sagt an:

    Bloggerfahrt nach Barcelona? Mein Geldbeutel quiekt “Hilfe”, der Terminplan sagt “wo glaubst Du denn noch Zeit zu haben?”, der Rest ruft “sofort”. Wenn zwischen den dreien noch Einigung erzielt wird, dann klar! :)

  17. L9 sagt an:

    Nie wieder kann ich Weblogs lesen, ohne geheime Botschaften zu suchen.

  18. frau frank » Blog Archive » die burns verschwörung - tbc sagt an:

    [...] folge 1 folge 2 folge 3 folge 4 folge 5 folge 6 … [...]

Dein Servus hier:

(Wenn du mir schon unbedingt einen Link hineinposten musst, unterstreich ihn doch bittschön, damit ihn ein jeder sieht. Dankschön.)