Die Burns-Verschwörung (4)

Folge vier, in der unser Protagonist ebenso von der Bildfläche verschwunden bleibt wie der selige Rationalstürmer. Dafür taucht ein Mann auf, den es eigentlich nicht geben darf und er besucht eine Frau, von der Burnster sagt, dass es so eine eigentlich gar nicht geben kann.

Heike Makatsch zögert, bevor sie die Türe öffnet. “Ich muss mit Ihnen über ihren Bekannten Burnster sprechen. Mein Name ist Tensfelder. Alfons K. Tensfelder.

Durch den Spion sieht sie einen älteren Mann um die Fünfzig. Er trägt ein Holzfällerhemd, einen graumelierten Achtzehntagebart, eine Hornbrille und wirres graues Haar zwirbelt unter seiner Wollmütze hervor. Auf eine gewisse Art und Weise sieht er vertrauenserweckend aus, deshalb öffnet sie ihm.

“Grüß Sie Gott, Frau Makatsch. Schön, dass Sie mir aufmachen. Ich würd Sie nicht belästigen, wenn’s nicht ganz dringend wäre. Er gibt sich Mühe, doch er kann eine starkbairische Sprachmelodie nicht verbergen.

“Ich und der Herr Burnster, wir sind gar keine guten Bekannten. Ich wüsste nicht was es da zu reden gibt“, sagt sie und versucht brüskiert zu klingen, aber der Tensfelder hört ihr die Neugier natürlich deutlich an.

“Ich weiß, dass Sie der Kollege Burnster ganz gern leiden mag, deshalb komm ich zu Ihnen. Es ist nämlich so, dass er verschwunden ist und niemand, nicht einmal der MC Dinkel, weiß wohin. Wann haben Sie ihn denn das letzte Mal gesehen, Fräulein Makatsch?“

“Verschwunden? Ich hab ihn das letzte Mal in der Hotelbar mit dieser blutjungen DJ-Frau knutschen sehen. Das ist jetzt eine Woche her und war eine Frechheit.“

“Sehen Sie, am Tag drauf ist er verschwunden. Darf ich fragen, wie Sie ihn eigentlich kennen gelernt haben?“

Sie weiß nicht, was den Alten das angeht, aber irgendwie will sie es auch loswerden.

“Es war kurz nach Weihnachten und ich war mit meinem Freund im Schwarzsauer. Das ist so eine Kneipe. Er saß da mit einem Kumpel und wirkte ziemlich betrunken und auch ein wenig feist im Gesicht. Vermutlich kam er gerade von diversen Weihnachtsessen mit seiner bayerischen Wohlstandssippe. Wir sahen uns nur kurz an und beim Rausgehen – mein Freund war schon draußen – hat er mich gefragt ob wir nicht einmal Schach spielen zusammen. Das muss er irgendwo aufgeschnappt haben, dass ich gerne Schach spiele. Nun gut, wir haben Schach gespielt, den ganzen Nachmittag und wir hatten sehr viel Spaß, also ich meine, es war okay. Also, der Burnster hat andauernd verloren und es ist ganz süß weil er sich dann so aufregt. Also ich meine, es ist schon okay wie er sich aufregt. Dann hat er mich noch zur Haustür gebracht und das war’s dann eigentlich. Darf ich fragen, in welchem Verhältnis Sie beide zueinander stehen?“

“Das ist etwas diffus, Fräulein Makatsch. Ich glaube nicht, dass Sie so eine haarsträubende Geschichte wirklich hören wollen.“

“Und wie ich das will, Herr Tensberger!“

“Tensfelder. Fons für meine Freunde. Der Herr Burnster ist ein ziemlicher Fantast, müssen Sie wissen. Er hat sich mich nämlich eigentlich nur ausgedacht. Das aber mit so einer lebhaften Herzhaftigkeit, dass ich mich irgendwann in einem echten Beruf, in einer echten Wohnung und mit einer echten Biografie wiedergefunden habe. Schritt für Schritt habe ich über mein Internettagebuch und das von Herrn Burnster herausgefunden, dass ich eigentlich nur als Hirngespinst gedacht war. Zunächst wollte ich es nicht wahr haben und habe viel mit Frauen geschlafen, um mich von meiner Existenz zu überzeugen. Sie wissen ja, dass wenn man Sex hat…, aber das wollen Sie sicher nicht wissen.“

„Nein, will ich nicht“, sagte Heike Makatsch.

„Auf jeden Fall ließ mich meine Neugier nicht los und ich fuhr immer öfter von Regensburg – wo ich herkomme – nach Berlin, um mich in Burnsters Umfeld aufzuhalten, jedoch ohne mich ihm je erkennen zu geben. Und ich habe einige sehr nette Leute auf diesem Weg kennen gelernt. Ich habe mich zum Beispiel an den Don gewandt, also den Dahlmann, nicht den Alphonso – den kennen Sie wahrscheinlich gar nicht – damit er mir Tipps gibt, wie ich mich meinem Schöpfer zu erkennen geben kann, ohne dass dieser einen Herzinfarkt bekommt. Und jetzt stellen Sie sich vor, Fräulein Makatsch: Just an dem Tag, an dem ich mich mit dem Burnster verabreden will, explodiert eine Autobombe in der Lychener Straße. Seitdem ist auch der Herr Burnster verschwunden. Seit einer Woche. Da fielen Sie mir als letzte Station ein. Und treffen wollte ich Sie auch schon immer. Ich finde nämlich, dass Sie eine ganz ausgezeichnete Schauspielerin sind, Frau Makatsch.“

“Scheren Sie sich zum Teufel, sie Lügner. Sie Dummschwätzer!“, schreit Heike Makatsch empört, schiebt den Tensfelder aus der Tür hinaus und lässt sie krachend ins Schloss fallen. Mit einem Schmunzeln entfernt sich der Mann, der sich Tensfelder nennt, aus dem Haus und geht die Straße entlang, biegt dann um den Block, so dass man ihn von hier aus nicht mehr sehen kann. Hätte er sich denken können, dass er mit der Golem-Story nicht weit kommt.

Fortsetzung folgt…
Folge 3 finden Sie hier
Folge 2 finden Sie hier
Folge 1 finden Sie hier

13 Kommentare zu Die Burns-Verschwörung (4)

  1. MC Winkel
    20. Januar 2006 at 15:10

    Es ist wahr – ich habe keine Idee.

    Herr Tensfelder, bitte tun Sie ´was!

  2. schroeder
    20. Januar 2006 at 15:14

    Daramatisches Vorgeplänkel zum Verschwinden des Burnsters. Halben Tag die Hütte dicht machen… muss man erstmal drauf kommen .-)

  3. Rational...
    20. Januar 2006 at 15:21

    Die Burns-Burns-Verschwörung I

    … die davon handelt, wie ich sofort Heikes Nummer gewählt habe, als ich mit ansehen musste, dass des Burnsters Seite da vor den Augen der Welt auseinanderbröselt. Und davon, wie die alte Zicke erst mal auf mir herumgehackt hat, wo es doch dies einzig eine Mal gar nicht um mich ging. Und wie ich es letztlich geschafft hab, Heike davon abzuhalten, dem dreistesten aller Verschwörungsschreiber eine Unterlassungsklage an seinen niederbayerischen Dickschädel zu hängen, dass es nur so kracht und es trotzdem so aussehen zu lassen, dass es nur der Winnercharme von The Man himself war, der das Heikeleinchen jeglichen Burnsterblutrausch vergessen hat lassen.

    Hihi, war natürlich nur ein Spaß. Die Heike war ja gar net sauer.

  4. das dritte und
    20. Januar 2006 at 15:38

    die heike – eine hysterische? wunderlich, wunderlich, herr tensfelder.

  5. sabbeljan
    20. Januar 2006 at 15:41

    ma ka quatsch, burnster.

  6. Ole
    20. Januar 2006 at 20:03

    Hat der ein Ego, Alter! :) Der eine wird zum Anderen, und dann verschwindet der eine andere, während der Andere eine neue Rolle ergreift. Das wird groß!

  7. MC Winkel
    20. Januar 2006 at 22:51

    Sachtma: Wo isser denn nun? Ich mache mir ehrlich Sorgen!?

  8. Fish
    21. Januar 2006 at 01:26

    Die Wärmestube (Brennkammer) ist ja wieder geöffnet.
    Alle Fragen weiterhin offen. Wie im „richtigen“ Leben.

  9. Opa
    23. Januar 2006 at 12:36

    Die Blockrolle ist auch verschwunden. Langsam wird’s echt unheimlich.

  10. moccalover
    23. Januar 2006 at 20:41

    Habe mich erst jetzt durch alles durchgelesen, ich konnte nicht loslassen und lechze nach mehr. Das ist leichtfüssig und fesselnd, Herr Burnster!

  11. Burnster
    23. Januar 2006 at 22:06

    Merci, Herr Moccalover. Von einem Sprachspezifisten wie Ihnen schmeckt Lob wie heiße Ovomaltine an einem kalten Wintertag.

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