Die Burns-Verschwörung (3)

Folge drei, die echt traumhaft geworden ist und in der Burns mit Hilfe eines rasenden Kieler Prominenten fast der Sonne zu nahe kommt, während er von klappradfahrenden Italienern fantasiert und von der Blogmafia fast über den Jordan gebombt wird.

Die ganze Geschwafel um Don hier, Don da, Don Sowieso ging mir langsam auf die Nerven. Ich wollte Klarheit, nebulöse Verschwörungstheorien machten mich nervös, deshalb las ich auch nicht von Däniken, oder wie der heißt. Ich beschloss, Don Dahlmann einen Besuch abzustatten, um ihn über den Rationalstürmer und den Fons Tensfelder Widergänger zu befragen. Doch zuvor noch kurz heim in die Nordstrand Residenz und eine Truckermütze voll Schlaf nehmen.

Als ich die Wohnungstüre aufschließe, bin ich erstaunt. Habe ich das Licht angelassen? Und die Musik? Und besitze ich überhaupt die aktuelle Common CD?

„Digga, da bist du ja endlich“, tönt es sonor aus dem Wohnzimmer.

„Emrow. Was zum Gehörnten machst du denn hier?“ begrüße ich meinen Freund Mathias Winks alias MC Winkel argwöhnisch.

„Na, du hast mich doch angerufen und gesagt, es gibt Ärger am Nordstrand. Rein ins Kielmobil und hier bin ich um meinem Brother From Another Mother die Stange zu halten.“

„Ich hab dich nicht angerufen. Und woher hast du überhaupt meinen Wohnungsschlüssel?“

„Den hab ich von Mandy.“ Mathias lächelt wissend, zieht von einer roten Gauloises und legt die Beine auf meinen Couchtisch. „Was liegt denn nun an?“

„Puh, wo soll ich da anfangen? Ich versuche, das Ganze abzukürzen: Der Rationalstürmer ist verschwunden und Don Dahlmann scheint etwas damit zu tun zu haben, vielleicht aber auch Don Alphonso. Ich hab dich zwar nicht angerufen, aber wo du schon mal hier bist kannst du dich auch nützlich machen. Erheb deinen holstenveredelten Körper von meiner Couch, spring in deinen Wagen und fahr nach Ingolstadt. Dort quetscht du Don Alphonso zu der Sachlage aus. Benzinkosten kannste absetzen.“

„Aber Bizzkit, mit Don Alphonso hab ich doch gar nichts am Hut. Der ist Intellektueller und ich Entertainmenr-Blogger“, protestiert Mathias.

„Komm schon, Emser. Hilf mir, das ist wichtig für mich. The Allergeilsten zusammen an einem Kriminalfall, das ist doch Anreiz genug.“

„Na gut, aber dafür lässt du die Finger von Heike Makatsch. Die Frau macht dich nur unglücklich. Versprochen?“

„Ok, versprochen“, nicke ich und muss dabei blinzeln.

Nachdem Mathias aufgebrochen ist, lege ich mich in mein Bett und sinke alsbald in einen schweren Schlaf mit schwerwiegenden Träumen.

Ich spaziere unter den Linden entlang bis ich zur Humboldt Universität gelange. Dort postiere ich mich vor dem Haupteingang der juristischen Fakultät und lasse meinen Blick umherschweifen. Der Innenhof ist leer und auch Unter den Linden fahren keine Autos. Hinter mir höre ich plötzlich eine Fahrradklingel, doch als ich mich umdrehen will, reißt mich bereits etwas zu Boden. Rote Flüssigkeit breitet sich um mich herum aus und ich stelle mit Entsetzen fest, dass sich aus meinem Bauch Blut auf das akademische Pflaster ergießt. Ich weiß nicht genau wie es passiert ist, aber ich sehe einen kleinen Italiener mit Halbglatze auf einem Klappfahrrad davonrasen. Nach ungefähr zwanzig Metern dreht er aber wieder um und fährt mit Karacho erneut auf mich zu, während ich in meinem eigenen Blut bade. Der Italiener benutzt nicht irgendein Rad, es ist Klappi, mein jüngst pensioniertes Lieblingsrad. Bevor er mich ein weiteres Mal aufspießen kann, bricht Klappi unter ihm in zwei Teile und der Lenker bohrt sich in den Kopf des Italieners. Beide rutschen noch ein bisschen auf dem Asphalt auf mich zu, dann schwinden mir die Sinne. Braver Klappi, denke ich noch.

Am nächsten Morgen dusche ich mir die bösen Träume vom Hals, nicht ohne die Humboldt-Uni traumgläubig als möglichen Rechercheort zu vermerken. Beim Frühstück telefoniere ich mit Mathias, der mir von seinem Besuch bei Don Alphonso berichtet. Und es klingt fast so haarsträubend wie mein Traum von letzter Nacht.

„Nun Digga, ich war beim Alphonso in seiner Stadtresidenz. Er wollte aber nicht mit der Sprache rausrücken und laberte was von Privatsphäre und Neocons. Aber der MC lässt sich nicht einfach so abspeisen und so schlug ich ihm ein Autorennen vor. Ich im Kielmobil und er im Roadster. Einmal quer durch Ingolstadt. Und was soll ich sagen, ich hab ihn alt aussehen lassen den ollen Antiquitätenjupp. Dafür gab er mir diesen Hinweis, aus dem ich nicht ganz schlau werde, aber vielleicht ja du: Der Rationalstürmer ist ein Ikarus der Blogosphäre. Nun denn, Bizzkid, toi toi toi bei deinen weiteren Nachforschungen. Ich muss jetzt noch mal die Dispo für die Jacuzzi-Einweihungsparty durchgehen.“

Aha, denke ich. Ein Ikarus also. Der Sonne zu nahe gekommen. Der Wahrheit zu nahe gekommen? Welcher Wahrheit? Dass man in Blogs nicht flunkern darf? Wen sollte das stören? Gab es eine Art Freiblogger-Loge, die ethische Grundsätze bei Weblogs zur Not auch aggressiv durchsetzte und Verstöße bestrafte? Das kam mir doch reichlich klabautrig vor, aber mir stand ja noch ein Gespräch mit Il Padrino Dahlmann bevor, den ich nachmittags in einem Cafe am Helmholtzplatz treffen sollte.

Ich gehe über die Lychener Straße, vorbei an meiner Modelagentur, die schon lange kein ordentliches Shooting mehr für mich klar gemacht hat, und als ich auf den Helmholtz hinaustrete, explodiert plötzlich das Auto neben mir am Straßenrand und die Druckwelle schleudert mich auf den Asphalt, wo ich die Besinnung verliere.

Ich bin im Berliner Olympiastadium und liege mit einem Wadenkrampf auf dem Boden. Mehmet Scholl kommt und macht mit mir Dehnungsübungen bis ich wieder aufstehen kann. Dann sagt er: „Ey, Alter. Komm in die Allianz Arena. Wir brauchen einen neuen Rationalstürmer. Der Makaay trifft nicht mehr, der luschige Käseroller.“ Dann lässt er sich von Sebastian Deisler ein Laptop geben und tippt burnster.de in die Adressleiste seines Browsers. Doch da taucht nicht meine Seite auf, sondern eine mit einer Flashanimation in der ich mit Flügeln dargestellt bin die von Sonnenstrahlen durchbohrt werden. Doch dann zerschießt jemand das Display mit dem neuen WM-Ball. Es ist Marcelinho und das Stadion bricht in rasenden Jubel aus.

Fortsetzung folgt…
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33 Kommentare

  1. Geiler Stoff Doyle Burnson. Aber dass der Andere von the Allergeilsten sich die Common selbst mitbringen muss…

  2. ich frage mich schön langsam, mit wem zur Hölle ich da eigentlich telefoniert habe, bevor das mit dem Eisblumenpflücken in die Binsen ging…

    Spannend!

  3. Du jonglierst mit spannenden Sätzen wie Marcelinho mit der Lederkugel, um danach Treffer für Treffer zu landen. Kantersieg für Burns!

  4. An Oles Jargon anknüpfend: lupenreiner Hattrick!

    Wenns so weitergeht, druck ich mir zur Not selbst ein Buch aus dem Stoff. Nur für mich und mein [nicht vorhandenes] Nachttischchen natürlich…

  5. Danke, danke.

    An Malcolm: Mein Drehbuchautor lässt ausrichten: Du sollst aufhören, ihm laufend diese Kuttner SMSen zu schreiben. Er ändert sonst seine Handynummer. Hihi.

  6. das ist tragisch mit dem rationalstürmer, dass der einfach so verbruzelt ist, sonne hin, sonne her! aber das der mc vedummungszigaretten( „liberté toujours“ – von wegen!) raucht – dass er überhaupt raucht! – also, ich weiss ja nicht!

  7. Frau BSC, die Feierabendzigarette lasse ich mir nicht nehmen. Und das ist dann auch eine aus der roten „liberté toujours“-Packung; die sind okay dafür, dass es keine Philys sind und haben weniger Teer als die Marlboro lights, denen man nur etwas Schwere entnommen hat. Und Morris ist bestimmt auch ein Scientologe.

    Da wären wir beim Thema, Buzzlink: Nach dem dritten Tee beim Fonso-Don im zugeschneiten Ingolstadt empfing ich einen absenderlose Kurzmitteilung: „Not your Business! Keep out, L.R. Hubbard“.

    Ist der Erfinfder von „pink“ in die Sache verwickelt?

  8. Em-Chi: Die SMS war sicher fake, um dich zu vergretzen. Bin mir sicher, die stammt in Wirklichkeit von /(%§/(%“/(&/& [this message was scrambled by WP freemason protection]

  9. Liebe Modeste, dazu müssten Sie mich besser kennen als ich mich selbst. Und das wäre eine Lebensaufgabe. Ich harre selbst der Dinge die noch kommen mögen.

  10. I know the last page so well
    I can’t see the first
    So i just don’t start
    It’s getting worse

    bzw. Mundus vult decipi, ergo decipiatur. Was natürlich alles und gar nichts heißt und mindestens die rote Karte wegen eines üblen Kryptikregelverstoßes nach sich ziehen müsste. Allein, bei all dem Lärm kann sich ja auch keine Sau aufs Wesentliche konzentrieren, bleibt also der beherzte Griff zur Nebelmaschine die ultima ratio. Respektive die zweitblödste Ausrede der Welt nach Migräne.

    Denk an den Kuchenkaiser, Kollege, und lass dich net von Alphonsos Gschmarri vom Weg abbringen. Immer Steine auslegen fürn Heimweg. Nie Brotstückchen. Die Raben, Burnse, die Raben…

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