Dezember 2005 archive

Im Schnee

„Winterreifen sind nicht vorgeschrieben, sagt der Chef. Also gibt’s auch keine Winterreifen, sagt der Chef.“ sagt der Taxler und müht sich die Saarbrücker Straße hinauf, um mit einem irren Seitwärtsdrift in die Schönhauser hinein zu stoßen.

In diesem einen Lokal sitzt einer exponiert auf einem Stuhl und knüpft aus kleinen bunten Luftballons, die er selbst aufbläst, einen chinesischen Drachen von acht Meter Länge. Das alles dauert seine Zeit, genauer gesagt einen halben Tag. Unterdessen saufen sich die Leute die Leute schnuckelig und jeder sieht aus, als müsste man ihn irgendwoher kennen, hoffentlich auch wir. Die Schuhmode der Damen bewegt sich in dieser Stadt ohnehin am ethischen Grenzwert und das Jeans in die Hose schubsen verhallt langsam als drei Jahre alter letzter Schrei und hat zudem schon die niederbayerische Provinz erreicht, aber was man heute Abend an entarteter Fellkunst sieht, gleicht einer Ausstellung über das Leben des Homo heidelbergensis zur Eiszeit.

Horden von Touristen belagern den Reichstag und wenn das Markttor von Milet im Pergamon-Museum heute umfallen würde, träfe es Hunderte und nicht die Falschen. Unter den Linden hat seine jüngst wiedergewonnene Pracht mal wieder zu Gunsten einer dieser unsäglichen WM-Baustellen abgegeben und die Welt wird sich wundern wenn sie bei Freunden zu Gast ist: So pedantisch und organisiert, wie sie sich das dachten, ist er nicht, der Deutsche. Zumindest nicht der Berliner. „Ich habe unfertig“ lautet unser Motto hier.

Auf der Baustelle weiß der Gerüstbauer nicht, ob er die dicken Handschuhe anziehen soll, denn dann merkt er nicht wo er hinlangt, oder die dünnen und ihm die Extremitäten abfrieren, weil der Körper muss ja Herz und Nieren erwärmen. Da kann man auf ein paar Zehen und Finger im Notfall verzichten. Die Schneeraumfahrzeuge sind so beeindruckt von dem weißen Spektakel, dass sie die Räumschaufeln gar nicht mehr senken, sondern einfach so aktionslos die Hauptstraßen patrouillieren.

Die Rodelbahn am Potsdamer Platz, für die man Ende November exklusiven Originalschnee aus Saalbach, Hinterglemm einfliegen ließ, ist dermaßen mit Berliner Schnee abgefüllt, dass ein Betrieb der Bahn nicht möglich ist. Italiener, Spanier, Engländer und vor allem Franzosen überfallen gleichzeitig die Einkaufsarkaden, während der Maronistand unbeachtet vor sich hindampft.

Um vier Uhr in der Früh fährt ein kleines Räumfahrzeug über den Bordstein am Nordstrand vorbei, aber räumt nicht.

„Es sind verrückte Tage. Sagt auch der Chef.“ sagt der Taxler.

Gleich

Verwegen, wie der Kerl da so in seinem Stuhl am Franz-Josef-Strauß-Flughafen lümmelt. Miltärmütze mit Buttons drauf, einen Streifenpullover, eine schwarze Armeejacke, eine zerissene Jeans und spitze Stiefel, man möchte fast meinen, er wollte, dass wir ihn so sehen. Gleich wird er in das Flugzeug einsteigen um am Ende des Tages in der jahresmüden Nekropole zu münden. Gleich wird er aufsetzen und den nassen Schnee aus den Berliner Straßen heizen. Gleich kommt er zurück und zündet erneut die Flamme an, die euch durch dieses Scheißwetter, durch die finstren Nächte vor eurem PC und die schlimmsten Sinnkrisen leitet, an der ihr euch aber auch die Finger verbrennen könnt wenn ihr nicht aufpasst. Gleich ist er wieder da.

Licht an!

Ein Weihnachtsgedicht

Sonderbare Jahre verabreichen dem Besten
Zweifel an der Wahrheit der ehemals so festen
Dinge, die da waren, mit einem Mal nur scheinen
Der Kahn treibt so dahin, denn los sind alle Leinen

In Rätselhaft genommen, die Welt und ihre Läufe
Die Werte stehen verlassen im Regen und es träufelt
Salz auf unsere Wunden und Pfeffer aufs Gebälk
Wer heute noch nicht beisst, zumindest schon mal bellt.

Mehr Fragen tun sich auf als Antworten vorhanden
Und wer will schon alles wissen außer die Probanden
Wir alten Hasen sollten uns kurz und ehrlich fassen
Und wenigstens an Weihnachten die Fünf gerade lassen.

Die Grübelei ist ohnehin ein Bastardkind der Kälte
Die ernste Stirn ein Winterleiden, in sommerlicher Bälde
Sieht jedes Fragezeichen aus wie eine Note
Aus einem Lied aus einer Show mit super Einschaltquote

In jedem Fall

Heimfahren im Schnee. Und noch im Berliner Umland kommt die tödliche Kurzmitteilung. Kaputtheit und Unmöglichkeit vermengt mit heroinartigem Zutrauen. Das Jahr hört auf, zehn Tage bevor es zuende ist. Leere Briefkästen auf Papas Rechner, das Telefon schweigt sich aus, über das was da passiert ist. Es ruht allein das stille Grauen über den niederbayerischen Dächern und Wäldern. Ungefähr ein Jahr später wird im Münchner Schneegestöber nach Mitternacht der Startschuß zum Ende fallen. Das letzte Kapitel dieser todernsten und tumorvollen Saga wird in Berlin spielen. In einer Szenerie, die später als Nordstrand bekannt werden wird. Und wie alle Jahre zuvor werden wir untröstlich sein. Untröstbar sogar.

Heimfahren ohne Schnee. Und noch im Berliner Umland entfärbt sich die Erinnerung an die Willkür der Jahre. Der letzte Jahrmarkt gab genug her, um erneut auf Möglichkeit zu setzen. In Niederbayern wartet wieder die Stille, aber sie ist bereinigt von dem Grauen. Sie ist wieder weiß, Schnee hin, Schnee her. Das Jahr hat noch nicht aufgehört, aber bereits jetzt diktiere ich dieser Website: Es war ein sehr gutes. In jedem Fall.

King Kong

Und überall auf dieser katastrophengeilen Welt wurden Millionen Wecker gestellt. Und morgens um 5 hingen sie vorm Fernsehbild in der Hoffnung, heut‘ wird original gekillt. (Udo Lindenberg – Sister King Kong)

Mein lieber Herr Gesangsverein. Du bist ja ganz schön groß geworden. Ich weiß, es ist ein Dschungel da draußen und man muss sich behaupten aber dass du dann gleich so groß geworden bist. Du gehst einem ja gar nicht mehr aus dem Sinn.

Dein insuläres Dasein musste ja irgendwann ein Ende haben, das finde ich ja im Grundsatz ganz gut. Aber dann hierher kommen und so eine große Lippe riskieren, musste das sein? Ja, natürlich hat es dich getrieben, nein, Entschuldigung, sie haben dich getrieben. Ich hab dich getrieben? Ich war das also? Nur weil ich damals auf deiner scheiß Insel gestrandet bin? Wer hat mich denn in seine Riesenfaust gepackt und wollte mich samt Haut und Haaren auffressen? Wer hat sich denn mit seinem dicken Hintern durch die Hintertür gequetscht?

Es gab eine Zeit, da waren wir uns einiger. Einigermaßen vertraut waren wir uns sogar. Du erschienst mir gar nicht so furchterregend, wenn ich dich näher anschaute. Eigentlich warst du sogar ziemlich schön, wenn man durch dich durchschaute. „Auf sie mit Gebrüll“ haben wir manchmal gescherzt und ich weiß noch als du sagtest, du würdest wegen diesem Aggressionsproblem endlich einen Therapeuten aufsuchen. Ich war richtig stolz auf dich. Doch dann hat dich dein urinstinktiver Freiheitsdrang wieder gepackt und du hast mal pro forma um dich geschlagen und geschaut was man so alles in einem Radius von 600 Kilometern zusammendreschen kann. Kein Wunder, dass die Leute neugierig wurden und anfingen zu reden.

Und jetzt ist das Wehklagen natürlich groß. Hoch oben auf deinem Turm hockst du und veranstaltest einen riesen Zirkus, weil du nach Hause willst. Dass du dir nicht blöd vorkommst, so exponiert in deinem Selbstmitleid. Natürlich geht es hier etwas rauer zu. Hier in der Stadt musst du dich eben damit auseinander setzen, dass du anders bist, dass du alles kaputt machst was du anlangst. Und dass man trotzdem nicht immer mit dem Kopf durch die Wand kann. Du mit deinem Dickschädel.

Jetzt bin ich aber auch noch so blöd und bleib bei dir die ganze Zeit. Und was ist der Dank? Du lässt dich gehen, lässt dich abschießen wie ein Stück Vieh und ich sitze die ganze Zeit in deiner Hand und muss mir das alles mit anschauen. Dabei hätte ich längst Besseres zu tun anstatt mich hier permanent zum Affen zu machen.

Also dann, Ciao. Kannst mich ja anrufen wenn du mal wieder in der Stadt bist.

Glatteis

Während sich Jungschauspieler Dings und seine gurrende Schwarzhaarige in der Herrentoilette einsperren, hat Paul Smith samt Hits und Hitlerscheitel selbst diejenigen Marketingmatratzen im Griff, die bis gestern Maximo Park für eine Grünanlage in Treptow hielten. Alles schunkelt auf der VIP Tribüne und wie üblich liegt es nicht an der Musik, sondern an den Hektolitern Wodka Red Bull die man den Leuten für lau eintrichtert.

Vorher war Eddie Argos zu Gast auf der Columbiabühne. Schuhe ausgezogen und an den Bühnenrand gestellt, dann die Blaupause originären Rock Entertainments für alle A&Rs – und solche die’s werden wollen – geliefert. Zwischendurch hat die Kuttner die Leute im VIP Bereich angeschissen, dass sie sich gefälligst die Bands anhören sollen, statt nur rumzuhängen und Wodka Red Bull zu saufen. Das war bei The Coral.

Dings ist auch da und der Dings und natürlich die Dings. Die ist jetzt mit dem Dings zusammen, hat sich wohl von dem Dings getrennt. Aber nix genaues weiß man nicht. Schlimm genug, dass die Dings noch immer mit dem Dings liiert ist. Die Dings ist ironisch, weil sie nicht zugeben kann, dass es ihr hier gefällt. Sie ist vermutlich Ironiemoderatorin. Der Dings sagt, dass er noch auf diesen anderen Showcase muss, obwohl die Dings noch hier bleibt. Mir fällt schon wieder nicht ein wie eigentlich der Dings jetzt mit Vornamen heißt und deshalb rede ich nicht mit ihm. Astra Kid haben sich endlich aufgelöst.

Man sagt: später ist noch eine Party bei der Dings, die ich nicht kenne. In der Maria legt der Dings auf und im Watergate der Dings. Die Kuttner macht noch eine Ansage, diesmal über Mikro und blamiert die VIP-Tribüne. Ist mir zu plakativ, obwohl sie Recht hat. Die Marketingmatratzen fühlen sich natürlich nicht angesprochen und johlen. Der Dings klopft mir wohlwollend auf die Schulter und ich nicke wohlwollend zurück, aber weniger wegen dem Dings, sondern weil er die Dings dabei hat. Die hat mittlerweile ein Mittzwanziger Akneproblem, aber im mystischen Halbdunkel sieht man das ja nicht.

Vorher waren wir im Dings essen. Am Tisch gegenüber saß die Dings und feierte vielleicht ihren Geburtstag. Sicher einen über Vierzig. Sie hatte den Dings eingeladen, der mit der Dings zusammen ist, die mit der Dings diesen Weizengrasladen hat. Ich kenn die Dings nur aus dem Fernsehen, aber der Dings hat sie wohl öfter im Kuchenkaiser gesehen. Daran denke ich, während Pauls Band „Apply some pressure, release some pressure“ skandiert. Wo ist jetzt eigentlich der Dings schon wieder hin?

Dem kleinen Schotten, der bei Dings dabei ist, ist das alles relativ wurscht, in der Hauptsache interessiert ihn das Saufen. In Glasgow sticht man sich hin und wieder ab, sagt er. Das gefällt mir.

Punkcore

Auf dem Weihnachtsmarkt für arrivierte Handschuhkäufer und Yogitee- statt Glühweintrinker vernehme ich folgende Durchsage:

„Der Erlös der Versteigerung kommt der Punkcore Suppenküche zu Gute.“

Und ich denke noch: Fein, das ist ja mal ein innovatives Spendenkonzept. Und das auf dem schicklichen Kollwitzmarkt.

Als ich schon längst bei meinem Hummus/Schawarma Teller in der warmen Sphinx sitze, fällt mir auf, dass Punkcore phonetisch identisch mit Pankow bzw. Pankower ist und schon bin ich um eine Sensation ärmer, aber immer noch um eine Anekdote reicher.

Wolf

Schon einige Dekaden hege ich ein Faible für Horrorfilme, je klassischer desto besser. Das Genre Spezifikum Werwolf bereitet mir allerdings seit vielen Jahren nicht nur bei Vollmond Kopfzerbrechen. Die Slasher slashen in bester Laune weiter durch die Filmgeschichte, die Vampire beißen sich rüstig durch die Jahrzehnte, die Zombies fingen jüngst sogar an zu laufen und sind auch ansonsten recht gut zu Fuß, nur der Werwolf, der schwächelt und schwächelt.

Gerade hat Wes Cravens „Cursed“ meinen DVD Player verlassen und wie so oft wirkt der gemeine Werwolf in diesem Film maximal so furchterregend wie der böse Wolf in einer Rotkäppchen Illustration für Waldorf Schüler. Selbst Michael J. Fox als „Teenwolf“ hat mir ein paar Nackenhaare mehr aufgestellt. Ähnlich frustrierend läppischen Werwolf Inkarnationen musste man in den letzten bereits in „An American Werewolf in Paris“, in „Underworld“ und selbst beim an sich sehr stimmungsvollen „Le Pacte des Loups“ (Pakt der Wölfe) beiwohnen. Es ist wie ein Fluch. Da mag die Tricktechnik einigermaßen glaubwürdig Riesengorillas auf dem Empire State platzieren, bei den Werwölfen raucht sie regelmäßig ab.

Klar gibt es auch lobenswerte Ausnahmen wie den grandiosen „An American Werewolf in London“ von 1981, der nicht nur wegen seines gehässigen Humors sondern tatsächlich auch wegen seiner Werwolf-Darstellung ein Highlight des Genres bildet. Im Besonderen wegen der besten Verwolfungsszene aller Zeiten. Ebenso schockend und zudem ästhetisch wertvoll: „The Company Of Wolves“ von Neil Jordan, zu deutsch: „Zeit der Wölfe“, womit wir zwar wieder bei Rotkäppchen und dem bösen Wolf wären, aber einem mit Hand und Fuß.

Entweder widmet man den Wolfsmenschen in der Filmgeschichte schon seit jeher zu wenig Budget, oder es handelt sich im Grundsatz um eine nahezu ummöglich als furchterregend visualisierbare Gestalt. Oft fällt ein gut ausgehandelter Spannungsbogen gerade dann in sich zusammen, wenn die Wolfsgestalt in vollen Umfang auf der Leinwand zu sehen ist. In Mike Nichols „Wolf“ mit Jack Nicholson ist dann auch das Nichtauftauchen eines finalen Werwolfs die geschmackvollste Zutat des Thrillbarbecues.

Leider ging der erste Werwolf Flicken „The Werewolf“ von 1913 verloren. Es handelte sich um die achtzehnminütige Verfilmung einer indianischen Legende und bereits hier wird eine Transformationssequenz eingesetzt, die ich nur zu gerne gesehen hätte. 1935 sieht die Wolfsgestalt in „Werewolf in London“ bereits aus wie der Wookie Chewbacca aus „Star Wars“.

Wölfisches liegt ja auch ganz bestimmt in eurem geschätzten Hausherrn. Vielleicht sollte ich mich mal nach dem Konsum einer Flasche Ouzo in einer Vollmondnacht abfilmen. Vielleicht finden wir so den glaubwürdigen Werwolf, nach dem hier gesucht wird.

Fick das System, junger Burnster!

Die Kommandokette sieht ihn wieder einmal ganz unten vor, als es darum geht, den scheinheiligen Abend im großväterlichen Haushalt auszugestalten. Er, ganz der junge, zornige Mann, der Tritt ans Schienbein der niederbayerischen Gesellschaft, gerade er soll das Weihnachtsevangelium verlesen. Als ob es nicht reicht, dass er sich jedes Jahr der vorwürflichen Interrogation aussetzen muss, wieso er als angeblicher Gitarrenspieler nicht einmal „Es wird scho glei dumpa“auf der Spanischen zupfen kann.

Aber nicht mit mir, denkt er quer. Und er spürt ein subversives Zerren an sich, aber es ist nur der Herr Papa, der ihn zu sich herholt und ihm das billige Pergamentimitat mit dem Weihnachtsevangelium in die Hand, in die Faust drückt. Alle Augen ruhen auf ihm und er weiß, dass man Kalamitäten am Heilig Abend eigentlich besser aus dem Weg geht, will man ihnen nicht das ganze nächste Jahr über bei jeder unpassenden Gelegenheit über denselben laufen.

Und dann hört er sich ganz laut sagen: „Niemand kann mich dazu zwingen, das zu lesen. Niemand!“ und schon ist das Gezeter groß, der Großvater schimpft, der Herr Papa macht sich lustig und der zornige junge Mann stürmt mit Tränen der Wut aus dem Haus, setzt sich in seinen Wagen und fährt hinaus aufs freie, verschneite Feld, wo er erst einmal solitär und rauchend seine Runden dreht und die bestehende Gesellschaftsordnung so dermaßen gründlich hinterfragt, dass er am Ende keine Ahnung mehr hat, weshalb er jetzt nochmal von den Weihnachtsfestivitäten verschwunden ist.

Natürlich fühlt er sich immer noch überwiegend im Recht als er nach Hause kommt und sich demütig ins Christbaumzimmer schleicht um zu sehen, ob jemand nicht aus Versehen eines seiner Geschenke liegen gelassen hat.

Weihnachtslaboratorium

Um und gegen die Weihnachtszeit packe ich immer meinen Emotio-Experimentierkasten™ aus. Ich spiel ein wenig damit herum, schließe mal das an jenes und jenes an das an. Verdrahte ein paar lose Enden und setze ein paar Gedanken unter Strom, schalte den Kreislauf an und wieder aus, oder distilliere ein wenig mit ätzenden Zusätzen herum und sehe, was dabei herauskommt.

Nun ist es ja nicht so, dass ich um und gegen Weihnachten zuviel Zeit übrig hätte und sie deshalb mit sinnlosem Sinnieren vergeige. La Tristessa der langen Weile findet momentan keinen freien Liegestuhl am Nordstrand. Es ist vielmehr diese jahresabschließende Resümeegeilheit, die einen zu solch kindischen Experimenten treibt. Und da kann einem Knaurs Taschenlexikon des Buddhismus tausendmal die „Abwehr unheilsamer Geistesinhalte“ empfehlen, das eine oder andere Dämonchen versteckt sich immer wieder im Adventskalender, wenn man lange genug an allen 365 Türchen rumfummelt.

Letztes Jahr haben sich die ehemaligen Klassenkameraden auf dem jährlichen Heimatworkshop noch um Doppelnamen, Kopf und Stehkragen diskutiert. Dieses Jahr dürften wohl die ersten Ergebnisse bekannt gegeben werden. Auf der diesjährigen Familientombola werden dann die Kindernamen verlost. Ich lasse mir wohl wieder einen Schnauzer und lange Koteletten dafür stehen. Eine Truckermütze wie sie in Mallersdorf-Pfaffenberg noch lange nicht en vogue ist, verstärkt den existenzgründerisch positiven Eindruck den ich dort zurücklasse, bevor ich wieder in die Hauptstadt der Luftprojekte abreise.

Wenn der ganze panisch planerische Humbug dann endlich am Weihnachtsabend dem trauten Dinner meines meisterlich aufkochenden Herrn Papas weicht, wird der Experimentierkasten wieder für ein Jahr in die Ecke gepackt, … aber vielleicht jage ich an Silvester auch noch schnell etwas in die Luft, wenn sich die Zeit findet.

Damit es endlich weiter gehen kann.

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