Oktober 2005 archive

Zehn aus der Hölle

Eine Lästerübung

1. Scorpions – Wind Of Change
Nicht nur für Wessis die musikalische Geißel des uns bekannten Universums. Was Klaus Meine und Konsorten da gegen die Menschlichkeit verbrochen haben, ist nicht wieder gut zu machen. Wenn man in Deutschland nochmal eine Mauer baut, dann bitte um die Scorpions. Einmauern.

2. Joe Cocker – Sail Away
Da vergeht einem die Lust aufs Beckstrinken gar gänzlich. Man muss sich überhaupt wundern, warum dieses Bier einen solchen Siegeszug antreten konnte bei so einem musikalischen Backup. Die Hans-Hartz-4 Version war ja schon beulenpesterregend, aber in der Cockerschen Inkarnation möchte man tatsächlich nichts lieber als sich komplett gen Jenseits zu dröhnen und irgendwohin abzusegeln, wo dieses gruselige Spastigegröhle nicht mehr zu hören ist.

3. The Weather Girls – It’s Raining Men
Um Himmels Willen. Wenn es je Männer regnen sollte, dann doch bitte die „Fat Boys“, damit sie die fetten Wetterpomeranzen zurück in das Loch hämmern, aus dem sie gekrochen sind. Bereits in der Jugenddisko penetrierte man mich mit diesem Fünf-Zentner gewordenen Stück fettgrabschiger Altweiberphantasie und ich habe gebetet, dass ich dieser unheiligen Zeit entwachsen werde. Fehlanzeige. Den Dreck hör ich auch heute noch auf Privatparties. Oh Herr, lass Geschmack vom Himmel regnen.

5. Fool’s Garden – Lemon Tree
Von mir aus soll der Komponist dieses Stück Scheißes sein ganzes restliches Leben lang alleine vor seinem beschissenen Zitronenbaum sitzen und sich fragen, warum ihm neulich ein offensichtlich Behinderter das Blaue vom Himmel heruntererzählt hat. Dass der Text eine lückenlose Frechheit ist, kann ich verkraften. Die Dortftrottel-Hookline nicht.

6. Opus – Live is Life
Schon damals habe ich mich gefragt, wer genau denn diesen Song eigentlich gut findet. Sicher sind es die Leute, die immer gern Motorrad gefahren wären oder mal eine elektrische Gitarre gekauft hätten. Sicher sind es vor allem die Leute, die schon immer gerne dabei gewesen wären, als der Herrgott Hirn vom Himmel regnen ließ. Dieses Gebrülle im schlechten Ösi-Akzent rund um den derangiertesten Songtitel der Musikgeschichte (von „Tweedle Dee Tweedle Dum“ von Middle Of The Road einmal abgesehen) kann man nicht mal mit zehn Litern Wodka Redbull ertragen. Soviel muss der Herwig Rüdisser auch ungefähr intus gehabt haben, damit er sich erblöden konnte, diesen Müll einzusingen.

7. Dionne Warwick (and friends) -That’s What Friends Are For
Da vergeht einem das Lachen ganz gründlich. Dionne und ihre Freunde aus der geschlossenen Psychatrie können sich ja gerne an einem Freundschaftseid vergehen, aber mich lasst ihr da bitte raus ihr hirnwindelweichen Harmoniejunkies. Pfui.

8. Kenny Loggins – Foot Loose
Wenn ich könnte, würde ich Kenny Loggins für diesen Song gerne beide Beine absägen. Dann wäre er nicht nur seine Füß los sondern vermutlich auch sein Bewusstsein, würde die Fresse halten und mich nicht mit dieser Boogeynummer für Ästhetikamputierte molestieren.

9. Stevie Wonder – I Just Called To Say I Love You
Fehlendes Augenlicht darf nicht als Begründung für diese Jauchegrube von einer Schnulze herangezogen werden. Dass Stevie Wonder offensichtlich keine Noten lesen kann, mag man ihm verzeihen, aber die Ohren sind ja wohl noch dran.

10. Tracy Chapman – Talking About A Revolution
Neulich habe ich von einem Mitbewohner gehört, der gerne nach Hause kommt, sich einen Zigarillo anzündet, sich in seinen Ohrensessel fläzt und dazu Tracy Chapman hört. Hätte ich solch einen Mitbewohner, ich schwöre ich würde ihn mitsamt seinem Ohrensessel packen und auf die U-Bahngleise am Rosenthaler Platz setzen. Und zwar unter der Woche vor 18 Uhr, da kommt die U8 im Vierminutentakt.

Abschlussbemerkung:
Öffnet eure musikalischen Folterkeller. Ich will’s wissen! Los!

21

„Guck mal, da oben wohnt der Nico. Das ist ein Netter. Der zieht jetzt dann nach Australien und surft einfach ein halbes Jahr lang. Der war früher mit dem Fabian befreundet. Weisst du, der Fabian, der bei den Zoonstars Bass spielt. Die haben ja jetzt diesen total durchgeknallten Schlagzeuger. Schlagzeuger sind irgendwie immer voll durchgeknallt. Ich hab mal diesen Drummer von Die Happy getroffen, der war total krass. Die Lisa von Silvershine ist ja mit dem zusammen. Die ist auch mal mit diesem MTV Moderator nach Hause gegangen. Diesen Max, den ich auch kenne. Der hat mich mal auf einen Kaffee eingeladen, aber der nimmt so krass viele Drogen. Ich glaube auch, dass der depressiv ist. Morgen werd ich den Sebastian besuchen. Ich find den so heftig mit seinem Zungenpiercing, ich muss den unbedingt mal küssen. Mal sehen wie das so kommt. Der ist ja auch Halbasiate. Das ist total interessant. Heute ist ja auch noch dieses MTV Designerama Ding. Ich hab auch mal so Taschen designt, aber MTV finde ich eigentlich total doof. Überhaupt ist Fernsehen scheiße. Ich lese lieber. Kennst du den Kracht? Oder die Sibylle Berg? Ich schreib selbst gerne. Die Lina und ich haben so Accounts bei Jetzt.de und wir schreiben Geschichten so aus dem Klub und über diese krassen Leute, die wir so kennen. Eigentlich hab ich da auch überhaupt keine Lust drauf, obwohl der Julian versprochen hat, er macht mir so eine eigene Internetseite. Vielleicht kommen da auch so Fotos drauf von mir. Der Nils hat ja mal so ganz stylische Schwarzweißfotos von mir gemacht, wo ich auf so einer Baustelle bin. Ich fotografiere selbst total gut aber ich hätte überhaupt keinen Bock zu modeln. Echt nicht mein Ding. Ich bin schon häufig auf der Straße von irgendwelchen Trendscouts angesprochen worden, aber ich hab die sofort weggeschickt. Außer den Mike, mit dem telefonier noch öfter. Stell dir vor, gestern hab ich ein Mail von dem Juan aus Mexiko bekommen. Ich hab den damals bei dem Austausch in L.A. kennengelernt. Der ist so kitschig. Schreibt immer, dass ich sein Engel bin. Doof, oder? Lass uns mal in die Monophonie gehen. Da legt heute der Steffen auf. So Minimalscheiß. Ich mag das ja nicht. Ich höre gerne so Indiezeug, so eher was unbekanntes, oder Sachen, die total rocken. Morgen gehen wir alle aufs Babyshambles Konzert. Ich mag den Typen ja nicht, aber die Lina hat Gästeliste klargemacht. Moah, ich muss echt mal wieder nach London. London ist so cool. Aber ich werd wohl nach Berlin gehen nach der Zwischenprüfung. Was machst du eigentlich so am Wochenende?“

The Soilevel and the Funclub


Wieder in Berlin. Zurück von der Mikrotour mit der höflichsten Band der Welt. Wir haben zwar unendlich viele Kilometer und Nerven verbrannt, aber das war es wert. Teenage Fanclub sind die Verkörperung von aufrichtigem Gitarrenpop ohne jeglichem Hipnessaufhänger, dafür aber mit jeder Menge Seele und Anstand. Aber von vorne.

Die Anreise nach Stuttgart war wie erwartet der nackte Horror. Obwohl uns der Sonntagströdler- und Baustellengott günstig gesonnen war, ist es einfach alles andere als eine Freude von einem Zipfel der Republik zum nächsten bei sinnentleert sinflutartigem Regen zu gondeln. In Stuttgart selbst staunten wir nicht schlecht über das elefantöse Verkehrsaufkommen an einem späten Sonntag Nachmittag im Oktober. In der Röhre, dem Veranstaltungsort, kam es dann zum ersten Aufeinandertreffen mit den Herren Blake, Love, McGinley, Macdonald und dem großväterlichen Ehrenroadie George, der jede erdenkliche Pause nutzte, um seinen Kneipenfolk unters Volk zu jubeln. Geholfen hat er uns wo er nur konnte und das nicht nur manuell sondern auch phrasuell. „Music is no competition. It’s from the soul“. Aha.

Unser Auftritt verlief zufriedenstellend, das Teenage Fanclub devote Publikum staunte zwar ein wenig, warum wir so viel auf der Bühne herumhektikten, aber man mochte uns wohl und nahm uns selbst unser deutliches Epigonentum nicht krumm. Ein weiteres Highlight des Abends war freilich das von Opa Ede angeordnete Treffen mit dem schwäbischen Max Goldt unter den Bloggern, dem mächtigen Herrn Poodle. Ein paar Bier später hielt der auch eine mit „Satan liebt Dich“ signierte CD in den ehrwürdigen Händen. Teenage Fanclub legten ein grandioses Konzert hin und versuchten sich an einem Sonntag an Stuttgarts Nachtleben, während wir, wohlwissend der Sinnlosigkeit dieses Unterfangens, den direkten Weg in die Jugendherberge antraten.

Am nächsten Morgen ging’s zurück auf die Autobahn ins verkehrsverseuchte Köln, wo wir im Prime Club auf äusserst freundliche und gut gelaunte Haustechniker trafen, die im Gegensatz zu ihren schwäbischen Pendants ihren Frust über ihre deprivilegierte Stellung als Aushilfsmischer nicht an der Vorband austobten, bzw. gar keinen solchen hatten. Die scheinbar tatsächlich ernstgemeinte Freundlichkeit des Fanclubs und ihrer Crew wurde uns langsam unheimlich. Als die Jungs im engen Backstageraum – den wir uns freundlicherweise teilten – ein Interview gaben, entschuldigten sie sich der Reihe nach bei uns für die Unannehmlichkeit. Natürlich waren wir es, denen es peinlich war, Bier aus dem Kühlschrank zu mopsen während das Interview geführt wurde. Nein, ist gelogen. Peinlich war uns das nicht. Aber es illustriert die Nettigkeit der Schottigkeit.

Unser folgender Auftritt war wohl einer der stimmigsten unserer kurzen Bandgeschichte und das Kölner Publikum fühlte sich eine halbe Stunde gut unterhalten von unseren Bababas, Oooohs und Da-do-run-runs. Nach dem Konzert siedelten wir um ins nachbarschaftliche Blue Shell auf diverse Tischfußballpartien, bei denen sich Norman Blake als ziemliche Pfeife am Kickertisch rausstellte. Auch der restliche Fanclub wurde eher weggeputzt statt zu glänzen. Dennoch: Herr Blake als aufmerksamer Zeitgenosse fragte mich ganz fürsorglich, was ich von Anglo American halte. Ich verstand die Frage nicht und ließ sie mir so lange wiederholen, bis ich darauf kam, dass er eigentlich Angela Merkel meinte. Ich wollte niemand den Abend versauen, also fiel meine Antwort moderat aus: „No one wants her to be Chancellor.“ Die Schotten sollten schließlich nicht auf die Idee kommen, jemand hätte die alte Bergziege gewählt.

Ein kurzer Schulterschluss noch zwischen Bayern und Schottland und dann konnten wir uns schwer angezählt ins Taxi schwingen und zur Nächtigungsstätte kutschiert werden, während der Fanclub unter der Führung eines stets um den alkoholischen Fortschritt des Abends bemühten Francis MacDonald noch weiter zockte. Hart im Nehmen, die alten Herren. Härter als die Meerespiegeleier, aber der TFC hatte ja auch frei, während wir heute schon wieder die Bahn nach Berlin hinauf staubten. Summa Summarum: Da Fanclub and de Soilevel were at de scoin in da ren and da sun. And in da mystical half-loight.

    Original Soundtrack:
    High Llamas – Birdies Sing
    Pearlfishers – Across The Milky Way
    Teenage Fanclub – Near You
    Weakerthans – Pamphleteer
    Neil Young – Ohio
    High Llamas – Travel
    Teenage Fanclub – Headstand
    The Sealevel – North Beach

Nordstrand: Ebbe

Ich hab jetzt eine Botschaft, mit der wo ich mich wende. An Trinker ohne Disziplin, an Säufer ganz elende. (Georg Ringsgwandl)

Gestern in einem Aftershow Gespräch fiel mir ganz selbstreflektiv auf, dass ich eigentlich ständig nur am Saufen bin. Seit Tagen, seit Monaten, seit Jahren, seit nun mehr Dekaden. Immer ein geselliges Getränk in der Hand und das nächste gedanklich schon in Petto. Ehrlich, ich kann mich nicht erinnern, dass ich mal eine Weile keinen Alkohol getrunken hätte.

Nun kommt aber keiner an und sagt „Burnster, du Schwachmat Schweinehund, du trinkst dich um Kopf und Kragen.“ Und warum tut das keiner? Weil alle selber saufen wie die Löcher. Nicht umsonst sind wir Deutschen die zweitdollsten Biertrinker der Welt. Was würde wohl passieren wenn man den Leuten ihren Alkohol von heute auf morgen wegnähme und freilich auch die Restdrogen konfiszierte? Wie würde wohl ein vormals typisches Berliner Wochenende aussehen? Ich versuche zu konstruieren:

Der Burnster kommt Freitag abend von der Arbeit und macht sich erstmal gemütlich eine Milchtüte auf. Er genießt die Stille in seinem Kiez und unterbricht sie nur, um sich mit Freunden im FC Magnet auf eine Mangoschorle zu verabreden. Dort angekommen, begibt er sich an den Kicker und legt ein strategisch durchkonzipiertes und hochkonzentriertes Match hin, um sich daraufhin höflich von den anderen zu verabschieden, um nach Hause und schlafen zu gehen.

Am Samstag wacht der Burnster um 6 Uhr morgens auf und geht erst mal joggen. Nachmittags besucht er Museen und die Vernissage eines französischen Fotografen, er schreibt an seiner Doktorarbeit und telefoniert mit Freunden und Verwandten. Abends ist er schließlich mit einer schönen Frau zum Essen verabredet. Er trifft sie beim Italiener, sie trinken San Pellegrino, reden über Chansons und Schlingensief und gehen um 11 ins Bett, getrennt, versteht sich. Es ist schon das elfte Mal, das er sich mit der Frau zum Essen getroffen hat. Nie ist etwas passiert.

Am Sonntag morgen erwacht der Burnster hochmotiviert um fünf und geht erstmal joggen. Danach ein bisschen Fahrrad fahren, schwimmen, vielleicht ins Fitness Center und dann geht’s weiter mit der Doktorarbeit. Wie ein Kleinkind freut er sich auf den sonntäglichen Tatort und er hat auch seinen ollen Freund O. zum Fernsehgucken eingeladen. Zusammen schlürfen sie Joghurtdrinks und spielen Dialogzeilen Prophezeiung. Um Zehn geht der Burnster ins Bett, damit er am Montag ausnahmsweise schon früher ins Büro kann. So gegen Vier.

Eine gar finstere Nachtmahr, nicht wahr? Auf das wahre Leben! Prost Kameraden!

Fighter’s Block

Die Muse küsst mich nicht gerade im Akkord im Moment. Mein Berufs- und Privatleben sind recht ausgefüllt, wenn auch nicht unbedingt mit den Dingen, mit denen ich sie am liebsten ausfüllen würde. Zudem hält sich mein Mitteilungsbedürfnis gerade etwas in Grenzen. Auch das soll vorkommen. Summa summarum: es geht mir gut, aber zum Postieren komm ich eher selten und wenn, dann vergleichsweise uninspiriert. Morgen ist ja nun eh erst einmal die Lesung mit Modeste und Wortschnittchen, mal sehen ob daraus neuer Fabulierungsdrang entsteht. Bis dahin verbleibe ich schwer beschäftigt und gleichzeitig leicht gelangweilt als euer Freund und Kupferstecher Burns.

Kurzkritik zu Wächter der Nacht

And now it’s time for a breakdown. So sehr ich die Meinung der geschätzten Modeste für bare Münze nehme und so sehr ich ihr Geschmack in Sachen Blut und Sinsistres bescheinige, bei ihrer „Wächter der Nacht“ Rezension kommen wir nicht zusammen. Ich war gestern im Kino und ich war sehr wohl rezeptionsfreudig. Schließlich kam ich gerade aus der Zahnklinik und so sollte der Tag nicht enden.

Auch mit viel Blut drin, kann ein Film blutleer sein und auch mit vielen Vampiren bleibt er einem von der Halsschlagader. Die Handlung um den Kampf zwischen But und Göse hat nicht nur einen Bart, so lang wie der Landeanflug des im Film fast abstürzenden Flugzeugs, ihr fehlt eine logische Linie , so wie den Hauptdarstellern jeder Funke von Ansehnlichkeit. Und Entschuldigung, wenn ich verschlissene Menschen sehen will, dann hab ich in Berlin ungefähr 34 Stadtviertel zur Auswahl, da muss ich nicht ins Kino.

Über schlechte Special FX kann man mit schnellen Schnitten ein Leichentuch legen, soviel habe ich begriffen. Aber nur weil’s die ganze Zeit dunkel ist, entsteht kein düsterer Film und nur weil am Ende ausnahmsweise das Böse das Gute einsackt, will ich noch lange keine Fortsetzung sehen. Das Burns Imperium schlägt nämlich sonst gleich mit dem nächsten Verriss zurück.

Die Dämonen der Straßen

Der Bus gelangte auf eine holprige Landstraße und begann seine instabile Lage in unruhigen Aufundabstößen zu demonstrieren. Sie war müde und lehnte halbschlafend an seiner Schulter. Er war hellwach und wünschte sich weg von ihr. Zusammengekettet waren sie, durch ihre kriminelle Partnerschaft in einem fremden Land.

Als die Stöße heftiger wurden, legte sie ihren Arm um ihn, um durch ihn an ihrem Halbschlaf festzuhalten. Von den fetten, irischen Wiesen war nun nichts mehr zu erkennen. Dunkelheit hatte das Land ringsum aufgefressen. Selten hatte er eine solche Finsternis beobachtet. Weit und breit kein Licht. Kein Haus. Keine Straßenschilder. Die Schmerztabletten fingen an, ihre Wirkung zu verlieren und sein Mund begann erneut zu pochen. Er seufzte leise, aber sie schien ihn nicht zu hören.

Bald sah er durch die Windschutzscheibe des Busfahrers – ein Mann mit Mütze im künstlich purpurfarbenen Licht des Busses – die Scheinwerfer eines Autos auf sich zukommen. Die Straße war eng, jemand würde ausweichen müssen, der Bus wurde langsamer. Die Scheinwerfer kamen näher und das purpurne Licht im Bus verlosch, verglühte langsam, bis er vollkommen im Dunkeln saß. Er schien plötzlich allein in diesem Bus zu sein. Er konnte selbst sie weder sehen, noch riechen. Ihr sonst so lautes Parfüm war verstummt.

Die Scheinwerfer des Autos erfassten den Bus, dessen Inneres, erfassten ihn und mit einem Mal kam ihm der Gedanke, dass der Fahrer dieses anderen Wagens der Teufel war. Und obwohl er niemanden erkennen konnte, geschweige denn das Auto selbst sehen, glaubte er zu wissen, dass der Teufel ihn anlächelte. Und er ahnte, dass er nie jemand davon erzählen können würde aber er war sich sicher, dass der Teufel ihn gesehen hatte. Er wusste nun wer er war.

Nachdem die Scheinwerfer den ganzen Bus für den Bruchteil einer Sekunde vollständig erleuchtet hatten, war der Bus zum Stillstand gekommen. Dann war der fremde Wagen vorüber und der Bus fuhr wieder. Sie küsste ihn auf die Wange und das purpurne Licht war wieder da. Er vergrub eine Hand in ihrem Haar.

Später als sie den Küstenort Connemara erreicht hatten, lagen sie wach und regungslos in ihrem Pensionsbett. Niemand sprach. Von draußen hörten sie das kränkliche Jammern einer Möwe und das monotone Pfeifen einer Autoalarmanlage. Vierzig Minuten später waren beide eingeschlafen. Sie träumten vom Tod ihrer Angehörigen und vom Ausgestoßensein.

Nordstrand: Slight Return (Fade)

Eat This, ihr Pessimisten. Mitten im finstren Herbst klopft ein derbe abgehalfterter aber gut gelaunter Sommer an der Tür und als ihr aufmacht, meint er: „Damit habt ihr nicht gerechnet, ihr schwarzsehenden, wetterfühligen Gefühlsdussel.“

Wir treiben durch die Kanäle

Wissen ist Macht. Wissen ist Gift. Rauschgift. In tiefer Nacht schleicht sich der Süchtige zu seinem local Google dealer und der setzt die Spritze da an, wo es so schön weh tut. Der Google-Dealer hat das beste Zeug dazu eingekauft. Die Diplomarbeit der Exgefährtin, ein Photo von dem Ort wo ihr euch das letzte Mal gesehen habt, ein Schnappschuss von ihr aus einer durchtanzten Clubnacht. Eine Stellenanzeige auf die sie geantwortet hat. Den neuen Beruf deines ewigen Nebenbuhlers. Ein Dating-Portal, in dem sie insieriert, die Schule an der sie jetzt unterrichtet, einen alten Gästebucheintrag von ihr, die Band ihres jetzigen Freundes. Bilder von ihm. Texte über den Sommer, die sie einst verfasste. Natürlich könntest du auf härtere Drogen umsteigen. Es gibt Leute die öffnen den Giftschrank für einen. Natürlich könntest du dich auch in den Zug oder ins Flugzeug setzen und dir das Zeug direkt von ihr besorgen. Natürlich könntest du, aber dann würdest du offenkundig straffällig und auf den illegalen Handel mit verbotenem Wissen steht nun mal die Todesstrafe.

Wird sie, fragst du dich, je ein Weblog eröffnen, liest sie deines und kriecht sie auch in schöner Regelmäßigkeit zum Google-Dealer?

Die Wurzel allen Übels

I mecht, dass z`Trauboch Friedn herrscht, dass wagst , bliaht und gedeit,
und dass alle fest dean zsammahoitn in Freid und a in Leid.

Aba ganz z`ghroß solls a net wern, ìs für a Dorf net guat.
Wenn oana den andern nimma kennt und nimma „Grüß Gott“ sagn duat.

Mir ming hoit unsa Traubach, des just so akkurat
An an Schena Sonnta Vormittag da Herrgott gschaffa hat.

(aus Georg Kastl: Die wahre Entstehungsgeschichte von Grafentraubach)

Hier gibt es das ganze vertont vom berühmten Kraudn Burnse und der Biermösl Blosn.

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