Kurze Frage an den Tod
Ich stelle mir folgende Frage: Warum zur Hölle steht der Leichenwagen seit Tagen vor meinem Haus? Nicht, dass ich ihn als für mich zuständig betrachte, aber ein gutes Omen sieht anders aus.
Stellen Sie sich vor, Sie treten morgens mies gelaunt auf die Straße und da steht dann diese Gothik-Karre. Sie brauchen nicht glauben, dass einem das Nuss-Nougat-Croissant an einem solchen Morgen besser mundet.
Freilich ist es in Berlin gang und gäbe, sich die bescheuertsten ausgemusterten Karren zuzulegen: Postautos, Rostautos, Bullenwannen, Badewannen und eben auch Leichenwägen. Man muss sich ja wundern, dass die jungen Leute heutzutage nicht mit ausrangierten U-Bahnwagons durch die Gegend fahren.
Zurück zu der Würmerkutsche. Wohnt da jemand drin? Ist es ein Schlafwagen? Hahahaha!! Kleiner Orkus, äh Jokus. Oder wollte der Totengräber jemand aus dem Haus gegenüber abholen und hat beim Zupacken einen Herzanfall bekommen? Oder hat er nur kurz gehalten, um Zigaretten aus dem Automaten auf meiner Straßenseite zu ziehen und ist aber versehentlich in der Twilight Zone aufgeschlagen?
Oder wartet er auf einen günstigen Zeitpunkt, mich zu überfahren und somit die Arbeit mit dem Vergnügen zu verbinden? Um etwas Licht ins Dunkle zu bringen, habe ich ihm einen Zettel an die Windschutzscheibe gehängt, auf dem steht: “Sind Sie wegen mir hier?”

3. August, 2005 um 12:15
ja, spooky. stimmt, typisch berliner must-have-ich-bin-cool-wagen. die idee mit dem zettel ist grossartig :)
3. August, 2005 um 12:23
Ich denke eher, die warten. Wahrscheinlich auf einen Raucher. Die sterben nämlich früher. So steht es zumindest auf den Packungen. Und wenn es dann, sagen wir mal um 3 Uhr morgens, soweit ist, schlagen die noch vor der Konkurrenz zu. Es herrscht ein hartet Kampf im Totentaxi-Geschäft…
3. August, 2005 um 12:25
“hartet” (wie in “hartet Jeschäft”) ist übrigens keine Huldigung an Berlin, sondern ein Tippfehler.
3. August, 2005 um 12:41
quasi wie taxifahrer an flughäfen
3. August, 2005 um 13:31
Und wie Taxifahrer an sich.
3. August, 2005 um 14:24
Ich hatte auch mal einen Zettel hinter dem Scheibenwischer, auf dem Stand: “Scheiß Tarife!”. Blöder Firmenwagen. Vielleicht kann man tauschen?
3. August, 2005 um 14:29
der Leichenwagen will das laichen wagen –
und wartet drum auf Regen, sonst wird sich da nichts regen
Denn laichen kann man ja nur im Wasser, sagen die Fischköppe und davon gibts heut in Berlin genug – bald isser also Weg!
3. August, 2005 um 14:32
Ich habe gehört, dass in ausrangierten Leichenwagen ein unausrottbarer spezifischer Geruch zu bemerken ist. Die Betreiber dieser Fahrzeuge haben es also entweder mit der Nase oder mit der Birne.
3. August, 2005 um 15:08
eins A idee, mc. “Scheiss Tarife” versteht selbst der Totengräber nicht falsch. ach so, du wolltest die firmenwägen tauschen.
3. August, 2005 um 15:09
der schaut doch eh lustig aus der leichenwagen. wenn er nicht versperrt ist, könntest du ja damit eine runde drehen….
3. August, 2005 um 15:09
Pragmatische Frage: Gab es schon Reaktionen auf deinen Zettel? Hat der Betreiber/die Betreiberin (scheiß antrainierte PC) vielleicht ein großes “Ja” auf die Karre gesprüht oder gar “Memento mori”?
Und apropos Geruch im Corpse-Mobil – Spätestens seit “6 Feet Under” weiß man, dass man (frau, argh, PC) als Toter ALLE kompostierbaren Bestandteile so locker macht, wie es selbst die ausgebuffteste Ayurveda-Tantra-Eso-Farbtherapie-Feder-Massage nie vermochte. Heidi Klum hat ihre schicken Stelzen gegen Beinblessuren versichert – ob man als Leichenwagenchaffeur wohl auch das Näschen gegen Riechabstumpfung durch Todesodem absichern kann?
3. August, 2005 um 15:18
el commandante, du aktivistischer schlaukopf. somit ist der abend gerettet. spritztour im leichenwagen. ich sag morgen, wie’s war, wenn ich nicht todmüde bin.
polyxena, es wurde höchste eisenbahn, dass auf diesem blog endlich mal der begriff “ayurveda” auftaucht. Google smiles. jemand hat: “wir kriegen dich, burnster” auf die karre gesprüht. leider in schwarz!
3. August, 2005 um 15:40
Ich glaub nicht, dass die Ihretwegen da sind – Leichenwagen sind doch heutzutage alle silber, damit es bloß nicht nach Tod aussieht (die Gardinen sind aber meistens noch lila).
Mein einer Cousin fuhr vor 25 Jahren übrigens auch mal einen ausrangierten Leichenwagen. Der hatte nichts an der Nase, sondern einfach nur ein Surfbrett, und das Auto hatte er halt günstig bekommen.
3. August, 2005 um 16:03
Arboretum, zurück vom Eskapismus-Ausflug? Was Leichenwägen betrifft: Da hink ich offensichtlich mal wieder meiner Zeit hinterher. Vielleicht handelt es sich wirklich um einen Surfer, nebenan steht immerhin ein VW Bus, auf dem so ein Spaßspruch steht. Ich bleibe dabei: Bei dem Wetter holt man sich leicht den Tod.
3. August, 2005 um 19:20
Lange her im südlichsten Süden der Republik, da gabs den Lindauer Schoos und seinen Spezl, der überall bloß “Leichen-Eddi” hieß. Das Auto auf dem Bild MUSS seins sein.
3. August, 2005 um 19:59
sieht auch nach leichen-eddi seiner kutsche aus, irgendwie. grade wollte ich sie näher inspizieren, plötzlich ist sie weg. aber ich habe das düstere gefühl, der eddie kommt wieder (und geht wieder, der alte wiedergänger).
ausserdem möchte ich zu allen kottan-fans sagen: inspektor gibts kaan.
3. August, 2005 um 22:27
Ja, Herr Burnston, zumindest teilweise. Ich war übrigens ganz in Ihrer Nähe.
4. August, 2005 um 09:57
ach, der leichenwagen war Ihrer?
4. August, 2005 um 11:42
Iwo, ich war doch mit dem Zug unterwegs. Mein Auto ist wesentlich kleiner, hat dafür aber ein riesengroßes elektrisches Faltdach (hat die Vorbesitzerin einbauen lassen). Im Sommer habe ich damit immer Vorfahrt – mag sein, dass das auch mit Leichenwagen funktioniert, aber wo soll man die hier parken?