Juli 2005 archive

Redaktionskonferenz

Burnster: Also, los gehts. Wer ist anwesend? Guillaume, Burns, Berni und Lex. Sehr gut. Es wird Zeit, sich mal wieder zusammenzusetzen und ein wenig zu sinnieren, wohin uns unser redaktioneller Weg führen soll. In letzter Zeit benimmt sich unser kleines Online Magazine zu wenig teleologisch. Ich will eure Ideen, eure Visionen hören. Du fängst an, Guillaume. Schließlich bist du grade erst neu eingestellt worden. Da erwarte ich mehr Engagement als von alten Säcken wie Berni oder Lex.

Guillaume: Mir doch natsche, Chef. Es kann einfach nicht angehen, dass die Uhren in New York sich verstimmen, nur weil sie gerade Bolz drauf haben. Ich nehme einen Vollbart bei Lohnschein, also raus mit den Kosacken. Kopfgeld pro Meile, wenn du verstehst, Chef.

Burnster: Das gefällt mir in Ansätzen ganz hervorragend, Guillaume. Wie steht’s mit dir, Burns?

Burns: Da weiß ich doch schon wieder, woher der Wind weht. Guillaume hält sich für den Könner hier mit seinem Neusprech. Wenn der Kryptikkrüppel auch nur einen Cent mehr verdient als ich, bin ich raus!

Berni: Jetzt hört doch bitte auf, euch zu zerhacken. Ich habe einige interessante Beiträge in petto. Habe alte Tagebucheinträge rausgesucht und sie zu einer Art Kurzgeschichte zusammengeflochten. Es behandelt die Zeit, in der ich mit…

Burnster: Das kannst du dir abschminken, Kollege. Dein zimperlicher Poesialbum-Ansatz reiht uns doch nur in die endlose Liste weinerlicher Egoblogs ein. Denk dir was über Ficken aus, empirisch gibt’s ja nichts bei dir. Wir brauchen mehr Sex im Blatt. Bei den anderen sorgt das immer für massig Kommentare.

Lex: Entschuldigung wenn ich mich hier einmische, aber wir als Akademiker, Guillaume ausgenommen, sollten einen gewissen Bildungsauftrag wahren. Dieser leicht sarkastische Lokalkolorit inklusive der possierlichen Regionalismen jüngst – das hat mir gefallen. Lassen Sie uns eine Exkursion nach Bayern machen, Herr Burnster und wir sammeln linguistische Eindrücke und präsentieren sie dem nordisch unbedarften Publikum.

Burnster: Ausgezeichnet, Lex. Burns, besorg uns für das kommende Wochenende einen Flieger nach München. Business Class, bitte. Diese verhurten Economy-Sitze schneiden mir die Luft aus den Rippen und ich muss zudem ständig durchs ganze Flugzeug laufen, wenn ich biseln will. Sieh zu, dass es Bloody Mary an Bord gibt. Und mach doch bitte die Musik leiser.

Burns: Jawohl, Chef. (leise: Arschloch)

Burnster: Gucken wir uns doch mal die Konkurrenz an. Was machen die besser als wir? Was brennt bei denen? Bei wem gehen die Leser richtig steilo? Spreeblick lassen wir mal außen vor. Das ist Establishment. Da wollen wir erst in fünf Jahren sein.

Berni: Der Mac Winkel hat total viele Leser. Ich vergönn’s ihm. Hat was Revuehaftes, seine Berichterstattung.

Burnster: Gut, aber wir haben hier niemand mit einer derartig mannigfaltigen Persönlichkeit. Wie stehts mit Ole aus Absurdistan?

Lex: Also, der Bursche gefällt mir sehr gut. Ein Sprachjongleur, ein Belesener, ein Interessierter und im Grunde seines Herzens ein melancholischer Humorist der alten Schule. Der Mann kennt seinen von Bülow.

Burnster: Righty. Aber zu verkopft dürfen wir nicht rangehen. Burns, bring dich doch mal ein, du faules Ei!

Burns: Machen wir halt was mit Weibern wie Schröder!

Guillaume: Kaftan! Du nagelst den Tristan auf den Punkt.

Burnster: Pianissimo, Kollegen.

Lex: Ich weiß nicht, ob wir uns auf ein derartiges Niveau begeben sollten. Berni, sag doch was dazu.

Berni: Ich hab noch diese schönen Schwarzweißphotos als ich damals mit XXXX an der Isar entlang…

Burnster: Dich und die Alte will keiner sehen. Steck dir die Bilder ins Portemonnaie. Lex, Politik?

Lex: Hmmm…., warum nicht, es ist ja auch grade Wahlkampf. Und ich biete mich als Kolumnist und Essayist geradezu an.

Berni: Aber Politik ist so schrecklich unemotional. Ich würde gerne mehr über Musik schreiben. Aber leider werde ich nicht bemustert und es ist nie genug Handgeld zum CD-Kaufen im Haus.

Burnster: Kauf dir deine CDs gefälligst selbst, du Geizkragen. Mir ist das schon wieder zuviel Geblubber hier. Ich mach mal Nägel mit Köpfen: Weniger Tagebuch, weniger Heulen, weniger Metablogging. Mehr Photos, mehr Sex, mehr Lokalkolorit, mehr Weltabgewandtheit, und selbstverständlich mehr Guillaume.

Guillaume: Saprang! Ich memme dich, Chef!

Guillaume Burnaud vs. Geland Bärenfelder

„Du bist mir ja ein mächtiger Glückskekssprücheklopfer!“, feuerte mich Bärenfelder an.
„Geh schneien, oder ich hol dir die Grippe!“, spritzte ich zurück.
„Wenn du auf Dreck bist, bin ich dein Wahn“, muffte er mich an.
Jetzt war ich wieder an der Grundlinie: „Ich spitz dich ungerammt in den Hosenboden!“, gärte ich.
„Hummelfack, du mystischer. Ich geb dir Saures mit der Milchgabel“, retalierte er.
Jetzt stand ich mit den Krücken zur Bank und mir blieb nur noch ein ungezähmtes:
„Saufratz, windiger, dich blas ich zurück in den Kreidekreis.“
Bärenfelder war beeindruckt. „Zwei Korn drauf“, motzte er den Barpendler an.

Ich schneuzte in meinen Windbeutel und übergab ihn an Cha-Cha-Cha. „Hier, behalt mal“, wies ich sie drüsk an aber sie weidete sich nur gretzend an der Verzichtbarkeit meiner Anwesenheit. Wir hatten schon bessere Pleiten gesehen, ich und Judge Norris.

„Was ist jetzt mit dir, du Holzbandit?“, feuermeldete sich Bärenfelder.
„Ich trink den Popanz, aber als du noch ein Piefke ohne Punkt und Komma warst, haben wir uns echten Mumpitz eingefloskelt.“
„Rialto, rialto, Guillaume. Ich rekapituliere: du hast damit angefangen.“
Ein fairer Bug von Bärenfelder, einfach so Schwein beizugeben. Für heute hatte ich genug gekekst und mit mehligen Augen begab ich mich auf den Scheinweg.

Faust auf Faust, hart ganz hart

North Beach

Hier gibt es kein Wasser, hier gibt es kein Meer. Hier gibt es nicht einmal Sand. Hier gibt es nur Straßen und Häuser. Das hier ist der Nordstrand.

Hier liegen wir nicht in Liegestühlen, hier trinken wir keine tropikalen Getränke. Hier wird nur Bier und Wein gesoffen. Das hier ist der Nordstrand.

Hier ist das Trottoir unsere Promenade, hier kommt die Flut in den Straßen. Hier spült es die Leute an. Das hier ist der Nordstrand.

Hier schlagen wir hohe Wellen. Und hier holen wir uns einen Sonnenbrand. Hier sind wir Urlauber und Anwohner zugleich. Das ist hier ist der Nordstrand.

Hier herrscht ein ewiger Sommer und hier klingt „Caroline No“ bis lange in die Nacht hinein. Hier auf dem Asphalt promenieren wir, die strandaffinsten Menschen ohne Meer. Das hier ist der Nordstrand.

I wish they all could be macedonia girls.

I wish they all could be macedonia girls

Ein Gespenst geht um

„Wir haben nichts zu verlieren, ausser unsere Ketten. Aber eine Welt zu gewinnen.“ sagte Martha und sah Samuel dabei halb belustigt, halb auffordernd an. Samuel fuhr sich nervös durch die Haare. Wie konnte sie sich darüber lustig machen? Es stand doch außer Frage, dass sich etwas ändern musste. Sie hatten sich bekriegt und sich fast umgebracht, sie hatten sich totgeschwiegen und sich die Abwesenheit des Anderen schön geredet. All das hatte sie nur wieder an ihren Ausgangspunkt geführt. Den Punkt, an dem es kein Vorwärtskommen gab, aber den immerhin zu zweit. Martha boxte ihn auf den Arm, während er das Auto weiterhin durch die schwarzwerdenden Straßen lenkte.

Sie war wohl wegen ihm gekommen. Natürlich hatte er das gewollt. Natürlich hatte er das veranlasst. Doch jetzt fühlte er sich gelähmt von dem Gift ihrer Erwartung. Sie boxte ihn nochmal auf den Arm, mehr fordernd als spaßig. Er fühlte sich unsicher und das was er an ihr immer so bewundert hatte, ihre bedingungslose Hingabe an eine Aufgabe, war ihm jetzt unheimlich, wenn nicht sogar unsympathisch. Er verschmähte es, seine Ansichten und Absichten zu verheimlichen, aber ein erneuter Umsturz musste klamm und heimlich verlaufen. Sie durfte es kaum merken. Er würde sie erneut zurücklassen müssen mit ihren Plänen und ihrer organisierten Gewalt. Innerlich schrie er auf wie das Land und die Straßen, durch die er das Auto lenkte.

Even if we\'re just dancing in the dark

Die Abenteuer des Guillaume Burnaud

Wummsen. Konnte mir das Siechtum nicht verkneifen, als ich die höhensonnende Guernica Rodriguez in die feisten Bermudashorts kniff. Patschamp! Was hatte diesem Fass nur den Boden ausgeschlagen? War es der Wind in den Weiden oder der Hund von Baskerville, war es der Mann ohne Eigenschaften oder der Hauptmann von Köpenick? War es der Extraterrestrische oder das Bildnis des Dorian Gray? War es jemand aus Mickey’s Gym oder schon wieder Colonel Trautmann? Die Lösung spuckte mir schemenhaft in die Suppe als ich sträflich vernachlässigte Kreuzigungen aus dem Reader’s Digest erfahren musste und deshalb eine Viertelstunde zu spät zum Sickness-Training kam.

Roibusch! Der Sommer ließ zu fluchen übrig. Ich wünschte mir einen Schlauch voller Kadaver und eine Luftpumpe mit Erdbeerbrei. Natürlich wird Kryptik überbewertet aber unter solchen Urnständen blieb der Gang in die Gruft auch nur denen erspart, die ihr Girokonto bei Gott abgeschlossen hatten.

Detzelwetzel! Der Silberaffe zu meiner linken hatte mir den letzten freien Stuhl auf meiner Kondolenzreise nach Jerusalem weggeschnappt. Wie einst der Schwarzenbeck warf ich meine Warzen weg und der Affe war im Nu der Adlatus eines porentiefreinen Advocatus Diaboli. Apropos! Erst gestern bin ich nochmal diesen Vertrag mit Hephaistos durchgegangen und er meinte: Gute Arbeit, mein Junges, du musst noch viel lernen bevor der Hammer hängt. Das hat mich beruhigt und ich fühle mich gewappnet für die Zigeuner aus der Walachei, die mit ihren Stechsensen die Gegend einräuchern. Jedes Jahr die gleiche Nappelschau.

Schabb! Meine Freundin Cha-Cha-Cha Garbo ruft auf dem tellergroßen Telefon an und bezirzt mich bis ich gegen einen Greis laufe, der sich mit einer Kreislaufschwäche bedankt. Gern geschehen sind auch die letzten Tage in denen sich alles nur um das eine gedreht hat. Den verdammten Glospaccio-Regress-Plan. Die grüne Hölle von Brabang, wie könnte ich sie jeh vergessen?

Die gruene Hoelle von Brabang

Burkhardt Fialkowske

Gerade haben wir auf dem Weg von der Mittagspause zum Büro Burkhardt Fialkowske gesehen. Er stand auf dem freien Bauplatz an der Zeughofstr und verpasste einem Weißhemder (wohl der Bauherr) einen ordentlichen Bauarbeiterhändedruck. „Das ist der Fialkowske, een alter Kollege.“ sagt mein Kollege. „Der kommt aus meiner Gegend.“ fährt er fort und deutet auf Fialkowskes LKW, auf dem steht: Firma Fähse, Görlsdorf. Sei Randspreewald, sagt mein Kollege und fährt fort:

„Der Fialkowske ist ein richtiger Hucker. Zuhause n Bauernhof mit richtig schön Tierchen, so Kaninchen und so. Und nebenbei noch aufm Bau arbeiten. Wenn der mal stirbt gibt’s n Kranz aus Kümmerlingflaschen rum. Ein richtiger Dorfdeutscher. Der wirbelt die ‚michs‘ und ‚mirs‘ nur so durcheinander. Der hat auch eine Bläkerstimme, sach ich dir. Richtig hergesoffen. Na ja, is ja och beste Kundschaft von Monis Bauernstüberl, so nach dem Motto ‚Gib ihm!‘. Die Moni, die hat ja Sommer wie Winter immer diese Ganzkörperschürze an…

Nach der Wende hat der Fialkowske mit Biertrinken aufgehört, weil er sich zu füllig fühlte. Hat aber nüscht geholfen, wie du ja siehst. Jetzt trinkt er halt so Wein und Whiskey und so. Seine Tochter is mit mir zur Schule gegangen. Die war mal spitz auf mich. Aber nicht den kleinen Finger hätte die gekriegt… Ha, bei dem als Schwiegervadder hättste sicher heftig ranklotzen müssen. Da wär ich jetzt auf dem Bauplatz gestanden und dauernd was von abladen gebläkt. Ja, der Fialkowske, is schon ne Marke.“

Goerls just wann have fun!

(Copyright www.pfarramt-goerlsdorf.de)

Interview mit einem Bajuwampir

Wir sind bodenständiger, kräftiger, herzlicher, erfolgreicher und natürlich schlauer als die Anderen. Dazu haben wir das schönste Bundesland, das tollste Wetter, die hübschesten Mädchen, die witzigsten Kabarettisten, das beste Bier, das gmschackigste Essen, die Alpen, die höchste Lebensqualität, ein Ein-Parteien-System, unsere eigene Verfassung, sind halbe Italiener und noch dazu sautolerant. Liberalitas Bavariae. The Reflection Of Perfection. Noch Fragen?

Gott mit dir

Ja, eine hätte ich, Herr Burnster. Ist es nicht ein bisschen langweilig in all dieser Perfektion?

Doch, doch. Manchmal fehlt das Unberechenbare, das Chaos. Trotzdem muss man sagen, dass eine heile Welt einem auch viele Freiräume lässt. Denn wenn die Natur sich hübsch macht und das Geld auf der Straße liegt, lebt es sich einfach sorgloser.

Aber Herr Burnster, wenn man in Bayern lebt und nun nicht glücklich und erfolgreich ist. Wie fühlt man sich dann?

Also, falls es sowas geben sollte, wäre der Erfolgsdruck schon unangenehm hoch. In München beispielsweise bist du ohne Job, viele Superfreunde und ohne Partner schön im Hintertreffen. Da kann die bayerische Dolce Vita der anderen sehr schnell zur Belastung für einen werden. Oder Single am Land, wo sie dich mit Einfamilienhäusern und Kindern geradezu zuscheissen. Na ja, aber wer ist schon unglücklich in Bayern?

Und das mit der CSU stört sie nicht, Herr Burnster?

Ach, wissen sie. Man arrangiert sich ja im Laufe der Jahre. Wir haben ja auch so tolle Kabarettisten, die das ganze auf die Schippe nehmen. Da fühlt man sich nicht so allein. Und man kann ja dann nach München ziehen. Da schwingt seit dreitausend Jahren die SPD ihr rotes Zepter. Beziehungsweise, so eine Art von SPD. Traurig sind wir nicht, wenn der Stoiber nach Berlin geht. Aber ich wüsste jetzt auch nicht, was da Besseres nachkommen sollte.


Ich habe gehört, dass die Bayern gegenüber Ausländern nicht ganz so offen sind.

Na ja, wir staunen halt gerne.

Und was hat es mit dieser doch sehr isolatorischen ‚Mir san mia“- & Freistaat-Mentalität auf sich? Sind die Bayern nicht ein wenig zu self-centered, wie der Engländer sagen würde?


Schmarrn, uns Bayern, gerade uns jungen gefällt es überall in der Welt. Während die Saupreussen immer über uns und München herziehen, lassen wir uns ausgelassen in Hamburg und Berlin nieder und bringen ein wenig boarische Gmütlichkeit in eure finsteren Nordmetropolen. Klar, mit vierzig ziehen wir wieder nach Hause und da bleiben wir dann auch. Daheim ist es halt doch am schönsten. Und wenn’s nach uns ginge, hätten wir gerne unsern Kini zurück und wären ein eigener Staat. Aber als isolatorisch würde ich das nicht bezeichnen.

Woher kommt denn eigentlich dieser wirtschaftliche Erfolg? Warum hat sich die New Economy denn seiner Zeit gerade rund um München manifestiert?

Ja, weil der Stoiber genug Pulver hat springen lassen, für die ganzen Existenzgründer. Im übrigen war die New Economy ein Riesenscheißdreck, wenn sie mich fragen. Wer arbeitet schon gerne bis Zwölfe in der Nacht?

Hmmm. Abschließend noch eine letzte kleine Frage, Herr Burnster. Wenn es ihnen in Bayern so gut gefällt, warum wohnen sie dann eigentlich in Berlin? Berufliche Gründe hat das bei ihnen wohl nicht.

Ja mei, diese Sucht nach Sinnsuche, diese Zerstörungswut, diese Lust am Untergang. Wissen sie, zuviel heile Welt kotzt einen mit der Zeit einfach wahnsinnig an. Und inmitten dieses verwüsteten Landstrichs hab ich dann auch soviel Schönes gesehen, das fällt viel mehr auf als Schönes in Bayern. Eine einzelne Blume in einer verwilderten, ungemähten Wiese hat mehr Wert als ein Meer von Blumen. Ausserdem is das Bier hier wahnsinnig billig.

Sommerhitparade

1. The Futureheads – Meantime
18 and Life, you got it. 18 and Life, you know. Herrschaftszeiten, fühl ich mich jung bei dem Song. So als wär heute abend, um die nächste Ecke, beim nächsten Anruf noch alles möglich. Rückwärts in der Zeit gewandter Spaßvogelpop mit einem warmen Windhauch.

2. Wilco – I’m Always In Love
Der Motor läuft, der alte Karren rollt beschwingter als er es eigentlich kann durch den Grunewald Richtung Wannsee. Wer jetzt bei offenen Fenstern nicht raucht, verpasst ein Lebensgefühl.

3. 13&God – Perfect Speed
Das ist eher was für Sommernächte, als Soundtrack für die Suche nach dem Elixir, das einen super macht, das einen von den sirenenartigen Schlafgedanken wegzieht. Irgendwo in dieser Nacht hat sich noch ein Stück Ewigkeit verkrochen, das gefunden werden will. Frei nach Keimzei, ähem.

4. Spoon – Everything Is Disco
Wieder autofahren. Wieder rauchen. Aber diesmal nichts sagen und mit ernsthaftem Herz an der vorbeiziehenden Landschaft laben. Apathischer Song. Apathischer Sommertag.

5. Eagles Of Death Metal – Miss Alissa
Die Hitze macht stumpf und steif.

Weiterhin empfohlen:
Ides Of Space – No Trace Of Fading
New Bomb Turks – Point To A Point
Preston School Of Industry – Whalebones
Alkaline Trio – Deathbed
Gorkys Zygotic Mynci – Face Like Summer
American Analogue Set – The Only One
The Constantines – Long Distance Four
Yo La Tengo – Sugarcube
Low – Broadway
Doctor Bison – Clear The Air

Zefix! Radl richtn!

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Ich besitze ein Klapprad und damit fahre ich auch gerne. Ja, so ein richtig altes Angeber-Berlin-Mitte-Klapprad. Mit zwei Gängen, darauf lege ich großen Wert. In der Regel fahre ich nur Kurzstrecken damit, mehr muss nicht sein, wenn man zentral und kiezig wohnt wie ich. Nichtsdestotrotz schickte ich mich und Klappi neulich auf große Reise nach Kreuzberg und prompt hatten wir uns einen fiesen Schlitzplatten im Hinterreifen eingehandelt, der den Neukauf eines Schlauchs samt Mantel nach sich zog.

Nun gibt es ja Leute, die gehen zum Fahrradunterhändler und sagen: „Einmal Reifen austauschen, bitte, und die lustige Kuhhupe dahinten.“ Nicht so euer Burnson. Denn er ist ein Mann und liebt es, in Unterhemd und Jeans mit Schmiere an den Händen mit Schraubenschlüssel in den Händen den Hinterhof zu regieren.

Hinterreifen rausgeschraubt, nichts einfacher als das. Obwohl, die Zusatzhalterung wartete mit verrosteter Mutter auf und es dauerte doch länger als geplant. Dann erstmal Luft in den neuen Schlauch. Verdammt, ich hatte ja ein Autoventil gekauft, also nochmal hoch in die Wohnung und die andere Luftpumpe geholt. Shit, die falsche, nochmal hoch in den Dritten und nochmal runter. Dann mein Lieblingsprozedere: den Mantel über Schlauch und Reifen stülpen. Viecherei. Wieso geht das nicht einfacher? Die schicken Leute zum Mars aber dafür haben sie noch keine griffige Lösung gefunden. Na gut, Reifen aufgepumpt und jetzt einfach wieder drauf, oder?

Leider ist es nicht ganz so einfach. Die Kette muss erst eingefädelt werden und aufgrund der Kürze der verfluchten Kette passt der Reifen nicht in die Halterung. Klar – erstmal mit Gewalt probieren. Resultat: Klapprad klappt in der Mitte auseinander und Kette fliegt davon. Schließlich verabschiedet sich auch noch der Sattel und im Hinterhof verstreut liegen jetzt: der Hinterteil des Rades, der Lenker samt Vorderreifen, der Sattel samt Stange, die Kette und ein einsam wirkender, neu bezogener Hinterreifen.

Nun gut, erst mal wieder die Kette einfädeln. Hoppla, Kette fällt auseinander. Dreck, verhurter. Okay, Kette eingefädelt und wieder zusammengeheftet. Shite, Kette falsch eingefädelt. Also, nochmal von vorne. Kette geöffnet, Kette eingefädelt, Kette geschlossen. Wieder falsch. Kettenführung bei anderem Fahrrad abgeguckt und den ganzen Scheiß nochmal, Arschaxt. Dann Reifen montiert. Kette wieder zu kurz, doch Kompromiss gefunden, ob der Mist hält, mir scheißegal wie. Schrauben angezogen wie ein Nibelunge. Ach so, vergessen, die Halterung anzubringen. Also nochmal die Hurenschrauben aufgemacht. Welcher Idiot hat die so fest angezogen? Kreizkruzefix!

Arrgh, endlich ist der verschissenene Hinterreifen drin. Mit gespannter Kette. Leicht schief, aber wenn kratzt das? Jetzt das Klapprad wieder zusammenschustern. Kann nicht so schwer sein. Ist ja für die schnelle Montage gedacht. Könnte man meinen. Dreckstück von einem Fahrrad. Wie soll ich die zwei schweren Rahmenteile zusammenhalten und nebenbei noch den Keil durchstecken? Ich habe keine vier Arme und sauschwer ist das Zeug auch noch. Und warum ist die Schraubmechanik auf dem Keil verrostet? Wie soll ich das Hurending jetzt zuschrauben?

Grade noch schnell mit der Zange alle Hebel gen Unbeweglichkeit gehämmert und den Sattel angeschraubt. Das Rad ist wieder eins. Und es fährt. Gut, der Hinterreifen liegt etwas schief und die Kette geht dauernd am Schutzblech an, aber Hauptsache ich habe gewonnen. Beim nächsten Reparaturfall kauf ich mir einfaches ein neues Rad. Und zwar kein so Hurenscheißdreckverrecktes Klapprad, scheißverrecktes.

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