21 Gramm schwere Kost!

Kein pfundiger DVD-Abend. Auch wenn „21 Gramm“ von einem augenscheinlich brillianten Ensemble (Benicio Del Toro, Sean Penn, Naomi Watts) mit Lust zur Selbstentstellung dirigiert wird und Regisseur Alejandro González Iñárritu (Amores Perros) mit seiner fragmentarischen Erzählweise die Fatalität der Ereignisse trotz der Zerstücklung im Zusammenhang grauslich nahe bringt, fand ich den Film pseudomoralisch, aufdringlich, langatmig und ausrechenbar.

Zugegeben, die eine oder andere Szene hat mich in den Schlaf verfolgt, intensiv muss der Film also gewesen sein, im Gesamten hat mir das Spektakel aber deutlich zu lange gedauert und die Hackepeter-Antichronologie hat mich am Ende kollossal genervt, weil einfach gottverdammt nichts voran ging. Ich glaube wirklich, Herrn Inarritus Standpunkt verstanden zu haben, deutlich verstanden, zu deutlich – JA, ICH HAB’S JA VERSTANDEN! Dieser Diskurs zu fundamentalen Fragen des Lebens wie „Was ist ein Leben wert, wieviel wiegt es?“ (21 Gramm hat jemand gesagt) war mir zu aufdringlich und Sean Penns Löffel-Ab-Monolog wäre nun wirklich nicht mehr notwendig gewesen. ICH HAB’S JA KAPIERT!

Ja, war schon irgendwie gut und im Schlimmen schön anzusehen, aber dann doch zuviel des „Guten“. Man soll halt nicht mit seinen Pfunden wuchern. Sagt übrigens auch Roger Ebert.

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  1. […] So, jetzt kommst her, Kollege Iñárritu und holst dir deine nächste Pflichtwatsch’n ab. Was hast dir denn dabei gedacht, ha? Auf einen toten Gaul mit der Moralkeule einzudreschen bis ihm die Eingeweide rausplatzen, nennst du Kino? Ich wär ja so gern eingeschlafen, aber deine Holzhammermetaphorik in Zeitlupenthrill, gekittet mit einem unfassbar hanebüchenen Strukturleim, auf den ich dir nicht gegangen bin, hat mich so provoziert, dass ich mir ungefähr 120 Barthaare ausreissen musste bis der Film zuende war. Was denkst du denn eigentlich, wer du bist und vor allem wer ich bin? Seh ich aus wie ein Volldepp? Bin ich zwölf? Man muss mir nicht 2,5 quälende Stunden lang Einen sülzen von wegen Völkerverständigung und Toleranz, ich kapier’s auch so. Und ja, ich hab’s ja kapiert, wollte ich alle zwei Minuten sagen. Da mögen die Schauspieler noch so inbrünstig und die Bilder noch so blutrünstig sein, mir scheissegal, wenn ich mir belehrt und gelangweilt zugleich vorkomme. Und diese Kollegstufenmoral über Sprache und Sprachlosigkeit mit der plattesten Emblematik der Saison, einem taubstummen Mädchen, auf die Spitze zu treiben, empfinde ich als Beleidigung meines Intellekts. Wenn ich eine Predigt will, gehe ich in die Kirche und aus der bin ich nicht ohne Grund ausgetreten. […]

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